Einzelbild herunterladen
 

Nr. 174. Abend-Ausgabe, 1. Blatt.

«Inspekteur der Festungen, General Her Infanterie von Baseler, ausgegangen.

Bayerischer Landtag. Nachdem auch in der gestrigen Sitzung des Landtags gegen die Regierung noch schwere Anklagen wegen der späten Vorlage und ungerechten Gestaltung der BeamtenanfbcsserungKvorlage gerichtet worden waren, trat Vertagung bis zum 28. April ein.

Ans der süddeutschen Volkspartcr. Professor O si­ch off in Heidelberg hat sein Parteiamt im weiteren Ausschuß der gesamten deutschen Volkspartei nioüergelegt, verbleibt dagegen im engeren Ausschuß der deutschen Volkspartei für Baden.

Heer inrd Flotte.

X 38 Generale verabschiedet! Das Osterfest wird, wie alljährlich, den Abschluß des großen militärischen Frühjahrsrcvirements und die Neubesetzung noch einiger Höherer Kommanöostellen, bis hinauf zum Gouvernement und der Division, bringen. Es werden dann in den ersten vier Monaten des Jahres 1908 im ganzen 38 Generale verabschiedet worden sein. Die neue Rangliste, deren Druck bei der Kgl. Hofbnch- Handlung von E. S. Mittler u. Sohn in Vorbereitung ist und die dem Kaiser Mitte Mai bei seiner Rückkehr nach Deutschland übergeben und erst dann veröffentlicht werden soll, wird (gegen 1907) n. a. nicht weniger als acht anderweitig besetzte preußische Armeekorps aufwersen, ein Rekord, der in den Annalen dieser Publikation noch niemals erreicht wor­den ist.

tz Beabsichtigter Garnisonwcchscl. Von unterrichteter militärischer Seite wird geschrieben: Den beiden in

Bitsch stehenden I ü g c r b a t a i l l o n c n (Magöc- burgisches Nr. 4 und Hannoversches Nr. 10) ist behörd­lich mit Rücksicht auf die Lösung ihrer Jagdkontrakte u.sw. mitgeteilt worden, daß sie die Verlegung in ihre alten Garnisonen am 1. Oktober 1609 zu gewär­tigen haben. Die Bataillone werden von diesem Zeit­punkte ab also wieder in N a n m bürg und Goslar garnisonieren, während die 166er, wie bereits bekannt, von Hanau nach Bitsch verlegt werden. Das jetzt in Naumburg in Garnison stehende Bataillon des Füsilier- Regiments Generalfeldmarschall Graf Blumenthal (Magdcburgi'sches) Nr. 86 soll, wie zu erwarten ist, in­folge der Rückkehr der 4. Jäger nach dieser Stadt nach Halle a. S. übersieüeln, wo jetzt die beiden anderen Bataillone des Regiments stehen. Ebenso kann damit gerechnet werden, daß das eine Bataillon des 3. Hanno­verschen Infanterie-Regiments Nr. 165, das in Goslar garnisoniert, Blanke n b n r g als Standort erhalten wird. Hier ist ebenfalls der Stab und das 1. Bataillon des Regiments, das nur zwei Bataillone zählt, unter- gebvacht. Da das Regiment 166 nur ans zwei Batail- iloncn besteht, sind besondere Kasernenbauten in Bitsch übrigens nicht erforderlich. Von den sonst noch in den Reichslanden stehenden Jägcrbatailloncn (Rheinisches Nr. 8 und Mecklenburgisches Nr. 14) wird das erst­genannte jedenfalls in Schlcttstadt verbleiben, während dem letzteren die Zusage gemacht wurde, daß eS in ab­sehbarer Zeit nach Mecklenburg zurückversetzt wer­den soll. Es würde dann aber nicht nach Schwerin, son­dern nach Wismar verlegt werden.

.. . . . ! i -

Die Ereignisse in Marokko.

lid. Paris, 11. April. Wie aus Tanger gemeldet wird, soll ein Komplott zugunsten Abd ul Asis in der Bevölkerung von Fez geplant worden sein. Die Garni­son soll daran beteiligt sein und den Auftrag haben, in Tätigkeit zu treten, sobald die Anhänger Muley Hafids einschreiten würden. Ein Teil der Ulemas ist zusam­mengetreten, um die Frage zu prüfen, ob der Koran gestattet, die frühere Proklamierung MuleyHafids zum Sultan wieder rückgängig zu machen.

hd. Tanger, 11. April. Raisuli und Gefolge sind gestern wieder inö Innere anfgebrochen. Ans Casa­blanca wird gemeldet, daß die Stämme größere Rührig-

gemeinem Interesse sein, etwas Näheres über die Art des Gebäudes zu erfahren. Bor allen Dingen muß der Irrtum richtig gestellt werden, daß Fürst Bülow schon jetzt Eigentümer der Villa ist. In Wirklichkeit hat er zwar schon vor einigen Jahren den Kaufvertrag ab­geschlossen, sie geht aber erst Anfang des nächsten Jahres, am 1. April 1909, in seinen Besitz über. Die Villa, die in einem der herrlichsten Teile der ewigen Stadt, an der Via di Porta pinzana, gelegen ist, führt im Volksmunde den hübschen NamenRosenvilla". Einer der früheren Besitzer, der ein großer Naturfreund war, hat nämlich den ganzen Park der Villa mit den wunder­vollsten und seltensten Rosenstöcken bepflanzt, die in der Blütezeit einen geradezu betäubenden Duft über das ganze Viertel verbreiten. Auch die Kontrastwirkungen der Farben wenn z. B. leuchtend gelbe Rosen gegen den samtenen Glanz tiesroter stehen sind so blendend und überraschend, daß man unwillkürlich unter dem Ein­drücke dieser Blnmenpracht steht. Das Gebäude selbst ist im schlichten, klassischen Stil römischer kleiner Paläste erbaut, bei denen die Hallen und Säulengänge nicht fehlen. Eine breite, schöne Freitreppe aus weißem Marmor führt zu dem Portal und beginnt bei der ge­räumigen Auffahrt. Die innere Einrichtung ist ge­diegen, von großem künstlerischen Werte, ohne indessen prunkvoll zu sein. Besonders hcrvorzuheben ist der Reichtum an klassischen Werken der bildenden Kunst und der Malerei ans den besten Zeiten. Auch die Antike ist in ziemlich wertvollen Stücken vertreten. Fürst Bülow, der sowohl ein Kenner wie Liebhaber aller Künste ist, wird wohl auch durch diesen Reichtum an historischen Gegenständen zum Ankauf verleitet worden sein, zumal seine Gemahlin als Italienerin von Geburt der Kunst ihres Vaterlandes natürlich Verehrung entgegenbringt. Auch über die Nachbarschaft dürfte sich der Reichskanzler nicht zu beklagen haben, denn an sein Haus grenzt die >,Villa Medici", die durch Goethe und Galiläi historisch bedeutsam geworden ist.Villa Malta" und Friedrichsruh", diese beiden Altersheime der beiden

MesLmöener ©ßgMatfi*__

feit zeigen und den Franzosen täglich neue Schwierig­keiten machen. Bei dem Gefecht, das am 8. d. bei Settat stattfand, brachten die Marokkaner den Franzosen nicht unerhebliche Verluste bei.

AttsZmrd.

G sterxetch-Urr g an;.

Im österreichischen Avgcordnetenhause beschäftigte man sich gestern vier Stunden lang mit der konfiszierten W ah rmnnd-Broschüre. Der Abgeordnete Baron Hock hatte dem Präsidenten eine, den ganzen Wortlaut der Broschüre enthaltende Interpellation eingereicht. Der Präsident gestattete jedoch die Verlesung der Inter­pellation in öffentlicher Sitzung nicht und beraumte eine geheime Sitzung an. die sehr stürmisch verlief und nach zwei namentlichen Abstimmungen damit endete, daß sich die Majorität des Hauses gegen die Verlesung der Broschüre anssprach. Bevor noch dieser Beschluß gefaßt worden war, hatte der sozialdemokratische Abgeordnete Seitz durch Zitierung der konfiszierten Stellen in seiner Rede diese immun gemacht, wodurch also eigentlich der Zweck der Geheimsitzung vereitelt worden war.

ILaUerr.

Wie eine offiziöse Note an die Blätter mitteilt, dürfte die Ermordung des italienischen Missionars in Derno (Tripolis), die die italie­nische Presse in Atem hält, ihre Aufklärung finden. Laut einer Verbalnote der Pforte liegt nämlich der dringende Verdacht vor, daß der Missionar von feinem A mtsbruder, dem Pater Felix, und von einem Kawassen des italienischen Konsulats ermordet worden sei. Die Regierung sandte zur Untersuchung des Falles einen Richter und den ersten Dragoman der Botschaft in Konstantinopel nach Tripolis.

DieCöln. Ztg." meldet aus Berlin: Die deutsche Regierung teilte der russisch en Regierung mit, daß sie grundsätzlich mit den r u s s i s ch e n V o r s ch l ä g e n zur Reform der Verwaltung in Mazedonien ein­verstanden fei.

Die Konferenz der Generalgouverneure und Kom­mandanten der Militärbezirke sprach sich dem Ver- nehmen nach für die Vereinigung der Oberleitung des Heeres und der Flotte in den Händen eines Generalissimus und für die Befreiung der Truppen vom Polizeidienst aus.

Wie aus Lodz gemeldet wird, wurde in die Wohnung des Kaufmanns Meier Bormann in der Ogrodowagasse, der die Zahlung der von _ den Terroristen ihm abverlangten Geldsummen verweigert hatte, eine B o m b e geschleudert. Bormann wurde durch die Explosiou schwer, seine Frau leicht verletzt.

Fvattkveich.

Die Kammer wurde gestern etwas überhastet bis zum 19. Mai vertagt. Vorher wurde u. a. erledigt das Gesetz über den Hcimfall der Kirchengüter und das Amnestie-Gesetz. Beide wurden in der vom Senat ab- goänderten Fassung angenommen. Eine neue Anfrage Janrss über Marokko wurde kurzerhand erledigt.

Die Pakete, welche bei den drei in Paris verhafte­ten Anarchisten beschlagnahmt wurden, enthielten 10 Dynamitpatronen von je 100 Gramm, sowie Zünd­kapseln und Zündschnur. Einer der Anarchisten war mit einem Revolver bewaffnet. Alle drei gehören einer kürzlich gebildeten Bande an.

England.

Twecdmouth über die Flottcnfragc.

In einer Rede bei einem Festmahl im Hotel Cecil in London äußerte sich Lord Tweedmouth über die Flotten frage folgendermaßen: Wir sind von je­her alle der festen Überzeugung gewesen, eine Flotte besitzen zu müssen, die uns die Herrschaft zur

Kanzler, scheinen zugleich ihre verschiedene Wesensart zu verkörpern. Auf der einen Seite der liebenswürdige Schöngeist und Philosoph des Optimismus, aus der anderen Seite der knorrige, ernste Realist, der einer alten deutschen Eiche gleicht.

Theater und Literatur.

Auf Einladung der Deutschen Gesellschaft in Amerika wird Karl Hauptmaun eine amerikanische Tournee zur Vorlesung eigener Dichtungen unternehmen. Die Rückreise ist über Asien beabsichtigt.

Auf dem Schlosse zu Kißlegg in Württemberg hat Baurat Dittüs in dem Pergament-Umschlag einer alten Baurechnung einen Teil einer Parzival -Hand­schrift des Wolfram von Eschenbach aus dem 14. Jahrhundert erkannt. Sie ist leserlich geschrieben, in Bersform gehalten und behandelt einige Abschnitte aus dem Leben der kleinen Obolyt und ihrer Spielgenosiin Claudius und ihr Zusammentreffen mit dem Ritter Gawan.

Wissenschaft und Technik.

Professor Kamerlingh-Ommes teilt dem HaagerNieuwe Konrant" zufolge mit, daß er und seine beiden Kollegen Lorenz und Kuenen sich geirrt haben, als sie am 28. Februar glaubten, daß es ihnen ge­lungen sei, das Helium zu verdichten.

Professor Lippmann hat der französischen Aka­demie der Wissenschaften Hie ersten Resultate einer wert­vollen Erfindung vorgelcgt, die cS gestattet, ohne Ob­jektiv und Kamera auf einer einzigen photo­graphischen Platte in der Durchsicht ein st e r e o- s k o p i s ch e s B i l d mit allen Perspektiven zu erzeugen.

Der amerikanische Milliardär und Philanthrop Carnegie hat wieder einmal einer seiner humanitären Schöpfungen eine Millionenstiftung zugehen lassen. Es handelt sich nm den Altcrsoersorgungsfonds für Universität-Professoren, dem er von neuem den Betrag von 25 Millionen zugcwenbct bat. Bei dieser Gelegenheit wäre zu bemerken, daß seine

Sanistag, 11. April 1908._ Seite 8.

See garantiert, wa§ unbedingtes Erfordernis für uns als Nation, als Staat und als Handelsvolk ist. Wir denken nie an einen Angriff nach irgendwelcher Seite, aber wir müssen bereit sein, einem Angriff auf uns selbst zu begegnen. Eine Einbuße in der See­herrschaft wäre ein verhängnisvoller Fehler. Ern Minister, der es unterläßt, die Flotte auf ihrer Höhe zu halten, müßte des Hochverrats angeklagt werden.

In dem Befinden Campbell-BannermanZ ist keine Besserung eingctreten. Der Patient fühlt sich sehr schwach.

Das Kabinett wird vermutlich bis heute abend voll­ständig sein. Man ist in London in großer Spannung, da Asquith in seine Pläne nur ganz wenig Per­sonen eingeweiht hat und auch die im Amte bleibenden Kabinettsmitglieder nicht sämtlich informiert worden sind. Blättermeldungen zufolge hat der König alle Vorschläge des Premierministers gutgeheitzen. Wie dieDaily News" authentisch erfährt, wird John Mo rley ins Oberhaus gehen, das indische Amt. aber beibehalten. Damit wird fast sicher,. daß Lloyd George zum Schatzsekretär bestimmt ist. Als wahr­scheinlich gilt immer noch der Rücktritt des Lord Tweed mouth von der Admiralität und Curchills Aufrücken im Handelsamt.

Das KanonenbootArgus" beschlagnahmte zwei französische Fischerboote, welche unerlaubten Fischfang in englischen Gewässern trieben.

Die englische Regierung hat die Vereinigten Staaten informiert, daß sie mit Vergnügen das amerika­nische atlantische Geschwader in einem englischen Hafen begrüßen würde. Als englische Hafen kämen in Betracht der Hafen von Malta, Gibraltar, so­wie die Kolonialhäfen.

Schweix.

Aus Bregenz wird gemeldet, daß die österreichische Regierung den Vorschlag des schweizerischen Vundes- rats auf Verschiebung des oberrheinische n Durchstichs und Normalisierung des alten Rhein­bettes abgelehnt hat und auf den sofortigen Bau des Oberrheinstichs dringt.

Uoetngal.

Auch in Stubal wurden zwei Republikaner ge­wählt, so daß die Kammer sieben Republikaner aufweist. Die Zahl der Opfer bei den Wahlkrawallen wird jetzt endgültig auf zwölf augegeben.

Sepdron.

Die Ministerkrisis soll nun gelöst werden, wahr­scheinlich demissioniert das Kabinett Paschitsch und die Mission zur Bildung eines neuen Kabinetts soll dann wieder Paschitsch übernehmen. Heute soll dann die Skupschtina aufgelöst werden mit gleichzeitiger Be­stimmung des Wahltages und des Zusammentritts einer neuen Skupschtina.

Türkei.

DemPestcr Lloyd" wird aus Monastir gemeldet, daß die Polizei im Kloster Esitomislmics eine H a u s - s u ch u n g vorgenommen hätte, weil den Behörden mit­geteilt worden war, daß sich in dieser Anstalt die Per­sonen aufhielten, die das vereitelte Attentat gegen den Fürsten von Montenegro anzettelten. _ Die Haus­suchung verlief indessen resultatlos, weil die betreffen­den Personen bereits geflüchtet waren.

China.

Nach einer Meldung desNew Jork Herold" breitet sich der Boykott japanischer Waren in China weiter aus. In Kanton gaben 150 Händler den Ver­trieb dieser Waren auf. Es wurden zwei große Ver­einigungen für den Boykott begründet, die die Namen Selbstregierungs-Vereinigung" undVereinigung gegen die nationale Schmach" führen. Die Frauen unterstützen lebhaft diese Bestrebungen.

Stiftungen für humanitäre Zwecke bereits die Höhe von dreivicrtcl Milliarden Mark erreicht haben.

Oberhalb Forbach, auf badischem und württem- bergischem Gebiete, sollen die Wasserkräfte der Murg, eine der natürlichsten und wertvollsten Kraft­quellen Deutschlands, nach einem Projekt des Rektors der Karlsruher Technischen Hochschule Professor Rehbock ausgenutzt werden.

Für die Jubiläumsfeier der Univer­sität Jena lautet das vorläufige Programm: 30. Juli, abends: Empfang der Gäste. 81. Juli, 9 Uhr: Gottes­dienst in der Staötkirche. 12 Uhr: Reöcakt im Volks­hause. Abends: Stadtfest. 1. August, 11 Uhr: Ein­weihung des neuen Universitätshauses. 3 Uhr: Mittag­essen im Volkshaussaal. Abends: Kommers.

Unter den Bücherschätzen der Familie Altemps in Rom entdeckte der dortige deutsche Buchhändler Löscher einen K o nt m entar z n D a n t e sGöttlicher KomöHic". Die Schrift rührt vom Sohne des Dich­ters her und trägt die Jahreszahl 1359. Von dem Vor­handensein eines solchen Kommentars war bisher nichts bekannt.

Bildende Knust und Musik.

Margarete K r i g a r - M e n z e l, die der Münchener Staatsgemäldesammlung eine wertvolle Kollektion von Werken von Adolf v. Menzel schenkte, ist mit der Goldenen Medaille des Verdienstordens der bayeri­schen Krone ausgezeichnet worden.

Paöerewski ist zum Direktor des Warschauer Konservatoriums ernannt worden.

Der Stadtrat von M a n n h e i m rührt sich in Sachen des He i m atsch ntz e s. Er erhob Protest gegen den Umbau des Sohlerschen Hauses am Parade­platz, in dem einst Schiller als Gast des Buchhändlers Schwan wohnte, weil der Umbau das StraßenbUö in empfindlicher Weise schädigen würde. Ebenso bean­standet er den Umbau der Fassade des Hauptbahnhoss aus Gründen der Ästhetik.