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Seite 2 . Samstag, 35. August 1900+

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die Hände der Russen fallen und andererseits die ^ürkenherrschaft doch aus Europa hinausbugsiert wer­den. Nun steht man vor der Frage, wer dann eventuell die 60 000 Quadratmeilen der europäischen Türkei be­sitzen wird, wenn nicht öie Slaven? Die Griechen? Sie haben in der Tat historisch, geographisch und ethnologisch begründetere Ansprüche darauf als öie Russen, doch können die Griechen schwerlich allein mit den Türken fertig werden. Der einzige Freund Griechenlands, wenn an von Frankreich absieht, dessen Sympathien durch ückstchten gegenüber Rußland begrenzt sind, ist nur Großbritannien. Rußland, Deutschland, Österreich und Italien haben für die griechischen Aspiranten nichts ftbrig. Diese politische Situation schließt die griechischen Ansprüche allein schon aus. Aber auch Österreich kommt sticht in Betracht, denn es ist mehr wie wahrscheinlich, daß nach dem Tode Kaisers Franz Joseph Ungarn von Österreich vollständig losgetrennt und dieses gezwungen jfeiit wird, sich eng an Deutschland anzuschließen. Das größere Deutschland wird sich dann für seine Balkan- Politik Magyaren, Tschechen und Slaven feindlich gegen- ftber stehen sehen, von Italien gar nicht zu reden, das die Küstenstriche am Adriatischen Meere beansprucht. Um btefe Zeit dürfte Rußland sich erholt haben, so daß der ^anslavismus eine aktive Politik entsalten und eine Absorbierung Mazedoniens durch die Bulgaren ermög­lichen könnte. Demnach haben sich die englischen Poli­tiker darüber zu entscheiden, ob sie die hartnäckigen Be­strebungen der Regierung in Sofia, eine Verdrängung der Türken aus ihren europäischen Besitzungen vorzu- hereiten, dulden wollen. An diesem Punkte, meint s,Ncar East", müsse eine deutsch-englische Verständigung jeinsetzen. Die deutsche Politik sei notwendig gegen öie bulgarischen Ansprüche gerichtet. Deutschland habe 20 Aahre hindurch eine enge Freundschaft mit der Türkei unterhalten, und wie es sein gegenwärtiges Bestreben sei, das Wachstum der hellenischen Macht auszuhalten, so könne es auch unmöglich ruhig zusehen, wenn die slavischen Völker sich ans Kosten der Türkei bereichern und stärken würden. Eine türkenfrcundliche Politik sei aber auch für England heute notwendig, wenn es irr den türkischen Besitzungen bedeutende Handelsvorteile Erlangen und wenn es mit der mohammedanischen Be­völkerung in seinen Kolonien Frieden halten wolle.

DeuLfchss Weich.

* Schwarze Erziehuugssrüchte. Gras Hoensbroech schreibt denMünch. Neuest. Nachr." einen Brief, dem wir einige Stellen entnehmen:Seit ich durch Vorträge stsw. in München mehr bekannt geworden bin, genieße ich den Vorzug, in der bayerischen Zentrumspresse mit -den verschiedenstenKosenamen" bezeichnet zu werden. Aus diese Beschimpfungen ist es sicher zurückzuführen, 'daß ich auch ans dem Leserkreis dieser Blätter heraus fort und fort mit anonymen Briefen und Postkarten be­glückt werde, die von Gemeinheiten geradezu strotzen, und die fast durchweg die Unterschrift tragen:Ein guter Katholik" (!). Die letzte dieser Sendungen eine offene Postkarte! lautet in ihren Hauptstellen:Das Mün­chener Komitee hat Sie zum Ehrenmitglied für Schand- unö Schmutzliteratur ernannt und Ihnen für Ihre neuesten. Verdienste die große Sauglocke am Jesuiten­bande verliehen. Kommen Sie samt der Sauglocke bald Wieder hierher, die Elite aller Lumpen und Gauner wird Ihnen zujubeln." Ich würde diese Gemeinheiten nicht erwähnen, wenn man eS hier nicht mit einer typisch >

Erdbebensichere Gebäude.

Die furchtbaren Katastrophen, von denen Nord- und '(Südamerika in der jüngsten Zeit betroffen wurden, haben den Fachleuten die Frage nahegelegt, welche Möglich­keiten es gibt, die Gebäude gegen die Zerstörung durch Erdbeben zu sichern. Man hat in San Francisco nach dem Unglück eingehende Untersuchungen darüber ange­stellt, wie sich die verschiedenen Gebäudearten gegenüber der ungeheueren Gewalt der Erdbeben verhalten haben, und so eine Reihe von Erfahrungen gesammelt, die für künftige Bauten verwertet werden können. Vor allem hat sich, wie derScientific American" berichtet, die moderne Baukonstruktion mit Stahlgerippen vorzüglich bewährt. In San Francisco standen inmitten der Ruinen älterer Gebäude die aus Stahl und Mauerwerk frusgesührten zwar vom Feuer beschädigt, aber doch sonst intakt da. Schon seit längerem haben sich in Amerika Ingenieure und Architekten damit beschäftigt, in gemein­samer Arbeit einen Gebäudetypus zu schaffen, der durch sein sehr starkes, elastisches und gut verbundenes Stahl­gerüst in Verbindung mit dem feuersicheren Material der Fußböden und der Bekleidung Stürmen und Feuers- bpünsten und vielleicht auch Erdstößen Widerstand leisten könnte. Die riesige Fenersbrunst in Baltimore bewies die relative Sicherheit solcher Gebäude gegen Feuer und das Erdbeben in San Francisco die Sicherheit gegen diese Erschütterung. Trotz der Heftigkeit der Erdstöße hat das Stahlgerippe der hohen Geschäftshäuser nicht gelitten, und die fest damit verbundenen gemauer­ten Wände haben sich gleichfalls gehalten. Das zeigte vor allem das riesige Gebäude der ZeitungCall" und noch mehr daS neue Rathaus. Der innere Stahlbau ,und die Metallkuppel des Turmes bis zu der ihn krönen­den Figur sind unversehrt geblieben, aber öie zwei­stöckigen, massiven, kreisrunden Säulengänge sind fast ganz zerstört worden. Der Architekt vertraute zu sehr aus die Dicke des Mauerwerks und verband es daher nicht fest mit dem Stahlgerüst: sonst wäre es vielleicht auch erhalten geblieben. Das grvtze Fairmount-Hotcl sah wie ein moderner Parthenon auf die zerfallenen Ruinen herab, öie die Abhänge des Hügels, auf dem es gebaut ist, bedeckten. Das wertvolle Gebäude hatte nur dadurch etwas Schaden gelitten, daß es ganz vom Feuer bestrichen wurde. Auch massiv gebaute Häuser aus be-

Wiesbaderrer TagMart.

ultramvntanen Erscheinung zu tun hätte. Wenigstens mutz ich sie nach meiner, jetzt 14jährigen Erfahrung als solche bezeichnen. Mehrere hundert anonyme Schmüh- briefe und Schmähkarten aus dem ultramontanen Lager besitze ich, und zwar nicht nur aus Deutschland. Mit Ausnahme weniger,, die offenbar Ungebildete zu Ver­fassern haben, stammen die meisten offenbar ausgebil­deten" Kreisen. In diesen beiden Tatsachen: Herkunft aus allen Ländern und aus allen Ständen, liegt für mich der Beweis eines einheitlichen Ursprungs, d. h. solche Angriffsrverse ist auf allgemeine ultramontane Erziehung zurückzuführen. Man braucht ja nur einen Blick in die meisten ultramontanen Blätter zu werfen, um mit Hän­den zu greifen, wie die Hauptmasse dieser Vorkämpfer für Wahrheit, Freiheit und Recht" gemeine Beschimp­fung des Gegners ist. Und von den Zeitungen aus dringt naturnotwendig die Form der Bekämpfung rn den Leserkreis."

* Für die zusammenstellbaren Fahrscheinhefte soll öie Gültigkeitsdauer verlängert werden: sie betrügt jetzt bei Reisen von 600 bis 2000 Kilometer 48 Tage, bei längeren Reisen (bis 8000 Kilometer) 60 Tage und dar­über hinaus 00 Tage. Diese Fristen reichen nicht mehr auS, feit die Einbeziehung langer, überseeischer Schiffs­verbindungen in den Reiseverkehr des Vereins der Eisenbahnverwaltungen außerordentlich das Gebiet der Fahrscheinhefte erweitert hat. Der Ausschuß für Ange­legenheiten des Personenverkehrs hat daher beschlossen, die Geltungsdauer der Fahrscheinhefte so zu erhöhen, daß die Fahrscheinhefte bei Reisen bis zu 8000 Kilometer 60 Tage, bis zu 5000 Kilometer 90 Tage und für wettere Entfernungen 120 Tage Geltung haben. Mit diesem Anträge wird sich der Verein deutscher Eisenbahnverwal­tungen am 4. k. M. in Wien beschäftigen.

* Zn den Klostergründungen im Riesengebirge schreibt dieSchles. Gebirgsztg.":Wir sind zu der Er­klärung ermächtigt, daß an den maßgebenden Stellen nicht das geringste von Klostergrünöungen bekannt ist. Es kommt lediglich eine Renovation des Klosters Grüssau in Betracht, die aus baulichen Gründen geboten war. Daniit entfallen sämtliche an diese Nachricht geknüpften Schlußfolgerungen." Abwarten!

Die Wrmültiou in Rußland.

Die Lage in Rußland.

g. Petersburg, 21. August. Es ist weit ge­kommen mit dem revolutionären Rußland, so weit, daß die Organe der öffentlichen Sicherheit weniger ihres Lebens sicher sind, wie öie, die sie beschützen sollen. Be­sonders schlimm scheint die allgemeine llnsicherheft neuerdings in Riga um sich gegriffen zu haben. Dort ist es nicht mehr selten, daß in einer einzigen Nacht 15 und mehr schwere Verbrechen, meist Beranbungen, Überfälle, Morde verübt werden. Nun wird jetzt gerade den Stadt­teilen, wo öie größte Unsicherheit herrscht, wie der Moskauer Vorstadt, der bisher gewährte militärische Schutz fast völlig entzogen und diese Preisgabe der Peripherie der Stadt ist, rote baltische Blätter feststellen, darauf zurückzuführen,daß mit dem Eintritt der dunklen Nächte von verschiedenen Verstecken Überfälle auf die Militärposten sehr leicht auszuführen sind". Unter diesen Umständen ist cs weiter gar nicht verwun­derlich, daß eine Zeitungsmeldung allgemein geglaubt wird, die offenbar der Phantasie eines Witzboldes ent­stammt. (Die Nachricht wurde in europäischen Blättern als Depesche verbreitet.) Danach sollte in Riga mit Ge­nehmigung des Generalgouverneurs die Bevölkerung

hauenen Steinen oder sehr gutem Mauerwerk leiden, wenn sie mäßig hoch sind, bei einem Erdbeben nicht er­heblichen Schaden, wie die Hibernia-Sparbank und die Post bewiesen: die erstcre war nur später vollständig ausgebrannt. Die Post war bis auf eine über einen Sumpf gebaute Ecke vollkommen stehen geblieben, aber der umgebende Boden und alle Teile des Mauerwerks, die nicht von dem eigentlichen Fundament getragen werden, waren ausgerissen und verbogen.

Die Straßen der Stadt ruhen aus ausgefülltem Boden oder Alluvialschichten, während die wichtigen Ge­bäude San Franciscos wie die Post auf Fundamenten stehen, die bis auf den darunter liegenden Felsen reichen oder auf eine Schicht, öie an Tragkraft dem Felsen gleich­kommt. Wahrscheinlich haben die Erdstöße den Fels­grund nicht sehr verschoben, aber der Alluvialboden ge­riet verhältnismäßig leicht ins Wanken, und was ans ihm stand, wurde durch die wellenförmigen Bewegungen durcheinander geschüttelt. Ebenso wurden auch die Straßenbahngcletse emporgehoben, und das ganze Straßenpflaster wurde wie ein Sack Getreide öurch- geschüttelt. Die langen biegsamen hölzernen Pfühle, die bei den großen Geschästsgebüuden im unteren Teile San Franciscos von der Basis bis zu dem festen Mate­rial reichen, haben infolge ihrer Elastizität dazu gedient, die Heftigkeit der Schwingungen des barunterliegenden Bodens zu mildern. Die genauere Untersuchung hat immer deutlicher gezeigt, daß das Feuer und nicht das Erdbeben San Francisco zerstört hat. Der einzig sicht­bare Beweis des Erdbebens waren die gefallenen Schornsteine: ebenso war öie Zerstörung der Wasser­rohre und das Abschneiden des Wasserbedarfes ein Werk des Erdbebens. Das Feuer besorgte das übrige.

Man schlägt vor, die neuen Wasserrohre aus Stahl und vernieteten Röhren zu bauen, öie häufig durch bieg­same Gelenke unterbrochen werden. Sie würden sich den Verdrehungen und Verlagerungen des Bodens an­passen, und zwar an den Verbindungsstellen, und so würden sie selbst eine außerordentliche Verbiegung er­tragen, ehe sie brechen würden. Die Katastrophe in San Francisco hat auch den allgemeinen Glauben zer­stört, daß das rote Sandelholz nnverbrennbar ist oder sehr langsam brennt: wahrscheinlich wird sein Gebrauch in Zukunft verboten werden. Das rote Sandelholz brennt ebenso heftig wie das Tannenholz, es entzündet sich ebenso schnell und entwickelt bei seiner Verbrennung

Morgen-Ausgabe, 1. Matt. No. 394»

durch Ausrufe in den Zeitungen zur Stiftung von Geldspenden zur Anschaffung von Panzern für die immer in Gefahr schwebenden Polizisten aufgefordert werden. Da es der Krone jetzt an Mitteln fehle, so falle der Gesellschaft die Pflicht zu, im Interesse ihres eigenen Schutzes der Obrigkeit entgegenzukommen, um zu ver­hindern, daß der Terror öie Tätigkeit der Polizei lührne. Also der zu Beschützende soll den Beschützenden schützen, damit der Beschützende den zu Beschützenden schützen kann!! Mord und Totschlag führen auch in Libau ihre blutige Herrschaft. Davon zeugen z. B. öie Lokalan­zeigen derLib. Ztg.", deren Überschriften in einer ein­zigen Nummer der Reihe nach lauten:Mord, Mordan­schlag, Überfall auf eine Schilöwache, Raubanfall, Miß­glücktes Attentat usw." Mehr oder weniger schlimm aber haust der Schrecken in allen größeren Städten, und auf dem Lande liegen die Dinge nicht besser. In welch unheilschwangerer Gemütsverfassung sich die Landleute befinden, lehrt die Heldentat der Bauern des Minsker Gouvernements, die das Gut ihres ehemaligen Abge­ordneten Chamentowski in Brand steckten,weil er ln der Reichsduma öle Zuteilung von Land an die Bauern nicht durchzusetzen vermochte". Am allerernstesten ist ftie Ausbreitung des revolutionären Geistes in der Armee zu nehmen. Wie bedenklich es damit steht, lehren die Vorgänge, öie in diesen Tagen das Kriegsgericht ln Tschita beschäftigten. In der dortigen Garnison hatte sich aus revolutionären Offizieren und Mannschaften ein militärischer Bund" gebildet, um die in Tschita stehen­den Truppen systematisch zu revolutionieren. Der Bund fühlte sich schließlich so mächtig, daß er dem Komman­dierenden der Truppen in Transbaikalien einUlti­matum" sandte, worin öie Bewilligung einer Reihe von wirtschaftlichen ' und politischen Forderungen der Tschitaer Garnison verlangt wurde. Auf dem Pro- gramm stand auch die Einberufung einer konstituieren­den Versammlung. Der Gencralgouverneur Golsch- tschewnikow stellte sich nicht nur günstig zu den Forde­rungen des Bundes, sondern erklärte sich auch ausdrück­lich damit einverstanden. Dann machte aber öie Ankunft des Generals von Rennenkampf diesem Treiben ein Ende. Achtzehn Offiziere wurden vor Gericht gestellt wegen Hochverrats: doch gelang es sechs davon, Slt flüchten. Die übrigen zwölf, darunter ein Kapitän, ein Stabskapitän und mehrere Leutnants wurden nur der Widersetzlichkeit gegen öie Obrigkeit für schuldig befun- den und zu geringen Gefängnisstrafen verurteilt: in-

dessen hat das Obermilttärgericht auf Protest deI Staatsanwalts dieses Urteil ausgehoben und in der Be­rufungsinstanz dürften die Angeklagten kaum so gelinde öavonkommen. Noch eines romantischen Vorganges aus jüngster Zeit sei hier gedacht, weil er typisch ist für das in Auflösung befindliche gegenwärtige Rußland Einer der Moskauer Bankräuber, Bjelenzow, entfloh durch ein kühnes Wagnis seiner Bewachung aus einem in voller Fahrt befindlichen Eisenbahnzuge. Man ließ ihn in einem Waggon 2. Klasse von sechs Soldaten, vrer Gendarmen und einem Genöarmeriekapitän begleiten. Auf den Haltestellen traf man besondere Vorsichtsmaß­regeln: der Waggon wurde von außen von einer Patrouille bewacht und das Publikum von ihm fernge­halten. Während der Fahrt saß Bjelenzow meist a:n Fenster: neben ihm standen Soldaten mit Gewehren. Als der Zug sich der Station Nowosselja, nicht weit von Petersburg näherte, zerschlug Bjelenzow plötzlich eine Scheibe und sprang zum Fenster hinaus. Ehe der Zng zum Stehen kam und die Verfolgung ausgenommen wurde, hatte Bjelenzow sich in den nahen Wald gerettet.

eine ebenso intensive Hitze. Die Straßen boten den Feuer keinen Widerstand, denn die starke Hitze, die sicl durch das rote Sandelholz entwickelt hatte, lieh Lie gegenüberstehenden Gebäude sofort Feuer fangen. Der Geschäftsteil hätte gerettet werden können, wenn nicht die Bauten aus Sandelholz gewesen wären. Als sehr widerstandsfähig gegen Feuer und Erdbeben hat sich hie Bekleidung der Häuser mit Terrakotta erwiesen, das Las beste äußere Material für Gebäude jeder Höhe zu sein scheint. Das zeigte sich besonders bei der erst ein Jahx vor der .Katastrophe vollendeten, 14 Stock hohen und airZ Stahl gebauten Kaufmannsbörse, deren obere Stockwerk^ mit Terrakottaziegeln verkleidet waren: diese hatten sim so gut erhalten, daß man glaubt, sie wieder verwenden zu können.

Aus Kunst und Leben.

* Wer die Handschrift der Frau v. Stein teilt Dr. srg Bode in seinenStunden mit Goethe" folgendes mit' Als ich die sehr angesehene Schriftkennerin Freifrau von Ungern-Sternberg einmal in meinem Hause verehren durfte der höfliche Ausdruck ist von Goethe gelernt legte ich ihr auch den Brief vvn Charlotte v. Stein Charlotte v. Schiller vor, der dem Düntzcrschen Werke über die Stein beigegeben ist. Ich nannte öie Schret- berin nicht: aus dem Inhalt der vorliegenden Seiten war sie nicht zu erraten: ich fragte nach dem Charakte- der Briesschretberin. Nach zwei Minuten erhielt ich eine Charakteristik, öie nach meiner Auffassung auf Frau von Stein vollkommen patzt. Ich bat nach Nennung Le- Namens um Niederschrift. Hier ist sie:Bei wenärr

ursprünglichem, hinreißungssühtgem Temperament er­scheint Frau v. Stein als eine wesentlich intellektuell/ lyrisch-idealen Schwunges fähige, durchaus unsinnliche Natur.Nach Freiheit strebt der Mann, das Weib nrim Sitte" ist ihr so recht auf den Leib geschrieben. Uns Grund einer zugleich harten und zähen Konstitution fühlt sie sensitiv: die Kehrseite dieser Empfindsamkeit aber ist die Empfindlichkeit, die sich bei einem gewissen Egoismus zum Nachtragen verschärft.Trag' ein Weift aus deinen Händen nach Rom und setze sie am Tore rrn-, sanft nieder sie vergißt öir's letzte nimmer" Lars auf sie und Goethe angewandt werden. Denn, mag ^ auch idealer Liebe und treuer Freundschaft fähig sein sie ermangelt der Uneigennützigteit und ist so iubsektiv