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s«. Jahrgang.

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_ 1. Wtertt._

fit neueste UiMstallung der höheren Kchulen in Möriteulderg und die preußislhen Anstnlten.

Von Hochgeschätzter fachmännischer Seite wird uns geschrieben:

Die Kunde über eine im nächsten Herbste in Kraft tretende Reform der höheren Schulen in Württemberg, sdte unter dem Titel:Verkürzung der Arbeitszeit in den hüHeren Schulen" in Nr. 810 desWiesbadener Tagblatts" vom 7. Juli d. I. mitgctcilt war, hat viel­leicht in manchem Leser den Wunsch erweckt, die ent­sprechenden Verhültnifle in Preußen genauer kennen zu lernen und sich so durch Vergleichung ein sachliches Urteil darüber zu erwerben, inwieweit Württemberg mit dieser Reform demführenden Staate" Deutsch­lands wirklich vorauseilt oder ihm in seinen schon be­stehenden Einrichtungen etwa erst nachfvlgt. Deshalb seien unter kurzer Hervorhebung der Hauptpunkte dieser geplanten Veränderung die gleichstehendcn, für die preußischen Gymnasien gültigen Bestimmungen und ^Zahlen angegeben, mit denen sich die für die Real­gymnasien und Oberrealschulen im wesentlichen decken, abgesehen von einer etwas höheren Unterrrchtsstunöcn- zahl ar: den letzteren Anstalten. Die württembergische Schulrcfvrlii bezweckt folgende hauptsächlichen Änderun­gen: Herabsetzung der Nnterrichtsstunüenzahl, zmnal in den beiden antiken Sprachen, Verstärkung des Turn­unterrichts, Einführung einer gewissen Wahlfreiheit im Unterrichte der oberen Klassen, Verminderung der ge­einten täglichen Arbeitszeit, insbesondere der Haus­arbeit der Schüler. Die Gesamtzahl der wöchentlichen Pflichtstundenzahl am preußischen Gymnafium betrug Seit 1892 252 und wurde im Jahre 1901 auf 259 erhöht, da sie sür die Bildungszielc der höheren Schulen sich als nicht ausreichend erwiesen hatte. So wird Württem­berg, das seine bisherige höhere Stundenzahl künftig auf 258 Wochenstunden ermäßigen will, damit dem preußischen Zustande erst jetzt im wesentlichen glcich- ikommen. Im lateinischen und griechischen Unterrichte wird es sogar nach feiner geplanten Verringerung der Stundenzahl die preußische Bescheidenheit den antiken -Sprachen gegenüber nicht einmal erreichen, da seinen künftigen 74 lateinischen und 38 griechischen Stunden in Preußen nur 68 (nach dem Lehrplane von 1892 sogar nur 62 N bezw. 36 Stunden entsprechen.

Eine stärkere Betonung wird in Württemberg künf­tig die körperliche Ausbildung der Jugend erfahren, indem neben den bisherigen 2 Turnstunden ein ver­bindlicher Spiclnachmittag unter Weglassung der Haus­aufgaben eingesührt werden soll. Auch in diesem Punkte tritt Württemberg hauptsächlich in die Futz- tapscn Preußens, das die Wahrheit des Satzes: Lisas

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Feuilleton.

(Kadfttuct otrtottn.)

Zerörnanö von Saar.

Wie das Ende eurer seiner dunklen tragischen ,Novellen, so klingt uns die Kunde von dem Tode des Meisters selbst düster in der Seele. Zypressendunkel rst der Schluß dieser trauervollen Geschlchtcn, in denen starke und große Menscherr so verzweiflungsvoll mit dem Leben ringen und ein fassungsloses Fragezeichen am Schluß ausgerichtet ist über die sinnlose Grausamkeit des Schicksals. Der Selbstmord, den der greise Dichter sich selbst im schaudervollcn Seelenkampf gewählt, er ist stuch die einzige Lösung so mancher tragisch verstrickter Gestalten seines Werkes.Aber dennoch selig sind die frühe Verstorbenen!" so hat er seine ergreifendePali- stodie" begonnen, und obgleich ihm der Herbst des Lebens die reifsten Früchte geschenkt und die Schönheit des Schaffens sein Alter vergoldet hat, so hat er sich doch wie der Held seiner NovelleSchloß Kostenitz" ini Tiefsten seiner Seeleden erlösenden Tod" gewünscht, der ihn vor qualvollem Leiden bewahre. Ein tragischer Ton der Verbitterung, der tiefen Melancholie und Welt­verachtung ist gerade über die letzten Werke des Dichters gebreitet. Sein Lebensherbst war nicht das sanfte Glühen ruhig tiefer Erfüllung, von den» er gesungen, sondernüber kahle, fahle Hügel Streicht der Dämmerung kühler Füge!: Dunkel wie erstarrte Träume Stehn im Tal entlaubte Bäume." Ein fröstelndes Gefühl der Verlassenheit umfing den greisen Men: m letzten, schmerzenstiesen Sonetten ließ er seiner Seele Weh ausströmen, wie er jahrzehntelang un­bekannt und verachtet nach dem Ziele gerungen habe und wie die spate Anerkennung die Träume seiner Er­innerung nicht erhellen könne. In stolzer Mcnschcn- veracküuna schloß er sich ab und vries die Philosophie

sana in corpore sano schon längst verständnisvoll würdigt und schon seit 1892 dank der kraftvollen Anregung unseres Kaisers dem Turnen 3 Wochenstunden in mög­lichst kleinen Abteilungen zugewiesen hat. Von dieser Zeit wird reichlich ein Drittel dem Spiel gewidmet, und wo es angeht, werden die dritten Turnstunden auch jetzt schon in Spielnachmittage auf freien Plätzen ver­wandelt. Auch ist die Frage, in welcher Form ein all­gemein verbindlicher Spielnachmittag sich in die gesamten Interessen der Schule eingliedcrn läßt, schon eingehend erwogen worden. Das Haupthemmnis für seine tat­sächliche Einführung bilden weniger grundsätzliche Be­denken, als vielmehr ein sachliches Hindernis, der Mangel an geeigneten Spielplätzen, die um so schwerer zu beschaffen sind, je größer die Orte, je weiter also die Entfernungen und je höher die Bodenpreise sind.

Das kleine Württemberg mit der ausgeprägteren Ländlichkeit seiner Siedclverhältnissc hat darin dem an Großstädten überreichen Preußen einen Vorteil voraus, dessen gedeihliche Ausnutzung mit Freuden zu begrüßen ist,' aber man muß der Hoffnung leben, daß auch in Preußen diese Frage überall eine befriedigende Lösung finden werde. Denn sie ist für unsere Jugend von hoher Wichtigkeit, und so sollte die Herrichtung von aus­reichenden Spielplätzen allerorts von Staat und Stadt als eine gemeinsame dringende Aufgabe angesehen wer­den, deren Bewältigung selbst unter erheblichen Auf­wendungen von Geldmitteln. - des Schweißes der Edlen wert sei. Dabei mag aber doch vor einer der heutigen Betrachtungsweise naheliegenden Übertreibung gewarnt werden. Das freie Spiel der Schulkanrcraden birgt gewiß so köstliche Werte für eine frohe und tüchtige Entwicklung der Jugend in sich, daß es auch in den Einrichtungen der Schule seine Stätte haben mutz. Aber man hüte 'sich, es zum Alleinherrscher aus dem Turn­platz machen zu wollen! Nur durch eine Vereinigung von Marsch-, Ordnungs-, Geräteübungen und Spiel kann das Turnen seinen vollen Segen für die Aus­bildung von Stärke, Gewandtheit und Schönheit des Körpers und für die Entfaltung sittlicher Kräfte auS- üben. Ob es freilich angängig ist, die Einführung eines verbindlichen Spielnachmittags mit einer vollen Befrei­ung von häuslichen Schulausgaben für den folgenden Tag zu verbinden, oder ob man sich mit einer sachcnr- sprechenden Ermäßigung der häuslichen Arbeit begnügen muß, das in der Praxis zuerst ausznprobieren wirb Preußen Württemberg gern überlassen. Die Ansprüche, die das heutige Leben an die geistige Rüstung der zu vollbürtigcn Trägern und Förderern der Kultur be­rufenen Jugend nun einmal stellt, sollten dabei ein sehr gewichtiges Wort mitsprechcn. Man strebe danach, das eine zu tun, nämlich den Körper zu stärken und das andere Höhere nicht zu lassen, nämlich den Geist gründ­lich öurchzubilden: und wenn man früher nach der einen Richtung hin gesündigt hat, so wahre man sich jetzt vor wohlgemeinter, aber schädigender Einseitigkeit nach der anderen Seite hin!

Schopenhauers, zu dem dasLeid der Edlen flüchte" und den die Befreiten segnen, die erzu der Erkenntnis er- habenen Gipfel" emporgcführt habe.

Die Jung-Wiencr Dichter haben in Saar den Alt­meister ihrer Poesie verehrt: schon zum sechzigsten Ge­burtstag sang ihm Hermann Bahr ein Loblied und zu seinem siebzigsten ist die geräuschvolle Fülle äußerer Anerkennuriq "reichlich auf ihn herabgeregnet. Er aber fühlte erbarmungslos und tief, wie wenig dies alles dem innerlichsten Wesen seiner heilig verschlossenen Kunst gerecht werde, wie fremd ihm, der nach dem Höchsten ge- rungen, die gutmütige Anerkennung der Jüngsten war. Er rang von dem Tage an, da er als noch junger Offizier das Schwert an den Nagel hing und sich ganz der göttlichen Dichtung weihte, nach den: unsterblichen Lorbeer des Dramatikers, und es war die tiefe Disso- nanz seines Lebens, daß es ihm hier nicht gelang, große Meisterwerke zu schaffen: er fühlte selbst, daß seinem in Erinnerung cingesponnenen, beschaulich erzählenden Talent die fortreißendc Gewalt und der große Wurf dramatischer Gestaltung versagt war, aber seine Dramen waren doch so mächtig angelegte, in so hingehendem Ernst geschaffene Werke, daß ihn der kühle Anteil seiner Zeitgeirossen aufs tiefste verletzen mrrßte, wenn er sah, ivie viel eitlen und oberflächlichen Tand sie jubelrrd emporhoben. Seine am frühesten entworfenen, wcrrn auch erst spät veröffentlichten Schauspiele, die. wild da- herstürmende LeidenschaftstragödieTempesta" und das theatralisch grelle, aber kraftvolle Volksschausviel Eine Wohltat" suchten im feurigen Ansturm die Welt der Bühne zu erobern. Doch in den beiden Dramen Kaiser Heinrich IV." wandte er sich auf d-n, Spuren Grillparzers einem gedankenreicheren, persönlich ver­tieften Gestalten großer Weltprobleme zu, und sein stolzes, großgeartetes' Werk steht weit über dem den­selben Stoff beba-delnden Drama Wildenbruchs. Der Thassilo" (1886k ist dann das dnrchaeftihlieste Drama Saars, eine reife und wundervolle Schöpfung, die rn

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Bedeutungsvoll ist die in Württemberg beschlossene Einführung einer gewissen Wahlfreihcit der Fächer für die Prima, wenigstens der realistischen Anstalten, in­dem dort bestimmte. Gebiete der Mathematik ans dem verbindlichen Unterrichte ausgeschiedcn und nur als fakultative Lehrgegenstänüc wcitergesührt werden sollen. Auch die Idee hierfür dürfte die württembergischc Schul­verwaltung von Preußen übernommen haben. Schon seit einigen Jahren steht die Frage nach einer beschränk­ten Wahlfreiheit im Unterricht der oberen Klassen bei preußischen Schulmännern und zumal bei der Zentral­behörde des preußischen Schulwesens auf der Tages­ordnung, wie ja gerade von dort her jetzt ein frischer» vorwärtstreibcnöer Wtznö weht. Auch sind schon an einigen Anstalten verschiedene derartige Probefahrten gewagt worden. Aber so bestechend der Gedanke auch an sich ist, die schon zu einer klareren Selbsterkenntnis ihrer Fähigkeiten und Neigungen emporgediehenen Jünglinge auf Grund eigener Entscheidung ihrer Indi­vidualität gemäß sich entfalten zu lassen und so ihnen den Übergang zum Leben und zum Fachstudium zu er­leichtern, so ist doch diese ungemein wichtige und schwierige Angelegenheit für die Gesamtheit noch lange nicht spruchreif. Sie bedarf aus ideellen wie materiellen Gesichtspunkten der umsichtigsten Erivügung und Er­probung, da sie einmal eine beträchtliche Mehrgestaltnng der Unterrichtsanfgaben mit sich führen und somit einen nicht unerheblichen Mehraufwand an Lehrkraft erheischen wird, andererseits aber eine Fasiung erhalten muß, wo­durch die bei aller Verschiedentönung doch erforderliche Einheit der nationalen höheren Allgemeinbildung be­wahrt bleibt. Gut Ding will Weile haben. Die bis­herige vorsichtige Zurückhaltung der Schulverwaltung in dieser Angelegenheit, die von einer einheitlichen Regelung von oben her noch gänzlich absicht, aber der Tatensrenöe der einzelnen Anstalt keinen Stein in den Weg legt, ist nur zn loben. Mit der Form aber, die vielleicht später nach vielfacher Erfahrung der allge­meinen Einsührnng für wert erachtet wird, dürfte Preußen trotz Württembergs bescheidenem Borangang auch in dieser Hinsicht doch wohl das beste Gewehr in der Hand behalten.

Einen eingreifenden Unterschied zu den preußischen höheren Lehranstalten schafft die neue württembergischc Schulgcstaltung in bezug auf die Arbeitszeit der Schüler. Freilich aus den ersten Blick scheint auch hierin Übcr- cinstimnrung zu herrschen. Denn wenn Württemberg als Höchstmaß der Arbeitszeit für die oberen Klaffen den Achtstundentag und nach unten zu eine entsprechende Abstufung bis zn etwa 6 Stunden festsetzt, so entspricht das genau den Bestimmungen der im Jahre 1884 er­lassenen, umsichtigen und humanen Verfügung des Kultusministers v. Gotzler, in der auch für die oberen Klaffen 8 Stunden und in allmählicher Verringerung nach unten zn sür die unteren Klaffen 6 Stunden täg­licher Arbeitszeit als Höchstmaß gefordert wird. Indes diese Übereinstimmung ist nur scheinbar; denn um diese

dem Schicksal des letzten Baycrnherzogs, der sich rm tragischen Kampfe der siegenden Kaisermacht entgegen­stellt, viel Persönliches enthält. Auch Saar glaubte von sich, daß er in eine der Dichtkunst feindliche Zeit hincingeboren sei und daß auch sein Schicksal darin de-, stehe, als Epigone gegen widrige Strömungen zn kämpfen und doch von ihnen fortgerisjen zu werden. Saars Dramen sind Schöpfungen eines inbrünstigen Ringens um die Künstlersck)aft, Werke eines eignen und machtvollen Geistes, aber vollkommene Dichtungen sollte der Poet nicht auf diesem heiß erstrebten Gebiets schaffen, sondern in der Lyrik und in der Novelle.

Die Gedichte Saars sind merkwürdig ungleich: sie enthalten einige Landschaftsbilder, die mit leisen An- klängcn an Lenau melancholisch stille Stimmungen spiegeln und einen weichen Wohlklang atmen: sie ent- halten mehr reflektierende Poesien, in denen das Vor- bild Hebbels waltet und dle bei allen: Ernst des Wollens nicht 'recht Gestalt gewonnen haben. Die sozialen Fragen treten in einigen Gedichten besonders früh und stark hervor, wie er auch in seinemStetnklopfer" 1873 die erste Arbeiternovelle" geschaffen hat. Der trotzige Stolz des Proletariers, der auf die Arbeit seiner Fäuste pocht, kommt in demArbeitergrutz" schön zum Aus­druck, doch der Dichter ruft dem Arbeiter zu:Du ahnst nicht, wie ich hämmere und feile Tag für Tag- Und wie ich mich verblute mit jedem Herzensschlag!" Im­pressionistisch gesehene Schilderungen, die nicht nur von Eisenbahnen und Tclegraphendrähten sprechen, sondern auch die eintönig traurige Schönheit einer Ziegelei geben und den Landschcistsbildern moderner Natu­ralisten vorauseilen, finden sich. Daneben aber ent­faltet der Dichter ein wundervolles Formtalent, das in herrlichen Gebilden einer vollendeten Wortkunst hervor­tritt. Seine prachtvoll anschwellenden freien Rhythmen haben mit der modernsten symbolischen Knnch etwas Gemeinsames: er ist ein Meister des knappen, schön ge­schmiedeten Sonetts, in dessen enge Form er wie einst