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Nr. 601

Abend-Ausgabe, 1. Malt.

Wiesbadener Tagblatt.

Donnerstag, 27. Dezemvcr 1006.

Seite L,

Zeit wieöer zu sich kam. Es bemächtigte sich der sich an- sammelndcn Menfchenmasse eine ungeheure Wut und sie wäre, da Polizei nicht gleich zur Stelle war, zur Lynchjustiz geschritten, wenn der feige Rohling nicht schleunigst sich durch Flucht von dem Schauplatz seiner Heldentat entfernt hätte. Das Schnecballenwerfen soll durchaus nicht verteidigt sein, aber in dieser Harmlosig- keit war es nicht am Platze, gleich in die äußerste Ex­tremität zu geraten.

o. Grotzfener. Die Feuerwache wurde am Heiligen Abend und in der folgenden Nacht mehrfach in Anspruch genommen. Der erste Alarm erfolgte um 7 Uhr 39 Min. infolge einer telephonischen Meldung, in der Dampf- schreincrei der Gehr. N engebau er, Schwalbacher- stvaße 22, brenne es. Mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit des Brandobjektes traf Branddirektor Stahl sofort die entsprechenden Maßnahmen und ordnete das Ausrücken Her Gasspritze, des Löfchwagens, der Drehleiter und der Dampfspritze an. Er tat recht daran, denn dicke Rauch­wolken ließen schon von weitem ans ein stark entwickeltes Feuer schließen. Der Angriff erfolgte sofort mit vier Schlauchleitungen vom Hydranten aus. Das Feuer war im Parterrestock der Schreinerei, wahrscheinlich infolge der schadhaften Unterlage eines Trockenofens, entstanden und fand an den Hobclspänen, den halbfertigen und ganz­fertigen Arbeiten reiche Nahrung. (Es ist ein eigenes Geschick, daß, wie vor einigen Wochen bei der Firma Gail in Biebrich, auch hier wieder Arbeiten für den Kurhaus- Neubau vom Feuer bedroht und teilweise vernichtet wur­den.) Das Feuer war so mächtig, daß cs rasch durch die Decke in das 1. Obergeschoß cingedrnngen war und sogar bereits die Decke des 2. Obergeschosses erfaßt hatte. Hitze und Rauch machten zunächst ein Eindringen in das Innere der brennenden Räume unmöglich, weshalb zu­erst nur von der Dreh- und Steigleiter ans Wasser ge­geben werden konnte. Die Dampfspritze war auf dem Fankbrunnenplatz aufgestellt und eine Leitung von hier aus durch das Holzlager nach der Brandstätte geführt! sie brauchte aber wegen des großen Hydrantenüruckes kein Wasser zu geben. Unr 8 Uhr schon war jede Gefahr einer Ausbreitung des Feuers über die brennenden Räume hinaus beseitigt, doch nahmen das vollständige Ablöschen und die Aufräumungsarbeiten noch längere Zeit in An­spruch. Zur weiteren Beobachtung des Brandherdes blieb eine Brandwache zurück, die am ersten Feiertag um 7 Uhr früh eingczogen wurde. Um 12 Uhr 25 Min. wurde wegen erneuter starker Rauchentwickelnng die Feuer- rvache nochmals gerufen! eine erneute Brandgefahr aber lag nicht vor, der Rauch rührte von stark dünstenden Wänden her. Kaum war der Löfchzug a>n Montagabend von der Schwalbacherstraße ans wieder eingerückt, er­folgte um 9 Uhr 3 Min. der zweite Alarm. Im Hause Emserstraße 44 war Feuer ausgebrochen. Tie Wache rückte dahin mit der Gasspritze und dem Reservewagen aus und fand tut 1. Stock ein Bett, einen Sessel und Portierenvbrenneud vor. Die Hausbewohner hatten schon selbst das Feuer, das durch einen überheizten Ofen en: standen war, nach Möglichkeit bekäutpft, so daß die Wache nicht mehr viel zu tun fand. Es gelang ihr, den Brand mit dem Handfeuerlöscher völlig zu unterdrücken. Um 9 Uhr 22 Min. rückte sie wieöer in die Station ein. Doch die verdiente Ruhe war ihr immer noch tticht beschieden. Um 2 Uhr 24 Min. nachts meldete der Metzgermeister Ritsert telephonisch einen M a n s a r d e n- brand im Hause Kicdricherstraße 2. Dem ausrücken- den Löschzng kam au der Ecke der Elarenthalerstratze der vorausgeeilte Radfahrer entgegen und meldete dem Branddirektor, daß Menschen in Gefahr seien. Auch hier ließen starke Rauchwolken, die ans den Man- savdenfenftern drangen, ans ein größeres Feuer schließen. Der erste Angriff erfolgte daher mittels einer Schlauch­leitung über die Treppe im Innern des Hanfes und mittels einer zweiten Leitung über die Drehleiter von außen. Das Feuer hatte die Bewohner des Hauses in große Aufregung versetzt, namentlich diejenigen des Mansardenstocies, die, zum Teil nur mit dem Hemd be­kleidet, die Treppe hinunter liefen. Einige in großer Gefahr schwebende Kinder wurden durch Feuerwehr­leute in tiefer gelegene Stockwerke getragen. Nach etwa einer Stunde war jede Gefahr beseitigt. Das Feuer war aber auch hier so stark, daß die Decke nach der vierten Etage stellenweise durchgebrannt ist. Der beißende Holzrauch erfüllte auch hier bald alle Räume. Die Ent. stehnng des Brandes vermochte iticht festgestcllt zu werden. Ein Ofen stand an der Stelle, an der die Decke dnrchge- bvannt ist, nicht. In allen diesen Füllen bewährte sich unsere Feuerwache wieder ganz -ausgezeichnet. Sie be­wältigte selbst den großen Brand der Ncugcbauerschcn Schreinerei allein, und die Einwohnerschaft blieb am Heiligen Abend von den Aufregungen eines großen Alarms verschont.

Heizbare Wagen bei der Straßenbahn. DieSüd­deutsche Eisenbahn-Gesellschaft" macht hier gegenwärtig Probefahrten mit einem heizbaren Straßenbahnwagen. Der Vorderperron und der Hinterperron sind völlig ge­schlossen, so daß Wagenführer und Schaffner ebenfalls vor Kälte und Nässe geschützt sind. Wenn sich der Wagen bewährt, sollen mehrere solcher in Wiesbaden ztir Ver­wendung gelangen. Diese Fürsorge der Straßenbahn- Verwaltung kommt zwar etwas spät, aber sie soll deshalb nicht minder anerkannt werden. Freilich müßte allen Wagenführern und Schaffnern ausgiebiger Schutz gegen Nässe und Kälte gewährt werden, und zwar hauptsächlich auch durch Glasabschlüsse, wie sie in anderen Städten bei den Trams längst eingeführt sind.

Eine blutige Keilerei lieferten sich am heiligen Abend in der Ellenbogengasse zwei Männer, die aus einem dortigen Geschäfte zu kommen schienen. Sie trak­tierten sich in unflätigster Weise mit gefährlichen Werk­zeugen, darunter einem Kohlenkasten, der in Stücke ging durch die Wucht der Schläge und bei der gesunden Be­schaffenheit der Gliedmaßen eines der Kampfhähne. Für das zahlreich anwesende Publikum war der ansregendc Vorgang, namentlich in Anbetracht der Zeit, besonders anstößig. Die Rufe nach einem Schutzmann verhallten zunächst ungestört, schließlich aber fielen die Rowöies. der Polizei doch noch ist die Hände.

o. Ein großer Verlust hat eine im .Hotel Kaiserhof" wohnende Dame betroffen. Sie verlor am ersten Weih- nachtsfeiertag abends auf dom Wege von der Humbolöt- straßc nach dem genannten Hotel einen großen Brillanten (ghtzkarütigen blauweitzen Kapstcin), desien Wert nach vielen Tausenden geschäht wird. Der Brillant ist in seiner a jonr-Fassung mit einem Muttergewinde ver­sehen, um ihn anfschrauben und als Ohrring oder Hals­gehänge tragen zu können. Wer über den Verbleib Aus­kunft zu geben vermag, wolle sich im Zimmer 19 der Polizeidirektion melden. Für seine Wiedererlangung hat die Verliererin eine sehr hohe Belohnung ausgesetzt.

Verkehrsstörnngen. Die Schneofälle an den Weih­nachtstagen verursachten im Eisenbahnverkehr starke Verkehrsstörungen. Er war allerdings, infolge des Wetters hier nur schwach, aber die Züge hatten doch größere Verspätungen, die ankonrmenüen und die abgehenden. Für diese Unregelmäßigkeiten können aller­dings die Bahnbehöröen die Entschuldigung derHöheren Gewalt" geltend machen, denn der Schnee fiel in großen Massen und es kostete Mühe, die verschneiten Weichen freizumachen.

Telegraphie. Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Telegraphculinie an der Scheidertal- st r a tz e von Hahn nach Wingsbach liegt bei dem Post­amt 1 in Wiesbaden aus.

o. Die Hochstaplerin o. Lengerke, Ne sich bekanntlich als Offiziersgattin ausgab, auch v. Behringe- Lengerke nannte und hier, sowie verschiedenen Nach- barstädten ihr Unwesen trieb, indem sie eine ganze An­zahl Geschäftsleute schädigte, ist nun doch noch ent­larvt worden. Sie ist die 24 Jahre alte Sophie Emilie Johanna Dechow aus Ivendorf bei Travemünde, deren Eltern jetzt in Lübeck wohnen. Die Personen, darunter anch Offiziere, die hier mit der Schwindlerin verköhrten, wird ein unbehagliches Gefühl beschleichen, wenn sie erfahren, daß die eleganteFrau v. Lengerke" schon mehrfach mir den Strafgerichten und Gefängnissen in nähere Berührung gekommen ist.

o. Unfälle. Am Heiligen Abend kam der Reisende Steil von hier in der Manergasse infolge Ausgleitens so unglücklich z-n Fall, daß er einen Knöchelbruch erlitt. Der Verunglückte wurde zuerst in seine Wohnung nt der Gerichtsstraße gebracht! doch stellte sich hier die Notwen­digkeit seiner Überführung iu das städtische Kranken- hans heraus. Am ersten Feiertagnachmittag stürzte der 37 Jahre alte Alfred Streit im Hause Schulgasse6 die Treppe Herunter und zog sich dadurch Kopfver­letzungen zu, die seine Aufnahme in das städtische Krankenhaus notwendig machten. Die Sanitätswache brachte den Verunglückten dorthin.

Die Unsitte des Schleisens ans den Trottoirs hat gestern abend in der Walramstraße mehrere Unfälle zur Folge gehabt. Jtt einem derselben erlitt eine dort wo-hnendc Dame einen Unterarmbruch.

KurhauS. Für die Inhaber von diesjährigen und nächstjährigen Kurhausdauerkarten, welche auf Grund der­selben Karten zum ermäßigten Preise für den großen Kur­hau s - W e i Jj it n di 1 8 b et 11 am Samstag zu lösen beab­sichtigen, ist der Schlußtermin für diese Vergünstigung auf Samstagnachmittag 5 Uhr festgesetzt. Die Verausgabung er­folgt gegen Vorzeigung bezw. Abstempelung der Kurhaus- kartetft täglich bis 3 Uhr nachmittags am Kassenhänschen an der Sonnenbergerstraße und von da ab an der Tageskasse int Haupiportalc. Zum Besuche des Balles ist unbedingt Ball- toilettc, Herren Frack und weiße Binde, erforderlich.

Schulnachrichten. ' In den Schuldienst der Stadt Frankfurt a. M. treten mit Beginn des neuen Schuljahres außer den bereits bekannten folgende Herren: Geis von Schwickershausen bei Samberg, Sch epp in g aus Monta­baur. Schneider aus Korb bei Marienbcrg, S o in m e r aus Alterstadt, S c e I m a n n aus Halberstadt, T h o r m a n n au§ Eislcbcn, Krauen aus Ohligs: außerdem werden mit gleichem Zeitpunkte in Frankfurt-Oberrad angestcllt die Herren Vogel aus Weiterode, Kritz aus Dmsburg und M e i ß n e r aus Magdeburg. Gestorben ist Herr Haupr- lehrer Müller in Bad Soden. Versetzt wurde Herr Lehrer Hart m a tt n von Gladenbach nach Oberscheld bei Dillenburg.

Handelsregister. In das Handelsregister ist eine Ge­sellschaft mit beschränkter Haftung unter der FirmaGesell­schaft für Land- und Nheintransporte Wilhelm Nuppcrr u. Komp." mit beschränkter Haftung mit dem Sitze in Wies­baden eingetragen worden. Gegenstand des Unternehmens ist: Betrieb eines Agentur- und Speditionsgeschäftes, insbe­sondere die Fortführung des von der Firma W. Ruppert und der Schiffahrtsabteilung der Firma L. Rettenniayer (insbe- sondere der Güteragcntur der Cöln-Düffcldorfer Gesellschaft' betriebenen Augentnr-, Speditions- und Möbeltrattsportge­schäfts. Höhe desStammkapitals: 85 000 M. Geschäftsführer ist der Kaufmann Lorenz Metternich zu Wiesbaden. Der GesellschastSvcrtrag ist vom 24. Nov. 1900. Die Zeitdauer der Gesellschaft ist auf 10 Jahre festgesetzt. Als nicht eingetragen wird weiter bekannt gemacht: Bon dem Gesellschafter Fried­rich F. H a a g n e r hier sind unter Anrechnung der festge­setzten Werte auf seine Stammctnlage nt dte Gesellschaft etn- gebrachi' 1. Das bisher van ihm unter der Firma Wilhelm Ruvpert betriebene Speditions- und Möbelgeschäft mit Aus­schluß der Aktiva und Passiva, und zwar vom 1. Januar 1907 an. Mitübertragen sind die sämtlichen zum Betriebe des Geschäfts gehörigen Pferde, Möbel-,, Fuhr- und Roll­wagen, Pferdegeschirre und Decken und ,onstigen Uten,tuen laut Inventar, sowie die Bureau-Einrichtung im Bureau Mauritiusstraße 8. Der Wert dieses Geschäfts ist auf 20 000 M. festgesetzt. 2. Das ihm gehörige Schifiahrtsver- tretungSgeschäft, welches seither als Unterabteilung seiner Firma L. Rcttcnmaber betrieben wurde, nebst sämtlichen darauf Bezug habenden Verträgen. Der Wert dieses Ge­schäfts ist ans 5000 M. festgesetzt.

Theater, Kunst, Vorträge.

* Nesidenz-Tbeatcr. Morgen Freitag wird das liebens­

würdige englische LustspielUnsere Käthe" wiederholt, das von Vorstellung zu Vorstellung sich mehr und mehr Sympathien erwirbt. Am Samstag ist der neue Kraatzsche Schwank Olympische Spiele", der total ausverkaustc Hauser sieht, wieder Trumpf. Sonntagabend wird PserhoferS Lustspiel Nemesis" mit dem EinakterAl," von Otto Brenner ge­geben und Sonntagnachniittag auf vielfachen Wunsch Ohorns , Brüder von St. Bernhard" zu halben Preisen. Zur Feier des Silvesterabends sind drei humoristische Einakter em- studiert:Des Uhrmachers Hut" von Mad. de Gtrardin,

Karriere" von Raonl Auernhcimer undDie Naturheil- methode" von A. Laufs, denen ein Prolog aus der witzigen und geistvollen Feder Julius RosenihalS vorangeht und der von Herrn Miltner-Schönau gesprochen wird.

* Kurhaus. Morgen findet Solisten-Abend des städtischen Kurorchesters im Kurhause statt.

* Mainzer Stabttheater. Der Spielplan des Mainzer StoLtweaterS >"> -»eri sich dahin, daß am Freitaa Richard

Strauß'Salome" und am Samstag KadeDurgs Nnds Skowronnccks Lustspiel-ReubeitLnsarerifieber" wiederhr. - Wird.

Schlangenbad, 26. Dezember. Der Ökonom Philipp von hier kam bei dem Verlassen seiner Scheune zu Fall uno erlitt einen Armbruch.

Wambach, 26. Dezember. Herr Metzgermeister Michael Müller hicrselbst büßte durch einen unglücklichen Um­stand etn Auge ein. Bei einer häuslichen Verrichtung, bet welcher ihm sein Sohn mit der Lampe leuchtete, stieß er mft dem Gesicht auf den zerbrochenen Lampcnzylinder und zer­schnitt sich den Augapfel. Herr Müller, der ob dieses Unfall-s allgemein herzlich bedauert wird, befindet sich zurzeit im St. Josephshofpital in Wiesbaden in Pflege.

ä. Weilbach, 24. Dezember. Unser Dorf verfügt seit etwa 15 Jahren über eine Wasserleitung, die seinerzeit mit großen Kosten angelegt und bis vor kurzem tadellos funktio­niert hat. Seit neuester Zeit aber läßt die Ergiebigkeit der Leitung bedenklich nach. Es wird angenommen, daß der Rückgang in der Wasserliesernng auf die Brunnengramingen zurückzuführen ist, welche die Stadt Frankfurt in benach­barten Gemarkungen anstcllt. Frankfurt wurde anch schon wegen entsprechender Entschädigung angegangen; die Stadt stellt sich aber auf den Standpunkt, daß ihr erst nachgewiesen werden müsse, daß das Manko unserer Wasserleitung durch ihre Schürfungen hervorgcrufen worden ist. So dürfte cs denn zu einem Prozeß kommen.

u. Wörsdorf, 24. Dezember. Dem Holzhauermerfter A. Kraft von hier wurde beim Holzfällen von einem vorzeitig umfallenden Bamn der rechte Arm zerschmettert.

Ir. Nsingeii, 22. Dezember. Im Nachbvrdorf Merz, hausen fand in dieser Woche das 25jährige jubiIänm des Bürgermeisters Herrn B e st statt. Die ge­samte Einwohnerschaft beteiligte sich an der Feier, da sich der Jubilar besonderer Beliebtheit und Achtung erfreut. Die Gemcindegkieder pflanzten Festbäume auf und der Krieger-, Turn- und Gesangverein brachten ihm abends Fackelzug und Ständchen. Herr Pfarrer Weyll hielt eine Ansprache. Der Gemeindevorstand überreichte als Geschenke einen wertvollen Rnhesessel und eine hübsche Uhr. Auch von atiswärts trafen und treffen jetzt noch nachträglich Glückwünsche ein. Ein ge­mütliches Beisammensein beschloß den Ehrentag des Jubilars.

n. Usingen, 24. Dezember. Wie das hiesigeKreisblatt" meldet, können vier Bürgermeister des Kreises Ufingen mn 1. Januar 1907 auf eine 2 5 j ü h r i g e D i e n st z e i t zu­rückblicken. Es sind die Herren S ch m i d t - Hafselborn, Saltenbergcr- Hundstadt, Kalteborn - Haintchen und B e st - Mcrzhausen. Bei einem Sturz vom Scheuer- gebälk verletzte sich der 53 Jahre alte, bei der Familie Schweitzer hier beschäftigte Knecht Christian Steinmetz derartig schwer, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.

m. St. Goar, 26. Dezember. Die Weihnachtsseiertage brachten hier einen Automobilnnfal l. Oberhalb von St. Goar kam vorgestern in rasender Eile ein großes Auto­mobil rheinabwärls, in dem zwei Herren saßen, welche auf einer Probefahrt nach Cöln begriffen waren. Das Automobil fuhr mit großer Gewalt i:t vollem Lauf gegen das Straßen­geländer und Überschlag sich. Die beiden Insassen wurden herausgeschlendert, kamen aber mit leichten Verletzungen da­von. Das Automobil ging gänzlich in Trümmer.

I. Niederscheld, 26. Dezember. Herr Hüttenbefitzer Julius Frank zu Adolfshüfte ü b e r w i e s anläßlich seiner zehn­jährigen Leitung der Eisenwerke 10 000 M. zur Ver­te i l u n g unter seine Beamte und Arbeiter. Von den 50b Angestellten der Firma sind über 120 zehn und 32 fünfund­zwanzig Jahre und länger im Dienste der Adolfshütte.

b. Hachenburg, 23. Dezember. Die vorhandene» und zum Teil noch gar nicht aufgeschlossenen B raun kohlen - gruben des Westerwaldes wurden bon einer Anzahl aus­wärtiger Gesellschaften aufgekauft. Die Nachfrage nach Braunkohlen ist seit der Eröffnung der Westerwaldguerbahn sehr rege geworden. In einem Grnbenfeld bei Langenhahn wurde ein Kohlenlager von 4 Meter 40 Zentimeter aufge­schlossen. Das Grubcnfeld (Paul") ist erst vor kurzem in das Eigentum der GewerkschaftVulkan" übergegangen.

88- Wetzlar, 25. , Dezember. Die ganze Belegschaft der GrubeEmma" bei Allendorf ist dem natiunallibe- ralen Verein des Kreises Wetzlar beigetretcn.

* Mainz, 27. Dezember. R h e i n p e g c l: 10 cm gegen 07 cm am gestrigen Vormittag.

st. Genna, 27. Dezember. Der Erfinder Ronce un- tcrnahm gestern Versuche mit einem neuen l en k bar en Luftballon, welche einen glänzenden Verlauf nahmen. Der Genannte hat auch die Pläne eines neuen Nnterfecboot.es allsgearbeitet.

ft. X. Rhein- und Tannusklub Wiesbaden. Die gestrige Weihitachtsfeier auf dem Chausseehaus war von über 300 Personen besucht, ein Beweis, welch großer Beliebtheit sich die Feste des Klubs erfreuen. Ein gemeinsantes Weih­nachtslied, von Herrn Zingel verfaßt, leitete die Feier ein. Darauf folgten zwei Cellovorträgc des Herrn Dickmann, weiche, zu Herzen gchendc^Wcisen, von Fräulein Hertel vor­trefflich begleitet. Uriter esingcn nahten sich nun die Kinder dem lichterstrählcndcn Baum, um dort die (Naben in Empfang zu nehmen. Es war eine wahre Freude, die frohen Gesichtchen all der Kleinen, die so reich beschenkt wurden, zu sehen. Mit prächtiger Stimme sang Herr CramerTom der Reitner" utid Felice nottc Marictta", wofür ihrn reicher Beifall ward. Doch nun nahten sich nngezäblte Lose, denn die Tombola war geradczll glänzend beschenkt, der Wunsch, den Armen, die fern der hilfsbereiten Großstadt in einsamen Dörfern wohnen tmd deren Not meist nur dem Wanderer bekannt, an solchem Tage zu helfen, hatte viel hochherzige Spender zu herrlichen Ge­schenken veranlaßt. Rasch waren die Lose alle verkauft. Allen, die so halfen, die Not zti lindern, sei von Herzen gedankt. Die gesamten Arrangements, von Herrn Batz getroffen, fanden allgemein Anklang und begeistert stimmten alle in einFrisch auf", das Herr Zingel ihm iind Herrn Bretor in überaus laiinigen Versen artsbrackite. Der Abendzug, entkiuderte deti Saalsimd bald wiegte sich die Jiigend in freudigeni Tanz, der weder durch die lustige Polizeiverordnnng noch durch den Mispelzweig geschmälert wurde. Leider etwas spät trug Fräulein Krag mit wohlgeschnlter StimmeMein und dein", sowie das Gebet aus demFreischütz" vor. Der Zug gegen i/,11 Uhr brachte die Tanniden wieder nach Wiesbaden, sicher­lich werden alle noch lange der schönen Stunden, die sie ver­lebten, gedenken, besonders wenn sie die Tombolageschenkc be­trachten. Die nächste Wanderung siiidet Sonntag, den 6. Januar, statt nach dem Morgenbachtal (Herrentonr).

Kleine Chronik.

Postraub. Die von Felsoernsio (Ungarn) abge­gangene Post wurde zwischen Petroua und dem Mffotal von unbekannten Tätern angegrrffeu. Der Kutscher und der begleitende Gendarm wurden mit Beilen ermordet und 30 000 Kronen, zumeist Steuergelder, geraubt. Die Schnecifpuren weifen darauf hin, daß Walachen oder Zigeuner die Räuber gewesen sind.

Selbstmord im Cafe. Ein aufregender Vorfall hat sich gestern nachmittag in eineui Cafe -er unteren Friedrichstraße in Berlin zugetragen. Ein Gast schoß