Seite 2. _ Freitag, 1. Juni 1906.
stimmt: Der Württemberger De. Hieber, der bayerische Nationalliberale Müller nnd der Pfälzer Schmidt- Kaiserslautern. In der dritten Lesung stimmte gar nur ein einziger Nationalliberaler gegen die den Verkehr belastende Personenfahrkartensteuer: der Abg.
Hieber. Ebenso wie für die Fahrkartensteuer hat dm Mehrheit der Nationalliberalen auch für die im Zu- sammenhang mit den neuen Steuergesetzen angenommene verkehrsfeinülrche Rejolution gestimmt, welche der: ReichstanMr um .Beseitigung der im Orts- und Nach- barvorortsverkehr bestehenden billigen Tarife für Postkarten, Drucksachen, Warenproben und Geschäftspapiere, sowie uni Erhöhung der Gebühren für außerordentliche Zeitungsbeilagen ersucht. Als Fraktionsredner der Nationalliberalen erklärte der Abgeordnete für Koburg, ldr. Patzig, daß die .„große Mehrheit" seiner politischen Freunde für diese Resolution stimme. Welche Gefühle müssen einen Nationalliberalen, der 50 Millionen aus einer Fahrkartensteuer bewilligt hat, beschleichen, wenn er in dem 1697 „von Mitgliedern der Nationalliberälen Partei herausgegebenen" „Politischen Handbuch für nationalliberale Wähler" folgendes, heute auch die Nationalliberalen verdammende Urteil über die Fis- kalität des preußischen Staates liest: „Ani übelsten ist die Berkehrswirtschast selbst daran, wenn derart, wie es in Preußen seither geschehen ist, der Staat mit gieriger Hand nach allen Überschüssen der Eisenbahne« greift, um sie für sich mit Beschlag zu belegen." „Mit gieriger Hand" haben gerade die Nationalliberalen jetzt, obwohl der preußische Staat alle Überschüsse der Staatseisenbahnen für sich mit Beschlag belegt, nach einer den Eisenbahnverkehr mit 50 Millionen jährlich auch noch zugunsten des Reichsfiskus belastenden Personenfahrkartensteuer gegriffen. Und dann die Portoerhöhung! Haben die Nationalliberalen denn wirklich vergessen, wie sie selbst vor wenigen Jahren die Einführung der billigen Portosätze im Interesse des Verkehrs als einen Fortschritt mit Anerkennung begrüßt haben? Ist ihnen völlig die Erinnerung geschwunden an ihren Führer Friedrich Hammacher und dessen entschiedenes Eintreten für Portoerleichterungen? Heute drängen die Nationalliberalen dem Staatssekretär des Reichspostamtes eine Erhöhung der Portogebühren im Ortsverkehr auf. Im Jahre 1897 aber erhob sich der Führer der National liberalen Friedrich Hammacher empört, als der Staatssekretär v, Stephan eine Anregung des Abgeordneten Dr. Müller-Sagan, eine Porto-Ermäßigung durch Heraufsetzung des Normalgewichts für gewöhnliche Briefe von 15 auf 20 Gramm eintreten zu lassen, abgelehnt hatte. Derart haben früher die National- liberalen für Verkehrserleichterungen gekämpft. Daß sie für Verkehrserschwerungen gar, wie sie heute durch die Fahrkarlensteuer und die Beseitigung des OrtS- portos erstrebt werben, den Ansschlag geben könnten, haben ein Hammacher, ein Bennigsen sicherlich sich nicht träumen lassen.
Das moderne französische Heer.
Ein preußischer Offizier schreibt im „Militär-Wochenblatt" auf Grund eigener Beobachtungen: Von grundlegender Bedeutung für das französische Heer ist zunächst der Mangel an Disziplin in unserem Sinne. Dies ist die notwendige Folge der Entwickelung des aus der Auflehnung gegen jede Autorität geborenen modernen Frankreich, welche das Gefühl für Unterordnung im Volke gründlich vernichtet hat. Bis zu welchem Grade der Mangel an Disziplin geht, dafür einige Beispiele: In dem Hofe einer Kasern« in St. Cloud, welchen man von einer dicht vorbeiführenden, höher gelegenen Straße aus übersehen kann, wurden um die Mittagsstunde Appells abgehalten. Beim Vorzeigen der Sachen nahm kein Mann vor dem Unteroffizier eine inilitärische Haltung an. Bei der nun folgenden Parole-
ünd Frauen! — des Auslandes eine günstige Gelegenheit, sich bewundern zu lassen, fremde Potentaten — gleichviel von welcher Hautfarbe —, große Forscher und Entdecker, Künstler und Gelehrte. Indessen hervorragende „Löwen" sind bislang nur spärlich ausgetreten. Hier kann ich nur Grieg namhaft machen, der im Augenblick in London sehr gefeiert wird, und die außerordentliche Gesandtschaft Chinas, deren Mitgliedern in Oxford sogar Universitätsgraöe verliehen worden. Sonst blickt
man dieses Jahr vergeblich.-Aber werden nicht die
deutschen Sänger im Covent Garden, die deutschen Maler sn drei verschiedenen Galerien und wurden nicht die deutschen Bürgermeister — überall gefeiert! Die letzteren sind allerdings schon wieder abgereist: aber an ihrer Stelle werden Ende Juni vierzig deutsche Redakteure hier eintrcffen. Fürwahr, fast könnte man aus-
irufen: Dieses Jahr sind die Deutschen-- die Löwen
der Saison! — Hm! — Nun, alle diese verschiedenen Elemente kommen ja alle auf besondere Einladungen und gewiß auch mit den freundlichsten Gesinnungen für England. Aber kann man nicht unter Umständen auch eine Sache übertreiben! Und die Umstände sind hier doch recht Heikler Natur. Werden die Engländer — sehr viele wenigstens — nicht bald genug haben von der .German invasion? W i l h. F. Brand.
Aus Kunst und Leden.
Die Anfänge Antoines.
Aus Paris wird der Wiener „Zeit" geschrieben: Als Antoine, der nun endlich zum Direktor des Pariser Odäon, der größten literarischen Pariser Bühne, ernannt wurde, seine «Stellung in der Pariser Gasgesellschaft aufgab, um sich ganz dem Theater zu widmen, hatte er lange Zeit keinen Raum, um seine Vorstellungen zu geben. Mit ihm hatten zwei Gasbeamte ihre Stellung aufgegeben, und beide sind heute noch bei ihm angestellt und werden mit ihm an das Odäon übersiedeln. Seine erste Truppe suchte und fand er überall, nur nicht da, ,wo andere Direktoren sie zu finden pflegen. Zunächst
Wiesbadener Tagdlatt»
ausgabe drängte sich die ganze Kompagnie in dichtem ordnungslosen Haufen um den Feldwebel, der somit seine Leute in keiner Weise übersehen konnte. Einzelne, in den hinteren Reihen stehende Leute entfernten sich und ginger: auf dem Hofe spazieren oder begaben sich auch m die Kaserne. Ab und zu kam einer oder der andere zurück, hörte eine Zeitlang zu und ging dann wieder weg. Als der Feldwebel wegtreten ließ, war das Häuflein ziemlich zusammengeschmolzen. Die in großer Zahl aus dem Hofe befindlichen Offiziere wurden von den Leuten nur selten, etwa in einem Drittel aller Fälle, gegrüßt. Manche Leute gingen mit den Händen m den Hosentaschen unmittelbar an den Offizieren vorüber. Es kam wohl auch vor, daß von einer Gruppe von Leuten ein Teil den Vorgesetzten grüßte, während die anderen sich gar nicht um ihn kümmerten. Auffallend war, daß jeder Vorgesetzte, dem eine Ehrenbezeugung überhaupt erwiesen wurde, diese stets sehr höflich erwiderte. Auch beim Dienst hat das französische „garde ä vous" weitem nicht die elektrisierende Kraft wie unser „Stillgestanden!" Nirgends bewirkt es die bei uns verlangte absolute Bewegungslosigkeit. In den Pansen des Dienstes plaudert der Offizier mit dem Unteroffizier, der Unteroffizier mit dem Mann. Der Untergebene benimmt sich hierbei ganz zwanglos, hält die Hand in d«r Tasche, tft nicht bemüht, den Vorgesetzten beim Auf- und Abgehen stets die rechte Seite
zu lassen nsw. Die Mannschaft machte einer:
frischen durchaus guten Eindruck. Besonders anzuerkennen war die Stütze, mit der bei aller Schnelligkeit Befehlserteilung und Entwicklung vor sich gingen. Nicht ein einziges Konrinando wurde abgegeben. Die Bewegungen geschahen nach Winken oder Signalen auf der Pfeife. Die Unterführer, einschließlich selbst der Hauptleute, enthielten sich hierbei jedes nicht unbedingt nötigen Eingreifens. Ein derartiges einfaches und natürliches Verfahren konnte erst durch das Aufgeben jeglicher Exerzierdisziplin ermöglicht werden. In der Ausnutzung der hieraus sich ergebenden Vorteile ist das Reglement bis an di« äußerste Grenze gegangen, indem es beispielsweise für das Übernehmen des Gewehres, das Abschwenken mit Sektionen und das Antreten in der neuen Marschrichtung zusammen nur ein einziges Kommando vorschreibt. ... Es ist nicht zu verkennen, daß das Exerzieren lediglich nach Winken, nicht nur der Schnelligkeit zugute kommt, sondern auch von jedem einzelnen eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordert, somit auf die Selbständigkeit der Leute in günstiger Weise einwirkt. Das Fehlen der Exerzierdisziplin und die zwanglose Ausführung der Bewegungen beeinträchtigen bei d«r Übung das gute Gesamtbild keineswegs.
Die Duma und das russische Agrarproülern.
8- Petersburg, 28. Mai.
Der von 40 den Kadetten allgehörigen Abgeordneten ansgearbeitete Gesetzentwurf zur Lösung der Agrarfrage setzt als obersten Grundsatz fest, daß das Land denen gehören soll, die es benutzen, stellt also dem rönnsch-rechtlich-privaten Eigentumsrecht am Grund und Boden den urwüchsigeren, ursprünglich auch germanischen Begriff eines Nutzungsrechtes gegenüber. Demgemäß wird erne weitestgehende Expropriation aller Domänen-, Kirchen- und in Privatbesitz befindlichen Ländereien für unumgänglich erklärt. Die pri, Voten Güter sollen jedoch nur insoweit enteignet werden, als sie bis znm 1. Januar 1906 vollständig verpachtet waren oder als sie einen von der Duma festzusetzenden Umfang überschreiten. Indessen wird dieses Maximum in jenen Gegenden einer Enteignung nicht im Wege stehen, wo das verfügbare frei werdende Land für die Bedürfnisse der Bevölkerung nicht ausreicht. Den Eigentümern ist eine Entschädigung zu gewähren, die sich aber nicht nach dem mehr durch das Elend der Bauern
waren da seine Kameraden vom Gas. Bekanntlich hatte. Antoine seine Fähigkeiten gezeigt, als er die Amateurvorstellungen eines Beamtenvereins leitete. Die Leute, die in diesen Vorstellungen austraten, waren die ersten Stützen des Thäntre Libre. Einen weiblichen Stern erster Güte hatte er in Fräulein Bar n y entdeckt, die bisher als Näherin drei Frank täglich verdient hatte und die zum ersten Mal in Frankreich die Heldinnen Ibsens verkörpern sollte.
Nach langem Suchen fand Antoine einen Saal in Montparnassc am äußersten Ende des lateinischen Viertels. Da gab es unter dem Titel Elysäe-Montparnasse eine Art von Tingeltangel, das jeden Freitag geschlossen war. Antoine gab also an den Freitagen seine Vorstellungen in Montparnasse, geprobt aber wurde in seiner Privatwohnung, wo Antoine den größten, allerdings sehr beschränkten Raum zpm Probesaal herrichtete. Mit Kreide wurde auf dem Fußboden ausgezeichnet, wie die Szene nachher beschaffen war, hier eine Tür, da ein Fenster, da ein Baum, eine Mauer nsw. Die Autoren nahmen auf dem einzigen Möbel des Raumes, aus einem alten Kanapee, , Platz und schauten zu, wenn sie nicht mitwirkten.
Das Mitwirken aber war die Regel für sie. Zumindest mußten sie helfen, wenn es an den Freitagen galt, den Theatersaal drüben in Montparnasse herzuricSten, die Kulissen aufzubauen, die Einrichtung herzustellen. Geld war keines da: trotzdem sollte alles echt und gut fein: also mußte die freiwillige Mitwirkung heran- gezogcn werden. Befreundete Maler stellten die Kulissen her, Möbel, Teppiche, was immer nötig war, wurden von Freunden hergeliehen, die Statistenrollen wurden von den Autoren und ihren Freunden gegeben, und auch die allermeisten größeren Roller: wurden um der guten Sache willen ausgefüllt, nicht für schnöden Mammon. Die einflußreichsten Kritiker, S a r c e h im „Temps" und Albert Wolfs im „Figaro", führten einen erbitterten Kampf gegen Antoine: auf der anderen Seite wurde er ebenso leidenschaftlich von der jungen Kritik verteidigt, und in den Vorstellungen kam cs zu heftigen Szenen, wie wir sie seit jener Zeit in Paris nicht mehr
Morgen-Ausgabe, 1. Blatt. No. 252.
als durch den landwirtschaftlichen Wert des Badens bestimmten Marktpreisen richten darf, Die Domänengüter sollen vom Staat an solche Landbewohner aufgeteilt werden, die entweder gar keinen Fleck Erde ihr eigen nennen oder zu wenig, um darauf existieren zu können. Zu diesem Zw-cke ist noch ein Minimum zu bestimmen, das jeder einzelne Bauer an Land besitzen muß. Nach der Statistik für 1905 belief sich der bäuerliche Grundbesitz in diesem Jahre aus 83 861000 Des- jatinen (1 Desj. — 109 Ar 25 Quadratmeter), das sind 73115 000 Desjatinen weniger als die Normalziffer, die man 1861 bei der Expropriation privaten (Grundbesitzes zur Aushebung der Leibeigenschaft festsetzte. Die Gejamtzahl der im Jahre 1905 ungenügend nnt Land ausgestatteten Bauern betrug 87 587 000. Es würden demnach 72 Millionen Hektar oder 73 Millionen Desjatinen erforderlich sein, um den Bedürfnissen der Agrarbevölkerung gerecht zu werden. Der Staat besitzt an nicht mit Holz bestandenen Ländereien 3 503 000 Desjatinen, wozu noch 1860 000 Desjatinen Kron- länder kommen, was zusammen 5 363 000 Desjatinen ergibt oder ungefähr ein Bierzehntel von dem, was gebraucht wird. Wenn man unter Abrechnung eines nor- wenigen Holzbestandes die staatlichen Forsten mit berücksichtigt, würde sich das Defizit auf 40 Millionen Desjatinen verringern. Die Kirchengüter können diese Ziffer nur um einen geringen Bruchteil verändern, man ist also noch auf teilweise Enteignung des privaten, 28 882 000 Desjatinen Ackerland und 35 961 000 Desjatinen Wald umfassenden Grundbesitzes angewiesen.. In der Kommission, die den Gesetzentwurf ausarbeitete, befanden sich u. a. Fürst Dolgerukoff, Hertzensteirp Stschepkin und Nowosselzeff.
Deutsches Deich.
* Hof- tut!» P-rso;:«i-NüchrichGeh. Medizin,alrat Prof, Dr. Schweninaer hat in Meiningen Las Grundstück Les verstorbenen kommandierenden Generals Stützer ermorden und gedenkt bereits in nächster Zeit seinen dauernden Wohnsitz von Achtersclb« nach Meiningen zu verlegen.
* Klerikalismns gegen Wissenschaft. Die Gründung einer katholischen naturwissenschaftlichen Gesellschaft ist die neueste Blüte im Bertcidtgungskampfe des Klerikalismus gegen die wissenschaftliche Erkenntnis. Sie hat sich als ein Bedürfnis herausgestellt, diese Gründung, so erklärt ein Waschzettel in der klerikalen Presse. Ein Beneöiktinerpater und ein anderer klerikaler Naturwissenschaftler sind die Organisatoren in Bayern. Die Gesellschaft will die pvsiftve Forschung und ihre Vertreter in ihren Arbeiten durch Stipendien für Reisen und in der Privatdozierung fördern. Eberrso vorsichtig als durchsichtig ist das Programm formuliert für die Fälle, in denen naturwissenschaftliche Erkenntnis und der Osfenvarungsglaube unausbleiblich kollidieren müssen. Hier soll die Gesellschaft — risum teneatis — „aufklärend" wirken und „der großen populär-wissenschaftlichen Literatur von einseitiger Tendenz soll eine Popularisierung der Naturwissenschaften auf objektiver Grundlage entgegengestellt werden. Es soll damit natürlich keine katholische Naturwissenschaft gegründet werden, wie superkluge Leute sofort einwenben werden, sondern man will eine objektiv betriebene Wissenschaft". So lautete die Selbstaussagc in der Zirkularnotc, deren Spiegelfechterei auf diejenigen Eindruck machen mag, zu deren Erleuchtung die katholisch frisierte Naturwissenschaft bestimmt ist. Zu wissen, daß sic glauben müssen, das wird auch für sie das Ende vom Liede sein.
* Zum Hüger-Prozetz, der offenbar für den alten Obersten eine schlechte Wendung genommen hat, bemerkt zutreffend Oberst Gäüke im „B. T.": „Trotzdem liefert der Prozeß in seiner neuen Auflage, in der der Angeklagte endlich selbst zu Worte kommt nnd die Zeugen
erlebt haben. Ein so leidenschaftlicher Kampf war gleichbedeutend mit Sieg, denn ganz Paris sprach von Arttoine und seinem Theütre Libre, und ganz Paris wollte seine Vorstellungen sehen. Im Oktober 1888 gab Antoine seine erste Vorstellung im Theater der MenuS- Plaisirs, das seit zehn Jahren TH6Lt?e Antoine heißt.
* Der Phonograph im Dienste der Sprachforschungen. Aus London wird berichtet: Um zwei interessante lokale Dialekte, deren Anssterben nicht zu verhindern ist und sich im Laufe weniger Jahre vollzogen haben wird, wenigstens für die künftige Sprachforschung zu erhalten, nehmen englische Gelehrte jetzt genaue Aufnahmen von ihnen mit dem Phonographen. Es handelt sich um den normannisch-französischen Dialekt in Guern- sey, und „das Manx", einen gälischen Dialekt, auf der Insel Man. Man läßt alte Leute, die den Dialekt noch rein sprechen, in den Phonographen Hineinreden, und die Walzen werden gesammelt und sorgfältig in Douglas aufbewahrt. In einer Untersuchung über das Verschwinden des Dialektes Guernscy führt E. D. Mar- quanö aus, daß die alte Normannensprache, die noch aus den Kanalinseln gesprochen wird, in der Hauptsache dieselbe ist wie die vor acht Jahrhunderten von den höherstehenden Klassen in England gesprochene —, die Sprache, in der Taillefer das „Rolandslied" in der Schlacht von Hastings gesungen haben soll. In Alderney wird dieser Dialekt sicher in ganz wenigen Jahren ausgestorben sein. In Gernscy wird er sich vielleicht noch eine oder höchstens zwei Generationen erhalten. In Jersey wird das Normannisch-Französische am längsten überleben, zum Teil, weil diese Insel ein größeres Gebiet üarstellt, zum Teil wegen der Nähe Frankreichs und des Zustroms französischer Landarbeiter, die jedes Jahr einige Monate sich hier aufhalten. Der Phonograph soll nun Gedichte, Volkslieder und Erzählungen in diesem Dialekt fest- haltcn.
Deutsche Brahmsgesellschaft. Ins Berliner Handelsregister wurde dieser Tage unter Nr. 3682 die „Deutsche Brahms-Gesellschaft mit beschr. Haftung", Sitz Berlin, eingetragen, deren Gründung seinerzeit gemeldet wurde. Gegenstand des Unternehmens: Der Erwerb der Ur-
