m s«. Jahrgang,
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No.
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VerlagS-Fernsprecher No. 2S3S.
DiMstgI, derr 1. Mm.
Ncdaktions-Jernsprecher No. 32.
1806 .
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gen-Ausgabe.
1. ^8faff. __
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nm, den viele für morsch gehalten hatten nheitsmätzig pessimistischen Österreicher bt frische Blüten. Es ist uns nicht bange des Donaureichs. Es-wird nicht zer- vielmehr neue Kräfte entfalten, abge- nzipien durch andere ersetzen, die lebens- ngsfähig fein werden, und den Mächteir zn, die dis dahin am Marke des Staats stärkere Tendenzen des Zusammenhalts Wer hätte es vor einem Jahre für daß dies Reich mit seinen teils ehrst Is verknöcherten Traditionen eine Ära Wahlrechts erleben soll. War es aber i Unerhörte geschah, so ist es auch mög- er Wirkung eines demokratischen Wahl- nalitäten und die Parteien hüben wie eale anstreben und sich von dem Zank achen, der bis dahin zerstörend gewirkt zmente müssen scharf ins Auge gefaßt ue ist, daß die ungarische Koalition bis enblick aufs äußerste dem allgemeinen strebte, das andere ist, daß die Dent- h nach mancherlei Bedenken bereit sind, m die Fahne des allgemeinen Wahl- t. Daraus folgt, daß sich der separatisti- Aedanken durch die Wahlreform bedroht >as Deutschtum in Österreich die Hosf- >,'ut besitzt, mit diesem Wahlrecht nicht che Stellung zu behaupten, sondern sie g»... — - L „ (Kesalntsiaats noch ausbauen zu können. Die ungavhA^cstitian hat sich dem Willen der Krone unterwers« utt 5 an entscheidenden Tat
bestände dfpjchts dadurch geändert, daß die Krone den Kssiu^^ern klugerweise goldene Brücken baute. Die ®<wjnatte nach der etwas heftig erfolgten Reich- tagsaufl^Mt-hrere iible Erfahrungen machen müssen. Die «ifoar,af3 sich in der Bevölkerung durchaus keine revolg„äre Stimmungen regen wollten: die andere war,tz d^r .rrs der Staatspapiere bedenklich zu sinken bcxsi, Mitftn ungarischen „Globus" war es hiernach ß'erste nick, und so mußte eingelenkt werden. Frei- ,j werden d Koalitionsparteien bei den demnächst vorznnebmenst Reichstagneuwahlen dafür sorgen, daß sie die Mehrst behalten u,rd wohl noch ziffernmäßig erhöhen. Dierfrischend unbefangene Manier, mit der n Magyarer-nde die Wahlen nach dem Willen der
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Regierung zustande gebracht zu werden pflegen, läßt in dieser Hinsicht alles aus diesem Gebiete nur Denkbare erwarten. Aber wenn das allgemeine Wahlrecht erst da sein wird (und herumdrücken kann sich der Reichstag nicht um die Reform), dann werden die nicht magyarischen Nationalitäten zweifellos darauf bedacht sein und auch die Macht dazu besitzen, ein starkes Gegengewicht gegen das magyarische Element zu schassen. Dies will sagen, daß die slavischen Völkerschaften im Reiche der Stefanskrone naturgemäß zu den österreichischen Slaven hinneigen werden, daß aber auch die stebenbürgischen Sachsen die willkommene Gelegenheit erhalten, sich wieder stärker zu rührest und in: Verein mit den anderen Deutschen Ungarns eine Brücke zu schlagen zum Deutschtum Cisleithaniens. Das will ferner sagen, daß namentlich die Kroaten, die zu den Magyaren stehen wie Feuer zu Wasser, Lust und Bewegungsfreiheit bekommen werden. Und wenn in ihnen selbstverständlich auch die slavischen Tendenzen lebendig sind, so haben sie. andererseits von altersher, gleichsam als nationale Leibgarde der Dynastie, ein Verhältnis zu Österreich, das ohne Rücksicht auf die nationalen Kämpfe in dieser Reichshülfte eine ausgesprochene Hinneigung zum Gedanken des Habsburgischen Reichs an sich darstellt.
Vieles läßt erwarten, daß man von Wien aus mit Ungarn fortan leichter als bisher fertig werden wird, und wenn so die Reichsidee wieder stärker herbortritt, so kann den Vorteil davon vor allem das Deutschtum haben, das auch in den schlimmsten Zeiten des Nationalitätenhaders der Hauptträger der geschichtlichen Überlieferungen der Donaumonarchie gewesen ist. Ein Gefühl davon, daß es jetzt gelten wird, neuen großen Aufgaben mit entschlossener Abkehr van kleinlichen Zwistigkeiten gerecht zu werden, ist offenbar namentlich in den deutschen Parteien lebendig. Man hat Vertrauen, man sieht neue Ziele, man will wieder positiv schaffen und sich nicht nur in der Bekämpfung feindseliger Tendenzen verzehren und verzehren lassen. Es wird sich noch zeigen, daß der liberale Gedanke, der am letzten Ende hie stärkste Triebkraft bei diesen Umwandlungen in dem alten Staatswesen ist, die Fähigkeit besitzen wird, frische Säfte iw -Organismus des Reichs in Bewegung zu setzen.
Politische Übersicht.
Rcichsbankpräsidcnt Koch und seine Gegner.
Vor einigen Tagen gingen Gerüchte um, nach denen die Stellung des Reichsbankpräsidenten Koch erschüttert sein sollte. Ob sie es wirklich ist, wird sich bald zeigen müssen, verdächtig aber ist die Duelle, aus der diese Gerüchte stammen, verdächtig nämlich in dem Sinne, daß
FemÄetmr.
MachdruS verbot««.)
lnser Lorchen.
r. Eine Pitgei engeschichte von Gustav Tiro.
‘ f „Rate mü sagte ich zu meiner Frau, als ich vom Bureau nach Äse kam, „was ich dir hente Schönes mitgebracht habe" ,
„Ra, wasirö's denn wieder fern", entgegncte fte ziemlich mitztrisch. „Was du schon immer mitbringst! Sie fürchtete onbar wieder eins der gewohnten Attentate meines Fundes Rudolf, der die bösartige Gewohnheit (Hai seinen Freunden und Kollegen die unmöglichsten achen zu schenken. Meine Frau hatte, seitdem ich sieines Tages mit zwei lebendrgen Eichhörnchen «berscht hatte, einen steten Verdacht, wenn iss, mit verdächten Paketen oder auch nur verdächtigen Ankündigungerrach Hanse kam. Diesmal aber erschien ich gänzlich urpackt, und dieser Anblick beruhigte sie eil wenig.
„Ich sche jnichis Verdächtiges!" erwiderte stc neu- j „erig. „Bo h du's denn? Ich sehe ja nichts!"
1 „Oh, Aterier!" — und ich öffnete die Türe und setz einen Dictmann cintreten, der ein großes sorg- ältig verhillteEtwas mit der Miene einer fürsichtigen 'Spreewälhrin ns dem Arme trug.
Sofort uiMlkten Angst und Mißtrauen die klare ; Stirn mei er Ätm von neuem.
„Hat cwa stdols doch wieder-?"
Ich nckte tram und suchte mit einem flehenden Blick auf den üenstmann das drohende Gewitter zu
beschwöre: . _ ..
„Wo sll ’di denn nn hinsetzen", fragte der Troger, indem erstch rt der verkehrten Haüd den perlenden Schweiß vn ö: roten Stirn wischte „Jbrijens 'n scheenes st er, les, was recht is!" ngei dem Worte „Tier" baalirtgneine Frau nur mühsam die Fassung, während :r Düstmann ans einen stummen Win! von mir das roße stäket auf den Eßtisch niedersetztc und umstcindli die ahllosen Nadeln aus denumhüllenden
Tüchern zog. Endlich war das Werk vollbracht: ein großer Vogelbauer stand auf dem Tisch, und in dem Bauer saß ein niedlicher grüner Papagei.
„Na, Lora, wie gefälltes dich denn hier bei deine neie Herrschaft?" sagte der Dienstmann und versuchte mit dem ängstlich in der entferntesten Ecke hockenden Vogel zärtlich zu tun. Aber Lora blieb stumm: die roten Hände, das rote Gesicht und die rote Mütze — so ein Tier Hat auch seine Aversionen! Ich wagte kaum, meine Frau anzublickeu, denn ich befürchtete den Ausbruch eines ehelichen Gewitters: zu meinem maßlosen Erstaunen aber rief sie in unverhohlenstem Entzücken: „Nein, das ist ja zu lieb, das ist wirklich reizend! Ein Papagei — das ist doch mal was Nettes! Manchmal hat Rudolf wirklich noch lichte Momente!" Und sie begann sofort, während ich in meiner Herzensfreude dem Dienstmann einen Taler Trinkgeld in die Hand drückte, mit dem verängstigten Tiere eine zärtliche Unterhaltung.
„Siehst du", sagte sie, als wir allein waren, „das hatte ich mir schon lange gewünscht, so ein drolliges Tierchen. Mit dem kann man sich wenigstens vernünftig unterhalten, und man braucht nicht erst einen Riesenkäfig anzuschaffen, wie für die beiden Eichhörnchen, die einem außerdem noch ganz nervös machten." Und sie trat zärtlich zu Loras Behausung und begann mit ihr Zwiesprache zu halten, denn es erging ihr plötzlich wie Siegfried, da er in Drachenblut gebadet hatte: sie verstand die Sprache der Vögel.
Nun hätte mir ja eigentlich die Freude meiner Gattin sehr sympathisch sein müssen, sintemal ich eine ganz andere Ausnahme befürchtet hatte. Aber leider mutzte ich ihre frohe Stimmung jäh zerstören, denn Lora war uns von Rudolf, der seiner Wirtin mißtraute, nur während seines Urlaubs in Pension gegeben: wie würde meine Frau diese Botschaft aufnehmen? Nun — sie tat cs mit überraschender Ruhe. Frauen überraschen immer! Sie bedauerte es aufrichtig, aber sie bewahrte ihre Fassung und fand sogar eine humorvolle Wendung: sie
meinte schließlich in reizendem Übermute, Rudolf solle ihn nie wieder bekommen: wer sich von so einem süßen Tierchen trennen könne, der sei gar nicht wert, es zu besitzen! Das also war Lvrchens Einzug..
die Verbreiter dieser Krisengeschichte ernst genommen werden müssen. Man hört mancherlei von agrarischen Abneigungen gegen Herrn Koch, und es wird sogar be» hauptet, daß auf derartige Stimmungen die Reibungen zurückzuführen gewesen sein sollten, die sich gelegentlich zwischen der Reichsbank auf der einen und der Seehand- lung wie der Zentralgenossenschaftskasse auf der andern Seite ergeben haben. Die ärgerlichen Vorgänge bei der letzten preußischen Anleiheennssion sollen mit auf diese Gegensätze zurückzuführen sein. Wenn die Anleihen einen Tag nach ihrer Ausgabe um Prozent sinken konnten, so geschah das nur darum, weil besonders die Seehandlung auf jede Intervention Verzicht leistete. Anscheinend aber hätte es den Ansichten und der Absicht des Reichsbankpräsidenten entsprochen, daß der Kurs gestützt wurdet Merkwürdige Andeutungen vernimmt man aber auch sonst noch. Es wird so dargestellt, als ob die vom Regierungsrat Martin ausgegangene Empfehlung eines Lombardverbots für russische Werte die Protektion von sehr einflußreichen Persönlichkeiten besitze, daß demgemäß an Herrn Koch entsprechende Anregungen herangetreten seien, daß sie aber bestimmt zurückgewiesen worden seien,- woraus sich denn ein weiteres Spannungsmoment er-c geben haben soll. Wir berichten über diese Dinge, wie in Kreisen darüber gesprochen wird, die von sich selber behaupten, sie seien unterrichtet. Wir bekennen, nicht zu wissen, was an alledem ist, möchten aber die Anfmerk-, samkeit aus die Gerüchte hinlenken, die sich mit der Per-« son des Herrn Koch beschäftigen. Außerhalb des Kreises seiner politischen Gegner wird es niemand geben, der den, Rücktritt dieses verdienten Beamten nicht aufrichtig bedauern würde. Wir wollen hoffen, daß er auf seinenk Posten wird bleiben können.
Unsere Gerichte.
Der Justizminister Beseler ist in dankenswerter Weise bemüht, zwischen Richtern und Publikum wieder die Fäden des Vertrauens zu knüpfen, die leider vielfach abgerissen oder in Verwirrung geraten sind.. Am Ende Werden wir in die Gerichtsgebäude noch mit derselben Unbefangenbeit des Gemüts gehen wie in die Post^ anstalten. Aber die Voraussetzung dazu ist frerlrch, daß die Richter die scharfe Mahnung zum Wohlverhalten, dre ihnen der Justizminister neuerdings erteilt hat, auch wirklich befolgen. Wir befürchten, es wird nicht überall geschehen. Ändere Beschwerden, bte Publikum und' Presse in bezug auf die Praxis an Gerichtsstelle erheben, scheinen leider, so berechtigt sie zweifellos sind, auf Ab- hülfe selbst dann nicht rechnen zu können, wenn die Richter den allerbesten Willen haben, den betreffenden Weisungen des Justizministers Folge zu leisten. Wir meinen das lange Warten bei Gericht. Der Minister hat die Justiz-«
Bald war Lora der Mittelpunkt der Familie und nahrn das Interesse meiner Frau so in Anspruch, daß es schließlich ungemütlich wurde und ich der Stunde ihres Einzuges fluchte. Da Rudolf als Junggeselle keinen großen Wert auf Äußerlichkeiten legte, so war auch Loras Bauer nicht erstklassig, und es war selbstverständlich, daß ich einen neuen, ebenso hübschen wie teuren (meine Frau nannte es diplomatisch „preiswert") Bauer stiften mußte. Auch ein Buch „Gefiederte Gäste" (in Pracht- banö, mit vielen Illustrationen, 12 M.) erwies sich als notwendig, und für alle Fälle ließ mich meine besorgte Frau die Adressen der in Frage kommenden Spczcal- ärzte aus dem Adreßbuch ausschreiben. Viel Kopfzerbrechen machte ihr auch das Menu Lvrchens. Ich durfte den Weg zu einem besonders warm empfohlenen Bogel- futterhänöler im äußersten Osten, Hof vier Treppen, bei miserablem Wetter nicht scheuen.
Merkwürdig, was für komplizierte Ansprüche so ent, Papagei macht, und wie leicht er andererseits seine Liebhaber zufrieden stellt! Meine Frau wußte bald auf das genaueste mit Loras Wünschen Bescheid, in manchen ärgerlichen Augenblicken war ich ordentlich eifersüchtig aus unseren Gast. So liebevoll hatte sie sich wirklich nie um meinen Appetit gekümmert, so glänzend war sie noch nie über meine Lieblingsspeisen informiert gewesen, so pünktlich war für mich nie der Tisch gedeckt worden wie für Lora. Und wie begeistert erkannte sie die geringfügigsten Leistungen des geistlosen Tieres an! Wenn der gierige Papagei zur gewohnten Stunde der Fütterung kraft seines tierischen Instinktes im Käfig unruhig Hin und her voltigierte und in sehr unsympathischen Tönen zu schnalzen begann, so fand meine Frau, der alles Geräusch beim Essen sonst abscheulich war, das „einfach süß!" Wenn die grüne Bestie mit den Flügeln schlug und mißtönig kreischte, so erklärte sie das, Gott weiß^ warum, für „fürchtbar interessant". Aber nun erst, wenn er sich endlich entschloß, seine kreischende Stimme zu einem impertinenten: „Lora, Lora" zu erheben — dann kannte die Wonne meiner Frau keine Grenzen. Sie fand unseren Pensionär, wenn er seinen Schlachtruf ertönen ließ, bezaubernd, goldig, himmlisch, entzückend, ich aber hörte in solchen Augenblicken nur Ilrroganz,
