Sette 4. Donnerstag, 18. April 1997. MiesKKÄRAex EMgMkM»
v. Diersburg, Gen.-Major und Kommandeur der 25. Jnf.-Brig., Schmidtborn, Oberst und Kommandeur des 8. Bad. Jnf.-Regts. Nr. 170, mit der Erlaubnis zum Tragen der Regts.-Uniform, S ch o I h , Oberst in der 1. Jngen.-Jnsp. und Inspekteur der 1. Festungs-Jnsp., mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Pormn. Pion.-Bat. Nr. 2. Der Abschied mit der gesetzlichen Pension bewilligt: v. Soeben, .Oberst und Kommandeur des Braunschw. Jnf.-Reats. Nr. 92, unter Verleibung des Charakters als Gen.-Major, Thier- gartner-Drummond, Oberst und Kommandeur des Tllan.-Reats. Graf Häseler (2. Brandend.) Nr. 11, mit der !Erlaubnis zum Tragen der Regts.-Uniform. — Müller, Oberst und Kommandeur der Schutztruppe für Kamerun, der Charakter als Gen.-Major verliehen.
== Smrnenberg, 16. April. Der „Radfahrer- Klub Frohsinn" hier unternimurt am kommenden Sonntag, den 21. April, seine erste diesjährige Tour durchs ' Wrspertal nach Lorch und durch den Rheingau zurück. Sammelpunkt vormittags 6.30 Uhr im Vereinslokal „Zur goldenen Krone". Dortselbst Abfahrt pünktlich um 7 Uhr. S3et ungünstiger Witterung findet die Tour 8' Tage später statt. Freunde und Gönner des Klubs find hierzu freundlich st erngeladen.
... P Erbenheim, 16. April. Kommenden Samstag, den 19. d. M., _ abends 8 Uhr, hält der „Lokal-Gewerbe- derer n" im Gasthaus „Zum Schwanen" (Besitzer: Heinrich Merten) ferne Generalversammlung unter Zugrundelegung nachstehender Tagesordnung: 1. Bericht über das abgeürufene Vereinsjahr; 2. Bericht des Rechnunas- fuhrers; 3. Ergänzungswahl des Vorstandes; 4. Wahl einer Rechnungsprüftragskommission; 5. Wahl der Vertreter zur Generalversammlung in Biebrich; 6. Sonstige Bereins-
angelegeuh eiten.
Wehen, 16. April. Der hiesige „Gewerbeverei n" wählte in seiner gestrigen Generalversammlung Herrn Buch- orndermeister Schneider zu seinem Vertreter auf der Generalversammlung zu Biebrich. Zu seinem Stellvertreter wurde der Vorsitzende des Vereins, Herr Schornstein- fegerineister schwank, bestimmt. Anträge werden von hier aus nicht gestellt. — Der Obstbaupflegekursus, welcher durch Herrn Landes-Obstbaulehrer Winkelmann ab- aehalten werden und heute beginnen sollte, wurde abermals bis zuni Herbst verschoben.
U. Langenschwalbach, 16. April. Im Laufe des Herbstes 1906, wurde einem hier in Stellung befindlichen Ziegelmeifter ein Acker mit Kartoffeln gepfändet. Die Versteigerung verzögerte sich aber und erfolgte erst vor einigen Tagen. Die Kartoffeln, welche sich den Winter über in der Erde befanden, sollen recht schön aussehen, wie sie aber schmecken werden, das steht auf einem anderen Blatt. Jedenfalls ist es eine San;', die nicht oft vorkommt, daß man in der Hälfte des Monats April Kartoffeln erntet.
bs. Eltville, 15. April. Die Eisenbahn-Direktion in Mainz hat beantragt, den Übergang vom Bahnhof nach der Taunusstraße, also den nächsten Weg des südöstlichen Stadtteiles nach der Güterhalle, ganz zu schließen und dafür eine Unterführung, aber nur für Kußgänger, herzuftellen, auch den Viadukt in der Schwal- Lacherstraße zu erweitern. — Die Bürgerschaft von Eltville ist derart über diese Zumutung erregt, daß lebhafte Beschwerden bei der Bürgermeisterei bereits eingelaufen sind und sowohl Magistrat als Bürgerausschutz sich gegen die-es Projekt ausgesprochen haben. Die Eisenbahn-Direktron würde nicht nur die Stadt Eltville aufs schwerste schädigen, sondern noch ein gutes Geschäft dabei machen, indem der Wärter- Posten alsdann wegfallen würde. Hoffen wir, daß der Magistrat seine: Rechte auf das energischste wahrt, damit es nicht wie seiner Zeit am Roßpfad geht.
!! Vom Mittelrhein, 16. April. Die sonnige trockene Witterung hat die Vegetation in Feld und Garten mächtig gefördert. _ Auch der Rebstock ist aus seiner Winterruhe erwacht. Die Saftzirkulation hat ihren Anfang genominen und die Augen fangen an zu schwellen. Wenn die günstige Witterung Bestand hält, so kann der Austrieb der Reben anfangs Mai erfolgen. Der Boden besitzt genügend Feuchtigkeit, so daß ein kräftiger Austrieb der Reben erwartet werden kann. Die Rieslinge haben meist - kräftiges, gesundes Holz, während die weicheren Rebsorten teilweise Frostschäden gelitten haben. Im allgemeinen kann man noch immer mit dem Stand der Weinberge zufrieden sein. Di«
e en der Reüschädlinge sind zum Teil der harten Kälte des n Winters zum Opfer gefallen. Der Rebschnitt ist so weit besorgt und die übrigen Frühjahrsarbeiten schreitim rüstig voran. — Im freihändigen Weingeschäft ist es in hiesiger Gegend etwas ruhiger geworden, ohne daß das Geschäft zu verstauen scheint. Die Preise sind sehr fest.
X Idstein, 15. April. In einem der letzten Tage wurden im Tiergarten etwa 100 junge Bäumchen, welche erst einige Tage gepflanzt waren, von jungen Burschen aus der Wurzel gerissen. —* Heute vormittag wurde dem Ab» teilungsführer der hiesigen freiwilligen Feuertnehr, Herrn Karl Ni ü n st er, in Anerkennung feiner 30jährigen Mit-- glredfchaft bei derselben durch Herrn Regierungs-Assessor vr. Brüning das ihm von Sr. Majestät dem Kaiser verliehene „Allgemeine Ehrenzeichen" überreicht. Dem feierlichen Akt wohnte Herr Bürgermeister Leichtfuß, Kommandant Scherer, sowie sämtliche Abteilungsführer der freiwilligen 'Feuerwehr bei.
= Höchst a. M., 17. April. Einem 19 Jahre alten Ar- beiter wurde in den Farbwerken von einem Rührwerk der linke Arm vollständig abgerissen. Wie behauptet wird, soll der Verunglückte erst einige Tage in der Fabrik beschäftigt gewesen und trotz seiner Unersahrenheit an einen sehr ' gefährlichen Posten gestellt worden sein.
u. Schwanheilu, 16. April. Kaplan E n g l e r t von hier ist mit dem 16. d. M. nach Wiesbaden versetzt und sein« Stelle dem Kaplan Burkard aus Nievern übertraqen worden. — Nach Mitteilung des Landeshauptmanns an die hiesige Bürgermeisterei sind die Pläne wegen Herstellung der Zü- ftrhrstraße neue Mainbrücke Nied in 3 Wochen fertiggestellt worauf dann das Weitere geschehen soll. — Die Pflasterung der neuen Brücke ist eingestellt worden-, da die Untersuchung des Betons ergeben hat, daß er nicht gebrauchsfähig sei. — Die katholische Kirchengemeinde genehmigte die Erhebung von 50 Prozent Kirchensteuer für das Rechnungsjahr 1907/08. —- Auf Veranlassung des „R h e i n - Main-Verbandes für Volksbildung" fano in der Turnhalle die Aufführung von Lessings „Minna von Barnhelm" statt, ausgesührt von der Truppe des Hanauer Stadttheaters. — Die Gemeinde hat beschlossen, artt östlichen Brückeudamm eine massive Treppe herzustellen, um so den Arbeitern den Weg nach den chemischen Fabriken Griesheims abznkürzen. — Das Gehalt des Flurhüters Rührig wurde von 800 auf 900 Mk. erhöht.
— Niederbrechen, 15. April. Der Schreinermeister Franz Schneider hat sich in eruem Anfall geistiger Störung in seiner Scheune erhängt.
h. Nassau, 16. April. In der letzten Sitzung unserer S t a d t v e r o r d n e t e ip betonte Herr Bürgermeister Hasen clever, daß Sparsamkeit in allen Ecken not tut. Die Biersteuer werde der Stadt allerdings 1500 M. ein- brinaen, aber man habe sich trotzdem sehr einrichten müssen, um den Etat zu balccnzieren.
.. J 1 : Aus dem Unterlass nkreis, 16. April. Die Vorarbeiten für me Errichtung einer Sch ule auf der Holzappeler Hutte und rn Obernersen sind soweit gediehen, daß demnächst mrt dem Bau begonnen werden kann. —. Im Umterlahnkrers sind 33 Gemeinden, also fast die Hälfte sämtlicher Krersgemernden, cm das F e r nf p r e ch n e tz mw= schlossen; der Anschluß weiterer Gemeinden steht bevor.
Der Verkehr auf der n a s s a u i s ch e n Kleinbahn hat im letzten ^ahre wieder eine ziemlich erhebliche Steigerung exfahreti. — «am. «SOTte 1906 wurden die Vizi n a I w,e ge
zwischen. I s s e l b a ch und Ettersdorf, zwischen Ra s s a n und Homberg und zwischen S u l z b a ch und Becheln . sertiggestellt. Mit dem Slusbau anderer Wege ist der Anfang gemacht worden; die Fertigstellung einiger Straßen ist im Lause dieses Jahres zu erwarten. — Die Lahn brücken bei Balduinstein, Obernhof und Dausenau werden recht rege benutzt' der wirtschaftliche Vorteil der Verbindung der bertzen Lahnufer macht sich nicht nur in den direkt verbundenen Orten, sondern auch im Hinterland derselben bemerkbar. — Interessant ist es, daß in unserem Kreis noch 4 Gemeinden ohne Erhebung irgendwelcher Gemeindesteuern auskommen. Es sind dies die Orte Eppenrod (452 Einwohner), H i r s ch b e r g (268 Einwohner), Pohl (279 Einwohner) und das ebenfalls ein selbständiges Gemeinwesen bildende Schloß Schaumburg (34 Einwohner). Wir haben aber auch Gemeinden, die mit ihreri, Steuerzuschlägen an der äußersten Grenze der Erträglichkeit angekommen sind. 300 Prozent Zuschläge erheben die Gemeinden C h a r - lottenberg (218 E.), Dienethal (197 E.), Missel- berg'(100 E.), Oberwies (129 E.), Ruppenrod (73 E.) und Winden (547 E.), 250 Proz. zahlt man in Attenhausen, Hambach, Ergeshausen, Holzappel, Jsselbach, Obernhof und Schönborn; 200-—250 Proz. erheben 40, 100—200 Proz. 22 und 1—100 Proz. 4 Gemeinden. -7-- Die Kreishundesteuer brachte im verflossenen Jahr« weit weniger ein als in den Vorjahren; man darf das jedenfalls mit Recht auf die häufige Verhängung der Hundesperre zurückführen, . die viele Hunde- besitzer veranlaßt hat, ihre Tiere abzuschaffen. — Im verflossenen Fahre kamen auf je 100 Einwohner des Kreises etwa 2,5 Geburten, 0,9 Eheschließungen und 1,5 Sterbefäüe. Es ist also ein nicht unerheblicher Geburten- Heber- s ch u ß zu verzeichnen.
b. Ems, 16. April. Die 15 Jahre alte Tochter eines hiesigen Arbeiters kam in der Morgenzeit mit einer Freundin von einer in Fachbuch stattgesundenen Tanzmusik. Da ihr elterliches Haus verschlossen war, suchte das Mädchen bei einer Freundin Unterkunft. Als am anderen Morgen die Mutter erschien, sprang das junge Ding aus Furcht vor Strafe aus dem Fenster des im ersten Stock belesenen Zimmers und brach beide Beine.
h. Dachsenhaitsen, 16. April. Der Landwirt Karl Wagner von hier verunglückte beim Ausladen von Kalk auf dem hiesigen Bahnhof. Die Verletzungen, die W. durch einen Sturz von einem Wagen erlitten hat, sind sehr schwer.
m. Lorch, 15. April, Die Ebben Jak. Kind 3r hier brachten ihren Besitz zur Versteigerung. Es wurde bezahlt für die Äcker 20 bis 480 M., für die Weinberge 80 bis 960 M., für die Wiesen und Ödländer 24 bis 30 M. Für die Weinberge und Äcker wurden 7560 M., für das Wohnhaus, Scheunen usw. 5045 M. erlöst.
Aus der Umgebung.
= Frankfurt a. M., 16. April. Hier starb im Alter von 81 Jahren der in akademisch-literarischen Kreisen bekannte Schriftsteller und Besitzer einer Erziehungsanstalt für Mädchen, Dr. Emil Neuburger. — In einer Wirtschaft am Crsernen Steg schlug der 21 Jahre alte Maurer Simon Osche dem 24jährigen Taglöhner Heinrich Spieß mit einer Glasscherbe die H a l s s ch l agader bis auf den Kehlkopf durch. Auch Osche wurde schwer verwundet. Die Aerzre haben wenig Hoffnung, den Spieß am Leben zu erhalten, — Der 52 Jahre alte Taglöhner Engelhard Bachmann feuerte nach kurzem Wortwechsel einen Revolver schuß auf seine Frau, welcher derselben durch die Wange ging. —• Der Pöstaffistent Julius Baumann stürzte aus dem vierten Stock seiner in dem Haus Zetl 76 gelegenen Wohnung. Er zog sich schwere innere Verletzungen zu,
— Biedentovf, 16. April. Der althistorische „Grenz- gang" soll im August d. I. wieder einmal stattfinden. Der letzte Grenzgang wurde im Jahre 1900 gefeiert. Von nah und fern, sogar aus Amerika, haben sich schon Besucher cm» gemeldet. Mit den Vorarbeiten hat sich eine Bürgerder- sanrmlung beschäftigt, die dieser Tage hier stattsand.
m. Bingen, 15. April. Laut amtlicher Bekanntmachung mußte wogen neuerlicher Verbreitung der Maul- und Klauenseuche in den Nachbargebieten das Abhalten von Vieh- markten in Bingen für die nächste Zeit untersagt werden.
m. Bingen, 16. April. Im Laufe dieses Sommers wird der Verein zur Erhaltung deutscher Burgen auch der Stadt Bingen auf seinem Ausfluge nach der Hoh- königsburg einen Besuch abstatten. Die Stadt Bingen meldete sich zur Mitgliedschaft bei dem Verein an.
Gerichtssiml.
Wiesbadener Strafkammer.
Das leidige Messer.
Ans Anlatz eines Wortstreites im Wirtshause hat eines späten Abends der Taglöhner Karl R. von hier seinem guten Freunde in einem Hose an der Wellritzstraße mit einem Mesierchen, das er als Anhängsel an der Uhr trug, in die Brust gestochen. Der Verletzte nahm gleich Krankenhansbehandlung in Anspruch und war nach 2 Tagen wieder wohlauf. Strafe: 8 Monate Gefängnis.
Ein nnsanberes Verhältnis.
Der Maurer Mathias H. aus Bayern lebt, scit- bem er seine Frau verlassen hat, hier mir einer Straßendirne zusammen. Die zwei vertragen sich nicht znm besten. Wiederholt soll H. dem Mädchen gedroht haben, es zu Stücken zu zerschneiden, indem er sich zugleich rühmte, einmal schon eine Person, mit der er znsammengelebt, ertränkt zu haben. Am 28. Februar kam es zwischen ihnen zu einem größeren Konflikt. Der Mann versetzte dabei dem Mädchen mit einem Dolche einen Stich, schleuderte es unter einen Wagen, trat cs mit den Füßen und drohte einem Dritten, der ihm Leispringen wollte, ihm in dem Falle auf den Kopf zu schlagen. — Urteil: 9 Monate Gefängnis mit Abzug von 1 Monat Untersuchungshaft.
Wiesbadener Schöffengericht.
Der Bäckermeister H. von Bisbrich hat einen 13 Jahre alten Schüler in seinem Geschäft, morgens vor dem Schulbeginn, resp. abends nach 8 Uhr, beschäftigt, obendrein ohne eine Arbeitskarte für ihn zu lösen. Er erhielt dafür eine Geldstrafe von 15 M.
* Der Hnnb. Aus Mainz, 16. April, wird, uns berichtet: Der Hauptmann und Kompagniechef Freiherr Karl v. Milczeck aus Goslar, vom Niederrheinischen Füsilier-Regiment 39 in Düsseldorf, stand unter der Anklage der Sachbeschädigung vor dem Gouvernein ent sgericht. Der Angeklagte war mn 15, Oktober von seinem Schwager, einem Oberförster, zum Dächs- a ns graben ans dem Jagdgebiet des Amerikaners Busch in der Gemarkung Langenschwalbach einge
Äiorgen-Ausgabe, 1. Blatt. Nr. 179.
laden und mit einem Jagdschein vetzsehen worden. Er soll nun, nachdem er sich von den anderen Jagdgästen etwas entfernt hatte, den Dachshund der Wirtin und Witwe Wichel in Langenschwalbach durch mehrere Schrotschüffe beschädigt 'haben, wodurch der Hund ernge-- gangen sein soll. Die Sache sollte damals durch einen Vergleich erledigt werden, indem der Oberförster der Geschädigten einen guten, jungen Hund und 20 Mark an'bvt, die Witwe löhnte aber diesen Vergleich ab und brachte die Sache zwei Monate später bei der Staais- anwaltschast^ in Wiesbaden zur Anzeige. Der Beschuldigte will auf eine wildernde Katze geschossen haben, und als diöse in den Wald gesprungen, habe er in derselben Richtung einen braunen Hund gesehen, der auf- gehenlt davongeeilt sei. Er sei dann der Katze nachgeeilt und hätte ans diese noch mehrere Schüsse abgegeben. Der Oberförster behauptet, daß ihm sein Schwager nur von der Katze erzählt habe, cs sei festgestellt, daß der Hund zu seiner Eigentümerin nicht mehr zurückgekehrt, er sei aber auch im Jagdgebiet nicht gefunden worden. Zur damaligen Zeit seien häustg Hunde spurlos verschwunden, auch seien deren mehrere vergiftet worden. Die Besitzerin schätzt denWert ihres Hundes, eines alten, dicken und schwerfälligen Dachses (Bastard) auf 200 Mark. Der Oberförster erklärte, baß der Hund gar nichts mehr wert und verwildert gewesen sei. Mehrere Landwirte aus Langenschwalbach, die sich damals in der Nähe des Angeklagten aus dem Felde arbeitend befanden, wollen bestimmt gesehen haben, daß der Angeklagte auf den Hund der Wirtin mchrmals geischossen habe. Der Vertreter der Anklage, Kriegsgerichts rat Reiff, war der Ansicht, daß der Angeklagte bewußt und absichtlich den Hund geschossen und getötet habe. Er sei hierzu in keiner Weise berechtigt gewesen. Auch nach dem Jagdgesetz habe keine Berechtigung zur Tötung des Hundes Vorgelegen. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Claß, plädierte ans Freisprechung, da der Hund nicht mehr vorhanden und keine Feststellungen geuracht werden könnten, ob er tatsächlich erischosfen worden. Das Gericht war derselben Ansicht und sprach den Angeklagten frei; es sei nicht sestgestellt, daß der Hund durch die Schüsse des Angeklagten getötet wurde. Auch eine Vorsätzlichkeit scüens des Angeklagten, die bei der SachbeschLLigung Voraussetzung sei, sei nicht nachgewiesen.
* Nachspiel zur Neichsiagswahl. Ein Tumult, der gelegentlich einer WahlVersamMlung der Christlich- Sozialen in Diez stattfand, brachte den sozialdemokratischen Kandidaten Habicht aus Frankfurt a. M. wegen Hanssriedensbrnchs und Beleidigllng vor das Lchösfengericht in Die z. Habicht wurde zu einer Geldstrafe von 80 M. verurteilt.
* Verunreinigung von Flüssen. Im vorigen Sommer war der Liederbach meistens so durch Abwässer getrübt, daß eine sich innerhalb der Mündung des Baches im Main befindliche Badeanstalt kaum benutzt werden konnte. Auch die Spaziergänger wurden von den dem Wasser entsteigenden schlechten Gerüchen stark belästigt. Die unangenehmen Stoffe, die der Liederbach mit sich führte, stammten zum Teil aus öer Graubnerschen Fabrik, deren Kläranlage nicht genügte. Ohne ein ans- eeichendes Klärversaihren durste G. nach den für seinen Fabrrkbetrieb gestellten Konzessions-Urkunden überhanpi keine Fabrikabwässcr in den Bach lanserr lassen. G. wurde jetzt vom Sch ö ff engericht in H ö ch st zu 50 M. Geldstrafe verurteilt.
* Der Rückfallparagraph . Die 19jährige Dicnstmagü Mathilde G. von Weilburg ging im Oktober v. I. zu dem Kaufmann L. in Weilburg und holte auf den Namen einer Frau S. % Pfund Kaffee für 65 Pf.; den Kaffee gab sie jodoch ihrer Mutter. Für diese 68 Ps. wandert die G., die sich vor der Limburger Strafiammer wegen Betrugs im Rückfall zu verantworten hatte, nunmehr SMonateinsGesängnis.
* Eine kaum glaubliche sittliche Verkommenheit enthüllte eine Verhandlung, die vor öer Strafkammer in Mannheim statffand. Am 31. Januar ö. I. gebar im Vorort Neckarau eine 19jährige Arbeiterin ein Kind, als dessen Vater sie selbst ihren Pflegevater und Bormunö, den Arbeiter Friedrich Stephan, bezeichnete, der unter Begünstigung der Pflegemutter seit längerer Zeit mit ihr verkehrt habe. Nachbarn hielten dagegen für den Vater den leiblichen Bruder des Mädchens, der schon wogen Fncests mit der Schwester bestraft worden wa^ Andererseits gestand der Pflegevater die verbotenen Beziehungen zu. Er wurde zu einem Jahr Zuchthaus, die Pflegemutter wegen Kuppelei zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.
Kport.
Jagdliche Vorarbeiten im Revier.
Als die Jagd auf den Rehbock noch am 1. Mai anf- ging, da war es nicht schwer, ihn auf öer Saat, auf dem jungen Klee oder im lauschigen Walötale zu erbeuten; jetzt aber, wo er erst am 15. Mai — in anderen Regierungsbezirken noch später — frei wird, hält das bedeutend schwerer. Da ist die Saat schon hart und unschmack- hast geworden und wird von den Rehen kaum noch acr- gcnommen. Das Holz bietet Atzung genug, der Bock ist nicht mehr gezwungen, bei vollem Vüchsenlicht auszutreten, und so ist öer Anstand am Felde und im Walde häufig eine recht unlohnende und enttäuschungsreiche Jagdart. Aber auch die Pürsche ist schon recht schwer, denn das Unterholz ist schon so dick, daß es fast unmöglich ist, in jüngeren Beständen des Bockes ansichttg zu werden, wenn nicht durch Pürschpfade die Jagd erleichtert wird. Es gibt Leute, welche sagen, eine mit Pürschpfaden versehene Jagd sei nicht mehr natürlich. Fa, dann ist keine einzige Jagd mehr natürlich, wo ein Fuchs, ein Dachs oder ein Marder vorkommt, denn auch diese Jäger benutzen, wenn es irgend geht, teils des leisen Auftretens wegen, teils um ihre Garderobe zu schonen, Pürschpfade und zwar solche, die sie sich selbst r- r "‘tdTeit durch häufiges Hin- und Herwechseln, oder k sie sich von gefälligen Wesen, wie von Kaninchen, Hafen, Reh und Hirfch und nicht Mm weviMLy von dma
