Seite F. Samstag, 1. Februar 1908. Abend-Ausgabe, 1. Blatt. Nr. 24.
.sozialdemokratischen Antrag, hinter dem Worte „Ar- beilterausschüsse" einzuschalten: „und Arbeiterorganisationen" habe ££ tcin Bedenken.
! Abg. v. Richihofen (fort).) meint, er zweifle in keiner Weise die Bedeutung der Tarifverträge an. Eine andere Frage sei aber, ob die Reichsvcrwaliung eine solche Einwirkung ausüben wolle, wie sie hier verlangt rverde. E'r für seine Person werde gegen die Resolution stimmen.
Abg. Ledebvur (Soz.) führt aus: Die Tarifverträge würden von allen Arbeitern dringend gefordert; Mci- Nungsverschiedenheiten beständen nur in der Form. Der Wunsch, die Arbeiterorganisationen zu stärken, werde auch von der gesamten Arbeiterschaft geteilt, und deshalb werde gefordert, daß auch die Verwaltungen die Berechtigung der Arbeiterorganisationen, über Tarife und Bedingungen zu verhandeln, anerkennen. Der Staatssekretär glaubt, ans der Form, des sozialdemokratischen Antrags herauslescn Zn müssen, daß dadurch die den Arbeitern gewährte Koalitionsfreiheit in einen Koalition szwang verwandelt werbe. Das stimme nicht. ES fei nach wie vor jedem Arbeiter unbenommen, keiner Organisation beizutreten.
Abg. Semler (nat.-lib.), leise sprechend, ist nur schwer verständlich, scheint sich gegen die Resolution auszn- fxrechen, im allgemeinen aber den Tarifverträgen gegenüber eine freundliche Auffassung zu bekunden.
, Abg. Pachnickc (freist'Ber.) stimmt dem Antrag zu. 'Zahlreiche süddeutsche Staatsverwaltungen verführen bereits in diesem Sinne; der Tarifvertrag fei der Vertrag der Zukunft. Der Staat dürfe nicht als Lohndrücker anstreten.
Abg. Behrens (Wirtfch. Ver.) legt dar: Wenn die Staatsbetriebe All u ft e r b e t r i e b e sein sollten, müßten sic auch auf dem Gebiet der K o l l c k t i vv e r t r ä g e vorangehen. Die Tarifverträge könnten cinfacherweise nur mit Arbeiterorganisationen abgeschlossen werden. Die Arbeitcransschüsse werden erst daun segensreich wirken. Seine Partei werde für die Resolution stimmen.
Abg. Ledebvur (Soz.) meint, der Vorredner beurteile die ganze Frage im ganzen weitherziger als der Abg. Pachnickc. Leider habe er nur für seine eigene Person gesprochen. Der Behauptung Pachnickes, daß die Gewerkschaften sich mit der Sozialdemokratie identifizierten,
müsse er entgegcntrcten, da beide vollständig verschieden. iWiderspruch.f Die Freisinnigen begingen einen Akt der Feindseligkeit gegen die Arbeiterorganisationen, wenn sie gegen den Antrag der Sozialdemokratie stimmten.
Abg. Pachnickc (freist Ver.) hebt hervor, die Tatsachen hätten gezeigt, daß in den letzten Jahren die Annäherung zwischen der gewerkschaftlichen Bewegung und der sozialdemokratischen Partei immer enger geworden sei.
Abg. Mngüan (freist Volksp.) bekennt sich, wie schon früher, als ein Freund der Tarifverträge. Nicht die Sozialdemokraten hätten ein warmes Herz für die Arbeiter. (Beifall und Lachen bei der: Sozialdemokraten.) Der Zusammenhang der freien Gewerkschaften mit den Sozialdemokraten könne nicht geleugnet werden. Der Antrag wäre überhaupt nur dann durchführbar, wenn man mit dem Abg. Leöcbour annehmc, daß die Arbeiter in Kiel sämtlich Sozialisten wären; so schlimm sei die Sache doch nicht. Er habe die Sozialdemokratie hier angegriffen, weil er
die Sozialdemokraten für die größten Arbciterfeindes
halte; er habe niemals gegen die Interessen der Arbeiter gesprochen. Das sei der Ärger der sozialdemokratischen Partei.
Alach weiteren Bemerkungen der Abgg. Ledebonr, Behrens und Mngdan wird auf Antrag des Grafen o. Hompesch die namentliche Abstimmung über die Resolution beschlossen und auf morgen festgesetzt.
Es folgt die Beratung über den Reichseiscnbahnctat.
Zlbg. Stolle (Soz., fast unverständlich), weist ans die Zunahme der Unfälle
hin. Die meisten Unfälle passieren nicht ans freier Strecke, sondern auf den Bah nhösen, als Folge der mangelhaften Bahnhofsanlagen. Einzelne Unfälle sind auch auf ungenügende Instruktion der Beamten zurück- zusühren. Für all diese Fragen ist das Rerchseiscnbahn- amt zuständig und muß Wadnel schassen, ohne Rücksicht ans die Kosten. Der leitende Gesichtspunkt darf nur die Sicherheit des reisenden Publikums sein. Die Bezahlung der Eisenbahnbeamten läßt viel zu wünschen übrig, die U n terbeamterl bei der Bahn bekommen weit weniger als die bei der Post und der Polizei. Weiter wird den Eisenbahnbeamten das Koa- l i t i o n s r e ch t verkümmert, nicht nur sozialdemokratischen Arbeitern, nein, auch den Arbeitern, die anderen Parteien angehören, wird das Koalitionsrecht verkümmert. Der Wagen Mangel besteht noch immer fort, im Rnhrgebiet fehlen allein ca. 20000 Wagen. Darunter muß die I n d n st r i c leiden.
Abg. Dr. Bnrckhardt (Wirtfch. Wer.) wünscht, baß allen Eisenbahnarbeitern Gelegenheit gegeben werde, durch Arbeiteransschüsse ihre Wünsche zur Geltung zu bringen.
Präsident des Reichseisenbahnamts Br. Schulz: Was irgend geschehen kann, um die Unfälle zu vermindern, wird getan. Wir haben erst seit kurzem eine neue Betriebsordnung eingeführt, die allgemein als mustergültig anerkannt wird. Nach dem Abg. Stolle hat cs den Anschein, als ob die Unfälle bei uns in der Zunahme begriffen seien. Dies ist aber ein Irrtum.
Die Unfälle nehmen ständig ab.
In den letzten Jahren betrugen die Unfälle auf 10 Millionen Zngkilometer 33, 27, 17 und 13. Ganz lassen sich Unfälle naturgemäß nicht vermindern, aber cs wird nichts versäumt, um sic zu verhindern. Daß auch in diesem Jahre ein Wagenmangel stattgesnnden hat, gebe ich zu. Doch läßt sich das leider nicht vermeiden infolge des enorm gesteigerten Verkehrs. Die preußische Eisenbahnverwaltung ist bemüht, dem Wagenmangel nach Kräften abz »Helfen, sie hat allein im letzten Jahre 250 Millionen für neue Betriebsmittel auAgegeben.
Abg. Storz (Deutsche Bolksp.): In vielen Füllen wird
falsche Sparsamkeit
die Ursache von Unfällen sein. Sachlich bin ich in vielen Punkten mit dem Abg. Stolle einverstanden, doch gehören Beamtensragcn nicht hierher. Die württembergi- schc Eiscnbahnverwaltnng wird jetzt dadurch geschädigt, daß die Linie Berlin-Zürich nicht auf dem kürzesten Wege, sondern ans einem großen Umweg befahren wird. Hierin liegt eine Verschleuderung des deutschen Nationalvermögens.
Die Vetriebsmittelgemeinschaft ist gescheitert an dem Widerstand Preußens und Bayerns. Und doch hatte Bayern ein großes Interesse an der Betriübsmittelgemeinschast. Die Position Bayerns ist ohnehin schon sehr schwach, der große internationale Verkehr von Frankreich nach Wien geht über die Arlbergbahn. Noch niemals Hat eine Steuer ein solches Fiasko erlebt als
die Fahrkartcusteucr,
cs ist eine große Abwanderung in die unteren Klassen erfolgt. Wir haben dieses Fiasko vvrausgesagt. Hoffentlich können wir bei der Finanzresorm die Fahrkartensteuer wieder beseitigen. Auch die sogenannte Tarifrcform war ein Feh l sch la g, es ist keine Verbilligung, sondern eine Berten e r u n g eiugctreten. Auch der Gepäcktarif war ein Fehlschlag, billig ist die Gepäckbeförderung nur bei leichten Gepäckstücken, enorm teuer jedoch bei schwerem Gepäck, selbst bei kurzen Entfernungen. Und dabei sind die Vorschriften über die Gepäckbe
förderung so kompliziert, daß man sie kaum verstehen kann. ES gehört schon ein besonders heller Kopf dazu, um all die Feinheiten zu verstehen.
Präsident Br. Schulz: Der Vorredner beklagte sich über die Benachteiligung Württembergs. Ich gönne Württemberg gewiß alles Gute, aber es handelt sich doch auch hier nur um das Interesse des Publikums. Es ist für das Publikum sehr unangenehm, wenn cs bei so weiten Strecken die Auswahl zwischen mehreren Linien hat. Ich gebe zu, daß die Tarifresorm nicht ohne Mängel und Unstimmigkeiten ist. Es sind aber bereits Verhandlungen im Gange, um diese Mängel zu beseitigen.
Hierauf vertagt sich das Haus auf Samstag 11 Uhr.
Präsident Graf Stokberg schlägt folgende Tagesord-, nung vor: Rechnungssachen, Geschäftsordnungssachen, Abstimmung über die Resolution zum Mar ine erat, Nachtragsetat, Fortsetzung der heutigen Beratung und Petitionen.
Abg. Br. Bnrckhardt schlägt vor, die Abstimmung an die erste Stelle zu setzen, da mancher gewiß gern früh nach Hanse reisen möchte (Heiterkeit), zieht jedoch seinen Antrag zurück, da aus dem Hause Widerspruch erfolgt, und Präsident Graf Stolberg meint, Latz die ersten Punkte nur formale Sachen seien.
Es bleibt beim Vorschlag des Präsidenten.
Schluß 6Vz Uhr.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
(Fortsetzung des telcgr Berichts in der Morgen-Ausgabe.)'
— Berlin, 31. Januar.
In der weiteren Beratung über den Justizctat beschwert sich
Abg. Br. Dahlem (Zentr.) über die Einrichtung der Amtsgerichte in Nassau.
Das Amtsgericht in Montabaur ist direkt ein Loch. Die Vermehrung um eine R ich t e r st el l e beim Landgericht von Wiesbaden bedeute durchaus keine Entlastung.
Der Justizminister Dr. Bescler sagt zu, daß Pie Wünsche Wiesbadens im nächsten Etat Berücksichtigung finden werden.
Auf Beschwerde des Abg. de Will (Zentr.) erklärt ein Negierungsoertretcr, daß prinzipiell den Assessoren, die mit Wahrnehmung einer Hilfsrichterstellc betraut sind, Remunerationen gezahlt werden.
Abg. Dr. Friedberg (natl.): Der Abg. Dr. Dahlem hat bereits die Aufmerksaurkeit des Justizuriuisters auf die Zustände am Wiesbadener Landgericht gelenkt. Mein verehrter Freund Bartling, der durch Krankheit verhindert ist, heute hier zu erscheinen, hatte schon vor zwei Jahren darauf hingewiesen, daß die dortigen Verhältnisse tatsächlich unhaltbar sind. Trotzdem ist nur eine ganz geringfügige Vermehrung des Richterpersonals cingctreten. Ein befreundeter Anwalt aus Wiesbaden schreibt mir heute: „Die vierte und zweite Zivilkammer haben vom 15. September bis 31. Dezember 1907 je 100 kontradiktorische Urteile machen müssen; in den Weihnachtsferien mußten die vier Beisitzer dieser Kammer je 20 kontradiktorische Urteile ausarbeiten. Die Überlastung unserer Richter, deren Fleiß und Arbeitskraft geradezu bewundernswert ist, wird nachgerade unerträglich. Wir müssen mindestens einen Direktor und zwei Landrichter mehr haben." Das sind dieselben Wünsche, die vorhin der Abg. Dr. Dahlem geäußert hat. Ich glaube, wenn hier doch von unparteiischer, nicht intercsiierter Seite ein derartiges fachmännisches Urteil abgegeben wird, daß dann der Jnstizministcr wohl alle Veranlassung hat, der Sache nachzngehcn. Wenn ich ihn recht verstanden habe, hatte er auch eine Prüfung in Aussicht gestellt, und ich zweifle nicht, daß die Prüfung so aus-
nnd einen Kredit, den man sich sonst mit der modernen Bildung und Aufklärung kaum zu erklären vermöchte.
Und wenn die Reklame-Ausschweifungen noch aus die Zeitungen und Wochenschriften beschränkt blieben! Aber sie drängen sich seit einiger Zeit sogar in Bücher, besonders Reise- und Eindrucksschilderungcn bekannter Schriftsteller ein, denen der gewonnene Ruf keinen anderen als einen rein materiellen Wert vorstcllt, ein Pfund, mit dein man im wahren Sinne des Wortes wuchern könne, ja müsse. Und unter ihrer geschickten Feder werden die in Darstellungen unauffällig verstreuten Reklamen mit beabsichtigten Übertreibungen und Entstellungen besonders in dem an-geöeuteten bedenklichen Sinne wirksam. Sollte man es vollends fiir möglich halten, daß einige besonders marktschreierische Massenbasarc die Reklame fiir sich, und zwar eine vor keiner Keckheit zürückschreckende, über alle Wahrscheinlichkeiten sich kühn hinwegsetzende Reklame, in volkstümlichen Vorträgen machen lassen, denen ein soziologisches, volkswirtschaftliches oder auch literarisches Mäntelchen umgehängt wird, llnd zur richtigen Inszenierung dieser Anpreisungen, für die der Ausdruck schamlos kaum zu stark sein dürste, werden kinemato- graphischc Vorstellungen, selbst Konzerte und Aufführungen hinzngesügt, bei denen gleichfalls die Wohltaten der betreffenden Firmen selbst mit gewaltsamen Textändc- rungen von klassischen Werken angcpriescn werden.
Gibt es doch ferner sogar Herren und Damen in besseren Gesellschaftskreisen, die um eines hübschen Nebenverdienstes willen Anpreiserrollen für alle möglichen, oft nicht gerade die reellsten Geschäfte in ihren Kreisen übernehmen. Man hört dann in ihren Salons oder bei Empfangen liebenswürdige Hinweise derart: „Ach, liebe Freundin, Sic glauben wohl, diese neue schöne Base da stellt einen großen Wert vor? Fehl- geschosscn; ich habe eine ganze Masse solcher reizender Sachen für einen wahren Spottpreis bei L. zusammen - gekauft. Wenn Sie wollen, gehen wir morgen einmal zusammen hin. Da werden Sie verblüfft sein!" Selbst Kostüme und alle erdenklichen Toilettengegenstände werden auf diese Weise von Personen, die sich zur „Welt", vielleicht auch zur „Halbwelt" zählen, bei denen, mit
denen sie in Berkehr zu treten vermögen, in Aufnahme gebracht. Freilich bleibt eine solche Reklametätigkeit gewöhnlich nicht lange unbemerkt, wie vorsichtig mau auch dabei zu Werke gehen mag, aber fortgesetzt wird sie trotzdem, da diese Personen sich immer neue Kreise zu erschließen wissen.
Dann gibt cs noch Reklameläufer und -käufcrinnen, die, wenn einige in pekuniärer und möglichst auch intellektueller Hinsicht besonders Vertrauen cinflötzendc Personen — man wählt mit Vorliebe die „Köpfe" von Provinzialen und Ausländern hierfür — in gewissen Luxusgeschäften eine Auswahl treffen wollen, mit harmlosester Miene eintreten, von den Verkäufern ehrfnrchts- voll mit klingendem Namen und Titeln empfangen werden und alle möglichen teuren Artikel verlangen, wobei sic wahre Vorträge über ihren echten Pariser Schick, ihre Notwendigkeit für jeden, der in der feinen Welt zur Geltung kommen wolle, und auch über ihre Preiswürdigkeit halten. Und das zieht sehr häufig! Damit sind die Spielarten der neuesten Pariser Reklamen aber noch lange nicht erschöpft; das genügt indessen, um ihre Eigenarten und gleichzeitig ihre Gefahren nicln znm wenigsten für die zahllosen Vergnügnngsrcisenden aus aller Herren Ländern, die sich Hier unaufhörlich abwechseln und erneuern, klar hervortreten z» lassen.
Aus Kunst und Felmr.
— Kurhaus. Einen genußreichen Abend verschaffte am Donnerstag die Aufführung der beiden Trios für Klavier, Violine und Cello durch Herrn Kapellmeister A f s e r n i, Frau May A f f c r n i - B r a m m e r und Herrn Max S ch i l d b a ch. ES galt Brahms' op. 101 (C-Mvllj und Beethovens op. 97 (B-Dur). Die Wiedergabe durch die genannten Künstler war von ernstem Künstlersinn und gesichertem technischen Können getragen. Das geschmeidige Anpassungsvermögen des Pianisten an die Partien der Streichinstrumente zeitigte vortreffliche klangliche Wirkungen: Herr Äffer ui entfaltete namentlich auch in dem schwierigen Brahmsschen Trio hervorragende pianiftische Begabung. Der zartgesponnene
Ton der Geigerin Frau M a y A s f e r n i und ihr fein« musikalisches Empfinden wetteiferten mit dem weichen und doch sonoren Ton des Herrn Schilöbach, der überhaupt bei dieser Aufführung wieder überraschende Fortschritte besonders auch nach Seiten der künstlerischen Auffassung und Durchbildung offenbarte. Neben den cnergievoll gespielten Allegro-Sätzen des Brahmsschen Trios waren cs das phantastische Presto und das liebenswürdige Andante, in denen die Kunst der Ausführenden ihren Höhepunkt erreichte. Das „Trio aller Trios": Beethovens op. 07, fand bei vorzüglicher Wiedergabe vielleicht noch gesteigerte Anteilnahme beim Publikum und brachte den Künstlern warmen und herzlichen Beifall. —
Am Freitag gab Herr Konzertsänger Adolf Müller aus Frankfurt einen „Liederabend", der sowohl die stimmliche Begabung des Sängers wie feine gesangliche Schulung und Vortragskunst in recht günstigem Lichte erstrahlen ließ. Herr Müller gab mit seinen Darbietungen, die nur nach der koloristischen Seite noch etwas lebendiger wirken könnten, einen interessanten Überblick über die Entwickelung des deutschen Liedes und suchte mit feinem Stilgefühl, wie den einfachen Strophenlisdern Reichardts nfw., so auch den leidenschaftlich gefühlten romantischen und inodernen Kompositionen gerecht zu werden. Herr Ass er ui begleitete mit Sicherheit und Diskretion. Das Publikum spendete den Vorträgen mit Recht sehr lebhaften Beifall, -ck.
* Warum verlangen wir Moralunterricht? Diese Frage hatte sich Fräulein N e l l y I a n n a s ch zu ihrem gestrigen Vortrage in der Deutschen Gesellschaft für c t h i s ch c K u l t u r (Abteilung Wiesbaden) gestellt. Sticht wie sich in dem Hirne des kühlen Verstandesmenschen die Gesetze der Umformung des sogenannten Religionsunterrichts in eine sinn- und zeitgemäße Leben stunde gestalten, bekam bas zahlreiche Auditorium zu hören, keine langen, vcrständnisschwereu Abhandlungen mutzte cS mehr oder minder nützlich verdauen, da stand vielmehr eine Frau am Rcdnertischc mit dem großen, echten, weichen Herzen, mit dem Mitleid des Weibes für die Irrenden, mit dem Mut und der
