Einzelbild herunterladen
 

Verlag Langgafl« 27.

Tagblatt-HauS".

«chalter-Halle geöffnet von 7 Uhr worgenk bi» 8 Uhr abends.

23,000 Abonnenten.

m»,«-s.!8r-iS für beide Ausgabe«: S0P-g. monatlich durch den B-rlag Langgaffe 27. ohne Brmger- 2 Mk's» Dia. viert-ljährlich durch alle deutschen Postanstalten, ausschliehlich Bestellgeld. Ä-u°s.Bcst°Ii«ug-n nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die, !> Zweigstellen, sowie d,e

Msiusoabestelleit in allen Teilen der Stadt; in Biebrich: die dortigen »v Ausgabestellen und:» den bS«Ä?en; Sanborten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt. Trage:.

Auzeigen-Annahme: Für die Abend-AuSgabe bis 12 Uhr mittags: für die Morgen-Auigabe bis S Uhr nachmittags.

2 Tagesausgaben.

Fernsprecher:

Verlag (Expedition) 2958. Rcdaltiou 52, Druckerei 2286.

Ruszeit von S Uhr morgen» bis 7 Uhr abends.

An-c-gcn-PrciS für ...

Mi w?°d°rh°u7/AuKm° unveränderter Anzeigen i» kurzen Zwischenräumen en.wrechender Rabatt.

Nr. 4SI.

Wiesbaden, Mittwoch, S. September 1S«8.

Für di-Ausnahme spater eiugeretch-er Anzeigen iu dre uächsterscheiueude Ausgabe wird keme Gewa hr übernommen.

56. Jahrgang.

Morgen - Kusgabe.

_ 1. _

ixv öen Worrcrt September

auf das

Wiesbadener Tagblatt"

z» abonnieren, findet sich Gelegenheit

im UerlagTagblatthans" Langgasse S7. in den Zweigstellen der Stadt, in den Ausgabestellen der Ktadt und Nachbarorte, und bei sämtlichen deutschen Arichspastanstalten.

Kultanssrngen der Mettpslrük.

König Eduard von England ist am Samstagnach­mittag wieder in London eingetroffcn, was zur Be­ruhigung derjenigen Gemüter beitragen wird, die rn der Reisepolitik des englischen Königs noch immer erne Einkreisepolitik wittern. Wir meinen allerdings, daß dieser Beunrichigungsbazillus für geraume. Zeit als politischer Krankheitserreger nicht mehr tn Betracht kommen kann, nachdem die Cronberger Zusammenkunft Zwischen dem deutschen Kaiser lind seinem königlichen Ohm einen so befriedigenden Verlauf genommen hat, daß seine Folge der voraussichtlich im Februar nächsten ^nf)re§ erfolgende Besuch des britischen Königspaares ist Berlin bilden wird. Hat doch Kaiser Wilhelm m nnverkenlwarer Beziignahme auf die Zusammenkunft init König Eduard in feiner Straßburger Rede den Brieden als zurzeit besonders fest fnndamentiert be­zeichnet, nicht zulebt deshalb, weil er sich auf das Ver­antwortungsgefühl der Fürsten und Staatsmänner

^"^Dafür? daß ebenso wie die Völker und die Fürsten auch? die Staatsmänner beflissen sind, im Sinne des Friedens zu arbeiten, hat die soeben in Salzburg und Berchtesgaden stattgefundene, chronologisch freilich ge­trennte Zusammenkunft der Vertreter des Dreibundes Urnen neuen Beweis geliefert. An die Begegnung zwl- frfim deni italienischen Minister des Äußeren, Tittom, und dem österreichisch-ungarischen Minister desAußeren, Freiherrn v. Aebrcntbal, in Salzburg schloß sich der Be- ^ch des letzteren beim Staatssekretär v. Schon in

Berchtesgaden. . T .

«Bei der Berchtesgadener Brüte gab cs keinerlei Differenzen beizulegen, denn zwischen der deutschen und der österreichisch - ungarischen Regierung herrscht über die aktuellen Fragen der Politik, in deren Vordergrund die Türkei und Marokko stehen, eine teils durch die Kemmnsamkeit, teils durch die mangelnde Gegensätzlich­em der Interessen bedingte und gesicherte Überein­stimmung. Bildet somit die Zusammenkunft zwischen denr Freiherrn v. Aehrenthal und Herrn v. Schon im Zusammenhänge mit der vorangegangenen Begegnung tn Salzburg den Ausdruck der Sicherheit dafür, daß der Dreibund den schwebenden politischen Fragen neaemiber geschlossen und einig bastelst, so geschieht dieser Feststellung kein Abbruch diirch deii Hinweis

daraus, daß es zwischen den Herren v. Aehrenthal und Tittoni manches Vergangene zu begraben galt. Ter österreichisch-italienische Gegensatz auf deni Balkan, der auf den beiderseitigen Interessen an Albanien beruhte, hat eine Zeitlang den Bestand des Dreibundes zu ei » schlittern gedroht, aber diese Möglichkeit, bie von den Politikern an der Seine nach Kräften gefördert wurde, ist durch die jüngste Umwälzung in der Türkei auv der aktuellen Politik ausgeschaltet worden. Wenn diese Umwälzung zu einer Konsolidierung fuhrt, dann können auch die. Eifersüchteleien um die Erbschaft des kranken Mannes", mit dessen Gesundung gerechnet werden kann, nicht mehr die Ruhe Europas gefährden.

Ganz ähnlich liegen die Dinge in Marokko. Der Bruderkrieg der beiden Sultane ist, nachdem Abd ul Asis leine letzten Siege nur noch in den Spalten der französischen Presse erfochten hatte, mit dein endgnl tigen Erfolg Muley Hasids ausgegangen. Der Der such der Franzosen, in diesem FalleGeschichte zu machen", ist mißlungen, niid er mußte mißlingen, denn die Geschichte wird nicht gemacht, sie niacht sich selber. Frankreichs Abenteurerpolitik bedingt es, daß die

Niederlage, des Sultans a. D. AbdI Asis zugleich die Niederlage Frankreichs bedeutet, und die französischen Staatsmänner sind nicht einmal Diplomaten genilg, um gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Wenn man an der Seine über die Initiative der deutschen Regierung zur Anerkennung Muley Hasids entrüstet ist, so zeugt das von keinem guten Gewissen, denn diese Anregung ist so gerade im Interesse der Unabhängig keit Marokkos erwlgt, zu deren Respektierung Frank reich durch die Algeciras-Akte verpflichtet und ge

zwungen ist. ,

Unterdessen hat denn auch am Quai d'Orsay die erste Erregung einer vernünftigerenÜberlegungPlatz gemacht, und nian bat im Verein lnit der spanischen Regierung bereits wer Bedingungen für die Anerkennung Muley Hasids formuliert, nämlich 1. dessen Anerkennung der Älgeciras-Akte und 2. aller internationalen Vertrage und Abmachungen, insbesondere der daraus entstehen­den finanziellen Verpflichtungen, 3. die angemessene Regelung der Lage Abd ul Asis', 4. die Wiedererstat­tung der Kosten, die durch die Unruhen und die daraus notwendig gewordenen Maßregeln zur Wiederher­stellung der Ordnung veranlaßt wurden Was die Punkte 1 und 2 betrifft, so hat Muley Hasid sich hierzu schon in seinem vom 25. Jnlt datierten, an die Machte gerichteten Schreiben, in dem er um seine Anerkennung als Sultan ersuchte, ausdrücklich verpflichtet. v;ii bezug ans den Punkt 3 kann man sich wohl mit dem bekannten Worte sagen, daß sich das Moralische hier von selbst versteht. Dagegen würde die vierte Bedingung, wenn die französische Regierung wirklich darauf bestehen sollte, geeignet sein, die Anerkennung des Sultans von Marokko bis zu seinem seligen Ende zu vertagen, denn die Franzosen berechnen ihre Kriegskosten auf rund loU Millionen Frank, die Marokko weder heute noch in ab­sehbarer Zeit zahlen kann. Die Frage dieser Kosten­vergütung, die im Algeciras-Vertrag tischt vorgesehen ist hat aber mit der Anerkennung Muley Hasids nichts zu' tun, sondern sic wird von deii Signatarmachten

gründlich zu prüfen und iiach Recht und Billigkeit zu regeln sein. Das follten die Franzosen, die w den Willeii des Volkes für das höchste Gesetz erklären, am ehesten einsehen, um so mehr, da die Anerkennung ooer Nichtanerkennung Frankreichs nichts inehr an der Tat­sache zu ändern vermag, daß -L-ultan von Marotto Muley Hasid ist, dem die Anerkennung Frankreichs zweifellos sehr willkommen sein wird, der aber ebenso zweifellos über die Nichtanerkennung mit dem ins

Marokkanische dürfte: Da lach

ibertragenen Bismarckworte ick över!

quittieren

t un - r . ' tn -

KeurUeton.

(Nachdruck verboten.)

Ltratzenlärm in Paris.

s. Paris, 7. September.

Bon einer Liga gegen den Straßenlärm ist hier schon mehrfach die Rede gewesen, besonders seit die Blätter zu melden wußten, daß erlauchte Besucher der französischen Hauptstadt, darunter auch der vor einigen Monaten in Paris bei der Hin- und Rückreise gelegent­lich des Aufenthaltes der deutschen Flotte in Vigo weilende Kaiser-sohn, ihr Erstaunen Wer dje hier an die Gehörorgane und die Nerven gerichteten Forde­rungen bekundet hätten. Es wäre wirklich an der Zeit, daß in dieser Hinsicht etwas getan wurde, denn die Zustände werden immer schlimmer und unerträglicher. Wenn man bedenkt, daß schon in den vierziger Zähren der Volkssänger Desaugicrs in einem sehr humorvollen Liedchen über das Erwachen von Paris solche Beschwer­den vorbrachte, daß sogar schon Boilean zur Zeit des Sonnenkönigs darüber Klage führen mußte! Und da­mals gab es doch noch keine schwer rasselnden Omnibusse, keine ' Motorlastwagen, keine ungeheuerlichenAuto­busse" keine Kraftwagen-Nebelhörner, auch keine Motrw- polita'in, die, ob unterirdisch oder freiliegend, durch ihr Knattern, Bodenrnttcln und Dröhnen aus einigen Vierteln alle Umwohner, die cs sich leisten können, ver­scheucht hat. . - xl

Man kommt auch nach noch so langem Aufenthalt

in Paris nicht über die Rücksichtslosigkeit hinweg, die hier bei allen öksentlichen Einrichtungen und Kund­

gebungen den elementarsten Forderungen nach Ruhe und Ordnung gegenüber zutage tritt. Wenn innerhalb der Häuser durch die Concierges, die deswegen ent­schieden Anerkennung verdienen, die Zucht und die Achtung vor den Nachbarn, die doch sozusagen iricht nur Zeit- und Hausgenossen, sondern auch Mitmenschen pm, einigermaßen aufrecht erhalten werden, so ist auf der Straße dagegen alles erlaubt, was nichts direkt den Gesetzen und der primitivsten Moral widerspricht. Alle Reglements der Präfekten und der Verwaltungsbe­hörden, die auf Reinlichkeit, Hygiene und verhältnis­mäßige Ordnung und Ruhe abzielen, haben sich hier scdcrzeit als unwirksam erwiesen und eines nach dem anderen ist allmählich gleichsam nach schweigender Über­einkunft zwischen den Stadtgewaltigen und den Ein­wohnern außer Kraft gesetzt worden. Daraus erklärt ey ach leicht, das; die Pariser Straßen vernachlätzigt auy- sehen, daß hier die Müllabfuhr noch ganz im argen lieg? daß ganze Siraßenzüge durch Auslagen zweifel­haftester Art versperrt und verpestet sind und daß auf die Nerven schvnnngs- und ordnungslos gehämmert u>uu.

Es gibt ja mm Leute, die in dem Pariser Straßcn- lärm eine Art Poesie entdecken, besonders seit Charpcn- tier in seinerLouise" diesen in eine Sinfonie nmgc- wandclt hat. Allerdings hat sich hinsichtlich der modern­sten Geräusche und Erschütterungen, wie sie eben kurz charakterisiert wurden, noch niemand zu einer deraingen Apologie ausznschwingen gewagt. Nur die mannig­faltige» Rufe der kleinen Straßenlndustriellen . und Verkäufer haben Bewunderer gefunden, bie uorrgenO immer seltener werden. Merkwürdigerweise werden diese durch die neuen donnernden, pfauchenden, heulen- dcn und dumpf dröhnenden Geräusche der modernen

UMtische Übersicht.

Snboctttions-An-cre»j;riy!re:ictt?

Aus den Kreisen der Automobilindustrie wird uns

geschrieben: .

Bekanntlich hat der Reichstag im letzten Etat einen Betrag von 800 000 Mark bewilligt, der für Subven- tionen an solche L a st a u t o m o b i l b e s i tz e r veraus­gabt werden soll, die sich bereit erklären, ihre Fahrzeuge im Mobilmachungsfalle der Heeresverwaltung zur Ver­fügung zu stellen. Solchen Besitzern wird eine ein- malige Vergütung von 4000 Ddark bei der Anschaffung und eine jährliche Summe von 1000 Mark für cke» triebsuiikosten usw. bar ausbezahlt. ^ Nicht jeder u.Yp von Lastautomobilen aber kann dieser Vergünstigung teilhaftig werden, sondern die Beihilfe wird nur den­jenigen Systemen gewährt, die bei den ni r I i t a r i- schon P r n s u n g s s a h r t e n keinerlei Dcfck e ge- äciQt haben. Nun fycttteit bet bet Tube ^ult fundenen Lastwagenkonkurrenz u. a. je ein Wagen der Eisenacher Werke und der Firina Racke tvinzige Hava- vieu, wie einen Bruch des Benzinrohres anfzuweisen. Jedem Fachmann ist bekannt, daß derartige Defekte dem System um so weniger zur Last zu legen sind, als solche Bestandteile fertig von anderen Frrmen bezogen Werden und mit dem Bau des Motorwagens felvst ntch.^ zu tun haben. Trotzbenr würben biese derben Frrmen aus der Konkurrenz ansgeschieden. Die Folge davon ist daß in absehbarer Zeit kein Privatmaiin von ihnen Lastautos beziehen wird, die, infolge der Staatssub­vention, bei anderen Firmen ja uni 4000 M. billiger zu haben sind; ganz abgesehen von der jährlichen Zugabe von 1000 M. Dies Vorgehen erscheint um so angreif­barer, als zwei unserer großen Firmen (Daimler und Benz) durch private Beziehungen schon langst von der Subventionsabsicht der Regierung unter, richtet waren und sich in ihren Arbeiten auf die kom- iiienden Aufträge cinrichten konnten. Dre anderen Firmen sind erst erheblich später informiert worden, und da ein Lastwagen nicht von heute zu morgen zu konstruieren ist, der Bau eines solchen Wagens vielmehr der sorgfältigsten Berechnung bedarf, so waren Meie Firmen nicht imstande, unter den gleichen Bediiigungen wie Daiinler irnd Benz auf dem Kampfplätze zu er­scheinen. Trotzdem haben sie. alle ihren Fabrikaten und der deutschen Industrie Ehre gemacht. Es ist verständ­lich, daß infolge dieser Manipulationen rm Lager der Kraftwagenfabrikanten eine z iemlich gereizte^tiinmiivg

BeförLeruntzsmittcl nicht übertönt: sic haben nämlich, da die verschiedenen Straßengewerbe- und Handcly- treibenden sich den Umständen angepaßt haben, ihrcr- seits gleichfalls an Intensität und markdnrchdringcnder Kraft zugcnommen. Man möchte meinen, die Kehlen und Lniigen der heutigen Vertreter dieser uralten Berufe seien viel widerstandskräftiger und lcitzungy- fähiger geworden. Wie nach Darwin die Funktion das Oraan nhasft, so stärkt dieses die Notwendrc^kcrt. .)ean will Liese Tatsache auch bei modernen Parlamentariern und Volksversammlungsrcdnern fcstgestcllk haben.

Überdies verschmähen cs herumziehende Gcmüse- und Obsthändler, Schleifer, Glaser usw. nicht, zu HlftK- mitteln verschiedener Art zu greifen, um ans mrc Gegenwart die Aufmerksamkeit zu lenken und M Kunden anzulocken. Die einen bedienen sich schriller Pfeifen, die anderen der Nebelhörner der Krastwagcn- sahrer,'einige haben sich sogar zu Musikinstrumenten, selbst automatischen, aufgeschwnngcn. In meiner Straße zieht täglich ein alter Gemüsehändler vorbei, der mit schrnetternden Trompeteiitönen seine 9lnkniist rneldet, er versichert, "int deutsch-französischen Kriege eine kianzc Kompagnie, vielleicht selbst ein BataillonPrussiens ( «uf etwas mehr oder weniger kommt cs ihm nicht so genau an, durch sein Arigriffsblascn in die Flucht gejagt 'zu haben, als er sich, ich weiß nicht recht bei welchem Gefechte und durch welche Verkettung der Umstände, von seinem Truppenteile verirrt hatte. Trommeln und selbst ft eine Pauken werden gleichfalls bercirs hier und da für solche Ankündigungen auf der Straße gebraucht, um die Stimmen wirksam zu unterstützen.

Als ob diese in der großen Mehrheit daS nötig hätten' Was hier an Schrillen und Dröhnen. Kreischen