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Mittwoch, 23. Dezember 1908.

Mend-Ansgabe, 1. Blatt.

Nr. 60V.

Mark verkauft, und dieses Geld sollte für den Bau des neuen Kronprinzenschlosses verwendet werden. Wie j-edoch jetzt eine Korrespondenz aus Hofkreifen erfahren. Haben -will, nnterbleM der Dreim'illionenbau in Babcls- berg, trotzdem lbereits große Vorarbeiten für ihn ge­troffen und schon große Bestellungen moderner Möbel für das neue Prunkschlotz gemacht worden sind, die im Marmorpalais gar Nicht Raum finden können.

* Das neue Weißbuch über den Casablanca-Streit­fall, das die deutsche Regierung dem Reichstag vorlegen will, wird vor Ende Januar kaum dem Reichstag zu- gehen.^ Das Auswärtige Amt hat das Werk woihl ab­geschlossen, pflegt aber mit dem französischen Auswär­tigen Amt noch Verhandlungen .über die Veröffent­lichung.

* Franzosensreundlichc Demonstrationen in einem lothringischen Theater. Im Stadtthoater zu Dieöen- lhofen kam es anläßlich der Aufführung des französischen StückesLa fille de Iioland" zu ostentativen Demonstra­tionen. Jedesmal, wenn von dem Ruhm und der Ehre Frankreichs die Rede war, gab es einen tosenden Beifall. An der Stelle, wo Charlemagne sagt:Nach trüben Tagen wird der Rühm Frankreichs um so Heller -erstrahlen, -nüd mit den Worten schließt:Pour le Christ et la France", erhob sich ein derartig fanatischer Beifall, daß die anwesenden Offiziere mit ihren Damen das Theater verließen.

* Die Wandgemälde im Sitzungssaal des Reichstags. Wie dieMünch. N. N." aus Berlin authentisch erfahren, w-eüöen die ganzen Wandgemälde des Münchener Malers Angela Jank im Sitzungssaal des Reichstags jetzt tat­sächlich wieder entfernt; es fei keine Aussicht Vor­händen, daß sie später dort wieder angebracht werden.

o. r. Der sozialdemokratische RerchstagsavgeorLnetc Lehmann-Wiesbade«, der bisher auch badischer LandtagZ- abgevrdncter (für Mannheim) war, ist nicht wieder als Kandidat aufgestellt worden. In einer Versammlung der sozialdemokratischen Partei fielen 227 Stimmen auf Gastwirt Anton Geis und 113 auf den seitherigen Land- tagsabgeoröneten Lehmann. Geis war somit als Kan­didat gewählt. Man geht wohl nicht fehl, wenn man dieses Resultat mit der Haltung Lehmanns auf dem Nürnberger Parteitag in der B u ö g e t f r a g e in Zu­sammenhang bringt- wo er die süddeutschen Bndgetbc- williger scharf bekämpfte und für die Resolution des Parteivorstanöes eintrat. In Baden ist mit. dieser Haltung innerhalb der Sozialdemokratie eben nichts mehr zu machen!

* Vom deutschen Staatsbähnwagenvcrband. Die bayerische Regierung genehmigte das in Frankfurt a. M. vereinbarte Übereinkommen über die Bildung eines deutschen StaatMahnwag enverband es und erklärte da­mit den Beitritt der bayerischen StaatsetseNbahn- verwaltnng einschließlich der Pfalz zum deutschen -Staats- bahnwagenverband.

* Evangelische nnd katholische Waffe«. In jüngster Zeit hat die öffentliche Kritik wiederholt darauf Hin­weisen müssen, daß sich in westdeutschen Garnisonen eine auffällige konfessionelle Eigenbrööelei unter den Unter­offizieren zeigt, zum Teil von den Militärgeistlichen begünstigt, wenn nicht gar von ihnen inszeniert. So Hatten sich, wie wir seinerzeit berichteten, beispielsweise in Mainz bereits vor einigen Jahren katholische Unter- offizierverbänöe gebildet, die die katholischen Unteroffi­ziere zu besonderen Familienabenden, Kirchenchvren usw. versammelten. Statt daß man nun aber diesen kon­fessionellen Spaltungsbestrebungen entgegenarbeitet, hat sich nunmehr zum allgemeinen Erstaunen in Mainz auch ein evangelischer Unteroffiziersverein konstituiert, der ganz ähnlich eingerichtet ist wie sein katholischer

oaptaine of nmchief), als welchen sie ihn mit dein Titel my Lord of misrule adeln, den sie mit großer Feierlichkeit krönen und als ihren König aus- rufen. Dieser also erkorene und gesalbte König er­wählt sondcrweile zwanzig, vierzig^ sechzig oder hun­dert durchtriebene Schelme (Iu8ty guttes) von seiner Art, um seiner oberherrlichen Majestät aufzuwarten und über seine geheiligte Person zu wachen. Einen jeden unter diesen freienLeuten" belehnt er sodann mit seinerLivery", einer Jacke von Grün, Gelb oder sonst einer grellen Farbe. Nachdem alles in Ordnung, bekommen sie ihre Steckenpferde, ihre Drachen und anderweitiges Getier, ^ nebst ihren Pfeifern und donnernden Trommelschlägern, um einen wahrhaftigen Höllentanz aufzuspielen. Jetzt zieht diese Heidenbande nach der Kirche. und dem Kirchhof, während ihre Pfeifer pfeifen, ihre Trommler trommeln, ihre Beine zappeln, ihre Schellen klingeln und sie ihre Tücher um den Kopf schwingen gleich Verrückten und mit ihren Steckenpferden und andern Monstren durch die Menge fegen. Und in dieser Weise gehen sie in die Kirche hinein (unerachtet, daß der Pfarrer am Gebet oder an der Predigt ist), stets tanzend und ihre Tücher schwingend, mit einem io betäubenden Lärm, baß man ifcirt eigenes Wart nicht hören kann. Und wenn dies also in der Kirche fertig ist, rennen und laufen sie in -die Kreuz und in die Quere, und endlich in den Kirch­hof." Und im Kirchhof, wie es scheint, hatten sie ihre Hütten oder Zelte errichtet, und das wahre Fest be­gann. Stubs ist sehr aufgebracht und bedroht auf eine furchtbare Art all diesesphantastische Narrenvolk" (all tllo86 fantastieai fools), das demLord of misrule" und seinem Gelichter die einenBrod, gutes Ale, frischen Kiffe, alten Käse, die andern Kuchen, Ge­backenes, Honigfladen, Zuckertorten, noch andere Rahm oder Fleisch, der dies, jener das bringen" . . .

Natürlich war Mylord os Misrule stets von seinem Jester,Narren" oder Hanswurst oder Pickelhering, wie man ihn nennen will, begleitet. Die besonderen persönlichen Vorzüge desJester" bestanden etwa in folgendem: er mußte van wohlgefälligem Äußern und stattlich in Anzug und Erscheinung, sonst aber ein wahrer Affe in Bewegung sein und sozusagen nichts Menschliches in seinem Benehmen haben. Sein Dich­ten und Trachten mußte darauf ausgehen, stark ge-

WiesöaSener Taghlatr.

Brnüerverein". Vor einigen Tagen hielt der neue Verein in dein vielbesuchten GasthofKöthcrhof" eine Abendunterhaltung .mit Ball ab, in der der protestantffche Drvisionspfarrer die Festrede hielt, die Musik wurde von einem Regiment mit obrigkeitlicher Erlaubnis gestellt. Zn dem Festabend wurden gedruckte Einladungen ver­breitet, die besonders den Charakter der Bereinigung als evangelisch" betonten, und zwar geschah die Verbreitung unter den Augen des Offizierkorps! Es fehlt jetzt nur noch imliberalen Hessen", daß auch die Regimenter nach Konfessionen getrennt werden; die katholischen könnten dann in diealte Bischofsstadt Mainz", die evangelischen in dieLuther-Stadt Worms" gelegt werden.

* Verdiente Ablehnung! Mehrere Berliner -tschechische V e r e i n e Hatten versucht, einen Saal für ihre Weihnachtsfeiern zu mieten. Es ist ihnen Uber, wie dasBert. Tagebl." berichtet, von dem Verband der Berliner Saalbesitzcr der Bescheid zngegangen, daß

. kein einem Mitglied des Verbandes gehörender Saal einem tschechischen Verein überlassen werden soll.

* Magdeburger Eingemeindungen. Der Kreistag in Wanzleben genehmigte die Eingemeindung der Elv- öörser Fermersleben, Salbke, Westcrhnesen und Lems­dorf mit zusammen etwa 18 000 Einwohnern in Magde­burg.

Neer- «rrd Motte.

XX Neuer Kommandeur für dieKrastfahradtei- lrrng". Wie uns mitgeteilt wird, wird Hauptmann Juri sch, der gegenwärtig die Krastfahraiüteilung kommandiert, demnächst arröerw-eitig-e Verwendung fin­den. An feine Stelle soll der jetzige Hauptmann ö. N. Orth ma n n treten, der am 1. Januar 1009 zur Über­nahme der K rast sah rab t ei l u nge n reaktiviert wird, Hanpt- mann Orthmann leitete bereits Hie letzte Subventions- fahrt der Kraftfahrzeuge und machte im Sommer eine Dienstleistung mit.

Türkische Offiziere im deutschen Heere. 19 türkische Offiziere, darunter 9 Generalstäbler, sind ermächtigt, ihre Studien in der d c u tsche n Armee fortzufctzen.

Ein neues Artillerregeschütz. In der Nähe von Porto (Italien) fanden Experimente mit einem neuen 21zölligen rs e r g e's ch ü tz statt. Es wurden Entfernungen bis gu 8 0 0 0 Meter erreicht.

Ein Jnfantericgeschoß zur Beschießung von Luft­ballons. Der Büchsenmacher Robert Schräder in Göt­ti nge n konstruierte ein Geschoß für Jnfanteriogewchre, mittels welchem jeder Soldat angeblich einen Luftballon erfolgreich beschießen kann. Schräder Hat feine Erfin­dung dem KriügsmiNisterinm zur Begutachtung etn- gereicht.

Deutscko Äolsrrren.

fst Rechenbergs und Lindeqursts Rückkehr. Die Mel­dung, daß der Gouverneur von Oftafrrka Freiherr v. Rechenibevg im Februar nach Berlin kommen würde, ist aus der Luft gegriffen. Auch die Rückkehr des Unter-- staatSsekretärs v. Lindegnift wird nicht, wie berichtet wurde, im Februar, sondern -erst im Laufe des März erfolgen.

Den Unruhen auf Samoa, die aus Aucklan'd durch die passive Resistenz einiger Häuptlinge hcrvorgernfen woüden sind, wird in Berlin keine Bedeutung beigemessen. Dort ist nichts von Vorgängen bekannt, die iraendnvellchen Besorgnissen Anlaß geben konnten.

* Eine BcrschönerungSfabrik in Daressalam. Aus

wird uns geschrieben: Eine industrielle 'Neu­

anlage, die hier kurz mit Berschönerungsfabrik bezeichnet wird, hat sich unlängst in Daressalam aufgetan. Sie findet in weiten Kreisen Beifall, zumal ihre Produktion die Verdrängung des steif und wenig anheimelnd anmutenden Wellbleches, das hier ja überall zu finden ist, bezweckt. Das trübe Grau der menschlichen Wohnsitze wird hoffentlich

würzteWitze zu reißen, Purzelbäume zu schlagen, seinen Körper zusammenzuringeln. Possen zu singen und Reime auf alles und jegliches zu machen. Ein Tropfen Wein mußte ihn in einer Sekundebenebeln", er mußte Gesichter schneiden, die Augen rollen und die Zunge herausstrecken alles versteht sich auf höchst komische Weise. Wenn er lachte, mußte es aus vollem Halse sein, und sein Beruf war, stets zu lachen und andere lachen zu machen; nicht zu gehen, sondern zu tanzen, über .Tisch und Stühle zu springen, seinen Ge­sellen auf die Fersen zu treten und sich in jeder denk­baren Beziehungdurchaus übel aufzuführen". So­bald eine junge Dirne das Gesicht verwandte, mutzte er sie küssen, mit den Lippen schnalzen und rufen: Zuckerl" Bückte sich ein alter Herr, so mußte erritt­lings" über seinen Rücken wegspringen, und wo immer junge Buben in seinen Weg kamen, mußte er ihnen die. Köpfe zusammenstoßen und den Schläfern oder Un­achtsamen Schnurrbärte mit Kork anmalen- Kam er ohne Fußtritte oder einen eingeschlagenen Kopf davon, so war er einlustiger Narr" (a rnerry jacaster); be­fiel ihn Unheil dagegen, so wurde er als ein trauriger Tropf (a.sad wag) angesehen.

Die Juristengesellschaften, die sogenannten Inns of Court, befolgten die Sitte, alljährlich einen Lord of Misrule zu erwählen, der über die Weihnachtsfestlich­keiten in ihren Speisehallen zu wachen hatte. Der Middle Temple insbesondere war berühmt für die Seinigen. Es kostete einen derselben nicht weniger als 2000 Pfund Sterling. Dagegen aber übte er sein Amt mit fürstlicher Verschwendung, empfing und be­wirtete Gäste des höchsten Ranges und wurde nach vollendetem Spaß vom König zum Ritter, Knight, geschlagen.

Bei der Mehrzahl der Bevölkerung indessen begann das Christmas erst am Vorabend von Weihnachten, wo das Christmasklotz (vule log) feierlich in den Kamin gelegt und mit einem aufbewahrten Überrest des vori­gen Jahres angezündet wurde. Sobald das Abendbrot aufgetragen wurde, entbrannten zugleich die Christ- mcrsksrzen (yule eandles), gewöhnlich ein Geschenk der Lichterzieher an ihre Kunden, und wehe dem, der die Kerzenputzte" oder an das Feuer rührte, ehe das Mahl vorüber' war. Ebensowenig durfte jemand vom Tische aufstehen, ehe das Dankgebet gesagt war. Ein >

bald einem freundlichen Farbenschmuck weichen, der von den Dächern herab und von den Bauten her erglänzt. Es handelt sich bei dem neuen Unternehmen um eine Dachfalzziegel- und Sandstein-Fabrik. Man stellt Zemcntbausteine her, die sich ;e nach dem Mischungsverhältnis des Materials bezüglich ihres Geiwichts und hinsichtlich ihrer Druckfestigkeit unter- schewen. Die Dachfalzziegel werden auf maschinellem Wege gleichfalls von Zement und Sand hergcstellt und mit einer farbigen Glasur überzogen, die überall das Entzücken der Eingeborenen erregt, überhaupt kommt der Sinn der Schwarzen für Farben Wirkung der Fabrik zugute, oenn mehrere angesehene Neger haben bereits dort " Be- ftellunaen auf bunte Ziegel gemacht. Ganz wesentlich für die Rentabilität der Rcuanlage ist es, daß das Material für den Quadratmeter Dachfalzziegel nicht so teuer sein wird wie für . die gleiche Fläche Wellblech.

Die Amwiihlmg Ln DerlemeLn.

Die Verschwörung gegen Castro.

Die Verschwörer Hielten am Freitag in Her Wohnung bes Generalsekretärs des Castroschen Kabinetts, Gar- birac Cuzman, welcher mit der Wahrung der Angelegen, beiten Castros betraut war, eine.Versammlung ab. Die Verschwörer planten einen Staatsstreich und beschlossen, den Vizepräsidenten Gomez, den Minister des Aus­wärtigen Paul, den General Baptifta und eine Reihe anderer hochstehender Persönlichkeiten zu ermorden und dann die Regierung zu übernehmen. Mit der Ausfüh­rung des Planes wurde Thomas Cardenas, der ehe­malige Privatsckretär Castros und jetzt Führer der Ver­schwörer, betraut. Gomez erfuhr von der Verschwörung, begab sich allein in die Kaserne eines meuternden Regi­ments, das unter dem Kommando von Castros Bruder, stand, verhaftete ihn, und später den Thomas Cardenas» den er heftig schüttelte, und der vergeblich Len Revolver zu ziehen versuchte. Die Verhaftung der übrigen Ver­schwörer erfolgte mit Hilfe von Freunden des Vizeprä­sidenten Gomez. Die Menge drückte ihre Genugtuung über die Wendung der Dinge aus.

In einer Proklamation an das Volk schildert Gomez die Aufdeckung des gegen ihn gerichteten Komplottes, und verspricht mit Hilfe seines die öffentliche Meinung von Venezuela repräsentierenden Kabinetts die Hoch­haltung der in der Verfassung vorgesehenen Garantien, und die friedliche Beilegung der internationalen Streitigkeiten.

Nachdem Vizepräsident Gomez Len Gewaltstreich der Anhänger Castros überwältigt hatte, trat er in Verbin­dung mit dem deutschen Geschäftsträger v. Seckendorfs, der mit der Vertretung des holländischen Gesandten be­traut ist. Wie es heißt, versuchte Gomez bereits, mit Holland wieder Beziehungen anzuknüpfcn, ohne daß ihm dies jedoch gelungen wäre. Die Reorganisation sämt­licher Verwaltungsbehörden ist eingeleitet worden.

Viele politische Gefangene, Gegner Castros, wurden freigelassen.

DemReutevschen Bureau" wird unterm 18. De- seniber ans Caracas gemeldet: Der Wechsel im Ministe­rium wird nicht eher bekannt gegeben, als Dis in der Hauptstadt aus dem Innern des Bandes 1500 dem Vize­präsidenten Gomez ergebene Truppen eingetroffen sind. -Es Herrscht Hier zurzeit überall eine lebhafte militärische Bewegung. Es werden Truppen ausgehoben und unter Aufbietung von -großer Eile bewaffnet, da man glaubt, daß es im Innern des Landes noch Anhänger Castros gibt, Die für ihn kämpfen werden. Der -DampferManzanares", Castros persönliches Eigentum -wurde genötigt, in Lagucrra zu -bleiben, da der Komman­dant der holländischen Kriegsschiffe, die an den Küsten patrouillieren, mit Wegnahme droht, falls er von dort abfahrc. Die Folge -dieser von den Holländern Deovach-

Verstoß. gegen diese Regeln sowie eine ungerade An­zahl von Gästen wurden als schlimme Vorbedeutung betrachtet.

Der Tag von Christmas galt als besonders feind- lich gegen die Frauen. Was sie verbrochen, um diese Ungunst sich zuzuzichen, wird nicht gesagt. Man glaubte aber, daß, wenn eine Frau am Morgen dieses Tages sich zuerst auf der Türschwelle zeige, den Be- wohnern ein großes Unglück bevorstehe. Hingegen war der Fußtritt eines Mannes geheiligt und brachte Segen über das Haus.

Daß das Brennen des Weihnachtsklotzes und das Anzünden von Christmaskerzen, die Vermummungen und der Schmuck des Immergrüns der heidnischen Feier der Saturnalien entlehnt sein möchten, scheint die Feiernden der früheren Jahrhunderte wenig ange° fochten zu haben. Sie trösteten sich damit, daß sie die Gebräuche einem reinen Dienste zugewandt und den Teufel verbannt hätten.

Mit solchen Gefühlen sagten sie was liegt uns daran, ob unsere Feier jener der römischen Heiden gleicht oder nicht. Sie aßen auch und tranken wie wir. Ist das ein Grund, daß wir verhungern und ver­dursten sollen?

Unter den besonderen Gebräuchen der alten Zeit müssen wir noch der Weihnachtsfeier der Dienerschaft auf dem Edelsitz von Aston bei Birmingham gedenken. Sobald am Vorabend von Christmas die Herrschaft von der Abendtafel sich zurückgezogen, wurde ein anderer Tisch in der Gesindehalle bestellt. In der Mitte desselben lag ein Laib Schwarzbrot, in dem zwanzig Silbermünzen von drei Pfennigen (three penee) staken, daneben ein Krug Ale, Pfeifen und Tabak. Die ältesten Diener des Hanfes nahmen ihren Sitz an der Spitze des Tisches in ihrer Eigenschaft als Geheimrichter, und die Feier begann. Unter der Lei­tung des Verwalters trat die. übrige Dienerschaft, so­wohl weiblieb als männlich, einer nach dem andern in die Halle, mit einem langen, weißen Laken über dem Haupt und den Schultern, und nichts zeigend, als die rechte Hand, die sie auf den Laib ausstreckten. Es galt nun für den Areopag, die Person zu erraten. Nur ein Name durfte genannt werden. Trafen die Alten rich­tig, so wurde das verschleierte Bild stillschweigend weg­geführt. Irrten sie sich, so zog der Verwalter die Hülle