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Kbenö s0nsgaöe.
1. Mtatt.
Englüttd und die Anarchisten.
n. London, 2. Juni.
®ic unnrchifiifche llnictt in Madrid Icnfi ciufB neue 5ie Aufmerksamkeit der Welt auf die Tatsache, daß Eng- tand einen großen Teil der Schuld an derartigen Vor- l'ommnissen trifft, indem es den Anarchisten Asyl gewahrt. Hier in London befindet sich das Hauptquartier L-refes Gesindels. Wenn immer in den letzten Jahrzehnten eine Bluttat von Anarchisten verübt wurde gleichviel welcher Teil der Welt ihren Schauplatz bildete, stellte es sich stets sehr bald heraus, daß der Plan zu derselben in den Anarchistenklubs Londons ausgeheckt worden war und die Mordbuben sich meist von hier aus ans die grauenhafte Mission begaben. Auch dieses Mal war das zugegebenerniaßen der Fall. Dis Anarchisten machen gar kein Geheimnis daraus, wi" eine heute m der „Daily News" veröffentlichte Unterredung eines Angehörigen dieses Blattes mit einem derselben zu beweisen scheint. In mancher anderen Zeitung gedruckt, würde der betreffende Bericht wahrscheinlich als ganz unglailbtvürdig betrachtet worden sein, doch die „Daily News" ist über die „Tricks" der sogenannten gelben Presse erhaben. Ihr anarchistischer Gewährsmann müßte aber eigentlich wegen seiner Mit- wistenschaft an dem Verbrechen sofort von der Polizei festgenommen werden, doch die Wege des englischen Gesetzes sind ja sehr wunderbare, und wenn auch nur die geringste derartige Gefahr für ihn bestände, würde ->r natürlich geschwiegen haben. Jener Mami erklärte dem .uonrnalistLn zunächst, er wäre stolz darauf, Anarchist zu sein billige indes nicht die Anwendung gewalttätiger Mittel zur Erreichung der Zwecke seiner Brüderschaft Von dem Madrider Plan will er ganz zufällig Kenntnis erlangt haben, und zwar, als er am Donnerstag vor acht Tagen einen bekannten Anarchistenklub besücht» der sich in der Hampstead Road Nr. 209 befindet Bei lener Gelegenheit wurde gerade von anwesend-m Spaniern, Italienern und Franzosen das Programm der Madrider Hochzeit mit Hülfe eines Planes der Stadt erörtert. Das Haupt der Konferenz war Vallina ein etwa 25 Jahre alter, bereits viermal aus Frankreich ausgewiefener Mediziner. Auch Don Josä der Führer der spanischen Anarchisten in London, war anwesend, ging aber schon am Tag darauf nach Madrid Am Samstag folgten ihm weiters fünfzehn Anarchisten von hier, deren jeder Bomben oder Revolver mit sich führte. In Madrid trafen sie mit fünfundvicrzig Gesinnungsgenossen aus Frankreich, Belgien und Italien zusammen, die sich über die ganze Stadt verteilten.
Fe uillet on.
Rückblicke.
tNachdruck otrSptny
(Für das „Wiesbadener Tagblatt".)
Von Julius Rosenthal.
Im regenreichen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen.
Da hat in Rußland die Duma frei Zu tagen angesangen.
Mit frischem, frohem Wagemut Griff sie zum Werk, zum schweren.
Der neue Besen kehrte gut,
Wie lang wohl wird er kehren?
Wer dieses Volks Geschichte kennt, Des Reichs und seiner Zaren,
Horcht auf, wenn er vom Parlament, Vom russischen, erfahren. *
Und doch ist's Wahrheit. — Unbedingt Isis, wie's die Blätter schildern,
'ne Thronreü' las der Zar — umringt Von vielen Heil'genbilüern.
Da war der Sanktus Knuticus,
Der heilige Kosaccus,
Der Sanktus H a l t d i e s ch n u t i c u s, Der heil'gc Sibiriaccus.
Das Bild des heil'gen W u ö k i u s,
Des mut- und wnteniflammten,
Und schließlich noch Corruptius,
Der Heil'ge der Beamten.
In all der hohen Heil'gen Bann Ließ man sich's wohl gefallen,
S o fing die erste Sitzung an In diesen heil'gen Hallen.
Dienstag, den 3. Juni.
Fünf waren sür Posten auf den Stufen der Kirche be- snmmt und sollten ihre Bomben in dem Augenblick schleudern, wo das königliche Paar erschien. Weshalb sie das zu tun versäumten, weiß man im Londoner s Hauptquartier noch nicht, wohl aber besitzt man Jnsor.
,' n } < %~} 0 } 1 ' Bombe, die so fürchterliches Unheil an-
rrchtete, aus den Händen jenes Don Josä kam. Sie soll rnües weder in einem Blumenstrauß verborgen gewesen, noch aus einem Fenster des Hauses in der Calle Mayor geworfen worden sein. Besondere Vorkehrungen sind, tote der Anarchist mitteilte, überhaupt gar nicht notrg, da dre stählernen Bomben nicht viel größer als em Hühnerei seien. Falls die Ermordung oder, wie dre Anarchisten sagen, die Hinrichtung des jungen Konrgs gelungen wäre, beabsichtigte man, in Madrid sosort dre Kommune zu erklären. Der Gewährsmann der „Daily News" gab schließlich noch seiner Ver- wunderung übcr . das Verhalten der Londoner Polmer Ausdruck, dre, wre er sagte, seit drei Wochen alle die hrcr lebenden spanischen, französischen und italienischen Anarchrsten sorgfältig überwachte, sie aber kurz vor der Hochzeit rn Madrid ungestört dahin abreisen ließ Jeder ernzelne dreser befand sich bereits außerhalb Englands als dre hiesigen Wächter der öffentllchen Sicherheit bezw. die vielgepriesenen englischen Detektive, die ein bekannter Konirker einmal als Defektive bezeichnet anch nur erne Ahnung von ihrer Abreise hatten
Diese Angaben des Londoner Anarchrsten, soweit sie sich auf das Attentat selbst beziehen, stimmen allerdings m ®7 Y . mrt den Zeitungsnachrichten überein, aber es scheint auch, als tappte die Madrider Polizei vor- f™, noch arg im dunkeln umher. Die Regierung soll demnächst rm Unterhaus befraat werden, ob sie den Anarchisten nicht endlich das Asylrecht entziehen will.
-k-
Zum Attentat ans König Alfons.
Der Attentäter Matteo Morales ist entdeckt,, allerdings ist er tot; er hat zuerst den Gendarm, der ihn verhaften wollte, und dann sich selbst erschossen. Die Leiche wurde von dem 60 Kilometer von Madrid entfernten Orte Torrejon de Ardoz, wo Morales gestellt worden war, nach Madrid gebracht.
iul Madrich 4. Juni. Über die Verhaftung des Attentäters Morales werden folgende Einzelheiten gemeldet: Morales war einem Gastwirt in der Ortschaft Ardoz bei Madrid verdächtig vorqekommen. Er wollte der Polizei hiervon Mitteilung machen, inzwischen war Morales gefluchtet. Unterwegs begegnete ihm ein Polizist, oer ihn nach seinen Parieren sragie und ihn verhaften wollte, als er sich weigerte. Anfär-glich ging rj: r ^ ^lllg Mit, zog aber dann einen Revolver und erschoß den Polizisten, als er keinen Ausweg mehr sah Sofort nachdem der Vorfall in Madrid bekannt qe- worden war, wu.rde der E igentümer des Hauses, aus
Ob Rußlands Duma reüssiert Bei ihrem fernsten Tagen,
Ob sie, ob Niklas triumphiert,
Wer wollt' das Heut' schon sagen?
Vielleicht verhilft dies Parlament Dem Menschentum zum Siege,
Vielleicht auch nimmt's ein jähes End'
Und stirbt als Eintagsfliege.
Ob weiter dann die Knute gilt Auf Muschiks Lebenswege,
Ob ferner man sein Sehnen stillt Durch Kerkerhaft und Schläge,
Ob nochmals man's in Not probiert,
Der Freiheit Fahn' zu hissen,
Von allen russ'schen Heil'gen wird DaS heut' wohl keiner wißen.
Viel klarer war in Tat und Wort Man jüngst im Frankcnlandc,
Die Freiheitsgöttin strahlet dort Im neuen Prachtgcwande.
Mit wncht'gen Schritten vorwärts ging'S Zu ihres Thrones Stufen,
Es war, als hätte „91 ngen links"
Das ganze Land gerufen.
Ja „Augen links" klang's unbetort Zum Ärger aller Frommen,
Nicht nur ganz Frankreich hat's gehört,
In Rom selbst warö's vernommen.
Doch an die Grenze Deutschlands sind Die Rufe nicht gedrungen,
Infolge.von konträrem Wind Ist jedes Wort verklungen.
Und wir im Deutschen Reiche sind Auf allen unsren Pfaden Infolge von konträrem Wind Stets mehr nach rechts geraten.
Fernsprecher für die Redaktion No. 5ä
Rnszcit vo» 8—1 «. 3—7 Uhr.
1906 .
welchem die Bombe geworfen wurde, nach Ardoz gerufen, der i>te Lerche als diejenige von Morales rekog- noszierte. Die Leiche zeigte Verletzungen am Finger. Morales hatte nach fernem Verschwinden aus Madrid neue Arbeiter-Kleider angelegt und sich in Ardoz ver> schredenen Personen gegenüber abfällig über das Attentat geäußert. Unter anderem hatte er erklärt, wenn der Tater gefunden würde, müßte er mit Nadelstichen zu A^Fbmartert werden. Die ausgesetzte Belohnung von 26 000 Pesetas drrrste der Wttwe des von dem Täter erschossenen Polizeiagenten zuerkannt werden. Die Leiche !^",,MoraleZ wurde nach Madrid gebracht und nach dem Mrlrtar-Hosprtal übergeführt. Dasselbe mutzte geschlossen werden, da zahlreiche Personen seine Leiche sehen woll-
wb. Madrid, 4. Juni. Da Zweifel laut geworden smd bezüglich der Identität des Selbstmörders mit Maieo Morwies. werden mehrere Verwandte des letzteren veranlaßt, dre Leiche zu befichttgen.
™ .'y.g- Madrid, L Juni. Heute fand im Königlichen Pal-rr» der feierliche Empfang der fürstlichen und ande- ren Führer der einzelnen Missionen mit ihren Gefolqen. sowie des diplomatischen Korps statt. Unter den An- wesenden bemerkte man auch die Mitglieder der Regierung, des hohen Klerus, die Offiziere der Garnison, so- Wie zahlreiche Emgeladene. Der König und die Königin wurden /°bhaft dazu beglückwünscht, daß sie der Gefahr m der Calle Mayor entgangen seien. Der Empfang war um liy 2 Uhr beendet. Wie an den vorhergehenden Tagen war ganz Madrid festlich beleuchtet. An vielen Äigehattcn^^ panzerte, sowie Ball unter freiem Himmel
, i h .' 1 ' r ®? br ^' ‘j- Buui. Drei bei dem Bomben-Atten- wt verletzte Personen sind gestern abend und in der Nacht rm Spital gestorben. Dem Blatte „Epoca" zu- tzlge sind 13 Soldaten und 11 Zivilisten getötet, A) Äetzt worden^ ^orsoncn schwer und 4 Personen leicht
lick. Madrid, 2. Juni. Gestern abend kurz vor Sonnen-Untergang fand die Beisetzung der getöteten Offiziere und Soldaten statt. 8 Särge befanden sich im Leichenzuge. Eine große Menschenmenge, ferner die ^nfanten Carlos und Ferdinand, sowie die gesamten .^rlreter der auswärttgen Mächte, die zu den Hoch- zeits-pererlichkettsn nach Madrid gekommen waren, nahmen an der Beisetzung teil. Auf Anraten der Regierung wohnte der König der Beisetzung nicht bei. Die Beisetzung der getöteten Marchese von Tolosa und ihrer Tochter fand ebenfalls gestern abend statt. Aus allen Städten kaufen Proteste gegen dasAttcntat ein und in ^^den Dankgottesdiensts aus Anlaß dc- glucklichen Errettung des Königspaares abgehalten
s . M^rid, 2. Juni. Der König besuchte gestern dre Verle tzten in den Spitälern. Er ging von Bett zu
Das Rcichsschiff bracht' es zum Rekord Im cw'gen Recht s umdrehen,
Es neigt jetzt so nach Steuerbord Wie man's noch nie gesehen.
Doch bangt man nicht, noch fragt man an, Wohrn bre Rerse führ,e,
Des Deutschen Reiches Steuermann Hat gute Pastagicre.
Wie sehr das Schiff nach rechts auch schwankt. Man laßt es ruhig schweben,
Der Steuermann hat viel verlangt,
Man hat ihm mehr gegeben.
Wollt' hundert blaue Lappen er,
Bekam er tausend braune
Nie war ein Parlament — aus Ebr' —
In solcher Gebelaune.
Herr Stengel dacht tief im Gemütt „Ich forb're nie vergebens"
Biel eh'r würö' er des Nehmens müö'.
Als dre,es Haus — des Gebens.
So hat das Geben unverzagt Plan Woch' um Woch' erneuert Und, wär' der Reichstag nicht vertagt.
Es würü' so fortgesteuert.
wird in Deutschlands Gauen bald -^e» Reichstags Arbeit spüren,
Sic wird in vielerlei Gestalt Sich stolz uns präsenttercn.
Die Steuer, die man neu kreiert Nach weisestem Bcöünken,
Aus jeder Zigarette wird Sie uns entgegen st.
Sie wird in jedenk Fahrschein sacht Dem Fahrgast sich empfehlen,
Wenn einer eine Reise macht,
Der kann davon erzählen.
