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Montag, 19* August 1907.

Wiesbadener Tagvrarr.

Abend-Ausgabe, 1. Blarr

Ar* 384.

blatzgrüue Toilette mit einem fliederfarbenen Hut an­gelegt hatte, über welcher sie das Band des Schwarzen Aölerordens trug, die Prinzessin Viktoria Luise, 6«' Kürst zur Lippe, der Fürst zu Schaumbürg- Lippe, der Herzog Albrecht von Württemberg, das kaiserliche Hauptquartier, die Umgebungen, das Gefolge, ferner die auf Wilhelmshühe Eingetroffenen, Staats­sekretär des Auswärtigen Amts von Tschirschky, Kriegs- Minister von Einem, die kommandierenden Generale von Bisstug und von Stüntzner, Der Chef des Jngenieur- und Pionierkorps Generalleutnant von Veseler, der Inspekteur der Jäger und Schützen Generalmajor Graf von Vuetenau und die Abordnungen der beteiligten Regimenter. Nach Zer Versammlung im Thronsaal begaben sich der Kaiser und die Fürstlichkeiten zu den Fahnen, worauf die Nagelung in hergebrachter Weise vollzogen wurde. Hierauf fand auf dem F r i e d r i ch s - platz die feierliche Weihe der Feldzeichen durch den evangelischen Felüprobst der Armee Konsistorialrat Woelfing in Gegenwart des katholischen Feldprobstes der Armee vr. Bollmar und der Militärgeistlichkeit Cassels statt. Die Kaiserin, die Prinzessin und die Hof­damen wohnten /dem feierlichen Akt vom Fenster des Palais ans bei. Ein Trompeterkorps des 14. Hnsaren- Regtmcnts blies das Tedeum. Dann hielt Konsistorial­rat Woelfing eine Ansprache und segnete die Fahnen ein, während die Ehrenkompagnie präsentierte und eine beim ehemaligen Aue-Tor ausgestellte Batterie des 11. Feld- artlllerie-Regiments einen Salnt von 101 Schüssen ab­gab. Wahrend der Einsegnung der Fahnen hatten die betüen anwesenden Konttngentsherren Die für sie in Betracht kommenden Fahnen selbst ergriffen. Es folgte ein Vaterunser und der Segen: die Trompeter bliesen eine Strophe des niederländischen Dankgebets. Der Kaiser nahm hierauf den Vorbeimarsch der Ehren- kompagnie in Zugkolonne ab. Der Ehrenkompagnie hatten sich die neuen Feldzeichen, die von Fahnenuntcr- ofsiziere» übcrnonrmen waren, vorgesetzt. Nachdem die Fahnen in dem Residcuzpalais abgebracht waren, kehrten die Majestäten unter begeisterten Hochrufen des Publi­kums nach Wllhelmshöhe zurück. Gestern abend 8 Uhr -fand im hiesigen Königlichen Theater auf königlichen Befehl theatre pare statt. Gegeben wurde Moser und Schönthals LustspielDer Krieg im Frieden". Im ersten Rang bemerkte mau die Herren der ö st e r r c i ch i s ch - ungarischen Botschaft. Neben dem Kaiser nahm der Fürst zu Schaumburg-Lippe Platz, neben der Kaiserin der Herzog Albrecht von Württemberg. Das Kaiscrpaar beteiligte sich lebhaft an dem Beifall des Publikums. In der Pause wurde Cercle abgehaltcn.

Ein «euer Korpskommaudenr. Generalleutnant Freiherr v. Wietinghoff wurde unter Beförderung zum General der Kavallerie definitiv zum komman- drerenden General des 0. Armeekorps ernannt. Ferner wurde der Inspekteur der Felüartrllerie Generalleutnant Schubert zum General der Artillerie befördert.

Kricgsdekorationen. DerReichs-Anzeiger" ver­öffentlicht zahlreiche Verleihungen non Krieasdekoratio- nen an die Angehörigen und bisherige Angehörige der Schutztruppe in Südwestafrika.

Auslarrd.

Gsterreich-Urrgarrr.

Das jüngst erschienene Werk des Abgeordneten Grasen S t e r n-v e r gErn Appell an den Kaiser" wurde von der Wiener Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Gründe dafür wurden bischer nicht nritgeteilt.

Da in verschiedenen Gegenden des Manvuerterrains Erkrankungen an Typ h u s vorgekommen sind, wurden, wie in militäriischen Kreisen verlautet-, die großen Ka-isermanöver noch in letzter Stunde abgesagt.

Im Wallfahrtsort Dt. Rochus bei Agram kam es zu blutigen Zusammenstötzen zwischen Serben und Kroaten, so dach Gendarmerie einschreiten mußte. Zahlreiche Personen sind schwer verletzt. Der Zusammen- swtz wurde -dadurch herboigeführt, daß Serben zu einer Bersammlung mit der serbischen Trikolore erschienen waren.

Italien.

Das Komitee der sozialistischen Partei erläßt einen Aufruf, in dem die Mitglieder ersucht werden, am 20. September, dem Jahrestage der E r o b e r u n a R o m s, in allen Gegenden Italiens antiklerikale Kundgebun­gen zu veranstalten.

Als der belgische Konsul vorgestern das Konsulat in Neapel verließ, feuerte ein gewisser Gcrino aus den Konsul einen Reoolverschuß ab. Der Konsul wurde am Vorderarm nicht umveserrtlich verletzt.

Frankreich.

Aus Pcrigueux wird berichtet: In Stenay fand vorgestern ein Z u s a m m e n st o tz statt, als der Priester vor der Kultus - Genoffcnschaft, die dort gebildet worden ist, die Messe vornehmen wollte. Eine Anzahl Katholiken, welche mit der Bildung der Kultusgenosscn- schuft nicht einverstanden war, versuchte eine Gegen- knndgebuna. Polizei und Truppen mußten einschreitcn. Es gelairg schließlich, die freie Abhaltung des Kultus zu sichern.

Der in Lyon tagende Kongreß französischer Han- delsangcstellter hat den Antrag der Einführung einer E i n k o m m e n st euer gebilligt, jedoch wurde das Parlament ersucht, das Projekt des Finanzministers ab­zulehnen, weil dieses die mittleren Bürgerklasscn, mit­hin auch die Handelsangestelltcu, zu stark treffe.

Rrrtztand.

Petersburger Bläftcr berichten von einem vereitel­ten A t t>e n tat s v e rs u ch aus den Zaren. Die Übersiedelung Zer Zarensamilic von Peterhof nach Zarskoje Sselo soll hiermit in Zusammenhang stehen.

Zum Gshilsen des Staatsministers ist der russische Finanzagent in Berlin von Niger auscrseyen.

In Rado ra raubten drei Banditen die Kasse der Stadtkreditgesellschaft. In B e n d i n wurde der

Kassierer des Staatsspiritusmonopols bei einem Überfall schwer verletzt. Mehrere, tausend Rubel wurden ihm geraubt. Ein ihn begleitender Soldat wurde erschossen, -ein zweiter verwundet. Die Attentäter entkämen. In Bralyst-ok wurde gegen den zur Stadt fahrenden. Mi.Iitärkomnianöanten Oberst Schrötter auf einer Bahn­station ein Attentat verübt. Er wurde schwer verletzt.

Der Drucker verband in Petersburg beschloß, falls der Verband nicht bald wieder frcigegebcn und dis verhafteten Mitglieder nicht entlassen werden, am 20. August in den Generalstreik einzutreten. Man glaubt kaum, daß die Administration diesem Wunsche Nach­kommen wird.

Die Pest nmcht in der westlichen Mandschurei wei­tere Fortschririe.

Türkei.

Ein Jrade des Sultans ordnet die Entsendung einer Spezialmission in die Wilajets Tripolis und Bonghasi an zwecks Studien über die Verbesserungen der Zivil- unö Militärverwaltung.

Vereinigte Maate«!*

Bunöesanwalt Bonaparte erklärt, die Untersuchun­gen gegen die Trusts dauerten fort.

DerNew York Herald" veröffentlicht ein Interview mit dem Kriegssekretär Taft. Er deutete, wie derFrks. Ztg." gemeldet wird, an, daß Rooscvelts Ansichten mit seinen eigenen übereinstimmten. Er beklagte die über- hanönehmcnde Mißachtung der Gesetze, die sich sowohl in der Häufung der Kapitalverbrechen als auch in an­deren Vergehen zeige: er meinte, die öffentliche Mei­nung müsse auf die Bestrafung aller Verbrecher, auch der reichen und einflußreichen, bestehen. Die Straf­verfolgung solcher Verbrecher beseitige die Ursache der vielfachen. Mißstimmung und der Unzufriedenheit im Volke. Taft erklärte weiter, die Entsendung der Flotte in den Stillen Ozean sei eine gute übungs­fahrt. Es sei noch nicht bestimmt, ob sie durch den Sucz- kanal oder die Magelhaensstraße gehe. Betreffs der an­geregten Idee, die Phil i p v i n e n a n Japan zu verkaufen, erklärte Taft, daß Japan den Archipel gar nicht wolle uüö Amerika ihn auch unter keinen Umstän­den verkaufe. Amerika habe die Pflicht, die Phtlippinos zur Selüstregierung zu erziehen und die Inseln zu be­halten, bis dies geschehen sei. Das philippinische Parla­ment, das er eröffnen werde, dürfte keine Schwierig­keiten bereiten.

Die sonst wenig deufichfreundlicheSun" bringt einen bemerkenswerten Leitartikel über die welt­politische Situation. Deutschland habe alles Interesse, sich den Garantieverträgen anderer Mächte mit Japan anzuschlietzcn. Für Amerika sei dies aber schwierig unZ widerspreche den Traditionen. Daß Deutschland auf einen Garantievertrag mit Japan ver­zichte, sei ein faktischer Freundschaftsbeweis für Amerika, das sonst ganz isoliert sei.Solange der Kaiser bereit ist, mit uns zu gehen, wird Japan eS sich zweimal über­legen, einen Konflikt zu provozieren." (Frks. Ztg.) Argentinien.

Mach Meldungen aus Buenos Aires sind im dortigen Kongreß die Geheimdokumente der Regierung über die geplante Flottenvermehrnng spurlos verschwunden.

Australien.

Die Firma Burns, Philip und Ko. brachte bei der Bundesregierung eine Beschwerde über eine angeblich französische Mißachtung des neuen Hebriden-Abbommens ein. Tie Gesellschaft verlangt, die Bundesregierung möge von. England fordern, Frankreich aufzufordern, das Abkommen innezuhalten.

Aus StKdt und Land.

Wiesbadener Nachrichten.

Wiesbaden, 19. August.

Einweihung des Gewerkschaftshauses.

Das eigene Heim, das sich die hiesige Arbeiterschaft durch die käufliche Erwerbung des bisherigen Bereins- hauses derTurngesellschaft", Wcllritzstratze 41, für die Zwecke ihrer beruflichen Organisationen sowie für allge- meineBeöürfnisse, wie dasHerbergswcsen usw., errichtete, und damit ihrem Gcmcinschafts- und Opfersinn-/ ein ehrendes Zeugnis ausstellte, empfing gestern seine offizielle Weihe, nachdem einzelne Teile des Hauses zwar schon vor mehreren Wochen ihrer Bestimmung übergeben waren, die durchgreifenden Änderungen und Renovierungen aber im allgemeinen doch erst kürzlich fertig geworden sind. Dem Hause und seiner Bedeutung entsprecheuZ gestaltete sich auch die EinweihungSfcier ernst und schlicht. Sie wurde bald nach 10 Uhr in dem hell und freundlich ansgestattcten, mit einigen Lorbeer­bäumen und Blumen geschmückten Saal durch den Vor­sitzenden derBan- und Erwerbs-Genossenschaft Arücitcr- . Gesellschaftsbaus Wiesbaden, E. G. m. b. H.", Herrn Schmidt, mit einer Ansprache eröffnet, worin dieser die zahlreiche Festversammlung, die Gaste, den Vertreter des Magistrats, Herrn Beigeordneten Travers, den Vorstand der Ortskrankenkasse, die Vertretung der Kronenbrauerei" und die Vertreter auswärtiger Organisationen, sowie die hiesigen Gewerkschaften, die des beschränkten Raumes wegen jedoch nur durch Ab­ordnungen vertreten waren, willkommen hieß in dem Heim, das sich die Arbeiter geschaffen und das lange vorhandene dringende Bedürfnis befriedigen, solle. Ein Rückblick auf die Schwierigkeiten, mit welchen die Arbeiter hinsichtlich der Erlangung geeigneter Ver­sammlungsräume jahrelang zu kämpfen gehabt, mache ihren Entschluß, sich ein eigenes Heim zu schaffen, leicht verständlich, um so mehr als damit nicht nur dem Gcwerkschafts- sondern auch dem Herbergswesen gedient werde. Nun sei cs gelungen, die Herbergsfrage, eine der vornehmsten Aufgaben der Gewerkschaften, in be­friedigender Weise zu lösen. Für die Wanderer seien lustige angenehme Aufenthaltsräumc ohne Trinkzmang und allen hnqieniscken Anforderungen entsprechende

Schlafräume mit guten Betten, sowie gut eingerichtete Wasch- und Vaderüume vorhanden und an einem Des- insektionsapparat fehle es auch nicht. Freilich alle Wünsche hätten noch nicht befriedigt werden können, man hoffe aber von der Zukunft, das Haus weiter aus bauen zu können und rechne dabei damit, daß wie in anderen Städten, so auch hier die Stadtverwaltung die Arbeiter­schaft in der Erfüllung dieser sozialen Ausgabe unter­stützen werde. Redner schloß mit dem Wunsche, daß das, was durch die Einigkeit der Arbeiter geschaffen, abseitige Zufriedenheit erwecken möchte. Nachdem dann der ArbeitergesaugvereinB r u ö e r b u n ö" unter Leitung des Herrn Schlosser den FestchorDas ist der Tag der Freude" leine der Krcutzcrschcn KompositionDas ist der Tag des Herrn" augepatztc Dichtung) gesungen hatte, er­griff Herr Beigeordneter Travers das Wort, um namens des Magistrats dessen herzlichste Glückwünsche darzubringen und zu versichern, daß dieser durch die Entsendung eines Vertreters das Interesse habe zum Ausdruck bringen wollen, was er für die Arbeiterschaft hege. Redner schloß mit dem Wunsche, daß das Haus auch zu einer Stätte der Erholung wird des Frohsinns werden möchte. Herr Arbeitersekretär Heiden von Frankfurt a. M. überbrachte von der Frankfurter Arbeiterschaft Grüße und beste Wünsche zu dem neuen Hause der Arbeit für die Arbeit, für die Arbeit im Interesse der Schicht, die lange wenig beachtet und auf der doch die gesamte Kultur am letzten Ende beruhe, die danach strebe und mit Recht danach strebe, Anteil zu haben an den Gütern, die die. Kultur hervorgebrachr. Dazu sei auch dieses Haus gegründet und der Wunsch der Frankfurter Arbeiterschaft, die ja mit der Wies­badener enge verknüpft, sei cs, daß alle mit der Grün­dung verbundene Wünsche in Erfüllung gehen, daß das Haus eine Stätte der Arbeit und der Erholung werde. Glückwünsche übermittelten noch der Vorsitzende der Ortskrankenkasse, Herr Gert ch, ein Vertreter der M a i n z e r Arbeiterschaft, HerrDirektor F i n k e l von der Kronenbrauerei, die schon lange geschäftliche Beziehungen zu der Arbeiterschaft hat, ferner der Vor­sitzende der Aufsichtskommission für das Arbeitcr- sekretariat, Herr Hof mann, sowie der Arbeitcr- sekretär Herr Müller selbst, die zugleich den Dank dafür abstatteten, daß in dem Gewerkschaftshaus auch dem Arbeitersekretariat eine Heimstätte bereitet worden. Eine längere Ansprache hielt noch Herr Vogtherr, der besonders darauf hinwics, wie in dieser Stunde der Freude und Genugtuung den Arbeitern aufs neue die Aufgabe und Pflicht erwachse, sich selbst und alle um sie her daran zu erinnern, daß sie den guten Willen hätten, innerhalb der Gewerkschaften und außerhalb derselben ein Stück Kulturarbeit zu. verrichten. Mit dem Gcwcrk- schaftshaus gelte es eine Arbeit des Friedens zu ver­richten, denn cs gebe keine schönere Ausgabe des Friedens, als das Wohl seiner Mitmenschen zu erstreben. Das Haus solle nicht nur eine Stätte der Arbeit und des Frohsinns, sondern auch ein Ort der Bildung und Aufklärung sein. Redner dankt namens der Gewerk­schaften und der sozialdemokratischen Partei den Gästen für ihr Erscheinen und das Wohlwollen, das sie der Arbeiterschaft dadurch bewiesen. Die würdige Feier schloß mit einem Chorgcsang desBruderbundes"Ich weiß ein kleines Kämmerlein" von Knhl. Nach einem von den Veranstaltern in gastfreundlicher Weise dar- gebotencn kleinen Imbiß erfolgte ein Rundgang durch das in allen vier Stockwerken für die Zwecke der Arbciter- schaft eingerichtete Haus, wobei alle, die daran teil- nahmen, über die praktische und saubere Ausstattung, insbesondere auch der Herberge, voll des Lobes waren. Während der Partcrrestock die Tageswirtschaft enthält, befinden sich in dem ersten Obergeschoß die Küche, ein Speisesaal für ständige Mittagsgäste, deren Zahl 80 bis 100 beträgt, sowie ein Aufenthaltsraum für die Wanderer, das zweite Obergeschoß Bureauräume für einzelne Ge­werkschaften, das Arbcitersekrctariat und die Hausver­waltung, das dritte Obergeschoß und das Dachgeschoß die Schlafräume der Herberge, das dritte außerdem noch den Wasch- und Baöcraum, sowie den Hcizraum mit ücw T-siusekt'.onsapparat. Den Wanderern stehen fünfzic Betten zur Verfügung, die bisher schon fast täglich alle besetzt waren. AllcS in allem eine wohnliche Stätte auf der die gewerkschaftlichen Zwecke, denen sie dient, wohl auch reichliche Förderung erfahren werden, o.

Personal-Nachrichten. Dem Aufseher bei der Post- Fubrhalterei Peter Bremser hier wurde anläßlich seines 40jährigen Beruis-Jubiläums das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen und durch den Polizeipräsidenten in seiner Wohnung überreicht.

Post-Perkonalien. Ernannt wurden zu Postogenten: Landwirt B i e r o t h zu Bleidenstadt und Flascbenbftr- händler Broßler zu Ruppertshain. Tclcgrapbenassistent Hch. Weber hier bestand die Telcaraphensekretärprüsnng. Versitzt wurden, die Postassistenten Gerhard von MirgeZ nach Niedernhausen, Weil von Heddernheim nach Maricn- bcra. Postassisrent U s i n g e r in Ruppertshain wurde entlassen.

Diegroßen Ferien" sind zu Ende: in den Volks- und Mittelschulen hat heute morgen bereits der Unter­richt wieder begonnen, und die höheren Schulen werden morgen ihre Pforten öffnen. Wer sich aus physiognomische Beobachtungen versteht, der wird gestern und heute in manchem Buben- und Mädchengesicht einen unruhigen, halb nervösen, halb wehmütigen Zug gesunden haben: denn neben vielem Guten pflegen die Ferien auch ein Unangenehmes zurückznlassen: eine gcwiffeSchul-

furcht. Man gewöhnt sich bald an die Freiheit, und cs wird wohl wenig Schüler geben, die am ersten Schultag nach den Ferien sich mit vergnügtem Juchhe den Ranzen aus den Rücken schnallen. Hier trifft das in manch ande­ren Fällen durchaus zutreffende Wort von dem freien Vogel, der in den lllüfig will, einmal nicht zu. In den letzten Tagen kehrten die Kinder zurück, denen es dank der günstigen Vermögenslage ihrer Eltern oder der öffentlichen Wohltätigkeit vergönnt war, einige Wochen irgendwo auf dem Lande zuzubringeü. So ein Laird- aufenthalt wirkt Wunder: die blassen Wangen röten sich, die Laune wird besser: dem leider Gottes vielfach zur vorzeitigen Blasiertheit verdammten Stadtkind wird un­ter der Einwirkung ländlicher Ruhe, der veränderten