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Mittwoch, 3. Februar 1909»
Morgen-Ausgabe, 1» Blatt,
Nr. 55.
WiesbrrdrKSN Tagblsrir.
-sicherlich bei keinem Kenner der Verhältnisse in den Verdacht landwirtschaftfeindlicher Gesinnung kommen Wird, auf Grund genauer Erhebungen festgestellt hat, Daß in Württemberg alle landwirtschaftlichen Betriebe >von weniger als 7 Hektar (etwa 21 Morgen) von der sLtener, ivie sie vorgesehen ist, nicht berührt würden. Da -nun nach der amtlichen württembergischen Statistik 'unter den 814 820 landwirtschaftlichen Betrieben des Landes nicht weniger als 251630 unter 5 Hektar, ferner ungefähr 20 000 Betriebe zwischen 5 bis 7 Hektar groß find, so würden mindestens 270- bis 280 000 landwirtschaftliche Betriebe in Württemberg von der vielangc- fochteneir Nachlaßsteuer frei sein, und nur 30- bis 40000 Ävürdeu - und zwar zu einem erheblichen Teil mit -kleinen Beträgen — zur Nach latzsteuer herbeigezogen werden. Ja, sogar diese Zahl würde sich noch verringern, wenn diejenigen Betriebe ausscheiüen, auf denen Hypo- thekschnldcn in einer Höhe lasten, daß der Rciuwert des Gutes nach Abzug dieser Schulden auf 20 000 M. her- untersinken würde. An diesem Beispiel sieht man so recht, daß cs den Agrariern bei ihrer Hetzerei gegen die Äcachlaststcuer gar nicht auf die gröbsten Entstellungen iankommt. wenn cS nur gilt, dev „Bruder Bauer" für den Großgrundbesitz die Kastanien ans dem Feuer holen zu lassen.
I„. ........ .
Politische Merstcht.
Das verrigs Zenieum.
Die Zcntrumspartei in Siegen-W'rttgsnstein hat ^bekanntlich für die Wahl des nationalliberalen Kandidaten Vogel den Ausschlag gegeben und dafür von der Liberalen Presse warmes Lob geerntet. Jetzt bereut sie fh>- Verhalten. Die Abstimmung wird hu Wahlkreise Mb st jetzt als Fehler bezeichnet, und wenn die Wahl .noch einmal stattfände, wurde sie bestimmt den ent- 8,e.g en g e s e tz t c n Ausgang haben. Nicht nur westfälische^ Provinzblätter der Zentrumspartei mißbilligen Hie Stimmabgabe für Vogel, sondern auch das leitende Bentrumsorgan, die „C ö I n i s ch c V o l k s z e i t n n g", hat bereits mehrere Zuschriften aus dem Wahlkreise veröffentlicht, die teils von ursprünglichen Gegnern, teils von reuigen Vogel-Wählern ausgiiigen. Man fragt sich: wozu diese Artikel? So ettvas pflegt inan doch nicht zu sagen, wenn man es auch denkt. Seitdem das rheinische Blatt seinen Hauptredakteur T>r. Cordanus verloren hat, kommen derartige taktische Merkwürdigkeiten bei ihm öfters vor. Im übrigen ist der fetzt vom Zentrum eingenommene Standpunkt verständlich. Vogel gehört zürn Block, Mumm dagegen szivar nicht zur konservativen Fraktion, aber zu den jChristlichsozialen, die noch konservativer sind als die Konservativen und für die konservativ-klerikale Vereinigung ein starkes oder doch in seiner Art bedeutsames Bindeglied darstellen. Im Vorstande der Zentrumsfraktion ist die Stimmabgabe der Siegener Parteigenossen von Anfang an aus parln m c n - ^arisch t a k t i s ch o n Gesichtspunkten bedauert worden. Aber das Geschehene ist nicht wieder ungeschehen Jäh machen, und so bleibt dem Zentrum, das diesmal dem Block in die Hände gearbeitet hat, der Spott.
Jnm Cölnsr Arftestr'eik.
Am i. Februar ist bekanntlich ein Ärztestreik für ,Cöln verkündet worden. Die Verträge, welche die Regierung als Aufsichtsbehörde an Stelle der Krankenkassen mit den Kassenärzten abgeschlossen hat, sind am ZI. Januar abgetaufen. In diesen Verträge« war die .freie ArzÜvahl vorgesehen statt der früher in Cöln ieingeführten beschränkt freien Arztwahl. Die Cölner
aber auch mit 'Stauneu vernahm, welch großer Musiker der junge MendelssMii sei. I n London ließ der Künstler feine C-Moll-Sinsvn ie ausführen, die glänzend aufgc- anunmen wurde. Eine Mise durch Schottland gab ihm 'mannigfaltige Anregung, der unter anderem die Hebriden-Ouvertürc und die Schottische Sinfonie entspross eu.
Die ichm «»gebotene Professur au der Berliner Universität lehnte Mendelssohn 'üb und unternahm im Jahre >1830 eine längere Reife durch Italien, ging dann 1832 nach Paris, wo er an der Cholera erkrankte, und wandte sich wieder nach London, wo er eigene Werte vorfüHren liefe. Der einzige schmerzliche Augenblick Lut künstlerischen Leiben des Meisters knüpft sich an seine Bewerbung um die Dirigenteustelle an der Berliner Singakademie, und das Jahr 1833, lit dem diese musikalische Körperschaft .den genialen Mann erfolglos an ihre Pforten poche» stieß, stellt einen Markstein dar tu der Geschichte der be- stlihmt gewordenen musikalischen Jrrlümer. Mendelssohn führte die für ihn so peinliche Zurücksetzung nach Düsseldorf, wo er eine Zeitlang die Stelle eines .stäbtischen Musikdirektors bekleidete, und später nach Leipzig, wo er die GewalldhauStonzerte begründete und dadurch Leipzig zum Atittelpunrte der öffentlichen 'Musikalischen Kunstübung seiner Zelt gestaltete. Das Institut der Gewaudhauskvnzcrte stieg mit ungeahnter Kraft in die Höhe. MenHelSfohu als Künstler und hochgebildeter Mensch wußte alles um sich zu scharen, was Mit der Musik als Kunst in Verbindung stand, und man darf es wohl aussprechen, daß die erziehlichen und Ästhetischen Werte der Interpretierung von musikalischen 'Kunstwerken durch ihn znm ersten Male in die breite DsfenÄichkeit getragen worden sind.
Im Jahre 1887 verehelichte sich Mendelssohn mit jEstell re Jeanrenaud. Nun folgte die Begründung des seither so berühmt gewordenen Konservatoriums zu Leipzig, der Pflanzstätte so vieler ernster und zu Bedeutung gelangter schaffender Künstler. Berlin war wieder auf Mendelssohn aufmerksam geworden, und wiederholt versuchte König Friedrich Wilhelm IV. den Meister nach feiner Hauptstadt zu ziehen. Er gab ihm Anregungen zu verschiedenen Schöpfungen; aus seine Veranlassung entstand die Musil zur „Antigone" und „Ödipus", aber znm dauernden Aiftenthalt in Berlin, wo er allerdings einige IMabe Löschten, um Aufführungen feiner Werke zu leiben,
Ärzte hatten sich geweigert, auf der Grundlage dieser beschränkt freien Arztwahl die Verträge mit den Kassen zu verlängern; deshalb mußte der Krankenkasseu- verband sich mit auswärtigen Ärzten in Verbindung setzen und cs ist ihm gelungen, mit mehr als 70 Kassenärzten neue Verträge abzuschließen. Jetzt erklären die organisierten Ärzte von Cöln und Umgegend, keine Kassenmitglieder und Familienangehörige, auch nicht gegen Bezahlung zu behandeln. Dieser Ärztestreik dürfte nur partiell sein nnd sich auf die Mitglieder der dem Krankenkassenverband angeschlossenen " Krankenkassen nnd die Nichtversicherten Familienangehörigen dieser Mitglieder erstrecken. Zweck dieser Behänd- lnngsverweigcrnng kann nur der sein, künstlich einen N o t st a h d herbeiznfnyren, um die R e g i e r u n g nochmals züm Eingreifen zu veranlassen. Die Aufsichtsbehörde ist aber nicht berechtigt, einzugreifen, weil der Notstand nicht bei den Krankenkassen selb st besteht, sondern höchstens bei den Nichtversicherten Familienmitgliedern. Aber auch bei diesen wird, ivie dein „Frankfurter. Reformblatt für Arbeiterversicherung" von Cöln berichtet wird, ein Notstand nicht eintreten. Die dem Krcmkenkassenverband angeschlossenen Krankenkassen haben 87 000 Mitglieder, mit den nichtversicherten Familienangehörigen werden es höchstens 200 000 Personen sein, zu deren Behandlung in Erkrankungsfällen die jetzt schon in der Kassenpraxis tätigen 57 Ärzte vollständig genügen dürften, besonders da gegen Ende des Winters die Zahl der Kranken bedeutend abnimmt. Zudenr ist der Krankenkassenverband in der Lage, jederzeit weitere Ärzte anzustellen. Der praktische Erfolg der Behandlungsverweigerung wird demnach mir der fein, daß die erkrankten Angehörigen der Kassenmitglieder sich an die neneti Ärzte tuenden und die alten Ärzte das ihnen aus der Behandlung der Familienangehörigen bisher zugeflossene Honorar e i n b ü tz e n werden.
Das Land der' „Kompetent".
Es kann einem denkenden und freien Menschen nichts Wunderlicheres geschehen, als wenn er etwa bis zu seinem vierzigsten Jahre hauptsächlich aus Büchern den preußischen Staat erfaßt zu haben glaubt und dann persönlich nach Preußen kommt, sich umblickt, wohl die äußeren Spuren der Steinschen und Scharn- horstschen Zeit findet, aber in der Fläche und dahinter so gar nichts, gar nichts von ihrem Geist. Wir finden eine etwas modernisierte und sehr materialisierte Zuständigkeit, die noch immer vom Unteroffizier und Kanzlisten als den positiven Kräften zusammengehalten wird. Wo ist die gebildete Öffentlichkeit, die den Staat als sittlich vereinigende Selbständigkeit ansfaßt und hiernach Verhalten, Entschlüsse, Mitverantwortlichkeit ableitet? Wo zeigt sich der kategorische Imperativ, den man doch zur Voraussetzung befreit hat, im Bürger von jetzt? Und wo gar zeigt er sich im Beamtentum?
Die Bureankratie ist, so schreibt Professor Ed. Heyck im „Türmer", nicht anders Selbstzweck, als sie sich früher dafür gehalten hat, wenn sie auch etwas nr- baner überlackiert sein mag. Inwendig ist die alte Maschine eingefrorener als je. Der Einfluß, den auf sie das eingeführte Verfassungswesen geübt hat, ist, daß alle Räder „Kompetenz" knarren. So schwerfällig, als ob der Steuerapparüt des Staatsschiffes voll Blei gegossen wäre, ist cs geworden, alles wird gelähmt durch diese organisch moderne Ausgeburt der alten römischen Begriffsklauberei, die behutsame „Zuständigkeit". Jedes sitzt auf seinem Stühlchen Kompetenz, hat im Leibe (oder Geiste) den kleinen Katechismus der vorsichtigen Korrektheit und hält sich an den
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konnte sich Mendelssohn, nicht entschließen. Durch den unevrvarreteu Tob feiner geliebten Schwester Fanny im Jahre 1847 tief erschüttert, starb er schon einige Monate nach ihr am 4. November 1847.
Für unsere lebende Generation ist das Wirken Mendelssohns vornehmlich nach jener Seite hin wichtig und bemerkenswert, die. «ns den Meister auf vor Höhe seines Schaffens zeigt. Auch er hat die Etappen der Schulung und Entwicklung durchmessen, die jeder Schaffende erlebt, auch er hat in der Fülle seiner Schöpfungen Werke hervorgebracht, die aus der Zeit, in der er lobte, entstanden, eben für jene Zeit gedacht waren. Aber wie das lebende Geschlecht tu allem nnd jedem doch nur aus einem gesunden natürlichen Egoismus heraus in der Kunst die augenblickliche Wirkung des Kunstwerkes fordert nnd ihrer Geschichte nicht gedenkt, so sind wir auch im Hinblick ans Mendelssohn kritisch geworden und suchen nach dem Bleibenden, nach den Ewigkeitswerten in seiner Kunst. Schon versucht die moderne „Züchtung", die Negation und das positive Schaffen zugleich, den Romantiker in die Galerie der leblosen Denkmäler der Tonkunst zu verweisen. Ihre Anhänger fühlen in der zarten Art seiner Melodik das Zeichen der Schwäche, sie hören aus der Sprache seiner inneren GcfülhlSwclt das Sentimentale «»klingen und sie verneinen das Persönliche in Mendelssohn, indem sic in seinem stereotypen Stil den Mangel an kraftvoller Gliederung des Ausdrucks erblicken. Manches daran ist wahr, vieles unrichtig. Es ist eine alle Wahrheit, daß in der Musik sich die GeistcsriHti:ng der Zeit besonders deutlich ansspricht. Als Mendelssohn schuf, waren alle Bedingungen dazu vorhanden, einen schwärmerisch ver- aulagten Musiker in die Bahn der Romantik zu drängen. Jahrzehntelang hatte die absolute Musik in den Formen der Klassizität das Empfinden der Mnsikwelt beherrscht. Die Musik als solche, ohne Borstellnu-gS,zweck, ohne jede Nebenabsicht, hatte sich nur an Allgemeinstiminungen in dem Ausnehmenden gewandt, und die Jnnenkunst der Umwertung musikalischer Eindrücke zu Sonderstim- 'mungen und ausgesprochenen Begriffen war kaum noch geahnt. In solchen strengen Zeiten, die die Musik nur im klassischen Gewände gelten lassen wollten, bildete die Tonsprache Mendelssohns immerhin eine Neuerung, die mächtig wirken mußte. Auf den Schwingen der romantischen Poesie, die ja auch zum ersten Male nach langer
Buchstaben, der da tötet. Ein unzuständiger guter Wille, wo er vorhanden fein sollte, läuft sich an den Verhältnissen tot und dringt seinen Mann um den Hals: ganz abgesehen von den nervösen und am-
bitiösen Nebenumständen, vor denen sedermann gewohnheitsmäßig Sorge trägt. Die Maschine war für den Absolutismus gemacht; seit die Unruhe der Willkür ans dem Gangwerk heransgenommen ist, ist die Hemmung, die Zyliudervorrichtung zur Hauptsache geworden. Gewiß, die. Kompetenz ist logisch und unerläßlich. Es hilft auch gar nichts, als daß durch eine neue ungeheure Arbeit, durch eine gewaltige und geduldige Leistung aus kombiniertem Steinschen Geist und Bismarckschen Schöpfcrgenie ex fundo eine ganz neue Einrichtung aufgebaut wird. Eine solche, die dann die gegenseitige Feindseligkeit aller lebendigen Kräfte im Staat -- diesen Urguell der Behutsamkeit,
der Negation . aufhebt und in Fühlung verwandelt.
Tie das Neue hervorgehen läßt aus der deutschen Gegenwartsonforderung, der Schicksalsverbundenheit von Volk, Beamtenschaft, Monarchie, ans der seit hundert Jahren theoretisch anerkannten gemeinsamen Verantwortung der genannten Trias in Idee und Ziel, in Recht und Pflicht. Wir sind das Prinzip des ancien rdgime losgeworden, aber nicht feine Ränke und Jntrigenängste, seine Auffassung von Ämtern als Pfründen, seinen Privilegiensinn und seine geistige Trägheit, überhaupt noch nicht seine Menschen."
D Etsch es Reich.
Zahlreiche Verabschicditnge« von Bezirkskorn- mandeuren «sw. Vor kurzem sind, wie uns von militärischer Seite mitgeteilt wird, an eine verhältnismäßig große Anzahl von Bezirkskommandeuren und Stabsoffizieren bei den Bezirkskomrnanbos Ersuchen gerichtet worden, ihren Abschied einznreichen. Wie mitgeteilt wird, handelt cs sich fast ausnahmslos um solche Stabsoffiziere, die sieben Jahre, bezw. länger, ihre jetzigen Stellungen einnehmen. Durch die Verabschiedungen würden wieder zahlreiche Stellen für Bezirks, kommanüeure und Stabsoffiziere beim Bezirkskommando frei werden, die nun von aktiven Stabsoffizieren eingenommen werden können.
npt. Die Möglichkeit eines Etatsnotgesetzcs wird bereits verschiedentlich in der Presse erörtert, weil der Staatshaushaltsetat bei den sich in die Länge ziehenden Beratungen vom Landtag nicht rechtzeitig würde fertig- gestellt werden können. Nach dem bisherigen glatten Verlauf der Besoldungsvorlagen im Plenum liegt jedoch eine unbedingte Notwendigkeit dazu durchaus nicht vor. und zwar um so weniger, wenn man sich bei den Etatsberatungen einigermaßen in angemessenen Schranke» hält. Insbesondere besteht die Möglichkeit, sie in weit kürzerer Zeit als im Vorjahr zu erledigen, weil diesmal die sonst einen breiten Raum beanspruchenden B e s o ld u n g s s r a g e n infolge der Annahme des Kompromisses zu den Besoldungsvorlagen ausscheiden. Freilich ist Voraussetzung, daß die zum erstenmal an der Etatsberatung teilnehmenden Sozialdemokraten die Beratungen nicht durch Dancrrcdcn zum Fenster hinaus in die Länge ziehen, und baß dahingehenden Versuchen seitens der bürgerlichen Parteien energisch entgegengetreten wird.
* Die Zentralstelle für das Deutschtum im Ausland teilt mit: In den Räumen des Reichstags trat Sonntaggbenü eine Anzahl Männer der Wissenschaft zusammen, um für die Erfüllung einer bedeutsamen nationalen Aufgabe einen geeigneten Mittelpunkt zu schaffen. Anwesend war eine Reihe Reichstagsabge-
Zeit die Empfindung der Menschen persönlich machte, erhob sich die Melodik Mendelssohns zu ungeahnteuiAus- öruck. Aber was damals als wesentlicher Fortschritt gelten konnte, hört sich heute in der Periode des gesteigerten Emp'sindungslcbcns und der Beherrschung aller künstlerischer AnsdruckSmittel mitunter flach und gewöhnlich an. Nicht aber dürfen wir übersehen, was Mendelssohn uns an positiven musikalischen Gedanken geschenkt hat. Auch nicht vergessen, daß er ein Formtal,ent von ganz außerordentlicher Begabung war und daß er aus einer vornehmen künstlerischen Natur heraus schuf. Darum ist auch das Kleinste, das Unscheinbarste, das er gab, ja selbst das, was uns heute als überfenti-- mental dünkt, immer edel und würdig, der sichtbare Ausdruck eines Edelsinns, dem alles Gemeine fremd und widerwärtig gewesen ist. Was zumal in der deutschen Volksseele aus den Kompositionen Mendelssohns immer wieder anklingt, daö ist der unleugbare Gefühlswert, der in sie versenkt ist. Singt er in seinen „Liedern ohne Worte" einfach und schlicht Melodien von klangschöner Frische, malt er in seinen wundervollen Ouvertüren Schilderungen von eindringlicher Natnrtrenc, läßt er in seinen sinfonischen Werken dem polyphonen Gedanken.
kreis freien Lauf i-immer geschieht cs vor allen
Dingen einer inneren Veranlassung znm Schassen folgend. Nichts Gesuchtes tritt aus Mendelssohns Ldbenswerk hervor, an allen Stellen rauscht der Strom des wahrhaft Empfundenen mächtig ans. Daß ihm das GeheimuiAvollc, das Zauberhafte, das Reich der Elsen nnd der Hexen am nächsten lag, das erklärt sich aus -der Gefühllsatnillsphäre, aus der er seine literarische Bildung zog. Wer wie er mit seiner ganzen Erziehung und Selbstzucht in dem Gedankenkreis seiner Zeit wurzelte, konnte nicht anders als in dem Raunen des dämmerigen Waldes, in dem Spuk der schwirrenden Geister den Anstoß finden zum Nachschaffen einer Welt, die ihm Inhalt und Wesen gab: Daß cs nicht die schlechteste der künstlerischen Welten war, in die er sich versetzte, das sagen uns unsere eigenen Empfindungen, mit denen wir uus gern und willig seiner Macht unterordnen. Für die Jugend spricht auch in unserer heutigen Wirklichkeits- zeit Mendelssohns die Sprache der Verheißung, für uns Altere die Geschichte unserer eigenen Vergangenheit, in der auch wir die blaue Blume gesucht haben, im Leben und in der Kunst, bis eine neue Kunst uns eines
