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Der griechisch-rumänische Konflikt.

n. Athen, 14. Juni.

Griechenland hat seine Beziehungen zu Runiäin.'n offiziell abgebrochen und seine Konsuln in Bcaila, Galatz, Constantza, sowie seine Vizekonsuln in Kalasat, Sulina und Turnu-Magurel abberusen. Der griechische Gesandte in Bukarest war schon seit dem Septenwer 1005 auf unbestimmte Zeit beurlaubt. Weder die ver­mittelnden BemühungenÖsterreich-Ungarns noch die bis zu einem gewissen Punkte einander entgegenkommenden Bestrebungen der Regierungen in Bukarest und Athen, die vor sechs Wochen noch einen Ausgleich herbeiziu führen schienen, vermochten also das Haupthindernis für eine Verständigung zu beseitigen. Der grielnlche Minister des Auswärtigen Skuse gab heute in der Kammer ofsiziöse Erklärungen ab.Als ich ins Ministerium kam", führte er u. a. aus,war ich fest ent­schlossen, eine versöhnliche Haltung einzunchmen und einen Bruch der Beziehungen zu Rumänien zu ver meiden. Die befreundeten Kabinette rieten ebenst.lls eine freundschaftliche Lösung d-s Streites an. Ruß land schlug vor, die Unterhandlungen in Petersburg zu führen: Rumänien versagte seine Einwilligung. Ruß­land machte sich dann erbötig, die griechischen Unter- - tauen und Interessen in Rumänien, falls es zu einem Bruche konnnen sollte, unter seinen Schutz zu stellen Wir schlugen vor, die Streitfrage dem Haager Schreds- gericht zu unterbreiten: Rumänien war auch dafür nicht zu haben. Wir bemühten uns, unmittelbar zu einer e Verständigung zu gelangen, aber es erwies sich dies als e unmöglich. :reil Rumänien schließlich unannehmbare 'Bedingungen stellte. Dann kamen Ereignilw, die be­stätigten, daß unser Bestreben, eine Verständigung her- beinzusühr-n!, vergebens sein mutzte. Manifestanten drangen in die Kirche der griechischen Gesandtschaft in

Feuilleton.

(Nachdruck «rtorta»

Aus üem Londoner Knrfonleben.

Festlichkeiten im Freien. Männerirachicn.Prinzessin der Republik". Der König «nd Frau Langworth. Ellen Terry, xheaierfest im Freien. Händelsest. Znr Nationalität Handels Frieden und Freundschaft. Zum Empfang der ' dentfchen Redakteure.

London. 17. Juni.

Je weiter der Sommer vorrückt, desto mehr äußert sich das Saisonleben naturgemäß in Festlichkeiten im Freien. Sv haben wir in diesem Monat die beiden größten Wettrennen Englands, das Derby fdas übrigensDarby" ausgesprochen wird) und das U s c o t r e n n e n. Dazu erreichen auch die Parade- fahrtcn im Park, die Gartcngescllschaften, das Leben auf der Themse mit seinen zahllosen Regatten, die Tennis- Turniere und Cricket-Matches ihren Höhepunkt.

So geht es ein Jahr wie das andere. Wenn aber die diesjährige Saison ein besonders charakte­ristisches Merkmal aufzuweisen hat, so ist es das überall durchbrechende Bestreben der Männerwelt, in ihrer Kleidung der Jahreszeit mehr Rech­nung zu tragen. In dieser einen Hinsicht war die Tracht der Damen ja stets zweckentsprechender als die der Männer, wenn sie auch zuweilen hart an die viel ver­schriene Peekaboo-Bluse der Amerikanerin gestreift hat, die ans dünnstem und durchsichtigem Material gefertigt, mit ganz kurzen Ärmeln und tiefem Ausschnitt auf der Brust wie ans dem Rücken den Unwillen oder war es nur der Neid? amerikanischer Männer hervorgc- rüfen. Für den englischen Gentleman gibt es in der Stadt nur eine Tracht, den schwarzen Rock und Zylin­der. Doch wurde er heute auf der Straße auch in Stroh­hut und Joppe nicht gerade mehr auffallen, wenigstens

Bukarest und unterbrachen durch ihren Tumult den Gottesdienst. Von denselben Leuten wurde gleich daraus unser Generalkonsul Waratasst, als er das Gerichts­gebäude verließ, beleidigt. Andere Agitatoren zwangen einen griechischen Priester, die Stadt zu verlassen. Die Haltung der Behörden nötigte ihn dann, dem Lande den Rücken zu kehren. Die rumänische Regierung unter­ließ es nicht nur, sich wegen dieser Vorfälle und der vi"l schlimmeren, die ihnen vorausgegangen waren, zu ent­schuldigen, sondern ließ auch noch durch das Parlament drakonische Verwaltungsmaßnahmen beschließen, die sich gegen die Angehörigen solcher Staaten richteten, die in keinem Handelsvertragsverhältnis zu Rumänien standen, was nur auf Griechenland hinzrelt, dessen Ver­trag mit Rumänien am 1. Juli abläust. Die Fort­setzung einer solchen Haltung, die vollständig ungerecht­fertigt war, überzeugte uns, daß wir nichts von weite­ren Unterhandlungen hoffen durften, und wir be­schlossen, die Beziehungen abzubrechen. Wir wandten uns alsdann an Rußland, das sich bereit erklärte, unser? Landesangehorigen und Interessen in Rumänien in Schutz zu nehmen . . Rhallys erklärte darauf namens der Opposition, daß diese die Regierung in dem Kampfe zurVerteidigung der Gerechtigkeit und der Rechte Griechenlaiids" unterstützen werde. Es ist zu erwarten, daß auch Rumänien ferne Konsuln in Griechenland abberusen wird. Rumänischerseits wirft man den maßgebenden Gesellschaftskreisen in Athen vor, daß sie au den Totenfeiern, die zum Gedächtnis der in Mazedonien gefallenen griechischen Baiidensührer ver­anstaltet wurden, teilnahmen, wodurch sich das offiziell» Griechenland mit dem griechischen Bandentum solidarisch erklärt habe. Rumänien fühlt sich in dem Streite offen - bar als der stärkere Teil und scheint vor allen: ent­schlossen, in der Frage der Kutzowallachen um keinen Preis nachzugebcn. Wenn das griechische Patriarchat in Konstantinopel gegen die Kutzowallachen Partei nehmen sollte, wollen die Rumänen das zu erlangen suchen, was die Bulgaren durch die Schaffung des Exärchates erreichten.

Politische Kbrrstcht.

Die Lehren von Beuthen-Tarnowitz.

Die Wahl des Polen Napieralsky, welche selbst die kühnsten Siegeshoffnungen im polnischen Lager über- troffen hat, dürfte geeignet sein, den Machern und Helfershelfern der neudeutschen Politik gründlich die . Augen zu öffnen. Wie weit wir herunter gekommen sind, geht daraus hervor, daß einzelne ostdeutsche Blätter, die das früherim Staatsinteresse" nie getan hätten, heute eine überraschend offene Sprache reden. Die regie­rungstreue ,Kattowitzer Zeitung" schreibt:Angesichts I des schmerzlichen Ereignisses hat es keinen Zweck mehr.

nach seinen Begriffen nicht so auffallen wie mancher Deutsche, der in langem, schwarzem Rock in die Berge geht. Unerläßlich ist die formelle Tracht heute nur noch bei Besuchen und im Park.

Aber warum gerade im Park?

Nun, wenn man im gesellschaftlichen Leben hier von dem Park" redet, so ist damit immer nur der H y ü e - Park gemeint, und auch in diesem nur die Gegend vonRotten Row" eine verderbte Form von route du roi wo die vornehme Welt sich versammelt. Des­halb trägt der Engländer hier den formelleren Anzug samt Zylinder. Mit schwarzem Gehrock aber Strohhut und vielleicht auch braune Stiefel zu tragen wie man das in anderen Ländern oft genug beobachten kann erscheint ihm ebenso widersinnig, als wollte man in Pickelhaube und Klappantoffeln einherstolzieren.

Es ist inzwischen auch ein neuerLöwe der Saison" cingetroffen und der Löwe ist der Richtung unserer Zeit entsprechend eine Löwin, Frau Lang­worth, die Tochter de? Präsidenten Roosevelt, die seit dem Stapellauf der in Amerika gebauten Jacht des Kaisers als eine ArtPrinzessin d e r R c p u b l i k" sich vor der Öffentlichkeit gehalten, bewundert und ge­feiert worden, im Augenblick in England die allgemeinste Aufmerksamkeit auf sich zieht und im kurzen auch nach Deutschland kommen wird. Was ist es denn, was an dieser jungen Dame die ganze Welt im Banne hält, neben der die Frau des Präsidenten, ihre Stiefmutter, gar keine Rolle spielt? Nun, in Amerika zählt nur die Jugend etwas. MrS. Langworth hat aber auch andere Eigenschaften, die dort wie überall in hohem Ansehen stehen: Geistvolle Liebenswürdigkeit, Anmut, Grazie, Eleganz. Einen besonderen Wert legt man in Amerika aber auch bei einer Frau auf Selbständigkeit und un­bedingte Selbstbeherrschung. Ich traf die Präsiöenten- tochter vor zwei Jahren auf der Weltausstellung in St. , Louis auf einer Gesellschaft, wo ihr auch von allen

irgend etwas zu vertuschen, und es muß daher hier offen erklärt werden, daß zurzeit in Oberschlesien gegen keine Partei eine größere Erbitterung herrscht als gerade gegen die nationalliberale, der man nicht bloß dm Ver­antwortung für die unselige Schulnovelle, sondern auch für die neuen Steuergesetze in die Schuhe schiebt. Was nutzt demgegenüber die edle und anerkennenswerie Selbstüberwindung, mit der die freisinnigen Führer des Wahlbezirks Beuthen-Tarnowitz-Königshütte der deut­schen Sache zu Liebe eine nationalliberale Kandidatur unterstützt haben? Was nutzt uns Nationalen der gute Wille der srersinnigen Führer, wenn die freisinnigen Kerntruppen, auf deren Gefolgschaft trotz ihrer Mino­rität wir aus ideellen Gründen immer den größten Wert gelegt haben, verbittert bis auf die Knochen abseits stehen und eher die Hand in das Feuer legen als einem Nationalliberalen die Stimme geben?? Bei der Reichs- tagsersatzwahl für Korfanty wurde dieser_ mit einer überraschenden glänzenden Majorität wredergcwahlt, weil das oberschlesische Volk durch die künstlich infolge der Grenzsperre hervorgerufene Fleischteuerheit er­bittert war. Die den oberschlcsischen Bürgermeistern vom Minister Podbielski zuteil gewordene Behandlung und die regierungsseitige blanke Ablehnung von Maß­nahmen gegen den Notstand riefelt in Oberschlesien ein» tiefgehende Mißstimmung hervor, die sich l.ei der un­mittelbar darauf folgenden Reichstagsersatzwahl in der bekannten Weise auslöste. Kaum sind die damals der deutschen Sache geschlagenen Wunden verharscht, so wurde das liberale Bürgertum durch die Auslieferung der Schule an das Zentrum und vor allem durch d'e Steuergesehe abermals vor den Kopf gestoßen. So­lange die Regierungspolitik von rein agrarischen Ge­sichtspunkten geleitet wird, erwachsen den Vorkämpfern der deutschen Sache in den zweisprachigen Jndnslrie- gegenden die allergrößten Schwierigkeiten, ohne daß hiergegen taktisch irgend etwas ausgerichtet werden kann.

*

Tarnowitz. 17. Juni. (Amtliches Wahlergebnis.)' Bei der am 12. d. M- stattgehabten Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Beuthen-Tarnowitz sind im ganzen 47 190 gültige Stimmen abgegeben worden. Davon erhielten Redakteur Napieralsky-Veuthen (Radikalpole) 25 922, Berginspektor Muschallik-Beuthen (Zentrum) 7763, Vergrat Remy°Lipine (nat.-lib.) 7231 und Dergc arbeitersekretär Scholtyssek-Beuthen (Soz.) 6260 Stim­men. Napieralsky ist somit gewählt.

Portugiesisches.

n. Lissabon^ IS. Juni.

Das portugiesische Parlament ist nun wiederum auf­gelöst worden: die Neuwahlen finden im August statt, damit die Kammern im September wieder zusammen- treten können. Die Portugiesen haben sich nachgerade an diesen Gang der Dinge gewöhnt, der sich in den letz-

Seiten Huldigungen entgegengebracht wurden. Aber nichts hätte die Sicherheit ihres Auftretens wie die takt­volle Liebenswürdigkeit der jungen Dame übertreffcu können.Eine geborene Königin", lautete das übereinstimmende Urteil. Gleich nach ihrem Eintreffen in London wurde ihr zu Ehren auch ein Diner auf der amerikanischen Botschaft gegeben, an dem auch der König teilnahm. Nun, König Eduard ist immer ein Verehrer schöner, interessanter Frauen gewesen. Er hat sich aber auch längst als geschickten Diplomaten bewährt. Die Amerikaner sind sehr stolz auf ihrePrinzessin" und sehr empfänglich für ihr erwiesene Ehren. Die junge Frau mag in ihrem kurzen Leben schon mehr davon eingeheimst haben, als die Umstände zu rechtfertigen scheinen. Jndeffen diese sind, soweit das Ausland in Frage kommt, eben ganz eigener Art.

Auch bei einem noch andernEreignis der Saison" war eine Dame die Zentralfignr. Das war die fünf­zigjährige Jubiläumsfeier Ellen Terrys. ,Unö wer ist Ellen Terry?" wird dabei vielleicht mancher im Anslande gefragt haben. Ellen Terry ist die größte Schauspielerin Englands. Das will nun vielleicht auch nicht so gar viel besagen, da gerade die weiblichen Kräfte im allgemeinen nicht eben die glanzvollste Seite der englischen Bühne ausmachen. Die Jubilarin ist auch nicht eben als eine Künstlerin aller- hervorragendsten Ranges anzusehen. Dazu fehlt ihr die Kraft und die Leidenschaft. Aber eine hohe, schlanke, graziöse Erscheinung mit überaus anziehendem Gcsichts- ausdruck, konnte sie durch den Zauber ihrer Persönlichkeit

so zumal in den Rollen einer Portia, einer Beatriee

uns wohl hinreitzen: und so hat sie vielen Tausenden von Menschen glückliche Stunden bereitet. Wer wollte da das Publikum tadeln, wenn es seinen Dank in un­gewöhnlich vollem Maße darbrachte? Die Benefiz-Vor­stellung war jedenfalls einzig in ihrer Art. Da sie nachmittags stattfand, so konnten die Berufsgenofsrn