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5*. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe«. Bczugs-PreiS: durch den Verlag 5« Pfg. monatlich, durch die Post 2 Mk. 5« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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UN. 216. Verlags-Fernsprecher No. 2958. DnNNeV^tNig^ döN 10. Müt. RedaktionS-Ferusprecher No. 52. 1906.

Morgen - Ausgabe.

__ 1. Matt.

Im Zeichen der Aussperrungen.

Trotzdem einsichtige Gewerkschaftsführer sich schon öfters gegen die Arbeitsruhe am 1. Mai ausgesprochen haben, sind in diesem Jahre amMaiseiertag" doch viele Zehntausende Arbeiter aus den verschiedensten Berufen ihren Arbeitsstätten ferngeblieben. Die Folge zeigt sich jetzt in den zahlreichen Aussperrungen, die aus allen Teilen Deutschlands und auch vom Ausland gemeldet werden. Da schon seit langer Zeit in der Metallindustrie zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern das Verhält­nis ein sehr gespanntes ist, und da hier bereits große Arbeitskämpse vor dem 1. Mai ausgebrochen waren, so verschlechterten sich infolge desMaifeiertages" die Be­ziehungen zwischen beiden Gruppen von neuem und in der Metallindustrie sind denn auch die meisten Aus­sperrungen erfolgt. Allein in Berlin wurden 16 000 Metallarbeiter ausgesperrt und im Verhältnis zu der Große der Städte sind die Anssperrungen an anderen Plätzen kaum geringer. Weiter will der Gesamtverband deutscher Metallindustrieller in einigen Tagen sämtliche in den Fabriken der Einzelmitglieder beschäftigten Metallarbeiter aussperrcn, falls nicht an den Orten, in denen die Metallarbeiter im Streik stehen, eine Einigung zustande kommt. Dabei würden weit über 300 000 Metall­arbeiter in Betracht kommen, und da das Nnhenlassen der Betriebe in der Metallindustrie auch Arbeitsruhe in anderen Betriebsarten zur Folge haben müßte, würde diese allgemeine Aussperrung der Metallarbeiter Wir- knngen haben, unter denen auch Zehntausendc aus ande­ren Berufen zu leiden hätten. Dieser Arbeitskampf würde einen Umfang annehmen, wie ihn selbst der Bcrg- arbeiteransstanö vom vorigen Jahr« nicht hatte.

Auch im Holzgewerbe sind einige Tausende Ausgc- sperrter zu verzeichnen, und ebenso in allen anderen Be­rufen in geringerem Umfange. Nicht allzu groß ist die Zahl der Aussperrungen und der Ausgesperrten im Baugewerbe, trotzdem sowohl Maurer und Zimmerer, als auch die anderen Bauhanüwcrker und die Hülfsar- beiter wie in früheren Jahren, so auch diesmal ein großes Kontingent zu den Maifciernden stellten. Dies ist in erster Linie zurückzuführen auf die günstige Kon­junktur im Baugewerbe; da die Aufträge drängen, wollen die Arbeitgeber nicht durch Aussperrungen Zeit und Arbeitskräfte verlieren, überhaupt ist im Bauge­werbe das Bestreben sichtbar, vorläufig noch die Arbcit- geberorganisationen zu stärken, um später einen Kampf mit den Arbetterverbänöen wagen zu können. Erst nach Ablauf der meisten jetzt bestehenden Tarifverträge im Jahre 1908 wird der Hauptkampf zwischen den Gruppen

der Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Baugewerbe er­wartet. Dazu wird auf beiden Seiten gerüstet. Im Berliner Buchbinöergewerbe hat die Maifeier der Gc- hülfen zur Tarifaufhebung geführt, da sich die Arbeit­geber infolge der Arbeitsunterbrechnng am 1. Mai nicht mehr an den Tarif gebunden erachten. Es bleibt abzu­warten, ob das Leipziger Tarifamt sich zu dieser Auf­fassung bekennt und ob auch die Tarifverträge der Buch­binder in Stuttgart und Leipzig, die zugleich mit dem Berliner Vertrag abgeschlossen wurden und mit ihm eine Einheit bilden, für aufgehoben erklärt werden. Besonders hier bei dieser Tarifverlctzung sieht man, daß die alte Redewendung vomWeltfeiertag", in die Praxis übersetzt, schweren Schaden für die Arbeiterorganisatio­nen bringt. Während sich die Organisationen das ganze Jahr über bemühen, Tarifverträge zustande zu bringen, durch welche stabile Arbeitsvcrhältnisse eingeführt wer­den, können alle diese Bemühungen durch die Arbeitsruhe am 1. Mai wieder beseitigt werden. Besonders im Buch- bindergcwcrbe, in dem sich die Gehülfcn seit Jahren ver­geblich bemüht haben, den für Berlin, Leipzig und Stutt­gart bestehenden Vertrag weiter auszndchnen, wäre größere Vorsicht sehr am Platze gewesen. Im übrigen läßt sich überall ersehen, daß eine einigermaßen zahlreiche Beteiligung an der Arbeitsruhe nur zu Zeiten günstiger Geschäftskonjnnktnr durchzuführen ist, da es sich dann meistens nur um einen Wechsel der Arbeitsplätze handeln kann. Bei ungünstigen Zeiten müßten die Gewerkschaf­ten für die Ausgespcrrten anläßlich der Maifeier so riesige Unterstützungen aufbringen, daß selbst die Kassen der bcstfundierten Organisation bald leer sein würden.

-er.

PoUlische Übersicht.

Die Organisation der Landarbeiter.

Eine in Berlin stattgehabte Konferenz der teilenden Personen im Verband der Fabrik- und Hülfsarbeiter kann für die Organisation der Landarbeiter von höchster Bedeutung werden. Es ist in dieser Konferenz beschlossen worden, daß der Fabrikarbeiterverband, der jetzt das erste Hunderttausend an Mitgliedern erreicht hat, in der nächsten Zeit eine energische Agitation zur Organisierung der Landarbeiter unternehmen wird. Je stärker der Zu­zug der ländlichen Arbeiter nach den Städten und Jn- önstriczentren wird, destv mehr fühlen auch bei Lohn­kümpfen die in den Arbeiterverbänden zusammcn- geschlossenen Industriearbeiter die Konkurrenz der nicht organisierten Landarbeiter. Waren nun bisher schon die Wanderarbeiter, die Schnitter, Ziegelarbeitcr usw., schwer zu einer Organisation heranzuziehen, so war die gewerkschaftliche Organisation der seßhaften Landarbeiter so gut wie ganz erfolglos. Ein Hauptgrund dieser Zu­rückhaltung der Landarbeiter ist gewesen, daß man den

Landarbeitern nur mit politischen Schlagworten cnt- entgegengekommcn war, außerdem sind die Beiträge der bestehenden Arbeiterorganisationen so hohe, daß die Landarbeiter mit ihren niedrigen Löhnen diese Beitrüge nicht aufbringen können. Innerhalb des Fabrik- und Hülfsarbeiterverbandes soll jetzt eine eigene Sektion mit niedrigen Beiträgen gebildet werden, in der die Land­arbeiter ausgenommen werden. In erster Linie soll den Landarbeitern Rechtsschutz gewährt werden bei Streitig­keiten aus Taglöhnerkontrakten, ans den Gesinde­ordnungen und aus allen Angelegenheiten des Dienst und Arbeitsverhältnisses. s. r.

Invalidenrenten.

Diejenige Stelle aus dem soeben in denAmtlichen Nachrichten" veröffentlichten Geschäftsbericht des Rerchs- Bersichernngsamtes für das Jahr 1905, welche die weitere Öffentlichkeit am meisten interessieren wird, ist gewiß der Bericht über die Ergebnisse der Vereisung der Be­zirke einzelner Versicherungsanstalten zur Erforschung der Ursachen der erheblichen Schwankungen beim Zu­gang an Invalidenrenten. Die Erhebungen betrafen im Jahre 1901 die Lanöes-Versicherungsanstalten Ost­preußen und Westprcutzen, im Jahre 1902 die Landes- Versicherungsanstalt Elsaß-Lothringen, im Jahre 1903 die Landes-Versichcrmigsanstalten Sachsen-Anhalt und Hessen-Nassau, im Jahre 1904 die Landes-Versicherungs- anstaltcn Schlesien und Brandenburg, im Jahre 1905 die Landes-Versichcrungsanstalten Rheinprovinz und Hansa- städte. Das Ergebnis der Erhebungen läßt sich dahin zusammenfassen, daß nur vereinzelt örtliche Gründe für das Ansteigen der Rentenzahl festgestcllt werden konnten, daß dagegen Rentcnbemillignngen in erheblicher Zahl wegen nicht genügender Aufklärung der tatsächlichen Verhältnisse und wegen Verwischung der Grenzen zwischen Bernfsinvalidität und reichsgesetzlicher Er­werbsunfähigkeit, insbesondere auch in zahlreichen Füllen wegen zu milder oder unzutreffender ärztlicher Beurteilung bemängelt werden mutzten. Die Beauf­tragten des Reichs-Bersicherungsamtes haben durch Be­nehmen mit den beteiligten Stellen auf die Beseitigung der ermittelten Mängel hinzuwirken gesucht. Sodann ist vom Reichs-Versicherungsamt und auch in entgegen­kommendster Weise von den staatlichen Aufsichtsbehörden das zur Herbeiführung einer gründlicheren Bearbeitung der Rentenanträge Erforderliche veranlaßt worden. Die Folgen dieser Bemühungen sind nicht ausgeblieben. Zählt man für die in den Jahren 1901 bis 1904 bereisten Versicherungsanstalten die Zahl der Rentenbewilligungen derjcngen vier Vierteljahre zusammen, welche bei jeder Anstalt der Bereisung vorangingen, so stellt sich bei ihnen die Zahl der jährlichen Rentenbewilligungen auf 65 729. Im Jahre 1905 sind von diesen Versicherungsanstalten 36 898 Invalidenrenten bewilligt worden. Die Zahl der Bewilligungen ist somit bei ihnen um 18 831, also durch-

FemUetorr.

(«»«druck «ertetng

Are Bayrische Lanües-IubMuins- Ausstellung Mrntrerg 1906.

Nürnberg, im Mai 1906.

Seit vier Jahren rüstet die mauerngekrönte alte Noris zu einem großen Unternehmen, der Bayrischen Jubiläums-Landes-Jndustrie-, Gewerbe- und Kunstaus­stellung Nürnberg 1906. Ein vielumstrittenes Plakat in Blau-Braun-Schwarz-Weiß, drei Männer: den Hand­werker, den Industriellen, den Künstler mit emblemen- aeschmückten Fahnen auf den Zinnen der Burg dar­stellend, hat die Kunde hiervon seit langem in alle Lande getragen, und überall bereitet man sich vor zu einer Fahrt nach Nürnberg, des Deutschen Reiches altem Schatzkästlein; über hundert Kongresse haben ihre Tagung in Nürnberg angemelüet. Jetzt steht man am Ende der langen Rüstzeit, am 12. M a i soll die Ausstellung feier­lich eröffnet werden.

Die Jubiläums-Landes-Ausstellung 1906 ist die dritte Bayrische Landesausstellung, die in Nürnberg abgehalten wirb. Die erste fand 1882 statt, die zweite 1896. Den Anlaß zu der dritten bayrischen Landesausstellung hat die vor 100 Jahren erfolgte Vereinigung der bayrischen Stämme: der Franken, Pfälzer und Schwaben mit den Altbayern unter dem wittelsbachischen Szepter zu einem Königreich Bayern gegeben. Was die verflossenen 100 Jahre für Bayern bedeuten, das zeigt nichts klarer als die Entwicklung Nürnbergs. Seit dem dreißigjährigen Kriege war es mit dem Glanz und Ruhm Altnürnvergs langsam, aber stetig bergab gegangen; die Finanzen der Stadt lagen gänzlich darnieder, die Bevölkerungsziffer ging stark zurück. Mit der Einverleibung Nürnberg?- in Bayern setzt der Umschwung ein. Zur Zeit des An­schlusses an Bayern am 15. September 1806 hatte Nürn­berg etw» 25lM Einwohner, heute Eft,eh deren 295 000.

Ein Anlaß, das Jubiläum in würdiger Weise zu feiern, war also wohl gegeben. Und wie hätte dies besser geschehen können, als durch eine Ausstellung, die den Stand der Kultur greifbarer vor Augen zu führen imstande ist. als irgend eine andere Veranstaltung. Trotz­dem wurde der Gedanke der Beranstaltung einer Aus­stellung, als er vor Jahren zuerst von Nürnbergs weit­blickendem ersten Bürgermeister Geh. Hofrat vr. v. Schuh ausgesprochen wurde, in den Kreisen der Industriellen und Gewerbetreibenden nicht mit der Begeisterung aus­genommen, die den beiden früheren Ausstellungen bei ihrem Entstehen und Werden entgegengebracht waren. Die in der ganzen Welt ohne Frage vorhandene Aus- stellüngsmüdigkeit machte sich auch hier bemerkbar, vor allem aber die damals herrschende wirtschaftliche De­pression und die Unsicherheit der wirtschaftlichen Lage. Als dritter Faktor kam für die Nürnberger speziell der Streit um die Platzwahl hinzu. Hie Maxfeld, hie Luitpolöhain lautete der Kampfruf. Das Maxfeld ist Nürnbergs im Norden gelegener idyllischer Stadtpark, in dem in den Jahren 1882 und 1896 die Landesaus­stellungen Unterkunft gefunden hatten. Ein wunder­barerer Rahmen für eine Ausstellung als dieser Park mit seinen uralten Linden und mächtigen Kastanien, seinen prächtigen Rvsenanlagen ist allerdings schwerlich denkbar. Aber der Luitpoldhain bot den Vorteil der mannigfaltigen Abwechselung des Ausstellungsgeländes und der unbeschränkten Ausdehnungsmöglichkeit. lind das gab den Ausschlag. Hier konnte eine großzügige Anlage geschaffen werden, ein ganz neues Werk im neuen Rahmen.

Der Ausstcllunqsplatz ist 490 000 Quadratmeter groß, dreimal so groß als das Terrain der Ausstellung von 1896, 40 000 Quadratmeter kleiner als das der Düssel­dorfer Ausstellung. 75 000 Quadratmeter der, Fläche sind überbaut. Das Hauptindnstriegcbäude deckt 25 000 Qua­dratmeter, ein Anbau dieses Gebäudes, der die Hand­werker-Ausstellung aufnimmt, außerdem noch 6000 Qua­dratmeter. Der Finanzplan bilanziert,mit,.4E000 M.;

über 2 Millionen entfallen allein auf die Bauten. Der Luitpoldhain, in dem die Ausstellung untergebracht ist, ist eine Parkanlage jüngeren Datums und im Südosten Nürnbergs gelegen. Eine Reihe von Straßenbahnlinien führen den Besucher von allen Teilen der Stadt aus, bequem zu diesem Park. Hier nimmt sie ein schattiger, von zahllosen Spazierwegen durchschnittener Ulmen- uno Linöenhain aus, der gerade zur Ausstellungs-Eröffnung sein duftigstes Frühjahrsgemand angelegt haben wird.

In zehn Minuten gelangen wir auf der vierfach geteilten Hauptallee zum Hauptportal der Ausstellung, das von zwei mächtigen Obelisken flankiert wird und an das sich rechts und links die spitzgiebeligen Gebäude für die Verwaltung und die Presse anlehnen. Zwischen diesen beiden Gebäuden hindurch blicken wir auf den mächtigen Festplatz, den in Form einer Elipse die Haupt­ausstellungsgebäude umschließen: das langgestreckte Jn- önstriegebäude, das malerisch gegliederte Staatsgebäuve, das Doppelhaus der Stadt Nürnberg, das Kunstaus- stellungsgebäuöc und das reizende Forstgebäude. Kein Bau drückt den andern, die einzelnen Bauten wirken monumental und der ganze Platz architektonisch ge­schlossen. Die Architektur ist dem Stile nach in der Hauptsache modern. Da der malerische Schmuck und das belebende Grün der Gartenanlagen heute größtenteils noch fehlt, so läßt sich noch kein endgültiges Urteil über die künstlerische Wirkung des Ganzen abgeben. Zwischen dem Jndustriegebäuöe und der Hauptrestauration breiter sich in der Mitte des Platzes ein großes, von gärtne­rischen Anlagen umgebenes Brunnenbccken aus, au§ dem eine mächtige Lcuchtfontäne ihre Wasserstrahlen in die Höhe senden wird.

Hinter dem Hauptausstellungsplatz geht das Gelände in Naturwalö über, den Reichswalö, der Nürnberg und seine Vororte meilenweit gürtclartig umspannt. Hier stehen im Schatten hoher Föhren noch eine ganze Reihe von Bauwerken, u. a. die Festhalle und die Münchener Bierhalle, in der die Münchener Grotzbrauereien ab­wechselnd ihr köstliches. Naß, verschärften werden. Bon