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Samstag, 30, Juni 1906.

Seite 2,

WieslmderrSV TagblsZtt« Slbend-AuSgabe, 1. Blatr. No. 299.

Dank schulde man -dem Herrn Präsidenten Plate, dem der Redner sein Glas widmete. Mr. Macara gab dem Dank Der englischen Passagiere für die herzliche Aufnahme so­wohl in Bremen als aus derGneisenau" Ausdruck. 'Weitere Reden auf den Norddeutschen Lloyd und den Präsidenten Plate folgten. Dieser erwiderte für die ihm chargcbrachte Anerkennung mit Worten des herzlichen 'Dankes, indem er die Hoffnung aussprach, daß die ver­flossenen Tage zu einer gegenseitigen dauernden Freund­schaft führen möchten. Der Abend schloß mit einem Ball 'an Bord derGneisenau". Der DampferGneisenau" hat gestern abend um 7 Uhr Kiel wieder verlassen.

* Ausstandsbewcgnng. Eine von etwa 2000 Ever- führern besuchte Versammlung in Hamburg nahm den gestern von den Everführerbasen angebotenen, ab 1. Juli 1906 laufenden dreijährigen Kontrakt mit einer Lohn­erhöhung um 40 Pf. täglich an.

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AUSZEd.

Gsier eerch-M n g «mt.

Die feit sieben Wochen bestehende Aussperrung der ^Bauarbeiter in Wien ist beendet und eine Einigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern erzielt worden.

Der RcichSöuma-Präsident hat auf die ihm telegraphisch mitgeteiltc Resolution der Protestversammlung in Berlin, die sich mit den russischen Massakers beschäftigte, geant­wortet, die Duma danke für dieses Mitgefühl und für die guten Wünsche und schätze sich hoch, die Freundschaften Und Sympathien des großen Nachbarvolkes zu besitzen.

GtigjrM'S.

Die Blä'ttermeldung, daß zwischen Tittoni, Grcy und Cambvns ein Abkommen über Abessinien zustande ge­kommen sei, ist verfrüht. Es handelt sich lediglich ms Besprechungen. Ein Vertrag sei noch keineswegs abge­schlossen.

Schwei?.

Infolge der Weigerung Spaniens, das jetzige Handelsprvvisvrium unverändert zu verlängern, beschloß der Bnnöesrat, die Verhandlungen nicht fortzusetzen. Damit ist der Zollkrieg also erklärt. Der Differential­tarif, der den Weinzoll von 8 auf 80 Frank erhöht und andere Prohibitiv-Maßregcln enthält, tritt am 1. Juli in Kraft.

Tirrket.

Die Kammer der Insel Samos machte vorgestern der Pforte die telegraphische Mitteilung von ihrem einstim­mig gefaßten Beschlüsse, die Absetzung des Fürsten Vithynos wegen dessen Unfähigkeit und die Ernennung eines neuen Fürsten zu verlangen.

®Sp»n.

Wie dieDaily Trtvnna" ans Penang meldet, hat man t» Sarawak einen großen chinesischen Gehetmbunö entdeckt, der den Zweck hatte, die chinesische Regierung zu stürzen. Dieses Ziel verfolgt der Bund mit unmensch­licher Grausamkeit. Wer eS ablehnte, Mitglied des Bundes zu werden, oder Geld beizusteuern sich weigerte, büßte seinen Widerstand mit dein Leben

Die Nrvolulron in Nußlmrd.

hd. Petersburg, 80. Juni. Die Disziplinlosigkeit im PreobraschcnMi-Rcgiment vcranlaßte strenge Maß­nahmen, die für alle iuc Lager von Zarskoje-Selo ver­sammelten Regimenter getroffen wurden, um die Truppen schädlichen Einflüssen zu entziehen. Die Feld- gcndarmcrie ist in allen Punkten des Lagers verstärkt worden. Die Offiziere tragen zum größten Teil die Mit­schuld an der Disziplinlosigkeit, da sic lieber den Lebe- frnartn spielen als mit Leib und Leben Soldat sind. Sie erhalten gegenwärtig nur kurzen Urlaub nach der Resi­denz. Die allgmeiuen Manöver sollen in diesem Som­mer ausfallen und cs werden nur kleine Mcnrö-

feuüktsni.

(Nackdruck verboten.)

Berliner AimmNngZttlöer-.

Von Paul Lindenberg.

Wo« der WÄaschelrnte. Finsriziclle Sorgen. Der 1. Juli. Unsere Ferrisprech-Nöte. Klare und trübe Quellen. Scs-Lsthaftliche Wünsche. Julius Nobeiidergs 75. GebcMötüg.

DieBilder aus dem Berliner Leben".

In diesen drückenden Sommcrtagen verfolgen wir nun nicht gerade mit besonderem Interesse die neuesten 'Nachrichten aus unseren afrikanischen Schutzgebieten, die 'uns aus verschiedenen Gründen noch heißer machen können, aber eine in den jüngsten Tagen veröffentlichte Kunde berührte uns doch recht eigentümlich, jene, daß ein häufiger genannter Landrat v. ll. mit einer Wün - s ch e l r u t e die deutsch-südwepafrikanischen Gebiete be­reise.Warum in die Ferne schweifen . . . möchte

Man mit fragender Verwunderung ausrnfen. Wirklich .und wahrhaftig, wir wünschen uns doch wohl in der Überwiegenden Mehrzahl eine solche Wünschelrute, von der wir schon in frohen Jugendtagen geträumt, die man 'aber später doch noch viel besser verwenden könnte, wenn es sich um ernsteres Begehren handelt als um Zinn­soldaten und um ein gelungenes lateinisches Exer­zitium oder um die richtige Lösung einer algebraischen Aufgabe. Jetzt hat man andere Kopfschmerzen und da­mit andere Anliegen!

Meist recht materieller Natur sind die gegenwärtigen Wünsche im einzelnen wie im allgemeinen. Wird doch immer größer die finanzielle Belastung, von der jeder betroffen wird, der sich freut des rosigen Lichts! Gerad' dieser 1. Juli und der folgende 1. August bringt ja unserem Geldbeutel die verschiedenartigsten und leider dauerhaftesten Schlüpfungen. Wir wollen heute von den jZiaaretten und vom Bier gar nicht sprechen, auch nicht

vericrungen stattfinöen. Die Lagerzeit soll ebenfalls früher als gewöhnlich beendet werden. (L.-A.)

wb. Petersburg, 30. Juni. Die Petersburger Tele- graphen-Agcntur erklärt die Drahtmeldungeu mehrerer ausländischer Zeitungen, nach denen in vielen Städten Bessaraüiens Judenhetzen stattgesunden haben sollen, und nach denen die Bauern ans der Nachbarschaft zu Tausenden in die Städte gezogen seien, um an der Plün­derung teilzunehmen, für vollkommen erdichtet.

M. Petersburg, SO. Juni. Nach Meldungen aus Sinfcrvpol überfiel eine bewaffnete Bande das Gut eines gewissen Shcliabin im Kreise Dnjebrowsk, ver­wundete den Besitzer und raubte. 1800 000 Rubel in Geld und Wertpapieren, außerdem ein wichtiges Schrift­stück. Bier Räuber wurden verhaftet.

Nunmehr wird bekannt, daß die Entlassung des Palastkommanöanten von Petcrhos, des General Pleskow, und dessen Gehülfen deshalb erfolgte, weil durch ihre Nachlässigkeit Arbeiter, die der anarchistischen Partei angehörcn, in den Palast in Peterhof ein- dringcn konnten.

Der Hülfsverein der deutschen Juden erhielt von der russischen Grenze unter gestrigem Datum das nach­stehende Telegramm: Laut mehrfachen Nachrichten droht in Uman im Gouvernement Kiew für heute ein Progrom. Am 25. d. M. ging der Bürgermeister der Stadt Uman in die umliegenden Dörfer und reizte zum Progrom aus. Ein Offizier riet einem bekannten jüdischen Kaufmann, er solle für heute Uman verlassen. Der Hülfsverein hat sich sofort an einflußreiche Persönlichkeiten in Peters­burg um Intervention gewandt.

Gegen den Gendarmcrieoberst Mnrädow wurde gestern abend in der Warschauer Vorstadt Praga eine Bombe geworfen. Der Oberst wurde leicht verwundet: ein Begleiter und der Kutscher des Wagens, in welchem der Oberst fuhr, wurden schwer verletzt. Der Urheber deS Anschlages ist entkommen.

Das Kriegsgericht in Warschau verurteilte vor­gestern sechs Personen zum Tode, weil sie mit bewaff­neter Hand reisende Händler überfallen hatten. Gestern begann in der Zitadelle der Prozeß gegen fünf Offiziere, 2 Soldaten, 18 Zivilisten, welche angeklagt sind, eine geheime Organisation gebildet zu haben, um unter den Soldaten revolutionäre Schriften zu ver­breiten.

In Saratow wachsen die Agrarunruhen beständig. Zwei große Güter tm Kreise Atarski sind total verwüstet worden. Die Gutsbesitzer des Gouvernements Saratow haben bisher eine halbe Million Rubel Schaden erlitten.

hd. Kiew, 30. Juni. Seit den letzten Tagen schwirren alle möglichen Gerüchte über neue Judenhetzen herum, die gestern in Bialystok inszeniert werden sollten. Die Juden fliehen panikartig nach dem Auslande. Seit Tagen ist kein Platz mehr in den abgehcnden Zügen zu haben. Wie cS scheint, waren die Befürchtungen nicht grundlos, denn gestern erschien eine Kundgebung deS Generalgouverneurs, worin er im Hinblick auf die um­laufenden Gerüchte bekannt macht, daß nicht nur die Exzedenten, sondern auch die Anstifter dem Militärge­richt sofort überwiesen werden sollen. (L.-A.)

M. Budapest, 80. Juni. Viele russische Inden aus Bialystok und anderen Orten, wo Judenverfolgungen stattfandcn, flüchten nach Rumänien, wo sie jedoch in­folge des bekannten Juöengesctzes nicht geduldet werden. Sie treffen nun massenweise in Ungarn ein. Der Minister des Innern hat jetzt den Grenzbehörden eine noch unter Tisza erlassene Verordnung zur strengen Beachtung empfohlen, wonach russische jüdische Flücht­linge nur ein Durchzugsrecht in Ungarn haben.

Sitzung der Stadtverordneten

vom 28. Juni.

Vor Eintritt in die Tagesordnung macht der Vor­sitzende, Geh. Sanitütsrat Dr. Page n st e ch e r, den Vorschlag, die nächste und letzte Sitzung vor den Ferien mit Rücksicht aus die bereits am 13. Juli be-

vvn der uns Berlinern drohenden Lnsibarkeitsstcuer, die trotz aller Gegenwehr durchgehen wird, am unange­nehmsten werden wir zunächst die Reichs-Fahrkarten­steuer und die Erhöhung des Portos im Ortsverkehr verspüren, und manch recht unzweideutige Bemerkung konnte man schon in den letzten Tagen darob vernehmen. Aber was Hilst alles Knurren und BrummenBitte zahlen!" Das ist ja doch der Endrefrain, und man tut'S als geduldiger Staatsbürger, 's bleibt einem ja auch weiter nichts übrig, will man nicht hübsch in den Stadt- grenzen verharren oder seine Briefe höchst eigenbeinig und eigenhändig anstragen.

Doch halt, in letzterem Falle kann man sich doch etwas

entlasten-wir haben ja den F e r n s p r e ch e r ! O

jch, auch hier hat einer der Berliner Ausrufe mal wie­der recht:Es jiuge wohl, aber es jeht nicht!" Weiß der Kuckuck, was in den letzten vier Wochen, welche der Schreiber dieses außerhalb der teuren Vaterstadt ver­lebte, mit unseren Fcrnsprccheinrichtungen geschehen ist Sie Sache will nicht mehr klappen! Feinste Höflichkeit, liebenswürdige Ironie, männliche Offenheit, kraftvolle Energie, freieste Meinungsäußerung-nichts fruch­

tet! Unsere Fernsprech-Franlein hüllen sich tu cisigcS Schweigen, was inan ihnen bei der gegenwärtigen Wärme gar nicht verdenken kann, wir aber, wir uner­müdlichen Kurbeldreher, wir geraten tu siedende Hitze und ersehne» flehentlich die obige Wünschelrute. Oder gedenken zur sehr nötigen eigenen Beruhigung jenes Pariser Scherzes, der auch auf Berlin Anwendung fin­den könnte: In ein StcllenvermittclüNgSburcaii tritt eine Dame:Hören Sic, ich möchte eine Zofe haben, aber ich bin sehr nervös, kann unter keinen Umständen Widerspruch dulden, die Betreffende mutz unbedingt schweigen . . . Und der Ttcllenvcrmittler:Da kann ich Ihnen dienen, meine Gnädige, eine Telephonistin will ihr Amt verlassen, das wäre die Richtige für Sie . . . .!"-Mag ja sein, daß unsere Fernsprech­

ginnenden Schulferien am Mittwoch, den 11. Juli, statt­finden zu lassen und die Ferien bis zum 24. August ans- zudehuen, wenn keine eiligen Gegenstände eine Sitzung vorher verlangen.

Oberbürgermeister Dr. v. Ibell bringt die Stellungnahme des Magistrats in der Frage der Be­leuchtung des Kaiserplatz cs zur Kenntnis und zugleich den Standpunkt, den der Magistrat bezüglich der künftigen Beleuchtung der K a i s e r st r a ß e, der Wilhelm- und T « u nuSstratze einnimmt. Der Magistrat hat danach beschlossen, für den Katscrplatz elek­trische Beleuchtung durch drei Kandelaber mit je vier Bogenlampen in Vorschlag zu bringen. Die Beleuch­tung des Kaiserplatzes soll in Gemeinschaft mit der Eisenbahnverwaltung zur Ausführung kommen: bezüg­liche Verhandlungen sind eingeleitet. Ans die Stadt würden als Anteil an den Kosten 60 000 M. entfallen, Die Kaiser st ratze soll Preßgasbcleuchtung in einer Stärke von 1000 Kerzen pro Lampe erhalten und Gas- latcrnen mit einfachen Strümpfen in der Allee. Die Lampen sollen so eingerichtet werden, daß sich ihre Leuchtkraft auf 9000 Kerzen erhöhen läßt. Für den M Nseumsplatz ist elektrische Beleuchtung vorge­sehen: die Wilhelmstraße soll in der seitherigen Weise weiter beleuchtet werden, nur ist eine Verdoppelung der Kandelaber in der Allee und die Aufstellung einer Laternenreihc am Rande des Parkes vorgesehen. Der Kaiser Friedrich-Platz soll elektrisches Licht er­halten und die Taunusstraße eventuell eine verbesserte Gasbeleuchtung. Was den Magistrat zu dieser Stellung­nahme bewogen hat, waren einerseits finanzielle Rück­sichten, dann aber auch die Überzeugung, daß diese Art der Beleuchtung die zweckmäßigste und angenehmste ist. Wenn für die genannten Plätze und Straßen nur elek­trische Beleuchtung ei »geführt wird, dann verursacht das eine jährliche Ausgabe von 50 000 M., während mit der Hälfte dieses Betrages die Kosten einer guten und aus­reichenden Gasbeleuchtung bestritten werden können. Der Magistrat beantragt, für die Beleuchtung des Kaiserplatzcs einen Betrag von 50 000 M. in das außer­ordentliche Budget auszunehmen.

Stadtverordneter Simon Heß erklärt, er müsse cs sehr bedauern, wenn den Stadtverordneten über die Be­leuchtung der Kaiser-, Wilhelm- und Taunusstratze keine Vorlage gemacht werden soll, wie cs den Anschein habe. Er rnacht den Vorschlag, die Stadtverordneten möchten einen Initiativantrag stellen, daß eine derartige Vor­lage an sic gelange. In den vereinigten Deputationen sei die Abstimmung über diese Beleuchtungsfragen durchaus zugunsten des elektrischen Lichtes ausgefallen. Der Redner verwahrt sich dagegen, daß die drei schönsten Straßen Wiesbadens als Versuchskaninchen für Preft- gasbelenchturig benützt werden. In der heutigen Sitzung der Veleuchtnngskommission habe Herr Oberingenieur Schulte selbst einen großartigen Kommentar zur Frage der elektrischen Beleuchtung geliefert, indem er ausge­führt habe, wenn einmal elektrische Beleuchtung in der Wilhelmstraße eingeführt werden sollte, dann werde die vorgesehene elektrische Beleuchtung der Kuranlagen nicht ansreichen, sic werde dann zu sehr abfallen. Wenn die elektrische Beleuchtung der drei Straßen heute nicht cin- geführt werde, dann werde das sicher in zwei oder drei Jahren geschehen. Dann müßten die Straßen wieder einmal anfgerisscn werden. Man solle daher gleich ganze Arbeit machen. (Beifall.)

Oberbürgermeister Dr. v. Ibell erwidert, der Magistrat lege einen Antrag auf elektrische Beleuchtung des BahnhofsplatzeS vor, weil die dazu erforderlichen Mittel nicht in dem Etat eingestellt seien, und teile im übrigen nur mit, welche Absichten er bezüglich der Be­leuchtung der anderen Straßen habe. Die Stadtverord­nete» hätten ja die Wahl, die Sache an einen Ausschuß zu verweisen, der sich auch mit der Beleuchtung der drei anderen Straßen befassen könne. Wünsche zu äußern, stehe den Stadtverordneten jederzeit frei, rechtlich liege die Sache aber so, daß für die gewöhnliche Straßenbe­leuchtung und die Ausdehnung derselben der Magistrat, resp. die GaswerkSvcrwaltung zu sorgen habe. Zn die­sem Zwecke würden gewisse Mittel in LaS Budget ge­stellt. Wenn dagegen außergewöhnliche Mittel aufge-

Fräulein, deren schwierige und ermüdende Tätigkeit nicht unterschätzt werden soll, sich noch nicht recht ein- gearbcitet haben in die während der letzten Zeit vorgc- nomurenen Umwandlungen deS gesamten Betriebes oder daß sie in vielen Fällen überbürdet sein mögen, aber wie das noch werden soll, wenn sich Tausende und Aber­tausende wegen der Pvrtoerhöhung in ausgedehnterem Maße des Fernsprechers bedienen wollen, dessen gedenkt jeder mit Grauen, der auf den Bimmel-Apparat ange­wiesen ist!

Jst's nicht eine merkwürdige Ironie, Saß man in S ü dwcstafri k a große Hoffnungen auf die bewußte Wünschelrute setzt, während man sic so sehr gut in unse­rem eigenen Kolonialamte in der Wilhelmstraße verwenden könnte? In Afrika soll sic frisches Wasser spenden, hier sollte sie uns von dem trüben befreien! Denn cS scheinen recht trübe Quellen zu sein, anS denen verschiedene aufsehenerregende Nachrichten über unsere Kolvnialverwaltung und deren Bdamte in einzelne Zei­tungen sickerten. Ein großer SänbcrnngSapparat wird ja in Bewegung gesetzt wird er Äbtzülfe schaffen, vor allem dauernde Äbhülfc? DaS beste Mittel wäre ja auch hier, wettn überhaupt nichts zu verschweigen wäre.

Aber öaS mögen eben so fromme Wünsche bleiben wie die jener Neugierigen, die gar zu gern die ver­flossene Alice Rooscvelt, gegenwärtige Frau Senator Longworth, in Berlin gesehen hätten, um sie nach allen Richtungen der Kunst hin bewundern zu können. Hin und her wurde die Frage erörtert, ob Alicechen so gnädig sein werde, die deutsche RcichShaupt- siadt mit ihrem Besuche zu beehren, und man erging sich bereits in den verschiedensten Plänen, sie und ihren Prinzgemahl würdig zu feiern, aber nichts war'S mit der blendenden Aussicht, sich im Glanze deS Präsidenten- töchtekleius zu sonnen und daraus die nötige Reklame zu schlagen: für Alicechen gab's nur Kiel und das Kaiserschiff, und dann Adieu Deutschland!