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plT. 438.
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1. Wtatt.
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MIWMiis MliMc KriWbmMnst.
Aus den Verhandlungen des jüngst in Hamburg stattgehabten Deutschen Bankier-Tages bieten die Ausführungen des Hamburger Bankiers Max M. Marburg über unsere finanzielle Kriegsbereitschaft auch für weitere Kreise Interesse. Ausgehend von der kritischen Lage, in der wir uns vor der Älgeciraskonferenz befanden, wirft Marburg die Frage auf., ob wir für den Ernstfall finanziell ebensogut gerüstet seien wie in militärischer Hinsicht. Zwar fei es schwer, sich von einem zukünftigen deutschen Kriege einen Begriff im voraus zu machen, aber er sei gleich einer Anzahl erster Militärschriftsteller der Ansicht, daß jetzt ein Krieg nicht von kürzerer, sondern von längerer Hauer sein dürfte als früher. Die Gesamtstärke unserer Armee im Kriegsfall nimmt Marburg auf Grund gelegentlicher Berechnungen von damit vertrauten Kreisen mit drei Millionen Mann an und er kommt, wenn er die Kosten eines einzelnen Soldaten mit täglich 6 Mark anfetzt, auf eine jährliche Kostensumme von etwa 7 Milliarden Mark, in welcher Summe jedoch die Ausgaben für die Marine, die Entschädigungen usw. nicht inbegriffen sind. General Andrs habe für ; Frankreich einen Monatsbedarf von einer halben Milliarde Frank ausgerechnet, und diese Schätzung dürfte mit den angestellten deutschen Berechnungen ziemlich übereinstimmen. Die erste Wirkung eines Krieges wäre nämlich eine Panik, und bei dem entstehenden großen Mißtrauen sei mit einer sofortigen Zurückziehung aller ausländischen Forderungen beziehungsweise Guthaben ans Deutschland zu rechnen, was natürlich die finanzielle Situation noch erschweren würde.
Was nun die zu ergreifenden H i l f s m it t e I anbelangt, so verwirft Marburg im großen und ganzen die verschiedentlich, namentlich von militärischen Schriftstellern, vorgeschlagenen Notmaßregeln, wie: die Golddeckung der Reichsbankuoten ganz oder teilweise aufzu- heben, Zwangsanleihen und Zwangskurse zu dekretieren u. a. m. Das seien Mittel, zu denen man erst im äußersten Notfälle greifen solle. Wenn auch ein deutscher Krieg mit dem russisch-japanischen nicht zu vergleichen sei, so müsse doch hervorgehoben werden, daß beide Länder selbst in den kritischsten Momenten nicht an ihrer Goldwährung gerüttelt hätten. Unsere finanziellen Kriegsmaßregeln müßten derart sein, deß durch sie die Grundlage unserer Wirtschaftsordnung möglichst wenig gestört würde. Als geeignete Mittel nennt Marburg außer den 120 Millionen im Juliusturm: Erhöhung der Steuern, Erhöhung der
Bezüge des Staats aus seinen Betrieben (Eisenbahn, Post, Telegraphie) durch Erhebung von Kriegszn- schlä'gen. Verringerung der Ausgaben, nanicntlich der entbehrlichen, wie für Kulturzwecke und öffentliche Bauten, und ferner den eventuellen Verkauf von Domänen, Hierzu kommen noch die gefetzi.wMen
KemUersn.
MaLbrnck »ertöten.)
Der Kompagnon.
Groteske aus dem Ungarischen von Tc«ö Binder.
I.
Mister Witehall war der mächtige und viel beneidete Inhaber des ersten Annoncenbureaus in New Aork. ..Seine Reklamen waren auf den höchsten Felsenspitzen zu sehen, wohin sich nur die waghalsigsten Touristen versteigen, und in den tiefsten Felfenschlünden, wohin gleichfalls nur die leidenschaftlichsten Touristen abstürzen.
Mister Witehall, der Neklamekönig, saß zu Beginn unserer Erzählung in seiner glänzend eingerichteten Arbeitsstube und zerbrach sich den Kopf über eine neue Idee, einen verjüngenden Wunderbalsam in Verkehr zu bringen. Die Sache ging schwer, die Reklame-Muse wollte sich nicht melden. Spät in der Nacht wurde plötzlich unter seinen Fußen im Parterre ein verdächtiges Geräusch hörbar.
„Was ist das?" fuhr der Reklamckönig zusammen. „Es werden doch nicht etwa Spitzbuben in meinem Geschäftslokale wirtschaften?"
Er nahm seinen Revolver und eilte über die Wendeltreppe hinab ins Kontor, wo er vor dem eisernen Schrank eine mehr als verdächtige Gestalt wabrnahm. die nach Herzenslust die reiche Schatzkammer pliftderw und beim Eintritt des Eigentümers sich mit Maus-
Wiesbade«, Sonntag, IS. September 1907.
Leistungen der Kommunen und Privaten für Verpflegung, Hergabe von Pferden, Wagen usw. und schließlich spielt noch der Erlös aus auszugebenden Anleihen eine wesentliche Rolle. Das Deutsche Reich hat. ja seit seiner Gründung in dieser Hinsicht glücklicherweise noch keine Erfahrung sammeln können. Als Ber- spiel führt Marburg England an, welches von 1688 bis. 1785 und während seiner Kriege gegen Napoleon ganz enorme Summen beschaffen mußte und dies auch mit zirka zwei Drittel durch Anleihen und ein Drittel durch Stenererhöhüng fertig brachte. Nun sind wir, was die Unterbringung' solcher Kriegsanleihen anbelangt, gehen unsere westlichen Nachbarn und selbst gegen Rußland und Japan im Nachteil, denn wir sind nun einmal kein Land ererbten Reichtums und dann würden uns auch nicht, wie Rußland und Japan, die Auslandsmärkte zur Verfügung stehen. Grundbedingung für uns sei eine gut organisierte, starke Börse und eine gesunde und kräftige Spekulation, die auch in solchen kritischen Zeiten den Mut habe, einzugreifen. Wie hoch der Wert einer solchen zu veranschlagen sei, sehe man an Frankreich, Die 1870a: französische Milliardenanleihe sei zuerst von der Spekulation ausgenommen worden und erst nach Verlauf von 7 bis 8 Jahren allmählich in den Besitz des Sparpublikums übergegangen. Wenn auch die starke industrielle Entwickelung Deutschlands nur lebhaft zu begrüßen sei, so bilde es für den Kriegsfall doch einen schweren Mitzstand, daß von dem jährlichen Zuwachs des deutschen Nationalvermögens der weitaus größte Teil in industriellen oder kommerziellen Unternehmungen oder in Hypotheken investiert werde. Das deutsche Nationalvermögen sei nicht genügend flüssig; es fehle an einer genügend hohen Reserve, die im Kriegsfall mobil gemacht werden könnte. Als wünschenswert bezeichnet es Marburg, daß ein Teil der flüssigen Mittel in ausländischen Wechseln oder ausländischen Forderungen angelegt würde, und auch mehr ausländische Papiere, allerdings nur solche nrit inter- nationalemMarkte, gehalten würden, die man, wenn bei uns die Panik losbricht, im Auslande los werden könnte. Das vorhandene Gold müsse gleich an die Reichsbank wandern, wo es als Deckung für den dreifachen Notenbetrag dienen könnte. Desgleichen die 120 Millionen im Juliusturm, deren zinslose Aufspeicherung Marburg für nicht mehr zeitgemäß hält. Es sei wohl möglich, dieselben flüssig, aber doch zinstragend anzulegen. Hätte man 1871 damit begonnen, so wären es jetzt ungefähr 350 Millionen. Zum Schluß seiner Ausführungen kommt Marburg zu der Ansicht, daß wir im Falle eines ein Jahr dauernden Krieges die sieben Milliarden wohl allein in Deutschland ohne sonstige Zwangsmaßregeln aufzubringen vermöchten. Es sei nicht zu vergessen, daß von diesen 7 Milliarden schon im voraus die 11OO Millionen zu kürzen seien, die in Friedenszeiten bereits für militärische Zwecke per Jahr verausgabt würden, und daß wir bereits jetzt über einen Bestand an ausländischen Wertpapieren von ungefähr 16 Milliarden Mark verfügen.
Zweifelsohne verdienen die Warburgschen Ausführungen Interesse und auch seitens der Regierung Beachtung. Allerdings stehen einzelne der Vorschläge
geschwindigkeit bemühte, das geräumige Lokal zu verlassen, das eine Diebeslaterne mild erleuchtete.
„Steh oder ich schieße dich über den Haufen!" Mit diesen Worten nahm der Reklamekönig den mitternächtlichen Gast aufs Korn.
„Dann wird es für mich wirklich vorteilhafter sein, wenn ich stehenbleibe", antwortete der Einbrecher kaltblütig.
. Diese klassische. Ruhe übte große Wirkung auf den Geschäftsinhaber, der. neugierig fragte:
„Aber wie kommen Sie denn eigentlich hierher? Und wie erbrachen Sie meinen eisernen Schrank? Der stammt doch aus der berühmtesten Fabrik!"
„Sie können hieraus ersehen, daß diese Firma eine ganz gewöhnliche Schwindelfirma ist. Ich las ihre Reklamen und brachte meine stärksten Werkzeuge mit. Als ob ich ihrer bedurft hätte. Das angeblich einbrnch- sicherc Schloß sprang so leicht auf wie eine dünnschalige Nuß."
„Na, das ist gewiß nur Ihnen so leicht gelungen. Ich kenne Sie, mein Herr, ich sah Ihr Portrait in den Spalten des „Polizei-Pantheons"! Sie sind ein verteufelt geschickter Kerl, Mister Blackwood! Dieser Einbruch in mein Geschäft hätte wirklich allerwärts riesiges Aufsehen erregt."
„Sehen Sie" — lächelte de» Einbrecher. „Sic si"d mir noch Dank schuldig, daß ich Ihnen eine so große Reklame machen wollte. Dank und—- Honorar . . ."
Herr^ Witehall legte bei diesen Worten seine geladene Schußwaffe nieder. In seinem Gehirn entstand eine großartige Idee, die in der Geschichte der ^nonce ein neues glänzendes Zeitalter schäften sollte.
SS. Jahrgang.
in direktem Kontrast zu den jetzt für die Zeit der friedlichen Entwicklung ausgestellten Forderungen, so der Vorschlag, die ausländischen Guthaben und den Besitz an ausländischen Wertpapieren weiter zu vermehren. Über die derzeitige Höhe derselben wird ja bekanntlich schon jetzt oft genug Klage geführt. Außerdem bringt doch ein größerer Besitz an ausländischen Wertpapieren auch erhöhtes Risiko mit sich, wenn einer dieser Auslandsstaaten in einen Krieg oder sonstige politische Ver- wicklungen gerät (Rußland!). Was eine eventuelle Umsetzung der Vorschläge in die Praxis anbelangt, so kommt doch hierfür als wesentlicher Faktor die Volks- stimmung bei Ausbruch des Krieges in Betracht. Sollte diesem das Publikum aus irgendwelchen Gründen nicht mit der wünschenswerten Begeisterung begegnen, so würde voraussichtlich auch eine finanzielle Unterstützung des Reiches nicht in dem Maße eintreten, wie sie Marburg vorauszusetzen scheint.
Im großen und ganzen wollen wir hoffen, daß wir uns in absehbarer Zeit mit all solchen Sachen überhaupt nicht zu befassen brauchen. W.
Seim 18 . deutschen Anmnltstag
in Mannheim beantragte der Referent zu den Fragen, der Justizreform, Rechtsanwalt Hachenburg-Mannheim, nach zweistündigem, oft von lebhaftem Beifall unterbrochenem Referat nachstehende Resolution: „Der Anwaltstag wolle beschließen:
1. Eine Reform des Zivilprozesses, der Gerichtsverfassung, des Gerichtskostengefetzes und der Gebührenordnung für Rechtsanwälte kann nur einheitlich und gleichzeitig erfolgen. Die Neubearbeitung nur eines' Teiles ist aöznlehncn.
2. Bet Ser Reform des Kostenwesens (Gerichts- uni> AnwaltsgeSühren) ist eine gerechtere Verteilung der Kosten anzustreben. Es ist eine Abstufung der Prozesse nach dem gegenstände derselben wünschenswert. Insbesondere Drö für Klagen aus den Arbeitsverträgen, ebpnso für das Versäumnisverfahren dtze Kosten zu mindern. Der Herabsetzung mutz eine Erhöhung der Kosten in anderen streitigen Sachen entsprechen. Für Arrestprozesse, Klagen ans Schiedsgerichtsurteilen, für den Urkundenprozetz sind die vollen Gebühren angezeigt.
3. Bet der Reform des Verfahrens ist eine besondere Gestaltung des amtsgerichtlichen Verfahrens nach anderen Prinzipien als des landgerichtlichen, insbesondere unter Einführung des Offizial- und Jnqui- fitionsprtnzips abzulehnen.
Es ist ebenso eine Gestaltung des Prozesses, die nach dem Vorbilde der österreichischen Zivilprozeßordnung für alle Prozeßsormen den Parteibetrieb völlig auS- schaltet und die Parteivorträge einschränkt, abznlchnen.
Es ist eine Beschleunigung des Verfahrens anzustreben, die ohne Gefährdung der Gründlichkeit und Richtigkeit der Entscheidung erfolgt. Es ist daher
a) für jeden Prozeß eine nach der Qualität, eventuell der Höhe des Streitwertes zu normierende bestimmte Anzahl von Terminen festzusctzen. Für jeden auf Veranlassung einer Partei nötig werdenden weiteren Termin erwächst eine weitere Gebühr von Dreizehntel an
„Herr", sprach er, die Hand des Einbrechers ^ergreifend, „wenn es Ihre Zeit erlaubt, bemühen Sie sich in mein Privatbureau, ich möchte ein Geschäft mit Ihnen besprechen. "
„Meinetwegen. Fiir heute nacht habe ich weiter nichts vor,"
Einige Augenblicke später saßen der Reklamekönig und sein Besuch in bequemen Armstühlen und pafften aus riesigen Zigarren den feinen duftigen Rauch in die Luft,
„Sie befassen sich schon lange mit diesem Handwerk ?"
„Schon in meiner frühesten Jugend verriet ich außerordentliche Neigung und Talent zu dieser Laufbahn. Meine Eltern wollten mich davon abbringen, aber ich gehorchte nicht dem väterlichen Zwange."
„Nun also" — sagte Herr Witehall — „ich mache Ihnen ein anständiges Anerbieten. Wenn Sie irgendwo einen waghalsigen Einbruch verüben, bringen die Blätter gewöhnlich ausführliche Berichte darüber. Der Name des Geschäfts kommt hierdurch ins Publikum, oder mit anderen Worten: der Einbruch macht dafür Reklame. Was würden Sie sagen, wenn ich. Sic zu diesem Zwecke engagieren wollte? Sie hätten Ihre Tätigkeit aus solche Geschästslokale zu erstrecken, die bei uns einen Einbruch bestellen!"
Herr Blackwood legte seine Zigarre nieder und blickte mit Bewunderung auf den genialen Chef des Annoncenbureaus, der mft blitzenden Augen seine Idee weiiererörterte:
„Meine Agenten würden der betreffenden Firma den vertraulichen Antrag stellein bei ibr zu einer be-
