Sette 26. Sonntag, 1V. Januar 1909. Wiesbadener TngblM.
Ntorgen-AusgaLc, 4. Blatt. Nr. 15.
'Fürsten Eulenburg gegen Stellung einer Kaution von .100 000 M.
! 23. Der Kaiser in Rominten, Fürst Bül-ow in Nor
derney, Staatssekretär v. Schven in Berchtesgaden. — Das Fürsten paar von Bulgarien Hei. Kaiser Franz Joseph in Budapest. —• Bulgarien besetzt wegen des Arbeiterstreiks die durch sein Gebiet führenden Linien der Orientbahu.
24. Obstruktion der deutsch-böhmischen Abgeordneten im böhmischen Landtag wegen Nichvausnahme eines deutschen Beamten in das Bureau. — Zum chinesischen Gesandten in Berlin wird General Jintschang ernannt.
23. Jswolski bei Staatssekretär Sch-oen in Berchtesgaden.—Bulgarien lehnt üieFreigabe der beschlagnahmten Strecken der Orientbahn ab, die Türkei richtet an die Mächte deshalb ein Protestschreiben. — Fortdauer der Lärmszenen inr böhmischen Landtag.
26. Der Streit zwischen Bulgarien und der Türkei gewinnt rasch an Schärfe. — Fürst Ferdinand wird dringend zurückbernfen. — Eisenbahnunglück auf dem Ge- leisebreieck der Berliner Hochbahn, 21 Personen tot, 18 schwer verletzt. — Die in Berlin verbreiteten Gerüchte Von einem Duell zwischen Zeppelin und Major Groß erweisen sich als unbegründet. — Zwischenfall in Casablanca, wo zwei aus der Fremdenlegion desertiert' Deutsche vom französischen Militär den deutschen Kon- j-ulatSbe-amten mit Gewalt entrissen werden..
27. König Alsonsv von Spanien in Paris.
28. König Alsonsv in München. — Deutschland und 'Österreich-Ungarn protestieren in Sofia gegen die Beschlagnahme der Orientbahn. - Jswol-ski bei Tittoni in Desto. — Demission des Lord Tweedmouth. Die Cholera in Petersburg beginnt langsam abznnehmen.
(Fortsetzung folgt.)
Sport.
Sportliche Übersicht.
Der französische Rennsport hat sich wiederum «ruf die Reise gemacht und hat sein Quartier, das er für kurze Zeit in. Marseiile ausgeschlagen hatte, nach der Hauptstadt der Cöte d'-Azur, nach Nizza, verlegt. In M-arseillc vollbrachte der ausgezeichnete sranzösische Hindernisjockey Parsremeut am Schlnßiag des dortigen Meetings noch ein besonderes Meisterstück, indem er sämtliche, Rennen, darunter den mit 12 000 Fra-nck dotierten „Prix MaMia" gewann. Am Donnerstag begann Nun das große internationale Hindernis-Meeting von Mirza, das in diesem Fahre nicht weniger interessant zu werden verspricht als in früheren. Die ganzen -französischen. Ställe haben ihr bestes Material an die Riviera geschickt, Österreich und Deutschland sind durch je ein Pferd vertreten, doch -kan« man diesen aus der ungewohnten Nizza er Bahn gar keine Gewinnchancen zuer- kennen. Der Eröffnungstag brachte keine beiöeütendeu
Ereignisse, diese sind für die nächsten Renntage des sich durch den -ganzen J-anuar Hinziehenöen Meetings, zu dem die Sportsleute aus aller Herren Ländern, die Besucher von Cannes, Mentone, Monte Carlo zusammen- strümen, aufgüspart. So kommt Heute der mit 50 000 Frank ausgesiattete „Prix de Monte Carlo" zur Entscheidung.
Einem sportbögeiisterieu Amerikaner oder Engländer bei einem sportlichen Ereignis das Wetten zu verbieten, ist gleichbedeutend -mit ei nein Verbot des -Sports überhaupt. So . konnten einige amerikanische Staaten, in denen der Renrrsport besonders gepflegt wurde, diesem keinen Härteren Schlag -verhetzen als den ein Verbot gegen d-as Wetten zu erlassen. -Die Wirkung -war eine augenblickliche. Kein Mensch besuchte mehr die Rennen, die infolgedessen zum großen Teil Überhaupt unterblieben, nüd Heute ist man so weit, daß eine ganze Anzahl Ställe überhaupt aufgelöst wurde. In Hoppegarten wurden dieser Tage die Insassen eines solchen Stalles versteigert und fanden kauflustige Liebhaber.
WAbur Wright wollte das alte Jahr nicht scheiden lassen, ohne vorher noch etwas Besonderes vollbracht zu haben. Er unternahm -daher am 31. Dezember noch einen Flug, der -das seither von ihm Erreichte weit Übertraf. Er blieb 2 'Stunden und 20 Minuten in der Luft und legte während dieser Zeit eine -Strecke von 124,7 Kilometer zurück. Diese Flüge -finden alle als Kreisflüge statt, die an die Lenkfähigkeit des Luftschiffes und an die Aufmerksamkeit des Lenkers bedeutend höhere Anforderungen stellen als ein Flug in gerader Strecke. Man kann sich am besten einen Begriff Mer die zurückgelegte Entfernung machen, wenn man bedenkt, daß diese einem Flug von hier nach Trier oder nach Würz-bnrg gleich-- kommt. Wright hat -mit diesem letzten Flug den Michelin- Preis von 20 000 Frank gewonnen, der immer am Jahresschluß demjenigen znfällt, der wahrend des Jahres die weiteste Strecke im Aeroplan zurückgelogt hat.
Vielleicht werden -wir in diesem Jahr schon öfter Gelegenheit haben, lenkbare Luftschiffe zu -sehen und das Rattern ihrer Schrauben zu hören. Interessenten planen die -Abhaltung einer Aeronautischen A n s st e l - l u n g in diesem So-mm-er in Frankfurt a. M., ,nnd anläßlich die-ser Ausstellung soll ein regelmäßiger Lmftschiff- dicnst zwischen Frankfurt und Wiesbaden, sowie Frankfurt und Homburg eingerichtet werden.
Dem Goröon - Ben nett - Rennen, das vor einigen Jahren von Frankreich begraben wurde, ist jetzt der -französische Grand-Prix, der als Ersatz für dieses geschaffen wurde, gefolgt. Sein Ende -ist allerdings ein ziemlich unfreiwilliges -gewesen, aber da am Tage -des Nennungsschlusses erst 9 Nennungen, anstatt der verlangten -Mindestens 40 eingeigangen waren, -so blieb den Franzvisen nichts übrig, als das Rennen für dieses Jahr abzufagen. Das Fiasko ist aus -die zwischen den großen Firmen abgeisprochene Vereinbarung zurück- zuführen, allen Schnelligkeitsrennen in -diesem Jahre
fernz-ubleiben. Man kann ihnen diesen kleinen Streik angesichts der außerordentlich hohen Kosten dieser Rennen und der auch im Falle eines Sieges nicht mehr sehr renrablen Reklame nicht sehr übel nehmen. Schließ-, lich mögen auch die bösen Zungen recht haben, die behaupten, gerade die franzüsisHeu Firmen seien anr frohesten über das -Ende der großen Rennen. Sie mußten im Jahre 1907 sehen, wie Nazzaro den Preis nach Italien führte, und -im vergangenen Jahre gar ein Deutscher glücklicher Steiger war. Die Furcht, im eigenen Lande zum dritten Male eine Niederlage zu erleiden, sowie die gegenwärtig schlechte Lage der Automobilindustrie mögen wohl dazu geführt Haben, ans mancher rennsreudigen Fabrik -des früher an der Spitze des Automöbilis'mus marschierenden Frankreich Gegner der Schnelligkeits-- bewerbe werden zu lassen. Mit der Rennmüdigkeit der Antomöbilinünstrie schwiNdet auch die Aussicht, den Plan einer deutschen Automobilrennbahn jemals verwirklichj- zu sehen. Sek.
* Sportverein Wiesbaden, Cölner Fußballklub 1899, 6 : 1 ,
Wohl niemand hatte einen solch überlegenen Sieg der Hiesigen vorausgesehen, ja man kann ruhig behaupten, , daß bei etwas mehr Glück der Wiesbadener Stürmer der Cölner Fußballklub eine noch weit größere Niederlage erlitten hatte. Nach den letzten Resultaten, die die Ligaspiele für den Sportverein brachten, die übrigens keine Überraschungen waren, wenn man die näheren Ümstästde kennt, hatten die Corner den Sportverein zu leicht genommen und waren nur mit ,10 Mann erschienen. Seit langer Zeit sahen wir Widder einmal die volle erste Mannschaft des Sportvereins auf dein Spielfeld. Das Spiel selbst war hochinteressant ustd stand in einem wohltuenden Gegensatz zu den zuletzt hier ausgetragenen Ligaspielen. Die Cölner Mannschaft, ans kleinen flinken Leuten bestehend, spielte .sehr flott und hielt das Spiel, obwohl sie manchmal bedrängt wurde, stets offen. In der Berteidigung sahen wir den bekannten Spieler Rasfenberg, der bisher in keiner repräsentativen westdeutschen Mannschaft fehlte. Die Wiesbadener Mannschaft bot ein recht gutes Spiel, besonderes Lob verdient die Verteidigung nddst der Halfreihe. Die Stürmerreihe spielte ebenfalls besser -wie sonst, -daß sie.nicht mchr Tore erzielte, lag einesteils an dem schon erwähnten Pecy nn schießen, verschiedene sehr schöne Schüsse prallten an den Torpfosten ab, andererseits aber auch an dem — wenigstens m der ersten Halbzeit — viel zu eigennützigen Sprel einzelner Stürmer. Sollte dieser Fehler noch abgelegt werden und eine zielbowußtere Kombination an .dessen Stelle treten, dann dürfen wir auch auf ein günstiges. Abschneiden der ManNickMt gegen sehr schwere Gegner — vielleicht eine englische Ligamannschafthoffen.
sr. Die Skl-Konkurrenzen der Nordischen Spiele Mürzzuschlag, die wegen der ungünstigen Schneeverhaltnissr auf den Semmering verlegt worden waren, haben retzt dort
stattgefunben. Es wurde jedoch nur das Seniorensvrinarn ausgetragen, da für die Junior-enkonlurrenz der Meldescksiusi ein ungenügendes Resultat ergeben hatte. Von den angemeldeten Senioren waren fast alle erschienen. Sieget blick, Richard Brunner mit dem weitesten Sprung von 18 Meter, Zweiter wurde Bersthofer Mit einem Sprung von 15 Meter. Der Skiläufer Spielmann iptano außer Konkurrenz 18.50 Meter.
sr. Die All-England-Lawu-Tennis-Meisterschaftsspiele werden in diesem Jahre am 21. Juni und den fotzenden Tcmen in Wimbledon zur Entscheidung gelangen.
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