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Nr. 103.

Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. Mesda0§NeV TsMM. Mittwoch, 3. März 1800.

Gerte 8.

erhalten werden kann. Der Unfall ist um so bedauer­licher, als die Mutter des Kindes erst ovr einem halben Jahr ihren Ehemann verloren hat.

(!) Wildsachscn, 1. März. Die Mitglieder Ser hiesigen Spar- n n d D a r l e h n s k a s s e hielten vor­gestern abend im Saale des Herrn Gastwirts Fr. Rosen­kranz ihre diesjährige Generalversammlung ab. Die fälligen Dividenden im letzten Rechnungsjahre waren bis auf ein Mitglied an sämtliche Mitglieder zur Aus­zahlung gelangt, über die unterlassene Auszahlung entspann sich eine sehr erregte Debatte. Die Geister platzten schließlich so heftig aufeinander, daß der Rendant Ruf, der-Borsitzenoe Fremd und der Vorsitzende des Aufsichtsrats Ruf ihre Ämter nieüerlegten. Leider ist unsere Kasse dadurch in eine recht mißliche Lage ge­raten, denn in Anbetracht der geringen Einwohnerzahl wird cs außerordentlich schwierig sein, andere geeignete Persönlichkeiten für diese Posten zu finden, und es wäre deshalb sehr zu bedauern, wenn nach diesem Ans- und Rücktritt die Lebensfähigkeit des Vereins in Frage gestellt wäre.

<*. Äiuringen t. T., 28. Februar. Der ordentliche G a u t u r n t a g des M i t t e l t a u n u s g a n e s wurde heute mittag im SaalbanHinkelhaus" abgehal- ten. Anwesend waren von 83 Vereinen 03 Delegierte, sowie der Ganturnrat und der Turnausschuß. Aus dem eingehenden Jahresbericht des Vorsitzenden, Gau- vertret.exs Lehrer D i e n st b a ch-Erbenheim, sei folgen­des erwähnt: Der Gau zählte am 1. Januar er. in 34 Orten 36 Vereine mit 2128 Vereinsangehörigen, hier­von sind 1638 über 17 Jahren und 470 unter 17 Jahren. Ren eingetreten ist der Turnverein Reichenbach mit 20 Mitgliedern. Eine große Zahl von Vereinen zeigen eine bedeutende Schwankung im Mitgliederbestand, jedoch ist die Gesamtzahl gegen das Vorjahr um 176 ge­stiegen. Das Damenturnen pflegt nur der Turnverein Idstein, Schülerriegen hatten Turnverein Bermbach, Turnverein Auringen, Turnverein Heftrich, Turnvcr-. ein Idstein und Turnverein Rordenstaüt. In Eppstein und Erbenheim ist das schülerturnen von den Orts­geistlichen als Lokalschulinspektoren untersagt worden. (Hierzu bemerkte in der Besprechung ein erfahrenes Mitglied, daß das regelrecht gepflegte und rechtzeitig ab- gehaltene Schülerturncn von den Staatsbehörden leb­haft unterstützt würde und die Ortsschulinspektvren kein Recht haben, es zu untersagen. Im entsprechenden Fall sollen sich die Vereine beschwerdeführend an die Regie­rung wenden.) Soweit die Vereine einigermaßen Ge­legenheit haben, wird auch das Winterturnen gepflegt. Eigene Turnhallen besitzen der Turnverein Auringen, der Turnverein und die Turngesellschaft Idstein. Eigene Turnplätze besitzen die Vereine in Auringen, Cröftcl, Heßloch, Igstadt, Kloppenheim, Niederems, Staurod und Niedernhausen. Der Vorsitzende streifte noch die turne- riichc Tätigkeit, warf einen Rückblick aus das Wirken des Gaues und konstatierte, daß im Mitteltaunusgau ein neuer turnerischer Geist eingezogen ist, daß fleitzig und zielbewußt gearbeitet wird, und daß der Gau sich auf einer merklich aufsteigenden Linie befindet. Den Bericht über den Turnbetrieb erstattete der Gauturn- wart Fritz Ott-Bermbach und den Kassenbericht Gan- ,'äckelwart R u f - Wildsachsen. Die Gausteuer wurde pro 1009 für Turner auf 80 Pf. und für Zöglinge aus 13 Pf. festgesetzt. Recht lebhaft gestaltete sich die Wahl der Festorte. Als solche gingen für I960 E s ch (Gau­turnfest) und Br ecke »heim (Gauturnfahrt), für 1010 dl anrod (Gauturnfest) und Bermbach (Gau­turnfahrt) aus der Wahl hervor. Die Neuwahl des Gauturnrats ergab die Wiederwahl von Ott-Bermbach als Ganturnwart, Wahl-Idstein als Schriftführer und Ruf-Wilöiachien als Kassierer, sowie neu Christian Dietrich als 2. Gauvertreter. Nach Erledigung verschie­dener kleiner interner Sachen wurde der Turntag nach vierstündiger Beratung geschlossen.

Nassnuische Nachrichten.

Aus Nassau, 2. März. Zn den Ausführungen über die Einschulung der Volksschüler in Nr. 90 desWiesbadener Tagblatts" erhalten wir aus Lehrerkreisen eine ganze Reihe Zustimmungscrklürun- gen. Es wird darin namentlich betont, daß man schon lange beit Versuch gemacht hat, den Beginn der Schul­pflicht an das Ende des 7. Lebensjahres zu verlegen. Bekanntlich gilt für Nassau die Bestimmung, daß Kin­der, die vor dein 1. April des neuen Schuljahres das 6. Lebensjahr vollendeten, schulpflichtig sind. Solche, die zwischen dem 1. April und 1. Oktober 6 Jahre alt werden, können ausgenommen werden, wenn die Eltern ein ärztliches Attest beibringen, in dem die Schulfähig­keit bescheinigt wird. Dieser letzte Teil der Regierungs­verfügung wird als ein Unding bezeichnet, da kein Arzt in der Lage sei, nach einmaliger Untersuchung die Schul­fähigkeit eines Kindes festzustellen. Man sollte einfach, a h n e Aus n a h m e, bestimmen, daß vor dem vollende­ten 6. Jahre eine Aufnahme nicht stattfinden darf. Es sei dies den Eltern viel lieber, weil sie dann von vorn­herein wissen, woran sie halten. Vor allen Dingen aber sollten die Lehrer die Eltern auf die Folgen des allzn- frühen Schulbesuchs der Kleinen aufmerksam machen, dann werden die Eltern sich am ersten mit den diesbe­züglichen Anordnungen befreunden.

II. Schlangenbad, 1. März. Die hiesige Rodel­bahn, die den Ort längs durchschneibet, war gestern auch von auswärts gut freguentiert. Die etwa 1100 Meter lange Fahrbahn hat kein übermäßiges Gefälle und bietet daher große Gewähr für gefahrlose Be­nutzung. Der schöne Sonntag verlief denn auch ohne störende Zwischenfülle. Es wäre sehr wünschenswert, wenn zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage auch unsere Schlangenbader Arbeitslcute bei dem Pächter der fiskalischen Kurgärtnerei wie ehedem Verwendung fin­den würden. Die Leute sind gewissermaßen darauf an­gewiesen.

!! Hattenheim, 2. Mäm. Die vergangene Woche statige- habte Versammlung der Ausschußmitglieder desVereins für die wirtschaftlichen Interessen des Rhein- gaucs bchufs Konstituierung des Vorstandes hatte folgendes

Ergebnis: Hch. Franz Herber-EItvillc, 1. Vorsitzender, ei-

Aurgeff-Geiscnhcim, 2. Vorsitzender, Fr. Schmrtt-Eltinlle, Schriftrührer und Fr. L-iobert-Erbach, Kassierer.

!! Mittelheim, 2. März. Das am Bahnhof belegene Psahlsche Landhaus ging durch Kauf zum Preise von 30 000 M. in den Besitz der Herren Gebrüder Fuhrmann aus Ostrich über. Gestern feierte Herr Verwalter S ch l c geI aus Ostrich sein Löjähriges Dienstjubiläum als Obcrgartner und Verwalter im Hause Stosch.

H Winkel, 2. März. Der Voranschlag der Gemeinde für das Rechnungsahr 1900/10 balanziert in Einnahme und Ausgabe mit rund 126 000 M. Die Kommunalsteuern find wie im vergangenen Jahre auf 120 Proz. der Einkommen­steuer, 180 Proz. der Realsteuer, 100 Proz. der Betriebs­steuer festgesetzt worden.

!! Geisenheim, 2. März. Der Gesamtumsatz der «spar- und Leihkassc, E. G. m. b. H., betrug im verfloisen.cn Jahr 7 203 019.70 M., der Reingewinn 10 474 M. Aus letzterem Betrage werden 7 Proz. Dividende an die Mit­glieder verteilt. Auf Anregung eines Vorstandsmitgliedes wurden 75 M. bewilligt, die mit je 25 M. an die durch Jöic jüngste Wassersnot Geschädigten den Gemeinden Nassau, Weinähr und Dausenau überwiesen werden.

no. Michelbach i. T., 2. März. Der König!. Landrat von Langenschwalbach, ein Baurat aus Wiesbaden und der Wiescnmeister hielten vor einigen Tagen hier einen Lokaltermin ab, um festzustellen, welche Schäden an Brücken und Bächen das Hochwasser verursacht hat. Wie feststeht, betragen die Kosten der Rcguliernngs- arbciten der Bäche und Herstellung von Überbrückungen an denselben im Kreise 20 000 M.

o. Braubach, 1. März. In der in der unteren Markt­straße belesenen Wohnung ihrer Dienstherrin, Fräulein H., ist am Sonntagnrorgen die Hochbetagte Wirtschafterin Christine Rick er im Rauch erstickt, der durch einen glimmenden Teppich entstanden war. Das im Neben- zimmer schlafende Fräulein H. ist an Rauchvergiftung schwer erkrankt) man hofft aber, sie am Leben zu erhal­ten. Da der Ofen defekt ist, darf angenommen werden, daß der Teppich durch Funken des Osenfeucrs in Brand gesteckt wurde.

Runkel, 1. März. Die durch den Tod der lang­jährigen um die Anstalt sehr verdienten Vorsteherin der H a u s h a l t u n g s s ch u l e auf Schloß Runkel er­ledigte Stelle soll möglichst bald wieder besetzt werden. Es wäre sehr erwünscht, wenn dazu eine mit den Verhältnissen des heimischen Bezirks wohlvertraute Persönlichkeit gefunden würde, da diese Anstalt doch vor allem für Töchter unserer Heimat zu deren Vorbildung bestimmt ist. Bewerberinnen haben sich an den Vor­sitzenden des Kuratoriums, Herrn König!. Landrat Lex in Weilburg, zu wenden.

e. Wölferlingen, 1. März. Die hiesige Gemeinde­vertretung hat 200 M. für die von dem Hochwasser Geschädigten bewilligt. 100 M. sollen für die über­schwemmten in Nassau und 100 M. für die an der Elbe bestimmt sein. Im nahen Freilingen ist man einer jungen Diebsban de auf die Spur gekommen, die schon längere Zeit den Läden der dortigen Kauflcute Besuche abgestattet haben. Geld, Tabak, Messer und dergleichen hießen sie mitgehen. Die Täter sind schul­pflichtige Knaben. Sie gingen bei ihren Taten mit gro­ßer Geschicklichkeit zu Werke.

Airs der Umgebung.

Frankfurt a. M., 1. März. In einer Wirtschaft in der Klostergasse schoß gestern ein Italiener auf die Tochter des Wirts und verletzte sic schwer. Der Täter, der aus Eifersucht handelte, ergriff die Flucht und konnte bisher nicht ergriffen werden. Die F r,e i e evangelische Vereinigung hatte in der Synode den Antrag eiugebracht, die Synode möge bei der Regierung protestieren gegen die Wahl Dr. Quarcks (Soz.), zum Mitglied der Schulücputation. Die Synode lehnte diesen Antrag nach längerer Dis­kussion ab, weil die Entscheidung der Regierung zustehe.

l. Mainz, 2. März. (Eigener Drahtbericht.) Der MainzerR u d e r v e r c i n" errichtete eine Stiftung zur Ausschmückung des KreuzersMainz" und hofft, daß andere Mainzer Korporationen seinem Beispiel fol­gen werden.

ö. Mainz, 2. März. Bei den gestrigen Bewerbun­gen um die A r b e i t s l o s e n u n t e r st ü tz ü n g haben sich etwa 180 Personen gemeldet. Davon wurden 108 als berechtigt zum Bezug der Unterstützung in die Listen eingetragen.

m. Koblenz, 2. März. (Eigener Drahtbericht.) Am Güterbahnhof zu Coblcnz-Lützel ist heute vormittag ein schweres E i s e n b a h n u n g l ü ck vorgekommen. In den um 10 Uhr 12 Min. am Bahnhof Lützel einsahrcn- den Personenzug ist eine Rangiermaschinc gefahren; da­bei sind drei Personen u ms Leben g c k v m - men und 11 Personen mehr oder weniger schwer ver­letzt worden. Die Toten sind ein junger Mann namens Ring aus Kettig und das Ehepaar Ehlig ans Weitzenturm. Eine Lokomotive ist umgestürzt. Der hinter dem Packwagen des Personenzugs fahrende Wagen 8. Klasse ist vollständig zertrümmert.

-o- Braunfels, 28. Februar. Vorgestern verstarb in der Universitätsklinik zu Gießen an den Folgen eines Beinbruchs, den er sich am 20. d. M. bei einem Sturz ans dem Glatteis zuzog, ein auch vielen Aus­wärtigen bekannter, wohlgesinnter und hochbetagtcr Mann hiesiger Stadt, der sich bis tief in sein 83. Lebens­jahr einer trefflichen Gesundheit erfreute, Herr Kam­mersekretär Metz. Der Verewigte hatte von früher Jugend auf dem hiesigen fürstlichen Hanse seine treuen Dienste geweiht und diese bis weit über sein goldenes Dienstjubilänm hinaus fortgesetzt.Vor eini­gen Wochen starb auch im Alter von 68 Jahren die Gattin des seit Jahren hier im Ruhestand lebenden Herrn Pfarrers Wilhelm Feiler, der zuletzt in Igstadt amtierte.

Lls. Cassel, 1. Mürz. Nach einer hier heute nach­mittag cingclausenen telephonischen Nachricht ist unter den 3 0 0 ausländischen Arbeitern, Italienern, Kroaten, Galiziern usw., welche auf den Steinbrüchen und Vasaltwerkcn am sogenanntenBühl" im Habichts- walö in Arbeit stehen, eine große Revolte ausge­brochen. Der Bürgermeister des benachbarten Dorfes

Weimar wurde herbeigeholt, um die skandalierenden- und revoltierenden Ausländer wieder zur Vernunft und zur Ruhe zu bringen, allein ganz vergeblich, er wurde mit R e v o l v e r s ch ü s s e n empfangen, zum Glück blieb der pflichttreue Beamte, welcher einen un- gemein schweren Stand hatte, unverletzt. Gendarmen und Polizeibeamte sind ans telephonisches Ersuchen an den Ort der Revolte geeilt. Nähere Nachrichten fehlen noch, insbesondere auch über die Ursache, welche zu den bedauerlichen Ausschreitungen Veranlassung gegeben haben.

* Luftschiffahrt-Ausstellrrng Frankfurt a. M. Die

Kurverwaltung Scheveninge n Hat einen Preis von 1000 Gulden ansgesetzt für das erste Luftschiff, das von der Luftschiffachrt-Ansstcllung nach Scheveningen fährt. Bon privater Seite wurde ferner ein weiterer Preis für Lnftschifsaihrten gestiftet. Hauptmann a. D. T e wald, früherer deutscher Militärattache, Teilnehmer am Feld­zug in Deutsch-SüAvostafriLa, sich in dankenswerter Weise bereit erklärt, seine Dienste der Busstellungs- leitnng ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen. Herr Ingenieur N o deck, der als Leiter verschiedener größerer Ausstellungen rühmlich bekannt ist, wird die Direktion der Bergnügungsabteilung übernehmen. ES sollen einige neue Vergnügungen vorgeführt werden, welche mit der Luftschiffahrt in Verbindung stehen.

ft. K. Rhein- und Taunnsklub Wiesbaden (E. B.). Wir machen darauf aufmerksam, daß am Donnerstag, den 4. !d. M., die Vorberatung für die am 21. März er. auszu- führende 3. H a u p t w a n d c r u n g Schwalbach-Wifpertal- Lorch stattfind et.

* Fußball. Der Sportverein Wiesbaden. E. V hat nun­mehr seine Wettspiolterminliste zur Frühjahrssaison 1009 abgeschlossen und eröffnet dieselbe am nächsten Sonntag auf seinem Sportplatz an der Frankfurter Straße mit einem Wettspiel seiner 1. Mannschaft gegen die 1. Mannschaft des Karlsruher Fustballvcreins. WoihI einer der interessantesten Wettkämpfe, welche dem Wiesbadener Sportpublikum geboten werden können, wird sich damit am Sonntag hier abspiclen. Die Mannschaft gehört zur allerersten deutschen Klasse und kann, da der Verein durch die finanzielle Unterstützungdes sportbegeisterten Karlsruher Publikums,, welches zu Tausen­den die dortigen Wettspiele besucht, in die glückliche Lage ver­setzt wurde, sich einen Trainer halten zu können, sehr leicht wieder die Ausnahmestellung im deutschen Fußhallsport er­ringen, die er früher unbestritten eingenommen hat. Über die Resultate der Mannschaft in diesem Jahre, sowie über das Stärkeverhältnis zur Mannschaft des Sporkverems folgt noch in den nächsten Tagen ein kurzer Bericht, welcher auch die Aufstellung der Mannschaften bringt.

Wiesbadener Strafkammer.

Verschiedenes.

Am 23. Juni v. I. wurden die Brüder, der 14 Jahre alte Fabrikarbeiter Wilhelm B. irnd der 13 Jahre alte Schüler Anton B., von Höchst, auf den Hof der neuen Schule im Oberfeld geschickt, um dort Abfallhol) zu sammeln, das sich bei Schreinerarbcitcn ergab. Abends, als die Schreiner Feierabend hatten, stiegen die beiden B. mit noch zwei Altersgenossen Lurch eine Kellerluke in die Schule ein und rafften eine Partie Werkzeug so­wie in Stücke gebrochene Leisten zusammen. Sie wurden hierbei erwischt. Wilhelm B. erhält wegen schweren Diebstahls 10, Anton B. 3 Tage Gefängnis. Der Arbeiter Karl E. aus Biebrich sollte eines Tages aus dem Amtsgerichtsgefängnis in Nied erlahnstein zur Verbüßung einer größeren Strafe nach der Strafanstalt Eberbach transportiert werden. Er weigerte sich, dem Transporteur, ohne daß Essen mitgenommen werde, zu folgen, ließ sich ans der Straße, als ob die Schwäche ihn übermanne, hinfallen und auch, nachdem der Gefangeneu- wärter ihm aus Gutmütigkeit für eigene Rechnung Speise verabfolgt hatte, setzte er unterwegs dem Trans­porteur den energischsten Widerstand entgegen, indem er ans ihn einschlug und ihn trat, sich gegen die Erde stemmte, sich hinfallen ließ usw. Das Schöffengericht hatte den bereits 24mal vorbestraften Mann wegen Widerstands usw. zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Gestern wurde seine Berufung verworfen.

Frergcsprochcn.

Der Maurermeister B. aus Biebrich hatte in, letzten Sommer in Geisenheim den Ban einer Schule übernommen. Zur Besorgung der nötigen Fuhren hatte er den Winzer und Taglöhner Andreas R. von Geisen­heim engagiert, bei dem zeitweilig auch ein ihm gehöriges Pferd untergestellt war. Als B. sich eines Tages nach Geisenheim begab, um sein Pferd, dessen er selbst be­durfte, zu holen, kam es zu einer recht erregten Szene. R. wollte das Tier absolut nicht herausgeben, bevor ihm ein von ihm beschafftes Kummet bezahlt sei. Er forderte V. auf, sein Haus zu verlassen, und ging, als dieser nicht gleich dem Ersuchen nachkam, drohend mit der Mistgabel auf ihn los. Bei derselben Gelegenheit entdeckte B. in einem nicht mehr benutzten Schweinestall zwei Sack 'Zement, wie er bei dem Ban der Schule zur Verwendung gelangt war, und er nahm gleich an, daß dieser Zement gelegentlich der Abfuhr vom Bahnhof beiseite geschafft worden sei. 31. hat wegen Diebstahls und Bedrohung vom Schöffengericht 1 Woche Gefängnis erhalten, wäh­rend gestern auf die Anklage des Diebstahls ein Frei-, sprach ergeht mangels Beweises.

» Erfolgreiche Revision. Wegen Beleidigung des Bürgermeisters 3t. hafte das Landgericht Wiesbaden den Gastwirt Anton Kl. in Lorchhausen zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Beleidigung sollte in einer Gcmeinderatssitzung vorgekommen sein. Gegen dieses Urteil hatte der Angeklagte Rcoisivn ein­gelegt, welche unrichtige Anwendung des Gesetzes rügte und prozessuale Beschwerden erhob, die sich auf Ver­kennung des Begriffs der Öffentlichkeit bezogen. Das Reichsgericht hat die Revision für begründet angesehen. Das Urteil wurde aufgehoben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Landgericht zurück« verwiesen.