^ Veite S. Donnerstag, 23. Jrrki 1808.
GerZchLsskml.
* Von der Aufsichtspflicht der Eltern. Nach 8 882 8GB. sind die Eltern zum Ersatz des Schadens verpflichtet, den die ihrer Aufsicht unterstehenden minder- fahrigen Kinder einem Dritten widerrechtlich zufügen, sofern sie nicht den Nachweis bringen, daß sie ihrer Aufsichtspflicht genügt, oder der Schaden auch bei gehöriger Anfstchtsfüyrung entstanden sein würde. Dieser Ent- lastungsbcweis ist, wie nachstehender Fall wieder einmal lehrt, sehr schwer zu erbringen und soll daher Eltern Und Vormünder eine Warnung sein, ihre minderjährigen Kinder und Mündel derartig zu beaufsichtigen, daß sic Änderen Personen keinen Schaden zufügen können. Der minderjährige Sohn der Eheleute Sch. zu Dusemond an j&er Mosel drehte eine Rübenschneidemaschine, während ein anderer Junge, namens O., Rüben in dieselbe warf. j%l8 O. mit seiner rechten Hand die Rüben in der Richtung auf die Zerkleinerer zu nachschoö, hatte Sch. weiter gedreht und dadurch bewirkt, daß die Zerkleinerer die Hand des O. erfaßten und verletzten. O. hat hierauf, gestützt auf Len Eingangs erwähnten 8 882 BGB., öle .Eheleute Sch. auf Ersatz des ihm durch die Verletzung entstandenen Schadens verklagt. Der 8. Zivilsenat des Kölner Oberlandesgerichts hat durch Entscheidung vom 20. Juni L. I. die Beklagten zum Ersatz der durch die ^Verletzung entstandenen ärztlichen Kosten verurteilt pnd diese Entscheidung im wesentlichen wie folgt begründet: Da den Beklagten kraft Gesetzes die Führung sind Aufsicht über ihren minderjährigen Sohn zusteht, so sind sie gemäß 8 882 Satz 1 BGB. für den Schaden verantwortlich, den dieser dem Kläger zugefügt hat. Den nach Satz 2 des § 882 BGB. zulässigen Entlastungs- veweis, den Beklagte angetreten haben, indem sie behaupten, daß der beklagte Ehemann den ganzen Tag jaußerhalb des Hauses beschäftigt und auch die beklagte /Ehefrau namentlich zur Zeit des Unfalles mit häuslichen Arbeiten in hohem Matze so in Anspruch genommen gewesen sei, daß sie ihren Sohn nicht auf Schritt und Tritt habe bewahren können, ist nicht ausreichend, um sie von ihrer Haftpflicht zu befreien. Die Beklagten hätten -ihrem Sohn zum mindesten die Benutzung der Maschine ohne Beaufsichtigung Erwachsener verbieten, auch aus die Jnnchaltung dieses Verbots achten müssen.
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Vermischtes.
* Eulenburg dichtet weiter! Charakteristisch für den .Fürsten Eulenburg ist folgende kleine Begebenheit, die dem „Pester Lloyd" aus Berlin berichtet wird: „Auf einen der letzten Tage während der Prozetzverhan-dlung fiel die Wiederkehr des Todestages der Mutter des Fürsten. Der Fürst sprach mit seiner Umgebung mehrfach über feine Mutter und machte am Nachmittag, als .er von der Verhandlung -zurückkehrte, noch ein Gedicht rum Andenken an seine verstorbene Mutter."
! ipc. Der Kellner als gräflicher Bräutigam. Die vornehme Pariser Gesellschaft hat an dem Roman der Frau Gevmaine de Bauolles wieder reichlichen Gesprächsstoff. Frau von Bauolles ist eine bildhübsche uud reiche junge Dame aus altem Adel, die schon seit längerer Zeit von ihrem -Manne -geschieden lebt. Vor kurzem lernte sie in einem vornehmen Salon den Grafen de Morogat kennen, her sie durch sein elegantes Auftreten und seine vornehme Erscheinung faszinierte. ES dauerte nicht lange .und Frau von Bauolles verlobte sich mit dem Comte, her ihr von seinen großen Reichtümern und seinen prächtigen Schlössern mancherlei zu erzählen wußte. Gar bald fühlte er sich in den fürstlich ausgestatteten Appartements seiner Braut sehr heimisch. Er flößte ihr so viel Vertrauen ein, daß sic keinen Anstand nahm, ihm nach -und nach ungefähr 80 000 Frank zu leihen. Eines Tages verhielt sie einen anonymen Brief, in welchem ihr Bräutigam der Untreue beschuldigt wurde. Es kam infolgedessen zu einer Heftigen Szene zwischen beiden, und Frau jvon Banollcs wies ihrem Bräutigam die Tür, allerdings in der Hoffnung, daß Comte de Morogat zu ihr, die ihn so liebte, wieder zurückkehrcn würde. Dem Grafen war allerdings der Schmuck im Werte von 48 000 Frank, den ;er aus einer Kassette genommen hatte, jedenfalls viel -lieber. Und vergeblich sehnte sich die einsame Braut nach ihm, bis sie schließlich darauf kam, daß mit ihrem Bräutigam auch ihr -ganzer Schmuck verschwunden war. -Nun machte sie bei der Polizei die Anzeige, und der verhaftete edle „Graf" entpuppte sich als der bereits vier- mal -wegen Diebstahls bestrafte Kellner Rcnv Longe.
* Das schwache Geschlecht. Herr Jules Bazct, ein junger Bankbeamter, flanierte unlängst in der Ruc des Gardes in Paris, als er zwei hochelegant gekleidete Damen von zierlicher Gestalt und reizendstem Gesicht traf. Er machte die Bekanntschaft der hold errötenden Schönen und bat die Damen, die sehr ängstlich und schüchtern veranlagt zu sein schienen, seine Gastfreundschaft in seiner Wohnung anzunchmeri. Kaum hatte der Ahnungslose die Tür hinter seinen Besucherinnen geschlossen, als sie ihn mit muskulösen Armen, aus denen es kein Entrinnen und Befreien gab, umklammerten. Ein schnell in den Mund des Opfers geschobener Knebel hinderte den überfallenen am Schreien. Die eine der Damen zog dann ans ihrem Mieder einen langen Strick, und der arme Bankbeamte wurde in aller Form gefesselt. Nunmehr machten sich die Gaunerinnen in aller Seelenruhe an die Ausplünderung der Wohnung. Sie stahlen Wäsche, ungefähr 500 Frank bares Geld, eine goldene Taschenuhr und andere Schmucksachen. Dann entfernten sie sich ruhig und wünschten mit dem reizendsten Lächeln von der Welt dem Wehrlosen viel Amüsement. Nach einer Stunde verzweifelter Anstrengung gelang es dem Gefesselten erst, sich der Stricke zu entledigen und Anzeige bei der Polizei zu erstatten.
\ Kleine ffiImmilt.
• Eine blutige Liebestragödie spielte sich gestern abend ,it Berlin im Hinterhause Grtevenowstraße 14 ab. Dort drang der 20jährige Friseur Meier in die Wohnung seiner Geliebten, die bet ihren Eltern wohnte, und *
Wiesdaderrer T-rgblntS.
richtete einen Revolver auf das Mädchen. Ein Hausbewohner kam noch rechtzeitig hinzu und stieß ihn an den Arm, so daß der Schuß fehl ging. Meier richtete dann die Waffe gegen sich und drückte ab. Er war sofort tot. Das Motiv ist verschmähte Liebe.
Opfer der Havelses». Infolge eines Bootsunfalles auf der Havel ertranken drei Berliner Ausflügler. Zwei Insassen wollten ihre Plätze wechseln. Hierbei verlor das Boot das Gleichgewicht und kenterte.
Znm Beelitzer Rutomobilnnglück wird noch gemeldet: Das Befinden des bei dem Unfall so schwer verletzten vr. Oechelhänser ist erfreulicherweise ein über alles Erwarten günstiges. Es besteht nach Ansicht der Ärzte die bestimmte Aussicht auf -baldige völlige Genesung. Die Schmerzen haben bedeutend nachgelassen, der Patient ist fast fieberfrei.
Internationale Geldschrankknacker haben nachts in dem Geschäftshaus der Bittoria-Lebensversicherung in Hamburg den Gelöfchrank vermittels Pulvers gesprengt und um 1200 M. beraubt. Am Tatort fanden sich mehrere leere Pulverüütcn und -eine Handtasche mit Diebeswerk- zeUgen. Die Einbrecher sind verschwunden.
Entsprungen. Aus dem Gerichtsgefängnis in Elbing entflohen zwei Gefangene, die längere Strafen verbüßten.
Todessturz. Der Wiener Tourist Lügmci-er stürzte vom Zeiritz in Obersteier ab und war sofort tot.
Ein Güterzug in Flamme«. In der Nähe von Carrasta geriet ein Güterzug in Brand: -der Verkehr auf der Linie Saragossa ist unterbrochen.
Vergwerksunsall. In den den Rykow-SHächten in Jusow-ka benachbarten Kohlengruben erfolgte eine Explosion. Drei Perisonen wurden getötet und drei verletzt.
Eiscnbahnuufall. Der Kleinba'hnzng von Chateau- Persien nach Moncornet ist entgleist: fünf Personen wurden -getötet und vier verletzt.
Der Chor der Milliouärstöchter. Diese Woche wird in einom Theater in Chicago eine Vorstellung gegeben werden, deren materieller Betrag zu wohltätigen Zwecken bestimmt ist. In dem „Die Piraten von Penzance" betitelten Stücke wirken im Chor nur Millionärstöchter mit, deren Mitgift von einom Chicagoer Journalisten auf 200 Millionen Mar-k ausgerechnet wurde, was ungefähr genügen würde, die neue russische Anleihe zu bezahlen.
Klingclleitungen statt Polizisten. Salt Lake City, die durch die Mormonensekte berühmte Hauptstadt des Staates ü-tah in Amerika, zeichnet sich seit kurzer Zeit durch eine originelle Einrichtung aus. Nirgends ist ein Polizist sichtbar, dafür befinden sich an den Ecken Meldekästen mit Klingelleitung, durch die man die Wächter der öffentlichen Ordnung, ähnlich wie bei uns die Feuerwehr, herbeirufeu kann.
S-chiffsnnfall. Der bei Point Conception gestrandete Kos-moSdampfer „Anubis" ist nach einer Meldung der Lloyd Agentur leck gelaufen. In zwei Räumen des Schiffes brach Feuer ans. Die Ladung wurde über Bord geworfen.
Letzte Nachrichten.
Grete Beier hingcrichtet.
wb. Frciberg, 28. Juli. Heute morgen 6% Uhr fand auf dem Hofe des Landgerichts die Hinrichtung der Grete Beier durch den Landesscharfrichter Brandt statt.
Depeschenbureau Herold.
Rom, 28. Juli. N a s i ist gestern in Trapani eingetroffen, wo ihm von der Bevölkerung ein begeisterter Empfang bereitet wurde.
Genf, 23. Juli. Der König von Italien passierte geistern nachmittag Genf auf dem Wege nach dem großen St. Bernhard. In seiner Begleitung befinden sich nur zwei Adjutanten. Er wird auf dem St. Bernhard mit der Königin zusammentreffen und gemeinsam mit ihr nach Turin zurückkehren.
Barcelona, 23. Juli. Telegramme aus Venedig, welche in karlistisch-en Kreisen eingetroffen sind, berichten, daß der Zustand von Don Carlos seiner Umgebung Anlaß zu Besorgnissen gibt. Er soll, wie verlautet, an Krebs leiden.
wb. Krakau, 23. Juli. Aus allen Teilen Galiziens kommen Nachrichten über große Hochwasserschäden. Das Getreide ist knapp vor der Ernte fast überall vernichtet worden. Befürchtungen wegen einer Hungersnot werden laut.
wb. Paris, 23. Juli. Der Bischof von Bcauvais stiftete eine kirchliche Orde n saus z eich nun g, die als Belohnung für besonders eifrige und opferwillige Diözesenangehörrge dienen soll. Der Orden, der aus einem Emailkreuz an rotem und grünem Bande besteht, wird jedoch nur während der Gottcsdicnstzeremonic im Innern der Kirche getragen werden.
wb. Paris, 33. Juli. In Crain bei Paris jagte sich der Volksschullehrer Quentin während des Unterrichts in selbstmörderischer Absicht eine Kugel durch den Kopf und verletzte sich lebensgefährlich. Die Beweggründe zur Tat, die unter den Schulkindern eine große Panik hervorrief, sind unbekannt.
wb. Quebck, 22. Juli. Der Prinz von Wales ist zur Teilnahme an der Dreihundertjahrfeier der Stadt Quebel heute hier eingetroffen.
Ketztc Saudefsuachrichreu.
Telegraphischer Kursbericht.
lMitaeteilt vom Bankhaus Pfeiffer u. Ko.. Langgaffe 16.)
Frankfurter Börse. 23. Juli, mittags 1214 Uhr. Kredit- Aktien 194, Diskcmto-Komnmndit 170.50, Dresdner Bank 136.10, Handelsgesellschaft 159.20, Staatsbahn 148.10, Lombarden 22.40, Baltimore und Ohio 90.50, Gelfenkirchcn 188, Bechnmer 213.70, Harpcner 196.50, Norddeutscher Lloyd 92.50, Hamburg-Amcrika-Paket 108.50. Tendenz: still.
Abend-Ausgabe,
Nr. 340.
Dienststelle Frankfurt a. N.
(Meteorologische Abteilung des Physikal. Vereins.)
WLttEeNorQLLfKge
airsgcgeben am 23. Juli:
Morgen wechselnde Bervölk««g, stellenweise Negeuschancr, Temperatur unverändert, östliche Winde.
Genaueres durch die Frankfurter Wetterkarte (monatlich 50 Pf.), welche am ,.Taablatt»Haus" Langgasse 27 täglich angeschlagen wird.
Die Wettervoranssuve ist außerdem in der Tagbiatt-Hauvt-Agentur Wilhclmstraßc 6 und in der Tagblatt-Zweigstelle Bismarckring 29 täglich ausgehängt.
Meteorolog. Beobachtungen. Nation Wiesbaden.
22. Juli.
7 Uhr morgens
2 Uhr nachm.
9 Uhr abends.
Mittel.
Barometer aufO" u. Normal- schwere .
756.8
755.6
755.4
755.9
Barometer a. d. Meeresspiegel
760.9
765.6
765.5
766.0
Thermometer (Celsius) . .
14.5
18.8
14.7
15.7
Dunstspanmmg (Millimeter)
7.1
9.8
10.5
9.1
Relative Feuchtigkeit C/o)
57
60
85
67.3
Windrichtung.
C. 1
0
—
NiederscklaqShöhe (MillimA .
—
—
—
Höchste Temperatur (Celsius) 19.4. — Niedrigste Temperatur 11.5
Auf- und Untergang für Sonne (G) und Mond (<l).
(Durchgang der Sonne durch Süden nach mitteleuropäischer Zeit.)
Juli. ' 24.
im Süden Uhr Min.
S
Aufaang Uhr Min.
Untergang!- Aufgang -Untergana Uhr Mi».!-Uh r Mi n.-Uhr Min.
12 33 4
46 j8 20||1 26 V. j 5 33N.
GLfchafMche§.
Ls existieren
Nachahmungen
der altbewährten
HÄGGl-Wörze
mit dotn Kreuzstern
Man vc-nsnIv aaner vsrm tinftaur ausdrücklich RIAG 51 S Würze und lasse sie auch nur in MAGGl-Häschchen nächsten» da in diese gesetzlich nichts anderes als echte fäAQGl-Würze gefüllt werden darf.
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Saufende werden jährlich s'SUt:
ausgabt durch thcurrs Amwnrirrn in zweifelhaften In. sertionsorganen. wer zur Erzielung geschäftlichen Gewinnes sich des Inserats wirkungsvoll bedienen will, prüfe daher eingehend die massenhaft anftanchenden Angebote von pnblicationsmittelr, und verschaffe sich vor Lrtheilung eines Auftrags ;usterlafstgx Auskunft über folgende beachtenswerthe Hauptpunkte: Wie wrfj erstreckt sich die Verbreitung? Iß die Verbreitung ganz oder
theilweise nachweisbar? lvas spricht für das Gelesenwerdrn des Inserats? welchen Krrisrn gehören die Leser an? Können riffermäsjige Angaben Über die Zahl der Bezieher des Insertionsorgans gemacht werden? wenn nicht, warum nicbt? wie ist die typographische Ausstattung des angcbotenen publicationsmittels? wie das Arrangement der Anzeigen? Können Muster vorgelcgt werden? wie stellt sich der Preis gegenüber anderen, notorisch erfolgreichen vcröffentiichungs. Mitteln? — Können befriedigende Auskünfte auf obige Fragen Nicht gegeben werden, so kann cs für den kaufmännisch rechnenden Empfänger gewisser Insertionsofferten nicht zweifelhaft sei», wie er sich denselben gegenüber zu verhalten bat, will er sich nickt nachträglich den Vorwurf machen, er habe
L znm Lenker hinausgeworfen!!
Air Ab,r:d-A«s§Klrs irmflM 8 Seiten.
Leitung- W. Schulte vom Brützl.
Brrantwortlickier Redakteur lür Politil: 31. HcgerHvrst; für das Feuilleton: 8- B>: SB. Müller- für Wiesbadener Nachrichten und Sport: C Nniherdl: Tür Nasiauilche Nachrichten, All» der Umgebung, Bcrmi'chteS Mid L,richrs!a-!: H. Diesenbach: lür die Anzeigen und Reklamen: H. Dornaus: sämtlich in Wiesbaden.
Druck und Bering der L. Schcllendergsqen Lost Buchdrucker« i» Wiesda»«
