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Dienstag, 19. März 1907.

Wiesbadener TagbLaLZ.

Abend-Ausgabe, 1. Blatt.

Nr. 132.

Die MMWeit des Reichsisgs für die Geyklts- erWuU der DeaMen.

s. Berlin, 18. März

Bei öer Beratung öer 3. Lesung der Vorlage über die Berufs- und Betriebszählung bildeten heute die Kon­servativen mit dem Zentrum und den Antisemiten eine neue Mehrheit. Es war freilich eine untergeordnete Frage, bei der dies geschah. Nämlich bei öer Aufnahme einer Frage nach öer Religion in die Fragebogen. Aber der Fall zeigte deutlich die enge Verwandtschaft zwischen Len Konservativen und den: Zentrum in gewissen Fragen auch im neuen Reichstag. Die 2. Beratung des Etats­notgesetzes gestaltete sich sehr harmonisch. Zwar lehnte Las Haus zunächst gegen die Konservativen den Erwerb eines Grundstücks für den Postsiskus ab. Dann aber sprachen sich alle Parteien mit großer Einmütigkeit für die Gehaltserhöhung der unteren und mittleren Beamten ans. Nur über den Weg war man sich zunächst nicht einig. Der RegierungIblock verlangte in einer Resolu­tion, daß die Regierung ersucht wird, bis zur 3. Lesung ihr Einverständnis zu erklären, daß den Unterbeamten je 100 M., sowie den übrigen Beamten bis zu dem Ge­haltssatz von 4100 M. je 150 M. Beihilfe gewährt werden. Das Zentrum verlangte, daß die Beihilfen in das Etats­notgesetz ausgenommen würden, aber nur für die Ge­haltsstufen bis 3050 M. Sodann lag noch eine kleine Modifikation in einem Antrag Dr. Wiemer vor. Frei­herr v. Stengel gab eine sehr entgegenkommende Er­klärung ab. Er bekannte sich im Namen des Reichs­kanzlers zur Resolution der Mehrhettsparteien und stellte zugleich eine allgemeine Gehaltsaufbesserung für den Etat von 1908 im Zusammenhang mit dem Woh­nungsgesetz in Aussicht. Danach war der Zentrumsan­trag ausgestochen. Der Abg. Singer hielt zwar noch einen kleinen staatsrechtlichen Exkurs über das Recht des Reichstags, nicht nur durch Resolutionen, sondern durch Anträge Geldmittel zu fordern. Aber er stimmte schlr :tz- lich doch der Resolution der Mehrheit zu. Nun konnte auch das Zentrum nicht allein bleiben. Es unterwarf sich und bet der Abstimmung herrschte bis aus 1 oder 2 Polen volle Einmütigkeit. Diese Harmonie machte großen Ein­druck. Sie wird auch tm Lande bei den unteren und mittleren Beamten ein freudiges Echo erwecken. Der Abg. Kopsch feierte das Ereignis gebührend. Der Rest des Gesetzes wurde ohne Debatte genehmigt. Morgen wird in der Hauptsache die Interpellation über die Wahlbeeinslussung fortgesetzt.

Deutsches Deich.

* Hof- und Personal-Rackrichten. Prinz Friedrich Heinrich von Preußen, Oberst _ und Kommandeur des 1. Brandenbnrgischen Dragoner-Regiments Nr. 2,, ist von dieser Stellung enthoben und a la suite des Regiments ge­stellt. Graf von Schm ettow, A'bteilungschef im Kriegs- ministerinm, ist zum Kommandeur des 1. Brandenbnrgischen Dragoner-Regiments Nr. 2 ernannt worden.

* Rede des Kaisers. Bei der gestrigen Tafel im Königlichen Schlosse aus Anlaß der Johanniter stier, bei welcher Prinz Eitel Friedrich zum Rechts­ritter und dann zum Herrenmeister ernannt wurde, brachte der Kaiser folgenden Trinkspruch aus:Bevor wir unsere Gläser ans das Wohl des Herrenmeisters erheben, liegt es mir am Herzen, einen dankbaren Will- kommengrutz auszusprechen allen denen, die heute hier erschienen sind, um die Feier verschönern zu helfen. Dem Prinzen der Niederlande spreche ich meinen herzlichen Dank aus, daß er es nicht verschmäht hat, in unseren Reihen zu erscheinen und den Ritterschlag zu empfangen. Seiner Majestät dem König von England bitte ich, mein Prinz (sich an den Prinzen Franz von Teck wendend), meinen herzlichsten Dank zu Fiitzen zu leger, dafür, daß er eine Abordnung des englischen Ordens zu uns herübergesandt hat. Der Ballei Utrecht spreche ich meinen Dank aus für ihr Erscheinen und ein warmes Willkommen sei den Herren vom Malteserorden ge­spendet, die auch am heutigen Tage sich mit uns ver­

einigt haben. Die letzten Monde haben gezeigt, welche schwere Prüfungen der Menschheit auf allen'Gebieten auserlegt worden sind und welche Hekatomben von Menschenleben verschiedenen Katastrophen zum Opfer gefallen sind. Das weist alle Ordensmitglieder darauf hin, daß das erste Gebot für uns alle ist die Liebes­tätigkeit gegenüber unseren Mitbrüdern; und so werden wir das Wohl des Herrenmeisters in der Gesinnung trinken, die in dem Schristwort Ausdruck findet:So bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen." Wir weihen unser Glas dem neuen Herrenmeister mit dem Wunsche, daß es ihm vergönnt sei, eine segensreiche Tätigkeit in der Mitte des Ordens auszuübcn."

* Zur Frage der Schisfahrtsabgaben. Die Versuche der preußischen Regierung, die AbgabeNfretheit aus den deutschen Wasserstraßen zu beseitigen, haben auch mit dem Protest des Auslandes zu rechnen. Wie das B. T." ans diplomatischen Kreisen erfährt, dürste Holland aus Grund der Rhetnakte und Österreich auf Grund der ELbakte für die Aufrechterhaltung der Ab- gabensreiheit aus den beiden wichtigsten deutschen Strömen eintreten.

* Pfarrer Bachstein. Der viel genannte Drvtsivns- pfarrer Bachstein der 18. Division in Minden ist zum 1. April mit Pension in den Ruhestand versetzt worden.

Der Besuch des Friedhofs der Märzgefallenen im Friedrichshain war bereits in den ersten Vormittags­stunden des gestrigen Montags ziemlich groß und nahm im weiteren Laufe des Tages einen immer stärkeren Ilmfang an. Die Abordnungen von Arbeitervereinen und -verbänden, die Kränze übcrbrachten, trafen sehr frühzeitig ein. Die Inschriften auf den roten Schleifen bezogen sich diesmal vielfach auf die Reichstagswahl. Eine Anzahl von Schleifen wurde wegen ihrer Auf­schriften von dem überwachenden Polizeileutnant nstt der Schee re abgeschnitten.

Die Vorbereitungen für die neue Tarrfrefsrm, die am 1. Mai zur Einführung gelangt, sind jetzt ge­troffen worden. Die einzelnen Eisenbahnöirektion-n haben die verschiedenen Fahrkartenserien neu berechnen und drucken lassen, statt der D-Zngsplatzkarten werden Schnellzngszuschlagkarten für gewisse Schnellzüge zur Einführung gelangen. Auch für Smrntags- und Kinder­karten kommen neue Muster zur Einführung. Retour­billette fallen fort, dafür können aber Doppelbillette ge­kauft werden, so daß eine zweimalige Kartenlüsung nicht nötig wird. Die neugedruckten Karten werden noch vor Ostern den einzelnen Fahrkarten-Ansgabestellen über­mittelt werden. Die Beamten werben schon jetzt über die, neue Tarifreisorrn, den Gepäcktaris und die übrigen Be- stimuningen instruiert, damit am 1. Mai alles klappt.

* Die Feuerbestattungssrage in Anhalt. Das anhal- tische Konsistorium hat verfügt, daß den Geistlichen öer evangelischen Landeskirche in FeuerbestattungAfällen die amtliche Beteiligung an Trauerseiern, bestehend in Wortverkündnng, Gebet und Segen, mit der Maßgabe freigegcben ist, daß die kirchliche Trauerseier in jedem einzelnen Falle mit der Verbringung oder Versenkung der Leiche in den Verbrennungsraum endet, und daß bei öer Beisetzung von Aschenresten eine amtliche Mitwir­kung von Geistlichen nicht stattfinöet.

* Riesenkreuzer. Die Angabe eines Berliner Blattes, wonach der in diesem Jahre auf Stapel zu legende PanzerkreuzerF" eine Wasserverdrängung von 19 200 Tonnen erhalten soll, ist, wie dieV. Z." von unter­richteter Seite erfährt, unzutreffend.

* Die Maffenmrssperrungen in der deutsche« Holz­industrie werden, nach einem gestern gefaßten Beschluß der Delegierten des Hauptvorstandes des Arbeitgeber- Schntzvcrbandes für daS deuffchc Holzgeaverbe, am 1. April durchgesührt werden. Zu diesem Zweck soll außer in Berlin zunächst die Aussperrung aller orga­nisierten Holzarbeiter erfolgen in Dresden, Leipzig, Gör­litz, Guben, Oldenburg, Barmen und Halle a. d. S.

* Die Hamburger Reeder lehnten die Lohnerhöhung 'ür die englischen Schauerleute von 5 auf 7 Mark ab. Am 18. März verweigerten 168 Engländer die Weiter­arbeit.

AsrsLmrd.

Osterrrrich-Mrrgirim.

Die ungarische Katholikenversammlung eröfsnete Bischof Kohl mit einer Rede, worin er dem Schmerze über die kirchenpolitischen Kämpfe in Frankreich Aus­druck gab. Die französische Kirche sei beraubt, erniedrigt, geschändet, die ganze katholische Welt verhülle ihr Haupt in Trauer. Abgeordneter Zboary erklärte, der Katholizismus werde in Ungarn nur daun groß, stack und siegreich sein, wenn die Politik mit der Religion vereint werde, wenn die Politik in die Religion, das religiöse Gefühl in die Politik hineingetragen würde. Universitätsprosessor Dudek verteidigte die Kirche gegen den Vorwurf der Staatsfeindlichkeit.- Die Budapester Sozialisten zogen vorgestern zum Petöfi-Denkmal. Auf dem Wege ertönten Abzugrufe gegen die Koalition und die Regierung. Eine Rede des Führers Weltner, worin er gegen die Unterdrückung des Vereinsrechtes sprach, wurde sehr beifällig aufgenomnien.

Prinz Otto Windischgrätz, der Gemahl Sei Elisabeth, Enkelin des Kaisers, ist gestern vormittag durch Dr. Thiel im Garnifonlazarett an einer Mittetohr-Ent- zünöung glücklich operiert worden. Das Befinden des Prinzen ist gut. Er liegt im Offiziers-Pavillon.

UMland.

Sämtliche von der russischen Regierung getroffenen Maßregeln, betreffend die Absendung von Kosaken nach Persien, bezwecken eine Verstärkung der Konsulatswache und machen, wie amtlich erklärt wird, im allgemeinen nur einige Dutzend Mann aus. Alle übrigen diesbe­züglichen Meldungen entbehren jeder Begründung.

Im vornehmsten Hotel Petersburgs,,Hotel de I'Europe", waren vornehme Gardcoffiziere, darunter der kaukasische Adelsniarschall Fürst Nischeradse, und Herren vom Zivil versammelt. Nischeradse sprach für die Unabhängigkeit Kaukasiens. Darüber erbost, schnitt ihm Rittmeister Koslow ein Ohr ab. Nischeradse ant­wortete mit Revolverschüssen. Es entstand eine große Schießerei, bei der fast alle Herren verwundet wurden. Koslow liegt im Sterbem

Humanits" feiert den gestrigen Jahrestag des Komnruneaufstandes von 1871 mit einer Sonder­nummer, an deren Spitze Jaurös in einer längeren Studie ausführt, der Aufstand hätte in keinem Falle gelingen können, die Methode sei schlecht gewesen, niit Kanonen und Gewehren sei die bestehende Gesellschafts­ordnung nicht umzustürzen, das Proletariat habe seit 36 Jahren gelernt, jetzt seien seine zwei unwiderstehlichen Waffen das allgemeine Stimmrecht und der allgemeine Ausstand.

RrrmKUrerr.

Die antisemitischen Exzesse im nördlichen Rumänien nehmen furchtbare Dimensionen an. Der Jassy-Doro- holer Bezirk befindet sich in vollem Ausruhr. Das Städtchen Baludam ist in Flammen aufgegangen. Handel und Verkehr stocken. Hunderte jüdischer Familien flüchten.

Marokko.

Daily Telegraph" bestätigt aus Tanger die Ver­haftung Raisulis.

In Marokko wird gekämpft: Die Andscheras mit ihrem obersten Kaid an der Spitze haben die Bcni Messala attackiert, der Kampf dauerte sechs Stunden, nach denen Valiente den Feind zurückschlug und eine Stunde lang verfolgte. Dieser Sieg Valientes n: seinen Einfluß mehren, und man glaubt, daß er nicht Nachlassen, sondern den Angriff sobald als möglich er­neuern wird, wo seine Angreifer schon geschwächt sind. Die spanische Garnison von Ceuta ist aus ihren Außen- lagern ausgerückt, um eine Grenzverletzung zu hindern; der Kaid der Andscheras ist nicht etwa vom Sultan er­nannt, sondern ein Schützling von Mohammed el Torres, und er richtete vor Beginn des Kampfes an den spanischen Generalkapitän Sotomayor, Oberkomman- dierenden der spanischen Streitkräfte in Afrika, einen

Geftüschastsalrenü üer Tierfreunde.

(Residenz-Theater.)

Tierfreunde, als deren Ausschuß Sic Herren Oberstleutnant Adolph, Oberstleutnant Barchewitz, Assessor Borgmann und Dr. Hermann Rauch zeichneten, hatten gestern abend zu einem Gesellschaftsabend, dessen Erträgnis zum Besten des Tierschutzes verwendet wer­den soll, ins Residenz-Theater geladen. Die Aufforde­rung zu dieser tierfreundlichen Wohltätigkeit wurde durch ein reichhaltiges Programm nachdrücklich unterstützt.

Nach Max BruchsVorspiel zur Loreley" (Kapelle des Füsilier-Regiments v. Gersdorfs unter Herrn Kapellmeister Gott sch alk) ging ein von Friederike R o h r b e ck gedichteter Prolog in Szene, der den hüb­schen Einfall ausführte, die meistverfolgten Tiere vor dem Herrscher ihres Reiches erscheinen und ihren Appell an die Humanität der Menschen Vorbringen zu lassen. Die Mitwirkendcn, die Damen: Wagen kn echt, Arndt, Mandl, R o s e r, v. Reichenau, und die Herren v. M a n d c l s l o h , M a n ö l, van der Sandt nnd E. Adolph holten sich reichen Beifall. Derselbe Beifall kehrte nach zwei Duetten von Wilhelm Berger (Frl. Krämer vom Kgl. Theater und Herr v. Massow) verstärkt wieder und steigerte sich aufs höchste nach den Darbietungen Frau Dr. Schröder- Kaminskis vom Kgl. Theater, die SchubertsErl­könig", SullivansO laß mich träumen", dieHabanera" aus Bizets Carmen mit ihrer bekannten Gesangskunst und der kiesen, wechselreichen Empfindungsansörncks- fähigkeit ihres starken Temperaments vortrug.

Den zweiten Teil des Programms eröfsnete Frl. Krämer mit GriegsIch liebe dich" und Kuß'Winter­lieb", ihr folgte Herr v. Massow mit SchubertsAn die Lever", Hugo MMWevlaS Gelang" und Richard

Strauß'Heimliche Aufforderung". Beide wieder von starkem Beifall bedankt. Dieselbe Anerkennung fanden die Ccllovvrträge Miß M. B e l l s, David Poppers Widmung" und ein Scherzo von Daniel v. Golns. Den Schluß dieses Teils bildeten die mit stürmischem Beifall aufgenommenen Duette von C. Frank,: Frau Dr. Schröder- Kamin skr und Frl. K r ä m e r. Am Flügel wirkte in sämtlichen Nummern Herr Kapellmeister Rothcr vom Kgl. Theater.

Den Schluß des Abends machte der SchwankEine Kostümprobe" (Regie: Herr Wilhelm P f e i f f e r)., in dein die Damen Schiere nbcrg, v. Tcpper- Laski, v. Grimm und die Herren von der Sandt, v. Düngern, B o r g m a n n , v. B a u m - bach und Quetß unter vielem Beifall und freund­licher Heiterkeit ihre schauspielerischen Gaben versuchten. Der Abend wird, trotzdem der Bestich hätte stärker sein können, hoffentlich neben diesen gesellschaftlichen Er­folgen. auch noch einen materiellen Erfolg für die schönen Zwecke öer Veranstalter bedeuten. A

Aus $hinSt und Lrden.

Marcclli« Berthelot st. Gestern abend ist in Paris der berühmte französische Chemiker Bert-Helot im Alwr von 79 Jahren gestorben. Der Tod des Gelehrten trat unter besonders tragischen Umständen ein. Man hatte Berthetot eben den Tod seiner seit mehreren Tagen krank darniederliegenden Gattin gemeldet, da stürzte er vom Schlag getroffen zusammen. Berthelots Gelehrten- arbcit war sehr vielseitig. Besonders zu nennen wären seine Theorie der mehratomigen Alkohole, seine Unter­suchungen aus dem Gebiete der Thermochemie und der Explosivstoffe und seine Arbeiten über die Synthese organischer Körper. Neben dem fachwtssenschastlichen

Rühm hat es Berthetot auch an bürgerlichen Erfolgen nicht gefehlt. Er war in den achtziger Jahren Unter­richtsminister, in den neunziger Jahren Minister des Auswärtigen, zuletzt Senator und Mitglied der Akademie.

* ProtestantischePassionsbilderpredigten". Aus Metz wird öerFrkf. Ztg." geschrieben: In der hiesigen evangelischen Garnisonkirche werden seit einiger Zeit Passionsbilderpredigterl" abgehalten, d. h. die ganze Passtönsgeschichte wird in etwa 30 großen Lichtbildern den Gläubigen vorgesührt, wobei öer entsprechende Text von einem hinter dem Altar stehenden Geistlichen ge­lesen wird. Der Zuschauer fühlt sich unwillkürlich nach Obcrammergau versetzt, und cs erscheint beinahe, als mären die Bilder dort an Ort und Stelle ausgenom­men. Die Organisierung dieser Schaustellung zeigt so recht, wie der katholisiereude Geist allmählich in die evangelische Kirche einzudringen beginnt. Unter der jüngeren evangelischen Generation Lothringens gewinnt diese Richtung mehr und mehr an Boden.

* Zwerge in den Alpen. ImGlobus" (Heraus­

geber H. Singer. Schöneberg. Verlag Friedrich Vieweg und Sohn, Braunschweig) ist zu lesen: Neuerdings

schreibt man so viel über die im Innern Afrikas leben­den Pygmäen, daß es angebracht scheint, ans sieben Zwerge iur S a m n a u e r Tal, einem Nebcntal des Jnntales, hinznweisen, die Schmolck (in Virchows Archiv für pathologische Anatomie, Bd. 187,1907) beschreibt. Man zählt dort nur 356 Einwohner in sechs Ortschaften in 1500 Meter biS 1800 Meter Höhe. Die Zwerge stammen sämtlich von zwei Geschwistern ab: vor dem

Jahre 1873 ist ein derartiger Zwergwuchs dort nicht beobachtet worden. Neuerdings scheuen sich die Talbe- wochner, eine Ehe mit einem Gliede dieser Familien ein- zugohcn, aus Furcht, ihre Nachkommenschaft möchte auch zu Zwergen degenerieren. Dafür, daß man es mit echtem