Verlag Langgasse 27.
„Tagblatt°Haus".
Schalter-Hall- geöffnet ton 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abknbz.
23,000 Abolmentm.
Be^uas-Preis für beide Ausgaben: 50 Pfg. monatlich durch den Verlag Langgasse 27, ohne Vringer- lomt. 2 Mk. 50 Pfg. vierteljährlich durch alle deutschen Postanftalten, ausschliesslich Bestellgeld. — Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die b Zweigstellen, sowie die
141 Ausgabestellen tu allen Teilen der Stadt; in Biebrich: die dortigen 86 Ausgabestellen und in den benachbarten Landorten und im Nheiugau die betreffenden Tagblalt-Träger.
Anzeigen-Annahme: Für die Abend-Ausgabe bis 12 Uhr mittags: für die Morgen-AuSgabe bis 3 Uhr nachmittags.
2 Tilgesansgüben.
Fernsprecher:
Verlag (Expedition) 2953, Redaktion 52» Druckerei 2266.
Ruszeit von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends.
^«rl-ioen.sKreis für die Heile- 15 Pfa. für lokale Anzeigen im „Arbeitsmarkt" und „Kleiner Anzeiger" m einheitlicher Satzsorm- 2O Pfg.' in davon abweichender SatzauZsührung, sowie für alle übrigen lokalen Anzeigen: 30 Mg. Nr"alle ^swärtigen Anzeigen- 1 Mk. für lokale Reklamen: 2 Mk. fi:r auswärtige Reklamen- Gar:ze. halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung.
Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen ^»Wri^enraumsn entijjredicnber Siauati.
Fgr die Aufnahme später eingererchrer Anzeigen in die nächsterjcheinenve Ausgabe wird keine Gewahr übernommen.
Nr. 449.
Morgen - Kusgabe.
_ 1. Mtcrtt.
Iüw öcrs 4. ^irawLerl' 1908
auf das
„Wiesbadener TagblaLt"
VD- Dczngsprcis 1 Mk. 50 Pj. vierteljährlich -sm ju abonnieren, findet sich Gelegenheit
t'm UrrlngTagblatt!,„ns" Langgasse 27, tu -ru Zn-rigsteUru der Stadt, tu dr» Auagabestrliru drr Stadt und Nachbarorte, und »um Vezticispreis von 2 8 1k. SO Pf. vierteljährlich bei sämtlichen deutschen Weichspostanftatten.
Am Norabrnd einer Kesormara.
Noch niemals, soweit wir zurückdenken mögen, sind oem Reichstag so umfassende und schwierige Aufgaben zugedacht gewesen wie am Vorabend der demnächst beginnenden neuen Session. Denn es handelt sich nicht nur um die Reorganisation der Reichsfinanzen, sondern auch um die lange herbeigewünschte Reform der Ar- beiterversicheriingsgesetze. Man scheint vielfach anzu- nehmen, daß das Reichsschatzamt allein nahezu ausschließlich im nächsten Winter das parlamentarische Terrain im Reichstag beherrschen wird: das ist jedoch, wie die „Sozialpolitische Rundschau" versichert, keineswegs der Fall. Das Reichsamt des Innern ist völlig gerüstet, einen großen Teil der bevorstehenden parlamentarischen Arbeiten zu bestreiten. Die Reform der Arbeitervorsichcrungsgesetze toll unter allen Umständen dem Reichstag noch in der nächsten Session vorgelegt werden. So wünscht es wenigstens das Rcichsamt.des Innern. Der Nachfolger des Grafen Posadowsky, Staatssekretär v. Bethmann-Hollwea, möchte nicht ein ganzes Jahr lang die Arbeiten zurückstellen, an denen er persönlich regen Anteil genommen hat, und die gewissermaßen die Züge seines eigenen Wesens und Wollens an sich tragen sollen. Man will zwar, da es die Umstände so erfordern, der Reichsfinanzreform die Vorhand lassen, glaubt aber im Reichsalnt des Innern, das große Reformwerk in den ersten Monaten des neuen Jahres den Reichsboten mit der Zumutung präsentieren zu dürfen, daß diese etwa 6—8 Tage der ersten Lesung opfern und alsdann die sehr umfangreichen Vorlagen einer Kommission zu weiterer Bearbeitung übergeben. Falls diese Kommission von etwa 21 Mitgliedern durchweg aus Personen zusammengesetzt ist, welche an der Steuerreformkommission nicht beteiligt sind, so ist kein Grund einzusehen, warum nicht zwei große schöpferische Kommissionen nebeneinander tagen sollen. Daß der Reichstag die Reform der Versicherungs. gesetzgebnng noch vor dem Sommer 1909 zum gesetz-
FenMelorr.
rNachdruck verboten.)
Die EesberNKg öee Höhe.
Gedanken über die L u f t s ch i f f a h r t.
Von Ewald Gerhard Seeliger.
Man bemüht sich heute, das Problem des Fluges auf zwei Arten zu lösen, ohne und mit Ballonaustrieb. Die Maschinen, die aus den Ballonauftrieb verzichten, sind schwerer als die Luft und werden lediglich durch den Stoß ihrer Propeller im Schweben gehalten. Der Grundfehler dieses Systems liegt in seiner. Bctriebs- unsicherheit. Ein Versagen des Motors führt zum Sturz und zur Vernichtung, lind dieser Übelstand wird niemals behoben werden können, weil es unmöglich ist, einen absolut sicheren Motor zu bauen. Dagegen besitzen die Fahrzeuge, die wie das Zeppelinsche Modell durch ihren Ballonauftrieb leichter sind als die Luft, eine fast unverwüstliche Stabilität, können nach Bedarf ihre Triebwellen zum Stillstand bringen, um Reparatur daran vorzunehmen, und kennen die fürchterliche Gefahr des Absturzes nicht. Zum Verständnis des Jdealmodells nun, dessen Idee ich in meinem Weltroman „Der Schrecken der Völker" (Concordia, Deutsche Verlagsanstalt, Berlin) entwickelt habe, ist es nötig, vollständig umzulernen. Man muß sich vor allen Dingen von den beiden Neigungen befreien, die das Luftschiff in Beziehung zum Freiflugballon und zum Wasserfahrzeug sehen wollen. Die Hülle des tragenden Ballons ist ohne Zweifel noch stark verbesserungsfähig. Trotzdem wird man das Ideal der hermetisch geschlossenen Ballonwand nicht restlos erreichen können. Dafür ließe sich Ersatz schaffen, indem man einen Vorrat des tragenden Wafserstossgascs in flüssiger oder
Wiesbaden, Freitag, 25. September 1908.
56. Jahrgang.
geüerischen Abschluß bringt, wird freilich nicht erwartet. Doch soll im Herbst nächsten Jahres das sozialpolitische Werk in vorderster Linie stehen., damit die Bestimmungen über die Versorgung der Hinterbliebenen mit dem Jahre 1910 plntzgreisen können. Kann der hier angedeutete Geschäftsgang nicht eingehalten werden, dann wird der Reichstag einen Beschluß fassen müssen, wie er den bekannten Trimbornschen Antrag zum Zolltarifgesetz von 1902 zu verwirklichen gedenkt. Das Jahr l 9 10 wird die ihm auferlegte Psticht der Witwen- und Waisenversorgung nur unter der Bedingung ,zu erfüllen imstande sein, wenn den dringenden Wünschen des Reichsamts des Innern bezüglich Berücksichtigung seiner Vorlagen vom Reichstag gebührend Rechnung getragen wird. Eine Entschließung über,die Verteilung der Geschäfte iin menen Reichstag ist nicht ganz leicyt schon jetzt zu fassen, weil schlechterdings nicht zu übersehen ist, wie der Kaie der Reichssinanzreform lausen wird. Der Inhalt dieser Reform siebt auch heute noch nicht in unzweideutiger Klarheit fest, weil die Ausschüsse des Bundesrats vom Standpunkt ihrer prinzipiellen Bedenken aus einige einschneidende Eingriffe in das Reformbündcl zu machen gesonnen sein sollen. Mehrere Vertreter des Bundesrats haben kein Hehl daraus gemacht, wie bedenklich ihnen einzelne Stücke der Reichsfinanzreform erscheinen, und baben durch etliche Vorschläge eine Verringerung des ungeheuren Mehrbedarfs des Reichs herbeizuführen gesucht, damit besonders anstößige Steuerschrauben ohne, Beeinträchtigung der Gesamtkomposition auch noch in letzter Stunde beseitigt werden können. 8. R.
politische Übersicht.
Neues uom Uegus.
m. R o m , 23. Scptcmlücr.
Negus Menelik hat einem Austräger, den die „Tribuna" zu ihm gesandt, sein Herz ausgcschüttet: wenn auch das Interview gerade keine welterschuttern- den Neuigkeiten enthält, io wirft es doch ganz interessante Streiflichter auf die augenblicklichen Zustande im Osten Astikas. Menelik sprach u. a. den Wunsch aus, mit allen Negierungen Europas , gute Beziehungen zu unterhalten und erklärte, daß bei den momentan stattfindenden Verhandlungen mit Italien über die Grenzfeststellung auf beiden Seiten der beste Wille zu einer Verständigung vorhanden sei, die man infolgedessen ja auch bald erzielen werde. Uber die Verhand- hingen mit dem Mullah äußerte er sich ebenfalls: diese dienten dazu, die Wiederkehr von Raubzügen Zu verhindern und den Abmarsch einzelner, vom, Mullah, ab- hängioer Stämme herbeizusühren — beides Dinge, welche"weder den Rechten Italiens zu nahe träten, noch in irgendeiner Weste das gute Verhältnis dieses Landes mit Abessinien stören konnten. Wie Menelik nebenbei erwähnte, lernt der präsumtive Thronfolger. Prinz
fester Form mitnimmt. Seine Verflüssigung ist schon gelungen, es handelt sich für unsere Chemiker nur darum, diesem Professorenexperiment die Praxis zu erschließen. Der letzte Unfall des Grafen Zeppelin beweist die Gefahr, die dieses leichtexplosive Gas m sich birgt. Deshalb wird man sich von ihm so weit als möglich emanzipieren müssen. Und hier gewinnt die alte Idee, mit dem luftleeren Raume, dem Vacuum, zu fliegen, erhöhte Bedeutung, Damit würde auch die Ballastfrage spielend gelöst werden können. Der Benzinmotor, den man heute überall zur Fortbewegeung benutzt, wird nur eine Zwischenstufe sein, weil er zu leicht Störungen ausgesetzt ist. Das Ideal einer Antriebsmaschine ist und bleibt der Elektromotor. Es fragt sich nur, woher die Kraft nehmen, ihn zu speisen. Und hier eröffnen sich drei Möglichkeiten: zunächst der Akkumulator oder das leichte Dauerelement. Die zweite Möglichkeit ist die Kraftzuführung von unten. Große Stromwerke, über die Erdoberfläche verteilt, werfen ihre hochgespannten Energien in die Atmosphäre hinaus. Als dritte Möglichkeit endlich bleibt die Nutzbarmachung der natürlichen Elektrizitatsspannung, dre stets vorhanden ist und im Gewitter ihre stärksten Ent- ladungen findet. Vornehmlich diesen Weg habe ich m meinem Weltroman zu entwickeln versucht. Außerdem kranken alle bisherigen Systeme daran, dast^ die An- triebskraft nicht im Schwerpunkt des, ganzen Fahrzeugs angreifen kann. Dieser Ubelstand wird sofort beseitige, wenn man die Gondel mit der Triebmaschine zwischen zwei kongruente, parallelschwebende Tragkörper anbringt. Diese Anordnung macht außerdem die sogenannten Stabilitätsflossen überflüssig. Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, zwei Motorgondeln unter- znüringen. Dies wiederum löst das Problem der freien Umsicht. Und endlich ermöglicht diese Anordnung auch die Vereinfachung der Lenkung, Das Jdeolmodell braucht weder Seiten- noch Höhensteuer, man lenkt es
Lig Jan zurzeit Englisch und Französisch und soll später auch italienischen Unterricht erhalten. — Übrigens macht sich zurzeit unter den Raubstämmen der abessinisch- sudanischen Grenze wieder beträchtliche Unruhe bemerkbar, die von den Engländern, ebenso wie von Abessinien, sehr unangenehm empfunden wird. Beide Staaten haben Truppenabteilungen in die bedrohten Gebiete entsandt, um die Ruhe wiederherzustellen.
Die amerikanische UrMderrterrmatzl.
iv. London, 23. September.
Das Bild, welches uns die Kabeldepeschen von jenseits des großen Wassers übermitteln, wechselt kaleidoskopartig, doch beginnt sich eines immer stärker fühlbar zu machen: Die hierzulande gangbare politische Theorie von dem „Rückschwünge des Pendels" scheint auch in der Union ihre Bestätigung zu finden, wenigstens sind fast alle neuen Gesichtspunkte, welche die Wahl beeinflussen könnten, den Demokraten günstiger als den Republikanern. Unter den letzteren herrscht denn auch ein gewisses Unbehagen, das seinen, Ausdruck in den letzten Tagen bereits in einem Schritte gefunden hat, der in der politischen Geschichte der Union ein Novum darstellt. Wie die leitenden Parteiblätter berichten, ist nämlich der ganze republikanische Feldzugsplan, den Hitschcock, Präsident des republikanischen National- Komitees, entworfen, auf Veranlassung von Roosevelt und Taft völlig umgestoßen worden: Hitschcock bleibt .zwar dem Namen nach Leiter der Kampagne, die tatsächliche Führung aber geht an „ältere und erfahrenere" Politiker über. In erster Reihe dürfte Senator Crane von Massachusetts, einer der gerissensten Parteimänner des Landes, die Direktion in die Hand nehmen. Welche Folgen eine solche Palastrevolution haben wird, ist natürlich gar nicht abzusehen . . .
Roosevelt selbst ist, wie republikanische Zeitungen zu berichten wissen, im allgemeinen sehr unzufrieden mit dem Gange der Wahlkampagne, bei der die nötige Energie seiner Meinung nach fehlt: er besteht darauf, daß die Republikaner mehr von sich reden macherr müßten. — Auch in Wallstreet ist man des Taftschen Sieges nicht mehr so sicher wie zur Zeit der Nomination, doch hoffen die republikanischen Führer gerade ans dieser Nervosität der Finanzkreise Kapital (im materiellsten Sinne des Wortes!) zu schlagen, das sie ihrer Erklärung nach sehr notwendig brauchen.
Fünfrig Jahre der Girtivicklrrng.
g. Sidney, im August.
Etwas mehr als ein halbes Jahrhundert ist verstrichen, seit der erste Gouverneur der „Kronkolonie Neu-Seeland" von seinem Posten zurücktrat, und diese Tatsache gibt der Presse des Landes Gelegenheit zu einigen Reminiszenzen, die auch für weitere Kreise Interesse haben, da sie zeigen, wie rasch seitdem der Aufstieg der „Dominion" vor sich gegangen ist. Um diese Ziffern richtig zu würdigen, inuß man sich schließlich mich noch vergegenwärtigen, daß Neu-Seeland
mit der verlagerungssähigen Propellerachse. Man treibt und lenkt bereits mit solchen beweglichen Handmotoren kleine Boote. Bei jeder Verlagerung der Schraubenachse zeigt der Kiel das heftige Bestreben, von seiner Richtung abzuweichen. Beim Luftfahrzeug kann das mit Leichtigkeit praktisch ausgeführt werden. Der Propellerachse wird man naturgemäß auch die senkrechte Bewegungsebene öffnen müssen, um das Aufwärtsfahren zu ermöglichen. Zweimal muß das Luftfahrzeug mit der Erdoberfläche in Berührung kommen, bei der Auffahrt und beim Abstieg. Nicht jeder Ort eignet sich für diese Manöver. So wird die Aufstellung der Ballonhalle in einem tiefen Gebirgstal, das von den allgemeinen Luftströmungen bewahrt bleibt und dessen lokale Winde man genau kennt, viel zweckmäßiger sein als ihre Aufrichtung in der ungeschützten Ebene oder am Ufer eines nach allen Seiten hin offenen Sees. Den Aufstieg hat das Fahrzeug aus eigener Kraft zu bewerkstelligen. Die Gefahr einer Kollision mit dem Halleninnern kann dadurch verhindert werden, daß man die hervorspringendcn Seiten- achsen mit Rädern versieht, die unter passenden Wand- schienen entlang . lausen. Der Kernpunkt der ganzen Frage liegt aber gar nicht im „Landenkönnen", sondern das „Nichtlaudenniüssen" ist für die Stabilität und damit für die Aktionsfähigkeit ausschlaggebend. Das Jdealmodell, das sich tagelang in seinem Element aufzuhalten vermag, kann sich Ort und Stunde des Abstiegs wählen und hat nicht nötig, sich den schweren Gefahren einer Landung im Siurni auszusetzen.
Betrachtet man das Luftschiff als Kriegswaffe, sc fällt zunächst ins Auge, daß es sich infolge seiner Leicht- verletzlichkeit nur zum Angriff eignet. Der schnelle und weitreichende Stoß ist die erste Bedingung seines Effekts, die zweite beruht auf _ der Masse _ und der Brisanzgewalt seiner Angriffsmittel. __ Es^rnrd nötig fein, einen Sprengstoff zu suchen, dessen Schwere im
*
