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lr.F33.
Morgen-Ausgabe.
1. Wkcrtt.
Maldbaugenoffen schatten.
Die planvolle pflege de? Waldes ist eine der wichtigste» Aufgaben der Volkswirtschaft Ganze Kulturen sind zugrunde gegangen, weil man den Wald vernichtet Patte. Aus den: Altertum ließen sich hierfür beredte Beispiele anführen: weite Gebiete Rußlands, Griechenland, Italien und auch einzelne Teile Deutschlands leiden noch heute unter der früheren Waldverwüstung. Die bedeutende Rolle, welche der Wald im Haushalt der Natur spielt, seinen bestimmenden Einslüß aus Klima und Fruchtbarkeit eines Landes hat man lange Zeit völlig unbeachtet gelassen. Daraus erklärt sich auch die frühere Mißhandlung des deutschen Waldes, und selbst heute herrschen in dieser Beziehung noch vielfach Zustände, die dringend der Verbesserung bedürfen.
Zwar werden die Staatswaldungen wohl überall in Deutschland jetzt sachverständig und unter Berücksichtigung ihrer volkswirtschaftlichen und volksgesuud- heitlichen Bedeutung behandelt: auch bei . den Ge
meindewaldungen und Stiftungsforsten geschieht das meistens. Ein übles Kapitel bilden jedoch noch immer die Privatwaldungen und besonders . der kleinbäuerliche Waldbesitz. Er wird nicht nur schlecht behandelt, sondern oft nicht einmal wieder aufgeforstet. Es ist das selbst in Sachsen mit seiner ausgezeichneten staatlichen Forstwirtschaft der Fall, die bekanntlich irn Auslände geradezu als Muster betrachtet wird. Während in der Zeit von 1883 bis 1900 die sächsischen Staatswaldungen um 7637 Hektar, die Gemeidewaldur- gcn um 4462 Hektar und die Stiftssorsten um 1659 Hektar erweitert wurden, gingen in der gleichen Zeit die Privatwaldungen um 37 082 Hektar zurück. Und in welchem Zustande sind diese Waldungen oft! — Obgleich die sächsische Landwirtschaft sich der intensivsten Kultur im ganzen Reich erfreut, ist der private Waldbau vielfach in einem geradezu verwahrloste-: Zustande. Man betrachtet den Wald lediglich als nützlich für Streuentnahme: wenigstens in den meisten bäuerlichen Kreisen. Die Folge gewohnheitsmäßig betriebener Mißhandlung ist ein kümmerlicher, verkrüppelter Bestand, der nach seiner Abholzung ledig- lich als Brennholz, nicht aber als Nutzholz einigen Wcrt hat. Und doch ist bei den ständig --ach oben gehenden Preisen für gutes fichtenes und kiefernes Nutzholz auch der Wald eine gute Kapitalanlage: gewissermaßen eine Sparbüchse für Kind und Kindeskinder und daneben ein großer Schatz für die. Volksgesundheit.
Diese Mißhandlung des Privatwaldes, die sich natürlich in Deutschland nicht nur aus Sachsen beschränkt, hat die Frage i-ahe. gelegt, ob bei dem ösfent-
JmutMsm.
(Wcicbbrmf wrtotetu
Rach per f len und Indien.
Von Rudolf Zabel.
(Eigener Bericht für das „Wiesbadener Tagblatt".)
Aus Persiens „Volkswirtschaft".
II.
(Schluß aus der gestrigen Morgen-Ausgabe.)
Um indessen noch einmal auf die rein wirtschaftlichen Werte Persiens zurückzukommen, so seien zunächst einige Bemerkungen über die schon erwähnten Staalsunter- nehmungen, nämlich Post und Telegraph, nachgehvlt. Die persische Post arbeitet sehr schwerfällig und unregelmäßig. Sie ist allerdings abhängig von den im Innern des Landes herrschenden Verkehrs-Verhältnissen. Daß sie mit Überschuß arbeitet, unterliegt keinem Zweifel: Ausräumungen der Post gehören zu den «e-llenheiteu. Dagegen kommt es weniger selten vor, daß ein Post- sonrgon, der mit Relais-Pferden Tag und Nacht innerhalb'50 Stunden auf der Strecke zwischen Teheran irnd Rescht (annähernd 360 Kilometer) befördert wird, im Gebirge abstürzt, und daß bei solchen Gelegenheiten ganze Säcke verloren gehen. Fast der -gesamte Post- betrieb wird mit persischem Personal vollzogen, nur der Direktor der Post ist ein Ausländer, natürlich ein Belgier. Was den persischen Telegraphen anlangt, so bedeutet dieser geradezu eine Ironie auf das Institut. Es kann Vorkommen, daß einer heute von Enseli wcg- r.eist nach Teheran, seine Abreise telegraphiert, und daß er nach drei Tagen noch früher in Teheran erntrisst, als die Depesche dort eingetroffen ist. Der Tclc-graphcn- verkehr im Innern des Landes liegt außerordentlich im argen, und man zahlt lieber die doppelte Taxe, nur nur zu bewirken, daß die Depesche mit den Leitungen des englischen „ I nd o - Eurov ea n -Tel eg r ap-lft befördert wird.
Wiesbaden, Freitag, 13. November
lichen Interesse, das bei der Behandlung des Waldes aus dem Spiel steht, nicht überall Einrichtungen zu schaffen sind, die eirre staatliche Überwachung der Privatforsten ermöglichen. In einzelne-: andere-: Län
dern bestehen derartige Einrichtungen bereits und mm: hat mit ihnen gute Erfahrungen gemacht; a--ch Unterstützungen für die Wiedera-lfforst-urg werde-: gegeben. J-: forstlichen und anderen sachverständige,: Kreisen gelangt man jedoch jetzt immer mehr zu der Überzeugung, daß, es, unbeschadet der Staatsaufsicht und -Hilfe,' notwendig sei. zur Aufbesserung der Privatsorstwirtschaft Waldbau - Genossenschaften zu gründen. Einige frühere Anregungen nach dieser Richtung hatten bisher nicht den gewünschten Erfolg. Da jedoch inzwischen der genossenschaftlich^ Gedanke auch in der deutschen Landwirtschaft sich außerordentlich stark und segensreich entwickelte, so hofft man, daß jetzt und in Zukunft solche Anregungen auf fruchtbaren Boden fällen werden.
Bisher fürchteten die privaten Waldbssttzer durch derartige Genossenschaften in der freien Verfügung über ihr Eigentum beschränkt z:r werden. _ Das _ ist nun in der Tat der Fall. Es ist mit den Zielen einer Waldbaugenossenschast unvereinbar, daß die Genossen die Bewirtschaftung ihres Waldes nach eigenen: Ermessen betreiben. Zweifellos wird diese Tatsache bei der, wie gesagt, starken Entwicklung des genossenschaftlichen , Gedankens in der Landwirtschaft den Waldbaugenossenschaften kein ernstes Hindernis mehr sein. Man wird bald zu der Einsicht gelangen, daß es klug ist, sich mit andere-: Besitzer-: von Waldparzellen zusammenzuschließen, um durch gemeinsame und fach- -nännische Verwaltung und Bewirtschaftung der Waldgrundstücke höhere Erträge zu erzielen.
Die Art der Organisation der Waldbaugeuossen- schaften hängt von den jeweiliger: Verhältnissen ab. Im sächsischen Landeskulturrat wurde jüngst die Wirtschaftsgenoffenschaft empfohlen, bei der die zusammengelegten Grundstücke zu einen: einheitlichen,
selbständigen Wirtschaftskörper verschmolzen, alle Kosten und Lasten gemeinschaftlich getragen und ebenso die auf gemeinsame Rechnung gehenden Einnahmen nach Maßgabe der Flächengröße oder des Wertes derselben verteilt werden- Wo aber die Besitzer-, vielleicht aus Interesse an ihren Gütern, nicht gewillt sind, das Eigentumsrecht am Walde aufzugeben, wrrrde als losere Form die Bctriebsplair-Gcnossenschaft von der genannten Körperschaft vorgeschlagen. Der Zweck einer solchen ist lediglich die Durchführung eines einheitlichen Betriebsplanes ohne Gemeinschaft der Nutzungen, der Lasten und der Ausgaben. Nur die Kosten für' den Schutz und die Verwaltung des Waldes und für etwaige gemeinsame Aufgaben, wie Wegebau, Entwässerungen usw., werden nach einem gewissen Maßstabe auf die Gesamtheit der Genossen verteilt.
Der zwangsweise Zusammenschluß zu Waldbaues ist das die englische Überland-Linie, die eine direkte Verbindung herstellt zwischen dom indischen Telegraphennetz -und London. Der indisch-europäische Telegraph unterhält in Persien zahlreiche Stationen, schon um der 'Streckenkontrolle willen, ist indessen nicht befugt, mit dem Publikum direkt zu verkehren: vielmehr müssen auch diejenigen Telegramme, die mit der englischen Leitung befördert werden sollen, bei dem persischen Telegraphen aus-gegeben werden.
Wertere staatliche Unternehmungen gibt es in Persien noch nicht, und solange kein festes Budget, solange keine.ehrliche.Beamtenschaft existiert, werden auch diese Unternehmnugen nur in Form von Privatnnter- nehmungen möglich sein. Zu tun gibt es allerdings genug. Vor allen Dingen fehlt der Ausbau eines Wegenetzes, und ferner müßten ln einem Lande wie Persien die Be-wässerungsfragen seitens der Zcnlral- oerwaltnng in die Hand g-enammc:: werden. Es gibt ziemlich bedeutende Langstrecken Persiens, die, wie -zum Beispiel das Gebiet bei Mohamra, treffliche KultivalionS- gebretc ab geben würden, n amentlich für Reis und Baumwolle, wenn entsprechende Wässerreguliernng vorgenom- -mei: würde. Aber nicht allein das, jede einzelne Stadt aus dem iranischen Plateau, ja jedes Dorf ist abhängig von einem Lokalbewässerungssystem. Zurzeit gehört beispielsweise das Wasser, das zur Bewässerung von Tcheran dient, und ohne das die Stadt bald ein toter Stau-bhausen sein würde, Privatleuten, und cs werden zum Teil enorme Summen von den Grundstücksbesitzern bezahlt, um regelmäßig Wasserzufuhr zu haben, ohne die eben kein Baum und keine Blume -nächst. Würden diese Dinge nach einem modernen System von Staats wegen in die Hand genommen, so ließen sich bei gleich- bleiDcnüen Einnahmen doch bedeutende kulturelle und finanzielle Vorteile erzielen, z. -23. wenn nur für Stauwerke gesorgt würde, die eine regelmäßige Zufuhr des Wassers das ganze Jahr hindurch gestalten, und die je nach den Jahreszeiten eiutreteNdem Wassermangel einerseits und großem Wasserverlust andererseits vovbeugcn
GK. ZtihrgsrrK»
geuosseiffchasteu wird -ücht empfohlen. Da das Gefühl für das Eigentumsrecht in der Landbevölkerung stark ausgebildet ist, würde es von dein Besitzer kleiner Waldgruudstücke als ein schwerer Eingriff in die persönlichen Rechte empfunden werden, wenn ihm das Recht an seinem Walde zwangsweise entzogen werden sollte. Ehe man aber der Gründung von Waldbaugenossenschaften näher tritt, würde es angezeigt erscheinen, zunächst die Fläche -u-d den Zustand der Privat- Waldungen durch Forstsachverstöudige festzustelleu. Diese würden dann in der Lage, sei--, Gutachten übep die Maßnahmen abzugeben, die zur Verbesserung der Verhältnisse zu ergreifen sind. Sie würden vielleicht auch die Wege angeben können, auf denen man am raschesten zur Gründung von Waldbaugenossenschaften gelangt. In Sachsen hat kürzlich der Landeskulturrat die Staatsregierung aufgesordert. derartige. Genossenschaften auf Grund freier Vereinbarung zu fördern. c.
Politische Übersicht.
Z«v RerchsstlmntresorM.
Fi: den „Mitteilungen des Handelsvertragsvereins" werden eine Reihe von Schriften, die in der jüngsten Zeit zur Frage der Reichssinanzreform erschienen sind, besprochen. Unter anderem wird auch darauf aufmerksam gemacht, daß Adolf Wagner in seiner neue-- Broschüre „Die Reichsfinanznot und die Pflichten des deutsche-: Volkes wie seiner politischen Parteien" einen A u s g l e i ch der de:: u -: t e r e u
Klassen durch die Zollpolitik erwachsenden Lasten durch die Schaffung direkter Reichssteuern vorschlägt. Das Organ des Handelsvertragsvereins schreibt dann:
Natürlich zieht Wagner nicht den Schluß, daß, wenn eilte direkte Besteuerung nicht in entsprechender Weise erfolgt, man an eine Beseitigung oder zum mindesten Herabminderung der V e r b r a u ch s b e - I a st u n g der unteren und mittleren Klassen gehen müsse. Die wichtigste Sache bleibt ihm die, daß die Finanzen des Reiches saniert werden, u-:d erst in zweiter Linie steht ihn: die Frage der gerechten
Verteilung der Steuern. Er muß sich aber selbst sagen, daß sein Appell an die „nationale Gesinnung" bei den schon heute stark belasteten Schichten kaum einen günstigen Widerhall finde-: wird, solairge der Ausgleich, den er selbst als dringend notwendig bezeichnet, niefit erfolgt. Das ist auch der Fehler der Köppeschen Schrift, daß sic die Reichssinanzreforin immer nur als eine große -rationale Frage hinstellt, ohne zu berücksichtigen, daß mit nationalen Redensarten über die Tatsache einer Privilegierung des g r ö ß e r e n B e s i tz e s nicht hinweg zu kommen ist. Der Widerstand gegen die Steuern auf Bier,
würden. Im übrigen sind die natürlichen Reichtümcr Persiens nicht groß, aber immerhin sind solche vorhanden, und ihre Exploration könnte vor: einer verständigen Staatsregierung sehr wohl dazu verwendet werden, um den Finanzen des Landes anszuhelsen. Zum Beispiel existieren ziemlich bedeutende Kohlenlager. Es kommen Kohlen vor in der Nähe von Kaswin, sowie am Elbruß, in der Nähe von Demawend. Allein der Karawanen- tvansporr ist cs, der die Kohle teuer macht. So zahlte man im August für den Kharwar Steinkohle i-i Teheran 6 Doma», das sind für zirka 300 Kilo zirka 24 M., demnach für 100 Kilo 8 M. Im Winter werden die Kohlen teurer und -gehen hinaus bis 8 oder gar 10 Toman für den Kharwar. Das sind also Preise, die geradezu exorbitant zu nennen sind, und dabei kostet die Kohle am Prodnktivnsort -fast nichts, da sie einfach mittels Ta-g- banes weggenommen -werde-: kann.
Ferner besitzt Persien ziemlich 'Umfangreiche Staats» Waldungen. Indessen ist es der Regierung bisher noch nicht eingefallen, eine Forstverwaltung einznrichten. Der Wald wird stehen und liegen gelassen, wie er ist, und dabei hat Nutzholz aus den: ganzen iranischen Plateau einen geradezu enormen Preis. Selbst Brennholz findet jederzeit Abnahme in den Köhlereien. Da ganz Persien Holzkohle brennt, so ist die Köhlerei einer der wichtigsten Proönktionsz'wei-ge des Landes. Eine ge-- rogelte Forstwirtschast könnte den Persern Jahr für Jahr eilte regelmäßige gute Einnahme -bringen, und der Wert der Wälder würde dabei von Jahr z-n Jahr infolge der Züchtung von kräftigeren Holzarten wachsen, ganz von Aufforstungen zu schwelgen, die in: Gebiete von Wasseradern durchaus möglich wären und eine sehr wesentliche Verschiebung nicht nur der klimatischen, sondern auch -der hn-draulAchen Verhältnisse des Landes yerbeiiführen könnten. Wer von alledem ist bisher keine Rede: das einzige, .was geschieht, ist, daß gelegentlich Konzessionen an Ausländer gegeben werden zwecks Abbaues von Staatswöldern, die dann natürlich ausschlics:- lich in: Wcac der Raubwirtickast dnrchgeführt würde:
