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Nr. 311.
Wiesbaden, Dienstag, 7. Juli 1908.
56. Jahrgang.
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Die wirtschaftliche Bedeutung des Deutschtums im Anstande
wird in einem Aufsatz der Schulvereins-Monatsschrift „Deutschtum im Auslande" in einleuchtender Weise dargetan. Wenn wir dafür Sorge tragen, so. heißt es da, daß die Millionen Deutscher in der Fremde ihr Volkstum bewahren, so pflegen wir damit nicht nur die Errungenschaften unserer deutschen Gxisteshelden, sondern wir fördern zugleich auch die wirtschaftlichen Interessen unseres Vaterlandes. „Gleiche Nationalität" sagt Wilh. Roscher, „ist im Welthanöelsbetriebe gleichbedeutend mit der Vorhand tm Handel." Hätten wir nicht überall in der Welt unsere deutschen Ausgewanderten sitzen, die als selbständige Kaufleute, als Agenten, Reisende oder Konsumenten dem Absatz der deutschen Ware den Boden bereiten, so stände es nicht so glänzend um unsere Ausfuhr, denn es ist ein altes Gesetz, daß der Handel der Flagge nicht nur, sondern vor allem der Sprache und dem Volkstum folgt. Welcher deutsche Geschäftsmann, der z. B. nach der Schweiz -exportiert, wüßte nicht, daß er in dem französischen Teile dieses Landes verhältnismäßig wenig, im italienischen fast gar keine Geschäfte macht, während die Ausfuhr aus unserem Reiche nach der deutschen Schweiz sich auf mindestens 300 Millionen Mark beläuft? In den überseeischen Gebieten ist's nicht anders. — Für die Erhaltung des eigenen Volkstums in der Ferne ist das wirksamste Mittel die Schule. Diese Erkenntnis ist es in erster Linie, nicht etwa nur nationaler Idealismus, die andere Staaten, wie Frankreich und Italien, alljährlich große Summen für ihre Auslandsschulen answenden läßt. Auch unsere Reichsregierung hat die für das deutsche Schulwesen im Auslande bestimmten Gelder wiederholt erhöht. Allein diese Hilfe reicht bei weitem nicht aus, das Bedürfnis auch nur notdürftig zu befriedigen. Handelt es sich gar um Neugründung deutscher Schulen, dann ist man allein arrf private Fürsorge angewiesen, denn das Auswärtige
FemÄeton.
Das Motorluftschrff in der Marine.
Die phantasicvollen Schilderungen von Zukunfts- schlachten -auf hoher See, die in letzter Zeit immer häufiger werden, gipfeln fast -alle in einer Ausmalung der verheerenden Folgen, die das Eingreifen der Lustschisse in den Kampf nach sich zieht. Angesichts dieser Übertreibungen -hat es ein besonderes Interesse, die sachlichen uttd alle bisherigen Fortschritte in der Motorlustschiss- fahrt sorgfältig berücksichtigenden Erwägungen kennen zu lernen, -die in einem langen Artikel über die Verwendbarkeit von Ballon- und Motorluftschiss in der Marine in der vom Reichs-Marincamt her-aus-g eg ebenen „Marine-Rundschiiu" angestellt werden. Wir entnehmen dem Aufsatz einige Ausführungen über das Motorluft- fdfjtff, das in diesen Dagen der Aufstiege Zeppelins im Mittelpunkt des Interesses steht.
Bei den einzelnen Verwendungsmöglichkeiten von Gallon und Motorluftschiff für die Seekriegführung, z. B. bei der Aufklärung, wird es sich auf absehbare Zeiten stets nur um ein Hilfsmittel, um eine Ergänzung der Tätigkeit der dem Wesen der See in allem angepatzten und daher für die Seekriegführung das natürliche und geeignetste Kampfmittel bildenden Schisse aller Art handeln. Die Verwendbarkeit des Ballons wie des Motorluftschiffes, die im allgemeinen außer Zweifel -steht, wird aber mehr als zu Lande durch die Witter-ungsvcrhältnisse, Nebel- -und Windstärke beeinflußt. Gestattet das Wetter ein Einsetzen von Ballon, und Motorluftschiff, so ist die Beobachtungsnrögltchkcit infolge staubfreier, klarer Luft und Fortfall der Beobach-
Amt greift erst dann ein, wenn es sich um bereits bestehende unabhängige Schulen handelt, für deren Bestand sichere Gewähr geboten ist. Wenn auch der Allgemeine Deutsche Schulvcrein zur Erhaltung des Deutschtums -im Auslande in den 27 Jahren seines Bestehens wohl mehr als drei Millionen Mark seinen Zwecken zuführcn und dadurch einer großen Zahl deutscher Siedlungen im Ringen um ihre nationale Existenz helfen konnte — ein Blick auf andere Länder lehrt, daß hier noch ganz andere, von privater Seite aufgebrachte Mittel znr Verfügung stehen. Die „Alliance frangaise", die italienische „Lega nationale" und der Kampfverein „Dante Alighieri" gebieten über beträchtliche Summen. Selbst das kleine Volk der Tschechen bringt für seinen Schulverein jährlich mehr als 700 000 Mark auf. Die Wichtigkeit der Schule für die Eroberung des Marktes fangen auch die sehr praktischen Amerikaner an einzu- sehcn. Der Generalkonsul der Vereinigten Staaten in Rio de Janeiro fordert, da weder der panamerikanische Kongreß noch die Vorzugszölle für amerikanische Waren bis jetzt den erhofften Nutzen gebracht haben, die Entsendung von Lehrkräften nicht nur für den allgemeinen, sondern auch für den gewerblichen- und landwirtschaftlichen Unterricht. In Argentinien sehen wir das gleiche Vorgehen. Daß man auch in unseren industriellen und kommerziellen Kreisen, wenn auch noch lange nicht in allen, hie eminent praktische Seite der Bestrebungen zur Erhaltung des Deutschtums anzuerkennen beginnt, dafür liegen einige erfreuliche Beweise vor. Mit besonderer Genugtuung darf da auf den Jahresbericht der Hamburger Handelskammer für 1904 verwiesen werden, in dem es heißt: „Die Erhaltung und Förderung des Deutschtums liegt nicht nur im nationalen Interesse, sondern ist zugleich von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Der Nutzen, den die deutschen Auslandsschulen in nationaler und kultureller Beziehung bewirken, kommt daher dem deutschen Handel mit zugute. In dieser Erkenntnis haben wir daher bei den ham- vurgischen Behörden beantragt, die Bestrebungen der hiesiges Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Schnl- veretns durch Gewährung eines Zuschusses zu fördern. Wir halten cs für eine Aufgabe Hamburgs, als des Hauptplatzes für den überseeischen Handel Deutschlands, die idealen Bestrebungen des Vereins nach Möglichkeit zu fördern, nicht minder aber auch für eine Pflicht des hamvurgischen Handels, in Anbetracht der materiellen Forderung seiner Interessen tatkräftig das Wirken des Vereins zu unterstützen. Wir möchten daher bei dieser Gelegenheit die Aufmerksamkeit der Kaufmannschaft auf den Verein lenken, der unseres Erachtens weit mehr als bisher in den Stand gesetzt werden sollte, seinem Wunsche, dem deutschen Handel Pionierdienste zu leisten, nachzu- kommcn." Diese Anregung der Hamburger Handelskammer hat den Erfolg gehabt, daß Senat und Bürgerschaft dem Schulvcrein einen Zuschuß im Betrage von jährlich 8000 M. bewilligt haben. Ebenso hat die Hamburger Filiale der Deutschen Bank seit zwei Jahren eine jährliche Unterstützung von gleichfalls 6000 M. dem Verein zugehen lassen. Möge dieser Vorgang in der weitblickenden hanseatischen Kaufmannschaft Nachfolge finden.
tungser-schwerung durch Gelände-Hindernisse zur See eine günstigere als zu Lande, die Beobachtungsweite eine ganz erheblich größere als hier. Fesselballon und Motor- luiftsch'ff würden in erster Linie der Erkundung dienen. Das Motorluftschffs könnte bei seinem heutigen Stande vielleicht auch eine beschränkte Verwendung als Waffe finden. Beide werden dauernd nebeneinander notwendig bleiben und sich vorteilhaft ergänzen. Dem Fesselballon wird auch in Zukunft die unmittelbare Nah- auifklär-ung zusallen, dem Motorluftschiff die Ergänzung der Nahaufklärung, sowie die Fernaufklärung. In erster Linie werden beide bei dem heutigen Stand ihrer Entwickelung an -der Küste, im Hafen oder vor einem Hafen nutzbar sein und besonders bei der Blockade oder bei dem Angriff auf einen befestigten Küstenplatz eine Rolle spielen können. In Betracht kommen werden -u. a.: Beobachtungen einer blockierten Flotte oder eines Blockadegeschwaders, z. B. der Abmarschrichtung am IlDenö, etwaiger Minenopcrationen usw., Beobachtung und Leitung des Artilleriefcuers, Feststellung von Küstenbefestigungen. Für Hochseeoperationen wird -die Verwendung von Ballon und Motorlustschisf bei dem heutigen Stande der Frage noch kaum in Betracht kommen. Bor allem wird zu längerer Operation auf See der Aktionsbereich des Luftschiffes noch nicht hin- reichen, und bei Verwendung eines Ballons oder Motor- lnftschiffes vom Schiff aus liegen die technischen Fragen schon schwieriger. Hier sind besondere Einrichtungen für Füllungen, Montage, Hochlassen und Einholen, sowie ferner für die Sicherheit des verankerten, d. h. gefüllt aufbewahrten Ballons oder LNftschiffes erforderlich. Da sich diese Einrichtungen wegen der störenden Takelage und der sonstigen Aufbauten schwierig und allenfalls als Notbehelf nur vereinzelt auf großen Kriegs-
Politische Übersicht.
Ulmre Airsban des Snerk-rnals.
n. London, 2. Juli.
Wie bekannt, ist der englische Staat Besitzer der Majorität der Aktien des Suezkanals und verwaltet ihn sozusagen von Staats wegen — bei der Bedeutung, die der Kanal für den Seeweg nach Indien hat, ist dieses Interesse Großbritanniens ja auch leicht begreiflich. Nun hat sich in den letzten Jahren mit der Vergrößerung des Deplacements der Kriegsschiffe deren Durchfahrt durch den Kanal immer schwieriger gestaltet und es erweist sich als notwendig, ihn auszubauen. Auf eine Anfrage hin hat Sir Edward Grey, der Minister des Auswärtigen, im Unterhaus folgendes ausgeführt: „Im Berichte der Suezkanal-Gesellschaft an ihre Aktionäre für das Jahr 1907 ist betont worden. daß ganz bedeutende Bauten notwendig werden, um den Kanal zu vertiefen und zu erbreitern, und ihn so in einer Verfassung zu erhalten, welche seinen Gebrauch für die ständig an Große wachsenden Fahrzeuge sicher stellt, die ihn benutzen. Die T i e f e des Kanals ist zurzeit an keiner Stelle geringer als 28 Fuß, und es ist beabsichtigt, diese Tiefe auf durchweg 36 Fuß zu er- höhen. Im Jahre 1903 soll mit den Arbeiten begonnen werden; sie dürften etwa 5 Jahre dauern. Da die l>e- absichtigten Vergrößerungen des Kanalprofils sehr erhebliche Kosten verursachen werden und auch die Vollendung des neuen Docks in Port S-aid große Summen erheischt, kann eine weitere Herabsetzung der K a n a l g e b ü h r e,n bis zur Beendigung all' dieser Arbeiten nicht in Aussicht gestellt werden. Übrigens sind die Einnahmen aus diesen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um mehrere Millionen Frank geringer, als sie im Vorjahre waren; auch aus diesem Grunde verbietet sich zurzeit eine Abänderung des Tarifes." Eine Debatte über diese Antwort hat nicht stattgefunden.
Das Versa hrcrr gegen Eulenbnrg
wird in einem teilweise vielleicht von Maximilian Harden inspirierten Artikel der „B. Z. am Mittag" sehr scharf kritisiert. Wir lesen da u. a.: „ . . . Mit vollster Bestimmtheit behaupten wir, daß an Stellen, zu denen auch ein Oberstaatsanwalt in Ehrfurcht emporznschauen pflegt, der uneingeschränkte Ausschluß der Öffentlichkeit, insbesondere auch im Interesse der Staatsanwaltschaft und ihres künftigen Ansehens, nicht gebilligt wird. Wir haben Grund zu dieser Behaup- tung. Und wir glauben, daß die Herren, auch die öffentlich nicht wahrnehmbaren, die diesen Entschluß durchzusetzen vermschten, eine Verantwortlichkeit auf sich geladen haben, deren Last sie bald vielleicht recht hart drücken wird. Weiter. Fürst Eulenburg soll sehr krank sein. Der Fall wäre wichtig genug, um die Ein- holung eines Ohergutachtens zu rechtfertigen. Das scheint nicht geschehen zu sein. Der Fürst leidet an Aderverkalkung, an Gicht und ist an Morphium gewöhnt. Auf unbequemen Strecken seines seltsam der-
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schiffen anbringen lassen, und auch da nur für einen Ballon, keinesfalls für ein Motorluftschiff, so würde voraussichtlich bei dem heutigen noch beschränkten Aktionsbereich der Motorluftschiffe nur der Ban besonders konstruierter Spezialballonschiffe zu einer rationellen Verwendung der Luftschiffahrt auf hoher See führen können. Wie sich Füllungen, Montage, Ablassen und Wicderaufnehmen eines Motorluftschrffes an Bord eines solchen Schiffes werden ausführen lassen, mutz, erst durch Versuche geklärt werden; bet stark bewegter See werden sie kaum ausführbar sein.
Ob Fesselballon und Motorlnftschiff gegen See» minen und Unterseeboote, die sich seit dem russisch-japanischen Kriege einer erhöhten Wertschätzung ersrÄien, vevweNdb-ar sind, mutz erst durch Versuche erprobt werden. Die Französen behaupten, -daß bei ihren Versuchen im Hafen von Toulon vor mehreren Jahren das' Unterwasserboot „Gustave Zsdoe" bald nach dem Aussteigen des Fesselballons von diesem in dem klaren- Wasser entdeckt sein soll, wobei man feststellte, daß der grüne An» strich des Unterseebootes dieses nicht vor Entdeckung schützte. Nur ein praktischer Versuch kann auch darüber Ausschluß geben, ob eine Erkundung mittels Motor- luftschiiffs -bei Nacht z. V. in der Weise möglich wäre, daß das Luftschiff sich vor Eintritt der Dunkelheit in unmittelbare Nähe eines feindlichen Geschwaders begivi und nach Eintritt der Dunkelheit sich in geringer Höhe über diesem hält. 'Vielleicht wäre das Luftschiff so imstande, den Gegner auch dann zu beobachten und zu verfolgen, wenn er mit abgeb-lendeten Lichtern fährt.
Besonders wichtig ist der Abschnitt über -das Marine» Motorlustschisf als Waffe: Wenn auch für die Marine -die Verwendung der Luftschiffe bei der Aufklärung und Beobachtung in nächster Zeit im Vordergrund stechen
