Einzelbild herunterladen
 

Wiksbsikner Tsgblstt.

_ , _ _ Fernsprecher:

lOCtlAA Mattrtftfkffl «7* lilllSTi fffrhehit»nn\ *>QR« MfpSrtFftrtt» KO

Verlag Langgaffe 27.

Tagl>latt-Haus". Schalter-Halle geöffnet von 7 Uhr morgen» bis 8 Uhr abends.

23,600 Aboiincnten.

Breuas-Prcis für beide Ausgaben: So Pfg. monatlich durch den Verlag Langgasse 27. ohne Bringer­lohn. 2 Mk. Sv Psg. vierteljährlich durch alle deutschen Postanstali-ii. ausschließlich Bestellgeld. Bezugs»Bcstcllunacii nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die 5 Zweigstellen, sowie die

Ist Ausgabestellen IN allen Teilen der L-tadt; in Biebrich: die dortigen hg 'Ausgabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betrefscnden Tagblatt-Träger.

Anzeigen-Annahrne: Für die Abend-AuSgabe bis 12 Uhr mittags! für die Morgen-Ausgabe bis S Uhr nachmittags

2 Tagesausgaben.

Bering (Expedition; 2953, Redaktion 52, Druckerei 2266.

Rufzeit von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends.

SInreiaeu.NreiS illr die geile: IS Pfa. für lokale Anzeigen in,Arbeitsmarkt" undKleiner Anzeiger" ^ emheitticher Satzjorm; M Pfg. in davon abweichender SatzauSsühruna, sowie für alle übrigen kol-l-n Anzeigen: so Psg. für alle auswärtigen Azclg-n; 1 Mk. für lokale Reklamen, 2 Mk. ftir auswärtige Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung - Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen eutsvrechcnder Rabatt,

Für die Ausnahme spüter eingereichter Anzeigen in die nächsterschciuende Ausgabe wird keine Gewähr übernommen.

Nr. 341.

Wiesbaden. Nreitaa. 24. Juli 19©8.

56. ^aüraana.

Morgen ° Kusgabe.

1. Mccrtt.

Kürr Airgirst rrnö Septemöev

auf das

^Wiesbadener Tagblatt"

zu abonnieren, findet sich Gelegenheit

im VerlasTagblattharrs" Langgasse K7. irr den Zweigstellen der Ktadt,

in de,r AttsgabrstoUeir der Kladt nnd Rnchbnroete. und bei sämtliche»» deutsche» Zeichspo stau statten.

©Ine EWlejsMg Des MslhOers Mies ©antbmx?

Der französische Botschafter in Berlin, Jules Cam- bon, hat, wie wir schon kurz mitteilten, dem früheren französischen Unterstaatssekretär des Innern, Maurice Sarrant, für dieDöptzche de Toulouse" eine Unter­redung gewährt und sich darin über die deutsch-franzö­sischen Beziehungen ausgesprochen. Bon unserem Pa­riser C. Ü.-Mitarbeiter wird uns dazu geschrieben: Dre Erklärungen des Botschafters Cambon sind ebenso sehr interessant wegen ihres Inhalts als wegen der K o m - mentare, die sie in Paris gefunden haben. Sie haben folgenden Wortlaut: Keine ernste Schwierig­

keit trennt unsere Regierung von der kaiserlichen, und mein Eindruck ist ein durchaus optimistischer. Ich zweifle nicht und habe nie an dem _ guten Willen der deutschen Negierung gezweifelt, und ich habe, was mich betrifft, mit Beharrlichkeit danach gestrebt, offenes Spiel mit ihr zu spielen. Immer_die Wahr­heit sagen, dann ist man stark. Wir haben in Marokko eine schwierige, eine sehr schwierige Aufgabe. Man schiebt uns gar zu freigebig allerlei Hintergedanken unter, uild wenn sich uns eine Gelegenheit bietet, da­mit ein Ende zu machen, zu beweisen, daß sie unbe­gründet sind, sollen wir sie nicht beim Schopf fassen? Herr Pichon hat mit der größten Klugheit und Geschick­lichkeit gehandelt, indem er die Instruktionen des Ge­nerals dM rank bekannt gab. (Man weiß, was der General daraus gemacht hat!) Unsere Beziehungen zu D e u t s ch I a u d sind also so gut, tote ton' e S wünschen können. Will das besagen, daß wir gegen jede Schwierigkeit durchaus geschützt sind? sso weit gehe ich nicht! Die öffentliche Meinung, dre bei uns nervös und leicht zu beeinflussen ist, ist, es ebenso sehr in Deutschland. Aber für den Augenblick entdecke ich keinen Grund zur Beunruhigung; denn wir praktr- zieren nicht bloß keine Aggressivpolitik, gegen Deutsch­land nnd werden nie eine solche praktizieren, sondern wir werden auch fortfahren, ihm zu beweisen, wie wir es bisher getan haben, daß unsere Absichten und Hand­lungen loyal sind. Wollen Sie, daß ich Ihnen letzt meine Ansicht über den Hintergrund der Sache gebe? Nun gut, h ü t e n S i e s i ch v o r II l u,s r o n e n ! Frankreich (das ist zu seinem Ruhm nnd seiner Ehre) ist ein durch und durch edelmütiges Land; es leiht gern

KeRMetou.

Sülüenlenleben rm allen Jena.

Schon rüstet sich Jena, das bevorstehende Jubelfest seiner Universität feierlich zu begehen; zur rechten Zeit erscheint du unter dem Titel:Das alte Jena und seine Universität" bei Eugen Diedcrichs ein Buch von Ernst Borkowsky, das in anschaulichen lebendigen Schilde­rungen ein farbiges Bild gibt von dem alten Jena und dem Studentenleben vergangener Zeiten.

Es war nicht «röhr der Scholar des fünfzehnten Jahrhunderts, der in der neuen Universitätsstadt seinen Einzug hielt, nicht wehr der blasse strenge Jüngling mit dem langen Rvcke von duirkelsarbenern Tuch und der Kapuze, der in kalten dunklen Wintermorgen, um fünf, wenn die Nacht noch über dem Lande lag, zum Unterricht eilte und daheim mit einer Schar von Genossen gemeinsam in strenger Zucht wohnte. Das sechzehnte Jahrhundert hatte mit dem genossenschaftlichen Zuschnitt des Studentenlebens gebrochen, die neue Zeit löste die Persönlichkeit von der Gruppe, aus der klösterlichen Enge der Vergangenheit strebt der Studierende zur freien Bürgerlichkeit. Und mit der Umwandlung kommt über den Musensohn das Herrengesühl. Schon äußer­lich prägt cs sich aus. Mit einem Ruck ist der dunkle klerikale Dalar abgestreift und ent Überschwang an lustigen Farben bricht sich Bahn. Auffallend und reich kleidet sich der Bursch, keck und frei ist der Schnitt seiner Kleidung, und bald kommt es so weit, daß der Rektor durch besondere Kleiderordnung gegen die allzu üppigen Pluderhosen einschreiten muß. Aber die wechselnde Mode entwindet sich rasch der Fessel detaillierender Verord-

anderen die Gesinnungen, die es selbst hegt. Wenn es von universellem Frieden redet, bildet es sich ein, daß alle Welt friedliebend ist. Das stimmt für die deutsche Regierung, das stimmt für einen großen Teil des Volkes; aber das stimmt nicht für einen gewissen Teil der Bevölkerung, und nicht den w eni gst gut situierten, nicht den w enigst- tätigen, der sich mit einer gewissen Selbstgefällig­keit daran erinnert, daß der materielle Aufschwung Deutschlands vom Krieg 1870 herrührt. Man muß nicht Chauvinist sein, aber muß Patriot bleiben; der deutsche Schullehrer ist es bis zur Übertreibung. Er erzieht die gegenwärtige Generation im Kultus des Vater­landes. Dieses Gefühl tiefsten Patriotismus gibt dem deutschen Volk eine ungeheure Stärke. Wir dürfen es nicht in Frankreich verlieren, wenn wir nicht gleichzeitig zur Strafe untere Stärke uiid Größe verlieren wollen. Es gibt Tatsachen, die der Geschichte angehören und von denen man sprechen kann; es ist augenscheinlich, daß in Frankreich niemand an den Krieg denkt. Aber es ist auch augenscheinlich, daß unser , Land nicht eine jener verbrauchten und abgetanen Nation ist, die, ohne sich aufzulehnen, die ungerechteste Behand­lung erdulden würden. . . Hüten wir uns vor Träumen und Träumereien, die dem Spiel ihrer Ern- bildung die Ereignisse und Tatsachen unterordnen möchten.

DerEclair" sagt zu dieser Äußerung:,Wenn cm Parlamentarier oder Publizist Zweifel in die Friedens­liebe eines Teiles der benachbarten Bevölkerung setzt, würde das schon bemerkt werden. Aber in dem Mund eines Botschafters erscheint er zum wenigsten unerwartet, denn der Diplomatenberus legt außer­ordentliche Reserve auf, besonders bei einer so heik­len Frage, wie die mehr oder weniger kriegerischen Ge­fühle eines Landes gegen ein anderes. Herr Jules Cambon bezeichnet klar einen Teil der Bevölkerung, in deren Augen er wie eine unantastbare Persönlichkeit erscheinen muß, als feindselig gesinnt. Aber unkluger­weise schafft er sich gefährliche Schwierigkeiten, denn er setzt sich Antworten aus, die er , nicht dulden durfte und denen gegenüber er im Nachteil ist, wenn er nicht wirklich recht hat. Der gleichzeitig begründete Opti­mismus, der zu den guten Äußerungen semer Funktion gehört, wird nicht verhindern, die Aufmerksamkeit der verantwortlichen Persönlichkeiten zu erregen und zwei­deutige Kombinationen zu hintertreiben. Aber so nachdrücklich hören zu lasten, daß, wenn die deutsche Regierung korrekt ist, viele ihrer Untertanen es weniger sind, heißt das nicht, Konflikte säen, statt' Mißverständnisse zu verscheuchen? Jedenfalls beleuchtet das Zusammentreffen der offen- bav zwischen Herrn Cambon und Herrn Clemenceau verabredeten Kundgebungen gerade in dem Augen­blicke, wo Herr Falliäres nach,Reval fährt, merkwürdig die Hintergedanken einer Politik, die von London aus inspiriert wird und deren Spitze gegen Berlin ge­richtet ist. Die Brüder Cambon in Berlin und London sind zusammen so stark, daß, wenn ihre Politik nicht zum Nutzen des Staates wäre, sie fast eme Gefahr sein müßte. Ihre Worte haben Bedeutung!_

nungen. Die spanische Tracht findet in Deutschland Ein­gang, mit Freude ergreift der Student das Absonder­liche, weder Strenge noch Spott noch Mandate können ihn von derschändlichen, überflüssigen, übermäßigen, unförmigen und unflätigen" Tracht abbringen. Umc- Jahr 1600 sehen mir den Jenenser Bruder Studio mit einem hohen hutartigen Gestell aus schwarzem Samt aus dem Kopfe, über dessen schmalen Rand keck die rote Feder Hinausragt. Um den Hals legt sich die steife Krause, im engen roten Wams steckt der Oberkörper, auf dem Rücken ivirbelt das purpurrote Kragenmäntelchen, und in gestrickten Trikots stecken die Beine. Der Degen, trotz aller Unterdrückung Sieger, ist längst zum regulären Teil der Studententracht geworden, und locker in der Scheide trägt ihn der Musensohn an der Seite. Die ver­lockende Freiheit des studentischen Lebens vermehrt den Andrang der Jugend und bereits 1370 zählt Jena über lg>00 Studierende. Der Übergang von der Naturalwirt­schaft zur Geldwtrtschast hat das Leben verteuert; wußte der Scholar des Mittelalters mit 20 Gulden ein Jahr zu bestreiten, so kommt der Jenenser Student des 16. Jahrhunderts mit 100 Gulden im Jahre nur schwer ans, das Schulöcnmachen wird zur Tagesordnung, und mit ihm sprießt auch jenes Wucherertnm empor, das auch in Jena rasch zur Blüte kommen sollte.

Nicht allzncifrig drängen die jungen Herren zu den Quellen des Wissens. Zwar fehlt es nicht an heilsamen Verordnungen, die Stndiengang und Lebensführung regeln sollen; der Student wird angehalten, den Gottes­dienst regelmäßig zu besuchen, das Fluchen zu meiden und ein jeder unterstand einem inspector morum et studiorum. 1560 bestimmen die Statuten, daß Faule oevmahnt, später die Eltern benachrichtigt werden, und Widerspenstigen drohte die Entkernung von der Unioer-

UoMische Mersrcht.

DieTaktik der Redakteure".

R. Essen, 22. Juli.

Als Sondertaktik der Redakteure wurde auf einer sozialdemokratischen Parteikonferenz im Ruhrrevier der Standpunkt der Wahlenthaltung zwischen National- liberalen und Zentrum bezeichnet. Wie bekannt, wurde von einigen Parteiorganen scharf gegen die Genossen im Ruhrbezirk polemisiert, die in der Stichwahl für das Zentrum eingetreten waren, hauptsächlich mit Rück­sicht auf das Versprechen des Zcntrumskandidaten, für die Übertragung des Reichstagswahlrechts,auf Preußen und für eine Reform der Wahlkreiseinteilung einzu- treten. Die erwähnte Parteikonferenz, die vor wenigen Tagen in Werden abgehalten wurde, billigte das Ver­halten der Genossen im Ruhrrevier. Ein Antrag, dre entgegengesetzte Haltung des Essener Blattes , gutzu­heißen, wurde, trotzdem sich die Redakteure Limpertz- Essen und Gewehr-Elberfeld mit allemEifer für ihn ins Zeug legten, abgelehnt. Es dürfte übrigens öfters Vorkommen/ daß eine sozialdemokratische Redaktion vollbrüstia den Standpunkt der Genossen zu vertreten behauptest während die Genossen von diesem ihrem an­geblichem Standpunkte rricht das geringste wissen.

Die I«M;rrfor,noorüage.

In Dosen wird der Inhalt der Justizreformvorlage der Öffentlichkeit mitgeteilt. Die ersten Mitteilungen brachte bekanntlich dieCöln. Ztg.". Aus einer zweiten Quelle verlautet nun, daß der Zcugniszwang gegen die Presse nur noch in dem Falle statthaft sein solle, wo es sich um Verbrechen handelt. Auch das ist natürlich ein erheblicher Fortschritt. Überhaupt ist das Erreichte nach den bisherigen Mitteilungen (die ja Wohl als authentisch gelten dürfen) so bedeutsam, daß cs schwer­lich durch anderweite, noch nicht bekannt gewordene Mängel paralysiert werden kann. Trotzdem wäre die Veröffentlichung der drei Vorlagen (Novelle zum Ge­richtsverfassungsgesetz, neue Strafprozeßordnung urrd Einführungsgesetz) in extenso wünschenswert. L-ie läßt hoffentlich nicht mehr lange auf sich warten.

Moltke iivrv feUrdlrchs Trmpper»randrmgeri- an der denischrn Kiistr.

Die englischen Flottenmanöver, speziell der Besuch von Esbjerg an der iütischen Westküste durch einen Teil der englischen Flotte haben das Interesse an der Frage angeregt, inwieweit wir durch eine Landung feindlicher Truppen an unseren Küsten bedroht sind und wie wir ihr entgegentreten können. Von be­sonderem Werte dürften in dieser Frage das ürteil und die Darlegungen unseres großen Strategen Moltke sein, der sich seinerzeit eingehend hiermit beschäftigt hat. Seine Ausführungen treffen auch heute noch den Nagel auf den Kops. Die wesentlichsten Gesichtspunkte, die der Feldmarschall hervorhob, sind, wie uns unser militärischer Nr.-Mitarbeitcr berichtet, folgende: Neben einem starken Landheer ist eine bedeutende Seemacht das hauptsächlichste Erfordernis. Ein Krieg gegen

sitüt. Aber die Verordnungen standen auf dem Papier und Übertretungen waren die Regel. Bald war Jena kein friedliches Zarpath mehr, wo stille Propheten von mildherzigen Matronen gespeist wurden. Die Bürger nahmen gute Miets- und KostpKisc, die Wohnungen waren rar, unö wo früher Stille unä Frieöe geherrscht hatte, tönte jetzt Lärm und Gesang. Markt nnö Gasse hallten wider von dem frohen Betätigungsdrang eurer genußfrohen und übermütigen Jugend. Die müde Wissenschaft läßt den Studenten Kraft genug, um den Pokal des Lebens mit wildem Jubel zu lecrerr. Das Nachtgc'schrci, die grassation.es nocturnae, das Fenster- eimwerfen urid tausend andere Ausflüsse jugendlicher Nnbündigkeit werden zur Regel. Frische fröhliche Raus- lnst läßt die Musensöhne mit den jungen Bürgern bald zuisammengeraten, alle Augenblicke kommt es zu Zank und Streit, selbst mit den Bechern gerät man zusammen, und einmal wird gar der Rektor verwundet, als er her- bereilt, einen Streit zu schlichten. Keck drängen sich die Studenten ein in die Hochzeiten, die im Rathanse ge­feiert werden, und im Wettkampf um die Gunst der Bürgerstöchter kommt es mit den Stadtsöhnen zu aller­lei Zank und Rauferei. Beim Tanzen erregen die Jenenser Studenten Ärgernis durch ihre Unart des Albstoßens und Verdrehens". Keine Geldstrafen fruchten und keine Statuten können die überquellende Lebensfreude dieser kraftstrotzenden, wilden Jugend dämpfen. Der derbe Geist einer groben und trinkfrohen Zeit ergreift auch die Studenten: umsonst hagelt es Paragraphen und Statuten, die dasVollsaufen und Volltrinien" verbieten. Jede feierliche Handlung des Löbens wird zur Festmahlzeit, und wie die Magister- promotion durch ein Ehrengelage gefeiert wurde, so hat man setzt seine Aristoteles-Frühstücke, feine Absolutions-,