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Zur wirtschaftlichen Füge.

Auf die gute Geschäftslage, die in fast allen Er­werbszweigen Deutschlands anzutreffen ist, hat auf kurze Zeit das verdorbene Pfingstgeschäft Hemmend einge­wirkt; in den meisten Branchen ist infolge der rauhen und unbeständigen Witterung der erwartete große Um­faß nicht im entferntesten erzielt worden. Hatten Darunter vor dem Pfingstfeste die Ladengeschäfte und Warenhäuser zu leiden, so wird sich der verringerte Um­satz Die geringe Leerung der Warenlager nach Pfingsten bald bei den Grossisten und Fabrikanten bemerkbar wachen. Im allgemeinen darf ja dem verdorbenen lPfingstgefchäft eine allzu große Bedeutung nicht berge- legt werden, denn die Artikel, die nur wegen des Pfingst­festes gekauft werden, sind in der Minderheit. In der Hauptsache ist nur eine Verschiebung eingetreten, der ^Bedarf wird später gedeckt, sobald wieder günstigere Witterung eingetreten ist. Ganz besonders jetzt in der Zeit der günstigsten wirtschaftlichen Konjunktur _ tft ckaum zu befürchten, daß die aus dem ungünstigen iPsingstwetter entstandene wirtschaftliche Schädigung eine nachhaltige sein wird, selbst nicht in den Geschästs- ibr-mchen, die unter dem verringerten Absatz am mersten zu leiden hatten, in der Reiseeffektenbranche, m der Mode- und Putzwarenbranche.

Im übrigen ist die Geschäftslage fast überall eine .sehr gute, häufig sogar eine glänzende zu nennen. Die Geringere Sorge ist setzt der Absatz der Erzeugnrsw, größere Sorgen machen dagegen die Verteuerung des Rohmaterials und vielfach auch der Mangel an brauch­baren Arbeitskräften. Dieser Arbeiterniangel rst Wohl

in allen Industriezweigen zu spüren und betrifft sowohl männliche wie weibliche Arbeitskräfte. Auf diese günstige Geschäftslage hauptsächlich ist es $u setzen, wenn die seit Wochen angedrohte Aussperrung der Metall­arbeiter nicht erfolgt ist. Die Maschinenfabrikanten haben für die nächste Zeit so viele und jo lohnende Auf­träge, daß ihnen die Aussperrungen riesigen Schaden zugesügt hätten, schon deshalb, weil häufig bei unpünkt­licher Lieferung hohe Konventionalstrafen festgesetzt sind. Ist die Metallarbeiteraussperrung aber jetzt nicht durch­geführt worden, so besteht die Gefahr, daß später infolge neuer Differenzen diese Aussperrung bei schlechterem Geschäftsgang doch erfolgt. Die beiden Parteien sollten deshalb ichon jetzt in ruhigen Erwägungen eine Verern- barung herbeizusühren suchen, die für längere Zeit den Frieden sichert. Der Schwereisen-Jndustrie wäre höchst wahrscheinlich die Aussperrung der Metallarbeiter von großem Nutzen gewesen, denn diese, in der der Arbeiter- mangel besonders hervortritt, hätte dadurch viele Arbeits­kräfte aus den Metallsabriken an sich ziehen können. Auch in den Kohlenrevieren herrscht flotteste Tätigkeit und in der gesamten Textilindustrie zeigt sich dasselbe. Hier sind auch verschiedene Preissteigerungen vorgenommen worden. Weiter zeigt auch der Umstand, daß die Bier­brauereien ihre Erzeugnisse weit über einen durch dre neue Steuer verursachten Prozentsatz im Preise steigern wollen, daß die geschäftliche Lage von ihnen als erne sehr günstige angesehen wird und ebenso halten vielfach die Schlächter auch noch die Preise so hoch, wie sie nur zu den Zeiten der höchsten Viehteuerung zu entschuldi­gen waren. Das Lcdergewerbe und die Schuhwaren- brauche müssen vielfach unter erhöhten Kosten produ­zieren, denn nicht nur sind die Rohmaterialpreise ge­stiegen, auch die Arbeiter haben vielfach ^Lohnbewegun­gen dnrchgeführt, nach welchen höhere Löhne und ver­kürzte Arbeitszeiten zugestandcn werden mußten. Erst soeben wieder mußten die Arbeitgeber im Ledergewerbe zu Hamburg-Altona in eine Verkürzung der Arbeitszeit und in eine Lohnerhöhung willigen. Doch auch in diesem Gewerbe kann die Beschäftigung als eine gute gelten. Verschiedene große Lohnbewegungen sind auch im Bäckcr- gewerbe eingeleitet oder schon durchgeführt. Die flotteste Beschäftigung zeigt ferner das Baugewerbe mit seinen verschiedenen Berufen. Viele Industrien sind aus Monate mit günstigen Aufträgen überhäuft, so daß einstweilen an ein Nachlassen der günstigen Konjunktur nicht zu denken ist. Vorläufig wenigstens sind die Befürchtun­gen nicht eingetroffen, die an das Jnslebentreten der neuen Handelsverträge geknüvft werden sind und im Interesse der gesamten deutschen Volkswirtschaft kann man nur wünschen, daß die gehegten Befürchtungen nicht in dem erwarteten Umfange eintreten. 8. R.

Ke mUer on.

(Ra Qttad scxbotm)

Indische Beifebriefe.

Von Hermioue von Preuschen.

VII.

Im Punjab.

Amritsar und Lahore.

Wie kühl ist es nun schon geworden fert mcrner Karrdung in Ceylon bei 40 Grad.

DiePunkah" hat lange zu fächeln aufgehört. Mos­kitonetze gibt es nicht und sind jetzt auch unnötig. Die Lustigen ,^Hotel-Bungalows", die hohen Fensterbogen mrt stbren breiten Veranden sind aber die gleichen geblieben. _ Man friert bitterlich und die Badewanne man M«nmt hier meist kalte Bäder ruht schräg in die Ecke gelehnt.

Wenn die Sonne scheint, ist die Natur frisch herbst- «rätztg, wenn aber wie heute starker Regen fällt, dann hat das Ganze verzweifelte Ähnlichkeit mit einem deut­schen Novcmberwetter. Und das spürt man hier

doppelt. . ,

Amritsar! Die Hauptstadt der Sikhs, eine der vrelen religiösen Hinöusekten, die ich den Freimaurern ver­gleichen möchte. Sie haben ihren Hauptsitz im goldenen Tempel amTeich der Unsterblichkeit".-

Bei nLherer Besichtigung verliert sich der erste völlig verblüffende Eürdruck; denn die Details diesesgolde- nett Tempels" halten keine Prüfung auS. Aber das &aty>c in leuchtender Sonne gesehen, wirkt hinreißend malerisch. Wie sich die bunte Menge von den strahlen- Len Goldwänöen abhebt, wie sich das ganze Bild mit seinem Marmorsteg mit den Goldlaternen im klaren Teich spiegelt, rings von phantastischen Bauten und Türmen, mit Kupferdächern, Mangobäumen und Pal­men umgeben. Im Tempel selbst buntes Leben; in seinen goldstrotzenden Nischen aller drei Stockwerke hocken die gtfBa&igeB, unten aber im Kuppelraum lauern die Priester' wie bunte Spin««« und heimsen ans einem

großen Tuch unaufhörlich ein, was die Frommen unauf­hörlich bringen Mais, Korn, Kupfer hier und da auch Silber, Blumen und Muscheln.

Dazu spielt die Tempelmusik in dumpfen Tönen und singt die inbrünstige Menge, Weihranchsässer schwin­gend. Man glaubt sich fast in einer katholischen Kirche.

Die vier Eingangstüren sind aus getriebenem Sil­ber, die Rampe des Tempels aus mit Steinen eingeleg­tem Marmor, die Oberwändc, Dächer und Kuppeln aber glänzen in tiefem Goldglanz. Morgens, mittags und abends sah ich das Bild, es war stets gleich phantastisch und farbenprächtig, am hinreitzerrösten aber bei unter­gehender Sonne.

Ich kaufte mir eine Übersetzung desGranth", der Sikhblbel, die ihr ersterGuru" geschrieben. Sic glau­ben nur an einen Allgeist, und wenn die schönen und tiefen Worte von einer christlichen Kanzel klängen, würde man sagen, der Prediger sei ein großer Redner.

Vom übrigen Amritsar ist wenig im speziellen zu sagen. Die typisch indischenative-town", vielleicht noch ein bißchen enger, viereckiger und bunter wie die meisten.

Ich fand sehr schönen alten Silberschmuck. Hier werden dieCashmirshawls" gestickt und über viertau­send Cashmirarbeiter sind beim Werk. Die hiesigen Teppichfabriken gehören zu den größten in Indien.

Es hat einen sehr schönen und wohlgepflegtcn Publiegarden" mit alten Pavillons.

Bei klarem Wetter sieht man an dem weitläufigen, aber erst hundert Jahre bestehenden Gavinggarhfort in duftigen Umrissen die Niesenkette des Himalaja am Horizont austauchen.

Bon dort, von ihrem ewigen Schnee, kommen auch die kühlen Lüste, die uns in Lahore bei Regen noch emp­findlicher berühren. Im vorigen Jahre soll hier und im ganzen Punjab die Pest Tausende dahingerafst haben.

Wenn man das enge Winkelwerk von Lahore be­sieht, begreift man es. Mer es ist alles wundervoll ukalerisch, mit den Hunderten alter Holzgeschnitzter Erker, fast wie in Ahmedabad. Mau baut sie hier im Akbarstil.

fas um englische Schulgesetz und dleAMMche.

n. London, 9. Juni.

Sogenannte Demonstrationen, Volksversammlungen, verbunden mit Prozessionen, bilden ja in allen Ländern ein beliebtes Mittel zur Kundtuung des Volkswillens oder Unwillens. Nirgends sind sie aber so gang und gäbe und dabei doch auch meist so völlig bedeutungslos wie in England. Ihre Volkstümlichkeit daselbst grün­det sich auf den martialischen Geist, der selbst einem poli­tisch radikal gesinnten Nonkonformisten Englands oder einem Heilssoldaten innewohnt. Wenn sich eine Ge­legenheit bietet, hinter einer Musikbande her zu marschieren und vielleicht gar noch Banner und Fahnen zu schwenkeir, da können nur zu viele nicht widerstehen. Zudem ist die Sache ja ganz ungefährlich, denn in England wird aus Demonstranten weder ge­schossen, noch darf sich die Polizei an ihnen im Säbel­fechten üben. Daher kommt es auch, daß die Demon­strationen stets sehr harmloser Natur sind, gleichviel ob aus ihren Bannern steht:Fort mit der Monarchie", Hängt die Kapitalisten" oder Ähnliches. Nur inStaaten. wo dre Behörden sich verleiten lassen, Märtyrer aus Fanatikern zu machen, haben derartige Umzüge und Protestversammlungen etwas zu bedeuten- Merk­würdigerweise gibt es hier noch immer Leute, die Geld und Zeit für die Veranstaltung solcher Schaustellungen opfern, wiewohl sie hier jedermann als das englische Äquivalent vonMumpiz" betrachtet. Einer jener Naiven ist der evangelische Bischof von Manchester, der gestern in zahlreichen Extrazügen viele Hunderte von Protestlern gegen das neue Erziehungsgesetz aus den Spinnereien und Webereien Lancashires brachte, und mit ihnen vom Regent's Park nach der Albert Hall marschierte, wo feurige Reden gehalten wurden, in denen man gegen die beabsichtigte Gewalttat der Regierung energisch Einspruch erhob, die darauf hinausläuft, die Staatskirche des vermeintlichen Rechtes zu berauben, ihr Dogma zur Grundlage des religiösen Unterrichtes in den von den Steuerzahlern unterhaltenen Schulen zu machen. Mit dem Bischof von Manchester zusammen marschierten zahlreiche andere Kirchenfürsten und eine gewaltige Schar der niederen Geistlichkeit an der Spitze der Prozession. Trotz einer großen Menge von Wärtern, die den Zug begleitete, soll es aber vielen der Protestler gelungen sein zu entkommen, ehe man die Albert Hall erreichte. Der Bischof von Manchester war freilich auch so unvorsichtig gewesen, ihnen schon vorher je fünf Schilling für ihre Verpflegung auszuhändigen, und mit einem solchen Kapital in der Tasche vermochten _ die moralisch Schwächeren unter den Stützen der Staatskirche

Sultan Akbar baute auch das Fort und sein Shish Mahal, dessen schönere, bessere Wiederholung wir in Delhi und Agra finden. In diesen Spiegelgemächern sah Akbar durch die kleinen Spiegel, wie seine Favo­ritin Anarkali, dieGranatblüte", seinem eintretenden Sohn Jehangir zulächelte. Er ließ sie lebendig ein­mauern. Jehangir baute ihr dann später ein Grab­mal. Aus ihrem wunderbar geschnitzten Marmorsarko­phag steht sein Name: Der tiefliebendeSakim" (später Kaiser Jehangir, der Vater des Schah Jehan).

Die ganze englischeZivilisation" heißt jetztAnar­kali" nach der schönen Granatblüte. Es sind große öffentliche Bauten darin, Kliniken, eineUnivevstty", Verwaltungsgebäude, ein sehr schönes Museum, in dem der indisch-mohammedanische Stil zu verschmelzen ge­sucht wurde.

Der Besuch des Museums gibt einen guten Über­blick der alten indischen Ausgrabungen, der Naturpro­dukte und des sehr hoch entwickelten Knustgewerbes im Punjab. Die Stadt ist unendlich weit gedehnt. Am berühmtesten in ihr sind Schah Jehans Shalimar- Terrassengärten »red Kaiser Jehangrrs ,Grab: die Shadarah; ein Riesenbau mit zwei erst jetzt renovierte», eingelegten Marmorminarets.

Der Eingang zu der gekuppelten Halle ist an den Wänden mit den wunderbar farbigen, glasierten Ziegeln belegt, wie sie, fast das Merkzeichen von Lahore, sich in Resten noch an zahlreichen hiesigen Grabkrrppekn finden.

Am glanzvoll, woh-kerhattendsten aber an der Vezier Khan Moschee. Ein Blick von ihrem Mnraret bei Sonnenuntergang faßt die ganze charakteristische Schön­heit Lahores, Lessen Geschichte so viele blutige Details gibt, in leuchtender Glorie zusammen zu Tod ge­prügelte Günstlinge und KSrngnme«, eingemaucris Sklavinnen Blut und Gräuel und leuchtende Pracht die find eng verwob»^ in das Mld des dunk­len Lahore, dessen Fort das Grabmal des letzten Körrigs, Sing, heruntersunkelt, in dem der große Ranjib Sin» seine Asche mit der seiner in Sammekwitwenver- brennnng gleichzeitig endendenvier Swetat nutz Heben Konkubinen" sorglich vereinte.