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Nr. 79.

Morgen-Ausgabe, 1. Blatt._ WrSSdsdSWeV

gungen informieren, so mag sie einen ihrer Räte senden, der aber dann keine förmliche Revision abhalten darf. Wir wissen genau, lxrß der Minister die Mitwirkung der VolkZschullehrcr an der Fürsorge für die schulentlassene Jugend als eine freiwillige -Betätigung gewünscht haben wollte, und die Förderung der Jugend- und Volksspiele gilt doch auch in erster Linie der schulentlassenen Jugend, Unterliederbach, 16. Februar. Heute mittag um J/ a 12 Uhr wurde unterhalb des Ortes aus der Liederbach eine männliche Leiche gezogen. Man erkannte in dem Toten einen Schreiner Herr aus Kelkheim, welcher in der hiesigen Graubncrschcn Fabrik beschäftigt ist. Der Lage nach ist der Mann in der Dunkelheit ins Wasser gefallen und ertrunken. Ein junger Mjähriger Mann von hier wollte während dem Fahren dem Pferd die Decke zurechtlegen, glitschte von der Deichsel ab und lau: unter den Wagen. Eine starke Verlobung der Wir­belsäule führte den baldigen Tod herbei. Man bringt den tiefgebeugten Eltern große Teilnahme entgegen.

r. Caub, 16. Februar. Eine Schisserstochter von hier wurde in Coblenz verhaftet. Das Mädchen hat in mehreren großen Städten mit Lebemännern Beziehun­gen angeknüpft und sic hintcnnach bestohlen. Das Mäd­chen wird von Nürnberg, Mannheim und anderen Städten steckbrieflich verfolgt.

7 i. St. Goarshausen, 16. Februar. Der nassauische Dialektdichter Rudolf Dich aus Wiesbaden hielt gestern abend im GasthausZum Hohenzvllern" einen seiner beliebten Dialektvorträge. Veranlaßt war der Äortrag durch den hiesigenVolksbildungsverein". Der hiesige Gesangverein trug unter Leitung des Mnsiklch- rers Becker einige Chöre vor, die vielen Beifall fanden. Der Vorsitzende, Pfarrer Dietz, berichtete über den Stand des Vereins, der Rechnungsführer Dillenverger über die Kassenverhältnisse, doch das Hauptinteresse fand Herr Rud. Dietz, der köstliche Proben aus seinen Ge­dichten zum besten gab. Reicher Beifall lohnte ihn.

Tis. Nastätten, 16. Februar. Die am 13. ö. M., abends, stattgefundene Stadtvcrordneten»Versammlnng brachte als Hauptpunkt der Tagesordnung:Neupflasterung der Straßen". Den sämtlichen Straßen der Stadt tut eine Neu Pflasterung, rcsp. Chaussierung dringend not. Schon wiederholte Sitzungen haben die Stadtverord­neten mit dieser Frage beschäftigt. Eine frühere Ver­sammlung hatte auch eine Kommission gewählt, welche sich über das, was ausgcführt werden könnte, beraten sollte. Die Kommission war sich darin schlüssig gewor­den, sie Neupflasterung des Stratzenzngs in der Stadt an der Bezirksstraße St. Goarshausen-Holzhausen _ der Stadtverordneten-Bersammlung zu empfehlen. Auch der Magistrat hatte diesem Plan zugestimmt. Die Kosten würden sich auf ca. 50 000 M. belaufen. Leider ist die Versammlung am Samstagabend dem Antrag der Kom­mission nicht beigetreten. Die Mehrheit der Stadtver- oröneten-Veriammlung will erstprobieren". Die Staütvevordnetcn-Versammlnng bewilligte 106 M. für die überschwemmten im Regierungsbezirk Wies­baden. Der Betrag soll an denVaterländischen Frauenvcrcin", Kreisverein St. Goarshausen, abgesandt werden ___

Aus der Umgebung.

Frankfurt a. M., 16. Februar. Beim Rodeln am SuchsMnz ereignete sich gestern mittag ein tödlicher U n - fall. Ein junger Mann bracht das Genick, und war wkort tot.' Vier weitere Personen erlitten Beinbrüche.

* Mainz, 16. Februar. Rhein Pegel : 30 cm gegen 12 cm am gestrigen Vormittag.

Derwilchtes.

«- Zum Kapitel Müllvcrbrenuuug. Vor dem Brüsseler flrzte-Kollegium hat ein in Brüssel wohnender deutscher Ingenieur Herr Tvbiansky einen Hochinteressanten Vortragüber die ans dem Gebiete der Hygiene bren- rcnde Frage der Verbrennung von Müll und Absall- io-ssen" gohallen. Die -zahlreich anwesenden Ärzte, unter Zerren sich auch die hervorragendsten Autoritäten und hbhere Funktionäre desOonsoil superieur dHygiene" befanden, spendeten dem Vortragenden öfters großen Beifall, der mit zahlreichen wohlgelungenen Experimen­ten seinen Vortrag behandelte. Herr TobianSky war imstande, an der Hand von einschlägigen Dokumenten pr beweisen, -daß bereits die ersten Kulturvölker: Ägypter, Griechen, Römer, die Ursache von Epidemien sPc-':, schwarze Pocken, Cholera, Typhus, Schwindsucht irjjt).) in den Müll- und Abfallstofsen erblickten. Darum Sant man von Anfang an ans den Gedanken, diese Stoffe durch Verbrennung zu vernichten. Große Hausen dieser Abfälle wunden errichtet, angezündet und die in dem Müll vorhandenen brennbaren Stoffe genügten, den Hausen in Brand zu erhalten. In hygienischer Hinsicht hatte das ja feine gute Seite, allein der aus der Ver­brennung sich entwickelnde stinkende und beißende Rauch wurde unerträglich, und der Wind veranlatzte öfters durch Flugfeuer Vernichtung ganzer Ernten und An­siedelungen. Der Redner berichtete dann weiter, wie später englische intelligente Konstrukteure durch den Bau geeigneter Ofen denselben Zweck zu erreichen hofften, doch ohne die aus dieser Methode erwachsenden Unan­nehmlichkeiten beseitigen zu können. Durch eine große Anzahl von Lichtbildern führte der Redner verschiedene Systeme vor, die jedoch nur bei sehr hoher Temperatur die Zerstörung der Müll- und Abfallstosfe ermöglichen. Das Reisultat ist ja in Hinsicht auf Lösbarkeit und Hygiene vollkommen, eigentlich zu vollkommen, da sich -die Asche zu festen Massen zusa-mmeufügt, di« -wertlos sind und vielen Platz einnehmen. Am Schluffe seiner hochinteressanten Rede erklärte der Redner, daß ein neueres Verfahren, welches auf Vergasung der Müll- und Abfallstoffe basiert, in Hygienischer Beziehung rvvh! dieselben mikrobentötende Wirkung erreicht, aber der Afche ihren Wert als vorzügliches Düngemittel er­hält. Der aus dieser Dungafche errungene Wert ver­mindert derartig die Kosten der Müllverbrennung, daß die Kommunen, anstatt große Opfer zu bringen, eher einen großen Gewinn aus diesem neuen Verfahren er­zielen, indem die -entwickelte Wärme -zur Heizung von

Dampfkesseln verwendet werden kann, welche zum Be­triebe von elektrischen Maschinen dienen können. Die fo erreichte elektrische Kraft ift so bedeutend, daß nach der Berechnung des Vortragenden jede Stadt mit 80 M0 -Einwohnern allein aus der Müllverbrennung ihre Be­leuchtung ermöglichen könnte. Verschiedene Lokaloehör- den in Belgien haben Herrn Tvbiansky aufgefordert, ihnen Vorschläge behufs Einrichtung dieses neuen Systems zu machen.

R. Der Verkehr in der Großstadt. Es ist ein in­teressantes Symptom für die veränderte Lebensweise des modernen Großstädters, daß die Entwicklung des Großstadtverkehrs mit der Bevölkernngszunahme der großen Städte nicht nur gleichen Schritt gehalten, son­dern diese bei weitem überflügelt hat. Während nt London z. B. noch im Jahre 1867 jeder Einwohner im Jahre durchschnittlich 23mal die großstädtischen V-rkehrs- einrichtungen in Anspruch nahm, entfallen im Jahre i00l ans jeden Bewohner bereits 129 Fahrten im Jahr und noch stärker spiegelt sich diese Umwälzung im New Mi.er Leben, wo 1870 auf jeden Bewohner 47 Fahrten ent­fielen, I960 dagegen weitaus mehr, §20. Noch vor wenigen Jahren waren die New Norker Verkehrsmrtzcl darauf berechnet, jährlich 1269 Millionen Fahrgaste zu befördern: heute wird die Leistungsfähigkeit der Ver- kehrs-einrichtungen, so wird in derJngegnerm ferro- viaria" mitgeteilt, bereits auf zwei Milliarden geschähe und nach Fertigstellung der projektierten neuen Limen wird sie drei Milliarden betragen und nach «ertig- stellung der projektierten neuen Linien wird sie aus drer Milliarden anwachsen. Allein die ncne New Norker Stadtbahnlinie kann täglich 600 900 Menschen oefordern: trotzdem sind 800 Millionen für neue Untergrundoahnen bereits bereitgestellt, die 1916 imstande Win werden, täglich 4'/r Millionen Menschen zu befördern. In London befördern allein die Omnibusse jährlich eine Menschenzahl, die siebenmal so groß ist wie die Bevölke­rung Großbritanniens, während die Untergrundbahn jährlich 42 Millionen Menschen als Fahrgäste verzecch- net. In Berlin benutzten 1996 88 Millionen die L-tadt- bahn: ein Jahr spater, 1906, war die VerkehrSziffcr bereits ans ilVz Millionen gewachsen. In Paris nahmen im Jahre 1860 nur 72 Millionen jährlich die städtischen Verkehrseinrichtungen in Anspruch: 1880 betrug die Zahl der Gäste bereits 240 Millionen und 1902, nach der Fertigstellung der -Metropolitan, erreichte sie 624 Mcll. Und ähnlich liegen die Verhältnisse in der größten Industriestadt Italiens, in Mailand, wo die Straßen­bahnen alljährlich viermal soviel Fahrgäste befördern, als das ganze Königreich Italien Einwohner hat.

Kleine ChvorMr.

Das größte Schwimmdock der Welt. Das ans der Werft von Blohm und Votz in Hamburg für den eigenen Betrieb erbaute große Schwimmdock von 35 000 Tonnen Tragkraft, das größte der Welt, ist durch das Eindocken des SchnelldampfersCleveland" der Hamburg- Amerika-Linie in Betrieb genommen worden.

Erfroren. Der Händler Saxtus Hahn, der ans dem Krcuzberg in der Rhön in der Nähe des bekannten Klosters wohnte, war spät abends nach dem Kreuzberg marschiert und trug einen schwer, vielleicht zu schwer ge­packten Rucksack aus dem Rücken. Oben angelangt und nur noch wenige Schritte von seinem Hause entfernt, verließen ihn bei der großen Kälte die Kräfte. Er sank in den mehrere Fuß tiefen Schnee und wurde am nächsten Morgen erfroren aufgefunden.

Spart.

* Die Erbenheirner Waldjagd gelangt am Sams­tag, den 30. d. M., nachmittags 3 Uhr, im Rathaus zu Erbenheim zur Verpachtung. Sie umfaßt nahezu 1000 Morgen und zieht sich vom Goldsteintal bis zum Groß- herzoglich luxemburgischen Wilopark (Platte) hinauf. Langjähriger Pächter war seither Freiherr v. Knoop-

j Wiesbaden. Die Pachtsumme betrug 3000 M.

* Der 1. Wiesbadener Fußballklub von 1901 schlägt Fuß­ballklub Alemannia-Frankfurt mit 4:1 und ist somit Meister der L.-Klasse des Südmainqaus. Trotz des herrlichen Wetters waren die Bodenverhältnisse sehr ungünstig. Dem Schiedsrichter Herrn Fäth (Germania-Frankfurt) stellten sich trat 3% Uhr beide Mannschaften unvollständig. Wies­baden findet sich sofort zusammen dank der Energie der Stürmer und der flinken Läufer und kann in kurzer Auf- einandcrsolqc 2 Tore erzielen. Alsdann wurde das Spiel offener; Alemannia, bisher mit 10 Mann spielend, vervoll­ständigt sich, doch werden ihre Angriffe durch b:c Verteidigung zurück« clwiescn. Ein schöner Durchbruch des Linksaußen ver­schafft dem 1. Wiesbadener Fußballklub van 1901 das dritte Tor, dam Alemannia bis Halbzeit eines (Selbsttor) entgegen­setzen kann. Nach Halbzeit wechselnde Angriffe beider Par­teien. Durch ein 4. Tor des Wiesbadener Fußballklub be­ginnt Alemannia, durch keinen Erfolg entmutigt, ein, kopf­loses, scharfes Spiel, welches dank der Aufmerksamkeit des Schiedsrichters bald ein Ende findet, indem er zwei Alemannialeutc vom Platze verweist. Kurze Zeit darauf sieht sich der Schiedsrichter genötigt, infolge fortgesetzter unfairer Spielweise von seiten Alemannias das Spiel 20 Minuten vor Schluß äbzubrechen.

Deutscher UerchstsW.

Eigener Drahtbericht desWiesbadener TagblattS".

sitz Berlin, 16. Februar.

Am Bundesratstisch Präsident des Reichs-Eisenbahn- a-mts Dr. Schulz.

Präsident Gras zu Stolbcrg eröffnet die Sitzung um 2 Uh r.

Aus der Tagesordnung steht zunächst die Fortsetzung der Beratung zum

Etat des Reichs-EisenSahuaMts.

Aüg. Stolle (Soz.): Unser Eisenbahnwesen ist noch mit großen Mängeln behaftet. Auch das Reichs-Eisen- bcchnamt kann Hierin -schwerlich Wandel schassen. Zu­nächst werden

die Beamten viel zu schroff und im Kaserrrsrchostv« behandelt.

Dann aber sollte sich das Rcichseisenbahnamt die Ver­hütung von EisenbahnUnfällen angelegen sein lassen.

Mittwoch, 12. Februar 1909. Seite 5.

Die Zahl der Unfälle wird von Jahr zu Jahr größer, anstatt geringer. Das liegt nicht zum geringsten an der übermäßig langen Arbeitszeit, der Beamten und nament­lich der Unterbeamten.

Präsident Dr. Schulz: Eine Verfügung, wie sie vor­der Eisenbahndirektion Cöln erlassen sein soll, nach welcher die Anzeige wahrgenommcwer Mängel der Ver­waltung nicht erwünscht sei, halte ich für unmög­lich: sie steht aber auch im Widerspruch mit sonstigen Er­lassen und mit der Betriebsordnung. Wagen mit offenen Bremsersitzen sind nur noch in -ganz geringer Zahl vor­handen.

Die Betriebssicherheit

ist wesentlich besser geworden, wenn -auch die absolutz Zahl der Unfälle gestiegen ist. Man mutz aber doch die erhöhte Betriebsleistung dafür zugrunde logen, und das muß konstatiert werden, daß in bezug aus Entgleisungen -und Zusammenstöße kein Jahr so günstig gewesen ist, wie das laufende. Die lange Dienst­zeit der Arbeiter und Unterbeamten ist nicht zu erheb­lich, denn sämtliche Pausen unter 6 Stunden sind bei den Ausstellungen nicht mitgerechnet.

Das Koalrtiousrecht kann den Eisenbahnarberter« aus Gründen der Betriebssicherheit nicht gewährt werde«.

Aba. Schräder (sreis. Verein.): Die Kompetenz des Reichsersenbahuamts müßte verstärkt w-eröen.

Präsident Dt. Schulz: Seitdem ich die Ehre habe, meinem Amte vor-zustehen, besteht zwischen dem Reichs- etsenbahnamt und dom Ministerium der öffentlichen Ar­beiten in Preußen genau das gleiche Verhältnis wie zu den anderen staatlichen Eisenbahnämiern.

Abq. Gans Edler Herr zu Puttlist (kons.): Zu den gestrigen schweren Angriffen des Abgeordneten Erz- Her ge r, der das ganze EisenbaHnamt nmbringen wollte, hat gar keine Veranlassung Vorgelegen. Die Resolution wird von uns abgclclwt werden.

A'bg. Carstens (sreis. Ber.): Ein unwürdiger Zu­stand ist es, daß für Sonntags-Extrazü-ge mit Masten- verikchr Vieh- und Güterwagen verwendet wer- den, an denen die elementarsten Sicherheitsvorkehrnngen fehlen. Hierin sollte das Reichs-Eisenbahnamt Wandel schaffen.

Präsident Dr. Schulz: In die Maßregeln der ein­zelnen Eisenbahnverwaltungen können wir nur ecn- greffen, wenn die Betriebssicherheit gefährdet ist. Das ist aber hier nicht der Fall.

Abg. Storz (südd. Bolksp.): Wir stimmen der Reso­lution zu, in der eine Verbilligung der Verwal­tung des Reichs-Eisenbaihnamts angestrebt wird. Un­gerecht ist es, daß bei dem Verkehr mit Bayern die kürzeren Strecken über Württemberg vermieden und den Reisenden die erhöhten Fahrpreise für die längere Fahrt abgenomimen werden. Unsere vorjährigen Klagen über die Bahnst oizensnr sind nngehört verhallt.

Abg. Bsichle« (Zentr.): Ich verstehe nicht, wie man gegen -eine derartige unschuldige Resolution etwas ein- wendeu kann.

Preußischer KmMag.

Abgeordnetenhaus.

Eiaener Drahtbericht desWiesbadener Tagblatts'.

= Berlin, 16. Februar.

Am Ministertisch: Handelsminister Delbrück.

Ans der Tagesordnung steht die erste Beratung der Novelle zum Berggesetz,

verbunden mit einem Antrag Szumann, betreffend di» geheime Wahl der KnappsHaftsältesten, Einführung von Vertrauensmännern der Bergarbeiter und Ein­führung des Achtstundentages in den Berg­werken, einem Antrag Aronsvhn, betreffend Einführung von Vertrauensmännern der Bergarbeiter und . be­treffend reichsgesetzliche Regelung des Bergrechts, einem Antrag Jmbusch, betreffend Mitwirkung der Berg­arbeiter bei der Grubenkontrolle und reichsgesetzliche Regelung der Bergarbeiterverhältnisse, sowie einem Antrag Krause-Waldenburg und Frhrn. v. Zedlitz, be­treffend die Verantwortlichkeit der Bergwcrksbetrrebs- beamten und der Werkbesitzer und die Mitwirknng der Arbeiteransschüsse bei der Grubcnkontrollc.

Staatsminister Dr. Delbrück erklärt: Die Novelle steht mit der Handhabung der Bergpolizei und der Ver­vollkommnung der Unfallverhütungsvorschriften und mit der Verminderung der Gefahren des Bergbaues in engem Zusammenhang. Der Gesetzentwurf verdankt seine Entstehung der Besprechung des Unglücks aus der Zeche R adbod. Damals habe er eine land esge- sietzliche Regelung der Frage der Grubenanfsicht in Aussicht gestellt. Der erste Teil der Vorlage bezwecke anderweite Regelung der bergpolizeilicheu Verantwort- ltchkeit der Aussichtsbeamten. Bei der wachsenden Aus- dehnung des Bergwerksbetriebes stellte es sich heraus, daß die bisherigen Bestimmungen nicht mehr ge- nügen. Bezüglich der Betriebsführer sind neue Be- stimmungen über die Erteilung oder Entziehung der Oualifikation getroffen. Gegen die Entziehung der Onalifikation ist Beschwerde an das Oberbergamt zu­lässig: gegen die Entscheidung des letzteren ist Rekurs an den Handelsminister zulässig. Eine ständige tech­nische Deputation soll zu % von Interessenten gebildet, zu % von dem Minister ernannt werden. Was die Beteiligung der Arbeiter an der Unfallversicherung betrifft, so hat sich in England, Frankreich und Belgien diese Einrichtung bereits bewährt. Unsere Revterbe- amten sind da nach jeder Richtung qualifiziert, die Auf- sicht zu führen. Es wird daher die Tätigkeit der Werk» beamten ' bei der Ausübung des Unsallverstchernng?- dtensteS eine wünschenswerte Ergänzung erfahren, wenn die Belegschaft mit eigener Verantwort- ltchkeit daran beteiligt ist. Die Kosten für die Ein­richtung der Grubenkontrolleure trägt das Werk. Di< Vertrauensleute haben besonders segensreich wirken können bei der Schlichtung eines Streites zwischen Unternehmern und Arbeitern. Tie Abkehr der Arbeiter von der Sozialdemokratie ist bisher nicht erreicht. Das muß anders werden. Wir hoffen, daß durch die An-