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Nr. 4«.

Abend-Ausgabe.

S. Blatt.

VieshÄk« TsÄsL

DourisrsLagj,

28. Januar 4969.

L 7 . Jahrgang.

Vermischtes.

R. Brandwunden durch Suggestion, über Die merk« chüüüige Tatsache, daß in der Hypnose «durch Suggestion, ahne irgend welche äußere Einwirkungen, Brandwunden erzeugt werden Können, macht der Genfer Professor »Paul Farez auf Grund langjähriger Experimente aus- sülhüliche Mitteilungen, die jeden Zweifel an dieser Er­scheinung unmöglich machen. So erzählt er Len Fall eines achtzehnjährigen jungen Mädchens aus dem Jahre 1904, das wegen hysterischen Stwmmseins, hervorgerufen durch Erschrecken bei einem Brand, in das Hospital kam. Sie wurde durch hypnotische Suggestion geheilt: dann wurde ihr suggeriert, Laß sie auf der Unterseite des Unterarms eine Brandwunde mit Wasserblasen habe. Die Suggestion verwirklichte -sich am folgenden Morgen voWomme«. Ein Arzt, der von dem Experiment nichts wußte, konstatierte eine Verbrennung. Einen anderen Versuch machte der Stockholmer Arzt Wetterstrand an einer Frau von 46 Jahren. Er «suggerierte ihr während des hypnotischen Schlafs, daß man ans ihren rechten Vorderarm -einen Tropfen brennenden -Siegellacks fallen laste. Sieben Stunden nach der Suggestion entstand eine Vraudblase, die photographiert wurde. Es ist unzweifel­haft, Laß diese Erscheinungen wirklich vorhanden waren. Jedoch hat inan nicht bei allen Versuchen mit Hysterischen den gleichen Erfolg. Farez gibt eine Erklärung dafür. Man verlange", meint er, ,won einem Hypnotisierten, baß er die oder die Oper singe: er wird dazu durchaus unfähig sein, wenn er die Melodie, die man verlangt, nie gehört -hat. Ebenso wird die -Suggestion erfolglos sein, wenn man von jemand verlangt, er soll eine Ver- brennnngserscheinuug Hervorrufen, wenn er sich noch niemals verbrannt hat." Den Beweis dafür erbringt ein interessantes Experiment des Dr. Podiapolsky, der

f > m Lyp-sicherten Bauern suggerierte, er habe aus der Haut ein Senfpflaster und seine Haut werde rot und brennend werden. Nach der Hypnose erschien keine Rötung: der Bauer empfand nur ein leichtes Wärme- gofühl. Er evKärte denn auch, Laß ihm noch niemals ein Senfpflaster aufgelegt worden sei, und daß er nicht wüßte, -was das wäre. Nachdem er Über wirklich mit einem Senfpflaster behandelt worden war, erfolgte bei einer erneuten Suggericrung eines imaginären Sens- pflalsters in der Hypnose eine starke Rötung «der Haut. Dr. Boisin suggerierte einem jungen Hystero-Epileptiker die Empfindung, daß jeder goldene Gegenstand Brand­wunden verursache. Berührte der junge Mann Nun ein Goldstück, so sah man an der Stelle der Berührung Röte -und eine Brandnarbe erscheinen. Wollte man ihm ein Goldstück -geben, so -weigerte er sich energisch, es zu neh­men, -und zuckte ängstlich mit den Fingern zurück: zwang man ihn, es zu berühren, so zeigte er an den Fingern Brandblasen. Darauf «suggerierte ihm Boisin in der Hypnose, daß man sich nicht an Gold verbrenne, sondern im Gegenteil -an Silber. Nach dem Erwachen faßte er ein «Goldstück ohne Schwierigkeit und wollte 'kein -Silber­stück berühren, weil er sagte, daß er sich am -Silber ver­brenne. -Boisin zwang ihn, das Silberstück in die Hand zu nehmen: sogleich erschien Röte, dann eine Brandblase. Auch die Heilung wirklicher Brandwunden kann durch «Suggestion beschleunigt werden. Der belgische -Arzt Dekbreus machte einem Manne mit einem glühenden Eisen an jedem Arw eine -ganz gleiche wirkliche Brand­wunde, nachdem er ihm vorcher suggeriert «hatte, daß aus der einen Seite eine sehr rasche Heilung eintreten würde. So war es -auch. Die Brandwunde aus der in der Hyp­nose evwähnten Seite war so gar nicht schmerzhaft und heilte rasch, während die Heilung der anderen Seite langsam -vor sich ging und endlich nur unter dem Einfluß -einer neuen Suggestion ganz -erfolgte. «Dasselbe Ex­

periment wurde mit demselben Erfolg am Nücke« wiederholt.

jK. Bo« der Cholera in Petersburg entwirft ein eng­lischer Korrespondent düstere Bilder. Die Hoffnungen, daß das kalte Wetter der furchtbaren Seuche Halt ge­bieten werde, «hat sich nicht erfüllt, die Krankheitsfälle «mehren sich in -allen -Stadtteilen. Am schwersten heinr- gesucht sind die äußeren Bezirke. Die unglücklichen Vor­städte erfahren durch die Krankheit nur eine grausame Steigerung des Bildes des Jammers, -das sie ohnehin bieten. Hier Herrscht Armut und Trunkenheit, Hunger -und Schmutz.Als ich «heute den Bezirk um den Wolkoff» FrieÄhos besuchte, wo 18 neue Krankheitsfälle -eintrat-en, stieß ich überall nur auf stumpfe Gleichgültigkeit und fand nirgends die Angst und die Verzweiflung, die -man erwarten könnte. Die Furcht und der Haß der Bevölke­rung kehren sich nur «gegen -die Arzte und die Gesund« heitsbeamten.Sie kom'men, unser Essen zu vergiften", schrie wütend eine Frau,sie kommen, uns auszu- ranbefl." Wer wir haben unsere Kleidung versteckt, je daß sie -sie mit ihren Mitteln nicht beschmutzen «können." Ich sah einen Cholerakranken ans der «Straße auf den Krankenhauswagen warten. Er lohnte sich gegen eine junge Frau, und obgleich beide litten, tranken sie doch ihren Wutka aus ein und derselben Flasche. In einer Kapelle beten einige Leute, aber die meisten sehen in der Cholera eine von Gott gesandte Plage, gegen die anzu- kämpfen unsinnig wäre. Aus der Nachbarschaft tönt der Lärm eines Trinkgelages und in einer Wirtsistub-e tanzen «die Gäste. Der ObergesuuSheitSkommifsar des russischen Reiches Schmidt hat setzt -gegen «die Stadtverwaltung schwere Anklagen erhoben, da sie nur die allerschlechtesten Desinfektionsmittel verwendet: er «bat -die öffentlichen Küchen inspiziert und dabei seistgcstellt, daß eine Anzahl von i'hncn von -Bazillen vollkommen verseucht sind. Am Mittwoch sind 87 neue Cholerafälle gemeldet worden.

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