Uitsbsdenkr Sagblatt.
Dtrlag Langgafs« S7« „ (SÜP ^ Verlag (Expedition, 2953, Redaktion 52,
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die Aufnahme später eingereichter Anzeigen in die nächsterscheinende Ausgabe ,°ird keine Gewahr übernommen.
Nr. riV.
Wiesbaden, Freitag, 32. März LSGD.
Morgen-klusgade.
1. Matt.
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Der Sleuerwirrwarr.
HK. Berlin. 11. März.
Die Finanzkommission kommt in immer größere Schwierigkeiten. Jetzt ist auch bie erste indirekte Steuer, die Tabaksteuer, einer Subkommissiou überwiesen worden. Wenir das so weiter geht, ist ein Ende der Kommissionsberatungen noch gar nicht abzusehen. Daß es aber so weiter geht, ist höchst wahrscheinlich. Von der Branntweinsteuer liegt schon ein Entwurf der Subkommission vor. Aber auch dieser hat kaum Aussicht auf Annahme, denn er ist ohne jede Hinzuziehung von Sachverständigen ausgearbeitet worden.
Das Hauptkompromiß Gamp-Ahreud bezüglich der Besitzsteuer, die von den Einzelstaaten erhoben werden sollen, kann inan wohl auch schon als begraben betrachten. Man kann beinahe sagen: Kaum ist ihm das Wort entfahren, macht er's im Busen schon bewahren. Fast alle Fraktionen mitsamt dem Bundesrat» finden heute so viel Haare in der Speise, daß keiner sie schlucken möchte. Deshalb wird heute die 8t ach l atzsteuer wieder aus der Versenkung herausgcholt. Aber werden die Konservativen heute anbeißen? Sicher dann, weiln sie so viel Änderungen durchsetzen, daß ein großer Schaden ihnen daraus nicht mehr erwächst. Tann aber können die Freisinnigen kaum noch mit-
"^Der Wirrwarr ist deshalb ohne Grenzen. Fürst Bülow scheint, wie wir schon drahtlich meldeten, durch eine Reichstagsauflösung sich helfeir zu wollen. Nur ist das ein Sprung ins dunkle, denn neue Steuern geben eine schlechte Wahlparole ab, die Sozialdemokratie würde bedeutend zunehmen, lrnd stür die Blockherrlichkeit dürfte auch die letzte Stunde 'geschlagen haben.
Doch auch fo spitzt sich die Krise anscheinend zu, daß rcürft Bülow sich aus dein Labyrinth kaum noch Yer- ausfinden dürfte. Er hat augenblicklich sede Führung verloren und dürfte sie so leicht iricht wieder gewinnen. Man mutz wirklich wieder in der deutschen Geschichte -curückaehen und kann weit bei andern Völkern Umschau halten, ehe man ein so merkwürdiges Sch ausP icl bei einer so wichtigen Frage wieder
^ n *5Die Hauptschuld liegt daran, daß der Block eine so wenig homogene Masse bildet, daß mit ihm eine große Finanzreform kaum zu machen ist, und daß dm Regie- runa an ihren ursprünglicheir Vorlagen nicht festhalt, sondern sich von einer einzelnen Fraktion wie den Agrariern ins Schlepptau nehmen laßt, nnöetn Ländern demissioniert eine Regierung, die von der Parlamentsmehrheit, ini Stich, gelassen wird, und cs bildet sich eine neue. Auch bei uns wird kern anderer Ausweg bleiben.
ZKNilletorr.
KlreWge MH W neue WermchW WnMe.
Der Militärschematismus. — Neue Titel. — Seltene Orden.
,_ D-mische Fürsten im österreichischen Heer.,— Ulte Privi
legien. —■ Historische Namen. — Das älteste Regiment.
Die österreichische Rangliste, die den etwas merkwürdigen Namen „Schematismus für das K. und K. Heer und für die K. und K. Königs-Marine fuhrt, ist soeben mit erheblicher Verspätung auf das Jahr 1908 er« schienen. Es ist ein außerordentlich interessantes Buch, das mehr bietet als eine bloße Aufzählung von Truppenteilen und Namen. Eine reiche kriegerische Geschichte spricht aus den Blättern dieses Bandes, die Taten einer ruhmreichen Armee, deren Fahnen^ in den Niederlanden nnd in Belgien, in Italien und Spanien, an den südöstlichen Grenzen ihres Vaterlandes geweht haben, leben wieder in ihm auf und zeigen den interessanten Entwlckelnngsgäng eines Heeres, das in Hunderten von Schlachten und Gefechten seine kriegerische Tüchtigkeit erwiesen hat. ...... .....
In bezug auf seine technische Einteilung weist der Schematismus in diesem Jahre insofern eine Veränderung auf, als zum erstenmalc die höchste Gcncral- Harge nicht mehr mit dem Titel „Feldzeugmeister", sondern mit dem aus der deutschen Armee entlehnten Namen „General der Infanterie" bezeichnet ist. Zum erstenmalc sind auch die bisherigen „Kadctt-Offizicrs-Stellvcr- treter" als „Fähnriche" angeführt. Und neben der Militärkanzlei des Kaisers, die dem preußischen Militärkabinett entspricht, verzeichnet der Schematismus auch eine Militärkanzlei des Thronfolgers, des Erzherzogs Franz Ferdinand.
Den Militär-Maria-Theresienordcu besitzt außer seinem Großmeister, dem Kaiser Franz Josef, nur noch
(Nachdruck verboten.)
Uhembrücke und Memkorreküml.
Es war vorauszusehen, daß der Leitartikel über deii rechtsrheinischen Verkehr in Nr. '<3 des „Wiesbadener Tagblatts", den weitesten Widerhall finden würde. Das darin behandelte Thema steht zu lange schon iin Mittelpunkte der rechtsrheinischen Verkehrsfragen, als daß die Presse weit über die unmittelbar interessierten Rheingebiete hinaus nicht davon hätte Kenntnis neh- men sollen. Verschiedene wirtschaftliche Jnteressenten- gruppen und Kommunen haben sich mit jenen Ausführungen befaßt und in einer journalistischen Verlautbarung, die in mehreren Blättern zu lesen und offenbar offiziös informiert war, scheint auch die Eisenbahnbehörde selber zu dem Artikel Stellung genommen zu haben.
Man durste nach den bisherigen Erfahrungen wohl erwarten, daß jener Artikel den Beifall der Bahnver- waltung nicht finden würde und tatsächlich verneint die Verkehrsbehörde auch die Notwendigkeit einer Brücke bei Rüdesheim-Bingen. Es wird behauptet, daß eine Brücke „zwischen Rüdesheim-Bingen dem Eisenbahnverkehr wenig nutzen würde, sta sogar entbehrlich geworden sei, seitdem die Kaiserbrücke zwischen Wiesbaden und Mainz hergestellt nnd in Betrieb genommen ist."
Über die Vorgeschichte der Brückenfrage heißt es dann weiter, daß „schon der hessische Staat ebenso wie sein p r e u ß i s ch e r Nachbar laiige, ehe mein an eine direkte Verbindung der damals noch langsam wachsenden Städte Wiesbaden m,d Mainz dachte, die Angelegenheit einer Brückenverbindung zwischen Bingen nnd Rüdesheim ins Auge gefaßt hatte, die natürlich Straßen- und E i se n b a h u b r u cke zugleich sein müßte. Der hessische Staat war auch geneigt, die Brücke zu bauen, aber das Geld fehlte, zumal die Eisenbaynausgestaltungen in Dberhessen das Gewinn- ersehnt# nufeerorbentlicf) beeinflußten« ^znMnfchen fant die Gemeinschaft mit Preußen, und auch seitdem ist die Brückenfrage wicderbolt crivogen worden. ES handelt sich um ein M i I l i o n e n o b j ek t bet dem die Eisenbahn nicht viel mehr Kosten hatte als die Gemeinden Rüdesheim und Bingen, welche Znsahtt,'- straßcn bauen und die Kosten der Straßenbrücke tragen müßten. Dazu sind sie aber nicht ohne Anleihemiltel imstande. Nachdem die Kaiserbrücke in Betrieb genommen ist, ivelche die bequeme Umleitung von Zugen Zwischen beiden Rheinseiten ermöglicht, Ijat man das Rüdesheimer Brückenprojekt vertagst Denn die preußische Eisenbähnverwaltunq hat kem Geld für kostspielige Bauwerke und in Hessen muß eine sehr erhebliche Steuererhöhung cintreten, Werl dre Ersenbahn- überschüsse sehr zurückgegangen sind. Wer soll aljo. dre Brücke zahlen an einer Stelle, wo nur rn crnrgen Sommermonateir ein lebhafter Verkehr ist, wo aber rm Winter für eine Brückenverbindung ledrglrch lotales Bedürfnis ist?"
ein einziges Mitglied, der General der Infanterie Freiherr von FLjsrvar». Dieser Orden wird nur für ganz außerordentlich tapfere Taten im Kriege perlrehen, die über den Rahmen der pflichtgemäßen Tätigkeit ves Offiziers hinausgchen. Der einzige Ritter des ^.rdens ist zugleich der Kanzler desselben. In der Liste der verstorbenen Ordensmitglieder finden sich gar manche Namen von Klang, so die Feldmarschälle Dann, Lvudou, Gras Starhemborg und -H adctzt I. Die friedlichen Zeiten mache» 'sich in der österreichischen Rangliste insofern bemerkbar, als in der ganzen Armee nur „och'W Träger von goldenen Tapferkeitsmedaillen vorhanden sind. Von diesen 25 Dekorierten befinden sich allein elf in Jnvalidenhänseru.
Die deutschen Bnndeöfiirsten und auch andere Mitglieder fürstlicher Familien erscheinen in der Rangliste zahlreich angeführt als „Oberstinhaber" einzelner Regimenter. Der Deutsche Kaiser ist ObcrsttnhaSer des 84. Infanterie-Regiments, das auf immerwährende Zeiten den Namen „Wilhelm der Erste, deutscher Kaiser und König von Preußen" zu führen hat, sonne des 7 Husaren-Negirnents. Der deutsche Kronprinz ist Oberstinhaber des Jazygicr- und Knmanicr-Husaren- Regiments Nr. 13. Als Hanptmann des 84. Jnfanteric- Negiments führt die Rangliste den Prinzen Eitel Friedrich von Preußen ans, der auch Großkreuz des Ungarischen Stefansordens ist. Der K ö u i g v o n Sachsen ist Oberstinhaber des Niederöstcrreichischcn Dragoner-Regiments Nr. 3 lind der Prinz reg ent von Bayern Oberstinhaber des 10. Feldhai,bitzen- Regiments.
Besonders bemerkenswert sind einzelne Privilegien, die gewissen Regimentern verliehen worden sind und auf deren Einhaltung in der österreichisch-nngarischen Armee peinlich geachtet wird. Das 42. böhmische Infanterie- Regiment Ernst August, Herzog von Cumberlaud, Herzog
Das ist die Auffassung der Etsenbahnverwaüung über diese wichtige Verkehrsfrage. Der Fiskus machr es sich mit seiner Kalkulation über alle Maßen letche. Für ihn sind allein finanzielle Gründe ansschlag gebend und deswegen behandelt er schlankweg daS -orale Verkehrsbedürfnis als nebensächlich und glaubt es nnt dem Hinweis abtun zu können, daß die Kaiserbruae dem Eisenbahnverkehr vollauf genüge. Es haben rm Rheingau über die Notwendigkeit der Kaiserbrncke von jeher geteilte Meinungen geherrscht, doch Satz ,ste das rheingauische Ber?eI)vsbedürsntA beseiedtge, in neu) vonAiremandem angenommen worden. Im Gegenterl, gerade die Steigerung des örtlichen Verkehrs durch den wachsenden Bahnverkehr und die Umlertung der Züge hat die Notwendigkeit einer Brücke bei Rüdes- Heim-Bingen schärfer hervorgekehrt. Mit der Auffassung der Eisenbahnvcrwaltung ist darum die ganze wichtige Verkehrsfrage keineswegs abgetan. Überhaupt spielt der Eisenbahnverkehr bei der Beurteilung der Notwendigkeit eine mehr nebensächliche Rolle., er kommt nur insofern in Frage, als man selbstverltand- lich eine Brücke Rüdesheim-Bingen nicht allem als Straßenbrücke, sondern auch als Eisenbahnbrücke bauen würde, um den Umsteigeverkehr durch die Trajektboote zwischen den Ufern zu beseitigen und dem auch aus strategischen Gründen wichtigen Schienenstrang Bingerbrück-Metz direkten Anschluß und Forl- setzung nach dem rechten Rheinufer zu geben.
st Gerade das von der Eisenbahnverwaltung ^ als nebensächlich behandelte örtliche Verkchrsbedürfnis ist für den Brückenbau ausschlaggebend. Eine Trennung zwischen Sommer- und Winterverkehr läßt sich daber nur in der Theorie durchführen. Eine solche Argn- mentation kann keinen Anspruch auf ernsthafte Würdi- gung erheben. £)b im Sommer oder int Winter Hunderttausend«: den Strom kreuzen, ist nebensächlich. Für die Praxis kommt allein nur in Frage, ob überhaupt ein so starker Verkehr vorhanden ist, daß cm Brückenbau gerechtfertigt wäre. Diese Tatsache kann die Eisenbahnverwaltung nicht abstreiten. Schon deswegen nicht, weil sic das vorhandene starke Verkehrs- bedürfilis durch die Vermehrung der Trajektbootfahrten anerkannt hat. Der Trasektverkehr ist aber ein ganz mangelhafter Ersatz für eine Brücke nnd keines- wegs geeignet, das vorhandene Bedürfnis. auch nur einigermaßen zu befriedigen. Die Notwendigkeit eines Brückenbaues muß man sich doch nicht rein örtlich auf Rüdesheim oder Bingen beschränkt vorstellen. Die wirtschaftliche Entwicklung der ganzen benachbarten Gebiete, Handel und Wandel an beiden Uferstrecken und bereit Hinterlattdc werden durch die Umleitnng des Güterverkehrs über Mainz bezw. Cobleitz arg benachteiligt und im Personenverkehr bedeutet die häufig eintretende llnmöglichkeit, das gegenüberliegende Ufer auf direktem Wege zu erreichen, einen überhaupt nicht abzuschätzenden Verlust an ökonomischen Werten. Gerade die lokalen Verhältnisse erheischen neben den starken Anforderungen des sommerlichen Reiseverkehrs dringend diesen Brückenbau. Es geht doch tvirklich
von Braunschweig und Lüneburg, darf „wegen besonderer Auszeichnung in der Schlacht von Deutsch-Wagram aut 5. Juli 1809" bei allen Gelegenheiten de» Grenadiermarsch schlagen. Der Greuadiermarsch ist in der österreichischen Armee seit dem Jahre 1866 abgeschafft und hat sich eben nur bei dem genannten Regiment erhalten. Das erste Bataillon des 50. ungarischen Jnsanteric- RegimentS Friedrich, Großherzog von Baden, besitzt eine „demselben im Jahre 1851 verliehene» an der Fahne zu tragende goldene Medaille, mit dem Bilde Seiner Majestät Hcs Kaisers Franz Josef des Ersten nnd der Umschrift: „Für standhaftes Ansharrcn in der be
schworenen Treue im Jahre 1848." Dieses Bataillon war im Jahre 1848, als i» Ungarn der Aufstand gegen die österreichische Herrschaft ausgebrochcn war, als Besatzung im sogenannten Nengcbäudc in Pest disloziert. Dort wurde es von den aufständischen Hvuvcds umzingelt nnd anfgeforücrt, in ihre Reihen uberzutretcn. Das Bataillon blieb standhaft bei seiner beschworenen Pflicht nnd ersucht sich den Weg durch die Reihen der Rebellen. Das böhmische Dragoner-Regiment Nr. 8, Raimund, Fürst und Reichsgras von Moutecnccoli, vc- sitzt das nachstehende Privileg: „Das Regiment darf in Dienstesfttllen mit Trompetenschall und mit flieaender Estandartc durch die K. und K. Hofburg nnd die Reichshaupt- und Residenzstadt Wien marschieren, auch auf dem Kaiserlichen Hofburgplatz (Franzenplatz) sich anf- ftelXen und durch drei Tage allda für die Freiwcrbnug den Werbetisch anfschlagen. Von dem Regiment wird dann vor der dem Regiments-'Kommanbanten in der Hofburg pro korrns. einzurünmcndcn Wohnung, wohin die Regt me n ts-Est and ar ten' zu bringen sind, die Wache bezogen, und dem jeweiligen Regiments-Kommandanten Ist es bei solcher Gelegenheit gestattet, unangemeldet in voller Rüstung vor Seiner Majestät dem Kaiser zit erscheinen. Das Regiment hat auch die Versich-rung,
