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Seite 8. Sonntag, 13. Dezember 1908.

mittel müssen also verteilt werden, um so ins Privateigen­tum überzugehen. Redner stellte eine sehr eingehende Unter- isuchung Wer die Durchführbarkeit an und kam zu Dem Schluß, Das; diese Forderungen Utopien seien. An den Vor­trag schloß sich eine sehr leohafte und anregende Drskussron. Am nächsten Vortragsabend, Freitag, den 18., wird Herr Real - Gymnasialdirettor Geh. Regicrungsrat Professor ^teaei das Referat übernehmen.

Ans dem Landkreis Wiesbaden.

Biebrich, 11. Dezember. Der Großherzog von Luxemburg hat dem Uhrmacher Herrn Anton Buch hier- selbst den TitelHoflieferant" verliehen. Der Bäcker­meister Jakob Kitzlinger stürzte heute morgen von einer Leiter und zog sich schwere Verletzungen am Fuße zu. Zur Teilnahme an den bevorstehenden Jubiläums- sestlichkeiten des 87. Infanterie-Regiments in Mainz haben sich von hier nahezu 100 ehemalige 87cr gemeldet.

ob. Biebrich, 11. Dezember. In diesen Tagen wurde mit der Auszahlung Her in vielen Wirtschaften hiesiger Stadt bestehenden W eih n ach tssp ar k as s e n be- lgonuen. Daß auch noch ziemlich gespart wird, beweist jäte Kasse in der RestaurationZum Kaiserhof" (Besitzer (Ehr. Schreiber), da Hortselbst die Summe von beinahe KOMM. an die Sparer zur Auszahlung gelangte.

< bh. Vrcckcnhoim, 12. Dezember. Da der Mörder, dem der junge Stamm von hier zum Opfer fiel, nicht zu ermitteln war, hat die Königs. Staatsanwalischast gegen sieben am Streite beteiligte Burschen die Eröffnung des Hauptverfahrens vor der Strafkammer II zu Wiesbaden beantragt. Die Anklage lautet auf Körperver­letzung m i t t öd l i ch e m A u s g an g, welche den Be­treffenden in diesen Tagen zugestellt wurde. Zu der Ver- Hanülung werden nicht weniger als 45 Zeugen erscheinen. 'Es füllt allgemein auf, daß uicht sämtliche an der Keilerei 'beteiligte Burschen, sondern nur diese sieben von der Stammschen Gegenpartei unter Anklage gestellt wur- ben, während doch von den Genossen des Stamm nach­weislich das Messer geschwungen wurde und einer unter ihnen dem Angeklagten Becht mehrere Wunden beibrachte. ^Gewitz nimmt das Gericht an, daß der Täter nur unter ider Partei der Angeschuldigten zu suchen sei. Doch kann jtttan darüber geteilter Meinung sein. Man denke sich hoch nur einen Knäuel sich schlagender Burschen in stock­finsterer Nacht! Wer will behaupten, von welcher Partei der Täter war? Hat der tödliche Stich dem Opfer ge­golten oder einem anderen? Vielleicht ist sich der Mörder, der gewiß blindlings dreinschlug, der Tat selbst Nicht bewußt. Hätte man sämtliche Streitbrüder, ganz egal, welcher Partei sie angehörten, sofort in Einzelhaft genommen und fein Augenmerk besonders auf die Messerhelden gerichtet, ehe die Spuren zu sehr verwischt waren, wäre man vielleicht eher zum Ziel gekommen. So aber war reichlich Zeit für den Mörder vorhanden, !ctwaige Spüren zu beseitigen, denn obwohl der Mord schon Sonntagabend geschah, war das Gericht erst am Kienstag zur Stelle.

Nassauische Nachrichten.

( d. Idstein, 11. Dezember. Die P e r s o n e n st a n d s- irufil ahm e ergab in diesem Jahre eine Einwohnerzahl von 8480. Davon waren 1054 unter 14 Jahren, über 14 Jahren 1295 männliche und 1131 weibliche Personen. Der hiesigeTurnverei n" beschloß in seiner gestrigen Vereinsversammlung, am 2. Weihnachtstage einen Faurilicnabcnö, am 81. Januar einen Ball nnd am Fastnachtdienstag einen öffentlichen Maskenball abzu­halten. ImHotel Merz" eröffnete der Landwirtschaft­liche Bez-irksverein einen Buchführungskursus. welchen Herr Landwirtschaftsinspektor Dr. Horny-Wies- baden leitet. An dem Kursus nehmen über 70 Personen von hier und der Umgegend teil. Derselbe ist für die Teilnehmer kostenlos.

31. Ruppertshain t. T., 11. Dezember. Eine Rafsel- öv ckj agd hielten vor einiger Zeit die^ Patienten der hiesigen Lungenheilstätte ab. Während man mit Stöcken und dergleichen bewaffnet beim Treiben war, hielt ein Patient B. aus Bockenheim in der einen Hand einen ge­öffneten Sack, in der anderen eine Laterne, mit Sehn­sucht das eigenartige Tier erwartend.Plötzlich huschte etwas in das Dunkel des Sackes. Letzteren fest zu- sammenhaltenid und voll Freude, stürzte der glückliche Weidmann zu den übrigen Patienten zurück mit den Worten:Ich Hab' 'n Rasselbock gefange!" Als sich der Rasselbock als ein Stein entpuppte und demWeid­mann" bedeutet wurde, daß es überhaupt keine Rassel- böckc gebe, meinte er:No, mich könnt' ihr für so etwas net mehr kriehe." Ob's wahr ist?

Io. Usingen, 11. Dezember. In der Stadtvcrordnetcn- wahl wurde Herr .Oberpostassistent Ne es mit 68 Stimmen gewählt. Sein Gegenkandidat in der Stich­wahl, Herr Schreinermeister Bender, erhielt 63 Stimmen. Unser Nachbarort H a usen hat ein neues schönes Schulhaus bekommen. Die EinweihungS- feier gestaltete sich für alt und jung zu einem Festtag. Der OrtSlehrer Herr Brühl hielt vor dem alten Schul- haus die Abschiodsrede, Herr Kreisschnlinspektor Bohris die Weiherede. Die Gesänge der Schulkinder und des Gesangvereins umrahmten die Feier. Die praktische Bauausführung durch Herrn Bautechniker Schweighöfcr- Usiugen erfährt allseitigc Zustimmung.

bl. Münster b. Runkel, 11. Dezember. Der lang- lährige Gemeiudeschöffe sowie Mitbegründer nnd Kasscn- führer des hiesigen Gewcrbevereins, Herr Schrcincr- meister Stein h a u e r, ist kürzlich gestorben. An seine Stelle wurde gestern abend Herr Wilhelm Küh- >m i ch c l 4r gewählt.

ts. Limburg, 11. Dezember. Vom nächsten Dienstag ab, den 15. ö. M., werden die sehnlichst erwarteten Triebwagen regelmäßig, und zwar vorläufig ans der Strecke Limburg-Camberg, Limburg-Weilburg, Limburg- Zollhaus und Limburg-Balduinstein verkehren. Die Wagen haben nur 8. nnd 4. Klasse.

». Katzrirclrtbogcn, 11. Dezember. Bei der zweitägigen Jagd des Hoteliers Bremser dahier kamen 29 Rehe und 91 Hasen zur Strecke.- Bei der Personen-

WiesdaÄmrer'

st and s au f nahm e waren hier anwesend 1084 Ein­wohner gegen 1080 im Vorjahre. Der Schweine- markt findet am 15. Dezember statt.

n. Meudt (Westerwald), 10. Dezember. Hier starb der 88 Jahre alte pensionierte Lehrer G. B e h r, der u. a. tu Wilsenroth, Oberlahnstein, Heilberscheid und zuletzt ln Nastätten tätig war. Mit Lehrer Wehr ist einer der alten charakterfestenJdsteiner" üahingegangen.

Mus der Umgebung.

w. Bingen, 11. Dezember. Zwei Schiffs Un­fälle sind heute auf der hiesigen Reede, bezw. in der Nähe des hiesigen Fahrwassers vorgekommen. Ein Schleppkahn, der einer Mainzer Necdcrei gehört, fuhr auf der Bergfahrt an Den Felsen der Krausaue fest und erlitt in den Hinteren Räumen erhebliche Leckage. Der SchleppdampferColonia Nr. 8" der Cölner Schlepp- schifsahrtsgesellschaft fuhr mit einem Schleppkahn im An­hänge zu Tal. Im Bingerloch geriet der Schleppdampfer auf die Lochfelsen und bekam Leckage im Maschinenraum. Die Schiffahrt ist durch diese Unfälle nicht behindert.

Fetzte Nachrichten.

Der Stapcllauf des vierten deutschenDreadnought".

Kiel, 12. Dezember. (Eigener Drahtbericht.) Auf der Germania - Werft erfolgte heute mittag der Stapel lauf des LinienschiffesErsatz Baden". Dem Festakte wohnten Prinz nnd Prinzessin Heinrich vv o u Preußen, der deutsche Botschafter in Paris F ü r st R a ü o l i n nebst G c m a h l t n und eine Deputation der Provinz Posen bei. Der Oberpräsi­dent dieser Provinz v. Baldow hielt die Festrede. Danach taufte die Fürstin Radolin das Schiff auf den NamenP v s e n". Um 1 Uhr fand bei dem Prinzen Heinrich im Königlichen Schlosse Tafel statt, an der

u. a. Fürst Radolin und Gemahlin und die Deputation der Provinz Posen teiluahmen.

Das 56jährige Ticnstjnbiläum deö Prinzen Leopold von Bayern.

München, 12. Dezember. (Eigener Drahtbericht.) Prinz Leopold von Bayern empfing anläßlich seines 6 0j äh rig en D i e n st j u b i l ä u m s in feier­licher Audienz die kommandierenden Generale der drei bayerischen Armeekorps, ferner die kommandierenden Generale der der 4. Avmeeinfpcktion unterstehenden 3. und 4. preußischen Armeekorps v. B ü l o w und

v. Beuneckeuöor f mit ihren Generalstabschefs, so­wie die sämtlichen bayerischen und außerbayerischen Offiziersdeputationcn jener Regimenter, deren Inhaber der Prinz ist. General v. Bülow überreichte bei dieser Gelegenheit dem Prinzen Leopold ein A l l e rh ü ch st e s Hand s ch r c i b e n des K a i s e r s. Der Prinzregent hatte eine Reihe von Ordensauszeichnungen verliehen, darunter den Generalen v. Bülow und v. Benneckendorf das Großkreuz des MilitärveMenstordens. Außerdem erhielten die preußischen Staabschefs Oberstleutnant Stocken und Oberst Hahn das OffizicrAreuz desselben Ordens.

Hessische Negierung und Flottenvcrein.

Darmstadt, 12. Dezember. (Eigener Drahtbericht.) DieDarmst. Ztq." veröffentlicht folgende offizielle Er­klärung:In den Erörterungen der Presse über den Verkauf der am 6. Dezember hier stattgehabten Hauptver­sammlung deZHessischen Landesverbandes des Deut­schen Flottenvereins" ist dem Dankschreiben des Staats- ministers an den Vorsitzenden des Lanöesausschuffcs mehrfach durchaus unrichtige Bedeutung beigelogr worden. Eine Teilnahme der Minister an den Ver­sammlungen desHessischen Landesverbandes" war bis­her nicht üblich, wohl aber haben die Vorstände der Lokalverwaltnngen und deren Vertreter den an sie er­gangenen Einladungen zu Versammlungen Folge ge­leistet. Von dieser Übung gegenüber den regelmäßigen Jahresversammlungen des Landesverbandes abzugchen, erschien den Ministern um so weniger Anlaß, als sie nach der diesjährigen Tagesordnung zu erwartenden Erörterungen innerer Angelegenheiten des Ver­bandes der Regierung Zurückhaltung empfahlen. Eines Eingehens auf die an diese Angelegenheit geknüpften Äußerungen politischer Art bedarf es wohl nicht."

Das Nachlassen der österreichisch-russischen Spannung.

rvd. Petersburg, 12. Dezember. Bon authentischer Seite wird mitgeteilt, daß die russische Regierung dem Communiqu«) derNeuen Freien Presse" große Be­deutung beimißt. Das Communiguä inacht auf die Kaiserliche Regierung, die in ihm die Willenskund­gebung der österreichisch-ungarischen Regierung er­blickt, einen guten Eindruck. Sie sieht darin den ersten Schritt zur Versöhnung und erkennt mit Be­friedigung die weise Mäßigung der österreichisch-un­garischen' Regierung an. Der von Österreich-Ungarn vorgeschlagene Weg einer Protokollaufnahme werde die Regelung der Balkanfragen zwar etwas verzögern, es sei jedoch unerheblich, ob die Diskussion über die Annexion auf einer Konferenz oder auf dem Protokoll­wege erfolge, wenn nur überhaupt die Annexion irgendwie zur Diskussion der Signatarmächte des Ver­trages von 1878 gestellt werde. Die Rede des deutschen Rei ch s k a n zl er s habe auf die leitenden Persön­lichkeiten der russischen Politik einen a u s g e » zeichneten Eindruck gemacht. Aus der Rede gehe hervor, daß eine Verstimmung zwischen Deutschland und Rußland wegen der Balkanfragen nicht bestanden habe. __________________

Oldenburg, 12. Dezember. Während der gestrigen Hoftafek, zu der der Landtag geladen war, erlitt der Groß Herzog mehrere O h n m achtsau fülle.

Paris, 12. Dezember. (Eigener Drahtbericht.) Präsident Castro verliest bisher feine Wohnung nickt

Morgen-Ausgabe, 1. Blatt» _ Nr. 583.

und empfing nur die Mitglieder der venezolanischen Kolonie. Morgen erfolgt voraussichtlich die Weiterreise nach C ö l n. ____________

Letzte DandelsrrachriÄtrn.

Berliner Börse.

Berlin, 12. Dezember. (Eigener Drahtbericht.) Die Zettungsmeldungen, daß infolge der österreichisch-uugari-- schen Antwort auf die r u s j i s ch e N o t e die Spannung zwischen Rußland und Österreich-Ungarn bedeutend nachgelassen habe, kräftigten die Hoffnung auf eine friedliche Beilegung der durch die Balkankrisis entstandenen politischen Schwierigkeiten. Die damit im Zusammenhang stehende Festigkeit der Wiener Vorbörse gab infolgedessen bei Beginn des hiesi­gen Verkehrs den Anstoß zu einer weiteren Besserung der Kurse des Banken- und Judustriemarktes. Auch das Geschäft trug einen etwas lebhafteren Charakter. Namentlich österreichische Werte waren besser, mit Aus­nahme von Lombarden. Deutsche Bankwerte zogen durchweg etwas an und die meisten Montanwerte hoben sich um etwa Va Prozent. Im weiteren Verlauf konnte sich aber die günstige Stimmung nicht behaupten, da man wegen der angekündigten Geldexporte aus Amerika ei:r weiteres Nachlassen der Kurse in New Bork befürchtet, und da ungünstige Berichte vom heimischen Eisenmarkt Vorlagen. Amerikanische Bahnen neigten infolgedessen zur Schwäche. Auch Hüttenaktien gaben nach, Bankaktien bröckelten gleichfalls etwas ab. Der Rentenmarkt be­wahrte seine Festigkeit. Deutsche Reichsanleihe und Japaner stellten sich etwas höher; Schiffahrtsaktien lagen niedriger. Deutsch-Luxemburger 1 Prozent und Prinz- Heinrich-Bahn Va Prozent nachgebend. Tägliches Geld 2 Prozent. Die Börse schloß abgoschwÄcht, wozu der starke Rückgang der Schiffahrtsaktien beitrug. Den Anlaß gaben bedeutende Abgaben in Paketsahrt- gktien auf Gerüchte, daß die Hamburg-Amerika-Linie für dieses Jahr k eine Dividende verteilen werde. Von Jndustriewerten ö'es Kassamarktes lagen Farbenfabriken und Schldsische Zementaktien fest; die übrigen vorwiegend niedriger, namentlich Linoleum- und Porzellanaktien. Auf ungünstige Divideuöentaxation Kahla-Porzellan, aktien 32 Prozent niedriger. Privatüiskont 8 Prozent.

Geschäftliches.

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Leitung: äS- Schulte vom Brühl.

Berantwortlichcr Redakteur fi'r Politik und Handel: A. Hegerhvrst; süx Feuilleton, Sport und unterh. Teil: I. tkaizler; iür Wiesbadener Nachrichten: z Rötherdt: für Nassanische Nachrichten. Aus der Unigebnug und Kerichtsl saut: H. Diefenbach; für die Anzeigen und Reklamen: H. Dornauf- iämllich in Wiesbaden.

Druck und Berlag der L. Sch eilender g ichcu Lok-Buchdruckerci in WieSdaden.