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Nr. ZK4.
Kdenö-KuZgabe.
1. Matt.
KchÄßgPlrr §tmt unD die FlMembrWlW.
Auf deutscher und englischer Seite herrscht eine erfreuliche Übereinstimmung über die günstigen Wirkungen der Cronberger Zusammenkunft, und die Ankündigung des Besuches, den das englische Königspaar im Januar nächsten Jahres dem deutschen Kaiserhofe ab- zustatten gedenkt, läßt erkennen, daß die Zeiten vorüber sind, wo König Eduard bei seinen Reisen sorgsam um Deutschland herumfuhr. Angesichts dieser allseitigen Zufriedenheit der deutschen und der englischen Diplomatie soüte man eigentlich meinen, daß nunmehr der Zeitpunkt gekommen wäre, die Erörterung über die deutsch-englischen Beziehungen eine Zeitlang z u r ü ck - zustelIen, denn zum Schluß gilt auch für derartige Beziehungen das Wort, welches man von den Frauen gesagt hat, daß nämlich diejenigen die besten sind, von denen man am wenigsten spricht.
Indessen ,.es hat nicht sollen sein!" Kaum ist die Debatte über die Cronberger Begegnung verstummt, so hat der Besuch, den der englische Schatzkanzler Mr. Lloyd-George in Deutschland abgestattet hat, neuen Stoff zu Erörterungen über die deutsch-englischen Beziehungen geboten. Herr George gilt in England als der Friedensminister, was sich schon daraus erklärt, daß er als eifriger Förderer der sozialen Versicherungsgesetzgebung, die jetzt mit der Annahme der Altersversicherung in der letzten Parlamentstagung einen wesentlichen Fortschritt verzeichnen kann, den begreiflichen Wunsch hat, die Kosten für die maritimen Rüstungen Englands zugunsten jener Kulturaufgaben einzuschränken. Der englische Schatzkanzler hat es vor kurzem auch offen ausgesprochen, daß nach seiner Meinung eine Entente zwischen Deutschland und England sich in der Richtung der Beschränkung des Baues von neuen Kriegsschiffen bewegen müßte.
An diese Äußerung anknüpfend, hat man tn den Aufenthalt des Mr. George in Deutschland allerlei hineingeheimnitzt, und einzelne Blätter haben gar bereits von der Einleitung deutsch-englischer Verhandlungen gefabelt, die nichts mehr und nichts weniger als ein Abkommen über die Begrenzung der Flottenrüstun- qen zum Ziel haben sollen.
Der Verlauf der Reise des Herrn George, der Samstagabend bereits die Reichshauptstadt verlassen hat und nach Hamburg weitergefahren ist, hat unterdessen jene Ausstreuungen, die der Schatzkanzler noch dazu selbst mit aller Entschiedenheit dementiert hat, als durchaus unzutreffend erwiesen. Der Aufenthalt des Mr George in Deutschland hat lediglich dem Studium des Arbeiter versicherungswese ns gegolten, in deni Deutschland bekanntlich an d er Sp ltze aller Staaten marschiert, und daraus,, daß die einzige
Machdruck ttetöottn.)
Zorndorf.
r U r 150. Wiederkehr des Jahrestags der Schlacht bei Zorndorf (25. August).
Von Professor Dt. Wilhelm Berger.
Friedrich der Große hat wohl nur im Anfangs- stadinm des siebenjährigen Krieges geglaubt, nach Niederwerfung der österreichischen Armeen durch den siegreichen Einzug in die Kaiserstadt Wien den Krieg rasch zu seinen Gunsten beendigen zu können. Es schien sich zunächst alles nach diesem Plan gestalten zu wollen: Sachsen wurde erobert, die sächsischen Truppen der Pirna zur Übergabe gezwungen; es folgten Lowosttz und der ruhmreiche Tag vor Prag, wo der alteSchwernr den Heldentod starb, da zerstörte die blutige Niederlage von Kollin Friedrichs Pläne. Ringsum dre Feinde inbelten auf, und zu Wien glaubte man schon, den „Kurfürsten von Brandenburg" zu dein schmählich- ten Frieden zwingen zu können. Aber der preußische Löwe erwies sich trotz seiner Wunden stärker als die Schar der ihn und sein kleines, ausgesogenes Land gierig nmhenlenden Wölfe. Er erkannte, daß er seinen Vorstoß nicht mehr allein gegen den gefährlichsten Feind, das tapfere Österreich, richten konnte, und daß ans dein entschlossenen und kühnen Angreifer, vor dem schon Europa zu zittern begonnen hatte, der Verteidiger eines verhältnismäßig kleinen Stückchen Landes geworden war. Und so kam es. Jede Schlacht, die der größte Hohenzoller schlug, war trotz seines Angreifens eine ;Verteidigungsschlacht, jeder Sieg war . die Errettung des Königreichs Preußens, jede Niederlage war mit völliger Vernichtuna gleichbedeutend. Mit
Wiesbaden, Mautag, 24. August LKG8.
ZG. Jahrgang»
offizielle Zusammenkunft mit dem Staatssekretär des Innern v. Bethmann-Hollweg stattfand, geht ja zur Genüge hervor, daß hierbei nicht von den deutschen und englischen Flottenrüstungen die Rede gewesen sein kann, da hierfür weder Herr v. Bethmann-Hollweg in Deutschland noch Mr. George in England zuständig ist.
Im übrigen ist aber der Eifer überhaupt nicht^recht verständlich, mit dem diese Frage von englischer Seite erörtert wird, selbst wenn man in Erwägung zieht, daß die englische Regierung an dem Standpunkt des Zwei- Mächte-Standard fesihält, das heißt, es zur Sicherung der englischen Interessen für geboten ansieht, zur See den vereinigten Kräften der zwei bedeutendsten Mächte gewachsen zu sein. Tatsächlich ist diese von englischer Seite ausgestellte Forderung nicht nur erfüllt, sondern die Stärke Englands zur See geht darüber noch wesentlich hinaus. Zurzeit verfügt England, wenn man die seit 1889 vom Stapel gelaufenen Schiffe in Rechnung zieht, über 52 Linienschiffe mit einem Deplacement von 765 715 Tonnen und über ■ 84 Panzerkreuzer mit 408 426 Tonnen. Demgegenüber zählt die Flotte der Vereinigten Staaten von Amerika nur 25 Linienschiffe mit 370 586 Tonnen und 15 Panzerkreuzer mit 208 993 Tonnen. Dann folgt Deutschland mit 22 Linienschiffen von 260 020 Tonnen und 8 Panzerkreuzern von 79 980 Tonnen, Frankreich mit 17 Linienschiffen von 218 290 Tonnen und 16 Panzerkreuzern von 152 890 Tonnen, Japan, mit 11 Linienschiffen von 166 244 Tonnen und 11 Panzerkreuzern von 110170 Tonnen.
Die englische Flotte ist danach wesentlich stärker als die Flotten der nächst ihm stärksten zwei Mächte, wozu noch kommt, daß ein Zusammengehen von Deutschland mit der nordamerikanischen Union oder Frankreich oder Japan gegen England außerhalb jeder R e ch n u n g steht. Gerade die jüngsten Manöver der englischen Flotte in der Nordsee haben ja die Überlegenheit Englands zur See so deutlich gezeigt, daß wirklich G e s p e n st e r s e h e r e i dazu gehört, wenn man in England in der Wahnvorstellung lebt, daß die deutschen Flottenrüstungen gegen das Jnselreich gerichtet seien. An einen solchen Wettkampf denkt man in Deutschland nicht und kann man nicht denken, denn über das Ziel, einen Angriff auf unsere Küsten abzu- wehrcn, können Deutschlands Flottenrüstungen schon aus Rücksicht auf das starke Land Heer, das wir benötigen und das England sich sparen kann, nicht hinausgehen. Man sollte also in Großbritannien endlich auf hören, sich über die deutsche Flotte auszuregen. Was aber den Gedanken einer Begrenzung der Flottenrüstungen betrifft, so wäre Deutschland, ganz abgesehen von allen anderen Bedenken gegen einen derartigen Vorschlag, gar nicht in der Lage, auf ein solches Abkommen einzugehen, wenn es nicht ans alle Mächte ausgedehnt würde. An die Möglichkeit, das zu erreichen, glaubt aber kein ernsthafter Politiker, und in Erkenntnis dieser Tatsache sollte die englische Presse eine Diskussion begraben, die zwecklos und zu
gleich geeignet ist, die diesseits wie jenseits des Kanals angestrebte und erfreulicherweise von Erfolg begleitete Besserung der deutsch-englischen Beziehungen zu hemmen. ^
M. Berlin, 22. August. Heute besuchte der englische Minister Lloyd George den Betrieb der Allgemeinen Glektritzitätsgese lös Haft und empfing sodann mchrere Arbeitervertreter von Ortskrankenkassen und sonstigen Organen der Arbeiterversicherung, um mit ihnen die dervtische und die englische Sozialgesetzgebung zu erörtern. Wie zuverlässig verlautet, ist eS im Verlaufe seines Verkehrs mit den leitenden deutschen Stellen zu keinerlei Bciiprechnngen über eine deutsch-englische Verständigung in Sachen des Flottenbaues gekommen. Der englische Staatsmann ist mit keinem Vorschlag irgendwelcher Art Hervorgetretcn, noch viel weniger ist von deutscher Seite eine Anregung zu einem Gedankenaustausch über diese Frage ansgegangen.
hd. London, 24. August. Der Standard" wendet sich gegen die Meldung, daß eine Verständigung zwüchcn Deutschland und England über die gegenseitige Einschränkung der F l o t t e n r n st u n lg e n in Sicht sei. Weder der König noch Hardinge hätten in Cronberg irgend etwas gesagt, was als Einleitung zu einer solchen Verständigung gedeutet werden könnte. Die englische Regierung habe gar keine Abs i ch t, eine solche Verständigung anzustreben. Es sei Tatsache, daß man in Cronberg die Mottenlfrage berührt, aber nur, um freundliche Versicherungen über die Zwecke der gegenseitigen Rüstungen auszutaitschen.
. . ... . ■
Der Fall Schückmg.
Nur „krankheitshalber"?
Aus Schleswig geht der „Krenrzeitnng" die Nachricht zu, daß der dortige Regierungspräsident einen längeren Urlaub angetreten hat, um eine von ihm beabsichtigte Kur zu beginnen.
Wenn auch die Vorgänge, ldie zu diesem Urlaub geführt haben, nicht bekannt sind, so liegt doch die Vermutung nahe, daß die Beurlaubung im gegenwärtigen Augenblick nicht etwa nur dem Wunsche und dem E r - h o'lun g sb ed n rsnis des Regierungspräsidenten entispricht. Und daran wird auch ldie von zwei konlser- vativen Blättern erwähnte Tatsache nichts ändern, daß der Regierungspräsident eine von ihm beabsichtigte Kur beginnen wolle. — Die „Na-tionakzeitnng" schreibt in dieser Sache nach Information aus gut unterrichteten Kreisen u. a.:
„Es gewinnt den Anlschein, als wenn die Entwicklung, die die Affäre Schücking genommen hat, den leitenden Kreisen der Regierung sehr ungelegen gekommen sei. Daß die Dinge soweit gediehen sind, ist nicht zum mindesten der außerordentlichen Passivität des Ministers v. Moltke zuzuschreiben, der das rollende Rad ruhig weiter lausen ließ, anstatt ihm gleich
Kollin war alles in Frage gestellt. Und doch verzagte das Riesengenie noch nicht. Was in der Heldensecle dieses Mannes vorgegangen sein mag, als er nach dem Schlachttag die halbvernichteten Truppen an sich vorbeiziehen ließ und mit dem Krückstock Figuren in den Sand zeichnete — die Welt hat es zum Teil aus seinen späteren Taten erfahren. Kollin machte aus einem jungen, unwiderstehlichen Siegesgatt einen der größten Feldherren aller Zeiten, dessen Genie sich den Hannibal, Cäsar und dem späteren Napoleon ebenbürtig gcgen- überstellt.
Der eiserne Ring schloß sich enger und enger. Der Löwe erhob die Pranken und traf westwärts die Franzosen bei Roßbach. Dann wandte er sich rasch nach Süden und erfocht bei Leuthen den großartigsten aller seiner Siege. Aber im Osten stand eine Armee von 100 000 Russen, an deren Überzahl das Häuslein der Preußen zu zerschellen drohte. Und Friedrich hatte auch hier mit-einer großen, entscheidenden Schlacht gerechnet. Aber noch war es nicht dazu gekommen.
Im Januar 1757 hatte der Einmarsch der Russen in preußisches Gebiet begonnen. Kosaken und Kalmücken hausten in Ostpreußen grauenhaft. Ganze Dörfer wurden in rauchenden Schutt gelegt; russische Soldaten wüteten wie von perverser Blutgier besessene Banditen. Ihnen gegenüber war die gegen sie verschwindende Schar der Preußen machtlos. Endlich ließ sich der alte tapfere Haudegen Feldmarschall von Lehwaldt zu einer offenen Schlacht verleiten, in der an 30 000 Preußen gegen die dreimal stärkere Anzahl der Russen fochten. Die Schlacht bei Grotzjäqersdorf (30. August 1767) wurde verloren, und Friedrich hätte jetzt schon sein vernichtendes Schwert gegen die Russen richten müssen, wenn nicht einer jener Zufallsumstände eingetreten wäre, wie sie Friedrich dem Großen später noch manches Mal zur Rettung
wurden. Die Russen gingen fast fluchtartig zurück und ließen „ihre" Provinz Ostpreußen, die. Rußlands Zarenkrone hatte huldigen müssen, im Stich.
Das war so gekommen. Die Kaiserin Elisabeth von Rußland war ' auf den Tod erkrankt, und der. allmächtige Kanzler Bestuschew hielt die Fäden des Reiches in der Hand. Er spann eine seiner reizenden Intrigen, die diesmal nichts weniger bezweckte, als den Thronfolger und späteren Zaren Peter auszuschalten und seine Gemahlin Katharina, die anhaltinische Prin- zessin und spätere russische Kaiserin, auf den Zarcn- thron zu bringen. Zu diesem Staatsstreich bedurfte er jedoch der im Felde stehenden Armee und berief des- halb schleunigst den Grafen Apraxin mit seinen Truppen zurück. Es wäre wohl für Preußen alles besser gekommen, wenn Elisabeth, die den Preußenkönig wegen seiner beißenden Witze tödlich haßte, wirk- sich 'gestorben wäre. Aber sie wurde wieder gesund, entdeckte das Komplott, Verbannte Bestuschew und rief den Grafen Apraxin ab. An seine Stelle trat der tüchtigere Graf Fermor. der im Januar 1758 von neuem in Ostpreußen einrückte. Er nahm fast ohne Schwertstreich Königsberg, besetzte abermals die ganze Provinz und ließ noch einmal der Kaiserin Elisabeth huldigen. Dann faßte er den Entschluß, seinerseits durch einen Stoß auf das Herz des preußischen Staates dem Krieg und damit dem Königreich Preußen ein Ende zu machen.
Friedrich lag vor Olmütz, um sich mit dieser wichtigen Festung eine Einfallspsorte nach Österreich zu sichern. Aber die Wegnahme eines großen Proviantzuges hinter seinem Rücken zwang ihn, die wenig anssichtsvolle Belagerung aufzngeben, und er trat seinen berühmten Rückzug über die mährischen Berge an, der von vielen als feine glänzendste Strategentat gefeiert wird. Seine Anwesenheit im Olten der Monarchie
