Nr. 85.
Morgen-Auögabe, L. Blatt.
Freirag. röv. Februar 180».
Serie o.
nichts mchr im Wege steht. — Der G e m e i n d e v o r st a n d Lescy-loß, dem Bullenhalter anheimzugeben, bei Neueinstellung eines Bullen mit der Westpreußischen Herdbuchgesellschaft in BerbrlWUng zu treten.— Der hiesige schützenverein. „S.ichter- eck har abermals um die käufliche Überlassung eines ca. 20 brs Ruten, großen Stückes Gemeindeland im Distrikt „Sichreren nachgesucht, da bei einer Pachtung die erforder- liehen Mittel zum Bau nicht.aufgebracht werden können. Nach eingehender Beratung beschloß der GeineiNdevorstand, vorbehaltlich der Genehmigung durch die Gemeinde-Vertretung, dem Verkauf eventuell zuzustimmen, wenn der Gemeinde ein Vorkaufsrecht eingeräumt und den von der Gemeinde näher bezerchneten Korporationen die Benutzung der Schießstände an einzelnen Tagen freigeftcllt wird. — Die Offerten- b f r n u n g zur Vergebung des Gemeindetaglohnsuhrwerks findet am Montag, den 1. März d. I., mittags 12 Uhr, statt. — spenden für die vom Kreisverein vom Roten Kreuz für den Landkreis Wiesbaden eingeleitete Sammlung für die durch das H o ch w a s s er Geichädigten unseres Regierungsbezirks werden aus dem hiesigen Bürgermeisteramt ent- gegengenommen. — Die Generalversammlung des F r a u eure r eins findet am nächsten Sonntag, den 28. Februar, nachmittags 5 Uhr. in der evangelischen Kirche statt. — Vielen Wünschen Rechnung tragend, bringt die Düngerausfuhrgesell 'chaft in Biebrich zur Kenntnis, daß in iiächster Woche niit dem Entleeren der Gruben im Eigenheim begonnen wird, dannt den übrigen Einwohnern ebenfalls Gelegenheit gegeben wird, ihre Gruben hieran anschließend leeren zn lassen. Antrags sind direkt der Gesellschaft zu übermitteln.
er. Rambach, 24. Februar. Die von der Frau Bürgermeister Morasch und Frau Hauptlehrer Cunz vorgenommene Sammlung von Gaben zur Unterstützung der über- i ch we mm t e n im Lahngcbiet ergab die Summe von 166.40 M.
MKssaUjsche Nachrichten.
c. Aus dem oberen Sayntal. 24. Februar. In den letzten Wochen Hort man lehr oft darüber Klage führen, daß schulpflichtige und kaum den Kinderschuhen entwachsene Jungen mit Schl etz Waffen umgehen. Sonntags wie Werktags wird man bei Tag und am Abend durch Schießen erschreckt. Daß dies Treiben nicht immer ohne Unfall abgeht, läßt sich denken. So qat sich vor 4 Wochen in Wölferlingen ein schulpflichtiger Knabe in die Hand geschossen, woran er heute noch zu leiden hat. Auch in Freilingen hat sich vergangene Woche orn schuifunge mit einem solchen Instrument die Hand durch und durch geichoffen. Woher die Kinder die Waffen haben, ist nicht ermittelt.
= Katzenelnbogen, 24. Februar. Der Vorstand des Krregervereuis terli uns mit, daß der Kreiskrieger- ü erb a nd s t ag des Verbandes „Unterlahn" nicht am 11. und 12 Juli, wre in Nr. 89 des „Wiesbadener Tagblatts" TUitgeteilt wurde, fondern am 18. und 19. Juli in Katzenelnbogen ftattsindet. _
Aus der Umgebung.
= Mainz. 24 Februar Am 2. März d. I. wird der letzte der von der Grobherzoglichen Handelskammer in diesem Winter veranstalteten h a n d e ! s tv i s s c n s ch a f t I i ch c n Kurie beginnen. Derselbe behandelt: „Ausländische
^ e Ä le L f ? 5ctn ,& t .» unb Berechnung)". Dozent ist Herr Hanöolslehrer Becker von der Öffentlichen Handelslehranstali der Großherzoglichen Handelskammer. Der Kursus umfaßt
8 Vortragsabende, welche Dienstags und Freitags von 8 bis
9 Um abends Ni den Raumen der HandelÄekuänstalt, Bau- hohtraße 7 Parterre, abgehalten werden. Der Preis der Teilnehmerkarte betragt 4 M., für die Hörer der früheren Kurse 2 M. Teflnehmerkartcn smd am ersten Vortragsabend im Vortrags-aaleseMt erhältlich. Anfangs März findet .die letzte akademische Vortragsreihe statt, in welcher Herr Geheimer Obernnanzrat Glässing-Darmstadt über „Dich Grund- 'sprechen^wird Staatssteuerwesens, Reichsfinanzreform"
DexMischtes.
* „Johannes durch den Wald". Die jüngste Jagd auf den vielgesuchten Raubmörder Sternickel, der trotz eifrigster Nachforschung sich so lange der goldenen Freiheit ersrente und dabei unserer Kriminalpolizei viel zu schaffen gab, mutzte unwillkürlich an einen seiner Vorgänger, den berühmt-berüchtigten „Schinderhannes", erinnern, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts zum Schrecken der friedlichen Bevölkerung des Taunusgelbiets wurde und die dortigen Behörden in große Aufregung versetzte. Die immerwährenden Kriege, der Wechsel der Herrscher hatten diesem Lande arg zugesetzt. Viele Räuberbanden durchzogen beständig die Gegend und machten besonders auch das Reisen gefährlich. Der bekannteste und mächtigste aller Bandcn- flrhrer war Johannes Bückler, genannt „Johannes durch den Wald". Das Volk hat ihn später besser unter dem Namen „Schinderhannes" gekannt. Diesem Romanhel- ben hatte man lange Zeit vergeblich nachgestellt. Die Furcht vor seiner Rache hatte ihn aber mächtig gemacht und lange über Wasser gehalten. Doch schließlich erreichte ihn das Schicksal in der Nähe von Nieöerselters, unwert der berühmten Mineralwafferguelle, die heute Eigentum des preußischen Fiskus ist. Auf der Höhe gegen Norden zn, der sogenannten Hessenstraße, in einem schmalen Kornfeld, wurde Bückler von der zu seiner Ergreifung ausgezogenen Mannschaft unter Führung des kurtrierischcn Amtsmanns Fuchs von Limburg am 81 . Mai 1802 durch den Brunnenmüller von Niedersel- ters ausgesangen. Die alteir Chroniken erzählen, wie diesem viel Volk und namentlich Brunnenknechte von Nieöerselters beigestanden hätten. — „Schinderhannes" wurde dann am 21. November 1803 in Mainz mit noch
30 seiner Spießgesellen hingerichtet. Er mar noch nicht
31 Jahre alt und hatte 83 Verbrechen auf dem Gewissen Seither herrscht Ruhe und Frieden in, schönen Taunusland. Nur im verflossenen Spätsommer fand das auch von der Kronprinzessin von Griechenland und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen besuchte Geländeichießen der Artillerie bei Nieöerselters statt, in nächster Nahe seiner stolzen neuen Brunnengebäude.
* Aus perverser Neigung. Einen guten Fang hat die Kriminalpolizei von Schönebevg gemacht Seit zwei Fahren liefen fortgesetzt von Damen Anzeigen bei der Polizei ein ^ ü ihnen auf Bahnfahrten von einem Unbekannten Su.cke aus ihren Kleidern her-ausgeschnitten worden waren, nicht nur aus den Oberkleiöern, sondern auch aus den Unterröcken. Dienstagabend konnte der Täter endlich ermittelt und in Haft genommen werden Der Verhaftete ist nach dom „Berl. Lokal-Anz" ein , 2 i Jahre alter Kaufmann K. in Steglitz. Er ist erst seit lkurzer Zeit verheiratet, seine Frau steht in allernächster Zeit ihrer Entbindung entgegen. K. ist geständig, seit zwei Fahren Damen in den bezeichneten Wagen' mH einer Nagelschere Stücke aus den Kleidern geschnitten
zu halben, und zwar, wie er selbst angibt, aus perversen Neigung. Er trug stets eine lange Pelerine, unter,deren Schutz er die verbrecherischen Manipulationen vornehmen konnte..
* Die Stadt der Streichhölzer liegt natürlich in Schweden. Es ist Tiüaholm, ein Ort in der Nähe von Skara, dessen 8000 Einwohner fast ausschließlich von Streichhölzern, oder besser von deren Erzeugung leben. Der „Vulkan" ist wahrscheinlich die größte Streichholzfabrik der Welt) sie verbraucht nämlich jährlich 17 000 Kubikmeter Holz, und erzeugt täglich 200 Millionen Streichhölzer, und im ganzen Jahr 73 Milliarden. Im ganzen sind hier 300 elektrisch angetriebcne Maschinen tätig, die die Streichhölzer Herstellen, und außerdem die Schachteln kleben. Allein das Gewicht der Etiketten, die auf die Schachteln geklebt werden, beträgt 124 000 Kilogramms hierzu sind über 18 000 Kilogramm Leim nötig.
gllmw Chronik.
Revision im Berger-Prozeß? Die beiden Verteidiger des Kapitäns ,z. S. Berger mtd des Schriftstellers Di-. Ilgen st ein, die Rechtsanwälte Heine und Br. Löwen- stern, haben am Freitag mit Berger konferiert, um sich über die eventuell emznleg-enöe Revision schlüssig zu werden. Uber den Verbleib des flüchtigen Jlgeirstein geht^nach dem „Tag" ein Gerücht um, daß er sich nach der Schweiz begeben habe. Die Verwandten haben bis jetzt noch keine Nachricht von seinem Verbleib.
Aus dem Hochwassergebiet. Pioniere retteten gestern früh aus einem Gebüsch eines überfluteten Gehöftes bei Stendal eine aus drei Personen bestehende Familie, die fünf Tage ohne Nahrung daselbst zugebracht Hatte. Man hofft, alle drei am Leben zn erhalten. — Achtzig Familien in Magdeburg erboten sich, Kinder aus dem Überschwemmungsgebiete der Altmark in Pflege zu nehmen.
Ein prachtvoller Meteor wurde gestern nacht in Cherbourg am Horizont beobachtet. Die Erscheinung dauerte längere Zeit und wurde von zahlreichen Personen gediehen. Die Laufbahn des Meteors ging von Südosten nach westlicher Richtung.
Eine Modistin aus königlichem Hause? „Stampa" will wissen, daß Frau Tofelli, die einstige Kronprinzessin von Sachsen, beschlossen habe, nach der Scheidung von ihrem Gatten einen Moöistenladcn in Rom zu eröffnen.
Ein entsetzliches Verbrechen scheint mit einem Leichensunde in Berlin in Verbindung zu stehen, der in dem Hause Jnvalidenstratze 18 gemacht wurde. Es handelt sich um den Leichnam eines Knaben, der schwere Brandwunden aufwies, also bald nach der Geburt in eiircn Ofen oder in eine Kochmaschine gesteckt sein dürfte. Die Leiche war in rotkarierten Jnlettstoff gewickelt und endlich in Zeitungspapirr gehüllt. Die behördlichen Nachforschungen nach der Mutter sind im Gange.
Unfall oder Selbstmord? Der Major Freiherr von Hvlzing-Perstctt von der in Münster garnisonierenden 13. Division, ein Bruder des Flügeladjutanten des Kaisers, wurde auf der Loddenlheide bei Münster tot auf- gesunden. Nach einer Version soll der Offizier bei einem Ritt durch den Wald vom Pferde gestürzt und tödlich verunglückt sein: nach einem anderen Gerücht, das in Münster zirkuliert, soll er in einem Zustande geistiger Umnachtung freiwillig ans dom Loben geschieden sein.
Diebstahl unter Polizeiaufsicht. Bon einem mit unerhörter Frechheit, in Szene gesetzten Diebstahl wird aus Petersburg gemeldet: Am Dienstag erschienen Diebe, als Arbeiter verkleidet, mit Fuhrwerken am Hellen Tage vor der Fontanka und räumten mit Hilfe der Posten stehenden Polizisten das kostbare Bronzegitter des Kanals fort. Nach stundenlanger Arbeit sichren sie mit ihrer Fracht unbehindert davon.
Wurstvergiftung. Nach dem Genuß von Leberwurst starb in Köwigshütte der Schlossermeister Koslowaki. Die Arzte stellten Vergiftung fest. Die Leiche wurde gerichtlich beschlagnahmt.
Massenverhaftungcrr in Lens. Infolge eines blutigen Zusammenstoßes einer größeren Anzahl Arbeiter und der Zerstörung von Inventar in einer Gastwirtschaft in Lens nahm die Gendarmerie gestern Masfenverhaftungen vor. 129 Männer und 28 Frauen wurden festgenommen. Die Mehrzahl der Verhafteten sind Belgier. Viele davon dürften ausgewiesen werden.
Ertrunken. Beim Überschreiten der Eisdecke auf der Weichsel bei Thorn sind abends in der Dunkelheit drei Personen ertrunken: der Bäckermeister Paul Herrliug, der Briefträger Stoyk aus Strclno und der Musketier Stoyk vom 21. Infanterie-Regiment, die einen Verwandten in der Vroiuberger Vorstadt besuchen wollten.
Mutter und Kind gemeinsam in den Tod. Die Arbeitersehesrau Runge in Hamburg vergiftete infolge ehelicher Zwistigkeiten ihr vierjähriges Söhnchen und dann sich selbst. Beide fanden den Tod
Vom eigenen Wagen überfahren und getötet. Der Kutscher Friedrich Liebert fuhr gestern gegen 10 Nhr in Nauenburg gegen eine Bordschwelle: er fiel vom Wagen und wurde von demselben überfahren und sofort getötet.
Maskcuairsschrcitnngen. Bei einem Streit zwischen Maskierten in Bochum, die von einem Maskenfeste heimkehrten, zog einer der Beteiligten einen Revolver^ und gab mehrere Schüsse ab. Eine Person wurde von zwei Schüssen getroffen und ziemlich erheblich verwundet. Der Revolverheld wurde verhaftet.
Infolge falscher Lenkung rannte ein Automobil 3 Kilometer von Creteil bei Paris gegen einen Baum, wobei ein Insasse getötet und zwei weitere tödlich verletzt wurden. Zwei kamen mit leichteren Verletzungen davon. Der Unfall wird auf die ungenügende Schulung des Wagenlenkers zurückgeführt.
Ein Waldbraud. Eine Feuersbrunst äscherte gestern mehrere Hektar Buchwald bei Domfrant (Frankreich) ein. Das Feuer konnte bis jetzt noch nicht eingeöämpst werden.
368 Todesfälle durch Erfrieren. Die Nachrichten ans dem vom SHneestuvm betroffenen Gebiet in Südrußland lauten immer trostloser. Ein Passagierzug, der zwilchen Rostow und Kiew eiuschneite, ist dem „H. C." zufolge von der Schneelast fast völlig zerdrückt worden. Eine. Reibe von Passagieren ist erfroren, während andere schwere Verletzungen davongetragen haben, über 800
Todesfälle durch Erfrieren sind bisher gemeldet worden. Im Schwarzen Meer ist eine große Anzahl von Schiss-- b rüchen v o rge komm en.
^Scheintot. In dem Augenblick, wo man in Fräjud (Süüfran'kreich) zur Einsegnung der Leiche einer 80jäh- rrgen Frau schreiten wollte, erhob sich die Scheintode und verlangte zu trinken. Der anwesende Klerus und die Verwandten gerieten über diesen Vorfall in furchtbare Aufregung.
Sport.
. , Weidmannsheil. Theodor S ch m i d t von Zorn schoß am seinem Jagdreviergang ein Wildschwein (schwerer Eber) durch etnen gut gezielten Schuß in seinem Lager.
* Aberglauben bei Automobilisten. Wie alle Berufe, bei denen der Erfolg mehr oder weniger von Zufälligkeiten bestimmt oder beeinflußt werden kann, bietet auch der des Chauffeurs, besonders oes professionellen Rennfahrers, Hand- haüen genug für den Aberglauben. Ein unvorhergesehenes Hindernis, ein Motordefekt — und das noch so günstig begonnene Rennen ist verloren. Da ist es denn kein Wunder, daß die meisten Berufsfahrer ihr Heil im Aberglauben suchen und sich entweder einen „Talisman" verschaffen oder unangenehmen und unheildrohenden Anzeichen ' aus dem Wege SDen, Trefeingewnrzelt im Volksbewußtscin ist die aber- vor b.er Zahl 13. So gibt e§ ..Verhältnis- mäßig wenige Menschen, die vorurteilsfrei genug sind, in einem Hotel Zimmer 13 zu beziehen. Mit dieser Schwäche rechnen auch die Hotclwirtc, indem sie meist aus 12 gleich 14 solgen lasten. Beim Automobilrcnnen ist dies nun leider nicht möglich. Aber kein Fahrer wird freiwillig Nr. 13 an» nehmen. Sonderbarerweise hat er aber noch vor einer anderen Zahl gleiche Furcht, und das ist die 23. Slls 1906 das Rennen um den Baudcrbiltpokal stattfand, litt einer der Teilnehmer schweren Schaden dadurch, daß sein Wagen gegen eine Telegraphenstange fuhr und zerschellte. Ohne weiter auf die Feststellung der tatsächlichen Veranlassung des Unfalls einzugehen, erklärte er sein „Pech" kurz und bündig damit, daß er Nr. ,7 hatte und dreiundzwanzig Jahre alt war. Der wirksamste Talisman eines Berufsfahrers ist ein ^ alter Hut! Natürlich nur ein solcher, der ihm einmal Glück Sebracht hat oder den er zufällig bei einem für ihn besonders gluatichen Ereignis auf dem Kopfe gehabt hat. Es kann natürlich aua, eine Mütze sein. Keine Macht der Erde könnte ihn dazu bringen, sich von einem solchen Glücksbringer zu rcennen. Und raubt ihm ern unglücklicher.Zufall diesen seinen Schatz, so ist er fetzenfest davon überzeugt, daß sein Glücksstern, nunmehr untergegangen ist. Es gibt einen Chauffeur, der Ult Jahren einen alten Weichen Hut auf allen Rennen tragt; käme ihm derselbe durch Diebstahl oder Verlust abhanden, so wurde er sicher vom Rennen zurücktreten. Wa« r i 7-u graue Frlzhut ursprünglich für eine Form gehabt S.?t' iaht sich raum mehr vermuten. Das Kranzfutter ist heruntergerrsien, und oen Ledcrstreifcn nmen hat der gluctlid)e^bcjt^cr mü eigener Hand ntif grobein lveißem ausgebessert. „ Aber dieser Talisman ist ihm um nichts feil, denn er schwort auf seine Wirlsamkeit. Manchmal will cZ denn auch das Geschick, daß ,o ein Abergläubischer recht behält. Ein ariderer Wahrer besaß ein Uhrkettenbrelogue in Form eine-, «chtvemchcns aus Perlen, dem er seine zahlreichen Er. folge znschrveb.. Eines Tages verlor er cs, und sonderbarer, wonncn^^ ^ diesem Tage nie wieder ein Rennen gc-
Deutscher Reichstag«
Eigener Drahtbericht des „Wiesbadener Tagblatts".
Berlin, 25. Februar.
2lm Bunöcsvatstisch niemand.
Präsident Gras «tolberg eröffnet Hie Sitzung um 2 Uchr.
o-, Zunächst -werden Petitionen erledigt, die die Petitlonstvmmisfion für ungeeignet zur Erörterung im Plenum erachtet hat.
Sodann beginnt die erste Beratung, über den Antrag her Polen, betreffend die Frage des Grnnd- eigentumserrverbs.
Abg. Graf Westarp (kons.): Der Antrag spricht nicht ganz Das aus, was er aus sprechen will. Der zweiLe Teil will bas AnsieöelungAgefetz von 1904 und 1908, in dem das Enteignungsrecht ausgesprochen wird, ausschalten. Selten habe ich eine so haltlose Behanptung gehört, wie me, daß wegen des GlaubensbekenninisjeZ irgend jemand irgend wie in seiner Bewegungsfreiheit beschränkt wird. Die Polen wollen die Angesessenen der Provinz Posen glauben machen, sic seien polnisch-katholisch oder dcutsch-evangeli'ch. Dadurch wird die Situation nur unklar gemacht. Bon ciuer polnischen Nationalität zic reden, haben die Polen kein Recht. In der Rcichsver- sassung steht nichts von der Unverletzlichkeit des Eigentums. und die preußische Verfassung geht den Reichstag nichts an. Der preußische Staat ist zir seinen bedauerlichen Maßnahmen g e z w u n g c n worden. (W i ö e r »
1 Pru ch bet ü e n Pole rr.) Seit Jahrzehnten boykottieren Sie alles Deutsche und streben ein polnisches Reich an. (L a ch e n bei den Polen und im Zentrum.) Sagen Sie sich los von der g r o ß p o l n i s ch e n Aaita- tion, dann erst haben Sie ein Recht, sich über Härten zu beklagen. Leider haben die drei freisinnigen Fraktionen sich für den Antrag erklärt,
trotz des veredelnden Verkehrs im Block.
(A n h a I teit.Sc, schallende H eitertet t.) Den preußischen Gesetzen haben die preußischen konservativen Fraktionen nur mit schw crem Herzen, aber im nationalen Interesse zugcstimmt. Ich bitte im Namen öer konservativen Fraktion, den Antrag abzulehnen und dev deutschen Bevölkerung draußen den Rücken zu stärken. (Lebhafter Beifall rechts. Zischen bei den Polen.)
Abg. Br. Heinze (nat.-lib.): Die in dem Antrag gewünschten Zustände bestehen heute schon. Wir sind aber auch der Ansicht, daß die preußischen Gesetze auf dem Böden des Reichsrechts stehen. Wir bedauern die Härten dieses Gesetzes, Beschwerden dagegen sind aber im P r e u ß i s ch e n L a n d t a g anzubringen. Wir müssen die preußische Politik in den Ostmarken billigen, deshalb lehnen wir den Antrag ab. (Beifall.)
Wbg. Br. Böhme (wirtsch. Ber.): Würde es sich um ein religiöses Ausnahmegesetz handeln, so würde ich den Antrag freudigst unterstützen. Um ein solches handelt es sich hier aber nicht. Die staatsbürgerlichen Pflichten wenden von den Polen in keiner Weise erfüllt. Wir lehnen den Antrag ab. (Beifall.)
Abg. Graf Praschma (Zentr.): Wir wollen der
preußischen Politik geben, was sie braucht. Diese Gesetz-
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