Seite 4. Donnerstag, 31. Januar 1809.
Sen Steppengebieten die alten trockenen Gräser ab, deren Brand ans die Waldungen übergreift, usw. Die Verwaltung läßt jetzt an allen exponierten Orten I- e u e r- schntzstr eisen anlcgen, um der Fenersgefahr wirksam gir begegnen. In verschiedenen Waldrcscrvaten ist die Maßnahme bereits durchgefuhrt, in einigen Bezirken schon zum zweitenmal. Die Kosten der anznlcgenöcn breiten Schneisen werden durch die Verwertung des ausfallenden Holzes reichlich gedeckt, teilweise werden noch Überschüsse erzielt.
Ausland.
Gsterxetch-Ungarrr.
Das österreichische Abgeordnetenhaus ist wieder «züsainmengetreten. Die Regierung brachte außer einer Anzahl von anderen Gesetzentwürfen einen Gefetz- entwiirf zur Errichsnng einer s e l b st n n d i g c n italienischen Jak nt tat i n Wien ein, deren Vorlesungen in dem der Sanktion des Gesetzes "folgenden Wintersemester beginnen sollen. Die ganze Sitzung war durch die Verhandlung von von deutscher sowie tschechischer Seite eingebrachten Dringlichkeitsanträgen, betreffend die D v p p e t s p r a ch i g k e i t auf den durch das deutsche Gebiet B ö h m e n 8 führenden Lakalbalhnen, in Anspruch genommen. Im Laufe der Debatte wurde auch dm Prager Postaffäre zur Sprache gebracht. Der «Frei-Alldeutsche Stransky verlangte einen Erlaß, in «welchem die «d e n t «s ch c Zs m t s s p r a ch c im Postvcr- «kehr s i ch c r g e st e«t l t wivö: die Deutschen könnten nur in «diesem Falle an «der Sprachenenqnete teilnehmen. Hierauf «wurde die Verhandlung auf heute vertagt.
«Einer parlamentarischen Korrespondenz zufolge traten nach «der Sitzung «des AbgeorÄnetenh«au«ses die d e u t s ch - f r e i«h e i t«l i ch e n Parteien zu einer Vollversammlung des N a t i o n a l v c r b a »des zusammen. Es wurde beschlossen, mit der Nominierung von Kandidaten für die nationale Enquete solange zu -warten, bis «die Regierung ihre Verfügungen in der böhmischen Pvftangetegen-heit getroffen hat.
Italien.
^ Die „Trtbnna" kritisiert den österreichischen Gesetzentwurf,' betreffend die Errichtuivg einer italieni- jsche« R c ch t s s a k u l t ü t in Wien. «Die Italiener «(könnten nur in Triest eine solche akzeptieren.
Das „Giornale d'Jtalia" bezeichnet die im Ausland j verbreitete Blättermeldung, der Herzog de r «Abruzzen beabsichtige, ans seinen Rang in der Marine und ans seine Vorrechte als Mitglied des königlichen Hauses zu verzichten, als p h a n t a st i s ch e E r - find u tt g und erklärt gleichzeitig die Nachricht von Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und dem Herzog chon Ao-sta für völlig unbegründet. Richtig sei nur, daß «der Herzog der Abruzzen eine Forschungsreise nach dem Himalaya unternehmen wolle, und seine -Londoner Reise stehe damit im Zusammenhang.
Das amerikanische Panzergeschwader ist gestern von .Neapel nach der Riviera abgedampft. Der amerikanische Botschafter ist von Paris nach Nizza abgercist, um dort «das Geschwader zu begrüßen.
Frnttßr-crch.
In Paris (kam eS gestern nachmittag im Hofe der Sorbonne ans Anlaß der Vorlesungen des Professors Th a«lamas zwischen den Studierenden wiederum zu S t r eit igk c i t e n. Bkchrerc Personen, inÄbesollderc Jvnrnaftsten, «so -der Bonapartist Gun de Cassagnae und >der Royalist Bkauricc Pujo, wurden verhafte -t. Die repüblrkanifchen Studierenden veranstafteten -alsdann Be rt ra u en skundgobnnge 1 t für ihre Professoren.
Rußland.
Dem Marineminister Dikow ist «die aus Gesundheitsrücksichten nachgesuchte Entlassung aus dem Dienste gewährt worden. Der Kaiser verlieh ihm die Brillantcn- zum Alexander-gkewskn-Orden.
In Petersburg sind gestern 37 Personen au der Cholera erkrankt und 8 gestorben. Im ganzen liegen gegenwärtig 310 Personen krank darnieder.
Der Rcichs-Sanitütsinspektvr Schmidt «sprach in Petersburg dem vevsammelten S t «a «d t r a t ent st e st e n T a «d e l wegen der n a ch l ä s s i g c n B e k ä m p f n u g «der Cholera aus. Es sei feistgestellt, daß «das zur «Desinfektion verwendete Karbol verdorben, die «Apparate und die Gemüsegärten wahre Pflanzstätten der Bazillen «seien. Wenn auch gestern «nur 38 Fälle Vorlagen, so droht doch für das Frühjahr «eine «große Ausbreitung der Epidemie. Da Unterichleisc in der Sanitäts-kommisfion vorzuliegen scheinen, ist eine Anklaae -des Stadtrats durch den Reichs-Staatsanwalt wahrscheinlich.
Serbrsn.
Die Demission «des Kabinetts wurde einstweilen vom König Peter abgelohnt.
Türkei.
Der Minister des Innern erklärte, er habe die Mitglieder des Boykottkomitees empfangen und ihnen empfohlen, den Boykott gegen österreichische Waren zu beenden. Den gleichen Wunsch äußerte der Großwesir, der das Komitee gleichfalls empfing. Die Mitglieder des Boykottkomitees erklärten sich bereit, der Aufforderung Folge zu leisten. — Die Boykottierung bulgarischer Waren wird fortgesetzt.
Die Angelegenheit des orthodoxen Patriarchats von Jerusalem wird immer verwickelter. Nach einer Depesche des Patriarchatsverwesers besetzte eine große Anzahl Eingeborener das Patriarchat, das nun militärisch be- wacht wird. Der abgesetzte Patriarchat wandte sich an die Pforte mit «der Bitte um Bestrafung seiner Gegner. Den Blättern zufolge schickte die Pforte vier Bataillone nach Jerusalem. Dem „Jtdam" zufolge wurde «das Ministerium beauftragt, der griechischen Regierung durch die türkische Gesandtschaft in kategorischer Weise zur Kenntnis zu bringen, «daß cs ausgeschlossen ist, daß die Türkei Kreta gegen Geld anfgebe. Ans Mazedonien
Wiesbadener Tagblatt»
werden Protestmeetings gegen die Annexion Kretas gemeldet. — Den Blättern zufolge soll die Untersuchung die Unschuld der Mitglieder «des Komitees Fcöakiaran festgestellt «haben. Der Herausgeber des Journals „Hukuln Ummnmije" wurde freigelasscn.
R§«remrgte Staaten.
Ein Rückzug.
Der Gouverneur von Kalifornien Gilettc gestattete die Veröffentlichung einer Erklärung, derznfolge er nach einer Rücksprache mit «den führenden Mitgliedern des kalifornischen Parlaments überzeugt sei, daß keine gegen die Japaner -gerichtete Vorlage Gesetzeskraft erlangen werde. Der Gouverneur stellte mit Befriedigung feft, daß das kalifornische Volk und seine Gesetzgeber «die Bemühungen der Bundesregierung und Japans, der Auswanderung Einhalt zu tun, würdigten, Nach seiner Meinung wäre es -ein bedenklicher Mißgriff, Gesetze gegen die Japaner zu erlassen. An dieser Angelegenheit sei «die Bundesregierung besonders interessiert,- -ihre Wünsche sollten und würden deshalb von dem kalifornischen Volke in E r w ü g nng gczog » werden.
Ans ErNedeu m Siid-Anlierr.
Der Polizeiausschuß hat die Reorganisation des Anf- sichtsdienstcs in den von der Erdbebenkatastrophe getroffenen Gebieten durchgefuhrt. Eine Anzahl Personen wurde unter der Beschuldigung des Diebstahls und der. Plünderung verhaftet. Das geschäftliche Leben in Messina nimmt täglich zu. Die Witterung ist äußerst ungünstig. Eine leichte Schneedecke hüllt die benachbarten Berge ein.
Die Hilfe Deutschlands.
atz. Berlin, 21. Januar. (Drabtbericht.) Das unter dem Protektorat der Kaiserin und Königin stehende Deutsche Hilfskomitee für -die durch Erdbeben in Süd- itakicn Geschädigten teilt mit, daß dem Zentralkomitee vom Roten Kreuz aus Syrakus «der erste Bericht von Dr - Comcrs zugegangen ist. Ans dem Bericht von 1)r. Corners, dem Chefarzt des dort seit acht Tagen errichteten Lazaretts, geht hervor, «daß das Hospital zurzeit mit CO Patienten belegt und eine größere Anzahl angemeldet ist. Die Verletzten «werden meist in einem stark vernachlässigten Zustande ei »gebracht und fast alle Verletzungen sind sehr schwerer Natur und haben Komplikationen «wie Brand, Wundrose, Starrkrampf ufiv. im Gefolge^ Unser Personal ist voll in Anspruch genommen. In Syrakus liegt ein Auswandercrd-ampfcr mit 800 «Flüchtlingen an Bord und auch dort ist Mangel an Kleidern und Wäsche. Unserer Abovdnnng ist nian freundlich entgegengekommen und die gewährte Hülfe ist auf dankbaren Boden gefallen. Aus Neapel und Catania werben dringend weitere Unierstützungen erbeten. Das Neapeler Depot bittet telegraphisch um Kleidungsstücke und Wäsche für kleinere Figuren, fern ei: um Baracken ans rüstn ng en. Es fehlt auch au Lazarett- ernrcchtnngen und Sanitätsmateriat. Konsul Jakob erbittet für Catania namentlich Wäsche, Kleidungsstücke, Verbandszeug und Geldmittel. U. a. haben der deutsche Reichskanzler «Fürst von B-ülow und Gemahlin dem Komitee 1000 Mark überwiesen. Um weitere Spenden wird dringend gebeten. Das Bureau befindet sich Alsenstraße Nr. 10. J
Neue Erdstöße.
Ju Reggio (Calabrien) wurde gestern früh um 1 Uhr ein neuerlicher, sehr merklicher Erdstoß verspürt.
Erdbeben in Kleinasien.
Vorgestern hat sich in Smyrna und anderen Orten der tteinastatischen Küste ein heftiges Erdbeben ereignet Während in Smyrna kein Schaden angcrichtet wurde sind -rn Menemen 6 Häuser zerstört und in Fotschatin 12 Personen getötet und mehrere verletzt worden.
Aus StadL und Kurv.
Wiesbadener Nachrichten.
W i c s b a d e n, 21. Januar.
Vom Arbcitsmarkt.
Vom Arbciivmarkt in Hessen und Hessen-Nassau im Monat Dezember 1908 schreibt uns der Mitteldeutsche Arbeitsnachweis zu Frankfurt a. Bk.:
Die Arbeitsmarktlage war im Berichtsmonat gegenüber dem «Vormonat fast unverändert. Das Weihnachtsgeschäft brachte in einzelnen Gewerbezweigen, z. B. im Berkehrsgewcrbc, eine, wenn auch nicht anhaltende Belebung. wenngleich im allg-eineinen darüber -geklagt wird, daß sich die -geschäftlichen Erwartungen nicht voll erfüllt haben. Die während des -größten Teils des Monats herrschende trockene «Witterung ermöglichte es, noch mancherlei Arbeiten im Freien auszuführen, bis unerwartet im Lause der letzten -Berichtswoche ein scharfer Frost einsetzte, der mancherlei bedenkliche «Wirkungen nach sich zog. Wenn an sich schon in jedem Jahre das Ende des Monats Dezember den höchsten alljährlichen «Stand der Arbeitslosigkeit zeigt, so wurde die«e im laufenden Jahre durch den scharfen Frost weiter erhöht. Unter der Ungunst der Arbeitsmarktlage hat am meisten das Baugewerbe zu leiden, bei dem eine empfindliche Einbuße an Aufträgen und Arbeitsgelegenheit weiter zu verzeichnen war. Im Anfang des Jahres fehlte cs infolge des hohen Geld- standes zum Teil an Baugelder», auch während des ganzen Sommers blieb die Bautätigkeit verhältnismäßig gering, und wenn auch öcr Herbst besonders in den kleineren Gemeinden und ans dem flachen Lande eine gewisse Belebung brachte, so war sie doch nicht ausreichend und anhaltend genug, um den Arbeitsmarkt zu entlasten. «Für das kommende Jahr steht zu hoffen, zumal alle Vorbedingungen gegeben find, daß im Baugewerbe lebhaftere Beschäftigung wieder eintritt. Im Zusammenhang mit dieser wenig günstigen Lage des Baugewerbes litt auch die Holz Industrie im Berichtsmonat - unter stillem Geschäftsgang. «Sv wird beispielsweise ans
Abend-Ausgabe, 1. Blatt. Nr. 34.
den Großstädten Frankfurt a. M., Mainz, Wiesbaden, Cassel und Tarnrstadt berichtet, daß die Bautischlereien infolge Mangel an Aufträgen völlig darniederliegen. Wenn «auch in Frankfurt a. Bk. zum Teil bei dem städtischen Arbeitsnachweis, zum Teil bei den Facharbcits- nachweisen Stellen vermittelt wurden, so handelt cs sich doch hier nur um Aushilfsstellen für die Dauer von 14 Tagen bis 3 Wochen. In der Metallindustrie war die Geschäftslage geteilt. Relativ günstig stand das Kleingewerbe da, wo zahlreiche -Nachfrage nach Arbeitskräften vorhanden war. «Verlangt wurden besonders Heizungshelfer, Bauschloss-er und Spengler, in geringerem Maße auch Maschinenschlosser. Junge unverheiratete Leute wurden bei der «Einstellung besonders berücksichtigt. Bei den Mater», Weihbindern und verwandten -Berufen war die Arbeitsmark-tlage, dem -Charakter der Jahreszeit entsprechend, stau, ausgenommen einige ländliche Bezirke (Homberg, Weilburgi, wo vergeblich Arbeitskräfte gesucht wurden. Lebhafte Nachfrage nach Arbeitskräften herrschte in der Lederindustrie, die, wie uns aus Worms berichtet wird, mit Hochdruck arbeitet. Im Buchöruckerei- gewerbc war der Geschäftsgang ruhig. In der Konfck- tionsindustrie in «Frankfurt a. Bk. und Wiesbaden war durch die weniggünstig-cnWitterungsverhältnisse zurzeit nicht genügend Arbci-tsgclcgcuhcit vorhanden, um namentlich den Schneidern, insbesondere auch« den weiblichen Heimarbeiterinnen, ausreichenden «Verdienst zu gewahren. Die Arbeitsgelegenheit in der Landwirtschaft war im Gerichtsmonat an und für sich aus natürlichen Gründen -gering, reduzierte sich aber noch- weiter durch den starken Frost am Ende des Monats. Daß die Arbeitsgelegenheit in den Groß- und Mittelstädten und auf dem flachen Lande nicht so reichlich wie in früheren Jahren, den Zeiten der Hochkonjunktur, vorhanden ist, ist unbestritten, dabei ist-es aber interessant, immer wieder zu beobachten, wie besonders in den Großstädten sich zahlreiche vermeintliche Slr-beitslose «herumtreiben, während das platte Land, besonders die Landwirtschaft selbst, nach wie vor unter Arbeitermangel, wenn auch im geringeren Maße, zu leiden hat. Alle Versuche, den Arbeitslosen der Großstädte Arbeit in den kleineren Gemeinden, sei es nun in der «Industrie, im Handwerk oder Landwirtschaft, nachzuweisen, scheitern in der Mehrzahl der Falle daran, daß diese Arbeitslosen nicht -gewillt sind, die Großstädte zu verlassen, oder Lohnforderungen stellen, die mit den «Lebensbedürfnissen in den Kl-eiustädtcn in lein Verhältnis zu bringen sind. Mit dem «Einsetzen des Winters und der Steigung der industriellen Arbeitslosigkeit hat das Angebot von «Dienstboten schärfer zugenommen. D-er dringenden Äkachfrage nach Dienst» «botcn ist ein fast ebenso dringendes Angebot weiblicher Dienstkrüftc -gefolgt, so daß also von einem Dienstbotcn- mangel, besonders in den Großstädten, kaum noch die Rede sein kann.
Skach den monatlichen Ausweisen der uns rechtzeitig berichtenden Arbeitsnachweise stellt sich die Vermittlnnas- tätigkeit im Berichtsgebiet pro Dezember 1808 wie folgt: Cassel 521 !gegen 012 im Vormonat), Darmstadt 112 <220. «Frankfurt a. M. 2167 <2»ij, Giestcn 11 (37), Hanau 22 <27), Kreuznach 10 (9), Maiuz 289 (340), Marburg 11 113), Ofsenbacha. M. 153 (189), Wiesbaden 689 ( 859 ), Worms 127 (130). «Von anderen Arbeitsnachweisen des Verbandes in mittleren und kleineren Städten haben z. B. noch vermittelt: «Friedbcrg i. H. 58 (ei 81 Anmei- dungen offener Stellen), Limburg 103 (112), Witzcn- hanscn 127 (264), Wetzlar 8 (13) und Weil bürg 7 (8). Davon kanten auf 100 offene Stellen in Cassel 161,4 (gegen
203.0 im Vormonat), Darmstadt 253,7 (222,3), Frankfurt «. M. 197,7 (207,3), Gießen 301,8 (330,5), Hanau 148,7 (172,5), Kreuznach 1253,0 (598,8), Mainz 318 (339,6), Marburgs«,7 (62,2), «Offenbach a.M.208,4(251,l«), W i c s Sa d e n
119.0 (155,0) und Wornrs 307,6 (291,3) Arbeitsuchende.
Die Zahlen der v e rsiche r u ng sp f l ich t i-g e n Mitglieder' der Ortskrankcttkasfen, die uns berichten, weisen einen «Riickgang auf. Nachstehend die Zahlen im einzelnen: Cassel 32 276 (gegen 35174 im
Vormonat), Darmstadt 12 368 (13 200), Frank
furt a. M. 94 891 (97 549), Friedbcrg i. H. 126) (1686), Gießen 5134 (5620), Hanau a. M. 7348 (7436), Homberg (Bez. Cassel) 820 (184), Kreuznach 3870 (4367), Offenbach a. M. 19232 (18 790), Wetzlar 1147 (1118), «W i esbadc n 13824 (14 243) und Worms 7075 (7320).
Wenn alle Zeichen nicht trügen, dürften die Aussichten -der wirtschaftlichen Lage im «Jahre 1909 günstigere sein. Besonders darf man im Baugeschäft, wenn weiter billiges «Geld zur «Verfügung steht, mit einem Aufschwung rechnen, und daß ein Aufschwung im Baugewerbe von förderndem Einfluß auf viele andere Gewerbe ist, ist unbestritten. _
Alte und nette Baukunst.
Im Saale des L-andeshauses hielt -gestern abend auf Veranlassiiug unseres rührigen „Altertumsvereins" Herr Bauinspettvr C a c s a r-'Freiendiez einen Vortrag über die Bank un st um das Jahr 1 8 00 mit besonderer Berücksichtigung des Regierungsbezirks Wiesbaden. Er hätte eigentlich dem Vortrag eine andere llberschrist geben sollen, etwa die, die wir diesem kurzen Referat vor- ansetztcn. Denn es handelte sich weniger um die Baukunst zur Zeit der letzten J-a-hrhnnder-twende, als um eine Gegenüberstellung, und zwar um eine scharfe, wuchtige und überzeugende Gegenüberstellung der schlichten, mit geringen Ausdrucksmittclu die größten künstlerischen Erfolge erzielenden Baukunst der Allen und der im gefühlverletzenden Prunk aller möglichen Stilarien austretenden Bauweise der Modernen. Um -den Tiefstand der modernen Baukunst augenfällig zu demonstrieren, brauchte -er nur ein neues Kleinstadt-Landhans vvrznführen, eü zeigte alle charaktcristischen Merkmale der Hochbankuttst der jüngsten Zeit, die nur allzuhäufig die fehlende Stilreinheft und harmonische Gliederung der Einzelteile durch übergroßen Reichtum der Motive zu ersetzen sucht. Das typische Landhaus der Jetztzeit gilt in dem betreffenden Städtchen als hervorragend schönes Bauwerk — wenn die Baukünstler selbst zum -größten Teil das Gefühl für die echte Schönheit eines Baues verloren haben, wer «will es da den Laien vcr-
