Nr. 446.
Wend-AuSgabe, 1. Blaer.
Wiesbadener Tagblair.
Mittwoch, 23. September 1968. Seite ».
wieder akut. Fe genauer man über diesen Sachverhalt an der Seine unterrichtet ist, desto eher werden die Möglichkeiten des Wiederauftauchens von störenden Meinungsverschiedenheiten fernzuhalten sein. Bei dieser Gelegenheit sei eine nicht unwichtige Feststellung gemacht. Französische Offiziösen hatten seinerzeit be- Hanptet, daß König Eduard verstimmt von Homburg av- geretst sei, und sie ließen Lurchblicken, daß dabei auch Differenzen wegen Marokko mitgespielt haben. Nun ist es zunächst falsch, -daß der König unangenehme Eindrücke mitgenonrmen hat- im Gegenteil, er ist mit den allerbesten Eindrücken abgereist. Was aber die marokkanische Frage betrifft, so kann in verbürgter Weise konstatiert werden, daß sie in den ganzen mehrstündigen Unterhaltungen zwischen den beiden Herrschern auch nicht mit einem Worte gestreift worden ist. Die Tatsache mag überraschen, aber sie ist unumstößlich richtig.
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hd. Berlin, 22. September. Die Antwort der deutschen Regierung aus die französisch-spanische Marokkonote dürfte nicht heute, sondern erst morgen nach Paris Mgehen. Die Antwortnote ist in höflichen und konzilianten Wendungen gehalten. Sic bringt noch keine definitive Entscheidung, sondern bezeichnet nähere Aufklärungen über einige Punkte der sranzösi'sch-spani-scheu Rote noch als erwünscht.
hd. Paris, 23. September. Pichon ist gestern abend zurückgekchrt und wird unverzüglich mit der Prüfung der deutschen Antwortnote beginnen. — Über den Inhalt der deutschen Antwortnote glaubt der „Malta" Mitteilen zu können, daß die Note in der Form zwar sehr hüflich gehalten sei, aber äußerst hart in ihren Schlußfolgerungen. Frankreich werde sich nicht weigern, zu diskutieren, aber unter der Bedingung, daß sich die Diskussion im Rahmen der Algecirasakte halte. Frankreich fordere die Ableugnung des heiligen Krieges durch Muley Haftö, und dieser Punkt scheine in Deutschland Missbehagen Hervorgerufen zu haben. Spants He rseits sei man bereit, diese Forderung fallen zu lassen und sich mit dem Versprechen Muley Hasiös zu begnügen. WaS die Räumung des Schausa-Gebietes betreffe, so liege in dieser Hinsicht ein Versprechen vor, welches die sranzö- stsche Regierung dem Parlament gegeben habe. Die bc- sch'lermigte Zurückziehung der französischen Truppen hänge ausschließlich von der Haltung des -Sultans ab. Frankreich werde in dieser Frage keine Einmischung des Auslandes dulden. Frankreich wolle sein Recht behalten und genau so vorgehen, wie es andere Mächte an seiner Stelle auch tun würden.
Politische Übersicht.
Rrrsstsche Znst-indr.
g. St. Petersburg, 22. September
Durch einen Zufall ist es (ausnahmsweise) vor einiger Zeit gelungen, einer Bande von Eisenbahn- räübern in Moskau auf die Spur zu kommen, und die Untersuchung, welche ihrem Ende zuneigt, wirft recht erbauliche Streiflichter auf die Zustände unter den Bahnbeamten uird Len organisierten Räubern. Von diesen letzteren hatte jeder, es handelt sich um eine Bande von etwa 300 Köpfen, seine besonderen Funktionen; einige waren tatsächlich mit festem Gehalt angcstellt, andere bezogen Tantiemen, wieder andere wurden von Fall zu Fall honoriert. Daß der Bande auch Angestellte der Bahnen angehörten, ist selbstverständlich, denn sie allein konnten ja ihre Komplicen von besonders „fetten Bissen" unterrichten. Die Organisation zerfiel in drei Abteilungen, und die Führer verteilten auf gemeinsamen Konferenzen sorgfältig die „Arbeit", damit man sich nicht gegenseitig ins Gehege kam. Ja, zeitweise wurden einzelne Bahnstrecken oder Teile von ihnen den einzelnen Gängen" geradezu als Eigentum Angewiesen. Die Geschäftstätigkeit" der Bande begann natürlich ziemlich klein, dehnte sich aber binnen kurzem so aus, daß ganze Waggons Tee, Zucker, Manufakturwaren beiseite gebracht wurden. Anfänglich wurde das gestohlene Gut an Aufkäufer, kleine Krämer usw. verhandelt, -dann aber knüpfte man ganz offen und frech mit großen Moskauer Handelshäusern, wie Gebr. Krassawin, Tschlenow u. Ko., und anderen, an und verwertete die Waren im Großen. Die Bandenführer lebten auf großem Fuße, und machten, um keinen Verdacht gegen sich aufkommen zu lassen, große wohltätige Stiftungen; -einer von ihnen war sogar Kirchenältester!
Aus den Universitäten sieht es recht traurig auZ; hier hat jetzt das neue Semester begonnen, und unter der Studentenschaft gärt es mächtig gegen die neue noch reaktionärere Wirtschaft im Unterrichtsministerium. Das Professorenkollcgium hat formell erklärt, daß es alle Verantwortlichkeit für die Folgen der letzten Handlungen des Ministeriums ablehne, und es ist gar nicht ausgeschlossen, daß uns wieder einmal ein Studentenstreik bevorsteht. Der neue Rektor, Professor Schimkewitsch, hat sich dahin ausgesprochen, daß tatsächlich jetzt alle Privilegien, welche den Universitäten im August 1906 verliehen wurden, ihnen wieder entzogen worden sind, und deutete dabei sogar die Möglichkeit an, daß die Regierung das Recht der Rektoren-Ernennung an sich reißen würde. — Die soziale Lage der Studentenschaft hat sich im übrigen in den letzten Jahren nicht verbessert, eher das Gegenteil. Ein guter Gradmesser dafür ist die Anzahl der Studentenehen, welche bis zum Jahre 1905 etwa 7 bis 10 Proz. betrug, 1906 auf 85 bis 40 Proz. hcrauf- schnellte und sich auch jetzt noch um 26 Proz. herum bewegt. Wie gute Kenner der Verhältnisse behaupten, heiraten fast nie wohlhabende Studenten, und so ist es kein Wunder, daß in den meisten Studentenehen die drückendste Armut herrscht; daß dies, und zwar irn ungünstigen Sinne, aus das Studium rückwirken muß, ist selbstverständlich. Aber auch vom materiellen Stand- punkte für die Universität betrachtet, ergeben sich aus diesen Studentenehen eine Menge unerfreulicher Erscheinungen; so zahlen z. B. viele verheiratete Studenten aus Not keine Kollegiengelöer und können deshalb ihre Eraurina nicht absolvieren. Daß unter diesen Umständen
Professoren aller Fakultäten, namentlich aber die Arzte, vor den Studentenehen warnen, ist selbstverständlich; ob das etwas nutzen wirb, ist allerdings eine andere Frage.
Deutsches Weich.
* Hof- und Personal-Nachrichten. Der Kaiser und die Kaiserin reisten um 6 Uhr 40 Minuten von Hubertusstock nach Rominten ab.
Der Reichskanzler reist Heute abend wieder Nach Norderney ab und kehrt am 8. Oktober zurück.
Staatssekretär v. Schön begab sich gestern aberöd Nach seiner Besitzung in Berchtesgaden. Dort wird er am Freitag den Besuch des russischen Ministers des Äußern Iswolsky -empfangen.
* Zur Tabaksteuer-Erhöhung. Die süddeutsche TaBabzeitung" erhält von ihrem Korrespondenten ans Berlin -folgende Meldung: „Ich erfahre mit aller Be- stvmmHeit von idurchaus MverlÄsstger Seite. Haß für Hie dem Reichstag zugeihenöe Tabalbelastuugsoorla-ge nur die Gandero l esteuer ans Zigarren, Rauchtabak, Kautabak Nsw. in Frage kommt; ebenso wird die bereits bestehende Zigaretten-Banderolesteuer bedeutend erhöht werben. Eine andere Art der Tabakbesteuerung soll absolut nicht in Frage kommen nNd gehören alle Zeitungs- nveidungen in dieser Hinsicht in das Reich der Fabel. Erwähnt sei noch, daß die Banderolesteuersätze von ganz exorbitanter Höhe gefordert werden sollen." In welcher Art die Tabaksteuer erhoben wird, kommt wohl weniger in Frage als der Umstand, daß der Tabak und damit in erster Linie die Tabakindustrie gehörig bluten -muß, denn erhöhter Preis bedingt natürlich eingeschränkten Konsum und damit eine -bedeutende Schädigung einer blühenden Industrie.
* Gegen die Gas- und Elektrizitätsstcuer. Gestern Haben die Stadtvcrtrctungen von M a n n h e i m ,
D a n z i g und -Göttingen präzis protestierende Resolutionen gegen eine eventuelle Gas- und Elektrizi- tätssteuer gefaßt.
* Zur Haftentlassung des Fürstcu Eulenburg. Die Nachricht von der Aufhebung des Haftbefehles gegen den Fürsten Eulenburg hat überall die größte Überraschung hervorgerufen. Wir erfahren darüber von unserem sh.-Korrespondenten weitere Einzelheiten. Seit vorigen Freitag wußte die fürstliche Familie bereits, daß am gestrigen Dienstag die Beschlußkammer die Entscheidung über die ihr unterbreiteten Anträge treffen würde. Um 12 Uhr bereits versammelten sich die Angehörigen des fürstlichen Hauses im Wartezimmer der Charits, um die Entscheidung abzuwarten. Ihre Geduld wurde stark aus die Probe gestellt. Eine halbe Stunde nach der anderen verging, ohne daß Nachricht eintraf. Um f43 Uhr überbrachte Justizrat Wro-nker die Kunde, daß die Bejchluß- kammer die Aufhebung der Haft angeordnet habe. Der Fürst, der zurzeit sehr elend ist, mutzte in schouendster Weise auf diese neue Tatsache vorbereitet werden. Er lag apathisch auf seinem Bette, als ihm die Kunde wurde. Nur ein schwaches Aufleuchten der Augen zeigte, welchen Eindruck die Nachricht aus ihn machte. Eine praktische Bedeutung Hat der Beschluß, der die Aushebung der Haft anorönet, zurzeit Nicht, da der Fürst so krank ist, daß cs nnmöalich ist, ihn fortzutransportieren, weder nach dem Liebenberger Schloß noch nach seiner Berliner Wohnung. Er bleibt also zunächst in der Charits, und zwar als Privatpatient. Man hofft, daß es in acht Tagen möglich sein wird, ihn nach Liebenberg oder in ferne Berliner Wohnung zu transportieren. Der älteste Sohn des Fürsten, der sich zurzeit in Steiermark befindet, wurde von dem Gerichtsbeschluß in Kenntnis gesetzt. Er kündigte seine sofortige Rückkehr -an. An dem Beschluß der Kammer ist hervorzuheben, daß zunächst der Grundsatz ausgesprochen wird, daß das Gutachten der Ärzte allein nicht zur Haftentlassung geführt haben dürfe. Die Kammer hatte zu prüfen, ob die Gründe, die die Haft als notwendig scheinen ließen, noch fortbestchcn; sie ist zu der Entscheidung gekommen, daß sie Wegfällen, denn eine Fluchtgesahr ist ausgeschlossen. Daher war auch öle Stellung einer Kaution nicht notwendig. Die Aussagen der Zeugen sind auch bereits derart festgelegt, daß eine Verdunkelungsgefahr nicht mehr vorlieat. Diese Umstände im Zusammenhang mit dem Gutachten der Arzte, daß die Hast die Lebensdauer des Fürsten verkürze, haben zur Aushebung -der Haft geführt. — Maximilian Harden trifft di- Nachricht ans einer größeren Erholungsreise. Seinen Aufenthalt hat er, um unliebsamen Fragen über den Stand seines Prozesses aus dem Wege zu gehen, geheimgehalten.
sh. Zum Fall Schückiug. Wie wir erfahren ist nunmehr der Termin vor dem Bezirksausschuß zu Schleswig als Disziplinargericht gegen den Bürgermeister Dr. Schückiug aus Husum endgültig aus den 29. Septeuiber d. I. festgesetzt worden. Die Anschuldiguugsschrist umfaßt 67 eng geschriebene Maschinenschrifiseiten. Zu ihrer Beantwortung ist dem Angeschuldigten wenig mehr als eine Woche Zeit gelassen worden, während die Anklage- hchörde etwa zwei Monate brauchte, um die Anschul- digungsschrist vorzubereiten. Die Anischnldigungsschrift ist erst 14 Tage vor dem Termin dem Dr. Schückiug zugestellt worden. Bis zum 21. d. M. war der Angesch-Ul- digte aber aus Gesundheitsrücksichten auf Grund eines ärztlichen Atte-stes beurlaubt. Der Angeschuldigte hatte deshalb zunächst um eine wesentliche Hinausschiebung des Termins gebeten, jedoch ohne Erfolg. Was den Inhalt der Beschuldigungsschrift selbst anbetrifft, so basiert die Anklage lediglich aus der schriftstellerischen Tätigkeit des Dr. Lothar Schückiug, insbesondere auf dem Buche über „Die Reaktion in Preußen". Sehr viele Ausführungen dieses Buches sind inkriminiert. Die Anklage bestreitet die Richtigkeit sämtlicher gegen die innere Verwaltung erhobenen Vorwürfe und folgert daraus ein gemindertes VerautwortlichkeitSgesühl und eine Umvahrhastig-keit des Charakters, die den Verfasser des Buches seines Amtes unwürdig mache. Unterstützt wird dieser Vorwurf durch die ungünstige Aussage einer Persönlichkeit, gegen die der Bürgermeister Dr.Schücking einmal amtlich vorgegang-en ist. Gegen denselben Zeugen
soll noch kürzlich eine Untersuchung wegen Meineids
geschwebt haben. Die Aussagen der übrigen Zeugen sollen für Bürgermeister Schücking günstig sein.
* Frauen und Politik. Nach einem Bortrag über die Beteiligung der Frauen am politischen . Leben tat liberalen Bürgewerein wurde ein Liberaler' Frauenveretn Elberfeld -- Barmen ■ taH 20 Damen gegründet.
* Sozialdemokratische Resolution. Aus Ma:ng»ben 22. September, wird uns berichtet: In einer heute jmttge- fundenen sozialdemokratischen Partei-Versammlung referierten -die Delegierten Adelung und Daschmann über -dre Nürnberger Tage. Zum Schluß brachte Redakteur Schl-LKach folgende Resolution ein: „Die heute in Mainz tagende Ber- sammllung -der sozialdemokratischen Partei erklärt sich nn all- gemeinen mit Äen Beschlüssen '-des Nürnberger Parier- tages einverstanden uu-d erwartet von ihnen ctr.c Stärkung der Partei und dadurch ihres Einflusses auf üms politische Leben. Die Annahme der Resolution zur And» aetfrage hält die Versammlung für keine geergnete Lösung, weil die taktische Haltung -der als Abgeordnete gewählten Genossen in den Einzellan-dtagen und m Den Kommunalvertretunaon der Kritik und den Beschlüßen der Landesorganisationen unterliegen. Die Landesorganisationen müssen unter Beachtung des Parteiprogramms das Recht und d i -e F r e i h e i t haben, die geeignetsten Wege zur Durchführung ihrer Forderungen s elbst zu wählen. Aus Diesen Erwägungen ibilligi. Hie Verlamm!lung dre twn Segiitz irrt N-amen von 66 Delegierten.abgegenene Errtarung. Die Resolution, -die lebhafte Debatten hervorries, wurde zum Schluß mit großer Mehrheit angenommen.
Nkrr-lcrwsrrtüVischss.
Rerchstagsstichwahl. Bei der gestrigen ReichAtags- stichwahl tat zweiten Braunschweigischen Wahlkreise Wolf enbnttel-H elmstadt wurden nach bisher eta- gegangenen Meldungen -abgegeben: für Kleye (Ver. Nat. Parteien) 16 427, für Ricke (Soz.) 8894 Stimmen. Kleyes Wahl erscheint somit gesichert.
DsEchr Kaloirie».
Am znstäudiger Stelle nichts bekannt. Die Deutsche Kabeltel-egramm - Gesellschaft meldet ans Windhoek, -Simon Copper sei ans dem Kriegspsade -und der Osten -des Mwestafrikanischen Schutzgebietes für -Weiße gesperrt. Nach Erkundigungen im Reichs- kolonialamt ist -dort von allebcm nichts bekannt. Unsere Ostgrenze wiüd durch wiederholte Kamelreiier-Patrouil- len, soweit das Merhaupt geht, bewacht. Möglich, daß Si-mon Copper seinen bisherigen Aufenthaltsort der Viehweide wegen verändert hat. Darum wäre er noch lange nicht ans dem Kriegspsade.
Ausiand.
GsteppAtch-Urrgartn
Anläßlich der -Einbringung des Budgets im ungarischen Wbgeordnetenhause erörterte der Minister- prästdent Wökerle die Finanzlage. Er wteS dabei -auf die bedeutende Steigerung der Ausgaben hin, die zur Folge Habe, «daß -auch die Einnahmen Höher prälimi- niert weüden müßten. Der höhere Voranschla-g der Einnahmen sei durchaus gerechtfertigt, da -die Präliminarien für 1909 hinter den effektiven Einnahmen von 1907 um 63 000000 Kronen zurückbleibcn. Bezüglich der Anleihen- sagt« der Ministerpräsident, der Reichstag habe Kredite in der Höhe von 305 000 000 Kronen bewilligt. Das Erfordernis für die EiseNbahninvestititionen sei aus den lausenden Einnahmen gedeckt, was ein günstiges Zeugnis für die solide Odd-nung des Staatshaushaltes sei. (Lebhafter Beifall.)
Ans Anlaß des tschechischen Agrar-Kongress es trafen gestern 180 Slowenen und Ungarn in Prag ein und wurden von einer vielhuUdertköpfigen Menge -am Bahnhof evwartet und durch die Stadt geleitet. Hierbei kam es am -deutschen Kasino und anderen deutschen G-öbäüden zu Zusammenstößen ztvi-schen Tschechen und Deutschen, so -daß schließlich die Polizei mit blanker Waffe einschreitcn mußte. Zahlreiche Demonstranten wurden verihaftet. Die deutschen Swgevrdneten hielten eine Sitzung ab, in welcher die Msendung einer Sympathiekundgevung an die Deutschen in Laibach anläßlich der dort vovgofallenen Exzesse beschlossen wurde.
Aus Ansrage eines deutschen Abgeordneten erklärte gostern Minister Prade, daß an den LaNdespräsiöenten Schwarz anläßlich der Vorgänge in Laibach ein Erlaß gerichtet worden ist mit einem deutlichen Tadel und der Weisung, die Rechte der Deutschen unter allen Umständen zu schützen.
Das „Wiener Fremdenblatt" schreibt von gestern: Morgen wird Fürst F erdinandvonBnlgari-en in Budapest mit allen einem Souverän znkoanmen^ den Ehren empfangen werden. Der Fürst fand schon in früheren Jahren wiederholt -an unserem Hose eine, ausgezeichnete Ausnahme, die ein Ausdruck der Anerkennung war für seinen mäßigenden Einfluß auf die äußere Politik Bulgariens, für seine hervorragende Mit- wivkung an der kulturellen Entwickelung des Fürstentums, für seine ganz besonnene und tat Dienste des Friedens -auch scilbstlos-e Haltung. Der gegenwärtige Empfang fällt in eine Zeit, wo in die Beziehungen Blllgariens zu der Türkei eine ge-wisse Spannung gekommen ist, und wird Hoffentlich die Wirkung haben, diese Boziehnngen in günstigem Sinne zu beeinflussen. Das „FrsmideMlatt" bespricht sodann den Fall Geschvw und führt mehrere Momente -an, die dafür sprechen, daß die Türkei die Heutige staatsrechtliche Stellung Bulgariens bereits bei mehreren Gelegenheiten indirekt anerkannte. Zum Schlüsse sagt das Blatt: Der Empifan-g in Budapest wird -die offensichtlichen Konstantinopeler Bemühungen erleichtern, aus der etwas verwickelten Situation einen für beide Teile befriedigenden Ansgang -zu finden.
Mehrere Budapester Blätter bringen die Nachricht, daß das Korpskommando in Sarajewo die E n t -
I fernnng der Familien der Offiziere und Unteroffiziere im Sandschakgebi et bis zum 26. September anordnete. Viele derselben haben bereits Plevlje verlassen. Man erwartet deshalb im Sandschak- gebi-et ernste Ereignisse. Offiziös wird diese Verordnung als eine Präventivmaßregel des Krims»
