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Nr. 73. Morgen-Ausgabe. 1. Blatt. DonuerZtag, 13. FeLrrmr 1608. Seite 8.

Überschreitungen entsteht. Auch die späteren Gerichtsverhandlungen gegen Kraftwagenbesitzer und Chauffeure kommen leicht auf einen toten Punkt, weit die Angeklagten bestreiten, die gesetzlich zulässige__ Ge­schwindigkeit überschritten zu haben, und schwer über­führt werden können. Wir werden hierzu von sach­verständiger Seite darauf aufmerksam gemacht, daß es der heutigen Technik ein Leichtes ist, Geschwindig­keitsmesser herzustellen, die im Falle einer llber- treibung der Fahrgeschwindigkeit jeden Zweifel aus­schließen. Es müßte an jedem Kraftwagen ein Geschwindigkeitsmesser angebracht werden, der in Ver­bindung mit einer Sirene steht und beim Ü b e r - schreiten der erlaubten Höchstgeschwindig­keit laut zu pfeifen beginnt. Dadurch würde der Chauffeur gewarnt und in wohltätiger Weise vor fahrlässigen Verstößen bewahrt, da er sofort langsanier fahren könnte. Tut er dies trotz des Warnungs- pfeifens nicht, so ist seine Böswilligkeit erwiesen, und da jeder Begegnende bezeugen kann, daß das Pfeifen der Sirene die Fahrtüberschreitung ankündigte, ohne Ausflüchte zu verurteilen. Die technische Anbringung eines solchen Apparates würde, wie uns versichert wird, nicht inehr Schwierigkeiten rnachen als die jedes anderen Geschwindigkeitsmessers.

* Berlins Etat. Der Etat der Stadt Berlin für 1908 schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 159 068 902 M. ab, IIV 2 Millionen mehr als im laufen­den Jahr. Von denAusgaben entfallen auf die Kranken- hausverwaltung 15 Millionen, auf das Armenweseir 17 Millionen, auf den Hoch- und Tiefbau 2414 Millionen, auf das Schulweseii 29,6 Millionen, auf Polizei und Feuerwehr 7,8 Millionen. Der Zuschlag zur Ein­kommensteuer beträgt wieder 100 Prozent.

* Aus dem Flotteuvercin. In Verfolg der persön­lichen und organisatorischen Veränderung in der Leitung des Flottenvereins wird, wie dieDeutsche Ztg." erfährt, deinnächst Korvettenkapitän L i n d e r , früher im Reichsmariiieamt, das Amt eines G e - s ch ä f t s f ü h r e r s des Flottenvereins übernehinen. Linder ist nach seinem Abschied aus der Marinelaufbahn in den Dienst des Flottenvereins noch unter dem Prä­sidium des Generals Keim eingetreten, als die Krise erst im Entstehen war.

* Der MünchenerNational-Verein für das liberale Deutschland" beruft ciue Versammlung zum 23. Fe­bruar uach Stuttgart ein. die eineKundgebung zur politischen Lage" sein soll.

* Für die ncucit bayerischen Briefmarken macht ein geistlicher Mitarbeiter desBayerischen Vaterlands" allen Ernstes den Vorschlag, die Mutter Gottes, die geistige Ahnfrau der Wittelsbacher und Patrona Bavariae, auf die neuen Fünfer-Marken zu setzen. Der Vorschlag läßt sich höreu als treffliche Illustration des Kulturzustandes im Lande der weiß-blauen Grcnzpfählc.

AnsLrmd.

Gstereetch-Mrrgsrmr.

In der vorgestrigen Sitzung des deutschen Neuncr- ausschusses legte der Unterrichtsminister Marchet das Projekt der Regierung vor, in Wien eine italienische Rechtsfakultät zu errichten. Diese Fakultät soll von der Wiener Universität, um deren deutschen Charakter nicht zu beeinträchtigen, vollständig getrennt sein und in einem eigenen Gebäude untcrgcbracht werden. Die Deutschen äußerten Bedenken.

England.

Im Untcrhause brachte George Haröy (liberal) eine Resolution ein, welche die Aufmerksamkeit auf die Verstaatlichung der Eisenbahnen hinlenkt und darauf hinwcist, daß im Hinblick auf die Klagen wegen der Fahr­preise und der Verkehrserleichterungen die Zeit ge-

Die Deform des Theaters.

Mit der Reform der deutschen Schaubühne beschäf­tigte sich ein Vortrag des rührigen und geschickten Mannheimer Ho f thea te r-Jntenda nt en, des früheren Kritikers Dr. Karl Hagemann, in derGesellschaft für LiteraMr und Kunst" zu Bonn. Die heutigen Theater, so führte der Redner nach derCöln. Ztg." etwa aus, sind in ihrer großen Mehrzahl nicht imstande, wirkliche Kulturarbeit zu- leisten. Statt ihre Besucher durch echte, lebensvolle Kunst festlich zu stimmen, such sic vielfach Stätten des Vergnügens geworden, an denen sich alle Flachheit, alle Stillosigkcit und alle Zerfahrenheit unse­rer Zeit wid-erspregcln. Zur Schaffung einer wirklichen deutschen Kunst-Schaubühne sind Reformen dringend er­forderlich. Zunächst im Bühnenhaus selbst. Für das moderne Gesellschaftsdrama und die Oper kann die alte Jllustonsbühne des 10. Jahrhunderts beibehalten werden, jedoch muß an die Stelle der ganz unmöglich gewordenen Kulissen und Syffitten der sogenannte Rundhorizont treten, der den Bühnenraum umspannt und freu Schnür­boden durch einen gewölbten Rundbogen verdeckt. In diesem feststehenden Rahmen können die Dekorations­stücke plastisch eingebaut und durch verbesserte Bersen- kungsanlagen schnell beseitigt werden. Neu zu schaffen ist dagegen eine Jdealbühne für das zeitlose, klassische Drama. Die Versuche in München mit der Shakespeare- Bühne haben nicht zu dem erwünschten Erfolg geführt. Näher dem Ziel kam Max Neinhardt in Vertiu mit seiner Inszenierung des Wintermärchens. Hagcmann schuf für sein Mannheimer Dheatcr eine sogenannte Gobelin-Bühne, die im Vordergründe durch zwei wuch­tige, ieststehen.de Säulen, seitwärts und nach hinten durch farbige Gobelins begrenzt ist. Die Dekorationsstücke bleiben auf das nötigste beschränkt. Eine bedeutsame Nolle spielt dabei das farbige Licht, das jeweils die er­forderliche Stimmung zum Ausdruck bringt. Auf dieser Gobelin-Bühne bewältigte das Mannheimer Theater den Hamlet in 3 Stunden und 20 Minuten. Nach der Aus­führung desTasso" waren auch die anfänglichen Wider­

kommen sei, um zu erwägen, inwieweit diesen llbel- ständen Abhilfe geschaffen werden könne durch Ankauf der Eisenbahnen durch den Staat. Handelsminister Lloyd George erwiderte, die Frage der Verstaatlichung der Eisenbahnen sei kein Teil des sozialistischen Programms. Alles zu verstaatlichen, sei eine Geschäftsfrage. Der Mann, der in Preußen die Eisenbahnen verstaatlichte, sei ein Mann gewesen, der den Sozialismus bekämpfte. Bismarck sei nicht Mitglied der Arbettspartet ge­wesen. (Heiterkeit.) Die Verstaatlichung der Eisenbahnen in Preußen sei ein riesiger Erfolg gewesen. Die Eisenbahnen seien eine furchtbarere Waffe zur Bekämp­fung der ausländischen Industrie als die Tarife. (Beifall.) Indem er der Verwaltung der englischen Eisenbahnen seine Anerkennung zollte, wies er aus die Mißstände des gegenwärtigen Systems hin und versprach eine Untersuchung vorzunehmen zur Lösung der Frage, inwieweit den in der Resolution erwähnten übelstünden durch eine Änderung des bestehenden Verhältnisses zwischen den Eisenbahnen und dem Staat abaeholsen werden könnte. Die Weiterberatung wurde auf unbe­stimmte Zeit vertagt.

U-s-tttvsssrr.

DieNordd. Allg. Ztg." veröffentlicht in ihrer Par­lamentsausgabe den Wortlaut des am ö. November 1907 zwischen Deutschland, Frankreich, England, Norwegen und Rußland abgeschlossenen, von allen beteiligten Mächten ratifizierten norwegischen Integri­tät s v c r t r a g e s. Durch diesen Vertrag verpflichtet sich Norwegen, keiner Macht irgend einen Teil des nor­wegischen Gebietes abzutrcten, weder zum Zwecke der Besetzung noch zum Zwecke irgend welcher Verfügung darüber. Die Regierungen Deutschlands, Frankreichs, Englands und Rußlands erkennen die Integrität Nor­wegens an und verpflichten sich, sie zu achten und, falls diese Integrität von irgend einer Macht bedroht oder verletzt werden sollte, nckch vorangegangener, diesem Zweck geltender Mitteilung der norwegischen Regierung mit den am geeignetsten scheinenden Mitteln dieser Regie­rung ihre Unterstützung zur Wahrung der Integrität Norwegens zu leihen. Die Gültigkeitsdauer des Ver­trages ist auf zehn Jahre festgesetzt und soll sich, wenn er nicht spätestens zwei Jaljre vor Ablauf des genannten Zeitraums von einer oder anderen Macht aufgekündigt wird, automatisch von zehn zu zehn Jahren ver­längern. Falls der Vertrag von einer der Mächte, die mit Norwegen an dem Abschluß desselben teilgenommen haben, gekündigt werden sollte, soll die Kündigung nur für die betreffende Macht wirksam sein.

Arrs Stadt uttfr Kmrd.

Wiesbaden--;: Nachrichten.

Wiesbaden, 13. Februar.

Ärztliche Liquidationen.

ImBerliner Lokal-Anzeiger" lesen wir:

Für ärztliche Bemühungen im Jahre 1007 liqui- diere ich M.", so oder ähnlich lauten die Bries­

chen, die zur jetzigen Zeit den Patienten ins HauS flat­tern. Die Herren Ärzte mögen verzeihen, aber ich muß diese Art der Honorar-Erhebung als entschieden rück­ständig bezeichnen und kann sie nur als ein Überbleibsel aus jener Zeit betrachten, in der jeder seinen Hausarzt hatte, welcher jährlich einen festen Barbctrag erhielt. Heutzutage kann und wird niemand verlangen, daß der Arzt ein ganzes Jahr lang aus das Entgelt für seine Dienstleistungen wartet, und wenn die Herren Ärzte sich selbst diese Frist setzen, so ist dies meines Erachtens eine fatsch angebrachte Noblesse, Andererseits kann der Arzt aber auch nicht verlangen, daß der Patient den Panschal- Vetrag der Liquidation, der doch nach bestimmten Sätzen zusammengestellt ist, anerkennt und bezahlt, ohne die Möglichkeit einer Nachprüfung zu haben. Jrrtümer kommen überall im menschlichen Leben vor, und die-

sacher von der Zweckmäßigkeit und Wirksamkeit dieser Einrichtung überzeugt. Ferner hat die Reform bei der Regie einznsetzen. Der künstlerische Leiter muh das anf- zuführende Werk seinem ganzen inneren Gehalt nach verdeutlichen. Er hat für den richtigen Spielrhythmus, für die Gestaltung großer Ensembles und jeder einzel­nen, auch der kleinsten Gruppe, zu sorgen, jede Einzel- lcistung muß seiner genauen Kontrolle und Kritik unter­stehen. Gut ist es, wenn unsere größeren Theater eigene Schauspielcr-Akadennen einrtchten, damit künstlerisch durchgebilöete Hilfstruppen gewonnen werden und der stark überlastete.Opernchor seiner eigentlichen Ausgabe wieder zugeführt wird. Der einzelne Schauspieler darf auf Kosten anderer nicht in den Vordergrund treten: jeder, vom ersten bis zum letzten Spieler, hat sich einer unbedingten künstlerischen Disziplin unterzuordnen, ohne die eine harmonische Gesamtleistung nicht zu denken ist. Die Künstler selbst müssen technisch durchaus geschult sein, sie müssen vor allem wieder ordentlich sprechen und singen lernen: mehr Wert als bisher ist auch auf die körperliche Durchbildung zu legen: auch die Forderung einer tüchtigen Allgemeinbildung des Schauspielers ist unerläßlich. Zur Durchführung der Reformen ist das Publikum mitberufen: cs mutz sich selbst zu einer kritik- fähigen Zuhörerschaft erziehen, der das Theater als wich­tiger Kulturfaktor eine Herzenssache ist. Endlich lade' wir auch die Dichter ein, durch Schaffung lebensvoller Dramen sich an der Hebung der deutschen Schaubühne zu beteiligen. _ _

Aus Kunst und Leben.

Richard Wagner und Friedrich Hebbel.

Wenn die Persönlichkeit und Kunst Richard Wagners an seinem 28. Todestage, dem 13. Februar, uns wieder mit besonderer Lebendigkeit vor die Augen tritt, so mag wohl auch das Urteil besondere Aufmerksamkeit erregen, bas der größte gleichzeitig neben ihm schaffende Drama­tiker Friedrich Hebbel über sein Werk wie seine Theorien gefällt hat. Ist doch Hebbel der einzige, dem es gelungen ist, neben den Musikdichtungen Wagners ein unter ganz

selben sind auch, wie ich aus eigener Erfahrung sage» kann, beim Arzt nicht ausgeschlossen. Wen» dfts fiiß Liquidation als W hoch SofmÄS» wtkS, sS der Patient meistens nicht, weil ihm tzjss öcm KrO gegenüber z« peinlich ist. Mag fcmi ülleMugs hin Arzt um das, was in jedem gsfchMichütt Berckchk fiS|ä verständlich ist, besonders ersuchen, näwüch um ©ößtu fikation der Rechnung, indes man unterlaßt dies tteSsx, weil der Arzt hierfür wiederum besondere Koste» Se- rechnen kann, und weil man obendrein befürchten mutz, ihm mit diesem Ansuchen zu nahe zu treten. Das ei«- fachste wäre ja wohl, das Honorar sofort Hei jeder Konsul­tation zu entrichten, aber auch hiergegen sträuben sich manchmal die Arzte, und dann ist ersteres namentlich bet Besuchen derselben in der Wohnung der Patienten nicht immer angebracht. Ersucht man aber um Zustellung der Liquidation im Laufe des Jahres, so wird diesem Er­suchen, wie es mir passiert ist, auch nicht immer ent* sprachen. Ich möchte mir daher den Vorschlag erlauben, daß die Herren Arzte allgemein die Liquidationen vierteljährlich versenden mögen, und vor allen Dingen, daß die Liquidationen gleich von vornherein

spezifiziert ausgestellt werden, etwa wie folgt:.

Erster Tagesbesuch . . . weitere Tagesbesuche . . . Nacht- befuche.... erste Konsultation in der Sprechstunde . . . weitere Konsultationen." Es wird dies in fast allen Fällen genügen und die jetzigen Unzuträglichkeiten sicher beseitigen. Den Ärzten wird hierdurch allerdings eine kleine Mehrarbeit erwachsen, aber dieselbe wird durch bessere Eingänge der Honorarforderungen reichlich aus­gewogen, denn ein kleinerer Vicrteljahresbetrag wird leichter aufgebracht und abgestoßen als ein größerer und oft unerwartet großer Jahresbetrag.

*

Der Vorschlag erscheint uns durchaus praktisch un8 auch durchführbar. Die einfache Liquidierung einer Pauschalsumme ohne jede weitere Angabe ist zweifellos für die zahlungspflichtigen Patienten eine oftmals recht überraschend wirkende Forderung. Eine Anfrage an sie, ob ihnen eine Rechnung nrit Angabe der Besuchszahl erwünscht sei, würde wohl von allen Seiten bejaht wer­den: die Rechnung könnte ja ganz einfach und kurz nur die Hausbesuche usw. angeben.

Personal-Nachrichten. Den nachbenannten Personen ist die Erlaubnis zur Anlegung der ihnen verliehenen nicht- preutzischen Orden erteilt, und zwar des Ritterkreuzes des Großherzoglich Mecklenburgische'.! Greifenordens dem Leut­nant v. H e em s k er ck im Füsilierrcgiment von Gersdorff (Kurchess.) Nr. 80, Gouverneur Ihrer Durchlauchten der Prinzen Heinrich XXXVIll. und Heinrich XLII. Reutz, und der Königlich Siamesischen goldenen Medaille dem Pize- feltwebol Haverlani». MufiÄeiter beim 6. Bataillon des Füsilierregiments von Gersdorff (Kurhess.) Nr. 80.

Schulst ach richten. Wie merkwürdig bisweilen in den ländlichen Bezirken die Auszahlung der noch manch­mal recht dürftigen Lehrerbesoldungen gestand- habt wird, beweist ein Vorfall, den ein Lehrer imAll­gemeinen Schulblatt für den Regierungsbezirk Wies­baden" zur Sprache bringt. Er berichtet, daß er schon lange daran gewöhnt sei, sein Viertekjahrsgehalt in Ab­schlagszahlungen entgegenzunehmen. Im ersten Drittel des Monats Januar d. I. erhielt er ein Viertel des Gehalts. Als er Ende desselben Monats zur Beerdigung eines verstorbenen Verwandten reisen wollte, sandte er seinen ältesten Sohn zum Gemeinderechncr mit der Bitte um Geld. Die Frau des Rechners erklärte aber:Der braucht nicht zu verreisen, der mag daheim bleiben." Man sollte doch denken, daß eine Beschwerde an das Landratsamt gründliche Abhilfe schaffen würde.

Geräuschloses Schneiden von Eisen. Eine neue Erfindung der Chemischen Fabrik Elektron-Griesheim ermöglicht ein geräuschloses Durchschneiden von Eisen­trägern. Wenn man bedenkt, welcher lästige, nerven­erschütternde Spettakel bei solchen und ähnlichen Ar­beiten sich bisher bemerkbar gemacht und die Ruhe der Anwohner gestört hat, so kann man nur wünschen, daß dieses Verfahren, dessen Probe aufs beste ausgefallen,

anderen Bedingungen geborenes Drama großen Stils zu schaffen, der sich im Ernst des Strebens und in der Kühnheit der Anschauungen mit dem Bayrenther Meister vergleichen läßt, und der ebenfalls ans dem Quell des germanischen Mythus den Stoff für ein großes Werk geschöpft hat. Nachdem Hebbel in Wien den ersten Akt des Loycngrin gesehen, schreibt er an Liszts Freundin, die Fürstin Wittgenstein, daß er besonders von der Ent­faltung der Massenbewegungen mächtig ergriffen sei. Aber er setzt sich gleich mit dem Textdichter auseinander. Der Text sei, wenn man das Verhältnis zur Musik im Auge behalte,gewiß einer der allervortrssflichsteu, aber die Aufgabe des DramaS fängt eben erst da au, wo er aufhört." In dem Augenblick, wo Lohengrin Elsa LaS Fragen verbietet, verstände es sich für jeden von selbst, daß sie fragen wird.Der Dichter müßte aber aus ihrer Frage etwas ganz anderes als den Tod für sie resul­tieren lassen, wenn er nicht der Trivialität verfallen wollte, er dürfte auch das Verbot selbst nicht nackt mrd motivlos hinstellen, sondern Verwicklung und Auslösung müßten unendlich gesteigert und in gleichem Maße der Ausdruck in blitzende Farben getaucht werden. Der Musiker dagegen hat vollkommen recht, wenn er sich die Sphäre so und nicht anders abgrenzt." 1858 war Wagners BuchOper und Drama" erschienen. Im März des­selben Jahres lesen wir bei Hebbel, wenn er auch Richard Wagner, der das ganze Drama in Musik «ruf­lösen wolle, entschieden entgegentreteu muffe, so wäre er doch längst überzeugt, daß man die Musik in den­jenigen Momenten, wo eine Massenbewegung dargcstellt werden solle, mit Erfolg zu Hilfe rufen könne. Darauf habe er schon gerechnet, als er die ersten Szenen des Molochs in Rom entwarf. Und im Juni 1888 schreibt Hebbel an Robert Schumann, mit dem er seit seiner Genoveva" in brieflichem Verkehr stand, und dessen Kompositionen seinesHeiüenknaben" und vonSchön Hedwig" er außerordentlich rühmt, in einem ausführ­lichen Briefe die folgenden Zeilen im Anschluß an Oper und Drama:Ohne Richard Wagners Buch im ganzen oder im einzelnen irgend akzeptieren zu können, schwebt doch auch mir, und zwar von meinem ersten Anftreten