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Seite K.

Samstag, 6. April 1907.

WLesdÄ-eNrr TagblKtL«

sonst, wenn man es eben will, ignoriert zu werben, oder

man läßt sich Zeit, auf sie zu antworten, oder man tut cs mit milden und freundlichen Worten. Diesmal hat Las Auswärtige Amt anders reagiert. Es hat unver­züglich erklärt. Laß Las Angebot von der Seine her un­annehmbar sei. Damit ist für den Beobachter sofort klargestellt, daß hinter der Einladung des „Temps" die frnnzösische Regierung steht, und La die Londoner „Times" sich im wesentlichen ähnlich wie das offiziöse Pariser Blatt- vernehmen lassen, so har man es mit einer Aktion der beiden Westmächte zu tun, mit einer diplomatischen Aktion in der Form eines Zeitungs­artikels. Offenbar sollte der Weg erneut betreten wer­den. den Herr Rouvier unmittelbar nach dem Rücktritt des Herrn Deleasss einzuschlagen versucht hatte. Da­mals ließ der französische Minister des Auswärtigen in Berlin Vorschlägen (das Pariser Journal erneuert so­eben die Erinnerung an jenen Vorgang), die marokka­nische mit der Bagdadbahnfrage zu verbinden, und schon damals sagte Fürst Bülow nein. Was wird nun die Folge seiner zweiten Ablehnung sein? Zunächst natür­lich wird es sich Frankreich gefallen lassen müssen, daß in und für Marokko die Vereinbarungen in Algeciras in Geltung bleiben. Nebenbei bemerkt, kann das Gefühl der Beengung und Beklemmung, das die Staatsmänner der Republik in bezug auf Marokko ganz offen aus­sprechen, als nicht belangloser Beweis dafür gelten, daß deutscherseits doch wohl ganz ansehnliche Erfolge auf der Marokkokonserenz erzielt worden sind. Denn wenn die uns dort gemachten Zugeständnisse so dürftig waren, wie es stets behauptet wird, warum brauchte sich Frank­reich alsdann geniert zu fühlen? In Marokko also wird alles bleiben, wie es ist, d. h. Deutschland wird seinen legitimen Einfluß, seinen durch die Konferenz ver­tragsmäßig begründeten Einfluß, auch fernerhin be­nutzen, um den Übergang dieses Landes in die alleinige französische Machtsphäre zu verhindern.

Die Vielrederei int Reichstage.

Es ist eine alte Klage, daß im Reichstage zu viel und zu lange geredet wind. Oft rührt dieser Vorwurf aus der Abneigung gegen die Kritik, vielleicht sogar gegen den Parlamentarismus überhaupt her; zum großen Teil ist er indes sachlich vollauf berechtigt, denn unter den agitatorischen Reden leiden die Geschäfte. In dem ver­flossenen Abschnitt der neuen Session hat natürlich, wie üblich, die Sozialdemokratie wisder im Reden den Rekord geschlagen. Es ist mm drollig zu beobachten, wie ver­schieden diese Tatsache von der äußersten Rechten und von der äußersten Linken ausgelegt und gewertet wird. Rechtsstehende Blätter teilen Sie Summe der -ausge­zahlten Diäten durch die Seitenzahl des stenographischen Berichts und sagen: Soviel kostet dem Reiche jede Spalte. Die Sozialdemokratie ist also dem Reiche am „teuersten". Diese Argumentation hat feöoch nur dann Sinn, wenn man den Reichstag als einen Luxus, der viel Geld kostet, als ein tot besten Falle notwendiges Übel betrachtet. Sozialdemokratische Blätter dagegen leiten aus denselben Ziffern den Satz her: Die Sozial­demokratie sei nach wie vor die fleißig st e Partei! Als ob cs auf die Quantität der Reden ankäme, und nicht auf die Qualität! Für diese Blätter ist also das Reden als solches schon etwas Nützliches, und je länger einer redet, desto verdienter macht er sich. Aber die Spalten- länge der Reden sozialdemokratischer Abgeordneter rührt nur von ihrer Weitschweifigkeit her: 'Weitschweifigkeit aber hat noch niemals jemand als den Vorzug einer Rede bezeichnet. Ein Vortrag von einer halben Stunde ist besser als ein Bortrag von einer ganzen oder von anderthalb Stunden, wenn beide öensslben Inhalt haben. Und weitschweifig find die gewöhnlichen Redner der Sozialdemokratie wohl a l l e bis auf Herrn v. Bollmar.

Aber-d-Ai-sgaüe, 1. Blatt.

Nr. 160.

Auch Bebel hat sowohl die Breite des Autodidakten wie die Umständlichkeit des Volksreöners. Kurze Reden sind auch tot Parlament jederzeit am wirksamsten: es scheint nur, ach!, so unendlich schwer, kurz zu reden, und so mancher Abgeordnete hört sich gar zu gerne selber reden.-

Die diesjährige Generalversammlung des Bergarbeiter- Verbaudes

findet am 6. Mat und den folgenden Tagen statt. Die Gegenstände der Tagesordnung sind die alljährlichen, höchstens der Punkt „Wänderung des Stretkreglenients uniö eventuell des Statuts" ist neu. Dagegen' hat der internationale Bergarbciterkongreß eine zeitliche Ver­schiebung erfahren. Er soll in Salzburg abgehalten werden, und zwar mit Rücksicht aus die österreichische Reichswahlbewegung, bei der neun Bergleute als Kan- didatetl auftreten, am 18. September und den folgenden Tagen. Von den Anträgen des Vorstandes sind fol­gende Hcrvorznheben: 1. der Kongreß fordert für alle Länder die gesetzliche A ch t st u nö c n s ch i ch t einschließ­lich der Ein- und Ausfahrt: in Grüben, wo die Tem­peratur hoch ist, oder an zu heißen Orten und zu nassen Stellen soll die Schichtzeit nur sechs Stunden betragen: 2. in Anbetracht der großen Grubenkatastrophen sollen mit Eifer von Arbeitern aus ihrer Mitte gewählte und vom Staate bezahlte Grubenkontrolleure ver­langt werden: 3. es sollen in allen Ländern Tarifver­träge mit Mintmallöhnen angestrebt werden: 4. die Frauenarbeit soll für den Bergbau gesetzlich ver­boten werden: 3. ebenso soll die Arbeit von Kindern unter 14 Jahren im Bergbau völlig und für solche unter 16 Jahren die unterirdische Beschäftigung verboten wer­den: 6. bei allen Wahlen sollen nur solche Kandidatcn unterstützt werden, die sich ehrenwörtlich verpflichten, die Forderungen der Bergarbeiter im Parlament zur Gel­tung zu bringen: 7. Verstaatlichung der Bergwerke in allen Ländern: 8. der Kongreß soll eine Sympathie- Resolution für den. internationalen Frieden fassen und beraten, wie sich die Bergarbeiter bei Aus­bruch eines Krieges in bezug auf die Kohlenlieferung stellen sollen. Dann-beantragten die Belgier, noch fol­gendes aus die Tagesordnung zu setzen: 9. die Produktion der Kohlen soll international geregelt werden: 10. neben dem 1. Mai -soll noch im August ein Feier­tag eingelegt werden, an dem die Bergarbeiter demonstrieren, um ihren Forderungen Geltung zu ver­schaffen.

Dsrrtsches Mich.

* Hof- und Personal-Nachrichten. Der Kaiser machte Freitag früh den gewohnten Spaziergang im Tiergarten und promenierte zum Auswärtigen Amt, wo er mit dem Staats­sekretär von Tschirschky konferierte. Zur Abendtafel war wiederum der Fürst von Monaco mit Begleitung eingeladen. — In Homburg trifft der Monarch am 17. April, von Dückeburg kommend, ein, die Kaiserin am selben Tage aus Berlin.

Als den technischen Rat, der den Kolonialdirektor D e r n- bura auf seiner Reis? in die Schutzgebiete begleiten wird, bezeichnet man den Bau- und Regierungsrat B a I z e r aus der Kolonialabteilung.

Der Besuch des österreichisch-ungarischen Ministers des Äußern Freiherrn v. Aehrenthal in Berlin ist zwischen dem 1. und 4. Mai in Aussicht genommen.

* Die wieder ausgenommeuen Verhandlungen zwi­schen Deutschland mrd der Kapkolonie, für welche die Anwesenheit des Kap-Premiers Jameson in London er­wünscht war, beziehen sich auf die Verpflegungskosten für die aus Deutsch-Südwestafrika während des Auf­standes übergetretenen und dort internierten schwarzen Rebellen. Die Kapkolonie verlangt eine ziemlich be­deutende Summe an Verpflegungskosten, die Deutschland, aus völkerrechtlichen Gründen Zu zahlen sich weigert,

dem Tage, da wir zum ersten Male die Fibel in die jHanö nehmen bis zu der Stunde, da der Strahl unserer Augen bricht. Welche Unsumme Gedrucktes überfliegen wir täglich, ja stündlich. Da ist es eine Broschüre, dort eine Reklameschrift, bald eine Mennkarte, bald ein Zeitungsblatt, bald ein wissenschaftliches Buch, bald Unterhaltungslektüre. W i e aber ist da oft d i e T y p e , wie das typographische Bild? Schundhaft. Äußerer Firnis, im Keime aber unkünstlerisch bis zum Abscheu. Dabei sind — nun höre man und staune — die gute moderne Schrift und der Druck des künstlerischen Zierats billiger als der gleißende Schund, den wir tagsüber gerade in Girtenbergs Reich zu sehen kriegen.

Wemt ein Kunstgebiet daher mit aller Macht vor­wärts arbeiten mutz, dann das des Buchdrucks und -schmucks. Das Schrifttum und seine Gestaltung ist ja ein künstlerischer Gradmesser für das deutsche Volk. Da handelt es sich nicht um Luxus, um die Befriedigung seltener Wünsche, da spricht (oder sollte es wenigstens) ein ganzes Volk mit. Und das Wunderbarste: Bet dem Schrifttum kann es keine religiösen oder sonstigen Mei­nungsverschiedenheiten geben, die etwa störend in den Weg treten könnten. Drum ist es an der Zeit, daß die Wege, die Eckmann, Behrens und Huppes uns gezeigt haben, weiter beschritten werden. Wie wir durch das Buch Bekehrung oder Unterhaltung schöpfen wollen, so soll uns der tote Buchstabe, in k ü n st l e r i s ch e Form gegossen, ein weiterer Kulturfaktor sein und werden, ein Kultnrfaktor, der als Ziel das Schöne, den guten Geschmack hat.

Mackdruck verboten.)

Hygienische Betrachtung ;um Schulbeginn der kleinen Abc-Schützen.

Von Dr. M. Ohnemns.

Die allgsrnetoe Erfahrung hat festgestellt, daß Kinder vor dem vollendeten 6. Lebensjahre in der Regel noch nicht die genügende körperliche und geistige Reife erlangt haben, mn ohne Schaben für ihre Gesundheit Schul­unterricht M empfangen. Wie zahlreiche Messungen er­geben haben, zeigt bis zu diesem Alter das Gehirn, das Organ des Geistes, eine sehr rasche Zunahme an Maß

wogegen die Kapkolonie geltend macht, daß die Inter­nierung auf besonderen Wunsch Deutschlands erfolgt sei. Es heißt in einer Londoner Meldung auch, der Gou­verneur von Südwestafrika, v. Lindequist, würde zu diesen Verhandlungen in London erwarte!.

* Konservative VersamMlung. Der „Konservative Verein" in DrcWen hielt gestern abend zum Zweck der Revision des Programms von 1876 eine Ver-sammlung ab, in der rtach einem Vortrag des Oberbürgermeisters Beutler eine Ergänzung des Programms der deutsch- konservativen Partei gefordert wurde. Der Verein wünscht u. a. die Beibehaltung öes gegen­wärtigen R eichst ags-Wahl rechtes und den Ausbau der sozialen Gesetzgebung.

* Zur Ostmarkeuvorlage. Zn der in Vorbereitung begriffenen Ostmarkenvorlage hören verschiedene Blätter, daß die Regierung den Gedanken des Ent- et g n u n g s r e ch t e s fallen gelassen hat, weil hierfür die Zustimmung der Konservativen im Landtag nicht zu erreichen war, die ein zu bedeutendes Fallen der Güter- preise durch ein staatliches Enteignungsrecht befürchte­ten. Man dürfte sich daher auf ein staatliches Vor­kaufsrecht bei allen Landverkänfen in Polen be­schränken, wodurch wenigstens der deutsche Besitzstand an Grund und Boden in den Ostmarken zu sichern wäre.

* Die gerichtliche Urrtersrrchnng gegen den polnischen Abg. Ksrfanty wegen Verleitung eines Beamten der ZentralbergverWaltnng zur Herausgabe der Preisab- machungen zwischen Cäsar Wollheim und dem Fiskus wurde, nach der ,/Boss. Ztg." eingestellt.

Eine teilweise Grenzsperre wegen der Metzer Pocken-Epidemien ist von den Regierungen Frank­reichs und Luxemburgs verhängt worden. Die Metzer Reisenden dürfen die Grenze nur in dem Falle über­schreiten, wenn sie vorher frisch geimpft worden sind. Bei weiterer -Ansbrettung der Seuche will man znr voll­ständigen Quarantäne schreiten.

* EisenbahntariftReform. Vertreter der Ersenbahn- Mrnisterien der deutschen Bundesstaaten hielten gestern im HaupSahnhof zu Frankfurt eine vertrauliche Kon­ferenz ab in der Frage der Eisenbahn-Tarifreform.

* Gegen die Weltausstellungen. Die gestrige Haupt­versammlung des „Vereins deutscher Eisen- und Stahl- Industriellen" in Essen nahm einstimmig einen Beschluß an, wonach sie die Veranstaltung von Weltaus­stellungen als überlebt bezeichnet und nur Provinz- und Fachausstellungen als berechtigt erachte:. Die Versammlung verwarf entschieden den Gedanken einer Weltausstellung in Berlin im Jahre 1913.

Reichstagsersatzwahl. Die Ersatzwahl für den ver­storbenen Reichstagsabgeordneten Prinzen von Aren- üerg (Zentrum), der den Wahlkreis Aachen I (Schleiden- Malmedy-Montjoie) vertrat, ist auf den 3. Mai anbe- raumt worden.

* Ans Mecklenburg. Die Rostocker Bürger- verctnigung nahm die Ratsvorlage, betreffend ' die Wahlrechtsverschlechterung, an.

* ArSsiteLbeivegilMe«. Auf den Logierschiffen in Hamburg, auf denen sich arbeitswillige Schanerleure befinden, ist gestern ein Flugblatt verteilt worden, dos mit drei Kreuzen und der Unterschrift „Das Exerntiv- Komitee" untgrzeichnet ist. Es ist in den schärfsten Aus­drücken gehalten und schließt mit der Aufforderung an die Schanerleute, sobald als möglich diese Lvgier-schifse zu verlassen, da in den nächsten Tagen eines derselben in die Lust fliegen werde, und daß es eine Rücksicht aus ein einzelnes Menschenleben nicht mehr geben könne. — Die Vorstände des „Vereins Hamburger Reeder" und des „SchiMm-akler-Bereins" beschlossen, ihre Mitglieder um Zeichnung eines G a r a n t i c f o n d s in Höhe von

und Gewicht, während es in den folgenden Fahren nur langs-anr und verhältnismäßig wenig zunimmt. Auch das Längenwachstum des ganzen Körpers pflegt um diese Zeit nur langsam fortzufchreiten. Jetzt hat das Kind den nötigen Vorrat an körperlichen und geistigen Kräften gesammelt, um durch einen regelmäßigen Unter­richt nicht mehr geschädigt zu werden. Die Schule er­fordert ziemlich viel Widerstandskraft durch den stunden­langen Aufenthalt in geschlossenen Räumen mit oft recht wenig guter Lust, durch die Aufmerksamkeit beim Unter­richt und die damit verbundene Geistssanstrengung, endlich auch durch die Aufregung bei Lob und Tadel des Lehrers.

Daher beginnt das gesetzliche Schulalter mit dem 6. Lebensjahre in den meisten Staaten, nämlich in Algerien, Argentinien, den meisten australischen Staaten, Brasilien, Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Holland, Italien, Japan, Österreich, Schweiz, 23 Staaten der Union, Uruguay. Erwähnt sei noch, daß in einem amerikanischen Staate die Kinder mit 4 Jahren schul­pflichtig werden, in einem anderen mit 8 Jahren. In Schweden beginnt das eigentliche Pflichtschulalter erst mit 9 Jahren. In England ist eine gesetzliche Grenze nicht festgesetzt, der Beginn ist gewöhnlich im 5. Jahre..

Ärztliche und pädagogische Erfahrung stimmen dari i überein, daß nach vorzeitiger Anspannung des kindlichen Geistes meist baldige Erschlaffung eintritt: die zu früh unterrichteten Kinder pflegen blaß, nervös, schläfrig zu werden. Ehrgeizige Mütter mögen dies beherzigen und die Kiemen nicht schon im 4. oder 5. Jahre privatim zu Hause mit 'Lesen und Schreiben quälen. Das kindliche Gehirn ist leicht erregt, aber auch leicht erschöpft. Da der kleine Erdenbürger in der ihm noch neuen Welt viel zu sehen, zu betrachten, anfzusaflen und zu tun findet, ist sein Vorstellungs- und Tätigkeitstrteb so rege, daß man ihn getrost sich selbst und der Schule des Spiels über­lassen kann, ja ihn sogar eher znrückhaltcn und schonen, als vorwärts treiben und anregen muß. Also vor dem Schulanfang kerne häuslichen Vorübungen, aber aller- sorgfältigste Körperpflege, viel Ruhe und Schlaf, sowie Gewöhnung an solche Eigenschaften, welche in der Schul­zeit förderlich sind: morgens rechtzeitiges Anfstchen: sorgfältiges, nicht überhastetes Maschen und Ankleiden: langsames, ruhiges Frühstücken: Gewöhnung an auf­

merksames Zuhören: deutliches Antworten, klares Sprechen.

Ist ein Kind mit vollendetem 6. Jahre körperlich oder geistig noch zu schwach oder nnt Fehlern behaftet, so warte man mit dem Schulbeginn lieber noch ein Jahr.

. Unter den kleinen Schulkindern gibt es psychisch überzarte GeschöWhen, welche weinen und zittern, wenn die Stunde kommt, da sie zur Schule gehen sollen. Ängst­lich schmiegen sie sich an die Mutter und sind nicht von ihr wegzubringen. Hier spreche man zunächst mit dem Lehrerz ob sie auch sonst in der Schule so weinerlich sind, und mit dem Arzt, ob ein organisches Leiden vorliegt. Ist öies der Fall, so schone man die Kleinen noch ein Jahr, im anderen Falle lasse man sie regelmäßig durch befreundete Schulkinder abholen und wende mehr freund­liches Zureden als Strenge an, gebe ihnen aber nt' nach und behalte sie nicht ein einziges Mal zu Hanse.

Der Morgenunterricht sollte bei den kleinen Abe- schntzen auch im Sommer nicht vor 8% Uhr beginnen. Elf Stunden Schlaf müssen in jenem Alter als natur­gemäß gefordert werden, aber vor 8 Uhr abends kann man sie doch nicht ins Bett bringen, und morgens müssen sic 1 y z Stunde vor Schulbeginn aufstehen. Denn da soll das Kind ausgiebig, womöglich am ganzen Körper kühl abgewaschen werden, es soll schon selbst anfangen sich an­zukleiden, seine Zähne zu putzen, soll ohne Hast früh­stücken, die sonstigen natürlichen Bedürfnisse sollen be­friedigt, der Schulweg nicht im Trab zurückgelegt werden. Gesundheitlich ganz zn verwerfen ist jene in manchen Gegenden herrschende Sitte, die oft von weiteren Wegen erhitzten oder durchnäßten Kinder vor Beginn des Früh- unierrlchtcs in die Kirche zn senden: mit Recht hat die Elsaß-Lochringensche SchulkomMission davor gewarnt. Sonst ist es ganz gesund, wenn die Kinder vor und nach öem Schulunterricht etwa 20 Minuten gehen müssen. Dabei verweichliche man sie nicht mit Halstüchern und Überziehern: letztere sind nur bei Schnee und Frost not­wendig. Aber Regenschirm und Überschuhe müssen bei nassem Wetter stets mitgenommen werden, und zu Hause sind die Strümpfe zu wechseln.

Nicht unbedenklich ist oft die Menge und Schwere der Bücher, welche die Kinder zur Schule mit nehmen. Das Tragen derselben stets rechts unter dem Arm oder- in der Hand befördert durch einseitige Belastung die