54. Jahrgang.
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Unsere fremdsprachigen Mitbürger.
Wir haben in den Reichsgrenzen Franzosen, Dänen nnd Polen. Die Formen, in denen sie aus die deutsche Herrschaft reagieren, waren nicht immer dieselben. Es hat Zeiten gegeben, wo die Polen nahe daran waren, als Regierungspartei angesprochen zu werden, während zur seiden Zeit die Franzosen in Lothringen dem schärfsten Protestlertum verfallen waren. Nur in der Stellung der schleswigschen Dänen zu uns hat sich eigentlich kaum je etwas geändert. Von diesen drei fremden Völkern in den Reichsgrenzen sind die Dänen die an Zahl Geringsten, tue Polen, wie bekannt, eine Millionenmasse. Das Dänentum geht langsam zurück, das Franzosentum mag sich im wesentliche!: in seinem Bestände erhalten (nur in Metz hat es durch eine beträchtliche deutsche Einwanderung Einbußen erlitten), das Polentum erstarkt unausgesetzt. Gegenwärtig kann das Verhältnis der drei Völker zu uns und dem Reiche etwa so bestimmt werden: Die Franzosen halten sich sehr ruhig, bei den Dänen ist die Agitation lebhaft wie immer, bei den Polen ist sie noch lebhafter. Die Passivität der Franzosen mag damit Zusammenhängen, daß sie in der Hauptsache dem Klerikalismus ergeben sind, der es in Frankreich zurzeit nicht gut hat. Ihre Sehnsucht nach Frankreich wird so begreiflicherweise gedämpft. Die Dänen stehen in engsterVerbindung mit ihren Landsleuten imKönigreich, hie Polen bedürfen solcher Unterstützung kaum, sie fühlen sich aus eigener Kraft angrifssfähig genug. Nach dem Tode des Abg. Jessen wurde erzählt, der Verstorbene habe mit dem Unterstaatssekretär v. Mühlberg über die Verhältnisse in Nordschleswig eine Unterredung gehabt,
und Herr Mühlberg habe ihm eine Änderung des gegen- wärtigen Kurses in Aussicht gestellt mit dem Hinzu- fügen, die Tage des Köller-Kurses seien Wohl gezählt. Diese aus dänischer Quelle stammende Mitteilung ist, wie sich das von selbst versteht (es braucht aber mchts zu bedeuten), von den Berliner Offiziösen bestritten worden. Etwas Wahres wird gleichwohl daran sein. Wre wäre auch der Abg. Jessen dazu gekommen, eine Geschuhte zu erfinden, die der dänischen Propaganda eigentlich gar nicht nützlich sein kann? Alle Beurteiler von Land und Leuten Nordschleswigs stimmen darin überein, daß die Gewinnung der fremdsprachigen Bevölkerung . erleichtert wäre, wenn ein milderes System Platz griffe. Jedenfalls kann man sagen: Die Empfindungen des
überwiegenden Teils der öffentlichen Meinung bei uns für Dänemark und das dänische Volk sind so sympathisch, daß es wie eine Erlösung begrüßt werden würde, wenn, es gelingen sollte, die Beziehungen zu dieser an Zahl geringen, an Kulturfaktoren reichen Nation freundlicher zu gestalten. Deutschland als der weitaus Stärkere könnte dabei viel tun. Was das Polentum anlangt, so möchten wir uns heute darauf beschränken, die Beziehungen der preußischen Polen zu ihren Volksgenossen jenseits der Grenzen zu streifen. Man kanii nicht sagen, daß die namentlich in Russisch-Polen entstandene Bewegung stärkere Rückwirkungen aus die Polen in unseren Grenzen ausübt. Man hat nicht den Eindruck, als würden jetzt Hoffnungen rege, die im Endzweck aus die Erzwingung einer- Sonderstellung im Staatsverbande oder gar auf Losreitzung von ihm hinausgingen. Es ist freilich zu fragen, ob derartige Tendenzen in den Weichselgouvernements selber hervorgetreten sind. Spuren davon nimmt man wohl wahr, aber sie sind vereinzelt, und den Polen im Zarenreiche darf das Zeugnis ausgestellt werden, daß sie unbeschadet ihrer unbedingten Gegnerschaft gegen das Zarentum und den russischen Absolutismus klug genug siiid, die wirtschaftlichen Vorteile der Gemeinsamkeit mit einem großen Reiche zu schätzen. Als im Oktober des vorigen Jahres die Revolution in Rußland einsetzte, wurde vielfach erwartet, daß die Polen die Fahne des Separatismus schwingen, würden. In ihrer Masse haben sie es nicht getan. Sie sagten sich, daß es reichlich genügen würde, wenn die ehemals polnischen Gebietsteile Rußlands eine administrative Autonomie erhielten. Im übrigen aber möchten sie den russischen Absatzmarkt nicht verlieren, ohne den sie ja auch wirklich verloren wären. Und zu diesem Zwecke darf die Gemeinschaft mit Rußland nicht völlig gelockert werden.
Vielleicht ist es erlaubt zu sagen, daß ähnliche richtunggebende Stimmungen auch sür das Polentum innerhalb unserer Grenzen maßgebend sind, ohne daß
FeuUleron.
, Machdnilk tmbottn.)
AjlronmW KnnMil für den plonat AWst.
Von Felix Erber, Karlshorst-Berlin.
Die Heißeste Zeit des ganzen Jahres ist gekommen!
Mit der vollen Glut ihrer mütterlichen Liebe strahlt unsere Sonne zur kleinen Erde und deren Wesen herab, als wollte sie uns für die kommenden herbstlichen un- winterlichen Tage entschädigen, die mit ihrem Frost und ihren rauhen Winden unsere heimatliche Scholle umhüllen. -
Auch öer'Landmann fühlt dies; denn er gibt ans den Sonnenschein im August — so lästig er mit seiner „Hundstagshihe" auch den meisten Menschen sein mag — doch recht viel. >
„An Sankt Laurentius (10. 8.) Sonnenschein, Bringt dem Winzer vielen Wein!" sagt er und:
„Ist der August am Anfang heiß,
Dann wird der Winter streng und weiß!"
Ich alten Kalender der Römer war dieser Monat der sechste des Jahres. Darum hieß er auch „Sextilis" bis zur Zeit des Kaisers Angnstus. Die Liebedienerei des römischen Volkes gaben ihm dann den Namen ,Angnstus", um durch, ihn den Cäsar zu ehren. Karl der Große, dem jedes Eindringen römischer Sitte in sein Reich nnd römischen Brauches in der Seele verhaßt mar, änderte den Monatsnamen August in „„Aranmanoth", das ist der Sichel- oder Erntemonat, ab. Neben der alten römischen Bezeichnung hat sich auch dieser deutsche Name in vielen Gegenden unter dem Volke erhalten ....
Der diesjährige August zeichnet sich durch zwei Finsternisse aus, die aber leider in unseren Breiten nicht sichtbar sind. Es findet au: 4. August eine totale Moud- ttnö am 20. August eine partielle Sonnenfinsternis statt. Die erstere wird nur von den Bewohnern der westlichen Hülste Nordamerikas, Anstraliens, der südlichen Hälfte Asiens und von Madagaskar beobachtet werden könnest,
während die letztere — ein wenig interessantes Phänomen — nur im nordwestlichen Teile von Nordamerika, im westlichen Teile der Nordküstc Asiens und in den nördlichen Polargegenden sichtbar sein wird. Die totale Mondfinsternis dauert von 12 Uhr 4 Minuten (mittags) bis um 3 Uhr 44 Minuten Berliner Zeit. Die partielle Sonnenfinsternis aber beginnt nach unserer Zeit um 0 Uhr 47 Minuten nachts und endet um 3 Uhr 26 Minuten morgens. Etwa s / w des Sonnendurchmessers werden für die Bewohner jener Breiten, in denen die Finsternis wahrnehmbar ist, vom Monde bedeckt werden.
Unsere Sonne rückt am 24. August um 8 Uhr 10 Minuten nachmittags in das Tierkreisbild der „Jungfrau" ein. Ihr tieferer Stand am Himmel bewirkt, daß der Tag am 1. August um 8% Uhr und am 20. August schon vor 8 Uhr zu Ende ist. Sehr wahrscheinlich werden wir auch im August bald nach Sonnenuntergang jene prachtvollen Dämmerungserscheinungen wieder beobachten können, welche als ein Menetekel des Vesuvausbruches schon in den verflossenen Wochen die weite Himmelsglocke mit ihren rosigen Farben schmückten.
Im Monat August wird auch der Komet Finlay bald nach Mitternacht am Osthimmel zu sehen sein. Er geht aus dem Sternbilde des „Walfisches" durch dasjenige des „Stieres". Am hellsten ist der Komet Anfang August: ob er aber so hell wird, daß ihn der Laie mit einem kleinen Fernrohre auffindct, das ist sehr fraglich. Der Direktor des astrophysikalischen Observatoriums in Heidelberg Max Wolf hat ihn übrigens bereits auf- gcfunöen.
Im Gefolge der Planeten, die unsere Sonne würdevoll umwandeln, erreicht der Merkur gegen das Ende des Monats am östlichen Firmamente seine größte westliche Elongation. Er kann aber nur bei ganz klarem Wetter am dünstefreien Horizonte mit bloßem Auge, nnö zwar kurz vor Sonnenaufgang, gesehen werden. Die Venus im Sternbilde der „Jungfrau" ist auch im August noch unser Abendstern: aber die Dauer ihrer
Sichtbarkeit nimmt in diesem Monate merklich ab. Am 31. August steht sie mit dem hellen Sterne Spika in der „Jungfrau" in Konjunktion. Der Mars im „Krebs" bleibt im August unsichtbar. Der Jupiter, den wir
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Nnszcit von 8—1 n. 3—7 Uhr. x&w*
die polnischen Wortführer es zugestehen möchten, ja foW gar ohne daß sie sich des Sachverhalts völlig bewnßp zu sein brauchen. Es ist ja nicht nötig, erst noch zch untersuchen, was aus dem preußischen Polen Wohl wer* den müßte, wenn unklare Träumereien der Selbständig^ keit und wirklicher Loslösung vom preußisch-deutschen' Staatsverbairde Wahrheit werden könnten. Der Gedanke, daß es dahin jemals komme, ist so inhaltsleer, daß ihn die Polen selber nur wie eine entfernte Sehnsucht hegen mögen, mit seiner Realisierung aber kaum zu spielen wagen- Immerhin ist es ganz gut, sich ein* mal gelegentlich auszumalen, welche Zerrüttung es süp die Polen weit mehr als für uns mit sich bringen würde,' wenn unerfüllbare Wünsche doch erfüllt würden.
Politische Kberficht.
Amnestieftagc und liberale Presse.
Die „Amnestiefrage" veranlaßt die „Kreuz-Ztg." zu- Behauptungen, die richtig gestellt werden müssen, weil- sie geeignet sind, das Urteil des Kaisers irre zu führen/ Das konservative Hauptorgan tut nämlich so, als ob anläßlich der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares von: demokratischer oder liberaler Seite, im Hinblick auf dich Amnestie Kaiser Wilhelm 1. bei seiner goldenen Hoch-^ zeit, eine Anmestie vorher angekünöigt worden ist. Jni Wirklichkeit tauchte eine solche Nachricht zuerst in dep christlich-sozialen Zeitung „Das Reich" auf; erst als? später die liberale „C'ölu. Ztg." bestritt, daß die goldene Hochzeit von 1879 Gelegenheit zu einer Amnestie ge* geben habe,' wurde von liberaler Seite geschichtlich nach* gewiesen, wie damals, die Begnadigungen Kaiser Wilhelms I. beschaffen gewesen seien und wie der verewigte Herrscher ' über eine derartige Familienfeier als einen geeigneten Anlaß für eine Amnestie gedacht habe. Den christlich-sozialen Ursprung der Amnestiegerüchte in Erinnerung zu bringen, ist um so weniger überflüssig, als die „Kreuz-Ztg." behauptet: „Daß man damit zum mindester! den Schein erlveckte, als »volle man auf den Monarchen im Namen der öffentlichen Meinung eine Pression ausüben und daß man damit Sr. Majestät dem Kaiser den etwa schon gefaßten Entschluß wohl: verleiden konnte, hat man sicher gewußt und auch beabsichtigt." Die christlich-sozialen Kreise, deren Organ das „Reich" ist, werden nicht mit Unrecht erstaunt über die Rolle sein, welche die „Kreuz-Ztg." ihnen hier an* dichtet. Daß der liberalen Presse, die auf eine Amnestie: damals und jetzt bei der Geburt des Thronerben ge- chofft hat, intrigante Motive völlig fern liegen, wird kein Unbefangener bezweifeln. Führt die „Kreuz-Ztg." die an die Geburt des Thronerben anknüpfenden
im Sternbilde der „Zwillinge" finden, geht zu Beginn des Monats bald nach Mitternacht am Himmel auf. Am 10. August kommt der Planet dem Sterne Etha und am 20. August dem Sterne My in den „Zwillingen" bis aus einen halben Grad nahe. Der Saturn wird um die Mitte des Monats gegen 8 Uhr abends im Bilde des „Wassermanns" und am Ende des August schon um 7 Uhr dort sichtbar. Der U r a n u s rückt im Sternbilde des „Schützen" langsam vorwärts und kann dort nur mit einem großen Fernrohre aufgesunden werden, während der Neptun im Bilde der „Zwillinge" sich auch im August unserem Auge entzieht, denn er steht der Sonne noch zu nahe. Er wird aber nun allmählich miede? sichtbar.
Blicken wir am 1. August abends 10 Uhr zum gestirnten Firmamente auf, dann zeigen sich unserem Auge folgende Sternbilder, von Süden nach Norden zu gesehen:
Der „Steinbock", der „Wassermann", die „Fische", der „Pegasus", der „Delphin", der „Antinous", der „Adler", der „Schlangenträger", die „Schlange", die „Wage", die „Jagdhunde", der „Bootes", die „Krone", der „Herkules", die „Leier", der „Schwan", die „Andromeda", die „Cassiopeia", der „Cepheus", der „Drache", der „große Bür" und der „kleine Bür".
Über die kleine Erde spannt die stille Nacht den zarten Sterncnschleicr und träumend hängt unser Auge an ihm, als suchten wir dort oben nach einer verwandten Stimmung in unserem eigenen Herzen. Da blitzd cs plötzlich am Himmel auf. Ein flammender Stern schießt über unseren Häuptern dahin und läßt einen langen, lichten Schweif zurück. Bald darauf flammt wieder einer im grünen Lichte, dann immer mehr in allen Farben. Der Funkenregen wird dichter und lebhafter, als hätten die Götter des Olymp zu festlichem Gelage sich ein seltenes Feuerwerk angebrannt. Es sind Sternschnuppen» die im lichten Reigen durch den dunklen Äther ziehen, und mehr als tausend Jahre hat es bedurft, der Menschheit zu zeigen, daß sie nicht Erscheinungen unserer Atnw- sphäre, sondern jenseits derselben zu suchen seien. Auf diese „fliegenden Lichter" am nächtlichen Firmamcntc, - V 'C, der Astronom oft in großer Zahl voraus verkündet»
