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Nr. 4SS.
Morgen - Ausgabe.
X. Matt.
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öcrs 4. HircrrtcrL 1908
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Machdruck verbotene
Fustschiff-Uothirsen.
Ein Vorschlag von Ludwig Anders.
Graf Zeppelin will ein Preisausschreiben veröffentlichen für den Bau von Ballonhallen, die sich fsir die Luftschiffe feiner Konstruktion eignen. Da Graf Zeppelin mit dem umgebauten Modell I. nach feiner eigenen Mitteilung schon in der ersten Hälfte des Oktobers wieder anfsteigen und auch eine Fernfahrt unternehmen will, sofern die Probefahrten gelingen, drängt die Frage nach der Errichtung von Luftschiffhäfen viel rascher noch zur Entscheidung, als vor einigen Tagen hier ausgesprochen wurde.
Verschiedene rheinische Städte beabsichtigen Ballonhallen zu bauen. Man wird natürlich zu einem Einvernehmen darüber kommen müssen, denn es wäre zwecklose Geldverschwendung, wenn nahe gelegene Kommunen solche Anlagen Herstellen wollten. Es wäre z. B. verständlich, wenn in Mainz eine Ballonhalle erbaut würde und ebenso Wiesbaden einen Luftschiffhafen einrichtete. Dort können militärische Gründe für den Bau angeführt werden, hier würden Verkehrsinteressen die Anlage begreiflich machen. Wenn aber Bonn und Cöln je für sich einen Luftschiffhafen bauten, so wäre dies bei der Nähe dieser beiden großen Städte eine unnütze Geldvergeudung. Für die Stationen des regelmäßigen Luftschiffverkehrs werden wahrscheinlich noch größere Entfernungen in Frage kommen als für jene des Schnellzugsverkehres. Vielleicht weniger aus technischen Gründen (Graf Zeppelin hat bewiesen, daß er allein durch dynamische Steuerwirkungen ganz erhebliche Höhenunterschiede zu überwinden vermag, was bei Landungen entscheidend ist) als aus Gründen der Zeitersparnis, die hier meist gleichbedeutend ist mit finanziellem Gewinne. Denn Zeppelin hat durch fein
FeuMeton.
(Nackdruck verboten.!
HimmelserfcheimmgLn im Oktober.
Nachdem die Sonneam 23. September, dom Herbst- Äquinoktium, den Äquator von Norden nach Süden überschritten hat, nimmt ihre südliche Deklination sehr rasch, wenn auch mit täglich etwas verminderter Schnelligkeit, zu, und zwar von — 3° 7 14".4 am 1. bis ans — 14° 8' 55".5 am 31. Oktober. Damit hält die Verringerung ihrer Mittagshöhe gleichen Schritt, denn diese verkleinert sich für das mittlere Deutschland von 34" auf 28°. Die TageAüaucr erfahrt dementsprechend eine Verkürzung von 11% auf 9% Stunden im nördlichen und mittleren Deutschland und von 11% auf 10 Stunden im südlichen Deutschland, nördlichen Österreich und der Schweiz.
Der Gvstaltwechsol des M o n d e s vollzieht sich im Oktober an nachstehenden Zeitpunkten: Erstes Viertel am 3. Oktober um 7 Uhr 14 Min. vormittags, Vollmond am 9. Oktober um 10 Uhr 3 Min. nachmittags, letztes Viertel am 17. Oktober um 4 Uhr 35 Min. vormittags und Neumond am 25. Oktober um 7 Uhr 47 Min. vormittags. Der Mond befindet sich am 8. Oktober um 5 Uhr früh in Erdnähe bei einem Abstande von 56.65 Eröhalbmessern und am 20. Oktober um 3 Uhr früh in Erdferne bei einem Abstande von 63.52 Erdhalbmessern ä 6878 Kilometer. Von den in diesem Monat sich ereignenden S t e r nb e d e ck u n g e n durch den Mond erwähnen wir die folgende: am 27. Oktober Beta „Skorpion" (2.6. Größe), Eintritt 5 Uhr 1.62 Min. nachmittags bei 1700.8 und Austritt 5 Uhr 29.42 Min. nachmittags bei 217°.9. Die Grade werden vom Nordpol des Mondes nach Osten gezählt.
Von den sieben großen Planeten sind im Oktober, insbesondere in der zweiten Hälfte, sechs des Nachts über dem Horizont: vor allem werden Venus, Jupiter und Saturn gut zu beobachten sein. Der Merkur er-
Wiesbaden, Donnerstag, 1. Oktober 1908*
lenkbares Luftschiff nicht bloß die Luft, sondern auch die Zeit besiegt: er hat die kürzesten Wege zwischen zwei Punkten erschlossen, nämlich die Luftlinie, und wie erheblich die dadurch zu erzielenden Abkürzungen sind, beweist z. B. die Entfernung Frankfurt-Berlin, die in der Luftlinie nur 460 Kilometer, zur Bahn aber 600 Kilometer beträgt. Wiesbaden ist von Cöln in der Luftlinie 130 Kilometer entfernt, die Bahnstrecke rechtsrheinisch ist 186 Kilometer. lang. Je größer die Entfernung zwischen zwei Orten ist, um so größer wird die Zeitersparnis. Es wäre ganz unrationell, diese Gewinne durch zahlreiche Zwischenstationen herabzumindern. Die Anlage von Luftschiffhäfen wird also zweifelsohne nur fiir jene Plätze in Frage kommen, an denen Luftballons ständig stationiert sind, und an den wichtigsten Zwischenstationen des regelmäßigen Lnft- verkehres. Wollte man eine Betriebslinie W i e s - baden-Cöln vorsehen, so käme für die Errichtung von Luftschiffhäfen neben den beiden Endstationen vielleicht noch der Niederwald (Denkmal) und Coblenz in Frage.
Wenn sonach die Zahl der Ballonhüllen, die als Häfen dienen und den von der Luftschiffbau-Zeppelin- Gesellschaft näher bezeichneten Anforderungen entsprechen, nur beschränkt sein und über ein gewisses Bedürfnis nicht hinausgehen wird, wird sich die Anlage von Unterkunftsstätten für Lenkluftschiffe in größerer Zahl nicht von der Hand weisen lassen. Im Gegenteil, sie wird immer notwendiger, je mehr sich die Zahl der Luftschiffe, gleichviel welcher Systeme, und der Flugapparate mehrt, denn schließlich wird man auch für diese Unterkunftsgelegenheiten schaffen müssen, solange ihre Grötzenverhältnisse sich in den jetzigen Dimensionen bewegen und nicht ein Flieger erfunden ist, den man gegebenenfalls zusammenpacken und auf dem Rücken heim schleppen kann. Wind und Wetter richten sich nicht nach den Wünschen der Lnitschifser und Aviatiker und ebensowenig kann eine unbedingte Garantie für Materialschäden oder sonstige Unfälle und Vorkommnisse gegeben werden. Wir haben schon hundert Jahre Eisenbahnverkehr und fahren seit zwanzig Jahren Automobil und dennoch ereignen sich noch immer Unfälle, die lediglich auf technische Mängel zurückznführen sind. In solchen Fällen wird es dem Luftichrff ans der Fahrt nicht immer möglich fein, den nächsten Ballonhafen zu erreichen: geht es aber auf freiem Felde nieder, kann irgend ein tückischer Zufall die Katastrophe von Echterdingen sich wiederholen lassen. Anders aber, wenn überall im Lande in gewissen Zwischenräumen Unterkunftsstätten eingerichtet sind, die dem Lenkballon in Fällen der Gefahr als Nothafen dienen können.
Der Bau von stabilen Ballonhallen nach den Friedrichshafener Wünschen kann ans finanziellen Gründen immer nnr Sache großer Gemeinden oder wohlfundierter Betriebsgesellschaften sein und auch nur da
reicht zwar um Mitternacht vom 4. zum 5. Oktober feine größte östliche Ausweichung von der Sonne, 25° 33', hat über einen so tiefen Stand, daß er dem bloßen Auge verborgen bleibt. Danach eilt er auf seine untere Sonnenkonfunktion zu, die er am 28. Oktober um 5 Uhr nachmittags erreicht. Sichtbar wird er erst wieder im November. — Venus, im Sternbilde des „Löwen", glänzt als Morgenstern mehr als drei Stunden am östlichen Himmel: ihre Entfernung von der Erde nimmt zu, am 26. Oktober ist sic gleich der Entfernung der Erde von der Sonne (rund 160 Millionen Kilometer). Am 7. Oktober um 6 Uhr früh gelangt Venus in Konjunktion >mit dem Fixstern 1. Größe Regnlus im „Löwen", von dem sie dann kaum anderthalb Vollmondbretten südlich steht. Am 14. Oktober um 5 Uhr früh kommt Venns mit Jupiter zusammen, und zwar nähert sie sich diesem südlich bis auf nnr 86 Bogenminnten: nicht weit von diesen beiden hellsten Planeten westlich funkelt Regulus. Am 21. Oktober endlich gesellt sich den noch immer recht nahe beieinander weilenden Planeten der in abnehmender Sichel strahlende Mond hinzu, denn er thront in den frühen Morgenstunden gerade in der Mitte über beiden. Frühaufstehern bieten sich daher in. diesen Tagen seltene und interessante Erscheinungen. — Mars taucht im Sternbilde der „Jungfrau" am Morgenhimmel allmählich aus den Strahlen der Dämmerung hervor und wird gegen Monatswende eine Stunde lang sichtbar. Seine Entfernung von der Erde verkleinert sich: im August dieses Jahres, wo sie am größten war, betrug sie 2.68 Erdbahnhalbmesser, Mitte Oktober wird sie sich auf 2.57 Evdbahnradicn vermindern. — Jupiter) mit Venus zusammen im Sternbildc des „Löwen", erscheint zu Anfang des Monats gegen 8 Uhr, am Ende schon um 14/2 Uhr morgens über dem östlichen Horizont. Seine Konjunktion mit Venus am 14. haben wir oben schon erwähnt. Der ihn umkreisende, von Melottc entdeckte achte Mond, über den die „Astr. Korr." schon mehrfach Mitteilung gemacht hat, besitzt nach einer Berechnung von Crawsord und Meyer eine Umlanfszeit von 2.55 Jahren und eine Bahnneigung von 146°. Seine Ent-
8«. Jahrgang.
unternommen werden, wo die lokalen Verhältnisse eine Gefährdung des Luftschiffes beim Ein- und Ausfahren auf ein Minimum herabschrauben. Man erinnere sich nur, daß sogar in Friedrichshafen beim Manövrieren das gebrechliche Fahrzeug mit der Hallenwand zu- fammenstieß und beschädigt wurde.
Unterkunftsstätten — gewissermaßen Nothäfen für lenkbare Luftschiffe — können ohne besondere Schwierigkeiten überall und in größter Zahl angelegt werden.
In der letzten Nummer der Frankfurter Wochenschrift „Umschau" schlägt Walter Jlges den Ban von „E r d h ä f e n“ an Stelle der bis jetzt ins Auge gefaßten Errichtung von Eisenbahnhallen ähnlichen Luft- fchiffhäfen vor. Jlges will grabenartige Erdver- tiefnngen gebaut sehen, die in ihren räumlichen Dimensionen den Größenverhältnissen der Luftschiffe entsprechen. Der Lenkballon könnte mit Hilfe einiger Taue direkt aus der Luft in den Graben gezogen und bei Seitenwinden das Luftschiff mittelst Seitentaue gleichfalls in die Vertiefung gelotst^werden. Ein in der Längsrichtung der Grube auf Schienen laufendes, leicht gebautes Dach könnte das Luftschiff gegen alle Einwirkungen von oben schützen. Wo dieser Graben mehr als ein Nothafen sein soll, wo er die Zwecke einer „fahrplanmäßigen Haltestelle" erfüllen soll, schlägt Jlges vor, die Böschungen auszumauern und den unterirdischen Erdhafen mit all den Anlagen zu versehen, die für einen hallenartigen Luftschiffhafen erforderlich sind.
Diesem Vorschläge haften doch etliche Mängel an, denen Herr Jlges selber sich nicht verschließt. Die Durchführung des Projektes würde auf manche Schwierigkeit stoßen, die nicht allein technischer Natur ist. Nicht in jedem Gelände wird sich die Anlage solcher „Dockhäfen" ermöglichen lassen. Die topographische und geologische Bodenbeschaffenheit, vor allen Dingen aber häufig auch die Grundwasserverhältnisse werden sorgfältig berücksichtigt werden müssen. In steinigem oder kupiertem Gelände würde die Anlage des Docks Geldmittel beanspruchen, die sich nicht wesentlich von den Summen unterscheiden werden, die für den Ban einer Halle erforderlich sind. Handelt es sich doch bei der Ausschachtung eines Grabens von 200 Meter Länge, 30 Meter Breite und 30 Meter Tiefe (dies sind Mi n - destmaße!) um eine Erdbewegung von 180000 Kubikmeter. Erfordern die Grundwasserverhältnisse — und diese müssen geregelt werden, will man die unteren Teile des Luftschiffes nicht unter Wasser fetzen, von Regenstiirzen gar nicht zu sprechen, die vielleicht die ganze Grube anfüllen — eine umfangreiche und komplizierte Ableitung, so kann jeder sich ausrechnen, daß die Ersparnis sehr problematisch ist und bei einer Ausmauerung der Dockanlage und deren Ausbau zu einem richtigen Ballonhafen die Kosten sich kaum mehr wesentlich von denen unterscheiden werden, die der Bau
fermmQ vom Jupiter beträgt rund das Dreifache des siebenten Mondes. — Saturn hält sich im Stcrnbilde der „Fische" auf und bleibt anfänglich die ganze Nacht, später bis gegen 4% Uhr sichtbar. In den frühen Morgenstunden des 9. Oktober steht der Vollmond 2 f /J Grade südlich von dem Planeten. In einem besseren Fernrohre sind die Ringe des Saturn schon wieder sehr bequem zu beobachten: ihre Ellipse öffnet sich mehr und mehr. — Uranus, im „Schützen", bcbält weiter seine sehr tiefe Stellung, seine südliche Deklination betragt mehr als 23": er ist deswegen nnr schwierig zu beobachten. Am 6. Oktober um 6 Uhr abends gelangt er tit Qnadratstellnng zur Sonne. — Neptun, in den „Zwillingen", geht schon vor Mitternacht ans und erreicht gegen 5)4 Uhr früh seine «größte Höhe im Süden. Da seine nördliche Abweichung sich auf 21)4 Grade beläuft, ist sein Stand für die Fernrohrbeobachtung sehr vorteilhaft. Der genaue Ort des Planeten ist am 15. Oktober: Rektaszension 7Ii 18m 468.51 und Deklination -si 21" 35' 80" . 8 . Am 10. Oktober um 8 Uhr «abends befindet sich Neptun in Quadratstellung zur Sonne.
Der am 1. September von Morehonse auf dem Nerkcs-Obscrvatorinm gelegentlich einer photographischen Ausnahme gefundene Komet 1 9 0 8 o «hat vom Sternbilde der „Giraffe", in dem er bei seiner Entdeckung stand, mittlerweile die Sternbilder „Cassiopeia" und „Cophens" durchlaufen, in deren letztem er noch zu Anfang Oktober, nicht weit von dem Stern Beta, sich anf- hält: am 30. September zieht «der Komet 2*4 Grade nördlich an diesem Stern 3. Größe vorbei. Anfang Oktober tritt er in das Sternbild des Drachen über: seine Sonnennähe erreicht er nach der Berechnung von H, Kobold am 24. Dezember. Anch der Ende konrmt das Gestirn noch näher: seine Helligkeit ist aber vorläufig noch sehr gering, so das; er nur in Fernrohren gesehen werden kann.
Stern s ch n u p p e n fallen am zahlreichsten in der Zeit «vom 15. bis 25. Oktober, besonders zeichnen sich dir Nächte vom 10. Oktober an durch Metcorreichtinn ans. Die leuchtenden Körperchen strahlen hierbei in der Nähe
