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Der KaffernauMnd m Natal.

Aus Johannesburg in Brittfch-Südafrrka wird uns geschrieben:

Wenn man in Brttisch-Südafrika den in Natal aus- gebrochcncn Kasfernaufstand anfänglich auf die leichte Schulter genommen hat, so ist diese Auffassung in den letzten Wochen einer ernsteren Betrachtung gewichen. So­lange man es mit vereinzelten Erhebungen der Natal- kaffern zu tun hatte, konnte man annehmen, daß es sich um jene lokalen Unrichen handelt,'die seit dem Buren- krieg nie ganz anfgehört haben. Aber cs zeigt sich jetzt, daß man es hier mit einer wenn nicht weit verbreiteten, so doch in Verbreitung begriffenen Bewegung zu tun hat. In den letzten Wochen sind Tausende von Kafsern, die bis jetzt in Transvaal bei den Minen tätig waren, zu ihren heimatlichen Kraals im Zululande zurückge- kchrt, und der zwischen den einzelnen Kafsernstämmen eingerichtete Nachrichtendienst, der in dem Abbrennen von Feuern auf Berggipfeln besteht, funktioniert zurzeit in so bedenklicher Weise, daß man mit der Gefahr eines weiteren Anwachsens des Aufstandes rechnen mutz. Diese Gefahr würde außerordentlich groß werden, wenn sich die Gerüchte bestätigten, wonach Dinizulu, der Sohn Aetchwayos und der Erve der Zuludynastie, im Begriff sein soll, sich ebenfalls dem Aufstande anzuschließen, denn in diesem Falle würde man vor einer Gesamter­hebung der Zulukaffern stehen.

Als Ursachen des Aufstandes wirken verschiedene Umstände mit. Die wesentlichste liegt in der von der Natalregterung eingeführten Kopfsteuer, die von jedem Kafsern bezahlt werden muß, der auf seiner Farm bleibt und sich nicht zum Dienst in der Stadt oder in den Minen verpflichtet. Die Kopfsteuer beträgt 2 Pfund, also etwas über 40 M. jährlich, und sie kann, besonders wenn die Ernte schlecht ausgefallen ist, von den Kafsern nur schwer aufgebracht werden. Weiter wirkt die Gärung unter den Kafsern mit, die einmal noch von dem Buren­

FeirUletorr.

(Nachdruck »ftHrten)

Rosenbräute.

Legendäres und Historisches von Robert v. Bilitz.

Rosenbräute! Wie hold das Wort klingt! Wie oft hat man nicht schon liebliche Frauen mit Rosen ver­glichen! Und eine Braut! Welch eine Fülle von Poesie, wie viel des Schönen, Guten und Reinen schließt der Begriff nicht für uns ein! Zwar tritt das keusche Mädchen bei uns nicht mit der Rose, sondern mit der Myrte dunklem Reis geschmückt vor den Traualtar: aber dennoch haben sinnvolle Bräuche aus vergangenen romantischen Zeiten dafür gesorgt, daß die Worte Rosen und Bräute ihre Beziehungen zueinander behalten.

Die erste Rvsenbraut wurde, soweit sich das nach historischen Quellen feststellen läßt, in Salency in Frank­reich zur Zeit König Ludwigs XIII. (regierte von 1610 bis 1643) gekrönt. Die -Sage allerdings berichtet, daß bereits im Jahre 632 der Bischof Medardus einem tugendhaften Mädchen seiner eigenen Schwester in der Kirche zu Salency die Rosenkrone aufs Haupt gesetzt habe. Er, der einer der eifrigsten Heidenbekehrer und ein überaus frommer Mann war, soll lange darüber nachgesonnen haben, in welcher Weise er für seinen Geburtsort ein recht schönes und in seinen Folgen segensreiches Fest stiften könnte, bis ein Traum ihm dann den Gedanken eingab, alljährlich eine Jungfrau, welche von der ganzen Gemeinde für die tugendhafteste erklärt würde, mit fünfundzwanzig Lire und der Rosen­krone zu belohnen. Damit der Gemeinde keine Kosten daraus erstehen sollten, schenkte er ihr zur Bestreitung derselben ein Stück ihm, gehörigen Landes, welches um

kriege Herdatiert und dann durch die Erhebung der Ein­geborenen in Dcutsch-Südwestafrika neue Nahrung er­halten hat. Endlich wird der Tätigkeit der englischen Misiionen ein Teil der Schuld beigemeffen, denn sobald der Kaffer zum Christentum bekehrt worden ist und zu ! lesen und schreiben beginnt, also die Uranfänge der Bildung in sich aufnimmt, kommt er auf zwei Gedanken, nämlich auf den, daß Südafrika ursprünglich ihm gehört habe, und auf den zweiten, daß er den Weißen an Zahl ungeheuer überlegen sei. Aus diesen beiden Gedanken entwickelt sich dann leicht der dritte: Haben die Eng­länder den Buren das Land, welches diese einst uns ge­raubt haben, genommen, weshalb sollen wir es nun nicht den Engländern nehmen, damit es endlich an die wirk­lich rechtmäßigen Besitzer zurücksällt?

Freilich ist in den amtlichen Nachrichten , immer nur von den Siegen der Nataltruppen und den Niederlagen der Kafsern die Rede, aber diese allzu vielen Siege er­regen hier Bedenken, denn sie bewerfen jedenfalls die Widerstandsfähigkeit der Kafsern. Da sich, diese Kampfe fast ausschließlich auf das an Natal angrenzende Zulu- lanö erstrecken, das bis heute nur von einer Bahn durch­reit wird, so ist die Heranschaffnng von Munition und Lebensmitteln für die Truppen mtt den größten Schwie­rigkeiten verknüpft, und eine völlige Niederwerfung des Aufstandes wird schwerlich so bald zu erreichen sein. Die Kafsern haben sich jetzt, nachdem sie gesehen haben, daß bei dem Kampf auf offenem Felde für sie nichts Gutes herauskomutt, in ein undurchdringliches Busch­werk zurückgezogen, in dem es ihnen möglich ist, von Mais, Früchten und Baumwurzeln monatelang zu leben, während die englischen Truppen sich vergeblich bemühen, sie aus dem Busch herauszulocken. Dazu kommt, daß die Kafsern, was sie ja auch im Burenkriege bewiesen haben, besser als irgend ein im Lande geborener Weißer alle Wege und Schlupfwinkel kennen und daß endlich die englischen Händler mit Erfolg bemüht gewesen sind, die Kafsern mit modernen Schußwaffen zu versehen!

Wir betonten schon vorher, daß, wenn sich das Ge­rücht von der Erhebung Diuizulus bestätigen sollte, dies ziemlich gleichbedeutend wäre mit dem Aufstand der ge­samten Kafsern des Zululandes, die der weißen Bevöl­kerung von Natal um mehr als das Sechsfache überlegen ist. Noch weit mehr Furcht aber hat man hier davor, daß auch die nur nominell unter englischer Oberherrschaft stehenden, aber tatsächlich völlig unabhängigen Basutos, die an 50 000 gut bewaffnete und berittene Krieger zu stellen vermögen, durch den Kasfernaufstand angesteckt werden könnten. Obwohl in Natal bereits die gesamte Reservemannschaft aufgeboten wurde und die Städte von allen Truppen entblößt sind, und obwohl aus Trans­vaal und der Kapkolvnie bereits nahezu 4000 Mann ge­übter Freiwilliger nach Natal entsandt worden sind, zeigen doch die letzten Nachrichten, daß diese Truppcn- macht noch keineswegs genügt, der Kafsern Herr zu wer­den. Unter diesen Umständen werden sich die Kolonien zum Schluß voraussichtlich doch genötigt sehen, die Hülfe

der herrlichen Rosen willen, die darauf wuchsen, den NamenRosenlehen" führte. Als Medardus dann am 8. Juni 566 als Bischof von Nayon und Dornik starb, regnete es, wie verschiedentlich!: Legenden erzählen, warmes Wasser, was die Leute für eine himmlische Mahnung nahmen, seine Stiftung in Ehren zu halten. Gott habe den Regen geschickt sagten sie um die Rosen in des Medardus Rosenlehen zur üppigsten Blüte zu bringen. Angeblich soll daher auch die Bauernregel stammen:Regnet's am St. Mcdardustag, so regnet's noch dreißig Tag danach."

Doch, wie gesagt, ist diese Erzählung sagenhaften Ursprungs. Wer der geschichtlich beglaubigte Stifter der Roseufeste war, weiß man überhaupt nicht. Tatsache jedoch isüs, daß während der Regierung Ludwigs XIII. dem Gutsherrn von Salency das Recht zugesprochen wurde, in jedem Jahr zur Zeit der Rosenblüte unter drei ihm vorgeschlagcnen Bewerberinnen eine Rosenbraut auszuwählcn. Die Bedingung dafür war, daß nicht nur sie selbst von unanfechtbarer Reinheit war, sondern daß auch auf ihren Familienangehörigen bis ins dritte Glied kein Makel ruhte. Das Resultat der Wahl verkündigte dann der Geistliche öffentlich von der Kanzel, und den beiden andern Kandidatinnen stand das Recht zu, sie anznfechten, sofern sie triftige Gründe dafür hatten. Wahrscheinlich ist das Fest gleich von Anbeginn auf den 8. Juni, den Todestag des Medardus, gelegt: später wurde es jedenfalls immer an diesem Tag gefeiert. Es fand unter allerhand Zeremonien statt. Um 2 Uhr nach­mittags brachten zwölf junge Paare die prächtig ge­schmückte Rosenbraut aus das Schloß zu Salency, wo sie dem Gutsherrn ihren Dank für die Wahl ausfprach: von dort aus begab sich der Zug unter Begleitung des Scklnkcherrn und seiner Gemahlin zuerst in die Kirche,

Fernsprecher für die Rcdakiio« No. 82. Nuszcit von 81 «. 37 Uhr.

1906.

des Mutterlandes in Anspruch zu nehmen, wenn sich auch- die öffentliche Meinung bisher noch stark dagegen sträubt. Diese Abneigung gegen die englische Unterstützung ist übrigens der beste Beweis dafür, welche Fortschritte in den letzten Jahren die Unabhängigkcitsbewegung unter? den englischen Afrikandern gemacht hat.

Die englischen Strettkräste brachten den Aufstän­dischen im Zululand schwere Niederlagen bei. Der Häuptling Mehlokazul« und 200 Aufständische wurden getötet, viele wurden verwundet. Die Verluste der- Engländer betragen einen Offizier tot und einen Offi­zier und sechs Mann verwundet. Die Schlacht dauerte am Samstag fort.

Polittsihe Übersicht.

Russeuausweisungeu.

Seit Wochen hat keine Ausweisung von Russen statt- gesunden. Vorher hatten sich diese Ausweisungen so ge­häuft, daß sie, wie man weiß, die lebhafteste Aufmcrk- samkctt auch des Auslandes erwecken mutzten. Nach den Erklärungen des Ministers des Innern, die übrigens nur die vvrangegangencn offiziösen Mitteilungen aus dem Polizeipräsidium bestätigten, sollte es sich um das Schicksal von mehr als 5000 in Berlin lebenden Russen handeln, die entweder politisch verdächtig oder mittellos seren, so daß ihre Entfernung im öffentlichen Interesse liege. Wenn man die Zahl der wirklich Ausgewiesenen auf etwa 1000 schätzt, mehr dürften es schwerlich sein, so müßte hiernach die zuständige Behörde inzwischen zw einer veränderten Auffassung in bezug auf die noch an­wesenden Russen gekommen sein. Vielmehr, das ist offenbar auch geschehen, und so ergibt sich erfreulicher­weise, daß das öffentliche Interesse, das Staatsinteresse- wie das von Berlin und seinen Vororten keineswegs zw leiden braucht, wenn ungefähr 4000 arme Teufel aus dem Zarenreiche im Vertrauen ans das deutsche Gastrecht hier Aufenthalt genommen haben. Wir sehen in der Duldung dieser Leute einen schönen Erfolg der Proteste,' die gegen die bekannte, auch von Herrn v. Bethmann ge-, tadelte Auswcisungspraxis erhoben worden sind. Also! wird cs auch der früheren Ausweisungen nicht bedurft haben. Ihre überflüssigkeit und ihre Härte können nicht besser bewiesen werden als dadurch, daß der einge- schlagene Weg nicht fortgesetzt worden ist. Und so stellt sich erst recht die Frage ein, weshalb eine Maßregel er­griffen wurde, zu der ein schweres Herz auch dann gehört hätte, wenn man sie für unvermeidlich halten mußte. Man hat sie nicht dafür gehalten, denn sonst wäre ihre Durchführung nicht unterbrochen worden. So blickt man! auf diese Ausweisungsepisvde mit gemischten Gefühlen zurück, mit Befriedigung darüber, daß der Minister des Innern die untergeordneten Organe am Begehen wei­terer Fehler verhindert hat, und mit Bedauern über die vorher begangenen Fehler. i

wo ein gottesdienstlicher Akt stattfand, und von da in die St. Medardus-Kapelle. Hier wurde die Rosenkrone vom Geistlichen geweiht und dann der Rosenbrant aufs Haupt gesetzt. Wiederholt kamen sogar französische Könige herbeigereist, um das Fest durch ihre Anwesenheit zu ehren. Ludwig XIII. stiftete zur Vervollständigung der Nosenkrone ein breites, blanseidenes Band »nd einen silbernen Ring und Heinrich IV. ein Stipendium an barem Gelde für die Rosenbraut. Man ersteht daraus, wie berühmt diese Feste waren. Selbst während der französischen Revolution respektierten die Jakobiner sie: nur trafen sie insofern eine Änderung, als fortan vier Greife die Roscnbraut zu wählen hatten. Vom Anfänge des neunzehnten Jahrhunderts ab wird die Wahl jedoch gemeinschaftlich von dem Pfarrer, dem Maire und dem Gutsherrn von Salency vorgenommen: auch hat man das Fest aus den Sonntag nach dem Medardustage ver­legt. Noch heute aber wird es wie vor bald 300 Jahren gefeiert, und regelmäßig zur Rosenzeit kann man auf einer über der Tür des Elternhauses der Rosenbrant an­gebrachten, mit Blumen bekränzten Tafel lesen:Ditz belohnte Tugend".

Nach dem Erfolg der Rosenfeste von Salency-war es nur begreiflich, daß man auch andernorts welche veran­staltete. So hinterließ der Abt Delhiste dem Städtchen! Suröme unweit von Paris ein Kapital zu dem Zwecks Bon den Zinsen desselben erhielt jede Rosenbrant eine lebenslängliche Rente von 800 Frank. Während der Revolution gelangten diese Feste in Vergessenheit, um jedoch im Anfänge des 10. Jahrhunderts eine uner­wartete Wiederbelebung zu erfahren. Einem reichen Ehepaar ans Suröme starb die einzige Tochter, und um ihr Andenken unvergeßlich zu machen, überwiesen die Eltern der Stadt ein Kapital zur Wiederherstellung der