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Nr. 21i.

Morgen-Ausgabe, 1 . Blatt.

iesimÄerrer TagdiKtt»

Dienstag. 7. Mai 1907.

Sette 3«

Auch die Realschule von 1840 fand dort Aufnahme, ebenso

we mit derselben 1345 verbundene Realgymnasium, jytefeg wurde, als 1857 die höhere Bürgerschule vrgani- stert wurde, in dem Münzgebäuöe in der Luisenstraße und dem früheren Gasthofe zum Schützemhof unter­bracht. Dem immer stärker sich fühlbar machenden Raummangel wurde durch die Errichtung des Schnl- Uauses in der Oranienstraße, das am 4. Mai 1868 er­öffnet wurde, abgeholfen. Die Fortsetzung der Fest- Ichrlft bilden Mitteilungen über die Bibliothek, die Ge­richte der Lehrverfassung, die Anstalt als Realschule Ordnung, zu der sie im Dezember 1879 erhoben wurde, was den Schülern mancherlei Vorteile bot, die Anstalt als Oberrealschule, als welche sie 1884 anerkannt wurde, als Reform-Real-Gymnasium mit Realschule, zu uer sie Ostern 1905 umgewandclt wurde. Leiter der An- waren die Herren P o l a cf von Anfang bis Ostern 1877 (starb am 24. Februar 1895). K. W. Unverzagt von 1877 bis zu seinem 1884 erfolgten Tode, Dr. L. ®ötfet von 1886 bis zu seiner Ernennung zmn Pro- vrnzial-Schulrat im Jahre 1990 und von da an Professor iq^ OK ® i11 ' unter dessen Leitung die Anstalt Ostern 905 ihre Umwandlung in ein Reform-Realgymnasium ^egann. Es folgen noch Verzeichnisse der 49 ordentlichen Zehrer, Oberlehrer, Profcfforen und 19 Religionslehrer wr Nebenamt, der wissenschaftlichen Hilfslehrer und Kandidaten, der Zeichenlehrer, der Lehrer an der Real- »ezw. Oberrealschule, der Lehrer an der Vorschule, so­wie der Abiturienten, von denen sich viele in angesehenen Messungen befinden.

Das Kaiserpreis-Reitneu.

DerKaiserliche Automobilklub" bittet uns, die- len Artikel, trotzdem er ja für unsere Leser keine Reuig- werten bringt, doch zu veröffentlichen, um allen irrigen Meinungen über den Wert des Kaiserpreis-Rennens im Taunus entgegenzntreten:

Die deutsche Industrie hat sich bis jetzt mit Aus- wrhme eines Werkes an den großen internationalen Prüfungen der Kraftfahrzeuge nicht beteiligt, so Gss im Ausland allgemein und vielfach auch ver den deutschen Konsumenten sich die irrtümliche Meinung sestsetzte, daß hinter der einen konkurrierenden vsibrik eine leistungsfähige deutsche Antomoüilindustric vicht stehe.

Diefer Irrtum hat bewirkt, daß die deutsche Auto- mübilindnstrie auf dem Exportmarkt von in der Maschi- «euproibuktion viel weniger hochstehenden Ländern wie Frankreich und Italien erheblich zurückgedrängt worden sst, ja daß der einheimische Markt von oft minder guten, rm besten Falle aber den unseren gleichwertigen auslän- mschen Fabrikaten überflutet wird.

Um diese wirtschaftliche Mißlage möglichst zu besei- ngen, erschien es notwendig, der deutschen Antomobil- Mrstrie eine Gelegenheit zu schaffen, ihre Leistungs- nchigkeii vor aller Welt zu demonstrieren. Als diesem Zweck allein entsprechend haben der kaiserliche Auto- vrobilklub" und derVerein der Motorfahrzeng-Jn- austriellen" die Veranstaltung einer internationalen Ge- ichwindigkeitskonkurrenz in Deutschland beschlossen. ^^Bei Aufstellung der Propositionen für dieses Rennen Mrren u. a. folgende Erwägungen maßgebend:

, Ans verschiedenen, die nicht fachmännischen Leser rncht besonders interessierenden Rücksichten ist für das Rennen um den Kaiserpreis die Stärke der Motoren v^schränkt worden Zylindcrvvlumen von nmximal ° Liter, entsprechend etwa 50 Pferdekräften und um verhindern, daß zur Erzielung größerer Geschwindig- ^st die Maschinen aus Kosten ihrer Dauerhaftigkeit zu ittcht gebaut würden, ist ein Minimalgewicht für die konkurrierenden Wagen fixiert worden 1176 Kilo- Lvarnnc, entsprechend dem Normalgewicht eines etwa 59- pferdekrästigen Tonrenchassis.

k^ersaunnlung hörte, rief er ans:Der 81. Oktober 1888 w ein historischer Tag."

In der Tat trat mit jenem Tage der alte Friedens- »edanke in eine neue Phase: er ist der Geburtstag der Modernen Friedensbewegung.

Das bezeichnende Merkmal der modernen Friedens- vewegnng bilden die Organisationen, die sie sich gegeben vwd durch deren Wirken es ihr gelungen ist, Einfluß auf w öffentliche Meinung und in hohem Maße auf die Politisch- Entwickelung zu gewinnen.

An der Spitze dieser Organisationen steht die Inter­parlamentarische Union, die durch die oben erwähnte jr* r ifer Zusammenkunft von 40 Mitgliedern zweier Par­amente begründet wurde.

, Unmittelbar darauf versammelten sich am 11. Novem- J-ij 1888 in der Wohnung von Charles Lemmonnier die ^«tglieder von fünf französischen und drei fremden E^vdensgesellschaften und beschlossen für das Weffans- aellungsjahr 1889 die Einberufung eines Weltfrisdens- -ongresses hj-r Friedensgesellschasten nach Paris.

Mit diesem Beschluß wurde der Anfang zu einer dauernden Organisation der in allen Ländern aufstrsben- ß? tt . Friedensgescllschaftcn gelegt, die zunächst in der Gründung des Internationalen Frieöensbnreaus in ihren Ausdruck fand. Dieses hat folgende Ob­liegenheiten: Es dient Vereinigungen und einzelnen 5? Sern Friedcnswerke arbeitenden Personen mit Aus- ruirften, die sich auf die Propaganda und die Vertretung J 11 gemeinsamen Ideen beziehen, und vermittelt den ^erkehr der Gesellschaften und Personen untereinander.

bereitet die internationalen Friedenskongresse vor, nudiert die Lichen zur Beratung übergebenen Fragen 'iwd führt die Beschlüsse aus. Es unterhält ein Archiv vvd eine Bibliothek über alles, was Sie Friedensbe­wegung berührt. Das Bureau hat die Vollmacht, in Taugenden Fällen, bei Auftauchen internationaler Kon- jl'Ute sich an Sie Regierungen und an die Öffentlichkeit M wenden und eine friedliche Lösung zu erleichtern. Es rlüet eine den Schweizer Gesetzen entsprechende Gesell- Mst mit juristischer Persönlichkeit und untersteht der Oberaufsicht eines ständigen internationalen Komitees 26 Mitgliedern, die zurzeit 15 Nationalitäten ange­boren. Präsident dieses Komitees ist Fred. Bajer in I

Als Rennstrecke ist wiederum ein Teil unseres Taunus gewählt worden. Das Gordon-Bennett-Renncn 1904 hat erwiesen, daß die Taunusstraßen wegen ihrer hervorragenden Beschaffenheit wie wogen ihres reich­haltigen Wechsels an Steigungen, Gefällen und Kurven sich außerordentlich für die Anstellung einer so ernsten Prüfung eignen. Dazu kam die für eine große inter­nationale Veranstaltung erforderliche günstige zentrale Lage und nicht zuletzt die Erwägung, daß die Bevölke­rung wie i M t Jahre 1904 bereit ist, in Würdigung der in Frage stehenden großen nationalen wirtschaftlichen Interessen die Unbequemlichkeiten, die trotz aller Vor­sorge mit dem Rennen verknüpft sind, auf sich zu nehmen.

Es ist zu erhoffen, daß die so geplante Veranstaltung erheblich dazu beitragen wird, der deutschen Automobil- industrie die ihr nach ihrer Leistungsfähigkeit gebührende Stellung im Inland wie ans dem Weltmarkt zu geben.

. Die Stadtverordnete» sind auf Freitag, den 10. Mai 1907, nachmittags 4 Uhr, in den Bürgersaal des Rathauses zur Sitzung eingeladen. Auf der Tage s - ordnnng steht: 1. Bewilligung von 1000 3)1. für An läge einer Steintreppe und 5780 M. für Errichtung von Stützmauern auf dem .Krankenhausterrain. Ber. R.-B.

2. Vorlage, betreffend: a) Bewilligung von 18 000 M. für eine Kühlanlage im Wirtschaftsgebäude und b) Ge­nehmigung der Mehrkosten von 40 625 M. für das Wirt­schaftsgebäude, das Kesselhaus und die Desinfektions- anllage des städtischen Krankenhauses. Ber. B.-A.

3. Austausch non Feldwegflächen gegen in die 2. Ring­

straße fallendes Gelände bei Heranszahlnng von 32 821 M. aus der Stadchauptkasse. Ber. V.-A. 4. Fkuchtlinien- plan einer an der Nordgrenze des Süöfviedhofes liegen­den Straße. Ber B.-A. 5. Genehmigung der Über­

schreitung von 527 M. 2 Pf. für die Anlage eines Aus­sichtspunktes an der Westseite des Nerobergs. Ber. B.- A. 6. Erwerbung von Gelände zur Erbreiterung der Mainzer Landstraße. Ber. F.-A. 7. Verkauf einer Feld­wegfläche an der 2. Ringstraße. Ber. F.-A. 8. Um­wandlung einer Asfistentenftelle bei der Kurverwaltung in eine Sekretär stelle. Ber. O.-A. 9. Ersatzwahl für ein verstorbenes Mitglied der Voreinschätzungskommission und des Stoucrausschusses für Veranlagung der Ge- mcindeeinkommensteuer. Ber. W.-A.

Vom Landeshaus. Die Auswechslung der ge­borstenen Säule am Risalit des Landeshauses ist soweit vorgeschritten, daß die Säule fast vollständig niedergelegt ist. Die einzelnen Trommeln lagern im Bauhof des Grundstücks. Nachdem das Kapital und das Kopfstück ent­fernt worden waren, ohne daß am Relief und am ganzen Vorbau eine Veränderung bemerkbar wurde, war kein unliebsamer Zwischenfall mehr zu fürchten, denn cs war der Beweis erbracht worden, daß die Absteifung die Riesenlast tragen würde. Mit der Aufrichtung der neuen Säule wird in nächster Zeit begonnen werden, wozu die einzelnen Stücke der alten, mit Ausnahme des beschädig­ten, wieder verwendet werden. In kurzer Zeit wird dann nichts mehr an die schwierige Banarbeit erinnern. Der rechte Flügel des Hauses ist bereits bezogen. Außer ver­schiedenen Bureaus sind Dienstwohnungen in Benutzung genommen worden.

Bezirksausschuß. Der frühere Maurer, spätere Bauunternehmer und derzeitige Privatier Philipp Schäfer von Bierstadt sucht für sein Haus an der Wil­helmstraße dortsclbst, welches er derzeit an die Postbe­hörde vermietet hat, die Erlaubnis zum Gastwirtschafts­betrieb nach, wie das für dasselbe Haus seit dem Jahre 1903 bereits sechsmal geschehen ist. Die beiden Ortsbe- hördcn haben die Bedürfnisfrage bejaht, der Kreisaus­schuß jedoch hat ihn, indem er die Beöürfnisfrage glaubte verneinen zu sollen, mit seiner Klage abgewiesen, angeb­lich in einer Sitzung, in welcher ein anderes Konzessions- gesuch genehmigt wurde. In seiner Berufungsfchrift

Kopenhagen, Bizepräfidentin Baronin von Suttner. Die mit dem Jahre 1889 beginnenden Friedens­kongresse haben alSWeltfriedenskongresse" eine neue Reihe periodischer internationaler Vereinigungen für die Propaganda der Friedensidee ins Leben gerufen, deren Tagungen mit wenigen Ausnahmen fast jedes Jahr stait- fanden. Bisher haben fünfzehn solcher Kongresse getagt. Der 16. Weltfriedenskongreß soll im Jahre 1907 zu München stattfinüen.

Auch die Weltfriedenskongresse fanden anfangs wenig Beachtung seffens der Öffentlichkeit. Aber bereits der 3. Kongreß zu Rom, dessen Sitzungen im Kapitol statt­fanden, wurde von den Vertretern der Regierung ind der Stadt feierlich begrüßt. Von da ab fehlten die offiziellen Begrüßungen nicht mehr. Die Kongreße von 1902, 1908, 1904, 1905 fanden unter dem Protektorate der Staatsoberhäupter jener Länder statt, in denen die Tagung vor sich ging: der Kongreß von 1906 unter dom Protektorate des italienischen Ministers des Äußeren. Die Zustimmungen offizieller Kreise mehrten sich, die Presse begann sich ausführlich mit den Kongreffen zu be­schäftigen und ein weiter Kreis der Öffentlichkeit fing an, an ihren Beratungen lebhaftes Interesse zu nehmen. Aus fast allen Ländern Europas, wie ans den Ver­einigten Staaten kommen jährlich zahlreiche Deputierte. Der günstige Einfluß der Kongreßverhandlungen auf die öffentliche Meinung steht außer Frage.

Die Arbeiten der Weltfriedenskongresse lassen sich in drei Kategorien teilen. Da ist in erster Linie die Stellungnahme zu -den politischen Aktualitäten, bei deren Beratung das moderne Kultnrgewffsen beredten Aus­druck findet und gar oft als ein Mahnruf der Vernunft und des fortschrittlichen Geistes in die Welt hinausgcht. Da ist in zweiter Linie das juristische Gebiet, wo auf eine Ausgestaltung und Festigung des internationalen Rechtes hingearbeitet wird, und in dritter Linie -das weite Gebiet der Propaganda. Innerhalb dieser Ge­biete befaßten sich die Kongresse mit der Aufstellung ge­wisser Grundsätze für die internationale Politik: so mit dem Fremdenschutz, der Siaatengleichheit, der Moral in der Politik: sie stellten die Grundsätze für ein modernes Völkerrecht fest und arbeiteten einen Völkerrechts- und einen Sclnedsaerichtskoder ans: sie forderen Regie-

wider das betreffende Erkenntnis führt Schäfer aus, einmal hätten am Platze zwei Fremde, weil sie nicht Un­terkommen konnten, in später Nachtstunde noch nach Wiesbaden pilgern, ein andermal habe sogar das Arrest- lokal zur Unterbringung von Fremden in Anspruch ge­nommen werden müssen. In Kloppenherm entfalle auf 155, im Rambach auf 110, in Erbenheim aus 228, in fünf benachbarten Orten auf 191 Einwohner eine Schanckstelle. in Bierstadt auf 408. Seit dem Jahre 1900 sei die Be­völkerung von Bierstadt um 83f4 Prozent gewachsen, die Zahl der Schankstellen aber nur von 9 ans 10 ufw. Nach einem heute gefaßten Beschluß wird Beweis bezüglich der Beöürfnissrage erhoben.

Der neue Gepäcktarif. Zum Rcform-Gepäcktarif hat Sic Staatsbahnverwaltung aus Anlaß ausgetauchter Zweifel die folgenden AnssüHrungsbestimmnngen er­lassen: Bei Aufgabe von Gepäck im Gewicht von 201 bis 212 Kilogramm auf eine Fahrkarte ist für den 200 Kilo­gramm übersteigenden und zu verdoppelnden Gswichts- tcil der Satz der Vorstufe dem Frachtsatz für 200 Kilo­gramm zuznschlagen. Soweit die zeitweilig noch bestehen bleibenden Fahrkarten des internationalen Verkehrs nach außeröeutschen Stationen Anspruch auf Freigepäck gewähren, ist dies nur bei direkter Abfertigung nach den hierfür bestehenden Gepäcksätzen anznrechnen. Verlangt der Inhaber einer derartigen Fahrkarte gebrochene Ab­fertigung, so ist der Resorm-tGepäcktarff anzuwenden. Dies gilt auch dann, wenn neben einer Fahrkarte der be- zeichnetcn Älri eine deuffche (neue) Fahrkarte vorgelegt und indirekte Mfertignng verlangt wird. Wird bei Auf- gcche. von Gepäck eine vor dem 1. Mai gelöste, darüber hinaus gültige Fahrkarte bisheriger Art des inner­deutschen Verkehrs und eine neue Fahrkarte vorgelcgt, so ist die jeweils sich ergebende niedrigste Fracht zu be­rechnen, entweder ganz nach dem bisherigen Tarif unter Anrechnung von 25 Kilogramm Freigepäck nur für die altere Fahrkarte oder ganz nach dem neue« Tarff unter Ausschluß von Freigewicht. Bei Aufgabe von Gepäck auf Fahrkarten 4. Klasse findet der Reformtarif ebenso An­wendung wie bei Vorlage von Fahrkarten der höheren Klassen. Wird Gepäck ans Fretfahrtansweise aufgegeben, so ist von dem wirklichen Gewicht bas Frcigewicht (25 Kilogramm aus Ausweise der Bahnbeamten, 50 Kilo­gramm auf Ausweise der Reichstagsabgevrdneten und Herrenhausmitglieder) abzuziehen und die Fracht für das Restgewicht so zu berechnen, als wäre nur dieses auf­geliefert. Für Militärgepäck ist die Fracht für das Über­gewicht nach dem Militärtaris (0,3 Pf. für 10 Kilogramm und jedes Kilometer) zu berechnen. Sollte:: über An­wendung des treuen Tarifs in 5er Übergangszeit noch andere Meinungsverschiedenheiten mit den Reffenden entstehen, so ist, wenn dadurch Beschwerden vorgebeugt werden kann, zunächst die den Reifenden günstigere Be- rechnungsart zu wählen. Von derartigen Fällen soll aber unverzüglich ans dem Dienstwege Anzeiac erstattet werden.

- Der 23. Deutsche Protestanteutag findet vom 22. bis 24. Mai in Wiesbaden statt. Wir kommen auf das Programm desselben im einzelnen noch zurück. Inzwi­schen geben wir folgender Zuschrift aus unserem Leser­kreise Ran:n:Warum geht der Deuffche Protestanten- verein nach Wiesbaden?" Ist gerade dort ein energi­scherProtest" gegen kirchenregimentliche Bedrückung oder orthodoxe Parteiherrschaft nötig? Nein, gewiß nicht. Nun, was will er denn dort? Mcht protestieren, das ist überhampt nicht seine Hmrptanfgabe, wie übel­wollende und übellaunige Gegner ihm stets nachgeiagt haben. Arbeiten will der Deuffche Protestantenverein, und dazu braucht inan Ruhe und nicht wilde Erregung am Ort der Tagung. Es gilt der großen Gefahr, der die deutsche protestanttsche Kirche entgegengeyt, wenn sie sich nicht zu energischen Reformen enffchlietzt, scharf und klar cns Auge zu schauen, es gilt, die Schäden mit hellem Blick zu erkennen, jene nötigen Reformen mft ruhigem

rungskonferenzen, unterstützten das Haager Werk durch d:e Propagierung seiner Ergebnisse, sie befürworteten üwd reglementierten eine Urtion für Friedcnsführung (im Gegensatz der bisherigen Kriegsführuugsverbindun- gen): sie vertieften und entwickelten das Problem der Schiedsgerichtssanktion: sie erörterten und komlnenffer- ten das Nationalitätenprinztp und Nationalitätenrechr: sie legten die Rechtsbezichungen mit wichtzrvilisierten Völkern dar und arbeiteten einen Kodex für eine zivili­sierte Behandlung der Eingeborenen ans: sie studierten die Fragen, die den Frieden zu bedrohen imstaude sind, befürworteten den Freihandel und die wirischaftlichen Interessen der Völker, traten für einheitliche Maße, ^Gewrchte uirö Darffe, wie für die Annahme einer inter­nationalen Hrlfssprache ein: sie erörterten das Problem der Rüstungsbeschränkung und proteffferten gegen die unaufhörliche Vermehrung der Rüsinnssausgaben: sie verlsuchten die Ausstellung einer Kriegsstattstik und die Ergründung der Bedingungen künftiger Kriege: sie er­örterten und kommentterten völkerrechtliche Fragen, wie das Recht der Neutralität, der Kriegserklärung, der Kriegsanleihen: sie traten für die Unverletzbarkeit des menschlichen Lebens ein, kämpften gegen das Duell an und regelten und vermehrten die wechseffeitigen Be- zichungen Ser Frieöenögesellfchaften. Sie^ erörterten die Fragen der Friedenspropaganda bei Wahlen, durch die Presse, durch die Schule, durch ReligiESgenossenfchcfften und bei vielen anderen Veranlassungen: sie veranlatzten Petitionen und Kundgebungen mannigfachster Art. Zn den traurigen Ereignissen in der Türkei, in Armenien, Mazedonien und Rußland, wie zum türkffch-griechffchen Konflikt, zum Konflikt zwischen Chile und Argentinien, zwischen Spanien und den Bereinigten Staaten, zum Kriege in Südafrika und im äußersten Osten usw. nahmen die Kongresse Stellung.

Im Laufe der Jahre gelang es ihnen dadurch das pazifistische Problem zu vertiefen und zu entwickeln. Die ursprünglichen einfachen Forderungen der Friedens- freunde haben sich mit der Zeit zu einem komplizierten und verfeinerien System entwickelt. Das von den Kon­gressen geleistete Werk bildet daher einen großen Schatz geistiger Arbeit im Dienste der Völkerverständigung und rationellen Friedenssicherung.