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541. Jahrgang.

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Kr Reform der pelifimis- und UMMrstcheruW.

Als eine bedeutsame Gründung stellt sich die unter Führung des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Marx geschaffene „Vereins-Versicherungsbank für Deutschland", Sitz in Düsseldorf, dar. Die von uns gestern bereits skizzierten Grundzüge dieses volkswirtschaftlichen Unter­nehmens iverden durch folgende Ausführungen der „Nh.-W. Z." in dankenswerter Weise ergänzt. Darnach war ein Hauptgrund für die Schaffung der neuen Ver­sicherungsbank die Überzeugung, daß die Pensions- versicherungfürdieBeamten und Ar­beiter 'industrieller oder kaufmänni­sch e r B e t r i e b e bei dem starken Wunsche zahlreicher Arbeitgeber nach brauchbaren Einrichtungen dieser Art zu reicher Entfaltung gebracht werden kann, wenn eine bedeutende Anzahl größerer Firmen selbst sich mit Aktienbesitz an einein solchen Institut beteiligt. Die Aktiensorm ist dann nicht die Erwerbsform, sondern die Form, um den als Aktionären zur Mitwirkung berufe- neu Werken einen Einfluß auf die Versicherungsanstalt zu gewähren und damit die Versichcrungseinrichtungcn der Anstalt zu eigenen Einrichtungen der Werke und Einrichtungen ihrer Angestellten und Arbeiter zu machen. Die Aktionäre haben in diesem Falle nicht das Jntorcsse an einer hohen Dividende, sondern das Inter­esse, den Versicherungsbetrieb mit einer möglichst niedri­gen Aktiendividende zu belasten. Durch diese Regelung wird erreicht, daß d-w Vorteil einer eigenen Pensions- kasse, der Einfluß auf ihre Verwaltung vereinigt wird mit den Vorteilen des Anschlusses an eine Versicherungs­gesellschaft. Eine breitere Basis für die Versicherung gestattet, die für die Pensionsversicherung in hohem Grade wünscheiiswerte Berufsspezialisierung durchzn- führen, und mutz infolge Bestreitung der Verwaltungs- ausgaben aus erhöhten Einnahmen und infolge besserer

Kemlleron.

^Nachdruck nettstem)

Pierre Corneille.

Zur Dreihnndertjahrfeier seiner Geburt am 6. Juni 1606.

Wenn man in zehn Jahren die Erinnerung an die dreihundertste Wiederkehr von Shakespeares Todestag überall feierlich begehen wird, dann wird in Deutschland Englands größter Sohn mit noch größerer Verehrung gefeiert werden als in seiner Heimat selbst und ein un­endlicher Widerhall seines Ruhmes wird m den deut­schen Gemütern erweckt sein. Jetzt feiert Frankreich in einer imposanten Reihe stolzer Feste den dreihundertsten Geburtstag seines großes Corneille, „der den Franzosen Shakespeare war", wie wir mit leiser Änderung eines Voltaireschen Wortes sagen können. Aber bei uns ist es verhältnismäßig still, der Name des gewaltigen Tragikers, der jedes französische Herz höher . schlagen läßt, ist weiten Kreisen unserer Gebildeten völlig gleich­gültig, und wenn eins unserer Theater etwa gar auf den Einfall kommen sollte, ein Stück Corneillcs aufführen zu wollen, so wird es bei der Auswahl in Verlegenheit kommen, denn keine seiner Dramen ist seit 150 Jahren auf der deutschen Bühne heiniisch geworden. Was für ein Unstern mag es wohl sein, der über den Werken dieses gewaltigen Mannes gewaltet, daß wir, die wrr uns allzu eifrig den Besitz fremder Literaturen an­eignen und alle französischen Romane nicht schnell genug übersetzen können, unsere Herzen vor diesen Meister­werken verschließen und gleichgültig an der tönenden Redegewalt dieser heroischen Gestaltungen Vorbeigehen?

Es ist Lessings Hamburgische Dramaturgie, die noch immer wie ein dunkler Schatten gerade auf der Gestalt Corneilles liegt. Immer noch wird Lessings kritisches Werk auf der Schule als etwas Unfehlbares angepriesen und nur langsam erkennen wir die historische Bedingt­heit, der cmcü die Urteile dieses „Lehrers unserer Klassi-

Verteilung d--s Risikos zu einer Verminderung der Kosten führen.

Ein fernerer Beweggrund für die Gründung des Unternehmens war die Notwendigkeit, dieVolks- versicherung zu reformieren. Die Volks­versicherung ist bekanntlich, abgesehen von dem regel­mäßigen Fortfall der ärztlichen Untersuchung und der Festsetzung häufigerer Prämienzahlungstermine, im wesentlichen nichts anderes als eine Lebensversicherung über eine kleinere Summe von durchschnittlich etwa 200 Mark. Die Volksversicherung besitzt in viel höheren: Grade, als allgemein bekannt, die Fähigkeit, rm Organisnius einer Nation die Funktioi: der Kapitalsbildung zu übernehmen. Wenn bereits Ende 1899 in England mehr als 17 Mill. Mark Volksversicherungspolicen über rund 3,4 Milliar­den Versicherungssumme und in den VereimgtenStaaten von Nordamerika mehr als 8 Millionen Mark Volks- Versicherungspolicen über rund 4,6 Milliarden Versiche­rungssumme in Kraft waren, so bedeutet dies, daß der Wohlstand dieser Länder durch den Betrieb der Volks­versicherung nicht unerheblich gehoben ist; denn durch ihn sind zahlreiche Personen, bei denen es sonst nicht der Fall gewesen wäre, mit dem Besitz kleiner Kapitalien ausgestattet worden. — Durch das bisherige schnelle Voranschreiten der deutschen Volksversicherung, die Ende 1899 eine Versicherungssumme von 550 Millionen Mark und Ende 1904 eine solche von rund 800 Millionen Mark aufwies, ist dargetan, daß sie auch in den breiten Schich­ten unseres Volkes gute Aufnahme findet.

Jedoch ist die deutsche Volksversicherung :n hohem Grade reformbedürftig, weil sie mit bedeutenden Unkosten arbeitet und die Versicherte n n ich t genügend gegen Verfall der Versiche­rn n g s ch ü tz t. Die Verwaltungskosten beliefen sich rm Jabre 1904 bei der Volksversicherung einer der größten Gesellschaften auf 23 Proz. der Prämieneinnahme be: anderen Gesellschaften auf 30 Proz., 31 Proz., 39 Proz. und sogar 53 Proz. Es erloschen im Jahre 1904 durch Verfall, d. h. also ohne jede Gegenleistung der Gesell- schaft bei einer Versicherungsanstalt rund 68 000, bei einer'anderen rund 69 000 Volksversicherungspolicen.

, Tie „Vcreins-Versicherungsbank für_ Deutschland" hnlf die Anwerbung der Versicherten und die Einziehung der Präniien bei der Versicherung der Arbeiter in­dustrieller und kaufmännischer Unternehmungen auf diese Unternehmungen und bei der Versicherung der Mitglieder von Verbänden, Vereinen, Genossenschaften und ähnlichen Vereinigungen möglichst auf diese über­tragen und dadurch die Koste,: der Volksverstchcrung

herabsetzen. Durch die Hinzuziehung der Unternehmun­gen tritt die „Vereins-Versicherungsbank" dem Verfall der Versicherungen entgegen, da auf derartigen Vermitt­lungen beruhende Versicherungen erfahrungsgemäß Pin?™ geringeren Verfall als die durch Agenten bewirk-

ker" unterworfen sind. Lessings Vernichtung der fran­zösischen Tragödie war ein ebenso notwendiger Fort­schritt unserer Kunstentwicklung wie seine Verurteilung der Barockknnst in „Laokoon". Er wandte sich gegen das Gigantische und Grandiose, gegen das Vrrtuoscn- hafte und Ausgeklügelte der pompösen Allegorien wie der dramatischen Grausamkeiten. Er verlangte nach dem Einfachen, dem Natürlichen, dem Lerdenschaftlich- Großen. Ihm klangen noch im Ohr die unerträglichen Phrasen, die gespreizten Deklamationen der deutschen Corneille-Nachahmer, er hörte die holperigen Alexan­driner Gottscheds klappern und Wut ergriff ihn auch gegen die Ursache dieses Unheils. Er hatte recht und hatte unrecht, meint Saint-Beuve. Er suchte ein er­habenes, ewiges Genie, und er fand nur einen starken, verstandesklaren, mächtigen Geist. Er hatte keinen Sinn und kein Empfinden für dieSchönheitenCorncilles, die entzücken, hinreiben und über alle Fehler, leicht hin­wegtragen. Leising ist einseitig gewesen; er hat das extremste und aufs äußerste gesteigerte Werk des „gott- lichen Peter", die „Rodogune", als Paradigma seiner Kunst aufgeführt, während es nur eine Überspannung seines Stils bedeutet; er hat die Theorien des Dichters, die er nur nach seinen „trois discours" genauer kannte, häufig für Taten genommen: in der Interpretierung des Aristoteles ist er dem eigensinnigen Corneille über­legen. der die Worte des Stagiriten seinen Dramen an­patzte, aber nicht in dem feinen Verständnis eines grotzen Stils und einer dramatischen Bühnenkunst.

Seit Lessings grotzem Vorbild war die Verurteilung Corneilles bei uns. allgemein. Selbst dem Hohn der „Xenien" ist er nicht entgangen, Schiller schrieb an Goethe in solchen Ausdrücken über den Dichter des „Cid", datz dem französischen Übersetzer dieses Briefes Saint- Renä Taillandier vor Schrecken die Feder aus der Hand fiel. Jakob Grimm erklärte Michelet: „Ich habe oft mit dem beiten Willen von der Welt Corneilles Werke aufgemacht und fühle, was an Talent in ihm ist: aber ich erlahme bald in der Lektüre, und es scheint mir dann

ten Abschlüsse unterliegen. Die zu gründende Bank will ferner den Verfall durch Einrichtung be­sonderer Prämienschutzfonds einschrän- k e n, die zwar bei der Bank Anlage finden, aber der Verfügung der angegliederten Vereinigungen und Unternehmungen unterstellt werden. Aus diesen Fonds können nach Ermessen Prämien, möglichst vorschutzweise, für den Fall gezahlt werden, datz ein Versicherungs- nehmer ohne eigene Schuld zur Weiterzahlung unfähig wird.

Der Gründungs-Ausschutz erachtet es als unerläßlich, datz die Selbsthülfe in der Form der Volksversicherung den minderbemittelten Klassen unter den günstigsten Be­dingungen geboten werde. Ihn bestiinmt hierzu das Be- wutztsein, datz Deutschland gerade wegen der weiten Ausdehnung seiner Zwangswphlsahrtseinrichtungen, welche diejenigen aller anderen Länder bei weitem üher- treffen, in erhöhten: Maße Bedacht nehmen mutz, alle Anstrengungen zu fördern, die darauf gerichtet sind, Sorge und Not in kraftvoller Betätigung des freien Willens und nicht nur im Verlatz ans Staatshülfe zu bannen, und datz es Pflicht aller Arbeitgeber ist, für die Idee der Stärkung der S e l b st h ü l f e mit größ­ter Entschiedenheit einzutreten. Eine erfolgreiche Ar­beit sowohl der Unternehmungen als der Vereinigungen nach dieser Richtung darf bei der Wirtschaftsform er- wartet werden, die von der Vereins-Bersicherungsbank neu zur Anwendung gebracht wird, denn die Aktien- betciligung einer großen Anzahl bedeutender Werke wird' ihr Interesse beleben, die bereits bei einigen Werken vorhandenen Organisationen in den Dienst einer Re­form der Volksversicherung zu stellen und die Gemein­nützigkeit wird die Bereitwilligkeit der Vereinigungen erhöhen, in gleichem Sinn zu wirken.

Die Durchführung der Pensions - undVolks- Versicherung ist, wie erwähnt, der Hauptzweck der neuen Versicherungsanstalt. Der Betrieb der Lebensversicherung soll nur' ausgenommen werden, da man jene nicht ohne diese betreiben kann.

Memelner Deutscher Urertag in München.

Unter Beteiligung von über 5000 Lehrern und Lehre­rinnen aus allen Teilen des Reiches und zahlreichen Gästen aus dem Nachbarlande Österreich, aus Sieben­bürgen, der Schweiz und selbst aus Rußland trat Sonntag in M ü n ch c n der Deutsche Lehrertag zu seinen Verhand­lungen zusammen, deren Hauptpunkte zwei brennende pädagogische Fragen, die S i m u l t a n s ch u l - und die Lehrerin neu frage bilden. Das Kgl. Bayerische Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schul» angelegcnheiteu ist durch den Kgl. Staatsrat Dr. Ritter v. Bumm-München, das Grotzherzogl. Badische Justiz-, Kultus- und Unterrichts-Ministerium durch den Geh.

ganz klar, daß ein Teil der tiefsten Empfindungen, dre die Dichtung erweckt, diesem Autor verschlossen geblieben ist" Selbst das Lob, das der geniale Anempfrnder Äug. Wilh. Schlegel dem Dichter in seinen Berliner Vorlesungen zuteil werden läßt, klingt erzwungen und gedänipft. Seitdem haben sich freilich so manche vor- urteilsfreie Verehrer Corneilles gefunden; Ranke hat mit seinem allverstehenden Blick die Gestalt des Dichters in seiner französischen Geschichte sein aus ihrem eignen Wesen und den Bedingungen der Zeit heraus erstehen lassen, Michael Bernays immer wieder seine Verehrung kundgetan. „Daß nun jeder Knabe, den die Präparation zur „Athalie" langweilt, trotzig auf die Hamburgische Dramaturgie pocht oder daß die Geringschätzung des ganzen älteren Pariser Theaters manchem Halbgebilde­ten für ein patriotisches Gebot gilt, war weder Lessings. Absicht, noch ist es seine Schuld", meint Erich Schmidts

Seinte-Beuve hat die Stellung Corneilles sein, ja vielleicht sogar mit der Abneigung des Romantikers gegen die Klassik etwas zu gering eingeschätzt, wenn er ihn einen ganz großen Nationaldichter nennt, ihm aber in der Weltliteratur nur einen Platz an zweiter Stelle einräumt. Die energische Klarheit, die logische Schärfe, die von Descartes bis zum modernen Impres­sionismus eine Haupteigenschaft des _ französische^ Geistes ist, die große dekorative Linie, die deklamato­rische Pathetik, die Beherrschung und Läuterung der Form, sie sind in Corneilles Dramen wundervoll aus-, gedrückt. Aber die Tiefe unbewußter Seelenregungen, die Mystik eines geheimnisvollen Weltsuhlens, die träumerische Versonnenheit lyrischer Sehnsucht wirst man bei ibm nicht finden. Wer sich :n seine besten Werke vertieft, wird immerhin noch genug der Wunder erleben können, die ihn in vielem unserm Schiller eben­bürtig erscheinen lassen: ein hinreitzendcs dramatisches Temperament, gewaltig geformte und rein gestaltete, Kunstwerke, eine ausgezeichnete Technik und vor allew — eine große Seele.

In den Dramen des Corneille hat die große Zeit