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Verlag Langgasse 27.

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Nr. 584.

Kvenö-Ausgabe.

1. Matt.

No Mische Übersicht.

Drei deutsche LuftschMiuic«.

Stationen in 2t Städten.

Das KaiserwortDeutschland in der Welt voran!" wird sich allein Anschein nach auch auf dem Gebiet der Luftschisfahrt bestätigen. Soeben hat sich mit dem Sitz in Frankfurt a. M-, Berlin und Cassel eine Gesell­schaft gebildet, welche den Namen Deutsche Aero- stations-Gesellschaft führt und sich zur Aufgabe gestellt Hat, in absehbarer Zeit 7 lenkbare Motorluftschiffe zu bauen und damit einen ständigen Verkehr zwischen 24 deutschen Städten einzurichten. Die Pläne dieser aus Sportsleuten und G r o ß k ap i t a I i st e n zusammengesetzten Gesellschaft haben maßgebenden Lustschiffern und Ingenieuren Vorgelegen, sie haben in allen Teilen die Billigung und Anerkennung dieser Persönlichkeiten gefunden. Die Strecken für die

Ballonfahrten sind einstweilen wie folgt festgesetzt:

Linie 1: Friedrichshafen, Nürnberg, Leipzig,

Berlin, Hamburg, Bremen, Cöln, Coblenz, Marnz. Frankfurt a. M., Mannheim, Straßburg i. E., Friedrichshafen.

Linie 2: Friedrichshafen, München, Nürnberg,

Plauen, Dresden, Berlin, Magdeburg,Hannover,Cassel, Frankfurt a. M., Mainz, Metz, Straßburg i. E., Stutt­gart Friedrichshafen.

Linie 3: Friedrichshafen, Würzburg, Gotha,

Braunschweig, Hamburg, Kiel, Flensburg, Fredericia, Kopenhagen.

Die Gesellschaft hat sich bereits mit allen in Be­tracht kommenden Körperschaften in .Verbindung ge­fetzt und wird demnächst auch mit den in Betracht kom­menden Stadtverwaltungen Fühlung nehmen. Für die Anlage der Aerostationcn hat die Gesellschaft ganz neue Gedanken zur Anwendung gebracht, welche es dem lenkbaren Luftschiff möglich machen, zu jeder Tages­und Nachtstunde und bei jeder Witterung glatt und sicher zu landen. Von ganz hervorragender Beschaffen­heit sind die patentierten Verankerungsvorrichtungen der Gesellschaft. In allen Kulturländern sind diese nach jeder Richtung vorbildlichen Aerostationen zum Patent angemeldet, sie dürfen von Unberufenen in der gleichen vollendeten Form ohne Erlaubnis der Gesell­schaft nicht nachgeahmt werden. Mit voller Absicht sind die Strecken so geplant, daß auch die Lenkballons des Grafen Zeppelin und anderer Konstrukteure die Stationen benützen können. Ans diesem Grund beginnen und enden die beiden Linien 1 und 2 in Friedrichshafen. Es ist bekannt, daß auch der WA litärfiskus die Anlage von Luftschiffbahn­hofen plant, die Friedrichshafen mit Berlin verbinden und gute Z w i s ch e n st a t i o n e n ssin sollen. Auch der Deutsche Lustslottenverein trägt sich mit ähnlichen Gedanken. Dem Direktor der Zentrale des letzteren Verbandes, Exzellenz b. Nieder, lagen die Pläne der Gesellschaft vor: sie fanden seine wärmste. Anerkennung. Es ist ganz zweifellos, daß sich auch die Staatsbehörden für das großzügige Unternehmen der Aerostations- Gesellschaft interessieren werden, das für etwaigen Kriegsfall genau wie die Eisenbahn eine große Be­deutung Hat. Ganz selbstverständlich werden an den an den Stadtgrenzen liegenden Stationen der Gesell­schaft auch Privatballons aller Art landen können. Die Gesellschaft plant zunächst den Ban von Lenkballons, die ebenso wie die Zeppelin-Ballons 10 bis 16 Per­sonen fassen. Um sie in die Lage zu versetzen, in der Nähe der Stationen gut zu ' wohnen und Meignete Verpflegung zu finden, wird mit jeder Station ein kleines Hotel ver­bunden sein. Deutsche sportliche Tüchtigkeit und deut­scher kaufmännischer Unternehmungsgeist sind hier im Begriff ein Unternehmen zu schassen, wie es bisher kein Land der Welt aufzuweisen hat. , Wenn nicht außerordentliche Schwierigkeiten eintretcn, dürfte die Verwirklichung des glänzenden Projekts in absehbarer Zeit zu erwarten sein.

Mne neue deutsche Muhert.

Wie schwer cs ist, selbst auf solchen Gebieten, .wo die nüchternste Sachlichkeit und die, klare Erkenntnis vernünftiger Interessen jedes Mißtrauen ausschließen sollte, zu einer Verständigung zu gelangen, das konnte man kürzlich wieder einmal beobachten, als es sich darum handelte, einen gemeinsamen. S t a a t s b ahn­wag e n-V e r b a n d zu errichten. Den meisten Lesern wird das Wort und der Begriff neu und fremd sein: es geht aber hier keineswegs um kleines. Dieser Staatsbahnwagen-Verband, dessen Erzielung, wie ge­sagt, schwer genug gewesen ist, bedeutet wirklich einen

Wiesbaden, Montag, 14. Dezember 1908.

56, Jahrgang.

Sieg der Vernunft und der praktischen Interessen über grundlose Eifersüchteleien und über u n ö k o n o - mische Zersplitterung. Man kann sagen: Eine neue deutsche Einheit ist hergestellt worden. So saßt esauch der bekanntePluto" in der Berliner Halbmonats­schriftNeue Revue" auf, deren Verlag uns das jüngste Heft schon mehrere Tage vor Erscheinen zugestellt hat. Um was handelt es sich bei diesem gemeinsamen Staatsbahnwagen-Verband? Um etwas sehr Wich­tiges, nämlich darum: Vom Frühjahr 1909 ab wird in deutschen Landen jeder unserer Einsenbahnwagen zum ersten Male wie der eigene, behandelt werden können, er braucht nicht mehr leer z u r ü ck z u l a u f e n. Man bedenke, daß durch dieses von Berlin aus zu leitende Clearingsystem jährlich 2 0 0 Millionen Leerkilometer erspart bleiben sollen. Wes­halb also die bisherige Zersplitterung noch 37 Jahre nach der Einigung des Reichs? So einfach waren aber die alten Verhältnisse nicht zu überwinden, denn ebenso wie unsere Eisenbahnen einzeln entstanden sind, so ver­schieden fielen auch die Lokomotiven (die man zunächst von England bezog), die Waggons und andere Be­standteile aus. Nur die Spurweite von 4 Fuß 8^/2 Zoll wurde, abgesehen von den ersten badischen Bahnen, allenthalben bei uns eingeführt. Da aber die Reserve­teile sich notwendig als ungleich ergaben, war auch die Reparatur der betreffenden Wagen kaum anders als in ihren Ursprungsländern angängig. Indessen nach und nach suchte man einander ähnlicher zu werden. Da dem Verein deutscher Eisenbahnen auch Österreich- Ungarn. ein Teil Belgiens und Hollands, ferner Luxemburg und zum Teil Rumänien angehören, so könnte die neue Disposition über Waggons vielleicht noch weitreichender sein, als dies nach den ersten bezüg­lichen Nachrichten anzunehmen ist. Jedenfalls wird die deutsche Waggonfabrikation (sie ist ja fast völlig kartelliert!) nunmehr wesentlich geringere Aufträge unter sich zu verteilen haben, da sie noch auf dem alten Bedarf begründet ist. Dagegen brauchen die Waggon- leihanstalten wenig zu fürchten, weil es immer Zeiten geben wird, wo wie bei Tiefstand der Elb- und vor allem der Rheinstraße eine plötzliche Not an Wagen eintritt. Man sieht, daß es weitgreifende Interessen sind, die durch die Reform, in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Neuerung selbst kann natürlich nur mit Genugtuung ausgenommen, werden, nicht bloß wegen ihres zweifellosen sachlichen Nutzens, sondern auch darum, weil sie auf den: Gebiete des deutschen Eisen- bahnwesens wieder einmal einen Schritt zur Einheit­lichkeit bedeutet.

,,Gefahr: fmr den Kaiser."

. Unter dieser Überschrift schlägt derHamburgische Korrespondent" mit folgenden Ausführungen Alarm:

In einem eigenen Artikel öerKreuzzeitung" lesen wir folgende Sätze:Man erkennt cs aus dem Ver­

halten fast der ganzen Presse und aus den Reden aller Relchs-L-agsäbgeordneten, daß überall das monarchisch gesinnte Volk mit einem Gefühle der S ch a m am dieÜbertreibungen" denkt, die in der Erklärung im Reichsanzciger" mit einem -königlichen Worte, das ver­zeiht, indem es straft, zurückgewiefen worden sind." O nein! Hier gab es von seiten des- Kaisers ni ch t s zu v e rzeihen, n ichts z u st rase u. Ein Gefühl der Scham «wäre auf seiten derer, die -gegen das persönliche Regime ausgetreten sind, unangebracht, un­möglich gewesen. Wir verzichten aus eine Untersuchung darüber, wer sich damals geschämt hat, und bedauern, daß keine Aussicht dafür vorhanden ist, daß sich die Hintermänner dieses frivolen Zeitungsartikels schämen werden. Sie hätten dazu wirklich Anlaß. Denn im Gegensatz auch zu dem angesehensten Führer der Kon­servativen arbeiten sie daran, den Kaiser wieder in die Sphäre der Gottesgnade zu -erheben. Aber die reaktio­näre Gefahr, die nicht das Volk, wohl aber der Kaiser zu fürchten hätte, ist in unseren Tagen leichter zu be­kämpfen, als vor 100 Jahren. Alle z-n ihrer Bekämpfung notwendigen Waffen sind in den Händen ihrer Gegner, nämlich Presse, Verfäunnlungs- und Wahlrecht. Publi­zistisch ist die Reaktion unendlich -viel schwächer, als die nationalen Kreise. Diese sind so stark, daß sie in den 'letzten Wochen Wirkungen erzielt haben, die in alten Zeiten nur mit Revolten -möglich waren.Kreuz- z c i t u ngs" -Artikel k ö itimt b ei m P ubli- k um der nationalen Sache »ich ts '] ch a den, w 0 h l a b e r bei m K a i it e r. Ihm vorzureden, er habe verziehen, indem er strafte, ist heute -geradezu ein Verbrechen gegen den Monarchen. Wenn .er das nun wirklich glaubt? Und man sagt eS ihm ja, damit er cs glaubt. Welche Kvuseaueuzen soll er dann zi-ehen? Nun, mir wissen genau, -was jene üblen Dunkel­männer wünschen. Er soll in Zorn geraten gegen den .Kanzler, den eine zäh arbeitende Gruppe aus aller­lei, aber nicht aus nationalen Motiven stürzen möchte. 'Es ist der alte Kampf von Neid -und Mißgunst gegen den Mächtigen., Je starker die Position des -Kanzlers wird, -um jo -erbitterter kämpfen die Gegner. Und wenn sie

-vielleicht -wahr-zunehmen glauben, daß der Kaiser sich dnrcharbeitet -zu der Erkenntnis von -der Größe des Dienstes, den Fürst Bülow am 17. November der Monarchie geleistet hat, dann gibt es nur -ein Mittel: dem Kaiser muß eingeredet werden, die Situation sei damals gar nicht so 'schlimm gewesen, Daß ein solcher Schritt nötig war. Das-erzählen ihm die Intriganten wider besseres Wissen. Ja, sie wissen selbst ganz genau, daß sich von der einheitlichen Stimmung -der Nation nicht einmal das O -f f i,z i -c r k 0 r p s fern-gehalten hat. Der K-a-iffer selbst ist sehr genau informiert über -die Stim­mung, die -uns -an den Rand des Abgrunds -geführt hat. So -kann denn einstweilen auch nicht an-genömmen wer­den, daß die falschen Freunde ihn überzeugen werden von der Reue des Volkes, dem er verziehen habe. Verant­wortliche Ratgeber -werden es nicht zum zweiten Male dahin kommen lassen, daß vöm Kaiser -als-Bolkes-Stimm-e angesehen -wird, -was gewissen löse Schranzen und -z y n f | ch e Intere s s e n j ä g e r ihm mit Augen- aufschlag Vorreden. Der -Bann -ist gebrochen. Jetzt hat nicht mehr der Höfling !das Wort, sondern der Staats- mann. Zu ihm haben wir das -Vertrauen, daß er den -Versuch, den Kaiser irr die Weihrauch-Atmosphäre zurück- KUlocken, im K-ei-me ersticken wird. -Aber eine feste Hand, -ein scharfes Auge -gehören dazu, und zugleich ein sehr sehr seines -Gehör. Dem Fürsten Bülow werden alle natio­nalen Politiker in Parlament und Presse .auspassen helfen. .Die ganze Nation hat ein Interesse daran, die -Gefahr des Konfliktes nicht -wicderkohren zu sehen. Denn das nächste Mal würde er nicht wieder so verlaufen, daß die -Grundpfeiler des monarchischen Empfindens rit e r - schultert -bleiben.

Deutsches Deich.

* Hof- und Personal-Nachrichten. Das .Befinden des GroßHerzogs von -Oldenburg, -der, -wie gemeldet, -während einer Ho'ftafel Ohnmachtsanfälle erlitt, gibt zu Bedenken - keinen Anlatz. -Er muß infolge einer Darm­erkrankung -das Bett hüten. Die Krankheit wird voraus­sichtlich in einigen Tagen völlig behoben sein.

* Kultusminister Dr. Holle. Der Urlaub des Kültus-ministers Dr. Holle soll verlängert wor­den sein. Ob er nach Beendigung desselben in sein Amt zurückkehren wird, ist mit Sicherheit auch jetzt noch nicht zu fügen.

* Haltlose Beschuldigungen gegen Herrn 0 . Kiderleu- Wächter. DieNordd. Allg. Zig." schreibt: Gegen den kaiserlichen Gesandten in Bukarest v. Kiberlen-Wächter wurden in mehreren Blättern Angriffe gerichtet, die -seine häuslichen Verhältnisse betreffen. Wie wir erfahren, hat eine erneute Prüfung der Sache die Haltlosigkeit der Beschuldigungen ergeben. Gegenüber der Behauptung, daß v. Kiderlen-Wächter nur auf kurze Zeit auf seinen Bukarestcr Posten zurückkehren werde, sind wir in der Lage mitzuteilen, daß der Genannte zurzeit noch mit einigen besonderen Arbeiten im Auswärtigen Amt be­schäftigt 'ist, dann -aber feinen Posten in Bukarest wieder übernehmen wird.

-i- Die Nerchstagscrsatzwahl in Mescritz. Graf Westarp (konf.) erhielt 11 506, der Propst Renfpieß (Zentr.) 10 211 Stimmen. Graf Westarp -ist somit -gewählt. Also ist cs trotz des neuen Verrats des Zentrums -am Deutschtum, des Wahl-Sündnisses mit Sen Polen, und trotz -aller Agita­tion eines seiner -geschicktesten Manager, des Herrn Erz­berger, erfreulicherweise nicht gelungen, den Wahl­kreis dem Deutschtum zu entreißen. Im Jahre 1807 siegte im ersten Wcchlgang der damalige konservative Kandidat ®. Gersdvrff mit 11 388 -Stimmen gegen 8427 pol-nitsche, 1682 Zentrums- und 102 sozi-aldemoLvatisch-c Stimmen.

* Ein Kompromiß znm Lehrcrbcsoldnngsgcsctz? Die Kommission des Abgeordnetenhauses für das LeHrerbe- soldun-gsgesetz ist in ihrer ersten Lesung nicht zu defini­tiven Beschlüssen gekommen. Über die Höhe der Orts­zulage ist überhaupt kein Beschluß zustande gekommen, und'was sonst beschlossen wurde, ist zum Teil einem Unannehmbar des Finanz-Ministers begegnet. Man hat das Grundgehalt öer Lehrer von 1350 aus 1400 M., das der Lehrerinnen von 1050 auf 1200 M. erhöht. Man hat weiter die Beiträge des Staates für den alleinstehenden Lehrer auf 700, für andere Lehrer -auf 600 und für die Lehrerinnen auf 250 M. festgesetzt und auch den Er- gänzun-gAzn-schutzfonds, den der Staat jährlich in den Etat zur Ausgleichung von Unstimmigkeiten, die die schema­tische Regelung der Beitragszahlung mit sich bringt, cin- stellt, von 14,2 auf 21,04 Millionen erhöht. Der Mehrauf­wand, den die Vorlage dem Staate verursacht, berechnet die Regierung -auf 30 Millionen, während die Schulvcr- bän-de 4,15 Millionen an Mehrleistungen anfzn-wcnden hätten. Zwischen der ersten und der zweiten Lesung in der Kommission haben, wie üblich, Verhandlungen mit der Regierung über ein Kompromiß stattgefunden,, und diese Verhandlungen haben auch, wi-e dieFranks. Zig." berichtet, zu einem Ergebnis geführt. Danach, sollen für die Lehrerbesoldnng 7 Millionen mehr als nach der Vor­lage aufgew-audt werden, wovon der Staat und die Ge-