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Jto. 373. Abend-Ausgabe, 1. Blatt.

Zur Monarchenbcgegnnug in Cronberg. Gegen­über öen Ausführungen desDaily Telegraph' wegen der Cronberger Monarchenbegegnung verdient hcrvor- gchvbcn zu werden, daß der englische Botschafter in Berlin Lascelles, der in Homburg die Ankunft seines Königs abwartet, und als Vertreter des deutschen Aus­wärtigen Amtes der Gesandte Rückcr-Jenisch der Zu­sammenkunft bciwohneü werben, diese somit nicht diplo­matisch bedeutungslos sein wird, wie das englische Blatt behauptet. Zur Begegnung des Kaisers mit König Eduard wird noch gemeldet: Der Kaiser wird seinen

Gast am Bahnhofe Cronberg empfangen und ihn nach Friedrichshvf geleiten. Dort wird zunächst ein Früh­stück und dann eine Besprechung der beiden Monarchen stattfinden. Für nachmittags ist eine Automobilfahrt vorgesehen, die nach der Saalbnrg führen soll. Am 16. d. M., vormittags 0 Uhr 40 Minuten, reist König Eduard von Cronberg nach Marienbad ab. Der Kaiser begibt sich hierauf im Automobil nach Homburg, wo um 11 Uhr die Enthüllung des Landgrafendenkmals statt- ifindet. Nach Beendigung des feierlichen Aktes fährt der Kaiser sofort nach Schlost Wilhelmshöhe zurück. Anläß­lich der Zusammenkunft des Kaisers mit König Eduard werden außer englischen und Berliner Kriminalbeamten auch 10 Frankfurter Kriminalbeamte unter Führung des Polizeirates Wolfs und eine große Anzahl uniformierter Schutzleute, sowie ein starkes Gendarmerie-Aufgebot in Cronberg anwesend sein.

Personal-Aachrichtcu. Wasserbauinspektor Baurat L ü h - aing ist von Diez a. L. nach Neu-Ruppin und Baurat Ort- los f von Breslau nach Diez a. L. versetzt.

Gerüchts-Personalien. Herr LandgerichtSrat S t a m in - «er vom hiesigen Landgericht ist als Anitsgerichtsrat an bas Amtsgericht in Cochem a. d. M. versetzt worden. Der Justiz- rmvarter W. Hohl w c i n von hier wurde für die Zeit vom tsi August 1606 Vis Ende Mai 1007 dem Königlichen Amtsgericht Ju Hochheim a. M. als Bureau-Hülfsarbeiter überroiesen.

o. Priester-Jubiläum. Die altkatholische Gemeinde hatte gestern einen Festtag, er galt ihrem Seelsorger Herrn Pfarrer Krimmel, der sein 40jähriges Amts-Jubiläum beging. Welch regen Anteil die ganze Gemeinde daran nahm, zeigte vor allem der zahl­reiche Besuch des Festgottcsöienstes in der freundlichen Kirche in der Schwalbachcrstratzc, der durch das meister­hafte Orgelspiel des Organisten Herrn Grohmann und zwei Gesangsvorträge des unter Leitung des Herrn Hermann Stillger von hier stehenden Gesangvereins Gemütlichkeit" von Sonnenberg verherrlicht wurde, welch letzterer auch schon bei früheren festlichen Gelcgeu- betten der Gemeinde seine schätzenswerte Mitwirkung geliehen hatte. Der Verein sang das altnicderländische Dankgcbet mit Orgclbegleitnng undSabbatfeier" von Abt Das Jubiläum hatte zum ersten Male deu erst vor einigen Wochen gewählten altkatholischen Bischof Demmel von Bonn, den Nachfolger des hier so be­liebten und verehrten Bischofs Weber, hicrhcrgeführt, der auch die Festpredigt übernommen hatte. Unter Zu­grundelegung der Weissagung Amos im 0. Kapitel führte er u. a. ans, nichts anderes sei die Aufgabe der altkatholischen Kirche als diese, die verfallene Hütte Gottes wieder aufzubanen, iit die Lücken etnzutreten und alles, was zerrissen, wieder zu verbinden. Sic wolle nichts Neues bauen, sondern was durch Menschenhand und Unverstand, vielleicht auch bösen Willen besudelt, reinigen, und wo etwas zerstört, wieder Herstellen. Keinem der Männer, die an der Spitze des Altkathvlizismns gestanden, sei es jemals eingefallen, einen anderen Bau­grund zu wählen als Jesus Christus. Alle Gemeindc- glieder aber seien berufen, an diesem Ban mitzuwirken, jeder müsse dazu beitragen, daß eS ein Haus des Frie­dens und der Eintracht werde. Als die Grundlagen eines Segenshauses in der Gemeinde wie in der einzelnen Familie bezeichnete der Bischof die Gerechtigkeit und die Wahrhaftigkeit. Zn dem Ereignis des Tages über­gehend, gab er seiner besonderen Freude Ansdruck, de« Seelenhirten der Gemeinde zu begrüßen, der cs ver­standen, so lange Jahre an diesem Hause mit so schönem Erfolge zu bauen und damit an dem Hause Gottes über­haupt. Es sei kein Geringes, Seelsorger zu sein, aber Herr Pfarrer Krimmel habe stets bescheiden und uner­müdlich im Kampfe mit allerlei Widerwärtigkeiten und leiblichen Gebrechen unerschütterlich und getreu in seinem Amte gewirkt. Gott möge, so wünschte Redner auch namens der Gemeinde, den lieben, treuen, stille» und demütigen Mann noch viele Jahre der Gemeinde erhalten und ihm die leibliche und geistige Kraft ver­leihen, weiter zu bauen au der Blüte und Entwickelung dieser Gemeinde. Nach dem Schlüsse des Gottesdienstes bereitete der GesangvereinGemütlichkeit" dem Jubilar eine besondere Ovation, indem er ihn am Ansgange dcS Gotteshauses mit der HymneLaß Jehova hoch erheben" empfing und der Präsident Herr Moritz Wirth ihn in einer kurzen Ansprache beglückwünschte. Der Gefeierte dankte mit bewegten Worten. Daß des Jubiläums auch sonst in ehrender und liebender Weise, namentlich seitens der einzelnen Gemeindeglieder gedacht wurde, ist selbst­verständlich, hat sich doch Herr Pfarrer Krimmel während seiner sechzehnjährigen hiesigen Wirksamkeit als ein wahrer Seelsorger seiner Gemeinde bewährt, der an dem Geschick jedes einzelnen, an Freud und Leid innigen An­teil nimmt und den Interessen der gesamten Gemein­schaft stets ein opferwilliger Förderer ist. Um den Bau der schönen Kirche hat er sich große unvergängliche Ver­dienste erworben. Am Vorabend wurde er durch ein Ständchen des Schulischen Quartetts überrascht. Die altkatholische Gemeinde als solche erfreute ihren Pfarrer durch ein schönes Geschenk, das der Kirchcnvvrstand über­reichte. Prachtvolle Blumenspenden verwandelten seine Wohnung bald in einen Garten und dazu kamen viele Glückwunsch-Schreiben und -Telegranime von nah und fern, so von Herrn Dekan Bickel namens der hiesigen evangelischen Gemeinde, Herrn Professor Nippold- Jcna u. a. m. Mögen dem Jubilar noch viele Jahre so erfolgreicher Wirksamkeit wie bisher bcschieden sein.

Ein Veteran. Zu diesem Artikel in Nr. 864 unseres iäjlßtte.ö, . der einer auswärtigen Zeitung .. entnommen

Wiesvadener GagMrM.

war, schreibt uns ein hiesiger Anverwandter des altclr

Kriegers:Der in Hanau dahingeschiedeue Zigarren­händler Friedrich Bott hat nicht im 82. Jnfauterie- Regtment, sondern bei der 6. Kompagnie des preußischen Garöe-Festungsartillerie-Regiments gestanden und war nicht das Schmerzenskind seines Truppenteils, den sein Hauptmann so manches Mal in den Kasten steckte, sondern der Verstorbene konnte sich einer tadellosen Führung rühmen, was dadurch bewiesen ist, daß er als geschütz- führender Gefreiter den Feldzug 1870/71 mitmachte. Außerdem steht jederzeit der noch vorhandene Militär­paß zur Verfügung, ans welchem z» ersehen ist, daß Ge­nannter während seiner Militärzeit keine Stunde Strafe verbüßte. Ferner hat der Verblichene nicht seinen Oberst und Hauptmann bei Wörth, sondern nur seinen Haupt­mann bei der Belagerung von Paris aus dem Feuer geholt. Der Kaiser wollte den Verstorbenen nicht 1878 in Hanau sprechen, sondern es war im Jahre 18i8, als Friedrich Bott mit Kaiser Wilhelm I. in Frankfurt ge­sprochen hat." Diese Darstellung weicht allerdings wesentlich von der früheren ab und cs hat fast den An­schein, als ob eine Persvnenverwechslung vorläge. Jeden­falls aber verdient die geschilderte Heldentat des Ver­storbenen dankbarste Anerkennung.

Folge der Fahrkartcnstener. Von heute Montag ab wird der Pcrsvnenzug ab Frankfurt a. M. 6 Uhr 28 Minuten Hauptbahnhof wegen Überlastung in zwei Teilen gefahren werden. Diese Fahrplanänderung kann als eine Folge der Fahrkartenstcucr gelten, da die Be­nutzung der 4. Wagcnklassc so znnahm, daß der Zug nicht mehr ausreichte.

Väck-rvcrsammluug. Morgen Dienstag, den 14. August, vormittags 11 Uhr, findet imKvnkordia- saal", Stiftstraße, eine öffentliche Versamm­lung statt, in welcher Herr Gaßner-München über das Thema spricht:Welche Eigenschaften müssen die Bäcker- gehülfen besitzen zur erfolgreichen Durchführung des Kampfes um das tägliche Brot".

Die Bibliotheken desWiesbadener Vvlks- bildungsvcreins" in der Schule an der Kastellstraßc, in der Blücherschule, in der Schule an der oberen Rhcin- straßc, Stciugasse 0 und in der Gutcnbergschule können von jebt ab wieder von jedermann benutzt werden. Kataloge sind au den Ausgabestellen zu haben.

Kloster Marienthal. In die Wallfahrtskirche zu Marienthal hat bei dem letzten Gewitter der Blitz ein­geschlagen. Er schlug in den Kirchturm, zerschlug die Uhr und demolierte eine elektrische Leitung. Das Feuer konnte sofort gelöscht werden. Der ehrw. Frauziskancr- bruüer Bvda Modest ist nach kurzem Krankenlager gestorben. Der Verstorbene war geboren am 3. Jnrt 1884 zu Fulda, wurde also 72 Jahre alt. In den Orden ist er am 29. Oktober 187,6 cingetreten. Zur Knltur- käinpfszeit wurde das Franziskancrklostcr «rrauenberg bei Fulda aufgelöst, er übernahm daun sein Handwerk als Schuster wieder und iibtc dieses ans. Später nach Wiedereröffnung seines Klosters kam er in das Kloster ftu SBornfjofcit utib von öoxt noch 9 JlctricvttricrL v£t wett bei allen seinen Bekannten seines sympathischen Wesens halber sehr beliebt.

Erdstoß? Aus S ch l a n g e n bad, 13. August,

wird uns gemeldet: In der vergangenen Nacht wurde hier um 3 Uhr 27, Minuten eine leichte Erder­schütt e r u n g wahrgenvmmcn. Bei der herrschenden absoluten Ruhe war ein Verwechseln mit anderen Ge­räuschen ausgeschlossen. Die Erschütterung äußerte sich in einem Vibrieren und Erdröhnen der Gebündeteite, wie sie ein schwer belasteter, rasch fahrender Wagen ver­ursacht, nur war sie noch um einen Ton intensiver und dauerte etwa 4 Sekunden.

Der Wiesbadener Kranrenoercin (Znschußkasse), welcher im April seine Auflösung beschlossen, ladet seine Mitglieder zu einer außerordentlichen Generalversamm­lung auf kommenden Mittwochabend 8% Uhr in den Deutschen Hof" ein. Anlaß dazu ist ein Bericht der Auf­sichtsbehörde, nach welchem die Genehmigung zur Auf­lösung nicht erteilt wird. Es wird im Interesse aller Mitglieder auch an dieser Stelle auf die Versammlung, welche zahlreichste Teilnahme der Mitglieder erfordert, hingewiescn.

_Schul- und BereinSsahrten aus der elektrischen

Straßenbahn. Bei Wiederbeginn der Schulen wollen mir nicht unterlassen, darauf aufmerksam zu machen, daß bei Ausflügen von Schulen, Pensivnaten und Vereinen usw., an welchen sich eine größere Anzahl von Personen beteiligt, die Benutzung eines bestimmten Wagens der elektrischen Straßenbahn nur dann gewährleistet ist, wenn der Betriebsverwaltung der Straßenbahn recht­zeitig vorher davon Mitteilung gemacht wird, damit in jedem Falle für genügenden Platz zu der gewünschten Zeit eventuell durch Jnbetricbstcllung weiterer Wagen gesorgt werden kann. Beim Unterlassen einer vorherigen Anzeige kann es sehr leicht verkommen, daß cs an dem erforderlichen Platz fehlt und die betreffenden Aus­flügler auf ein sicheres Mitkommcn nicht rechnen können.

Die Balkonprämicn, welche unser rühriger Gartcnbauvcrein den hervorragendsten Leistungen im Ausschmnckcn von Fenstern und Balkons zuerkannt hat, kommen demnächst zur Verteilung. Vorher werden sic ans einige Tage in einem hiesigen Ladenlokal an belebter Straße zur allgemeinen Besichtigung ausgestellt werden.

Rlumcn-Dekorationen. Die Pflanzen- und Blumcn-Dckorationcn im großen Saale des Kurhauses bei Gelegenheit der Veranstaltungen zu Ehren der Grazer Sänger, gehalten in den österreichischen, deut­schen und steiermärkischen Farben, waren von der Firma A. Weber u. Ko. hiersclbst arrangiert worden, ebenso wie die in den französischen Farben zusammengestellte Taseldekoration anläßlich des vom Magistrat den fran­zösischen Ärzten gegebenen Festessens.

Bildcrschwiudcl. Wiederholt ist schon an dieser Stelle vor jenenMenschenfreunden" gewarnt worden, welche die Welt mit sogen.Gratisbildern" beglücken wollen. Unter dem Borgcbcn, daß ihre Firma bekannt zu werden wünsche, versprechen sic die kostenlose An- * fertigung einer photographischen Vergrötzernna. lassen

Montag, 13. August 190«. Sette S.

sich zu diesem Zwecke eine Photographie geben und'

so ganz nebenbei einen Zettel unterschreiben, welcher durchaus entgegen den mündlichen Abmachungen besagt, daß der Unterzeichnete sich verpflichtet, für ein gerahmtes Bild einen bestimmten Mindestpreis zu zahlen. Münd­liche Abmachungen sollen ungültig sein. Da neuerdings unsere Stadt in dieser Hinsicht wiederbearbeitet" wird, so sei hiermit vor diesem Schwindel gewarnt, keinesfalls aber unterschreibe man etwas, was man nicht vorher genau durchgelesen hat. Solche aber, die bereits herein- gefallen sind, mögen ruhig die Annahme der Bilder ab- lehncn, da die Erfahrung gezeigt hat, daß die betr. Firma energischem Auftreten gegenüber klein beigibt.

Nene Fcrnsprechgehänsc werden demnächst bei der deutschen Reichspoststermaltung eingeführt werden. Das Gehäuse ist aus Eisenblech hcrgcstellt und schwarz lackiert; das Holz des Fernhörers ist poliert. Der Wecker an dem neuen Apparat hat eine Stromstärke von 1000 Ohm und besitzt 10 000 Umwindungen.

Telcgraphenvcrkehr. Am 1. August wurde das neue Tclegraphenkabel nach Island auf der Strecke zwischen Shetlands-Inseln und Thorshavn (Färöer) be­reits in Betrieb genommen und die Fertigstellung auf der weiteren Strecke ist in einigen Wochen zu erwarten. Die Telegrammgebühr beträgt für Telegramme aus Deutschland nach Island 60 Pf. pro Wort. Das Kabel wurde von der großen Nordischen Telegraphengescllschast gebaut.

st. Der falsche Referendar. Bor einigen Monaten erschien hier ein flott auftretender junger Mann, der sich als Referendar S ch m i.e d c l aus Dortmund in die Gesellschaft einführen ließ und bald an mehreren Stammtischen und in besseren Vereinen zu Haus war. Nicht lange und Herr Schmiedel gestand diesem und jenem seiner wohlhabenden Bekannten, feine Eltern hätten versprochen, ebenfalls hierher zu kommen und im Hotel Viktoria" abzusteigen, sie sollten eigentlich schon da sein, jedenfalls aber sei er durch ihr langes Aus­bleiben in eiice recht unangenehme Geldverlegenheit ge­kommen. Der Herr Referendar fand natürlich Glauben und er pumpte eine ganze Anzahl Herren an, auch solche, denen er mehr oberflächlich als Referendar Schmiedel vorgestellt worden war, oder denen er sich selbst als Dr. Dillmann vorgestcllt hatte und die sich entweder in sehr guter Vermögenslage oder in hervorragenden Stellungen befinden, darunter einen hochgestellten Geistlichen, einen Abgeordneten, einen General, so und so viel Rentner und Ncntncrinnen »sw. Schließlich stellte es sich heraus, daß der Referendar Schmiedel alias Dr. Dillmann der schon zweimal wegen Betrugs vorbestrafte Bantcchniker Franz Möller aus Dortmund war. Der junge Mensch wurde verhaftet: er befindet sich gegenwärtig im städ­tischen Krankenhaus. Die Strafkammer verurteilte ihn wegen Betrugs im Rückfall unter Annahme mildernder Umstände, die in seinem leidenden Zustande gefunden wurden, zu 5 Monaten Gefängnis.

st. Steif wie ein Besenstiel wurde eines morgens de: Winzer Peter Gerlach ans Lorch h ansc n in einer Höhle in der Nähe des Dorfes mit einem Faß Wein ge­funden. Er hatte sich bis zur Bewußtlosigkeit betrunken. Es war ein 25-Literfaß, das er bis ans 15 Liter geleert hatte. Das Faß hatte er einem seiner Nachbarn ans dem Keller geholt, und zwar, wie die Anklagebehördc an- nimmt,zur Nachtzeit aus einem bewohnten Gebäude, in das er sich in diebischer Absicht eingeschlichen." Er selbst will höchst erstaunt gewesen sein, als er sich mor­gens neben dem Faß fand und er beeilte sich, dem Be­stohlenen den ganzen Wein zu bezahlen. Der Ange­klagte, der sonst ein braver Mann ist, ans unglücklicher Liebe aber znm Onartalstrinker wurde, hatte aus dem Spundloch getrunken. Die Zeugen meinen, er sei jeden­falls schon etivas betrunken und infolgedessen nicht recht zurechnungsfähig gewesen, als er das Faß holte. Die Strafkammer konnte in der heutigen Verhandlung nicht seststellen, daß hier wirklich ein Diebstahl vvrlag. Die ganze Tat geschah offenbar doch zu sehr unter dem Ein­fluß des Alkohols, als daß sic dem Angeklagten als ein? gemeine Spitzbüberei angcrcchnct werden konnte.

st. Ei» Betriebsunfall der elektrischen Straßenbahn beschäftigte heute die Strafkammer. Am 22. Mürz d. I. hielt der Wagenführer Gustav Erb vor der Bcausite mit einem Motor- und einem Anhängewagen. Als er den letzteren loskoppelte, sauste der befreite Wagen bergab nach der Elisabethenstraßc und rannte in der Nähe des früheren Kriegerdenkmals auf einen mit Passagieren besetzten Motorwagen. Zwei Personen wurden verletzt, glücklicherweise nicht erheblich; der Materialschaden da­gegen war ein sehr erheblicher. Das Schöffengericht, vor dem sich Erb zuerst zu verantworten hatte, verur­teilte ihn wegen fahrlässiger Transportgefährdung zu einer Geldstrafe von 15 M., wobei es mit der Anklag:- behördc annahm, daß der Angeklagte für den Unfall ver­antwortlich sei, weil er die Bremse nicht anzog, bevor er den Wagen abkoppelte. Erk legte gegen das Urteil des Schöffengerichts Berufung ein mit der Begründung, das Anziehen der Bremse sei nicht seine Obliegenheit ge­wesen, er habe auch nicht die Verpflichtung gehabt, vor dem Abkoppeln sich von dem Zustand der Bremse zu überzeugen. Die Berufungsinstanz kam zur Vertagung der Verhandlung, da es notwendig erschien, über die Instruktion des Wagenführers einen Sachverständigen zu hören. Als solcher soll Herr Direktor Klisscrath ge­laden werden.

Ein dreister Diebstahl wurde in der Nacht zum Samstag an der Schönbergstraße in Dotzheim ans- gcsührt. Die Rheingauer Elektrizitätswerke ziehen da­selbst eine Hochfreilcitnng zu. der Merkelbachschen und Linncnkohlschen Fabrikanlage. Der Knpferdraht, etwa 250 Pfund, wurde abgeschnitten und entwendet. Über die Täter konnte bis jetzt nichts ermittelt werden.

Glück im Unglück. Am Freitagmorgcn sollte eine Frau R., Adlerstraße 40, im Krankenhaus zum Roten Kreuz an der Schönen Aussicht zur Aushülfe arbeiten. Zur Frühstückszeit wurde sie vom Aufzug an Arm und Kopf gefaßt, und es wäre ihr wohl der Kopf vom Leibe gerissen worden, wenn nicht der brave Heizer infolge