Geile S
Samstag, 6. März 19VS
Wi§sdadener Tagblatt»
Morgen-Ausgabe, 1. Blatt.
Nr. LOS.
tragen und gleichzeitig der Verbrauch des gewerblichen Spuntus mit anderen Deleuchtungsmitteln und für Jndustriezwecke geregelt werden. Was zunächst die Behandlung der Verbrauchsabgaben tut künftigen Entwurf betrifft, welche in dessen ersten: Abschnitt geregelt ist, so ist über den § 2 der Vorlage Einigkeit nicht her- belaeführt worden. Während auf der einen Seite die Höhe der Verbrauchsabgaben in einer Spannung von |20 M. gefordert wurde, wurde auf der ander«: Seite Heren Reduktion auf 1 M. verlangt, mit der Begründung, daß weder dieser noch überhaupt ein Satz notwendig sei, weil es sich um Reservatrechte der süddeutschen Staaten handele. Die Reduktion auf 1 M. sei dadurch bedingt, daß es sich um ein in weiteren Kreisen des Volkes unbeliebtes und auch von mehreren Seiten als ein als Liebesgabe anerkanntes Geschenk an gewisse Brennereien handle. Die werteren Bestimmungen des ersten Abschnittes behandeln Fragen, die inr wesentlichen im gleichen Sinne im Branntweinsteuergesetz vom 24. Juni 1887 bezüglich vom 8. Juli 1868 geregelt sind. Der zweite Abschnitt des Entwurfs befaßt sich mit der Kontingentsfrage. Das Kontingent Kerbt nun nicht daS gleiche, wie es irn Brennbetriebs- jahre 1907/08 nach den Vorschriften des bisherigen Branntweinsteuergesetzes festgestellt ist.
* Die süddeutschen Brennereien znm Branntwein- stenergesetz. In süddeutschen Brennereikreisen ruft der B ranntw e in st eu e r g efe h en-tw u rs große Bede n k e n und B estü r z u n g hervor, Sa man befürchtet, daß durch dsrffeWem wiederu-m die lanÄivbvöschafMHen Brennereien Bay-e-rnä, Württembergs und Badens schwer g e sch ü- d igt werden. Man hofft in diesen Kreisen sicher, daß hie süddeutschen Mgeordu-oten aller Fraktionen aus diesem Grunde idem Gesetzentwurf die Zufftimlmung versagen .werden und der Reichstag den KommWouscuAvurf fallen läßt und auch den Monopoleutwurf zuLückz-icchi.
-jß Die Angelegenheit Holle (um es kurz so zu Nennen) wird immer noch vielfach unzutreffend aufgefaßt und erörtert. Von einer dein Minister verwandtschaftlich nahestehenden Sette war uns schon vor längerer Zeit mitgeteilt worden, daß es nur vorn Ge- fundungsfortfchritte des Ministers abhängen werde, wann er und eventuell ob er überhaupt in sein Amt tzurüÄtreten werde. Damals hatte sich sein Befinden sehr zum Schlechteren gewandt, jetzt ist es etwas besser. Mit größter Bestimmtheit aber wurde uns versichert, daß ein anderweitiger Rücktrittsgrund nicht in Frage komme. Eine Verstimmung des Kaisers, die aus äußerem Anlaß einmal vorhanden gewesen sein möge, sei längst gewichen. Unsere damalige Erkundigung wird vollständig bestätigt durch die Tatsache, daß Herr Holle kürzlich zum zweiten Male sein Entlassungsge- juch emgereicht Kat und daß es vom König abschlägig beschieden worden ist. Die AngelegLnheit Holle entbehrt also jedes politischen Hintergrundes, und die Blätter, die sich über einen Nachfolger die Köpfe anderer zerbrechen, tun etwas sehr Überflüssiges. Es mag ja schon sein, sich bei einem Minister wirkliche Gesundheitsgründe für einen Rücktritt vorzustellen, aber bei Holle handelt es sich wirklich nur um solche.
* Der Einfluß Hinzpeters auf de» Kaiser. Die verschiedenen Urteile über den Einfluß des.verstorbenen Geheimrats Hinzpeter auf unseren Kaiser werden durch einen weiteren Beitrag im „Hannoverschen Kurier" vermehrt: Es haben uns die schriftlichen Aufzeichnungen des Angehörigen einer utit Hinzpeter befreundeten oder wenigstens sehr gut bekannten Familie Vorgelegen, der noch ein paar Jahre vor Hinzpeter aus dem Leben geschieden ist. Danach ist es uns zweifellos, daß namentlich Hinzpeter in das empfängliche Gemüt unseres Kaisers die Idee eines scharf a nsgopräg- t c n GotteSgnaden tu m 8 des perföu-
; geu. angenehm erwärmten, voll «nein eleganten Publikum belebten Halle verbracht, bietet den Augen malerischste Bilder dar, denn was hier einzelne, nicht gu den Berussläuferu und -läuferinncu zählende Damen und Herren im Kunstlaufen und zumal im Tanzen zeigen, ist einfach bewundernswert. Folgen »vir schon gern einem sicher und schmiegsam tanzenden Paare im Ballsaale — heute, wo von den Jüngsten die verdrehtesten Methoden angewendet werden, bereits eine Seltenheit! — wie viel mehr erst auf dem Eise, da hier in weit höherem Grade die Schmiegsamkeit der Körper und die Gewandtheit der Bewegungen zur Geltung gelangen und der Tanz Schwung und Leichtigkeit annimmt. Kürzlich erschien übrigens auch das Kronpringliche Paar zur Mittagszeit im Eispalast, schon die Schlittschuhe an den Füßen, als das Automobil verlassen wurde, die Kronprinzessin im braunen Pelzkostüm, der Kronprinz in weißer Flanelljacke — im Sport-„Deutsch" Sweater genannt — in schwarz-weiß karierten Pluderhosen — der „Kundige"
, sagt Breaches — und mit grüner Sportmütze, die er höflich schwenkte und tief vor den Damen zog, die ihm vorgestellt wurden. Ein großer Teil der Hofgesellschaft hatte sich gleichzeitig eingefunden, wenn auch mehr als Zuschauer. „Kronpriuzens" liefen recht gut und „holländerten" sicher, der Kronprinz beteiligte sich dann eifrig am Hockeyspiel und war sehr erfreut, ^daß unter vier Partien bei dreien seine Partei den Sieg davongetragen.
Ist das winterliche Gesellschafts-Programm so ziemlich erschöpft dann beginnt die bildende Kunst sich wieder mehr emporzurecken und suchen unsere Museen, Galerien, wie Kunst-Salons durch besondere Veranstaltungen die Aufmerksamkeit zu erregen. Im Muse u m s ü r Volk e r künde begegnen wir einer Ausstellung von N eu- Erwerb u n ge u aus Ost- und Zentralafien, meist ans Tempeln stammende Wandmalereien und Skulpturen, deren Entstehung um tausend Jahre und mehr zurückliegt. Das Ethnographische überwiegt das Künstlerische, wenngleich in technischer Beziehung bei den Malereien jUiii) Bildwerken bereits ganz Außerordentliches ge-
lichen Regiments gepflanzt hat, die vor wenigen Monaten zu einer so empfindlichen Katastrophe führen sollte.. Von diesem Standpunkte aus, der seiner innersten Überzeugung entsprach, konnte er auch Bismarck gegenüber nur die Stellung einnehmen, von der bereits zutreffend erzählt wurde. Dabei war er alles eher als ein eigentlicher Gegner Bismarcks, im Gegenteil, er schätzte die Staatsweisheit des eisernen Kanzlers überaus hoch. Eine großzügige Auffassung aber war dem sehr tüchtigen Philologen jederzeit fremd geblieben. Und er lebte in solcher Unkenntnis der innersten Natur Bismarcks, daß er es sich ganz hübsch vorstellte, daß Bismarck sich auf die Rolle eines unbeamteten, oftmals zu Rate gezogenen Privatmannes zurWkziehen sollte, da er ein gemeinsames Arbeiten feines kaiserlichen Schülers mit dem großen Kanzler nicht mehr für möglich hielt. Von diesem Standpunkte aus sind auch alle die ernst gemeinten Versuche Hinzpeters zu verstehen, zwischen dem Kaiser und Bismarck auf jener Grundlage eine Aussöhnung herbeizuführen. Aus, jener Zeit stammt aber auch das Wort des verabschiedeten Kanzlers: für „einen Hinzpeter Numero zwei" halte er sich denn doch noch zu gut. Es liegen auch Anhaltspunkte vor, die darauf schließen lassen, daß Bismarck schon geraume Zeit vor seiner Entlassung den geheimen Einfluß Hinzpeters sehr ungern gesehen hat. Wenigstens wurde damals bestimmt angenommen, daß sich auf Hinzpeter das bittere Wort bezog, das Bismarck Ende der achtziger Jahre zu einem ihm vorgestellten süddeutschen Gymnasiallehrer sprach: „Was wollen Sie denn mit der Stellung Ihres Berufes unzufrieden sein, heutzutage, da wir von Philologen das Reich regiert sehen?"
* Weitere Proteste zur NeichStagsstichwahl in Bingen- Alzey. Der „Nativnalvevein für das liberale Deutschland" hat in einer Sitzung feines Ausschusses folgende Erklärung beschlossen: Der geschäftssnhrewde Ausschuß des Nationalvereins für «das liberale DvuMMnd spricht seine tief st c Entr il ft u n g Wer den schmach- vollen Vorgang der Stichwahl in Vingen-Alzey «ns. Wenn cs möglich ist, daß liberale Wähler entgegen der Parole der eigenen Partei ans Gründen erbärmlichen WachlsHachers einen hervorragenden Liberalen einem Zentrumskandidaten gegenüber fallen lassen, so bedeutet das einen Tief st a n d desv o l i t ifche n Lebens, der -geeignet «ist, die Idee «des Liberalismus znm Spott der Gegner zu machen.
* Mcdizinalkonferenz. Auf Anordnung des Kultusministers fand im KuliuSmtnist.erium unter -d-em Vorsitz des Minister-iakdirektors Dr. Förster eine Verfammtlung sämtlicher Regierungs- und Medizinalräte der Monarchie statt. Es wurde zunächst inr Anschluß au einen Bericht, welchen, der Geh. Öbermedtzmalrat Professor Dr. Kirchner über die gegenwärtige Gholleraepidemi-e in Rußland erstattete, über die bei einem etwaigen Wieöem austreten der Cholera in Preußen zu ergreifenden Schutzmatzregeln beraten und dann eine Reihe anderer Fragen von allgemeiner Bedeutung aus dem Gebiete der Medizinallverwaltung zur Erörterung gestellt.
* Die Rechtlosigkeit des liberalen, katholischen
Geistlichen. Pfarrer Tremel beleuchtet in der „Augsb. Abendzeitung" das gegen ihn beliebte Inquisitions- Verfahren in einer treffenden Gegenüberstellung der Privilegien, die die Z e n t r u m sgeistlich - keit genießt, und der Rechtlosigkeit eines liberalen, katholischen Pfarrers. Die katholische Moraltheologie -es als Autorität anerkannten Prälaten Pruner erklärt: „R evo
lutionären Parteien die Wahlstimme zu geben, ist unter allen Umständen s ch w e r e Sünde." In der Reichstagswahl 1907 ist in diesem Sinne eine
leistet ward. Interessant ist die Beobachtung, daß die chinesische Kunst der Gegenwart sich in nichts unterscheidet von jener vor einem Dutzend von hundert Jahren, sie hat gar keinen Fortschritt gemacht --- all' biejc Buddhas, Gottheiten, Götzen, Fabeltiere, die so lange im Wüstensand vergraben gewesen und von deutschen Gelehrten auf das mühsamste herausgebuddelt worden, könnten ebenso gut aus dem heutigen Malerviertel Pekings stammen, und den zeitgenössischen chinesischen Künstlern würden Fälschungen gar nicht schwer fallen. Viel bedeutender vom künstlerischen Standpunkt aus sind die herrlichen altchinesischön und -japanischen Klein-Bronzen, Fayencen, Cloisomwes, von denen leider nur ein Teil aufgebaut werden konnte, da es - die alte Klage! — an Raum mangelt; hier kann in erster Linie unser Kunsthandwerk immer von neuem in die Schule gehen.
Mehr Interesse für das größere Publikum dürste die in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten erfolgte Rn s st e t l u u g d e r w i s s e n s ch östlichen Ergebnisse der 1907/08 u n t e r n o m - mencit Zentralafrika-Expedition des Herzog L A d o l f F r i e d r i ch v on M e ck l c n - bürg haben. Nur um eine sorgfältige Auswahl der außerordentlich reichhaltigen Gesamtausbeute haudell es sich hier, sie hat den Zweck, weiteren Kreisen zu zeigen, in wie gründlicher wissenschaftlicher Weise die Mitglieder der Expedition tätig gewesen, die sich vor große Aufgaben gestellt sahen, welche auf das befriedigendste gelöst worden sind. Manch' weißer Fleck auf der Karte Jnnerafrikas konnte ausgefüllt und sehr wichtigeBeobachtungen in sozialecBeziehung konnten angestellt werden, die neue Schlaglichter ans das Leben verschiedener Negervölker werfen; daneben kamen die ethnographischen, zoologischen, botanischen, geologischen und topographischen Studien nicht zu kurz, wie dies die einzelnen Abteilungen beweisen, die uns in über- sichtlicher Anordnung das oft unter den schwieriasten Verhältnissen. gewonnene Material — bei der Besteigung des 4600 Meter hohen _ Vulkans Karissimbi ging die Hälfte der Karatvane in einem schrecklichen Schneesturm zugrunde, die Sammlungen und Beob-
direkte telegraphische erzbischöfliche Weisung an die Zentrumsgeistlichen, nicht für die Sozialdemokratie zu stimmen, ergangen. Sie haben sie nicht nur nicht beachtet, sondern z» ihrer Übertretung sogar ihre Pfarrkinder aufgefordert. Der Domdekan und päpstliche Hausprälat S ch ä d l e r hat im Reichstage wegen des Erlasses den Erzbischöfen vorgeworfen, Ver- tvirrung im katholischen Volk angerichtet zu haben. In der Zentrumspresse und in Volksversammlungen hat manj damals von „Staatspfaffentum, Weihwedelpolitik, Verrat an der Parteisache" geredet. Und diese ganze scharfe Kritik an der bischöflichen Autorität, dieser offene Verstoß gegen -den kanonischen Gehorsam hat den Zentrumsgeistlichen nicht die leiseste Verwarnung eingebracht. Der Delegiertentag der bayerischen Zentrumspartei inkl. seiner Geistlichen! aber billigte das Verhalten der Partei und sprach sich für „völlige Unabhängigkeit von der kirchlichen Hirtengewalt in politischen Dingen" aus. Also der Zen- trumsgeistliche in politeiis ist unabhängig von seinem Oberhirten, der liberale Pfarrer aber zu u n b e d i n gte m, kanonischem Gehorsam auch in politischen Dingen verpflichtet. Das ist. Zentrumsrecht. „Nie", schreibt Pfarrer Tremel, „sei ihm so klar nt Bewußtsein geworden, welch' unvereinbar" Gegensätze Ultramontanismus und moderner Verfass ungs st aa-t sind."
* Herr Erzberger als Diätenschinder für seine Parteigenossen. Abgeordneter Erzberger hat ein merkwürdiges Talent, mit oder ohne, persönliches Zutun dauernd von sich reden zu machen- Diesmal kommt der ihm gleichartige Fraktionsgenosse , Gerstenberger anscheinend ganz ohne Absicht, mit einer köstlichen Enthüllung, nach der sich Erzberger als Diätenschinder für seine Parteifreunde hergibt. In einem Stirn- m ungsbild über die Reichstagssitzung vom 24. vorigen Monats (Aschermittwoch, erste Sitzung nach drei freien Tagen) schreibt Gerstenberger in seinem „Würzburger Volksblatt" folgendes: „Der gute
Mathias Erzberger mußte sich übrigens heute an seinem Namenstage recht plagen, um (da das Haus nach drei freien Tagen schwach besetzt war und geringe Redelust herrschte) durch öfteres Reden (viermal) die Sitzung solange hinauszuziehen, brs die süddeutschen Kollegen mit den nachmittags an- kommenden Zügen eingetroffen waren. L-onst wäre die Sitzung schon nach 114 Stunden zu Ende gewesen, und die Nachkommenden hätten 20 M. „ans Bein schmieren könne n." Diese Redepraxis könnte erklären, warum Erzberger einer jener Abgeordneten ist, die nach der Statistik für das abgclaufene Jahr im Reichstag die meisten Reden gehalten babe. Die „Rh.. Wests. Ztg." fragt übrigens dazu: „Wieviel Provision bekommt er wohl von den geretteten Parteifreunden für seine opferwillige Rederei?"
-- Die Reichspost als Arbeitgeberin. Anläßlich dot bevorstehenden Fernsprechverteuerung, welche die Reichspost zur Erhöhung ihres Einkommens einfützren will, wird ein Überblick über Sic Höhe der Einnahmen, des Überschusses und der Ausgaben von Interesse sein, welche Sie Reichspost bei dem letzten Abschluß hatte. Wir entnehmen der vor kurzer Zeit erschienenen amtlichen „Statistik der deutschen Reichspost- und Telegraphenverwaltung für das Jahr 1007" folgende Angaben: Die Höh« der Einnahmen betrug rund 597 000 000 M. Die Gehälter und Löhne ergaben 328 Millionen Mark, also 54 Prozent Ser Gesamteinnahmen. Die-Zahl der Angestellter!, der Beamten und Nnterbeamten war mit Ausschluß von Bayern und Württemberg 277116. Es kam somit auf den Kopf der Postbeamten durchschnittlich ein Jahreseinkommen von 1173 M. Im garizen Deutschen Reich einschließlich Bayern und Württemberg
achtungen konnten aber nachträglich gerettet werden — vor Augen führen. Eine Reihe trefflicher Photographien dient meist zur Ergcinzu'ng, hier fesseln besonders die Aufnahmen der Zwergbevölkerung des Kongo-Urwaldes und der häufig über zwei Meter großen Wabussi, eines sehr kriegerischen Stammes in Ruanda.
Ans Kunst und Leben.
I>. Die Hochzeit der Toten. In wie vielen Dingen die Reformbcstredungen und die Arbeit der Lehrer und Missionare ans das chinesische Volksleben auch Einfluß gewinnen mögen, an dem tief eingeiwurzelten Dotenikultus der Eh in es on scheitern die Gedanken der Neuerer. Allein die Liebe und Verehrung der Chinesen für ihre Abgeschiedenen zeitigt auch seltsame Blüten: im ,/Osservatore Romano" schWert ein in China -weilender italienischer Missionar einen wunderlichen Brauch, von dem öle Chsnescu nicht lassen wollen: die Verheiratung von
Toten. Diese scllsmneu „HochKeii-en" werden von eifrigen Bermittlerin-nen sorglich betrieben, die unter den Tote«, listen die guten Partien aussnchen und die Abgeschiedenen Sann „znsam-m-enführen". Stirbt ein Jüngling in einer Familie, so erscheint alsbald die rührige Heiratsvermittlerin. „Euer Sohn ist -wirklich in die andere Welt Werge,gangen?" Weinend bestätigen die im-glücklichen Eltern die Trau-erkunüe. Die Vermittlerin bringt nun ihren Vorschlag zu Gehör: „Ich kenne ein gutes, Hübsches, tugendhaftes Mädchen gleichen Alters, das in dieser Woche gestorben ist. Laßt uns die beiden jungen Leute verheiraten." In. der RegÄ willigen die Eltern ein, und nun eilt die Vermittlerin zu der Familie des verstvr'bencu Mädchens, um mit ihr zu verhandeln. Ist die Einigung emicl-tz so wird -diese nnHeimlichc Hoch, zeit gefeiert. Der Missionar hat einer solchen Zeremonie in einem Dorfe im oberen Nangtseläl lleigewohni. Alle Bevwanöten und Freunde folgten dem Sarge der iungert Braut. Die für europäische Ohren unerträglich-en chinesischen MusManden lassen ihre Weisen erschallen, und wenn der groteske HachzeitSzng das Grab des 'Bräutigams erreicht, so steigert sich die Musik gut einem ohrenbetäuberrdcn Lärm. Alle Einz-olHeiEe-n des seier»
