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Nr. 4L7.
Morgen - Ausgabe.
1. Matt.
Jüv öen Morrat Seplernbev
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Großblock und blemerer Klock.
Am „Block" mißfallen einigen Airsdehnung und Form. Sie wollen ihn behauen, um ein Kunstwerk aus ihm zu machen. Schon fallen die Worte vom „Groß- block" und vom „kleineren Block". Es ist das linke Stück, das eventuell wegfallen soll. Einige unter den Freisinnigen haben dem Block vorschnell den Rücken gekehrt. Rechts aber erheben sich andere, die dem ganzen Freisinn die Tür weisen wollen. Zuerst wurde diese Forderung von ein paar westfälischen Ratio- nalliberalen gestellt, die aber in ihrer Partei vereinzelt zu sein scheinen. Jetzt nimmt (im „Tag") der reichsparteiliche Abg. Arendt das Wort, um die Wirkung des Falles S ch ü ck i n g auf das Schicksal des Blocks zu prüfen.
Herr Arendt argumentiert ziemlich merkwürdig. „Ich gestehe ganz offen, daß ich die Einleitung der Dis- ziplinaruntersuchnng bedaure. Man soll nicht aus einer Mücke einen Elefanten machen. Ist das aber geschehen, dann sind diejenigen nicht minder im Unrecht, welche die Mücke wirklich für einen Elefanten ansehcn. Und das tun die Freisinnigen." Geschwindigkeit ist keine Hexerei', und so hat Herr Arendt im Nu den Regierungspräsidenten von Schleswig mit den Freisinnigen vertauscht, die nun den Auseinandcrfall des Blocks verschuldet haben sollen. Denn diesen Auseinanderfall befürchtet Herr Arendt nnd das hat ihm die Feder in die Hand gedrückt. Warum sehen diese Freisinnigen auch, was der Regierungspräsident angcrichtet hat? Könnten sie nicht den K o P f i n d e n S a n d st e ck e n ? Die freisinnigen Parteien — behauptet Herr Arendt — verkennen überhaupt ihre Rolle _ im Block durchaus.
Man scheint zu glauben, daß die Existenz des Blocks vom Freisinn abhängt, während umgekehrt die Existenz des Freisinns vom Block abhängt. Sie gebärden sich als die Gebenden, wo sie die Enlpfangenden sind." Empfangen hat der Freisinn das Recht, im Block mit
FemAetorr.
(Nachdruck verboten.)
Ein Vsttrennen.
Amerikanische Novcllette von Thea von Harbou.
„Missus, da ist ein Mann", wisperte die kleine Negerin, die zu den Füßen der Farmersfrau gesessen und deren dreijährigem Töchterchen geholfen hatte eine stattliche Rinderherde aus Maiskörnern in den Gcashalmenstall zu treiben.
Frau Waller nnd ihre Schwester Elfte hoben die Köpfe von den Leinenballen, an denen sie schikitten, und das Mädchen wurde so weiß wie der Stoff auf ihrenl
nt J[m Eingang des Corrals lehnte Toby Broker, der berüchtigste Pferdedieb zwischen dem Mississippi und den Rocky Mountains, den Hut im Genick, die Hände zwischen die blaue Bluse und die fuchsrote Schärpe geschoben, aus der die Griffe des Revolvers und des Messers schauten. Als er sich entdeckt sah, kam er lang- smn herangeschlendert.
„Geh' ins Haus, Klara, und nimm das Kind mit" flüsterte Elfte der Schwester zu. Ohne an Widerspruch zu denken, hob die junge Mutter ihr Töchterchen auf den Arm, daß die erschrockene Kleine nur eben noch Zeit fand, eine Handvoll ihrer goldigen Herde aufzuraffen. Hinter ihr flüchtete die kleine Schwarze ins Hans nnd schloß schleunigst die Tür.
Elsie halte gelassen ihre Arbeit wieder ausgenommen und sah auch nicht empor, als Toby Broker dicht vor ihr stand.
„Glaubt Ihr. daß ich kleine Kinder fresse?" fragte der Mann mit einem Anflodern, das sein braunes Gesicht ganz in Glut tauchte.
„Man soll nichts verschwören", erwiderte das Mädchen gleichgültig.
„Ich weiß-ja, was Ihr von mir denkt", fuhr der
Wiesbaden, Sonntag, G. September 1SÖ8.
dabei zu sein, der Majorität anzugehören: das dünkt Herrn Arendt genug. Der Block als feste Mehrheit hängt allerdings vom Freisinn ab. Nach Abzug der 42 freisinnigen Stimmen repräsentiert der Block nur noch die Minderheit des Reichstags.
Die freisinnigen Stimmen aber haben dasselbe Gewicht, ob sie sich nun zu den Nationalliberalen und Konservativen oder zu den Sozialdemokraten und dem Zentrum gesellen. Der Nachweis, daß der Freisinn im Block der nur „Empfangende" sei, ist also brüchig.
Von solchen Schiefheiten wimmelt der Artikel. Wenn Herr Arendt aber gar fragt: „Was in aller Welt hat der Fall Schücking mit dem Block und mit der allgemeinen Politik überhaupt zu tun?" so ist die Naivität doch wohl gespielt. Erstens richtet sich das Disziplinarverfahren gegen den liberalen, also Blockgenossen Schücking (niemand, der die Schrift gelesen hat, ist darüber im Zweifel): und zweitens handelt es sich um den „allgemein politischen" Grundsatz der freien Meinungsäußerung auch für mittelbare Staatsbeamte.
Herr Arendt wünscht dringend das Verbleiben der Freisinnigen im Block: aber er weist ihnen darin eine Stellung an und diktiert ihnen Bedingungen,- die sofort den Block sprengen müßten, wenn Herr Arendt für die Rechtsparteien im Block und für den Reichskanzler spräche. Wer noch ein Gefühl für persönliche Würde hat, wird lieber gehen, als unter solchen Bedingungen bleiben.
Dagegen berührt es gerade im gegenwärtigen Stadium der parteipolitischen Auseinandersetzungen angenehm, wenn die „C ö I n. Zeit u n g" wieder einem Jung liberalen und Freunde der liberalen Einigung das Wort gewährt. Der Jungliberale hat allerdings ein Bedenken, dem er jedoch nicht viel Bedeutung beilegt: Die Linksliberalen hätten bereits eine Fraktionsgemeinschaft, die Nationalliberalen würden also, wenn sie irgend ein Kartell mit den Linksliberalen abschlössen, nur „in ein bestehendes Vertragsverhältnis als weiterer Kontrahent eintreten". Das ist nicht einmal richtig: denn die Nationalliberalen würden nicht i n die linksliberale Fraktionsgemeinschaft eintreten, sondern m i t dieier einen neuen Vertrag eingehen. Sehr treffend sagt der Jungliberale, der liberale Teil des Blocks sei heute einflußlos dank seiner Zwiespältigkeit. Recht hat er auch darin, daß dem Zusammen sch lusse der liberalen Parteien viel- fach Persönlichkeiten im Wege stehen und zwar nicht parlamentarische, sondern zumeist örtliche Führer. Überwunden werden müßten diese Hindernisse aus der Wählerschaft heraus. Das alles liest sich als guteBegründung desAntrages, der dem jungliberalen Vertretertage in Elberfeld vorgelegt werden wird und
Mann fort und setzte sich auf den umgestülpten Melkeimer vor der Tür.
„So? — Dann wißt Ihr auch, daß Ihr Euch nicht viel darauf einbilden dürft."
Toby Broker lachte vor sich hin, aber es klang nicht sehr heiter.
„Euch muß Eure Haut gewaltig unbequem sein, daß Ihr sie so zu Markte tragt", sagte das Mädchen und bückte sich nach der Schere, die ihren Händen entfallen war.
„Ich weiß, daß Euer Schwager nach Trussers Farm geritten ist", erklärte er und betrachtete eifrig seine Stiefelspitzen. _
„Und da meint Ihr, heute Bequem zu der „Swallow" zu kommen, die Euch damals durch mich entging? _ Da seht" — sie hob 'den Arm und wies nach dem einge- zäuntcn Stückchen Weideland neben dem Han.se — „da steht die Stute! Aber nehmt Euch in acht, die Boys sind scharf auf Euch, — und heut' wurde ich mir's überlegen, ob ich den Hund wieder zurückriefe, wie damals, als Euch seine Zähne schon an der Kehle saßen!"
„Es war eine gewaltige Dummheit, daß er nicht kräftiger zubiß", knurrte Toby Broker trübselig.
„Vielleicht hätte Euch das wenigstens vorm Meineid bewahrt!" stieß Elsie mit blifienden Augen hervor. „Denn habt Ihr mir damals nicht bei allen Heiligen geschworen, mit beiden Füßen ans einen neuen Weg zu springen, ein neuer Mensch zu werden, fleißig und brav!"
„Geschworen Hab' ich'? Euch wobl". meinte Toby Broker, ohne sich zu rühren, . aber die anderen. — dre haben's nicht zugelassen. Die sind schuld — und Ihr seid's auch!"
„Ich?" stammelte sie.
„Ja. Vorhin, wie Ihr die Mutter mit dem Kindchen fortschicktet, das war die Art aller ehrlichen Menschen — dem Spitzbuben gegenüber", sagte der Mann mit seinem häßlichen Lachen. „Ich . bin von einem zum anderen gelaufen und Hab' meine Kräfte ausgebotcn, aber gelacht haben sie, gefluchj! Toby
5«. Jahrgang.
der den Ausgangspunkt für die Betrachtung des Jung- liberalen bildete: die Nationalliberalen sollten die
Bildung eines gemeinsamen Ausschusses der liberalen Fraktionen anregen, der auf ein Zusammengehen von Fall zu Fall hinwirke. Statt dessen wird am Schlüsse die -— Zurückziehung dieses Antrages empfohlen, da aus seiner Annahme der nationalliberalen Fraktion Schwierigkeiten erwachsen könnten. Bö - gründet wird die Schaffung eines liberalen Blocks, vorgeschlagen aber das Fortdauern der Isolierung. Oder ist dieser Schluß als rhetorischer Kunstgriff gemeint? Soll Widerspruch erregt und die desto energischere Forderung der liberalen Einigung provoziert werden?
Volltische Übersicht.
GxMschof Fischer' und die christlichen Gemerkpereine.
Der Streitfall zwischen dem Cölncr Erzbischof und den christlichen Gewerkschaftsführern ist in ein neues Stadium getreten oder hat vielleicht auch sein Ende ge- frmden durch eine große Gewerkschaftsversammlung in Cöln, in der Generalsekretär Steigerwald referierte. Er behandelte „die internationale christliche Gewerkschaftskonferenz in Zürich und ihre Begleiterscheinun- gen in Deutschland", d. h. die Fischerschen Äußerungen, ohne aber den Namen des Erzbischofs zu nennen. Ooriiter in re, suaviter in modo wurde erklärt, daß die interkonfessionelle Organisation der Arbeiter eine Notwendigkeit sei, und die katholischen Fachabteilungen wurden scharf getadelt, weil sie sich unter falscher Darstellung der Verhältnisse bemühten. ein Machtwort der kirchlichen Behörden zu erwirken, das auf diesem Gebiete nicht gesprochen werden könne. In dem gleichen Sinne wurde eine Resolution angenommen, deren Adressaten jedermann errät. Vielleicht schickt sich Erzbischof Fischer nunmehr in die Sachlage, die er doch nicht wird ändern können.
Gilt Arbeiter irbcr die Ailstärtdersrüse.
Einem badischen liberalen Blatte schreibt ein Arbeiter: „Ich bin Arbeiter und in Heidelberg wohnhaft, bin aber schon fünf Wochen arbeitslos und habe auch Familie. Da ich hier schon eine große Anzahl Kontore und den Arbeitsnachweis öfters ausgesucht, aber nirgends Arbeit gefunden habe, nahm ich mein letztes Geld und fuhr nach Donaueschingen: ich glaubte ganz sicher, daß ich keine unnötige Fahrt machen würde. Ich traf dort zu gleicher Zeit mit noch anderen Arbeitslosen zufannnen, die von Freibnrg herkamen, um Arbeit zu suchen. Aber bei sämtlichen Bauunternehmern in
Broker und ehrlich werden! Toby Broker und ein braver Mensch! Da Hab' ich noch die Narbe von einem, der nach mir geschossen hat, als ich mich nur von fern sehen ließ! Wie ich gemerkt Hab', daß man vor lauter Bravsein elendig verhungern kann, und wie inir die Leute ewig die Vergangenheit vorhielten, mich Lump und Schuft schimpften, na, da Hab' ich ihnen endlich den Gefallen getan. Nichtig aufgeatmet haben sie, wie sie wieder die erste Tollheit von mir hörten! Jede Teufelei trauten sie mir zu — nur keine gute Tat. Und es hätte vielleicht nur solch ein Teilchen Vertrauen gebraucht, das hätte mich hochgezogen aus allem, was Ihr verachtet an mir. Na, Ihr habt mir ja vorhin gezeigt, was Ihr denkt und glaubt und mir zntraut . . . ."
Elsie wollte antworten, aber die Stimme versagte ihr den Dienst. Stumm saßen sich die. beiden gegenüber, als ein schriller entsetzter.Schrei int Innern des Hanfes sie auffahren ließ.
„Elsie, Elsie", schrie die junge Frau und wäre auf den Stufen der Haustür fast zu Boden gestützt in wilder Angst. „Sieh doch, was mit dem Kind ist? Was hat denn das Kind?"
Elsie flog die kleine Treppe hinauf und in die Stube. Auf der Binsenmatte am Boden lag das Kind mit blauem, entstelltem Gesicht, beide Händchen am Halse würgend, die zarten Glieder zuckend in erstickten Krämpfen.
Elsie warf sich auf die Knie und hob die kleine Jammergestalt empor. Das schien die Kleine ein wenig zu erleichtern, aber nur für ein paar Augenblicke. dann begann das Würgen und Ächzen von neuem.
Die irrenden Augen des jungen Mädchens sielen auf die Maiskörner, die verstreut auf der Matte lagen.
„Mein Gott, sie hat eins davon verschluckt, sie erstickt daran . . ." stammelte sie entsetzt.und der
nächste Arzt wohnt in Daphne Hill und der Bruder ist nicht da . . . Herrgott, Toby Broker . . ," Ohne sich zu besinnen, sprang sie auf. zur Tür hinaus nach dem Hofe, und bat Toby Broker, mit dem Kinde nach Daphne Hill znm Arzt zu reiten.
