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Nr. 71 ,
Wiesbaden. Dienstag, 12. Februar 1907.
55. Jahrgang.
Morgen-Ausgabe.
1. Matt.
Die jüMW-MerikMW MuMüst.
Von einem Kenner ostasiatischer Verhältnisse wird Uns geschrieben: Sehr rasch ist der Schrecken wieder verflogen, der der europäischen Presse plötzlich in die Druckerschwärze gefahren war, als aus Washington verlautete, Japan habe eine einem Ultimatum gleich ^Mmenüe Note in der kalifornischen Schulfrage an vse Regierung der Vereinigten Staaten gerichtet, ^vpanischerseits und anierikanischerseits ist reichlich -Ol vvf die Wogen der Kriegsfurcht gegossen worden und v«n wird gemeldet, es werde ein Kompromiß zustande- s°Mmen, wonach Kalifornien von jeder Zurücksetzung panischer Schulkinder absehen und dafür die japanische Legierung keine Kulis mehr nach Amerika einführen "olle. „Die Bundesregierung ist mit diesem Vorschlag Unverstanden; Japan wird damit ebenfalls einver- Mnden sein", heißt es in den Privattelegrammen eines ^srliner Blattes aus New Jork und daraus wird frisch- stohlich auf eine bevorstehende „gütliche Einigung" ge- Wossen. Kindlicher kann man die Lage nicht auffassen. (ftntnnnhpHmrTSfrpihs'it ist den Javanern zehnmal
Einwanderungsfreiheit ist den Japanern zehnmal "Uchtiger als die Frage, ob in San Francisco gelbe
•'vuyer ui» jjic
weiße Kinder eine und dieselbe Schulbank drücken
soll-
;-<en oder nicht. In der Tat sind die Regierungen W Washington und Tokio bisher noch um keinen Schritt vorwärts gekommen. Japan hat es abgelehnt, mit ^Nrerika in Verhandlungen über den Abschluß eines llfUen Vertrages einzutreten, solang- nicht die kalifor- ?lsche Schulfrage eine Lösung in seinem Sinne gesunden, und diese schroffe Haltung war es, die den Präsidenten Roosevelt vor kalifornischen. Kongreßmit- 6nedern von einer unmittelbar drohenden Kriegsgefahr reden ließ.
Mag sein, daß er dabei übertrieb, daß er auch zu
. Mag sem, daß er öaver noerrrieo, oan er aucy zu Nork auftrug, als er für Amerika die allerschlimmsten folgen von einem solchen Kriege voraussagte. Es
v":gen von ernem loschen errege voraus,agie. crs Mte ja gelten, die starrköpfigen Kalifornier einzu- sMchtern. Sie verließen auch das Weiße Haus in -lnor großen Panik und hielten einen Krieg mit Japan "Nr unmittelbar bevorstehend. „Seitdem", so heißt es Wer recht bezeichnend in dem Telegramm des s^vshingtoner Korrespondenten der „Morning Post" M 1. Februar, „haben sie ihren Mut wiedergefunden.
glauben, daß der Präsident absichtlich die Kriegsgefahr übertrieb, um sie einzuschüchtern, und während Ne behaupten, ängstlich jede Ursache zu neuer Reibung verhindern zu wollen, bringen sie gleichzeitig ihre feste Entschlossenheit zum Ausdruck, nichts von ihren vermeintlichen' Rechten preiszugeben, ohne daß ihnen Man ein Äquivalent bietet. Darin liegt die Schwierigkeit. Welches Äquivalent könnte Japan
lNachdruck verboten.)
Herzog Karl von Württemberg der wahre Verfasser der SchUlerdramen.
v Schon lange sind tiefgründigen Lrteraturforschern Zweifel aufgestiegen, ob die Friedrich Schiller zuge- Ichriebenen Dramen denn auch wirtlich Erzeugnisse Asses Bäcker-Abkömmlings seien. Nun tritt der durch wwc Shakespeare-Entsetzung rühmlichst bekannte L:te- ^turkämpe Schreibleu mit der sensationellen Entdeckung Mrvor, daß nicht Schiller, sondern dessen Landesherr Herzog Karl von Württemberg „Die Räuber", „Fresko",
rV'^Öüg Jtul'i VON «ISuriXCmUeLy ptXJVC. ,
s'Kabale und Liebe" usw. geschrieben habe. Überzeugend Agt Schreibleu zunächst dar,, daß Schiller erblich be-
Aör Schreibleu zunächlt dar, oaß scyruer eroncy ve- wstst war. Ein Dutzend seiner Vorfahren seien nachweislich (als Inhaber von Bäckereien mit Weinschänke) ^torische Alkoholiker gewesen. Schon der Siamm-
.^urgcye Airoyonrer gewesen.
Zter habe mächtig gepichelt und wegen seiner Vorliebe lUr - ‘ ~ ^
— die schillernden Sorten des Neckarweins den Spitznamen Schiller erhalten. Nach den Lehren Forels und anderer wisienschastlicher Autoritäten mußte Friedrich Miller als Abkömmling einer solchen Alkoholiker-Reihe ^s°Iut entartet sein! Und die Einflüsse der erblichen Alastung wurden noch verschlimmert durch eigenes Verbuchen. Man weiß, daß der Herr Reginientsmedikus Mehrmals solche Räusche hatte, daß er die Stuttgarter Mtskirche für einen Laternenpfahl ansah, und so un- Ucher auf den Beinen war, daß ihn Freunde hermtragen wußten. Schon frühzeitig zeigten, sich denn auch die Zburen geistiger Zerrüttung. Seine Siniie waren Mn als Jüngling so geschwächt, daß er die häßliche Mwe Luise Bischer bald für eine Schönheitsgöttin, Zid für die Pianistin Laura hielt, und daß er als Regi- Wentsarrt den Grenadieren Rezepte verschrieb, die kein
bieten, das Kalifornien zusriedenstellen würde, ohne den Stolz Japans zu verletzen?"
Es ist also Roosevelt, wenn er wirklich nichts anderes beabsichtigt haben sollte, nicht gelungen, die Kalifornier iiis Bockshorn zu jagen und zur Nachgiebigkeit zu bewegen, und andererseits liegen nicht, die geringsten Anzeichen dafür vor, daß Japan seinen Standpunkt, der jeden Kompromiß ausschließt und nur ein unbedingtes Nachgeben auf amerikanischer Seite zuläßt, irgendwie geändert habe. _ Wohl aber deutet manches auf eine weitere Verschärfung der Gegensätze. In der Unterredung zwischen den kalifornischen Kongreßleuten und Roosevelt wurde diesem u. a. vorgehalten, wenn die amerikanische Flotte im Stillen Ozean zusammengezogen sei, wäre sie doch der „ japanischen überlegen. Darauf antwortete der Präsident, die Mobilisierung der Flotte würde von Japan als eine unfreundliche Handlung aufgefaßt werden und aller Wahrscheinlichkeit nach zu etwas führen, was er unbedingt vermeiden wolle. Nun meldet derselbe New Aorker Korrespondent des „Berliner Tageblattes", der so naiv ist, an den obenerwähnten albernen Kompromiß zu glauben, künftig solle das asiatische Geschwader Amerikas init dem pacisischen zu einer Schlachtslotte vereinigt und „sukzessive" so verstärkt^ werden, bis sie einer etwaigen japanischen Gegnerschaft gewachsen sei. Im Anschluß daran gibt dasselbe Blatt eine Nachricht aus Tokio wieder, wonach Japan die völlige Räumung der Mandschurei beschleunigt „in dem Wunsche, den Friedenszustand in der Mandschurei möglichst schnell wiederherzustellen und bessere Beziehungen zur russischen Regierung herbeizufiihren." Die hauptstädtische Zeitung fragt dazu: „Sollten nicht vielleicht andere Gründe als nur der Wunsch, mit Rußland bessere Beziehungen herzustellen, zu der beschleunigten Räumung der Mandschurei geführt haben?" Ja, aber welche? „Es könnte z. B. die" japanische Finanzlage ausschlaggebend gewesen sein", meint das Berliner Blatt schüchtern. Die japanischen Finanzen haben noch stets eine größere Tragkraft und Elastizität bewiesen, als westländische Beurteiler ihnen zutrauten. Manche von diesen nannten Japan nach dem letzten Kriege, weil die Entschädigung ausblieb, „eine ruinierte gelbe Großmacht", mußten es aber erleben, daß Handel und Industrie im Mikadoreiche mehr wie je aufblühten und die japanische Re- gierung mit ungelähmtem Eifer an der Verstärkung von Heer und Flotte arbeitete. Mit der Räumung der Mandschurei wird es schon eine andere Bewandtnis haben. Onkel Sam wird Wohl den Wink mit dem Zaunpfahl verstehen und hoffentlich bedingungslos in den sauren Zlpfel beißen, den ihm der Jap reicht.
*
Wir brachten dieser Tage schon die Auslassungen eines aus Japan heimgekehrtcn Holländers. Bei der Wichtigkeit, welche die Haltung Japans auch für ganz Europa hat, möge unserem heutigen Artikel noch ein
Karrengaul hätte vertragen können! Auch seine perverse Neigung für den Gestank faulender Äpfel weist auf vorgeschrittene Verblödung hin, desgleichen verschiedene Extravaganzen.
Wie hätte ein so entarteter, heruntergekommener, schwachköpfiger Mensch, ein Mensch aus Marbach, ein Mensch, der es nicht einmal zum Portepee brachte, die Werke schaffen können, die so gewaltiges Aufsehen erregten und die heute noch — bei ermäßigten Preisen — viel Volk ins Theater locken!? Unmöglich! Wie Lhake- speare war auch Schiller nur ein vorgeschobener Strohmann! Wer aber war der wirkliche Autor? Schreibleu deckt es auf: Kein anderer als Schillers gütiger und nachsichtiger Fürst und Gönner: Herzog Karl von Württemberg! Diese Behauptung mag auf den ersten Blick befremdlich erscheinen; Schreibleu weiß aber alle Einwände und Zweifel niederzuschlagen.
Daß der Herzog hervorragende geistige Qualitäten besaß, ist allgemein bekannt, und anerkannt; ebenso sein starkes Interesse für die dramatische Kunst. Schreibleu beweist, daß er in seinen Gesprächen und Korrespondenzen öfters Wendungen gebraucht hat, die sich in den angeblichen Schillerstücken fast wörtlich wiederfinden, z. B.: „Ist euch auch wohl?" — „Die Post ist angekommen." — „Spät kommt Ihr (doch Ihr kommt)." — „(Beim wunderbaren Gott ’—) das Weib ist schön!" — „Süßes, seelenvolles Mädchen!" — „Empfehlt mich Eurem Herrn!" — „Gebt mir die Hand . . . ." — „ (Meine) Uhr ist abgelaufen." — „Ich sage nein! Ich, sage Veto!" u. a. m. Der Herzog konnte sich natürlich als Verfasser von Dramen, deren Inhalt teilweise feinen zur Schau getragenen despotischen Allüren widersprachen, unmöglich bekennen; er brauchte einen armen Schlucker, den er als Verfasser vorschieben konnte. Zunächst hat er sich, laut Schreibleu, an Schubart gewendet. Dieser Trotzkopf weigerte sich: er. wanderte deshalb auf die Festung Asperg. Der lange
weiterer folgen, der' bezeichnende Lichter aus das Expansionsbestreben Japans im Großen Ozean wrrfr und den uns unser Brüsseler Korrespondent unterm 7. d. M. mitteilt:
Die japanische Invasion auf Hawai und in Südamerika.
Dieser Tage wurde von einem Streitfall gemldet, der aus Hawai zwischen Japanern und der amerikanischen Schanlbehörde entstanden ist. Wir werden die Sache weiter unten im Zusammenhänge betrachten. Die Japs sitze:: überall, eine Privatkorrespondenz aus Montevideo erzählt uns, daß sie das kreolische Amerika derLoteiner ebenso ausbeuten wie das gernmnischeItord- amerika. So sind in letzter Zeit wieder 8000 Japs in Peru gelandet und haben die Patrone der Zuckerrohr- und Kaffee-Plantagen „gestürmt" und sind, da sie zum halben Preise arbeiten, mit Kußhand angenommen — der Kreole arbeitet nicht gern ackerbaulich. Aber wie lange wird es dauern, dann sind die Japs Unternehmer für die Zucker-, Kaffee- und auch die Reisplantageu. In Brasilien ist eine starke Japaner-Kolonie, in Argentinien desgleichen, und sie haben eine Schiffahrtskompagnie gegründet, die Japan mit Peru, Chile, Argentinien, Brasilien verbindet und die auch Mexiko und Columbien anfährt. Daß auch hier ein ökonomischer Zwist mit Amerika, dem Lande der teuersten Löhne, nicht ausbleiben kann, liegt auf der Hand. Vor allem aber ist für diese Dampfer-Betriebe der Besitz von Hawai nötig, die Entfernungen sind zu immens ohne eine Zwischen- und Kohlenstation.
Wie gesagt, hat sich in Honolulu und aus der Inselgruppe eine starke Japaner-Kolonie von 8000 Mann, alles gediente Leute, 1300 aus dem letzten Kriege, festgesetzt, und sie pachten allenthalben die „Bars", die Kneipen, die sie aber bald im Schmutz verkommen lassen. Auch verzapfen sie nur den ordinärsten Fusel, schließlich hat das Jnselparlament einen Antrag beraten, den fremden Eindringlingen die . Alkobol- Debite zu entziehen. Dagegen hot der japanische Konsul, wie allenthalben, Protest eingelegt, da dies Gesetz gegen die bestehenden Abmachungen zwischen Tokio und Washington verstößt. Die Sache geht nach Washington.
Genaues über die Japs auf Hawai berichtet die „Revue de Paris", in der ein gewisser Auöert aus Augenschein urteilt. Die Japaner wissen, daß sie den Arbeitsmarkt beherrschen, und sie sind großsprecherisch, unbotsam, anmaßend, jederzeit zu::: Streit mit dem Herren bereit. Das ist ein Zug ihrer Rasse, kindische Eitelkeit für sich selbst und ihr Land. Die Aufseher müssen sie kajolieren, wenn sie etwas leisten sollen. Für sich selbst sind sie tüchtig, rühriger als die Cbinesen, gut mit Vieh. Sie kleiden sich europäisch, haben eine Taschenuhr, suchen Gelegenheit zu neuen Gewerben. Sie wohnen jeder für sich, nicht wie die Chinesen in Baracken: sie nehmen ein warmes Bad, was die
vergeblich gesuchte Grund seiner harten Strafe ist nun endlich aufgedeckt! Schiller, als Soldatensohn an Gehorsam gewöhnt, war willfähriger. Um das Publikum gründlich irre zu führen, wurde Schillers Flucht verabredet. Eine ernste Verfolgung unterblieb wohlweislich. Ein treuer, taubstummer Kammerdiener übernahm die Vermittelung der Korrespondenz des Fürsten mit dem vermeintlichen Dichter und lieferte jedes fertig gewordene Stück des Herzogs in Schillers Hände. Als Herzog Karl sein Ende nahen fühlte (1793), befahl cr Schiller nach der Heimat. Nächtlings fand eine Zusammenkunft statt, bei welcher der Herzog die noch nicht veröffentlichten Dramen („Wallenstein", „Maria Stuart", „Jungfrau von Orleans", „Braut von Messina", „Tell" und das Demetriusfragment) Schiller übergab mit dem Befehl, sie innerhalb 12 Jahre nach und nach erscheinen zu lassen. Nochmals nahm der Herzog seinem Vertrauten den Schwur ab, die Sache geheim zu halten. In den Dichtungen selbst finden sich jedoch geheime Andeutungen über das Verhältnis der beiden. So läßt der Dichter-Herzog die Königin Elisabeth zu Mortimer die bedeutsan:en Worte sprechen: „Die engsten Banden sind's, die zartesten, die das Geheimnis stiftet." Schreibleu hat auch einen Schlüssel für das Geheimnis in den Dramen gefunden; er weist nach, daß versteckt darin das Bekenntnis enthalten ist: „Herzog Karl ist der wahre Dichter der „Räuber", „Kabale und Liebe" usw." („Der Herzog" kommt vor in Kabale und Liebe, Don Carlos und anderen Stücken, „ist", „der" und „wahre" in verschiedenen „Schiller"- dramen, „Dichter" in der „Jungfrau".).
Es würde zu weit führen, auf alle beigebrachten In- dizien Schreibleus hier einzugehen. Nach seinen Darlegungen kann aber kein Zweifel mehr bestehen: Tie Welt ist über ein Jahrhundert lang hinlers Licht ge- führt, Schrller mit Unrecht gefeiert worden! Nicht ihm, sondern dem vielfach ver-kannten Herzog Karl gebührt
