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Nr. 45 S.
Morgen - Kusgabe.
' Wl<rtt.
Das xreußische Aullusministerium.
Zu den Maßnahmen, die im Interesse der Bio ck- Politik der Regierung erforderlich erschienen, gehörte der Rücktritt des Kultusministers o. Statt, und wenn auch von ihm nahestehender Seite bestritten wird, daß seiner Demission politische Motive zugrunde lagen, so wird dock zugegeben, daß der Minister seinerzeit selber sein Portefeuille zur Verfügung gestellt habe, falls ern Wechsel erforderlich erscheinen sollte. Nach ihm kam bekanntlich in das Ressort ein völliger Außenseiter, der Unterstaatssekretär im Verkehrsministerinm Dr. Holle, ein politisch unbeschriebenes Blatt, der in der Absicht berufen war, weder rechts noch links anzustoß e n, und von dem man in seinem Amte bisher noch nicht viel gehört hat außer einigen schönen Worten beim Empfang von Deputationen, die er sämtlich seines Wohlwollens versicherte. Indessen verlauteie bald nach seinem Amtsantritt, daß gewisse Personalveränderungen in seinem Ressort erfolgen würden; verschiedentlich wurde dies zwar bestritten, aber es lag auf der Hand, daß der neue Minister mit einer Persönlicb- keit, die der Amtsführung seines Vorgängers den Stempel ausdrückte und im Grunde genommen einflußreicher als Herr v. Studt selber war, nicht werde Zusammenarbeiten können und wollen; wenn der Mantel fiel 'so mußte der Herzog nach. Überdies ließ sich voraussehen, daß eine Herrennatur wre Snittff nicht neben eurem kraftvollen neuen Minister werde arbeiten wollen, nachdem er in allen Hauptfragen auch außerhalb seines enaercn Wirkungsbereiches den' Ausschlag gegeben hatte, und somit kommt jetzt die Nachricht von der Bestätigung seines Entllrssungs- aesuck.es nirgends überraschend. Sein Rucktrrrt er- folate unter großen Ehrungen, wie üe sonst einem Ministerialdirektor gegenüber nicht üblich sind, aber sie sind verdient, denn man kann Herrn Althon noch so feindlich aeaenüberaestanden naben, das wird man zu- aeben müssen daß et sich um den Ausbau unserer Universitäten bervorragende Verdienste erworben bat, wenn amh oft" sein Vorgehen, insbesondere die Nichtachtung von Fakultätsvorschlägen ttt der Neubesetzung von Lehrstühlen, mit Recht dm scharffre Kritik herauttordeite. Welch große Arbeitskraft er war, ersteht man, schon daraus, daß sein Dezernat geteilt worden ist indem sein Nachfolger Geheimrat Nauinaiui mir dre Leitung der Abteilung für Univernckitznr und Hochschulen übernimmt, während die Leilung der allgemeinen wißeir- schaftlichen Angelegenheiten und deriemgen der Kunst Geheimrat Schmidt unterstellt worden ist, wahrend ocr Unterstaatssekretär Wev^r das höhere Unterrn^t^'wesen übernimmt und ein and'.rer Minlstcrlaw'.r ekwr zum
Fxnilletsu.
Ku§ EichLndGrsfZ IugsuL.
Da, wo der romantische Dichterwald am üppigsten blüht und die Stimmen der Quellen, Vögel und Baume singen und sagen, da liegt der heimliche Ort Ercqen- dorffscher Dichtung. Unter Deutschland- Romantrrern ist er der romantischste. Und wir dürfen wohl glauben, daß mit dem 6 0. Todestage des Dichters, oen wrr bald begehen, eine neue Schätzung seiner sinnst, eine iieue Erforschung seines Wesens erst einsetzen wird. Die Grundlage für alles tiefere Eindringen m dieses Dichters Werk wird ja nun durch eine kritische Gesamtausgabe, die Wilhelm Kosch heransgeben wird, erst schaffen. Dann werden auch die fernsten Fäden, dre sich von seiner Jugend her sonnengolden durch all seine Verse und Erzählungen ziehen und sie mit einem märchenhaften Schimmer ersten Träumens umspinnen, aanz deutlich werden. Doch ist uns über des Dichters Fugend, über die ersten poetischen Flüge der sich regenden Begabung schon in letzter Zeit reicher Aufschluß geworden, und gerade recht zu der Erinnerungsfeier kommt ein neuer Beitrag von Dr. Friedrich Castelle, ■ttr „Ungedruckte Dichtungen Eichen- Lwrffs" darbietet und dem romantischen Dramatiker gewidmet ist (Münster, Aschendorfssche Buchhandlung). . ,
Wohl hat der schlesisch« Freiherr im melodischen Lied und der stimmungsreichen Novelle den höchsten dichterischen Lorbeer gepflückt, aber auch sein dramatisches Schaffen ist nicht so unbedeutend, wie man wohl annimmt, sondern aufs tiefste mit seinem Entwicklungsgänge verknüpft, Ausdruck seines stolzesten Strebens, seines innigsten Lebengefühls. Ein reges Interesse am Theater. der Wunsch, zur Belleruna und Veredelung der
Wiesbaden, Mittwoch, 2. Oktober 1AV7.
Leiter der wissenschaftlichen Deputation für das Medizinalwesen ernannt worden ist, alles Posten, die Herr Althoff in einer Person bekleidete.
Sämtliche genannte Herren sind in der weiteren Öffentlichkeit bisher kauni hcrvorgetreten und in, ihrer Wahl zeigt sich wiederum die Tendenz, deroruge Ämter neutralen Personen zu übertragen, um sich nach keiner Seite zu binden. Aus diesem Grunde ist wohl auch die früher in Aussicht genommene Berufung von Geheimrat H a r n a ck unterblieben, die sicherlich bei einem Teil der Rechten lebhafte Verstimmung hervor- aerufen hätte. Vielleicht wird es hier und da auf- fallen daß nicht auch Herr v. Schwarzkopff gegangen ist dem das Volksschulwesen untersteht und der rm Parlament m der letzten Session neben Herrn v Studt Gegenstand scharfer Angriffe war; aber dies hatte den Eindruck hcrvorgerufen, als ob aus politischen Motiven die Veränderungen erfolgten; und, Viesen Eindruck will man, wie ja noch dies gestern mitgeteiltc offiziöse Dementi zu Althoffs Rücktritt beweist, bei uns nun einmal peinlichst vermeiden. Unsere Minister gehen bekanntlich alle nur aus — Gesundheitsrücksichten" selbst ein Mann wie der gifte Podbielski jreund- lichen Äiigedenkens. Es heißt indessen, daß der Herr v Schwartzkopff für den Posten des Präsidenten des Oberverwaltungsgerichts ausersehen, sei, ähnlich wie seinerzeit Herr Kügler nach dem Rücktritt Bwie;- dort- hiii übersiedelte: ob sich dieses Geriicht bestätigen wird, muß abaewartet werden. Jedenfalls siiid wichtige Veränderungen im Kultusministerium erfolgt, die Wohl einer definitiven O r g a n i s a t r o n s a n d e r u nq dieses riesigen Ressorts vorgreifen und teilweise Schlüsse ans die diesbezüglichen Pläne der Regrerung zulassen. Bis es dahin kommt, dürften allerdings noch mehrere Jahre vergehen, denn Herr Dr. Holle wird sich erst einleben wollen, ehe er an ein so großes Reforiwnerk herantritt. Auch, sonst harren,seiner Aufgaben genug. So warten seit Jahren die Ober lehret auf die Gleichstellung mit den Rrch- t g r rt, eine ForbernnA, bie nuch irrt ^curlorncnt leb* hafte Unterstützung gefunden hat; nachdem man bisher im Kultusministerium aus kaum begreiflichen Gründen wenig Entgegenkommen in dieser Frage gezeigt hat, scheint es jetzt anders werden zu Wollen und eine offiziöse Auslassung besagt, daß, die Regelung dieser Materie trotz gewisser Schwierigkeiten m der nächsten Landtagssession gleichzeitig mttberi entwert bet Beamtengehälter erfolgen soll. Dann aber gilt es vor allem, das zugosagte Gesetz, betreffend die Verbesserung der L e h r e r g e h ä l t e r. in die Wege zu leiten und ibm eine besriebigenbe Ausgestaltung zu geben, _ber „Bremserlaß" bes Herrn Stubt ist noch unvergessen, unb bei bieser (Äelegenboit iutrb Herr Di\ Holle zeigen können, baß mit bem neuen Mann boch nun) ein neuer Geist seinen (Einzug in bas preußische Kultusministe^
- rium gehalten hat.
deutschen Bühnenverhältnisse beizutragen, haben ihn durch sein ganzes Leben begleitet. Tagebücher des Dichters, wie sie uns schon aus seinem zwölften ^ahre erhalten'sind, erweisen die lebhaften Eindrücke, die Auft fübrunaen herumwandernder Schanspielertrnppen in ihm hinterließen. Auch seine Lektüre wandte sich schon mit Vorliebe dem Drama, besonders den Werten Schillers zu. . . Mit etwas gravitätisch kindlicher Genauigkeit Hai der Knabe in seinen Tagebüchern Rechnung über sein Taschengeld geführt, die Groschen, die er
für Gimpel Zeisige und andere Vogel, für Rotstifte gum Ausmalen ' seiner illustrierten Ncitnrgeschrchte ausgegeben genau gebucht, und auch ein Verzeichnis seiner kleinen Bibliothek, die er sich nach und nach erworben,
angttegt-or lg01 nuf öag Breslauer Konvikt
kann ward er ein eifriger Besucher des Stadttheaters, das damals eine kurze Blütezert erlebte und auf dem die größten Schauspieler, ein Fleck, Jffland, NMirreirt, eine Schröder und Unzelmann erschienen, ^a, un Konvikt selbst wurde Theater gespielt, und zwar war es der Modeliebling Kotzebne, dessen nicht immer von Anstößigkeiten freien und sentimenialen Stucken selbst die fromme Anstalt nicht widerstehen koiinte. Der junge Eichendorff spielte mit Vorliebe die jugendlichen Liebhaberinnen und lebte sich bei einer , Aufführung der Kotzebueschen Posse „Der Wirrwarr" in seine Rolle w ein daß er sie selbst bei einem unternommenen Aus- fürge ans der Straße noch rezitierte. Solche theatraft- schen Freuden wechselten in dem eintönigen Anstalis- leben freilich mit weniger angenehmen Erlebnissen. Besonders die Küche des Konvikts ließ an Güte vrei zu wünsthin übrig und die Konviktoren gingen zum Regens, um sich wegen des schlechten Essens zu beschweren. Freilich ohne viel Erfolg, denn, wie Eichen- dorffs Tagebuch meldet, mußten Kre Schüler iiich- selten nach eineni aus Stockfisch und Grütze bestehenden Menu, uni dem Hnngertode zu entgehen, rum ^raueur
25. Jahrgang.
Ätßlm'ftmntog des Vereins für KomlMlM.
i.
H. r. Dkaadcburg, 30. September.
Im Saale der Johannis-Loge begannen heute die Verhandlungen der Generalversammlung des Vereins für Sozialpolitik.
Professor Dt. Schmoller eröffnete die Generalversammlung mit Worten der Begrüßung und bemerkte: Der Verein für Sozialpolitik blickt heute auf eine 35° jährige Tätigkeit zurück. Wir sind bemüht, durch unsere Generalversammlungen in der Öffentlichkeit aufklarend und belehrend zu wirken. Der Verein für Sozialpolitik ist aber auch durch die Veröffentlichung seiner Schriften über die von ihm angestellten Erhebungen eine Art Akademie sozialpolitischer Wissenschaften geworden.
Der wirtschaftliche und soziale Kampf wird immer heftiger aeführt, es tritt daher an den Verein für Sozialpolitik umsomehr die Pflicht heran, belehrend und auf- klärend zu wirken und einen sozialen Ausgleich zu schrtssen.
Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bildete die berufsmäßige Vorbildung der volksmirtschaftlicheu Reamtcn.
Geh. Hofrat Prof. Dr. Karl Bücher (Leipzig) äußerte sich ungefähr folgendermaßen: Die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse haben in der natronal- okonomischen Wissenschaft eine volle Umwälzung hcrber- geführt. Es erscheine ebensowenig «ngezeigt, dem ausgesprochenen Talente pedantische Regeln vorzuschrerben, als die in Betracht kommenden Bürgerschasten sich verbieten lassen werden, den tüchtigen Mann zu nehmen, wo sie ihn finden. Dagegen müsse es auch diesen erwünscht sein, bet Stellcnbesetzungen über die Art und das Mindestmaß der nachzuweisendcn wissenschaftlichen Befähigung sowie über den zu ihrer Erlangung ber mittlerer Begabung notwendigen Bildungsgang genau unterrichtet zu sein. Endlich bestehe ein , erheblichc-, Interesse an gründlicher Durchbildung diejer jozial einflußreichen Gruppe von mittelbaren Staats- und Privatbeamten. Es sei heute allgemein anerkannt, öa^ die große Masse dieser Beamten einer a k a ö e m i s ch e n Ausbildung bedürfe, deren Mittelpunkt und Grundlage das Studium der politischen Ökonomie und der ihr verwandten Fächer der Staatswissenschasten bilde. Dazu sei ein Hochschulbesuch von mindestens sechs Semestern erforderlich. Die Hochschule, die dem Volkswirt die vielseitigste Ausbildung ermögliche, sei die Universität. Für gewisse eine besondere Qualifikation erfordernde Berufsstellnngen könne es nicht vor, Vorteil sein, vor dem Besuche der Universität den vollständigen, durch die Diplomprüfung abzuschlietzenden Studiengang einer sachlichen Hochschule öurchzumachen. In erster Linie sei die Handelshochschule zu nennen. Im Normalfall des Unrversttätsstndinms müssen obligatorisch sein: 1. National-Ökonomie und Frnanzwrrt-
Cougras bei der alten Ursulina-Kirche ausrücken, um sich dort zu sättigen.
Aus diesen beständigen Kämpfen zwrschen Magen und Geldbeutel, die sich in dem Innern des Mngen Josephiners" abspielten, ist eure amüsante parodftiftaw Szene entstanden, Wohl der erste dramatische -versuch Erchendorffs. Das Pathos des „Wallen,tem muß rhm dazu dienen, die komische Tragik ferner klernen Lerden auszudrücken, und ein sieghafter Humor brrcht rn dre,cm so recht erlebten Gespräch hervor, das der hungrrge Joseph mit seinem Magen und fernem Geldbeutel halt. Der Josephiner (zu seinem Magen der rhm erlrg nach- solat)' Hinweg, hinweg von mrr, du lastrger Plage- aerstl Wann wirst du endlich aufhoren, merne Ruhe durch immerwährende Klagen und Bitten zu stören? Wann aufhören, durch die Erinnerung an dein Elend nrich selbst zu quälen?" Der Dkagen (wirst sich vor ihm auf die Knie): „O Herr, o Josephiner — wende jetzt, nur jetzt wende deine Hand nicht von deinem treuen Diener! Sieh, dort wo der Ursulrner Heiligtum sein stolzes Haupt in heftiges Dunkel hüllt, dort biege, etwas rechts und — ein Glasfensterlcin ladet dich in ein warmes Kämmerlein, in dessen Mitte Labstt und Nahrung in gesegneter Fülle mir sprießt. O erhöre meine Bitte, schaffe mir Labsal und Erquickung. —Erhöre mich!" Der Josephiner: „Höre auf mit deinen
fruchtlosen Bitten! Kann ich gebratene Kapaunen aus der Erde stampfen? Wächst mir e:n Kalbsbraten ans der flachen Hand! — Kuttelslecke und erfrorene Kartoffeln Hab' ich für dich, aber keinen Braten " Der Geldbeutel (der unterdes diese Szene, mit Kalrblutrg- keit angesehen hatte): „Bravo, Josephiner, du handelst diesmal als ein Mann." Der Magen (noch auf den Knien): „Sieh, Unmensch, sieh, wre sich mein Wanst, aus dem man ehedem wohl einen Mar,ch trommeln konnte, sieh, in wieviel Millionen galten er sich jetzi legt Sieh, nur einige unzuverdauende Kntteljlecke und > mehrere zudringliche Maden schwimmen rn emem Meere
