N- 360.
Morgen Ausgabe.
». Klatr.
Ksttirtas,
s. August 1906
51. Jahrgang.
« *.♦♦**■*«**♦»■*♦*»«>»»» *♦***» »»»**»* 4**
Zwei Worte sind cs, mit welchen sich die Aufgaben des Ackerers wie des Kritikers genügend bezeichnen lassen: Pflügen und Pflegen. Das Erdreich zu durch- furchen, es von Steinen zu befreien und das Unkraut ausznjäten, das ist die eine Pflicht, die aufsprossenden Pflanzen zu warten und zu schirmen, die andere.
Heinrich Hart.
ii¥mW9W¥*W¥&WW¥WWW¥W¥¥¥W¥W¥¥¥*WT¥¥¥*v*
(29. Fortsetzung.)
Eröfluch.
Von V. Blasco Jbancz.
Autorisierte Übersetzung von Wilhelm Thal.
Pimento lag platt auf der Erde, stieß ern dem Schnarchen ähnliches Gejammer aus, und das Btur stoß strom- weise aus seinem gespaltenen Schädel.
Der ältere Terrerola eilte seinem Rivalen mit der brüderlichen Bereitwilligkeit der Trunkenbolde zu Hülfe; er warf Batiste wilde Blicke zu, schimpfte aus ihn und suchte mechanisch in seinem Gürtel nach einer Waffe, um zuzustoßen.
Die Friedlichsten entflohen über die Feldwege und drehten dabei mit ungesunder Neugier den Kopf; die andern blieben, zu allem bereit, stehen; ein jeder war fähig, seinen Nachbar zu zerfleischen, ohne zu wissen warum, doch keiner wollte zuerst angreifen. Die Knüttel erhoben sich, die Messer blitzten in den Gruppen, doch niemand näherte sich Batiste, der sich langsam, den blutigen Schemel in der Faust, zurückzog.
Er konnte so den kleinen Platz verlassen, betrachtete aber noch immer mit herausforderndem Blick die Schar, die den niedergeschmetterten Pimento umgab: ganz
tapfereMenschen, die sich aber doch von derEnergic dieses Mannes bezwungen fühlten. Als er sich auf der Landstraße in einiger Entfernung von der Schenke befand, begann er zu laufen und warf bei seinem Hause den schweren Schemel in einen Kanal, nachdem er entsetzt den schwarzen Fleck betrachtet hatte, den das bereits getrocknete Bült auf dem Holze bildete.
X.
Von nun an hatte Batiste jede Hoffnung aufgcgcben, ruhig auf seinen Ackern leben zu können. Wieder einmal erhob sich die Huerta in dichter Masse gegen ihn. Von neuem mußte er sich mit den Seinen in sein Häuschen vergraben, sich wie ein Pestkranker zu einer ewigen Einsamkeit verdammen, und er kam sich vor wie ein Raubtier im Käfig, dem man aus der Entfernung die Faust zeigt.
Am Tage nach der Prügelei hatte seine Frau ihm erzählt, wie Pimento nach Hause gebracht worden war. Eine wahre Kundgebung! Die heulende Menge von Copas Gästen hatte ihm unter wilden Drohungen gegen Batiste des Geleit gegeben. Die Weiber, die infolge der wunderbaren Schnelligkeit, mit der die Neuigkeiten in der Huerta sich verbreiten, bereits von allem unterrichtet waren, traten auf den Weg, um den mächtigen Kämpen in der Nähe zu sehen, der sich für das öffentliche Wohl geopfert hatte, und ihn wie einen Helden zu bejammern. Sogar die sich vorher noch über seine Wette entrüsteten, jammerten jetzt über ihn, fragten, ob die Wunde ernst wäre, und erklärten, man müsse Rache an dem Hungerleider, dem Diebe nehmen, der nicht zufrieden, das Eigentum eines anderen an sich zu reißen, ihnen jetzt auch noch Schreck und Angst einjagte und anständige Leute angriff!
Pimento benahm sich großartig. Die Wunde tat ihm sehr weh, er stützte sich beim Gehen auf die Schulter eines seiner Freunde und hatte den Kopf mit Bandagen umw'ckelt, gleich einem Eece Homo, wie die entrüsteten Klatschweiber sagten; doch er bemühte sich, zu lächeln, und jedesmal, wenn man ihn zur Rache anspornte, antwortete er mit prächtiger Geste:
„Ich werde ihn schon züchtigen, darauf verlaßt euch!"
Batiste zweifelte keinen Augenblick, daß diese Leute sich tatsächlich rächen würden. Doch er kannte das in der Huerta übliche Verfahren- Die Stadtjustiz war für dieses Land nicht geschaffen, wo selbst das. Zuchthaus wenig bedeutet, wenn es sich um die Befriedigung emer Rache handelt. Braucht ein Mann Richter und Polr- zisten, wenn er gute Augen und ein Gewehr zu Hause hat? Was man unter sich abzumachen hat, muß man eben unter sich erledigen.
Und tatsächlich gingen am Tage nach der Prügelei zwei lackierte Dreimaster ganz umsonst durch die Feldwege; &£ pendelten zwischen der Schenke Eopas und Pimentos Hause hin und her und stellten unsinnige Fragen an die Bauern, denen sie auf dem Felde begegneten. Niemand hatte etwas gesehen, niemand wußte etwas. Pimento erzählte mit dem Lachen eines blöden Tieres, ex wäre infolge seiner Wette auf dem Nachhausewege gegen die Bäume der Landstraße gerannt und hätte sich selber den Kopf zerschlagen. Kurz und gut, die lackierten Dreimaster mußten in ihre Kaserne nach Alboraya zurückkehren, ohne über die _ dumpfen Gerüchte von der Prügelei und dem vergossenen Blut, die bis zu ihnen gedrungen waren, etwas Genaues erfahren zu können.
Tsiese Großmut des Opfers und seiner Freunde war Batiste verdächtig, und er beschloß, beständig auf der Hut zu sein. Die Familie kehrte wie eine erschrockene Schnecke in ihr Haus zurück und vermied wohlweislich jede Berührung mit der Huerta. Die Kleinen gingen nicht mehr zur Schule; Roseta hörte auf, in der Fabrik zu arbeiten. Batistet setzte nicht mehr den Fuß aus dem Gehöft. Der Vater war der einzige, der noch ausging. Er war ebenso vertrauensselig und sorglos, wenn.es sich um seine eigene Sicherheit handelte, wie er für die Seinen besorgt und ängstlich war. Doch unternahm er keine Reise mehr nach der Stadt, ohne sein Gewehr mitzunehmen, das er in der Vorstadt bei einem Freunde ablegte, während er seine Geschäfte besorgte.
Teresa war ebenso traurig wie bei Pascualets Tode. Jedesmal, wenn ihr Mann dieLäufe der Waffe säuberte, die Patronen auswechselte oder den Hahn spielen ließ, um den Mechanismus zu erproben, jedesmal kam ihr das schreckliche Abenteuer des Vaters Barret in den Sinn. Sie sah Blut, dachte an den Schwurgerichtshof und verfluchte den Tag, wo sie sich auf diesen Unglücksfeldern niedergelassen hatten. War Batiste von Hause fern, so verlebte sie Stunden der Angst, während sie auf den Mann wartete, der noch immer nicht kommen wollte. Jede Sekunde öffnete sie die Tür, um auf den Weg zu blicken, und sie zitterte jedesmal, wenn in der Ferne der Flintenschuß eines Schwalbenjägers knallte; sie fürchtete, das könne der Anfang einer Tragödie sein, dieser Schuß könne dem Oberhaupt der Familie den Kopf zerschmettern oder ihn ins Zuchthaus bringen, und erschien Batiste dann endlich, so schrien die Kleinen vor Freude, Teresa lächelte und trocknete sich die Augen, Roseta stürzte auf ihren Vater zu und umarmte ihn, und selbst der Hund sprang unruhig schnuppernd an ihm empor, als hätte er an der Person seines Herrn die Gefahr gewittert, der dieser sich ausgesetzt.
Doch je mehr die Zeit verrann, desto ruhiger wurde Batiste; er fühlte sich kühner, selbstbewußter und be- gamr über die Angst seiner Familie zu lachen. Er glaubte sich jetzt in Sicherheit. Mit diesem prächtigen „zweistimmigen Vogel", wie er das auf seiner Schulter hängende Gewehr nannte, konnte er ohne Furcht durch die ganze Huerta schweifen; wenn er in so guter Gesellschaft war, taten feine Feinde, als bemerkten sie ihn nicht. Manchmal hatte er sogar aus der FcrnePimento gesehen. Wie er mit umwickeltem Kopf in der Huerta auf und tb stolzierte. Der Prahlhans war ihm, obwohl er sich von seiner Wunde erholt hatte, ausgewichen; er fürchtete eine Begegnung vielleicht noch mehr als Batiste.
Jedermann sah ihn mit scheelen Augen an, doch niemals hörte er auf der Landstraße von den benach
barten Äckern her ein beleidigendes Wort. Dean begnügte sich, ihm verächtlich den Rücken zu drehen, neigte sich über die Furchen und arbeitete fieberhaft, brs er außer Sehweite war. Der einzige, der noch mit ihm sprach, war Vater Tomba, der fast blinde Schäfer, der ihn trotzdem mit seinen lichtlosen Augen erkannte. Aber stets wiederholte der Alte ihm dasselbe: Er wollte also die verfluchten Äcker nicht aufgeben?
Batiste hörte mit einem Lächeln das ewige Lred deS Alten an. Mit der Gefahr vertraut, hatte er sic nie weniger gefürchtet als jetzt. Er empfand sogar eine Art Vergnügen, ihr zu trotzen und gerade auf sie loszugehen. Seine Heldentat in der Schenke hatte seinen so sanften und geduldigen Charakter verändert und schließlich eine Keckheit in ihm geweckt, die an Aufgeblasenheit streifte. Er wollte diesen Leuten beweisen, daß er sie nicht fürchtete, und daß der, der Pimento den Schädel gespalten, auch imstande war, auf die ganze Huerta zu feuern. Er wollte auch eine Zeitlang ein Prahlhans und ein Aufschneider werden, wie Pimento, um sich Achtung zu erzwingen, dann würde inan ihn schon in Ruhe lassen.
Als er diesen gefährlichen Weg einmal betreten hatte, ließ er seine Felder im Stich und verbrachte unter dem Vorwände, Schwalben zu jagen, ganze Nachmittage auf den Fußpfaden der Huerta; in Wirklichkeit aber hielt er sich nur hier auf, um den Leuten sein Gewehr und seine wenig beruhigende Miene zu zeigen.
Eines Tages war er nach dem Sumpfe von Carraixei gegangen, um dort Schwalben zu jagen.
Dieser Sumpf durchschneidet die Huerta wie ein tiefer Spalt. Mit seinen stehenden und übel duftenden Wassern, seinen schlammigen Ufern, in denen man hier und da, wie eingegraben, verfaulte Pirogen bemerkt, bietet er einen trostlosen, düsteren Anblick. Niemand ahnt, daß die Ebene hinter den hohen Böschungen jenseits des Schilfes und des Röhrichts ihre lachende, grüne Fülle zeigt. Selbst das Sonnenlicht wird in diesem Sumpflabyrinth düster; es erscheint hier nur von der üppigen Vegetation gedänipft und spiegelt sich mit blassem Schimmer in den toten Gewässern.
Die unermüdlichen Schwalben kreuzten sich ohne Ruh und Rast in ihrem launenhaften Flug, dessen seltsame Arabesken die mit Schilf bewachsenen Gewässer wiederspiegelten. Batiste brachte den Nachmittag damit zu, auf die herumwirbelnden Vögel zu schießen; schon hatte er in seinem Gürtel nur nach eine kleine Anzahl von Patronen, und zwei Dutzend Vögel bildeten zu seinen Füßen einen Haufen blutiger Gefieder. Ein königliches Mahl! Wie würde man sich zu Hause freuen! Er ließ sich vom Sonnenuntergangs überraschen. In der Ferne wurde es schon dunkel; die Teiche strömten einen widerlichen Geruch, den vergifteten Hauch des Sumpffiebers aus. Die Frösche quakten zu Taufenden, als wollten sie die aufgehenden Sterne begrüßen; sie waren glücklich, daß sie nicht mehr diese Schüsse hörten, die ihren Gesang unterbrachen und sie nötigten, ängstliche Kopfsprünge zu machen, die das glatte Krystall des stehenden Masters zerrissen^ Nun hob der Jäger hastig sein Wildpret auf, hing es sich an den Gürtel, überschritt in zwei Sätzen die Böschung und schlug durch die Feldwege die Richtung nach seiner Hütte ein.
Der Himmel, der noch in dom schwachen Lichte der Dämmerung schimmerte, zeigte eine sanft-violette Färbung; die Gestirne zogen auf, und die ungeheure Huerta ließ jene tausend Laute vernehmen, die vcr- kiinden, daß das Leben mit dem Einbruch der Nacht cinzuschlafen beginnt. Die Arbeiter, die aus der Stadt zurückkehrten, eilten über die Wege, die Männer kamen von den Feldern, die ermüdeten Tiere zogen den schweren Pflug nach Hause, und Batiste erwiderte: „Dona nit!" auf das „Ilona nit!", das ihm alle Personen, denen er begegnete, zuriefon: Leute aus Alboraya, die ihn nicht kannten oder wenigstens nicht dieselben Gründe zum Hasse hatten, wie seine nächsten Nachbarn.
(Fortsetzung folgt.)
^ o s;
LZ«
3 % j*
pe; o l,
Sö I I gs
,2 'Ö C8 §•* « 'S fpM
05 -ö •§ 1®
S 5 fl
1 I K
« .3 2
02 O g
® .3 2 ® 2 ä
<g c r* 1—1 a> * M * öS sä £
k
r Ö
Jede kluge und praktische Hausfrau
sammelt nur Nitssbanmg g^l*l91&0 Rabattmarken, denn -wirklich schöne u. wertvolle Hans- und Küchengeräte, sowie Schirme, Vasen, Uhren und Bilder ete. liefert gegen grüne Rabattmarken nur das
(Ksari Mu^baum)
Inh.: Fritz Ellinger.
Kleine Langgasse 7.
«" 3ti!ereffe »
Säufer -Ä. SMiuren.
In meinem Schaufenster MichelSbcrg 9 a habe ich auf kurze Zeit eine Anzahl feinerer Dchnhwaren» vorwiegend Einzclpaare, zn AnsvertanfSpreifen ausgelegt und mache anf dieses ungewöhnliche Angebot hiermit aufmerksam. Jedes Paar wird ans dem Fenster heraus verkauft. Anf sonstige der Saison unterworfenen Schnhwarcn gewähre vis zu SV “Io Rabatt. Max s. Wreschner, MichelSbcrg 9a, neben d. Polizeirevier.
Preis
»r,
Ä der Schönheitspflege.
» ined. Cwordon in Hamburg 5. 1 116
UftrfifhP täglich frisch, zu verkaufen. Näh.
Richlstr. 3, 1 St. «■ Biraft.
Lager in amerik. Schuhen.
Aufträge naoh Maass. 1781
Sleru'aiin Stickdorn, Gr, Burgstrasse 4.
Apfelwein
liefert in bekannter Güte in Flaschen von 12 FL, im Faß von 25 Ltr. an die
Aitfelwcinkelterei von
JLmiis
jetzt (äöbenstr. AS.
