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Abend-Ausgabe, 1. Blatt. WisSÜlSdener TKglklatt.. Freitag. 8. JE 1907. Sette 5.
— Kabelnetzprüfnngcn. Die für den 4., 5. und 6. d. M. in Aussicht genommenen Kabelnetzprüfungen des städtischen Elektrizitätswerkes konnten wegen ihres günstigen Verlaufs bereits heute beendigt iverden. Die Stromabnehmer brauchen daher für den 6. d. M. mit einem Ausbleiben des Stromes während der Stunden von 4 bis 6 Uhr morgens nicht mehr zu rechnen.
— Vom Falkensteiner Offiziersheim. Die Ausschreibung der Bauarbeiten ist nunmehr erfolgt. Es werden gebaut: ein Hauptgebäude, zwei Wohngebäude für je 12 und zwei Wohngebäude für je 14 Offiziere, ein Beamtenhaus und ein Gewächshaus. Auch umfangreiche Geländeregulierungen werden vorgeuommen. Bauleiter ist Militärbauinspektor Weiß aus Berlin, der auch die Pläne entworfen hat.
— Albert Schumann-Theater irr Frankfurt a. M. Die diesjährige Operettenspielzeit des aus dem Vorjahr noch wohlbekannten Weiner-Ensembles unter der Direktion von Direktor Seeth sollte gestern abend mit einer Aufführung des „Zigeunerbaron" ihren Anfang nehmen, gestaltete sich aber, da die Vorbereitungen nicht rechtzeitig beendet werden konnten, zu einer Generalprobe vor geladenem Publikum. Es kann daher nur gesagt werben, dah alle Vorbedingungen erfüllt waren, um eine recht günstige Vorstellung zu erzielen und damit auch von dem finanziellen Erfolg, der letztes Jahr weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben war, günstigere Resultate zu erhoffen.
— Sonnuerrrrlanb für Handlungsgehilfen. Von Der. hiesigen Ortsgruppe des Dentschnattonalen Hanö- lungsgehilfen-Berbandes geht uns folgendes Schreiben zu: ,Jjn Ihrem Bericht über die Ausschutzfitzung Hiesiger Lanlftnännischer Vereine über die eingangs benannte Frage findet sich die Bemerkung, daß unser D. H.-V. sich leider wieder zurückgezogen hätte. Da dieser Satz geeignet ist, in der Öffentlichkeit falsche Vorstellungen über unser Verhalten zu erwecken, so erklären wir hiermit, daß wir schon seit Jahren für einen Erholungsurlaub der kaufmännischen Angestellten eintreten und Regelmäßig auch die hiesige Prinzipalität mit dementsprechenden Empfehlungsschreiben bedenken. Auch in löiesem Jahre hüben wir uns zur rechten Zeit, L. i. schon vor einigen Monaten, mit der Bitte um Gewährung eines Erholungsurlaubes an die Prinzipalität gewendet und wie die bei uns eingegangenen zahlreichen Zuschriften beweisen, auch wieder diesmal schöne Erfolge damit erzielt. Aus vorerwähnten Gründen halten wir es nicht für passend, nochmals in diesem Jahre an die Prinzipalität in der gleichen Sache Heranzutreten."
— Reichsgericht. Wegen Körperverletzung im Amt und Bedrohung hatte das Landgericht Wiesbaden den Lehrer G. in K a tz c n el n bo gen zu einer Gesamtstrafe von 60 M. verurteilt. Der Angeklagte hatte auf der Straße einen Schulknaben F. bei einer Ungchörigkeit ertappt und darauf den Knaben auf dem Schulhof geschlagen und mit dem Fuß getreten. Dann hat er auch den Bruder des Knaben gezüchtigt. Gegen das Urteil hatte der Angeklagte Revision eingelegt, welche aber das Reichsgericht als unbegründet angesehen und verworfen hat. Auch die von dem Vater der Mißhandelten, welcher als Nebenkläger zugelassen war, eingelegte Revision wurde verworfen. — Wegen Vergehens im Amt hatte das Landgericht Wiesbaden den früheren Stadtsekretär R. aus Lorch zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt, teilweise wurde er von den unter Anklage erhobenen Delikten freigesprocheu. Der Angeklagte hatte unbefugterweise Briefschaften geöffnet. Nicht nur der Angeklagte, sondern auch die Staatsanwaltschaft hatte Revision gegen das Urteil, soweit es freisprach, eingelegt. Das Reichsgericht hat diese Revision für begründet angesehen. Das Urteil wurde insoweit es den Angeklaaten in zwei Fällen freispricht, aufgehoben, und insoweit die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Vorinstanz zurückverwiesen. Die Revision des Angeklagten wurde verworfen.
— Ein großer Radau spielte sich gestern nachmittag in dem Zuge, der um 5 Uhr 84 Min. von hier nach Frankfurt a. M. fährt, ab, und war veranlaßt von vier Mannheimer Schiffern, denen der Alkohol in den Kopf gestiegen war. Sie lärmten entsetzlich und belästigten und ängstigten die Mitreisenden. Von Castel aus wurde nach Höchst telegraphiert, daß die Störenfriede festzunch- men seien. Als der Zug auf der Station Höchst einlief, erwartete die Übeltäter ein Schutzmann. Drei der Männer ergaben sich, doch der vierte leistete verzweifelten Widerstand und konnte nur mit Hilfe eines größeren Polizeiaufgebots bewältigt werden.
— Überfahren wurde an der Ecke der Oranienstraße and des Kaiser Friedrich-Rings heute mittag .1 Uhr ein Fuhrmann von seinem eigenen Fuhrwerk. Der Verunglückte, der ziemlich schwer verletzt sein soll, wurde von der Sanitätswache in das Krankenhaus gebracht.
—. Kurhaus. Bei dem großen Kurhaus-Gartenfest übermorgen Sonntag wird ein Feuerwerk-Programm von besonderer Reichhaltigkeit zur Ausführung kommen.
— Sommerfest der freisinnigen Volkspartei. Der Wahlverein der freisinnigen Volkspartei wird gemeinschaftlich mit dem „Verein der liberalen Jugend" am Mittwoch, den 10. Juli, bei Restaurateur John, „Unter den Eichen", das diesjährige Sommerfest begehen. Die Festlichkeit soll bei jeder Witterurig ftattftnden, bei rurgünstigem Wetter im Saale. Näheres im Inseratenteil.
— Das Wartturmfest des „Verschönerungsvereins", das wegen ungünstiger Witterung vergangenen Sonntag nicht abgehalten werden konnte, ist auf nächsten Sonntag, den 14. Juli, verlegt. Hoffentlich macht dann der Himmel ein fröhlicheres Gesicht!
— Das Gauturnen des Turugaues Wiesbaden, das wohl rm vorigen Sonntag begonnen hatte, mutzte wegen des gegen 10 Uhr morgens einsetzenden Landregens, der 3 Tage unaufhörlich anhielt, abgebrochen werden und soll nun am nächsten Sonntag, den 7., und Montag, den 8. Juli, auf dem einge- sriedigten großen Festplatz (Exerzierplatz, Schierfteinerstraßes stattfinden. Das Programm sieht vor: Sonntag, nachmittags 3 Uhr: großes Schauturnen, Aufmarsch und Freiübungen der Schüler der Vereine und die für das 11. deutsche Turnfest bestimmten Keulenübungen. Es wird ein Massenaufgebot Der Jugend beiderlei Geschlechts und der Aktiven, die die drei hiesigen größeren Vereine unterrichten, sein und für alle Freunde der Turnsache geradezu eine Sehenswürdigkeit werben. Außerdem finden Konzerte und Volksbelustigungen
statt. Die Preisverteilung wird abends gegen 8 Uhr vor sich gehen. Montags, ab 3 Uhr nachmittags, finden dann Wettspiele der Turnschüler und ebenfalls Konzert statt. Hoffen und wünschen wir, daß diesmal das schöne Vorhaben vom, Wetter recht sehr begünstigt werde und ein starker Besuch die Festung Gauleiter für ihre Mühen entschädigt. Die bereits gelösten Karten behalten ihre Gültigkeit.
— Lehrerinnen-Verein für Nassau, E. B. Samstag, den 6. Juli, findet die Monatsversammlung auf der „Rheinhöhe" statt.
— Der Wiesbadener Lehrerverein hält seine nächste Monatsversammlung Samstag, den 6. d. M., im Hotel „Zum grünen Wald" ab. Die Tagesordnung sieht vor einen Bortrag des Herrn Kollegen Jordan über das „Mittelalterliche Wiesbaden", die Erledigung wichtiger Vereinsangelegenheiten und die Wahl zweier Mitglieder m die Lcsebuchkommission.
— „Nach § 11 deS Prcßgesedes", so wird uns geschrieben, „ersuche ich Sie um sofortige Berichtigung der mich betreffenden Notiz in Ihrem „Tagblatt" vom Samstag, die mir erst jetzt zu Gesicht kam, da ich mich nur in meinen Mußestunden mit Zeitungslektüre befasse und für gewöhnlich Besseres zu tun habe. Sic behaupten, ich sei eine Äffin, säuge Katzen, wohne am Tennetbach und hieße Hansel. Punkt 1, 2 und 3 stimmen, aber ich bin nicht Hansel, sondern „Karlchen" getauft, obgleich ich weiblichen Geschlechts bin. Mit der Bitte, diesen Umstand in entsprechender Weise zu berichten, zeichne ich Hochachtungsvoll: Karlchen, Äffin."
— Güterrechtsregister. Die Eheleute Maurerparlier August Butzbach zu Biebrich und Maria, geb. Schnek, haben Gütertrennung vereinbart.
— Steckbrieflich verfolgt werden die Ehefrau des Althändlers Oswald Luckenbach, Josephine, geb. Haas, geboren am 17. Mai 1884, wegen Hehlerei, der Händler Georg Rath, geboren am 29.-November 1863 zu Zeilsheim, wegen Betrugs, der Gärtner- Johannes Schmidt, zuletzt in Biebrich a. Rh., geboren am 10. Dezember 1857 zu Obermoschel, wegen Betrugs, der Wasserhändler Friedrich Kraus zu Dotzheim, geboren daselbst am 31. März 1872, wegen Betrugs, und die Ehefrau des Kaufmanns Gustav Zins er, wegen Nötigungsversuchs, Beleidigung und vorsätzlicher Sachbeschädigung. Die Zinfer ist „Chiromantin".
Theater, Kunst, Vorträge.
* Kurhaus. Zu dem morgen abend im Kurgarten stattfindenden M a s s en-Militärkonzert wird mit beträchtlichem Kostenaufwande für die Kurverwaltung das südliche Musikzelt derart vergrößert, daß sämtliche Kapellen darin Platz finden, zunächst die Jnfanteriekapellen, während die Kavalleriekapellen, welche sich bei den großen Gesamt- Aufführungen gleichfalls in das vergrößerte Musikzelt begeben, zunächst in dem nördlichen Musikzelt gemeinschaftlich spielen. In die Direktion der verschiedenen Aufführungen teilen sich die Königlichen Musikdirigenten Gottschalk, Muschke, Fehling, Schleifer, Barche, Schulz, Rühlemann und Lischke. Bei ungünstiger Witterung finden sowohl das nachmittägliche Doppel-Militärkonzert wie die abendliche Massenaufführung im großen Konzertsaale statt. Vorzugskarten für Abonnenten werden nur bis Samstagmittag 1 Uhr ausgegeben, weshalb es sich empfiehlt, mit deren Lösung nicht zu zögern.
* Walhalla-Theater. Wie bereits bekannt gegeben, findet Samstag die Erstaufführung der Operetten-Rovität „Das Jungfernstift" statt. Diese Novität hat überall, wo sie bisher gegeben wurde, einen vollen durchschlagenden Erfolg. In Magdeburg ist das Werk annähernd hundertmal aufgeführt. Auch hier hat sich's Herr Direktor Norbert angelegen fein lassen, das denkbar Beste zu bieten. Die Ausstattung ist" im eigenen Atelier angefertigt und läßt sich schon jetzt sagen, daß dieselbe sehr geschmackvoll ist und sich würdig dem Rahmen des bisher Gebotenen anpaßt.
* Reichshallen-Theater. Wie wir bereits berichteten, gastiert Madeleine bis 8. Juli. Das Haus ist täglich ausverkauft und das Interesse des Publikums an Madsleine nimmt zu. Dieselbe arbeitet mit dem grüßten Erfolge. — Am 1. Juli sind P. Rohrs „L u st i g e Sachse n" zu ihrem vierwöchigen Gastspiele in das Reichshallen-Theater eingezogen. Das Ensemble besteht aus 9 Personen, die sowohl auf dem Gebiete des Quartettgesanges als auf dem des humoristischen Vortrags durchaus Bemerkenswertes leisten. Das komische Fach wird neben dem Leiter des Ensembles Paul Rohr noch von Herrn Kohl vertreten. Des elfteren Bor- träge wirkten infolge der vortrefflichen Mimik und des sächsischen Dialekts geradezu zwerchfellerschütternd, und das Ensembe besitzt in seinem Leiter, wie sich auch bei den Ensembleszenen herausftelltc, einen überaus verwendbaren Darsteller. Ms Vertreter des humoristischen Gesangs sind die Herren Rohr, Bergemann, Werner und Lucas zu erwähnen, welche mit ihrer humoristischen Gesangsguadrille ausgezeichnet abschnitten. Als Pistonsolist ließ sich Herr Lucas mit einigen klangschön, vorgetragenen Konzertstücken hören. Herr Renavd ist ein vorzüglicher Soubrettendarsteller der seine Lieder mit Schick und Eleganz zum Vortrag bringt! Recht gute Humoristen sind ferner Herr Werner, Herr Martell und Herr Bergemann. Die größte Heiterkeit riefen die Burlesken: „Eine Theaterprobe" und „Der Stabstrompeter", welche sehr flott und exakt gespielt wurden, hervor. Zum Schluß sei noch des Kapellmeisters Herrn Gehring gedacht, welcher sämtliche Nummern am Klavier vortrefflich begleitete. Jede Nummer wurde von dem sehr zahlreich erschienenen Publikum durch lebhaften Applaus ausgezeichnet. Wir können dem Publikum einen Besuch des Reichshallen-Theaters aufs wärmste empfehlen.
* Na (säuischer Kunstverein. Neu ausgestellte Bilder: Bon C. Schmidt-Goergens in Wandsbeck 3 Bilder: „Rote Nelken" „Weiße Azalien und „Stilleben". - Von C. C. SÄirm in Berlin 2 Bilder: „Aus der Lüneburger Heide" und .Bei Horten in Norwegen". Von P. P. Müller-Werlan in Godesberg 2 Bilder: „Sommerregentag am Rhein" und „Eifeldorf- sträße". Bon H. Hartung in Coblenz 1 Bild: „Frühlingslandschaft am Oberrhein". Von K. Bartels in Bernau ein Bild: „Im Bergschatten". Von K. Muttern in Berlin ein Bflö: „Vergißmeinnicht und Schwertlilien".
Nassanische Nachrichten.
?? NiedersclterS, 4. Juli. Das neunjährige Töchterchen des Maurers Jakob Falkenbach Hierselbst, dessen Kleider, wie bereits berichtet, gestern in eine'm finnt» o;„
üurgerstraße t n an den Folgen
, einem Hause in der Lim- Brand gerieten. fit heute vormittag seiner schweren Verletzungen g e st o r b e n. — Der ©emeinoeredmet I. H a r tmann zu Eisenba ch ist von der Auffichtsbehorde vorläufig vom Amte suspendiert worden. Die Maßregel steht vermutlich mit dem kürzlich gemeldeten Diebstahl der Gemeindekafse rn Eisenüach im Zusammenhang, wobei über 1300 M. entwendet worden sein sollen. Ein Sohn des, Hartmann fand" nachträglich ein Restlein des Geldes in einem Winkel, in den ein Dieb sicherlich keinen Hundertmarkschein gesteckt hätte. Gerade dadurch lenkt der Gemeindercchner den Verdacht auf sich selbst.
i. Limburg, 4. Juli. Die diesjährige Generalversammlung des Westerwaldklubs findet am 14. Juli d. I. rn Unkel a. Rh. statt. Die Versammlung wird sich u. a. mit, der Einrichtung von Schul er'- herbergen zu beschäftigen haben. Mit der Generalversammlung des Klubs, die übrigens eine „Wander-Versamm- lung" ist, wird das 25jährige Jubiläum des Berschönerungs- und Verkehrsvereins Unkel verbunden sein. Aus dem Haushalt-Voranschlag des Klubs für 1908, der mit 4691 M. in Einnahmen und Ausgaben abschließt, ist zu entnehmen, daß für Wegemarkierungen 400 Pt., für die Wanderkarte 100 M., für den Westerwaltführer 200 M., für die Vereinszeitschrift 200 M., für den Turmbau Salzburgerkopf 1000 M., als Zuschuß zum Westerwaldmuseum in Marienberg 150 M. und zur Errichtung von Schülerherbergen 300 M. aufgewendet werden sollen- Es darf aber auch bemerkt werden, daß der Verein ans seinen kleinen Unternehmungen verhältnismäßig
recht schöne Profite zieht: so träat ihm z. B. der Westerwaldführer 900 M. ein und die Postkarten liefern einen Ertrag von 400 M- Die Beiträge von Landaemeinden belaufen sich auf 321 M„ die der Städte auf 560" M-, die Beiträge der Einzelmitglieder sind mit 800 Ml und die der Untervereine mit 600 M. angegeben.
in. Vom Mittelrhein, 4. Juli. Unheimlich stark tritt in den Waldungen des Mittelrheins in diesem Jahre der Borkenkäfer auf. Allenthalben zeigt sich der Schädling und das in gewaltiger Zahl. In den Eichenwaldungen zeigt sich der E i ch e n w i ck I e r in riesiger Menge, überall an den Blättern der Eichen sitzen Hunderte und Aberhunderte der kleinen Motten; die Blätter sind vollständig zerftessen.
, W. Montabaur, 4. Juli. Eine Versammlung ehemaliger Schüler des Kaiser Wilhelm-Gymnasiums beschloß, am 2. September d. I. hier ein Studien-Erinnerungs- f e ft zu veranstalten. Als^ Vorsitzender des Orts-Festausschusses wurde Herr Dr. Spies, als Schriftführer Herr Assessor Jsber't gewählt. Aus dem erlassenen Aufruf an die früheren Schüler des Gymnasiums erwähnen wir folgendes: „Ehemalige Montabaurer Pennäler beabsichtigen am 2. September ü. I. _ in dem „Westerwälder Athen" zusammenzukommen. Bei dem großen Interesse und dem dankbaren Andenken, das die meisten Montaborini ihrer alten Bildungsstätte bewährt haben, ist eine rühmliche Beteiligung zu erwarten. Gilt es doch, im trauten Freundeskreise schöne Jugenderinnerungen aufzufrischen und die Jugendfreund- schaft zu befestigen. Bon den etwa 2500 früheren Schülern und 760 Abiturienten der Anstalt sind nur gegen 1200 Adressen bekannt. Es ist daher die Mitwirkung jedes einzelnen nötig, um dem Aufrufe eine weite Verbreitung zu verschaffen. Behufs rechtzeitiger Vorbereittingen werden die ehemaligen Montabaurer Pennäler gebeten, sich bis zum 15. August bei Herrn Dr. SpieS oder Herrn Assessor Jsbert anzumelden, sowie Wünsche betr. Wohnung und Mittagessen zu äußern. Das „Festprogramm" sieht Sedanfeier des Kaiser Wilhelm - Gymnasiums, musikalischen Frühschoppen, FestaktuS zu Ehren der ehemaligen Schüler in der Aula des Gymnasiums, Festzug mit Musik durch die Hauptstraßen, Militürkonzert in Hämmerleins Garten und Kommers vor.
Aus der Umgebung.
?? Mainz, 4. Juli. Seit Wochen wird in Kommissionssitzungen der Anbau zur „S tad t h al I e" behandelt. Der Pächter der Restaurationsräume, Herr Böckemeier, früher in Wiesbaden, hatte eine Erhöhung seiner Jahrespacht um 8000 M. bei Zustandekommen des" Projekts freiwillig angeboten und da die Kosten des Baues sich auf 160 000 M. mutmaßlich stellten, wäre mit der erhöhten Packsi- jmimte die Verzinsung des Kapitals gesichert gewesen. Dieses Anerbieten trug mit dazu bei, daß der Anbau von den Bau- und Finanzkommissionen empfohlen wurde und somit ivaren Aussichten vorhanden, daß das Projekt in der nächsten Stadt- verordnetensitznng eine geneigte Beurteilung finden werde. Doch man soll den Tag nicht vor dem Abend loben und ein Bauprojekt nicht zur Annahme vorlegen wollen, bei dem die Pläne ein ganz bedeutendes Häkchen haben! Die „Mainzer Neuesten Nachrichten" schreiben heute unter der Spitzmarke: „Aus.der C.hronit von Schöppenstedt: „Schöppenstedt liegt bekanntlich an einem großen und schönen Strom. Man hatte leider lange versäumt, diesen Strom im Interesse der Bewohner Schöppenstedts nutzbar zu machen und nun ging man endlich kräftig vor, das Versäumte nachzuholen. Es sollte eine Terrasse in der Nähe des Stromes derart um- gebaut werden, daß man von ihr aus einen herrlichen Blick über den Strom und weit in die Lande hinaus genießen konnte. Das Projekt wurde ausgearbeitet und vorgelegt, von den verschiedenen Kommissionen bejubelt und einstimmig gutgeb ersten, und so wäre alles in schönster Ordnung, wenn wir nicht in Schöppenstedt wären. ES fand sich nämlich, daß unter der seitherigen Terrasse ein in dem Projekte niSt vorgesehener Längskanal läuft, der eine weit stärkere Fundamentierung des projektierten Umbaues und naturgemäß auch weit größere Ausgaben als vorgesehen, erheischt. Anderwärts Latten sich die „hoch" und „tief" liegenden Ämter vorher ins Einvernehmen gesetzt und dadurch wäre eine derartige nachträgliche unangenehme Entdeckung nicht gut möglich gewesen. Man hat in Schöppenstedt leider kein Glück mit den Umbauten. Die braven Schöppenstedter aber, die sich schon so sehr auf die Terrasse gefreut haben, können jetzt noch eine Zeit lang warten und anstatt auf den schönen Strom vorerst noch in den Mond gucken! So geschehen zu Schöppenstedt im Jahre deS Heils 1907." übrigens ist dem Projekt, wenn es an den erwähnten Umständen scheitern sollte, keine Träne nachzuweinen. Die „Stadthalle" ist an und für sich kein besonders schönes Bauwerk. Nur die Konstruktion der Decke im. Hauptsaal, die bloß Seitenstützpunkte hat, sich vollständig frei wölbt, zeigt des Erbauers Künstlerhand. Von der südlichen Seite iEingcmg) aus betrachtet wirkt der Bau wie eine riesige Schildkröte, flach, ohne jedes Bestreben zur Höhe. Schlösse sich nun an dieses schuppenartige Gebilde auf der einen Seite ein weiterer flacher, unorganischer Seitenbau, so wäre der Eindruck noch wesentlich ungünstiger. Die Nonchalance, mit der man die Angelegenheit behandelt zu haben scheint, hätte in diesem Falle das Gute, Mainz vor einer architektonischen Mißgeburt schlimmster Sorte zu bewahren.
in. Bingen, 4. Juli. Die B l a t t e r n e r k r a n k u n g e n . die kürzlich an mehreren Orten des Großherzogtums borgekommen sind, haben die Gesundheitsämter veranlaßt, strenge Maßnahmen anzuordnen. Die Bürgermeistereien sind verpflichtet, den Zugang von Arbeitern, Ausländern, in welchen der allgemeine Impfzwang überhaupt nicht besteht oder erst im Laufe des letzten Jahrzehnts eingeführt worden ist, sofort den zuständigen KreisgesundheitZämtern zu melden. Diese lassen dann umgehend Schutzpockenimpfungen auf Staatskosten vornehmen. Für Hessen kommen hauptsächlich Italiener in Betracht, sowie russische Saisonarbeiter.
rs. Coblenz, 4. Juli. Ein hiesiger Gelegenheitsarbeiter, der erst kürzlich zu einer vierwöchigen Gefängnisstrafe und zur Überweisung an die Landespolizeibehörde verurteilt worden war, weil er nicht für seine Familie sorgte, geriet gestern vormittag mit seiner Frau in heftigen Streit. Der Unmensch versetzte der Frau nicht weniger als fünf Stiche in den Hals und in die Schultern, so daß diese sehr schwer verletzt wurde. Der Täter, der schon ein recht bewegtes Leiben hinter sich hat, wurde verhaftet, hat sich jedoch im Polizeigesängnis kurz nach seiner Einlieferung am eigenen Hemde erhängt. Die Leiche des Selbstmörders wurde noch gestern abend auf den städtischen Friedhof befördert.
88. Braunfels, 4. Juli. Herr Förster Esch im hiesigen „Tiergarten" feierte im Kreise seiner Familie und Freunde sein 50jähriges Dienstjubiläum. Die Familie Esch steht schon nahezu 100 Jahre in fürstlichen Diensten, denn auch der Vater des Jubilars war 40 volle Jahre bei unserem Fürstenhause bedienstet. Zwei Brüder des Jubilars sind, wie die „Cobl. Ztg." berichtet, ebenfalls 46 und 44 Jahre im Solms-Braunfelsschen Forststd renste tätig,
!c. Gießen, 4. Juli. Der Provinzialtaa für Oberbessen hat die Gewährung eines Geldgeschenks von 20000 M ark an die L a n d esu n i v e r s i t ä t anläßlich der Feier ihres 300jährigen Jubiläums beschlossen.
bis. Marburg, 4. Juli. Herr Oberlehrer Dr. Glaser hier erhielt den Drez-Prers der philosophischen Fakultät der Univerfitat Gießen bei der diesjährigen Bearbeitung der gestellten Preisaufgaben zuerkannt.
Kpsrt.
* Eine Gesellschaftsreise ab Frankfurt V M. zum Berbandstag „Deutscher Tourrsten-Vereine" in Anna- berg i. Erzgebirge ist vom 22. August bis 2. September 1907 geplant. 12 Taget Kosten ca. 170 M., inkl. Rund-
