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SK. Jahrgang.

Nr. 12S.

28ies baden, Dienstag, 17. März LNE

Morgen - KuZgabe.

1. Wl'crtt. _

GMudrschiesM.

Ein feldartilleristischer Mitarbeiter schreibt uns:

Bei der Beratung des Militäretats ist im Reichs- tag auch die Rede von dem Scharfschießen im Gelände gewesen. Die Sozialdemokratie griff diese Geländeschietzen an und verlangte, daß Scharfschießen nur noch auf den Truppenübungsplätzen abgehalten würden.

Auf den ersten Blick scheinen der Erfüllung dieses Verlangens nennenswerte Schwierigkeiten nicht ent­gegenzustehen. Bei näherem Zuschauen ftell±_ sich die Angelegenheit jedoch anders dar. Scharfschießen im Gründe, sogenannte Geländeschießen, werden von der Infanterie, Kavallerie und Feldartillerie während der Zeit des Jahres abgehalten, während der die Trupps nicht auf einem Truppenübungsplatz weilt also auch der landwirtschaftlichen Bestellungsverhältnisse Wegen, in erster Linie im Winter oder im Herbst. B e - s o n d e r s w i ch t i g sind diese Schießen für die Feldartillerie, die sonst außerhalb der Schieß­übung niemals die Möglichkeit hätte, einen scharfen Schutz abzugeben. Bei dieser Waffe bieten die Gelände­schießen im Winter und gegen das Frühjahr hin Ge­legenheit, die Ausbildung der Rekruten am Geschütz zu vervollkommnen und die Batterien aus die Schieß- Übung vorzubereiten. Im Herbst soll die kriegsmäßige Ausbildung der zur Übung einberufenen Mannschaften des Veurlaubtenstandes durch ein Geländeschießen ge­krönt werden. Denn nur beim Scharfschießen kann die Probe aus das Exempel gemacht und festge­stellt werden, ob die Reservemannschaften im Kriege ihren Mann stehen werden. Erst wenn Reservisten und Landwehrleute wieder einmal mit ihren Geschützen scharf geschossen und getroffen haben, haben sie das­jenige Vertrauen zu ihrer Waffe und sich selbst wreder gewonnen, das die Vorbedingung eines jeden Erfolges ist. Geländeschießen im Winter sollen die Schwrerig- keiten zur Darstellung bringen, die durch Schnee und Frost hervorgerufen werden.

Freilich könnten diese Rekruten - und Re­servisten - Winterschießen ebensogut auf einem Truppenübungsplatz stattfinden. Dies geschieht auch, wenn ein Platz in der Nähe der Garnison liegt. So hält die Posener Feldartillerie regelmäßig diese Schießen aus dem nur 20 Kilometer von der Stadt ent­ferntenTruppenübungsplatz Posen" ab. Die Grau- denzer Artillerie benutzt dazu häufig den sonst nur mrt Infanterie belegten Truppenübungsplatz Gruppe. Auch Lamsdorf wird von der benachbarten Feldartillerie zu solchem Zwecke ausgesucht. Wenn aber die Garnisonen so weit von den Übungsplätzen entfernt liegen, daß die Plätze nur mit der Eisenbahn erreicht werden

FeuMeton.

Dev Kongoftaat.

Die noch junge Geschichte des Kongostaates scheint einem bedeutsamen Wendepunkt schnell zuzneilen: die schon lange angestrebte und immer wieder verzögerte Vereinigung dieses eigenartigen Staatengebildss , mit Belgien, d. h. seine Umwandlung aus einer Privat­kolonie des Königs Leopold in eine belgische Reichs­kolonie, dürste nun bald zur Tatsache werden,, nachdem die ganz erheblichen Schwierigkeiten durch ein Nach­lassen des Königs in seinen Bedingungen zum größten Teile aus der Welt geschafft worden sind. Das Ver­schwinden eines Staates von der Bildsläche aber ist heute kein alltäaliches Ereignis, und deshalb wollen wir hier einen flüchtigen Blick auf den nach kaum viertelhundertjährigem Leben offenbar dem Tode ge­weihten werfen.

Die Entstehung des Kongostaates bedeutete den vielleicht wichtigsten Merkstern in der Entwicklung der Beziehungen des dunklen Erdteils _ zu den modernen europäischen Kolonialvölkern: auch die Begründung der deuftchen Kolonien in Afrika ist eng damit verknüpft. Als 1877 der berühmte Stanley den Kongolauf fest­gelegt und .dadurch Licht über das bis dahin unbe­kannt gewesene riesige Äquatorialasrika verbreitet hatte, verdichteten sich die schon ziemlich alten Kolonisations­gedanken des Königs der Belgier zu einem festen Plan. Er sicherte sich zu dessen Ausführungen die Dienste des tatkräftigen Stanley und schickte ihn 1879 nach der Kongomündung mit dem Aufträge, am Strome auf­wärts vorzugehen und dort Stationen zur kulturellen, namentlich aber wirtschaftlichen Erschließung _ des Kongobeckeus anzulegen. Damals war der weitaus

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können, da übersteigen die Kosten für den Transport die für ein Geländeschießen verfügbaren Kosten erheb­lich. Sparsamkeitsgründe haben also innerster Lrme zur Abhaltung dieser Geländeschießen geführt.

Etwas anderes ist es bei dem Schießen von aktiven Batterien, Abteilungen oder gar Regimentern im Ge­lände. Diese Schießen sollen dazu dienen, die in der Schießübung erlangte Ausbildung zu vervollkommnen. Hierfür ist es besonders wichtig, daß diese Schießen unter anderen Verhältnissen stattsinden als während der Schießübung und man ein unbekanntes Gelände benutzen kann. Auch der größte Truppenübungsplatz wird der täglich auf ihm übenden Truppe vertraut. Ganz unwillkürlich entstehen häufig die gleichen Ge- feihtslagen und -bilder. DieSchießplatztaktik" ge­deiht üppig, und derübungsplatztürke" feiert ferne Triumphe. Das alles verwöhnt die Truppe und macht sie unselbständig. Ferner können auf den, Truppen­übungsplätzen selten mehr als drei Batterien gleich­zeitig, gefechtsmäßig, unter gemeinsamer Feuerleitnng schießen. Verhältnismäßig beschränktes Zielfeld und Sicherheitsgrenzen sind die Gründe dafür. Große Teils der Plätze sind dazu der Infanterie Vorbehalten und dürfen von der Feldartillerie zum Scharfschießen nicht benutzt werden. So kommt es, daß wohl ein gleichzeitiges Schießen von mehren Abteilungen nach verschiedenen Richtungen möglich ist, daß aber ein Scbießen von zwei Abteilungen im Regimentsverbande, also unter gemeinsamer Feuerleitung und mit gleicher Schußrichtung, nur selten veranstaltet werden kann. Für solche Übungen sind die Geländeschießen während der Regiments- und Brigaoe- Übungen vor Beginn des Manövers von unschätz­barem Wert. Sie ermöglichen es, die Truppe in frem­des Gelände zu bringen und vor unbekannte, unerwar­tete Gefechtsaufgaben zu stellen. Bei geschickter Aus­wahl des Geländes werden sich auch Schießen un Re- gimentz ad halten lassen. Allerdings erfordern !>er^ artige, groß angelegte Übungen auch große Geldmittel, da das für solche Schießen erforderliche, sehr ausge­dehnte Gelände nur in den seltensten Fällen ganz un­bewohnt sein wird. Jedes innerhalb der Gefahrszone liegende Gehöft. Gebäude usw. muß geräumt werden. Der Besitzer bekommt hierfür eine reichliche Entschä­digung , ebenso für etwaigen Flurschaden, der durch ine Truppe oder durch einschlagende Geschosse verursacht wird. . r . ..

Bei Rekruten- und Reservistenschleßen sind die Kosten verhältnismäßig gering, weil die einzelnen Batterien in der Regel nacheinander und nicht gleich­zeitig nebeneinander schießen. Bei sorgfältiger Erkun­dung wird sich für das Schießen, einer Batterie fast immer ein unbewohntes Gelände finden lassen, wo Ge­höfte nicht geräumt werden brauchen. In solcher Ge­gend sind auch die durch das Schießen hervorgerufenen Verkehrsstörungen sehr gering. Schon wochenlang vor­her werden in den Tageszeitungen Tag und Dauer eines Geländeschießens bekannt gegeben. An dem

Schießtage selbst stellen die Regimenter an sämtlichen in das gefährdete Gelände führenden Wegen Sicher- heitsposten ans, die jeden Pcsisanten zu warnen haben. Nach einigen Stunden ist das Schießen beendet, die Posten geben die Wege wieder frei, und die Truppe sammelt Sprenqstücke und Kugeln auf, sprengt etwaige Blindgänger (Grschoffe, die nicht zur Explosion, gekoni- men sind) unb ebnet die entstandenen Löcher ein. Den beteiligten Besitzern widerfährt also bei einem Gelände­schießen nichts Unrechtes, sie erhalten im Gegenteil erne reichliche Entschädigung; für die Truppe aber sind sie ein wichtiges, unentbehrliches Aus­bild u n g s m i t t e l. Daher ist dringeud zu wün­schen, daß sie nicht abgeschafft, sondern im Gegenteil durch reichliche Bewilligung von Geldmitteln immer häufiger und kriegsmäßiger werden können.

Uolltischr Übersicht.

Vorn Deutschtum in Brasilien.

Patriotische Beklemmungen verursacht dem staat- lichen Schulinsvektor des Municips Santa Cruz rn Rio Grande d>o Sul der Unterricht in deutscher Sprache. In seinem Jahresbericht führt er Klage darüber, daß vrele Brasilianer mehr Wert darauf legen, ihre Kruder in der Schule Deutsch als Portugiesisch lernen zu lassen. Seine Laiidsleute beständen darauf, daß die Lehrer an den Regierungsfchulen Deutsch lehrten; kamen diese dem Wunsche nicht nach, so würden die Kinder rn erne deutsche Schule gebracht. Der Schiilinspektor will iiun fortan die Reife der Schüler nicht nach ihren Lefttungen in den verfchiedenen Fächern, sondern nach ihrer Kennt­nis in der Landessprache benressen. Die Lehrer werden ermahnt, darauf zu halten, daß die Kinder im Hause, irr der Kirche, auf Festen nsw. nur Portugiesisch reden. Um die Liebe zmn Vaterlands zu pflegen und zu be­festigen, sei es unbedingt nöttg, daß das Kind seinen Lehrer Portugiesisch reden und lehren höre und daß cs selbst Portugiesisch lerne. Er habe daher angeordnet, daß das Deutsche aus der untersten Klasse der Regt e- rungsschule völlig verbannt werde; das erfordere dieBürgerpflicht". In Sa'.ita Cruz werde die deutsche Sprache von 30 Schulen, deren Leiter zum Terl aus Deutschland kämen, von 2 Zeitungen (Kolonie" und St. Cruzer Anzeiger") urrd selbst von den Ärzten unterhalten. Daniit nun keiner dem Herrn Schnl- inspektor Voreingenommenheit gegen Deutschland bot- werfen könne, beeilt er sich zmn Schlüsse zu erklären, daß er ein großer Bewrmderer Deutschlands sei, das auf allen Gebieten so gewaltige Fortschritte gemacht und so große Männer hervorgebracht habe. Mit dieser captatio betnrvolentiae wird , der Brave wenig Ein­druck machen, und mit der Durchführung seines Pro­gramms wird er nichts anderes erreichen als eine Ent­völkerung der Regierungsschulen. Wie die Mittei- lungen des A. D. Sch. V. erzählen, hat die Rrogran- denser Staatsregierung inzwischen in verständigerer

größte Teil Afrikas im europäischen Sinne herrenlos, and die Kolonien der Engländer, Franzosen und Por­tugiesen reichten über einige Küstenpunkte nur selten hinaus Als sie nun Stanley an der Arbeit sahen, und Leopolds Ziele zu erkennen glaubten, da merkten sie. daß es für sie an der Zeit sei, sich in Afrika gleichfalls möglichst große und toertvolle Gebiete zu sichern. Jene Kolonialmächte sandten daher Expeditionen aus, und es begann eine Periode oft fieberhaft betriebenen Flaggenhissens und Vertragschließens, es kam der Be­griff derInteressensphären" und desHinterlandes" auf. Schon Stanley hatte mit dieser Änderung ^der Lage sehr zu rechnen, und der Umstand, daß es dem Franzosen de Brazza gelang, vor ihm ans anderem Wege den Kongo am Stanley-Pool zu erreichen, kostete den späteren Kongostaat fast alles Land zur Rechten des Unterlaufes und des ganzen übangi. Schließlich griff auch das Deutsche Reich in Afrika zu und legte in letzter Stunde den Grund für alle seine dortigen Kolonien.

Inzwischen hatte Stanley für Leopolds Unter- nehmen am Kongo bis hinauf zu den Stanleyfallen gegen 15 Stationen angelegt, darunter Ende 1881 am Stanley-Pool Leopoldville, nachmals die Hauptstadt des Kongostaates. Es war auch der Mitbewerb Frank­reichs und Portugals im Kongogebiet immer eifriger geworden: sie erhoben oder sicherten sich Ansprüche,

die Leopolds Kolonie vom Meere abzuschneiden. sie also zu erwürgen drohten. Streitigkeiten mußte vorge- beugt tverden, und so wurde ans Wunsch Leopolds im November 1884 eine Konferenz nach Berlin berufen, zu dem Zweck, zwischen den einander widerstreitenden Wünschen zu vermitteln. Das glückte auch, und der Be­sitz der Association erhielt im allgemeinen die Umrisse des heutigen Kongostaates.. Dieser selbst war gleicksiolls ein Ergebnis der Konferenz: kurz vor deren Schluß,

Ende Februar 1885, wurde verkündet, alle Mächte hätten ihre Zustimmung dazu erklärt, 'daß die Asso­ciation in einenEtat Jndckpendant du Congo", mit dem König der Belgier als Souverän, umgewandelt würde. Belgien und der Kongostaat waren hinfort durch Personalunion verbunden; während aber Leopold in Belgien durch die Verfassung beschränkt war, herrschte er 'übet den Kongostaat als absoluter Monarch.

Nach den Beschlüssen der Berliner Konferenz um­faßt der Kongostaat im großen und ganzen das System des Stromes, dem er feinen Namen verdankt. Die Grenzen laufen jedoch nicht überall den Wasserscheiden entlang, weil die Besitzungen der Nachbarn hin und wieder tief ins Kongobecken hineingreifen. Daß ein erheblicher Teil der Nordhälfte des Beckens an Frank­reich gefallen ist, wurde schon angedeutet; aber auch die portugiesische Kolonie Angola umfaßt im Sudwesten sehr ansehnliche Stücke vom Stromsystem des Kassai, des größten südlichen Zuflusses des Kongo, und eng- ssscher Besitz im Südosten einen Teil des Kongoguell- gebiets Im Nordosten ist die Grenze gegen Deutsch- Ostasrika und das englische Uganda-Protektorat noch zu vereinbaren Die Gestalt des Kongostaates gleicht einem gewaltigen Sack mit ganz enger Öffnung: sem Flocbenaehalt erreicht rund 2 383 000 Quadratkilo­meter d. h. nahezu die -tt/ftache Größe des Deutschen

Reiches _und seine größte Breite, von Nordwest nach

Südost, kommt mit 2400 Kilometer der Entfernung zwischen St. Petersburg und Bordeaux etwa gleich; aber an der Küste ist er mit nur 37 Kilometer be­teiligt. Durch diese euge Mündung ergießt sich fast der gesamte Verkehr des Staatsgebietes.

Der wirtschaftliche Aufschwung eines an Rohpro­dukten reichen Landes und das ist der Kongostayt hängt von seinen Derkehrsstraßen ab. Der Kongo-